abc.etüdensommerpausenintermezzo: Don’t grumble, give a whistle

Auf dem von der Großmutter geerbten Biedermeierschränkchen klebte der Kuckuck, die Fischkonservenfabrik hatte ihm auftragsbedingt gekündigt und jetzt fand er zu allem übel auch noch eine Räumungsklage wegen der aufgelaufenen Mietrückstände vom Vermieter im Briefkasten. Dabei hatte er erst in der letzten Woche seinen heißgeliebten Brilliantohrring im Baggersee verloren, als er sich von der unerträglichen Hitze abkühlen wollte und wie ein Unterwasserkönig in die Tiefe hinabgetaucht war. Aber das war bei näherer Betrachtung dann doch eher ein Luxusproblem.

Wenn seine Glückssträhne so weiterging, würde er womöglich noch als Hooligan betitelt und eine elektronische Fußfessel aufgebrummt bekommen, wenn ihm beim nächsten Stadionbesuch wieder einmal ausversehen ein Pommesschälchen zufällig ins Gesicht eines gegenerischen Fans entgleiste. Doch eigentlich saß in nächster Zeit ja eh kein Stadionbesuch mehr drin und die Pommesportion wäre in seinem knurrenden Magen sicherlich auch besser aufgehoben.

Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt, sich mit der heißgeliebten Sachertorte vollstopfen, aber das bliebe wohl eher ein Traum. Stattdessen würde er sich den Informationsvortrag der örtlichen Kirchengemeinde bei einem kostenlosen Frühstück anhören. Die caritative Einrichtung stellte dort ihre Hilfsangebote für Menschen in schwierigen Lebenslagen vor. Unter anderem wurden dort gegen ein geringes Entgelt Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs an Bedürftige verteilt. Auch wenn er sich insgeheim gegen die Vorstellung wehrte, war ihm jedoch klar, dass er in seiner derzeitigen Situation froh darüber sein konnte, dass ihm eine derartige Einrichtung unterstützend zur Seite stehen würde, wenn er es zuließe.

Dass es ihm derzeit nicht gut ging, darüber konnte auch kein noch so ausgefeiltes Ablenkungsmanöver hinwegtäuschen. Es gab wirklich keinen Grund „Always look at the bright side of life“ zu trällern, aber er konnte einfach nicht anders und nicht einmal der fehlende Hut, den er in der Fußgängerzone zum Betteln vor sich hätte hinstellen können, konnte ihm seine gute Laune verderben. „…If life seems jolly rotten, there’s something you’ve forgotten, and that’s to laugh and smile and dance and sing…“ 


Beim abc.etüdensommerpausenintermezzo geht es darum, 10 aus 15 vorgegebenen Worten (Ablenkungsmanöver, Baggersee, Biedermeierschränkchen, Federkleid, Firlefanz, Fischkonservenfabrik, Fußfessel, Kirchturmspitze, Liebe, Luxusproblem, Ohrring, Räumungsklage, Sachertorte, Tanztee, Unterwasserkönig) mitsamt einer Lied- oder Gedichtzeile in einer Geschichte unterzubringen.

Advertisements

Über Yvonne

Glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und am liebsten katzenunterstützt lesend :)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Schreibwerkstatt abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu abc.etüdensommerpausenintermezzo: Don’t grumble, give a whistle

  1. Elke H. Speidel schreibt:

    Was für ein schräger, aber trotzdem irgendwie sympathischer Zeitgenosse, grins! Gut gelöst!

    Gefällt 1 Person

  2. Christiane schreibt:

    Ach, armer Kerl, bei dem kommt es aber gerade wirklich dicke! Da müssten wir ja direkt mal bei Herrn Moser ein gutes Wort einlegen, ob der da vielleicht nicht doch etwas tun kann, arbeitstechnisch, meine ich. 😀
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s