abc.etüden: Körpererziehung

Angefangen hatte alles mit Rückenschmerzen, die sich nur durch regelmäßiges Training auf ein erträgliches Maß reduzieren ließen – so hatte ihr das zumindest der Physiotherapeut in Aussicht gestellt und es hatte sich als wahr herausgestellt, schluderte sie, bezahlte sie mit unerträglichen Schmerzen, die ihre Beweglichkeit auf ein Minimum zurückschrumpfen ließen. Und genau mit diesem Minimum musste sie immer wieder vorsichtig trainieren, bis sie irgendwann wieder ihren ganz persönlichen Normalzustand erreichte, bei dem immer noch kleine Einschränkungen und ein gelegentlicher Schmerzblitz sie daran erinnerten, dass sie wirklich ein Rückenproblem hatte.

Inzwischen war es ihr gelungen, regelmäßigen Sport als einen unverzichtbaren Teil ihres Lebens anzusehen, der nicht mehr nur ein notwendiges Übel war, sondern dafür sorgte, dass sie wieder beweglicher wurde und sich um ein Vielfaches lebendiger fühlte. Selbst auf ihre Ernährung achtete sie mittlerweile genauer und es bedeutete sogar einen Zuwachs an Lebensqualität, dass sie nicht mehr wahllos alles Essbare in sich hineinstopfte, sondern sich genau überlegte, wofür sie Kalorien investieren wollte. Und doch würde dieser Punkt auf ihrem Gesundheits-Notenblatt vermutlich doch nur ein „ausreichend“ bekommen, weil sie viel zu gern schlemmte und auch den zahlreichen kulinarischen Genüssen, mit denen ihr Herzbube – seines Zeichens ein gelernter und dazu noch begnadeter Koch – sie verwöhnte, manchmal einfach nicht entsagen konnte.

Um das auszugleichen, waren ihre Spaziergänge immer länger und intensiver geworden, kosteten aber immens viel Zeit und auf ihrem Crosstrainer schaffte sie abends auch inzwischen 40 Minuten, die ihr frühabendliches Fernsehen von einer passiven in eine aktive Zeit umwandelten. Und so ging sie schließlich mit dem Gedanken schwanger, ihr Ausdauertraining nochmal zu überarbeiten. Zu gern würde sie noch das Joggen in ihren Wochenplan einbauen, weil es ein Draußen-Sport war, der ihr vor knapp 15 Jahren bereits viel Spaß gemacht hatte, auch wenn damals alles mit schmerzhaften Knieproblemen endete, weil sie viel zu schnell viel zu viel wollte und ihren Körper dabei überforderte. Doch dieses Mal würde alles anders werden, weil sie sportlich gut vorbereitet war und alles langsamer angehen lassen würde. Die App fürs Handy war bereits heruntergeladen und würde sie mit stetig wachsenden Intervallen ans Laufen heranführen – es konnte losgehen!


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Dieses Mal: Notenblatt, schwanger, trainieren.

 

 

 

Über Yvonne

...glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und mit dem Lesesessel verwachsen...
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3 Antworten zu abc.etüden: Körpererziehung

  1. Christiane schreibt:

    Ach Mensch. Wenn du das so schreibst, hat das irgendwie was Aufbauendes, finde ich. Nur ein Schritt weg von einer Erfolgsgeschichte. Mag ich.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

  2. Anita Torke schreibt:

    Ich glaube, ich kenne die Person, die hier ihre Geschichte erzählt! Sehr interessant!

    Gefällt 1 Person

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