Deutscher Buchpreis 2019 – Die Longlist

Es ist doch immer wieder die Neugier, die mich treibt. Denn so richtig begeistern konnten mich die Bücher bisher oft nicht, die ich in den vergangenen Jahren aufgrund der Nominierungen für den Deutschen Buchpreis las. Aber tatsächlich scheine ich auch nicht das glückliche Händchen bei der Auswahl zu haben, denn die Bücher, die ich las, gewannen letztendlich auch nicht. Vielleicht könnte ich mir für die Zukunft einfach vornehmen die Romane der Gewinner vergangener Jahre zu lesen, anstatt mich neugierig auf die gerade erschienene Longlist [Werbung] zu stürzen. Aber hin- und wieder mag ich es, mich beim Lesen auch mal außerhalb meiner Komfortzone zu bewegen und neue Leseerfahrungen zu machen – manchmal lohnt es sich ja auch. So habe ich mir die Leseproben der für den Buchpreis 2019 nominierten Bücher angeschaut und fand in diesem Jahr folgende ansprechend:

ARTK_CT0_9783446261716_0001Miroloi [Werbung] von Karen Köhler: Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman katapultiert uns direkt hinein in den Kopf einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gemeinschaft aufwachst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem.
Was passiert in einem solchen Dorf, wenn man sich als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn man den Konjunktiv und heimlich lesen lernt, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt Miroloi von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Unbändig und feinfühlig konnte dieses Buch an jedem Ort und in jeder Zeit spielen. Ein großer Roman, in dem jedes Detail brennt und leuchtet – und die bewegende Geschichte eines ganzen Lebens, nicht weit von hier.

getimageDer Sommer meiner Mutter [Werbung] von Ulrich Woelk: Sommer 1969. Während auf den Straßen gegen den Vietnamkrieg protestiert wird, fiebert der elfjährige Tobias am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen. Zugleich trübt sich die harmonische Ehe seiner Eltern ein. Seine Mutter fühlt sich eingeengt, und als im Nachbarhaus ein linkes, engagiertes Ehepaar einzieht, beschleunigen sich die Dinge. Tobias‘ eher konservative Eltern freunden sich mit den neuen Nachbarn an, und deren dreizehnjährige Tochter Rosa eigenwillig und klug, bringt ihm nicht nur Popmusik und Literatur bei, sondern auch Berührungen und Gefühle, die fast so spannend sind wie die Raumfahrt. Auch die Eltern der beiden verbringen viel Zeit miteinander, zwischen den Paaren entwickelt sich eine wechselseitige Anziehung – Wahlverwandtschaften am Rhein. Und während Armstrong und Aldrin sich auf das Betreten des Mondes vorbereiten, erleben Tobias und seine Mutter beide eine erotische Initiation …
Ulrich Woelk erzählt von einem Aufbruch, persönlich und politisch, der tragisch endet.

9783608964363Das flüssige Land [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.

size_150_image681Die untalentierte Lügnerin [Werbung] von Eva Schmidt: Nachdem ihr Versuch, Schauspielerin zu werden, gescheitert ist, kehrt Maren zurück an den Ort ihrer Kindheit. Mit ihrer bevormundenden Mutter, einer so egozentrischen wie erfolglosen Künstlerin, und ihrem Stiefvater Robert, einem reichen Unternehmer, der für alle und alles aufkommt, lebt sie in dem luxuriösen Haus am See. Als die Spannungen zwischen Maren und ihrer Mutter zunehmen, bietet ihr Robert die Firmenwohnung an. Dort findet sie bald heraus, dass er offenbar ein Doppelleben führt, dass er ihre Mutter nie geliebt hat, dass so vieles anders sein könnte in ihrer kleinen Welt, als es schien. Und dass der Zwang zu lügen stärker wird, je mehr sie weiß. So wie es hinter der stillen Oberfläche ihrer Sätze rumort, so monströs sind die scheinbar alltäglichen Verhältnisse, von denen Eva Schmidt hier erzählt, so berührend wirkt der kühle Ton, den sie anschlägt: ein Psychogramm ohne Psychologie, ein gleichermaßen feinsinniger wie aufregender Roman über den Wunsch nach Nähe und die Sehnsucht nach Grenzüberschreitung.

u1_978-3-10-397381-5.76113002.jpg.76113004Hier sind Löwen [Werbung] von Katerina Poladjan: Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der Restauratorin Helen eine Bibel anvertraut. „Hrant will nicht aufwachen“, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien und verliebt sich in einen Mann. Sie wird erschüttert von Geschichte und Gegenwart, und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

ARTK_CT0_9783446264151_0001Brüder [Werbung] von Jackie Thomae: „Brüder“ erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, den sie nicht kennen, der ihnen nur ihre dunkle Haut hinterlassen hat, die sie damals in der DDR von allen unterschied. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein. Mick lebt frei von Verbindlichkeiten. Dass die Welt sich ändert, registriert er so zerstreut wie einen neuen Tag, wenn er blinzelnd aus dem Club stolpert. Und er fährt gut damit – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel hat seine Eltern nie gekannt, er ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht als Aggressor da – ein prominenter Mann, der tief fällt. Wie wird man zum Außenseiter? Was bedeutet Familie? Was macht einen Mann aus? „Brüder“ ist ein Roman über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst bestimmen – oder ob uns Herkunft und Charakter unweigerlich prägen.

u1_978-3-10-397423-2.76113249Die Leben der Elena Silber [Werbung] von Alexander Osang: Russland, Anfang des 20. Jahrhundert. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor hingerichtet. Wie eine gewaltige Welle erfasst die Zeit in diesem Moment Viktors Tochter Lena. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber, folgt diesem 1936 nach Berlin und Schlesien, wo sie den Zweiten Weltkrieg überleben. Aber dann verschwindet Robert in den Wirren der Nachkriegszeit, und Lena muss vier Töchter alleine durchbringen. Sie sollen den Weg weitergehen, den Lena begonnen hat zu gehen – hinaus aus einem zu engen Leben, weg vom Unglück. Aber stimmt diese Geschichte, wie Lena sie ihrer Familie erzählt hat? 2017, mehr als zwanzig Jahre nach Lenas Tod, macht sich ihr Enkel, der junge Filmemacher Konstantin Stein, auf den Weg nach Russland. Er will die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen.

42882Schutzzone [Werbung] von Nora Bossong: Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als seine Ehe zu zerbrechen droht und ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden.

Außerdem sind nominiert:

Wo wir waren von Norbert Zähringer

Kintsugi [Werbung] von Miku Sophie Kühmel

Cherubino [Werbung] von Andrea Grill

Herkunft [Werbung] von Saša Stanišić

Der junge Doktorand [Werbung] von Jan Peter Bremer

Winterbienen [Werbung] von Norbert Scheuer

Gelenke des Lichts [Werbung] von Emanuel Maeß

Flammenwand [Werbung] von Marlene Streeruwitz

Der Große Garten [Werbung] von Lola Randl

Mobbing Dick [Werbung] von Tom Zürcher

Vater unser [Werbung] von Angela Lehner

Nicht wie ihr [Werbung] von Tonio Schachinger

 

Welches Buch oder welche Bücher interessieren euch besonders?

 

Über Yvonne

...glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und mit dem Lesesessel verwachsen...
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3 Antworten zu Deutscher Buchpreis 2019 – Die Longlist

  1. Mikka Liest schreibt:

    Hallo,

    ich wähle auch meist genau die Bücher aus, die dann nicht gewinnen! Die Ausnahme war 2017, da habe ich nur EIN nominiertes Buch gelesen und das hat dann tatsächlich gewonnen. 🙂

    Bei mir sind jetzt (dank Onleihe und Rezensionsexemplaren) „Kintsugi“, „Winterbienen“, „Das flüssige Land“ und „Die Leben der Elena Silber“ eingezogen. Ich bin mal gespannt, ob der Gewinner dabei sein wird!

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

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  2. Anita Torke schreibt:

    Mich würde Brüder von Jackie Thomae interessieren. Es grüßt Mama!

    Gefällt 1 Person

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