Unsere Mütter . Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen – Silia Wiebe

Am Sonntag ist Muttertag und sofern man sich nicht einigelt und den Stromstecker zieht, um dem Internet und der täglich hereinflatternden Mailwerbung zu entgehen, kann man das auch unmöglich vergessen. Gefeiert werden soll die Mutter als Heldin des Alltags und wird dabei über alle Maßen in den Himmel gelobt, damit der werte Konsument, seines Zeichens Kind, großzügig seinen Geldbeutel öffnet um seine Wertschätzung zu demonstrieren. Natürlich geht es auch anders, aber tatsächlich widert mich der ganze kommerzielle Rummel ebenso an, wie die Heroisierung der Mutter als solches. Mütter sind auch nur Menschen, und als solche machen sie manches gut und manches auch mal nicht so gut, sie geben ihr Bestes oder behalten es für sich, erleben Verlustangst, Liebe, Wut, Trauer und Eifersucht. Und das alles so ganz fern von der schönen bunten Werbewelt, die einen gern vergessen lässt, dass es viele komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen gibt.

16_Unsere Mütter

Silia Wiebe, geboren 1977, lebt und arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie schreibt unter anderem für „Chrismon“, „Stern“ und „Brigitte“. Für ihr Buch „Unsere Mütter“ hat sie sich mit einigen Töchtern über ihr schwieriges Verhältnis zu ihren Müttern unterhalten und in der Ich-Perspektive niedergeschrieben. Die Geschichten sind nachvollziehbar und authentisch erzählt. Sie gehen nahe und berühren. Es geht um Wendepunkte, Lebensentwürfe, Rollenbilder, Verlust, Wiederfinden und manchmal auch ums sich öffnen und Verständnis füreinander haben. Doch selbst wenn die Beziehungen kompliziert sind, so sind sie doch auch von Liebe und Verbundenheit geprägt oder zumindest von der tiefsitzenden Sehnsucht danach.

Im letzten Kapitel erläutert die Diplom-Psychologin Stefanie Stahl schließlich in einem ausführlichen Gespräch, wie sich unsere frühe Mutterbindung auf unseren Alltag, unsere Beziehungen und unsere Einstellung zu uns selbst auswirkt. Sie gibt praktische Tipps, wie wir mit ausbleibenden Entschuldigungen, Übergriffigkeit und Desinteresse klarkommen und analysiert, warum manche Töchter noch als Erwachsene verzweifelt um die Liebe der Mutter kämpfen. In diesem Buch geht es nicht darum, die Mütter an den Pranger zu stellen, sondern es werden vielmehr die Lebenskonstellationen berücksichtigt, die als Ursache für manche Konflikte dienen können.

Als Tochter und selbst Mutter einer Tochter lese ich das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven. Manches erkenne ich wieder, erinnere mich und anderes möchte ich als Mutter gern vermeiden. Ein Buch, das zwar fernab von der heilen Muttertagswerbewelt ist, das aber dennoch aufzeigt dass auch komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen auf ihre ganz spezielle Art liebevoll sein, beziehungsweise werden können.

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Silia Wiebe
Unsere Mütter
Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen
gebunden mit Schutzumschlag,  239 Seiten
ISBN: 978-3-608-96332-8
Preis: 20,00 € (D), 20,60 € (A)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 23.03.2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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