abc.etüden: Die Umwelt hat Urlaub

Es war einfach wunderbar. Endlich konnte sie auf dem kleinen Balkon ihrer Kabine sonnenbaden und dabei den wunderbaren Meerblick genießen. Lange hatte sie auf die Reise gespart und war nun nicht nur beeindruckt von dem, was die Natur entlang der Schiffsroute zu bieten hatte, sondern auch von dem pompösen Luxus an Bord.

Überall gab es elegantes und großzügiges Designer-Interieur mit Natursteinelementen und Marmor zu bestaunen und auch die hochwertigen Stoffe, Blattgold-Mosaiken und Swarovski-Kristall-Treppen verfehlten ihre Wirkung nicht. Der Reiseanbieter hatte wirklich nicht zu viel versprochen und warb außerdem damit, dass diese Schiffe außerdem umweltbewusst seien und über innovative Energiespar- und Wasserrecycling-Systeme verfügten.

Das klang doch eigentlich ganz gut, redete sie sich ein, auch wenn sie wusste, dass die meisten Kreuzfahrtschiffe immer noch einer Umweltkatastrophe gleichkamen und riesige Mengen billigen Schweröls auf den Weltmeeren verfeuerten, das 3500 Mal mehr Schwefel enthielt, als der ’normale‘ LKW-Diesel. Sie fragte sich, ob die Schiffe nicht umgerüstet und den umweltfreundlicheren Biodiesel als Treibstoff verwenden könnten, schloss aber diesen Gedanken gleich wieder aus, weil auch das nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hatte, solange das preiswerte Palmöl zur Herstellung verwendet wurde und weiterhin zur Abholzung der Regenwälder führte.

Ihr schwirrte schon der Kopf und sie beschloss rigoros, dass ihr Umweltbewusstsein ab sofort zwei Wochen Pause hatte – es war Zeit, einfach den Urlaub zu genießen.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Dieses Mal: Biodiesel, pompös, sonnenbaden.

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Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
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7 Antworten zu abc.etüden: Die Umwelt hat Urlaub

  1. Werner Kastens schreibt:

    Mit dem Bunker C Oil die Luft verpesten und den Müll von 2-3.000 Passagieren pro Schiff und Tag im Meer entsorgen: das ist ein tolles Geschäftsmodell. Ähnlich wie bei den Banken: Verluste und Dreckbeseitigung wird der Allgemeinheit aufgebürdet. Für mich: Kreuzfahrt – Nein, danke.

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  2. Christiane schreibt:

    Was du beschreibst, ist symptomatisch: Wenn es um die eigene Bequemlichkeit geht, bleibt die Umwelt außen vor und man nimmt für sich die Ausnahme in Anspruch. Aber schön weiter am Buffet nach Bioprodukten fragen!
    Guter Text, gute Wörter!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • Yvonne schreibt:

      Danke. Ich denke, dass die meisten wissen, dass diese Art zu Reisen derzeit für die Umwelt nichts Gutes bedeutet.Aber ich merke auch an mir selbst, dass ich bereit wäre für meine Traumreise „Hurtigruten“ diesen Umstand vielleicht sogar auszublenden, wenn ich das nötige „Kleingeld“ hätte. Irgendwie erschreckend.

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  3. violaetcetera schreibt:

    Diese Widersprüche sind leider sehr häufig. Und viele machen dann einfach die Augen zu.

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