abc.etüden: Närrisches Treiben

„Los Prinz Schabernack! Zeit sich zu erheben! Ich muss zur Arbeit!“ Angeblich war am Aschermittwoch alles vorbei, aber so ganz sicher konnte man sich da ja nie sein. Besser, wenn man bereits am Dienstagmorgen für klare Verhältnisse sorgte, bevor sich dieser Typ in ihrem Leben breit machte und irgendwelche Forderungen stellte. Davon hatte sie erstmal genug. Ihre letzte Beziehung hatte sie noch in allzu lebhafter Erinnerung. Die Trennung war unschön verlaufen und ihr Ex wusch nach all den Monaten immer noch schmutzige Wäsche im Bekanntenkreis.

Eilig stürzte sie ins Bad und schrubbte sich unter der Dusche noch den letzten Rest Karnevalsglitzer aus dem Gesicht. Eigentlich war dieses Zeug eine Strafe Gottes und würde sie wahrscheinlich noch die nächsten Monate immer mal wieder überallhin begleiten, aber gestern brauchte sie ein wenig Funkeln in ihrem Leben. Geleuchtet und gestrahlt hatte sie, bis zum Umfallen getanzt und es richtig krachen gelassen. So ausgelassen war sie schon seit langem nicht mehr gewesen. Alles passte. Irgendwann landete sie bei diesem Typen, der sich ihr äußerst charmant als Prinz Schabernack vorgestellt und den sie dann auch mit nach Hause genommen hatte. Aber das war gestern und heute ist heute. Inzwischen angezogen und bürofein gemacht stapfte sie energisch zurück ins Schlafzimmer.

Das Bett war leer. Der Vogel war ausgeflogen und hatte als Andenken vor ihrem Bett lediglich einen Teil der Luftschlange zurückgelassen, die er abends noch um den Hals getragen hatte. Verduzt hielt sie inne. War das wirklich so einfach? Und wenn doch alles so gelaufen war, wie sie es sich erhofft hatte, warum hinterließ es dennoch bei ihr einen schalen Nachgeschmack?


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Schabernack, breit, erheben.

Über Yvonne

...glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und mit dem Lesesessel verwachsen...
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7 Antworten zu abc.etüden: Närrisches Treiben

  1. Elke Speidel schreibt:

    Och, ist das hier herrlich, so völlig ohne den geringsten Anflug von … was für ein „val“?!
    Und das, wenn man in Köln ansässig ist!

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  2. Christiane schreibt:

    Ups? Wie, weg? Das war jetzt aber abrupt. Okay, gewollt, dennoch, das Befremden bekriecht auch den*die Leser*in …
    Irgendwie regt es die Phantasie an. 😉
    Liebe Grüße und danke
    Christiane 😁☕🥐👍😼

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Ende gut, alles gut? Oder doch die Sehnsucht nach mehr?

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  4. Myriade schreibt:

    Tinder-artiges wohin man schaut 🙂

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  5. rene_berlin schreibt:

    Prinz Schabernack 🤣👍

    VG, René

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  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 10.11.20 | Wortspende von Corlys Lesewelt | Irgendwas ist immer

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