abc.etüden: Gedankenwälzer

Es gab da diese Idee, die sie fast schon engelhaft immer wieder von Zeit zu Zeit umgarnte und doch nicht viel mehr war als ein Gedanke, den sie sich nicht traute weiter zu denken. Denn immer dann, wenn er ihr in den Sinn kam und weiter gesponnen werden wollte, blockte sie ihn ab. Zu laut hallten in ihrem Kopf Sätze wider, die von ihrer Unfähigkeit sprachen. Immer ging es um mangelndes Durchhaltevermögen und fehlendes Talent. Unbestätigt zwar, aber dennoch. Wenn man ein wenig genauer hinhörte, schwang darin eigentlich die tiefsitzende Angst vor Ablehnung und Versagen mit. Die Quintessenz ihres Lebens. Niederschmetternd und grausam.

Wohl auch ein Grund, sich zu vergraben und in dem auszuharren, was sie bislang erreicht hatte. Aber durfte man tatsächlich dabei von erreichen sprechen? Hatte sie irgendwelche Anstrengungen dafür unternommen oder waren es nicht vielmehr Dinge, die sich auf die ein oder andere Art ergeben hatten oder in die die Umstände und manchmal auch einfach die Wirren des Lebens sie getrieben hatten? Wie in einem Spiel, in dem jemand Anderes für sie würfelte und setzte. Wann hatte sie die Würfel aus der Hand gegeben? Wann hatte sie aufgehört zu träumen und nach den Sternen zu greifen? Etwas zu wagen, den Unkenrufen in ihrem Kopf zum Trotz? Und wann, wenn nicht jetzt war die Zeit gekommen, so manchen Gedanken einfach weiter zu denken und zu schauen ob er für die Realität taugte?


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Idee, engelhaft, vergraben.

7 Kommentare zu „abc.etüden: Gedankenwälzer

  1. Unbequeme Gedanken, die deine Protagonistin da denkt. Ich überlege mir gerade, ob derartige Fragen für Frauen typischer als Männer sind 🤔
    Auf jeden Fall ein unbequemes Ruhekissen.
    Danke dir.
    Liebe Grüße am Morgen
    Christiane 😁🌞🐈☕👍

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    1. Ich hatte tatsächlich überlegt die „Er“-Perspektive zur Abwechslung einmal auszuprobieren, aber der Begriff „engelhaft“ war in dem Zusammenhang zu sperrig, so dass sich der Text für mich nicht stimmig anfühlte.
      Einen wundervollen Tag wünscht
      Yvonne 🌞

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  2. Das erinnert mich an alte Diskussionen über Berufswünsche, wenn jemand künstlerische Ambitionen verwirklichen wollte. Da kämpfte der eigene innewohnende Kreativ-Engel gegen das abfällige Drängen der Erzeihungsberechtigtenund deren druckvolles Manipulieren mit dem ihnen vorschwebenden wiederum engelhaft-gehorsamen Wohlverhalten.

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    1. Nicht die beste Grundlage für ein glückliches erfülltes Leben. Etwas in der Art schwebte mir beim Schreiben dieses Textes auch vor. Das spätere Aufwachen aus diesem oft jahrelangen Zustand ist zwar unbequem und das Erkennen schmerzhaft, aber es kann dennoch wohltuend sein.

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  3. Beim Lesen musste ich unwillkürlich an alicemakeachoice denken, die wohl mit absolut den gleichen Themen konfrontiert ist.
    Ich sehe das eher als Generationsproblem der strengen Erziehung nach dem Kriege.

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    1. Kannte ich nicht, aber ich denke auch, dass diese Problematik nicht ungewöhnlich und auch nicht generationsbezogen ist. Es gab und gibt immer Menschen, die schon früh das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten kennen und schätzen gelernt haben und ihren Weg gegangen sind und gehen. Andere müssen diesen Weg erst finden, sofern sie es überhaupt wollen, weil es ja durchaus auch bequem sein kein, andere für sein Leben verantwortlich zu machen.

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