Die Städtesammlerin – Annett Gröschner

„Wenn ich erzähle, dass ich überall, wo ich bin auf der Welt, mit der Linie 4 fahre (vorausgesetzt, es gibt eine und sie fährt über der Erde), dann werde ich oft gefragt, warum die 4? Warum nicht die 1 oder die 6? Es gibt eine einfache Erklärung: Die 4 ist die Straßenbahnlinie meiner Kindheit.“ (S. 9)

Da ich gerne Reiseberichte lese und mich diese ungewöhnliche Idee gleich begeisterte, war ich neugierig auf das, was Annett Gröschner in ihrem Buch „Die Städtesammlerin“ über ihre Art der Stadterkundung zu berichten hatte.

36_Die Städtesammlerin

Immer wieder ist es für die Autorin laut eigener Aussage, ein kleines Abenteuer, mit der Linie 4 in einem Bus, Minibus oder der Straßenbahn zu fahren, da sie im Vorfeld nie genau weiß, wohin sie im einzelnen fährt und was es für sie dabei zu entdecken gibt. In dem Buch führt sie diese Linie laut Titel an die entlegensten (?) Orte der Welt, gemeint sind damit Magdeburg, Alexandria, Astana, Buenos Aires, Istanbul, Jekaterinenburg, Kasan, Klausenburg, Minsk, New York, Peking, Reykjavik, Riga, Shanghai, Tartu, Tbilissi, Tel Aviv und Temeswar.

Dabei schildert sie nicht nur das Aussehen des jeweiligen Gefährts oder wie die Fahrscheine gelöst werden, sondern erzählt auch über das, was ihr in den einzelnen Städten bei ihrer Fahrt begegnet. Es entstehen Beschreibungen der Orte, wie man sie in den üblichen Städteportraits eher nicht findet, da die Linie 4 ja nicht zwingend an Sehenswürdigkeiten vorbei führt – und das kann mitunter auch trist und ziemlich unspektakulär sein. Die zusätzlichen Informationen über die Stadt oder sogar das Land blähen den Text dann nur noch künstlich auf, bevor sie abrupt für den Leser enden, ohne dass man das Kapitelende nachvollziehen oder mit einer Endstation der Linie 4 in Verbindung bringen könnte.

Der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Aufgrund der kreativen Reiseidee und der Anpreisung des Klappentextes war ich auf „Städteportraits, so abenteuerlich, wie nur das Leben sein kann“ eingestellt. Stattdessen hatte ich den Eindruck dass die Autorin, wie man bei uns so schön sagt ‚von Höcksken auf Stöcksken‘ kommt und mit ihren eher sachlichen Schilderungen krampfhaft Buchseiten füllen will.

Insgesamt finde ich es immer noch interessant eine Stadt auf diese willkürliche Art zu erkunden, bin aber der Meinung dass es wohl am spannendsten für den Reisenden selbst ist. Darüber zu lesen, fand ich eher ermüdend, weshalb ich dieses Buch nicht weiterempfehlen kann.

-> Zur Leseprobe


Annett Gröschner
Die Städtesammlerin
Mit der Linie 4 an die entlegensten Orte der Welt
Original: Mit der Linie 4 um die Welt, DVA, München 2012
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-328-10072-0
€ 9,00 [D] | € 9,30 [A] | CHF 12,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Penguin
Erschienen: 13.03.2017
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
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4 Antworten zu Die Städtesammlerin – Annett Gröschner

  1. Schade – hätte interessant sein können….

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