Kulinarische Weltreise: Äthiopien

Die 8. Station unserer Kulinarischen Weltreise ist Äthiopien und ich bin überrascht, dass der Herzbube sich dieses Reiseziel ausgesucht hat. Meine Assoziationen mit diesem Land sind eher schmerzlicher Natur und haben mit der Abwesenheit von Nahrungsmitteln zu tun. Ich bin eindeutig nicht auf dem neusten Stand – da besteht Nachholbedarf…

Ein Grundnahrungsmittel bildet in Äthiopien ein spezielles Sauerteig-Fladenbrot namens Injera. Dieses wird idealtypisch hergestellt aus dem einheimischen äthiopischen Getreide Teff. Dazu werden verschiedene Saucen, Wot genannt, serviert, die es in verschiedenen vegetarischen und fleischhaltigen Ausführungen gibt.

Gegessen wird mit der rechten Hand. Dabei ersetzt das Injera das Besteck und stellt gleichzeitig auch die Beilage dar, bzw. das Brot. Man reißt einfach kleine Teile des Fladens ab, ergreift damit ein Stück der Fleisch- oder Gemüsezubereitungen und führt es zum Mund. Als besonders freundschaftlich gilt es, den anderen am Mahl Partizipierenden hin und wieder eine Portion direkt in den Mund zu stecken (Gursha).

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Gespannt waren wir auf das Teffmehl [Werbung], von dem wir so gar keine Vorstellung hatten, in welche Geschmacksrichtung es gehen könnte. Teff – das kleinste Getreide der Welt – stammt aus Äthiopien und wird auch Zwerghirse genannt. Dieses von Natur aus glutenfreie Mehl verströmt bereits beim Öffnen der Packung einen sehr aromatischen Eigenduft. Für (das) Injera (Sauerteig-Fladenbrot) wird zunächst ein Hefewürfel in 400 ml warmem Wasser aufgelöst und 20 Minuten stehen gelassen. Anschließend werden 150 g Teffmehl und 1 TL Salz untergerührt und abgedeckt etwa einen Tag bei Zimmertemperatur ziehen gelassen. Dann werden noch etwa 200 ml lauwarmes Wasser und weitere 150 g Teffmehl untergerührt. Den Teig einen weiteren Tag abgedeckt bei Zimmertemparatur ruhen lassen. Die Konsistenz ist dann in etwa die eines Pfannkuchenteigs. In eine beschichtete Pfanne bei mittlerer Temperatur ohne Zugabe von Öl eine gute Kelle des Teigs geben, so dass der Boden der Pfanne bedeckt ist. Mit Deckel etwa 3 bis 4 Minuten nur von einer Seite backen. Das Fladenbrot darf nicht gewendet werden.

Dazu werden verschiedene Saucen, Wot genannt, serviert, die es in verschiedenen vegetarischen und fleischhaltigen Ausführungen gibt. Dabei gilt: Wer es sich leisten kann, isst Fleisch, wobei unter anderem Lammfleisch beliebt ist. Wir orientieren uns aber auch dieses Mal an den fleischlosen Rezepten.

Für Misio Wot (Linseneintopf) – Auf dem Bild links zu sehen – wird eine gewürfelte Zwiebel und eine gehackte Knoblauchzehe in etwas Butter angeschwitzt. 200 g rote Linsen, 150 g stückige Dosentomaten und 200 ml Wasser zugeben. 1 TL gehackten Ingwer, 1 EL Berbere*, Kurkuma, Zimt, Salz und Pfeffer unterrühren und etwa 20 Minuten köcheln lassen.

*Berbere ist eine scharfe äthiopische Gewürzmischung, deren Zubereitung keinem einheitlichen Rezept unterliegt. Wesentliche Bestandteile sind Chilipfeffer, Ingwer, Zimt, Knoblauch, Gewürznelke, Koriandersaat, Piment, Ajowan sowie die getrockneten Früchte der Weinraute. Daneben finden sich auch außerhalb Äthiopiens und Eritreas kaum bekannte Zutaten, etwa die Früchte des Stangenpfeffers. Wir haben auf diese [Werbung] fertige Gewürzmischung zurückgegriffen.

Für Ayib Bemit‘ mit’a (Scharfer roter Hirtenkäse) – Auf dem Bild rechts zu sehen – verrührt man 200 g Hüttenkäse (körniger Frischkäse) mit einem halben TL schwarzen gemahlenem Pfeffer, 1 TL Berbere, etwas Salz und 1 EL Äthiopischer Gewürzbutter (ersatzweise Kräuterbutter).

Auf dem Bild in der oberen Mitte ist die Pilzpfanne Berbere zu sehen. Dafür werden 200 g Austernpilze in Streifen geschnitten und in der Pfanne mit etwas Öl angebraten. Anschließend 100 g Schmand, 1/4 TL Kurkuma, 1/2 TL Berbere unterrühren und salzen. Zum Schluss Petersilie und Schnittlauch zugeben.

Für A Licha Wot (vegetarischer Eintopf) – Auf dem Bild in der Mitte unten zu sehen – eine große gewürfelte rote Zwiebel und eine kleingeschnittene Knoblauchzehe in ein wenig Öl anschwitzen. Etwa eine handvoll feingeschnittenen Weißkohl dazugeben und kurz anschwitzen. Eine halbe Dose pürierte Tomaten, 1 gekochte und kleingeschnittene Karotte, 2 große gekochte und kleingeschnittene Kartoffeln, 1 kleine feingeschnittene Chili zugeben und aufkochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Auf dem Bild in der Mitte ist die Äthiopische Bohnenpfanne mit Spinat und Ingwer zu sehen. Dazu wird eine große gewürfelte rote Zwiebel in etwas Öl angeschwitzt. Eine Dose bunte gemischte Bohnen, eine halbe Dose stückige Tomaten, etwa 1 TL gewürfelten Ingwer zugefügt und aufkochen gelassen. Dann noch 200 g frischen Blattspinat und gehackten Koriander unterheben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nicht aufs Bild geschafft haben es die Äthiopischen Datteln mit der Käse-Nuss-Füllung, weil die entsteinten und mit einer im Mörser hergestellten Paste aus geriebenem Parmesan, frischem Basilikum, Mandelblättchen und etwas Ölivenöl gefüllten Datteln bei 160 Grad für etwa 10 Minuten so unschuldig im Backofen vor sich hingarten und schlichtweg fast vergessen wurden.

Glücklicherweise war es aber noch nicht zu spät und so fanden sie doch noch zu einem Zeitpunkt den Weg auf den Tisch, als alles andere schon fast aufgegessen war. Sie rutschten so unbeabsichtigt in die Rolle eines Desserts, das es in der bei uns üblichen Form in Äthiopien nicht gibt. Dort genießt man einen stark gesüßten Kaffee und den gab es nach den köstlichen Datteln bei uns noch obendrauf. Bei dem niederländischen Kaffeehändler unseres Vertrauens hatten wir auch tatsächlich einen nachhaltigen Ursprungskaffee aus Äthiopien gefunden (diesen) [Werbung] und zum Abschluss dieses reichhaltigen Mahls genossen.

Fazit: Zeit die Augen zu schließen und wohlig zu genießen. Zeit für Neues wie Teff und Berbere und auch der sehr aromatische äthiopische Kaffee hat bei mir ab sofort einen Sonderstatus. Wenn ich zugegebenermaßen zuerst davor zurückschreckte nur mit den Händen und Injera anstatt Besteck zu essen, hat diese gesellige Art des Miteinander Essens mich doch begeistert und war eine besondere Erfahrung für mich. Wunderbar ❤

 

 

 

8 Kommentare zu „Kulinarische Weltreise: Äthiopien

  1. Ich kenne äthiopisches Essen noch aus den 80ern, damals hatten wir authentisches, scharfes und sehr aromatisches Berbere, das irgendjemandes Oma nach Familienrezept herstellte und verschickte 😉.
    Seitdem suche ich nach gutem Berbere: Wie scharf und wie aromatisch ist deins? Ich bin meist enttäuscht …
    Aber deine Bilder sehen sehr appetitanregend aus und die Beschreibungen lesen sich sehr lecker.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    1. Berbere kannte ich vorher noch nicht und war von dieser besonderen Gewürzkomposition begeistert. Es verlieh den Speisen ein unvergleichliches Aroma und ließ uns allesamt mehr als ein Mal genüsslich die Augen verdrehen. Aber als jemand, der gelegentlich auch scharfes Essen mag, empfand ich es tatsächlich nicht als scharf.

      Gefällt 2 Personen

      1. Okay, wir hatten den „original Ethiopian style“, der war mit Sicherheit schärfer. Hat man ja auch oft bei indischem Essen, dass es für Westler längst nicht so scharf gewürzt wird 😉
        Da war ich mal privilegiert 😉

        Gefällt 1 Person

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