Schöne neue Welt – Aldous Huxley

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Schöne neue Welt (Englisch: Brave New World) ist ein 1932 erschienener dystopischer Roman von Aldous Huxley, der eine Gesellschaft in der Zukunft, im Jahre 2540 n. Chr. beschreibt, in der Stabilität, Frieden und Freiheit gewährleistet zu sein scheinen.

Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indoktrinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß den jeweiligen gesellschaftlichen Kasten geprägt, denen sie angehören sollen und die von Alpha-Plus (für Führungspositionen) bis zu Epsilon-Minus (für einfachste Tätigkeiten) reichen.

»Bis schließlich der Geist des Kindes aus lauter solchen Einflüsterungen besteht und die Summe der Einflüsterungen den Geist des Kindes bildet. Und nicht nur den des Kindes, auch den des Erwachsenen – zeit seines Lebens. Der urteilende, begehrende, abwägende Verstand – er ist aus diesen Einflüsterungen aufgebaut. Und alle diese Einflüsterungen sind unsere Einflüsterungen!« Der Direktor schrie fast in seinem Triumph. »Einflüsterungen des Staates!‹ (S.46)

Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.

»Heutzutage – sehen Sie, das ist wahrer Fortschritt! – arbeiten die alten Leute, erfreuen sich ihrer sexuellen Triebe, sind immer beschäftigt, das Vergnügen lässt ihnen keine Muße, keinen freien Augenblick, um sich hinzusetzen und nachzudenken. Und selbst wenn sich durch einen unglückseligen Zufall ein Loch in der ununterbrochenen Folge ihres Zeitvertreibs auftut, ist immer Soma zur Hand, das köstliche Soma! Ein halbes Gramm genügt für einen freien Nachmittag, ein Gramm fürs Wochenende…« (S. 70)

Das Werk gehört zu den einflussreichsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Es inspirierte Autoren aller Generationen zu eigenen Zukunftsvisionen. Im Unterschied zu Orwells „1984“ besteht das Totalitäre bei Huxley nicht in der brutalen Unterdrückung eines Überwachungsstaates, sondern im genormten Wohlfühlglück einer hoch entwickelten Gesellschaft, in der Unruhe, Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch individuelle Freiheit, Kunst und Solidarität auf der Strecke geblieben sind.

„Damals“, schrieb Huxley über seinen Roman, „verlegte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus möglich, dass uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt.“

Und genau das machte auch für mich den Reiz dieses Buches aus. Man merkt dem Werk sein Alter nicht an, sondern staunt eher darüber, wie nah Huxley mit seinen Ideen unserer heutigen Welt gekommen zu sein scheint. So sehr ich auch über manches Schmunzeln musste und Freude an den Phantasien des Autors hatte, so sehr beschäftigte mich das Gelesene im nachhinein. Die Entwicklungen dieser Gesellschaft sind nachvollziehbar und scheinen begründet, doch beim Lesen begleiten einen immer auch die Schattenseiten, so dass dieses Buch ein ganz besonderes Leseerlebnis bietet, bei dem man selbst immer viel analysiert, über die Hintergründe und Auswirkungen nachdenkt, aber auch Übereinstimmungen und Entwicklungstendenzen in der Gegenwart sucht. Für mich ein echtes Lesehighlight und ich weiß nun auch endlich, was sich genau dahinter verbirgt, wenn jemand mit bedauern in der Stimme den Ausdruck „Schöne neue Welt“ verwendet.

Immer wenn ich das Buch zur Hand nahm, hatte ich zur Einstimmung den Refrain dieses Liedes im Kopf, das sich auf das Buch bezieht und das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte 😉

Und hier abschließend noch eine kleine Einflüsterung der Konsumgesellschaft, die in unserer Welt glücklicherweise je nach Bedarf auch gern überhört werden kann:

„Zurück zur Kultur. Tatsächlich zur Kultur! Man verbraucht nicht viel, wenn man stillsitzt und Bücher liest.“ (S. 65)

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Aldous Huxley
Schöne neue Welt
Übersetzt von Herberth E. Herlitschka
Taschenbuch, 266 Seiten
ISBN: 978-3-596-90345-0
€ 8,00 [D], € 8,30 [A]
Verlag: Fischer
Erschienen: 07.2011

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Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
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4 Antworten zu Schöne neue Welt – Aldous Huxley

  1. dagmaregeroffel schreibt:

    Danke für die Erinnerung an dieses Leseerlebnis! Du hast recht, diesem Buch merkt man sein Alter wirklich nicht an, auch in der Sprache. Es bleibt eine der besten zeitlosen Dystopien des 20. Jahrhunderts! LG Dagmar

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  2. geistesgewitter schreibt:

    Ein wunderbares Buch. Es steht schon über 30 Jahre in meinem Bücherregal und egal, wann man darin blättert, es ist immer hochaktuell.

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  3. Myriade schreibt:

    Eines meiner Lieblingsbücher. Es ist großartig prophetisch aber auch ein wirklich unterhaltsames Buch. ZU meinen Lieblingspassagen zählt, dass man neue Spiele nur dann produzieren darf, wenn sie mehr Teile umfassen als alle bekannten Spiele …..

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  4. Pingback: 12 aus 2017 – Meine Jahreshighlights | umgeBUCHt

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