abc.etüden: Flotter Käfer

Als sie ihn entdeckte, war ihr erster Impuls lauthals „Iiiiih!“ zu schreien, aber beim zweiten Blick erkannte sie, welches Krabbeltier sich tatsächlich in ihre Wohnung verirrt hatte. Es handelte sich um einen Maikäfer. Keinen Marienkäfer, sondern ein echter Maikäfer, der ein leise schabendes Geräusch beim Krabbeln auf ihrer Rauhfasertapete machte.

So eine Gelegenheit bekam sie so schnell wohl nicht wieder, holte ihre Kamera und wechselte ihr Standardobjektiv rasch gegen das Makroobjektiv aus. Immer näher traute sie sich an das selten gewordene Tierchen heran und schon bald waren wunderbare Großaufnahmen des eigentlich ganz hübschen Käfers im Kasten.

Das Insekt war zwar inzwischen auf Bildern gebannt, aber wie sollte es nun weiter gehen? In der Wohnung bleiben konnte und sollte der Käfer unter keinen Umständen und ihr Mann war außer Haus. Was wenn das Tier womöglich hinters Sofa kroch oder, noch schlimmer, hinter den Schrank, wo es nicht einzufangen war? Allein bei der Vorstellung schüttelte es sie.

Einen Spider-Catcher hatte sie trotz vielfacher Überlegungen noch immer nicht zur Hand, aber glücklicherweise war das Handy griffbereit und ihr Bruder, den sie für heute zum Held des Tages auserkoren hatte, wohnte gleich um die Ecke – wenn er einen rekordverdächtigen Sprint hinlegte, würde er sicherlich schneller als der Maikäfer sein.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Dieses Mal: Maikäfer, leise, schreien.

10 Kommentare zu „abc.etüden: Flotter Käfer

  1. Grins. Erschließt sich mir nicht, was an einem Maikäfer so „Fürchterbares“ dran sein soll, dass frau ein männliches Wesen benötigt, um es zu jagen respektive vorsichtig einzufangen und zum Fenster hinaus in die Käferfreiheit zu befördern. Aber ja, es gibt Phobien – mein Schwiegersohn hätte vermutlich auch (leise schreiend) nach meiner Tochter verlangt, wenn er so ein Krabbelwesen in der Wohnung entdeckt hätte. Dafür krallt sich ihr die Seele zusammen, wenn sie einen VOGEL sieht. Weil der nämlich FEDERN hat. Fragt mich nicht, was daran so schlimm sein soll, denn ich weiß es auch nicht!

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    1. So hat halt jeder irgendetwas, das er fürchtet oder das ihn ekelt. Die Schönheit von Krabbeltieren erschließt sich mir tatsächlich nur, wenn ich sie durch die Kameralinse bestaune. Mehr Nähe finde ich widerlich.

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      1. Im Moment haben wir Hirschkäfer im Garten, u.z. haben wir Männchen gesichtet. Das sind die mit den großen Zangen. Mit bloßem Auge sieht man gar nicht, wie kunstvoll sie gebaut sind, das erschließt sich wirklich erst bei der Nahaufnahme und dann auf dem PC. Immer wieder ein Moment des Staunens und der Ehrfurcht vor der Vielfalt des Lebens.

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      2. Ein Hirschkäfer ist schon imposant! Bevor ich das Fotografieren für mich entdeckt habe, wusste ich die Schönheit mancher Insekten gar nicht zu schätzen. Es ist ein Hobby, das auf viele Arten bereichert.

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    1. Ich verrat’s auch nicht weiter 😉
      Aber ehrlich: Durch die Kamera betrachtet sind manche Käferarten wirklich schön. Sie haben zum Teil ganz filigrane hübsch gestaltete Fühler und Beinchen. Und gerade der Maikäfer hat richtig tolle Fühler 🙂

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    1. Nicht schlecht, aber ich könnte damit gar nicht nah genug an beispielsweise eine dicke Spinne herankommen und wenn die dann auch noch darin herumkrabbelt, bekäme ich doch wieder einen Schreikrampf 😛

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