abc.etüden: Der Tod kommt ungeladen

Fast die ganze Nacht hatte sie das Tanzbein geschwungen, nur um diesem Schwätzer zu entgehen, der leider an ihren Tisch gesetzt wurde und ununterbrochen über seine vergangenen Luxus-Kreuzfahrten schwadronierte. Wer hatte den bloß eingeladen?

Heute fühlte sie sich wie gerädert. Ein Kaffee würde hoffentlich ihre Lebensgeister wecken und danach wollte sie dann sehen, was der Tag noch so zu bieten hätte. Doch irgendetwas fehlte, es war verdächtig ruhig in der Wohnung – aus der Kaninchenecke drang kein Mucks, kein kratzen und kein scharren, wie es sonst um diese Zeit langst üblich war. Und dann sah sie die Ursache. Paula lag bewegungslos in der Buddelkiste und wurde neugierig von Fee beschnüffelt. Vorsichtig betrat sie das kleine Gehege und nahm behutsam das regungslose Flauschwesen heraus. Ihre Befürchtung bestätigte sich: Das schwarze Kaninchen des Todes hatte sich ihr ältestes Langohr geholt.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen – natürlich musste man ab einem gewissen Alter damit rechnen, aber warum musste es dennoch so weh tun…


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. In dieser Woche kam die Wortspende von Ulli aus dem Café Weltenall und lautete: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

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Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
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4 Antworten zu abc.etüden: Der Tod kommt ungeladen

  1. Christiane schreibt:

    Ach, es tut immer weh …. Schön ist sie, deine Etüde, aber traurig …
    Der Tod gehört dazu, das ist so, das sagt sich so leicht, aber dennoch …
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Elke H. Speidel schreibt:

    Ja. Schöne Etüde. Schön und traurig. So ist Leben, und so ist Sterben, nicht nur bei Kaninchen. Erinnert mich an den 15. August 2015, den schwärzesten Samstag meines Lebens, als mein Mann, der abends gesund und fröhlich neben mir eingeschlafen war, nicht mehr aufwachte. Sein Sterben dauert ab diesem Moment noch 30 Stunden. Und nein, er war noch nicht in dem Alter, in dem ich „das hätte erwarten müssen“.

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