Fahrenheit 451 – Ray Bradbury

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„Es war eine Lust, Feuer zu legen. Es war eine eigene Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde, wie es schwarz und zu etwas anderem wurde. Das gelbe Strahlrohr in der Hand, die Mündung dieser mächtigen Schlange, die ihr giftiges Kerosin in die Welt hinaus spie, fühlte er das Blut in seinen Schläfen pochen, und seine Hände waren die eines erstaunlichen Dirigenten, der eine Symphonie des Sengens und Brennens aufführte, um die kärglichen Reste der Kulturgeschichte vollends auszutilgen.“ (S. 13)

So lernt der Leser den Protagonisten Guy Montag in den ersten Sätzen des 1953 erschienen Romans „Fahrenheit 451“ kennen, der nach dem Hitzegrad benannt wurde, bei dem Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt – ein Detail, von dem man als Bücherfreund lieber nichts wissen möchte.

Guy Montag ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann, doch in dieser dystopischen Welt löscht die Feuerwehr keine Brände, sondern sie legt welche, nämlich vornehmlich solche, die Bücher, Bibliotheken und die Menschen verbrennen, die von Büchern nicht lassen können. Doch als er Clarice, das Mädchen aus dem Nachbarhaus kennen lernt, ist er von ihrer Andersartigkeit und ihrer Wahrnehmung der Welt beeindruckt. Allmählich setzt bei ihm ein Umdenken ein, das jenseits von riesigen TV-Wänden und Dauerbespaßung immer weitere Kreise zieht.

„Du musst begreifen, bei der Ausdehnung unserer Kulturwelt kann keinerlei Beunruhigung der Minderheiten geduldet werden. Sag selber, was ist unser aller Lebensziel? Die Menschen wollen doch glücklich sein, nicht? Hast du je etwas anderes gehört? Ich will glücklich sein, sagt ein jeder. Und ist er es nicht? Sorgen wir nicht ständig für Unterhaltung und Betrieb? Dazu sind wir doch da, nicht? Zum Vergnügen, für den Sinnenkitzel? Und du wirst zugeben, dass daran in unserer Kulturwelt kein Mangel herrscht.“ (S. 68)

Als er eines Tages den Auftrag erhält eine Bibliothek zu verbrennen, gelangt ihm schließlich ein Buch in die Hände, das er verbotenerweise mit nach Hause nimmt. Die Dinge nehmen ihren Lauf.

Ray Bradbury führt dem Leser mit „Fahrenheit 451“ die Bedeutung und die Macht von Büchern vor Augen, die diese auf die Menschen ausüben. Als lesebegeisterem Menschen kann es einem nur gefallen, wenn Guy Montag die Seiten wechselt und aus der tristen Abgestumpftheit seines bisherigen Lebens ausbricht. Da dies jedoch nicht ungefährlich ist, bangt man mit dem Protagonisten mit und ist doch ein ums andere Mal erstaunt über die Entwicklung des anfangs doch ein wenig dümmlich erscheinenden Mannes. Im Laufe der Geschichte entwickeln sich Gedankengänge und Fragestellungen, die sich auch auf unsere heutige Zeit übertragen lassen und zum weiteren Nachdenken anregen. Obwohl das Buch bereits 1953 erschienen ist, erweckt es nicht den Eindruck in irgendeiner Form veraltet zu sein. Es ist eher einer der beeindruckenden Romane, die einen mit ihrer besonderen Stimmung gefangen nehmen und nicht mehr loslassen.

Die beängstigende Geschichte von einer Welt, in der das Bücherlesen mit Gefängnis und Tod bestraft wird, ist ein zeitloses Plädoyer für das freie Denken und unbedingt empfehlenwert.



Ray Bradbury
Fahrenheit 451 [Werbung]
Aus dem Amerikanischen von Fritz Güttinger
Original: Fahrenheit 451, Ballantine Books, Inc., New York, 1953
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-257-20862-7
€ (D) 11.00 / sFr 15.00* / € (A) 11.40 * unverb. Preisempfehlung 
Verlag: Diogenes
Erschienen:  01.06.2008

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Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
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