Die Kunst der guten Erinnerung – Meik Wiking

Auf dieses Buch wurde ich kurz nach seinem Erscheinungstermin aufmerksam und es sprach mich sofort an, weil ich das Bedürfnis hatte, mich zu erinnern, nicht loszulassen und ich wollte keinesfalls den Menschen vergessen, der mir lieb und wertvoll war und den ich gerade erst verloren hatte. Ich erhoffte mir von dem Buch ein wenig Hilfe dabei, meine Erinnerungen an diesen Menschen zu sortieren und vielleicht in gewisser Form auch zu konservieren, um sie für meine ganz persönliche Ewigkeit haltbar zu machen. Ein verzweifelter Versuch mit dem Schmerz umzugehen, der mich gleichzeitig blind für das machte, was der Klappentext des Buches eigentlich ankündigt: Meik Wiking ist seines Zeichens Glücksforscher und nutzt Daten und Tagebücher, Interviews, globale Umfragen und Studien sowie Experimente aus der Verhaltensforschung und zeigt, wie wir perfekte Momente schaffen können – Momente, an die man sich für immer erinnern wird und die prägen. Es geht also weniger um das Erinnern an sich, sondern um das Schaffen erinnerungswerter Momente.

04_Die Kunst der guten Erinnerung

Dabei ist das Buch in 8 Kapitel unterteilt:

  1. Die Macht der ersten Erinnerung
  2. Mit allen Sinnen erleben
  3. Aufmerksamkeit investieren
  4. Bedeutungsvolle Momente schaffen
  5. Emotionale Highlights ‚markern‘
  6. Gipfel und Täler
  7. Geschichten gegen das Vergessen
  8. Erinnerungen bewahren

Auf den ersten Blick ist dieses Buch wunderschön mit Zeichnungen illustriert und mit zahlreichen stimmungsvollen Fotografien ausgeschmückt. Je weiter ich jedoch beim Lesen fortschritt, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass diese eher inflationär ausgewählt sind und das Buch nur künstlich aufblähen, um über den doch eher dürftigen Inhalt hinwegzutäuschen. Denn wenn man sich mit positiver Psychologie oder dem Thema „Glück“ schon intensiver auseinandergesetzt hat, erfährt man dabei kaum etwas Neues. Das meiste hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen oder macht es bestenfalls bereits intuitiv richtig. Abschließend gibt es in dem Buch noch eine Ideenliste, die dabei helfen soll, ein ganzes Jahr lang glückliche Erinnerungen zu schaffen. Eigentlich eine nette Idee, die allerdings eher wie gut gemeint wirkt und nicht so richtig gut ist, weil sie oft recht vage bleibt.

Da der Autor insgesamt eher Altbekanntes vorstellt und den wenigen Inhalt mit zahlreichen Fotos und vielen langweiligen Geschichten aus seinem Leben streckt, die ich zum Ende hin fast nur noch quergelesen habe, anstatt mich eingeladen zu fühlen, den eigenen Erinnerungen ein wenig nachzuhängen, erweckt das Buch den Eindruck, als hätte er hiermit sein ganz persönliches Erinnerungsstück verfasst.

Gut gefallen hat mir hingegen das Kapitel „Erinnerungen bewahren“. Das widerspricht so völlig dem Minimalismus und Marie Kondos Aufräumwahn, verhilft jedoch zu individuellen Erinnerungsperlen, die beim Betrachten Gefühle hervorzaubern. Das macht so manchen Staubfänger in meinem Regal gleich noch ein wenig wertvoller. Auch nehme ich mir vor, das ein oder andere für mich bedeutungsvolle Foto auch tatsächlich einmal in Printform zu verewigen, um es dem digitalen Universum zu entreißen.

„Bestenfalls erschafft unsere Erinnerung – so schrieb Virginia Woolf einmal in ihren Memoiren – Skizzen der Vergangenheit. Doch so fehlerhaft sie sein mag, so sehr sie von Gipfeln und Tälern beeinflusst ist, sie ist sehr viel wert. Und vielleicht ist unser Glück nicht nur davon abhängig, was wir erinnern können, sondern auch davon, was wir vergessen können. Zu viel Vergangenheit kann uns lähmen. Wir wollen unsere glücklichen Erinnerungen festhalten, aber wir wollen auch in der Lage sein, die Vergangenheit loszulassen, in der Gegenwart zu leben und Zukunftspläne zu schmieden.“ (S. 248)

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Meik Wiking
Die Kunst der guten Erinnerung
Und wie sie uns dauerhaft glücklicher macht
Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz
Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2663-1
Preis: € 20,00 [D] inkl. MwSt.
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 31. Oktober 2019

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