Jugend ohne Gott – Ödön von Horváth

Unmittelbar nach seinem ersten Erscheinen 1937 wurde Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ in mehrere Sprachen übersetzt und machte den österreichisch-ungarischen Schriftsteller international bekannt. Im selben Jahr wurde sie von Thomas Mann empfohlen, und Hermann Hesse schrieb über die Erzählung : »Sie ist großartig.« Es geht in ihr, so Alfred Döblin, um »eine Schule, eine mehr oder weniger verrohte Jugend, an ihr ein Lehrer, der ein Gewissen hat, sich verleugnen muß und schließlich nicht mehr kann«. Und Klaus Mann erblickte in „Jugend ohne Gott“ »alle geheimnisvollen Eigenschaften und Reize der wirklichen Dichtung«.

Und ich meine dazu: Es handelt sich hierbei um ein Werk, das mir sprachlich gut gefallen hat, mich zum nachdenken anregen konnte und mich kurzzeitig aus meiner Leseflaute herausbefördert hat. Mit nur 148 Seiten leider ein wenig kurz – ich hätte gern mehr gelesen, was allerdings für das Buch spricht.

50_Jugend ohne Gott

Durch die Erzählung führt ein namenloser Geschichtslehrer in der Ich-Form und lässt den Leser an der Verrohung der Jugend durch die Verbreitung der NS-Ideologien und Vorbereitung auf den Krieg teilhaben. Der humanistisch geprägte Pädagoge kann mit den Weltanschauungen nichts anfangen und eckt an. Als er mit seinen Schülern in ein Zeltlager fährt, wo diese für das Militär vorbereitet werden sollen, überschlagen sich die Ereignisse und bringen den Lehrer in einen Gewissenskonflikt.

Auf kurzweilige nachdenklich stimmende Weise erfährt man von der von der NS-Ideologie abweichenden Denkweise des Lehrers, der zugleich einen Gegensatz zu der verrohenden Jugend darstellt. Auch wenn es zunächst nicht so erscheint, ringt er mit sich und steht schließlich doch für seine Werte ein.

„Wer mit Verbrechern und Narren zu tun hat, muss verbrecherisch und närrisch handeln, sonst hört er auf. Mit Haut und Haar. Er muss sein Heim beflaggen, auch wenn er kein Heim mehr hat. Wenn kein Charakter mehr geduldet wird, sondern nur der Gehorsam, geht die Wahrheit, und die Lüge kommt. Die Lüge, die Mutter aller Sünden. Fahnen heraus! Lieber Brot, als tot! – So dachte ich, als mir plötzlich einfiel: was denkst du da?“ (S. 105)

„Jugend ohne Gott“ ist eine spannende Kriminalgeschichte, die ich in einem Rutsch gelesen habe und die am Beispiel eines Lehrer-Schüler-Konflikts den Menschen im faschistischen Staat schildert – eine brisante Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen und sadistischen Machtgelüsten.

So weit das Buch. Seit dem 31.08.2017 läuft eine dystopisch angehauchte Verfilmung im Kino:



Ödön von Horváth
Jugend ohne Gott [Werbung]
Taschenbuch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-518-46019-1
€ (D) 5.00 / sFr 7.90* / € (A) 5.20 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 18.08.2008

4 Kommentare zu „Jugend ohne Gott – Ödön von Horváth

  1. Vielen lieben Dank für deine Buchbesprechung, die mich soeben dazu ermutigt hat, das Buch aus dem ungelesenen Zustand zu befreien! 🙂

    Ich lasse ganz liebe Grüße da
    Natascha

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Natascha,
      das freut mich sehr und ich hoffe, dass dir das Buch so gut gefällt, wie mir. Aber nach dem Lesen des Buches traue ich mich gar nicht mehr in Film hinein, obwohl der Trailer mich ursprünglich zu dem Buch brachte. Manchmal ist das Leben etwas kompliziert 🙂
      LG Yvonne

      Gefällt 2 Personen

      1. Das kenne ich. Wobei ich mich darin übe das Buch und die Verfilmung als etwas eigenes zu betrachten – so schwer es auch fällt die beiden Inhalte dann nicht zu vergleichen. 🙂

        Gefällt 1 Person

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