Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Donnerstag)

Meinen Dienstag und Mittwoch mit der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachverfolgen.

~ Donnerstag, 15.10.2020 ~

Heute startet die Buchmesse für mich bereits vor Beginn des eigentlichen Programms. Denn viele Verlage haben auf ihren eigenen Internetseiten ihr eigenes Messeprogramm veröffentlicht und bieten darin Sehens- und Lesenswertes rund ums Buch und ihr Verlagsprogramm an. So stöbere ich im Vorfeld ein wenig beim mare Verlag, dessen Messestand ich sicherlich auch auf einer Buchmesse mit physischen Ausstellern besucht hätte. Ein Herzensverlag halt, so wie Diogenes, Delius Klasing und Malik auch.


Um 11 Uhr geht es los mit:

Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [15.10.2020, 11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> „Die Wunderkammer der deutschen Sprache“ gefällt mir. Ein kleiner Schatz wundersamer Wortschöpfungen tut sich da auf. Das macht Lust darin querzulesen und sich darin unterhaltsam zu verlieren. Auch die Bücher von Wolfram Eilenberger machen mich neugierig, damit möchte ich mich dringend etwas näher beschäftigen. 1793 wartet noch angelesen auf meinem SuB. Ich weiß nicht mehr, warum ich es unterbrochen habe, aber ich freue mich darauf, es weiterzulesen. Außerdem weist Denis Scheck auf Bücher hin, die er bereits am Vortag vorgestellt hat und es waren auch Titel dabei, zu denen bereits die Autoren interviewt wurden. Herausgekommen ist bei dieser Ausgabe eine schöne Mischung von Gestrigem und Neuem.


„60 Kilo Sonnenschein“ Autor Hallgrimur Helgason im Gespräch mit Denis Scheck
[15.10.2020, 11:30 — 12:00]
Der große Roman von einem der originellsten isländischen Autoren ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst und schließlich selbst Vater wird, erwacht das moderne Island. Große Fischfänger steuern den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Helgason vom Weg Islands in die Moderne. Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, feierte seinen Durchbruch mit „101 Reykjavík“. Es folgten die Bestseller „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ (2011) und „Eine Frau bei 1000°“. Helgason ist einer der erfolgreichsten Autoren Islands.

-> Ein schönes Interview mit einem sympathischen Autor, das gut zu verstehen ist, auch wenn es komplett in Englisch ohne Übersetzung geführt wird. Dieses Buch war mir bereits beim Durchblättern der Herbst-Verlagsvorschau aufgefallen. Nach diesem Interview verspüre ich den besonders dringenden Wunsch es zu lesen.


Mein Terminkalender gewährt mir im Anschluss eine längere Pause, die ich für Hausarbeit nutze – so zumindest der Plan. Aber ich schaue sicherheitshalber vorher noch nach, was auf dem blauen Sofa los ist und ob mich nicht doch etwas interessiert. Das Ergebnis ist: Die Hausarbeit ist erstmal aufgeschoben und ich schaue mir stattdessen an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/noltze-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Holger Noltze: World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution – Edition Körber [15.10.2020, 12:00 — 12:20]
Digitalisierung war für Opernhäuser und Konzertsäle, Theater und Museen lange allenfalls ein Marketingthema. Dass sich für die Zauberorte des Analogen auch digitale Wunderkammern öffnen könnten – kaum vorstellbar. Holger Noltze vermisst dieses neue Terrain und prüft seine Entdeckungen auf ihren Mehrwert für die ästhetische Erfahrung der Zukunft. Langsam erst – manchmal von der Not getrieben, manchmal von Abenteuerlust – entdecken Opern- und Konzerthäuser die eigenständigen Qualitäten des Streaming, entwickeln Museen digitale Sammlungen, die Schaulust und Kunstverstand ansprechen. Es ist höchste Zeit, so Noltze, dass die Kulturinstitutionen sich auf ihre Kernkompetenzen der Kuratierung und qualitativen Unterscheidung besinnen. Dann können sie die Möglichkeiten des Web zur Vertiefung und Differenzierung nutzen, um den Hunger auf ästhetische Entdeckungen jenseits des Erwarteten und Erwartbaren zu wecken. Dafür braucht es neben überzeugenden Erlösmodellen vor allem kluge Lenkung, Fantasie, Komplexitätstoleranz – und die Bereitschaft, ins Unbekannte aufzubrechen.

-> Das Live-Erlebnis von Musik lässt sich für mich nicht durch digitalen Genuss ersetzen. Aber ich denke, es kann eine Ergänzung des bisherigen Angebots sein. Wenn ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, mir Rammstein live vor Ort anzusehen, hätte ich vielleicht sogar für einen digitalen Mitschnitt bezahlt, um ‚dabei‘ zu sein. Aber diese Band ist nicht nur von der Live-Qualität hochwertig, sondern hat auch fürs Auge eine unvergessliche Show zu bieten. Hier entstehen insgesamt durch die Digitalisierung vielleicht zusätzliche Märkte und Erlebnisformen, aber ein Ersatz sind sie nicht.


Man könnte mir Prokrastination vorwerfen und läge damit sicherlich richtig, denn ich schaue erstmal im Programm nach, ob es nicht vielleicht außerdem noch etwas Außerplanmäßiges für mich anzuschauen gibt, das mich vor der anstehenden Hausarbeit bewahren könnte. Aber Fehlanzeige. Ich muss also doch etwas tun, bevor es um 13.00 Uhr weiter geht. Aber als es so weit ist, geht es nicht weiter. Der Beitrag, zu dem mich mein Kalender führen sollte, ist verschwunden und es steht etwas Anderes auf dem Plan.

Die Enttäuschung währt aber nicht zu lange, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen. Mein Herzbube hat sich mal wieder selbst übertroffen und serviert Hähnchencurry mit Naan-Brot. Das Essen, das mir während der digitalen Frankfurter Buchmesse geboten wird, ist wirklich hervorragend 🙂

Gut gesättigt und mit wunderbar gestreichelten Geschmacksnerven geht es danach weiter im Buchmesse-Programm:


STREITERINNEN! – Leben gegen Diskriminierung?! – Mit Olivia Wenzel “1000 Serpentinen Angst“ und Melisa Erkurt “Generation haram – Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“ [15.10.2020, 14:00 – 15:00]
Herrscht Diskriminierung, Rassismus und Schubladendenken mehr denn je im Alltag? Welche Auswirkungen hat dieses Verhalten für die Betroffenen? Und wo fängt Diskriminierung an? »Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann.« Olivia Wenzel berichtet über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft zugewiesen werden. Jetzt sind die Verlierer dran! Die Journalistin und Lehrerin Melisa Erkurt gibt denen eine Stimme, die im System Schule nicht gehört werden. Die meisten ihrer Schüler*innen würden nie ausreichend gut Deutsch sprechen, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen, so Erkurt. Nicht sie müssten sich ändern, sondern das System Schule müsse neue Wege gehen! Wenzel und Erkurt – zwei Autorinnen, die sich gegen vorgezeichnete Schicksale und Diskriminierung zu Wehr setzen!

-> Eine interessante Gesprächsrunde, die Einblicke in die Problematiken, vor die Schüler und Lehrer heutzutage gestellt sein können, liefert. Insgesamt wird hier auch eine Themenwelt berührt, mit der ich mich bislang kaum beschäftigt habe. Wohl ein Luxus, den ich mir durch die Geburt als blonde Frau mit weißer Haut in Deutschland leisten kann. Nichtsdestotrotz eine fesselnde inspirierende Runde, die in mir den Wunsch weckt, mich näher mit den hier angesprochenen Themen zu beschäftigen.

-> Gerne würde ich zum Abschluss der Runde applaudieren oder zumindest mein Gefallen mit einem Daumen hoch oder einem Herzchen bestätigen. Diese kleinste Form der Anerkennung fehlt mir. Vielleicht bin ich aber auch zu kleingeistig und messe dem zu viel Bedeutung zu.


Während die vorherige Sendung noch lief, startete bereits der Beitrag mit Bernhard Schlink, den ich in aller Seelenruhe verpasse, weil ich davon ausgehe, ihn mir bequem später als Aufzeichnung ansehen zu können.

-> Doch das funktioniert leider nicht. Ich bin etwas enttäuscht und habe erstmal wieder Pause. In der Zwischenzeit schaue ich mir in allen Live-Bereichen an, was heute noch gesendet wird und entscheide mich als nächstes für:


ARTE „Es wird Zeit!“ – Generation Greta und die Politkultur der jungen Generation
[15.10.202015:30 – 16:30]
Moderation: Aline Abboud. Gäste: Esra Karakaya (youtube Creator, Berlin), Madita Hampe (Redaktionskollektiv Rubikon), Klaus Hurrelmann „Generation Greta“, Wolfgang Bergmann (ARTE Deutschland, Geschäftsführer)

-> Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich selbst zu einer jungen Generation gehörte, und an das, was mir damals Sorgen bereitete. ‚No Future‘ pinnte man sich damals schonmal gern an die Jeansjacke und hatte insgeheim Angst davor, dass es so sein könnte. Die Themen waren zum Teil ähnlich wie heute, aber manches ist eben doch ganz anders. Die Sprache kommt auch auf Luisa Neubauer und Friedrich Merz bei Markus Lanz. Das habe ich nicht mitbekommen, schaue es mir aber im nachhinein noch hier an. 👍

Dann ist der Beitrag von Bernhard Schlink plötzlich doch verfügbar und ich sehe ihn mir zum Abschluss dieses Buchmessetages an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/schlink-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Bernhard Schlink: Abschiedsfarben. Erzählungen – Diogenes [15.10.2020, 14:20 – 14:40] Nach Liebesfluchten und Sommerlügen der dritte große Erzählband von Bernhard Schlink – ein literarisches Ereignis. Geschichten, die überraschen, verstören und beglücken. Geschichten von Menschen in verschiedenen Lebensphasen, ihren Hoffnungen und Verstrickungen. Über das Gelingen und Scheitern der Liebe, Vertrauen und Verrat, bedrohliche und bewältigte Erinnerungen.

-> Damit endet dann auch mein heutiges Programm und Zeit es ist endlich Zeit für ein wenig Sport: Zu absolvieren ist ein kurzes aber knackiges Bauchtraining und danach eine halbe Stunde Trampolin. Später gönne ich mir dann noch ein Entspannungsbad. Und noch später würde ich gern ein wenig lesen, bin mir aber nicht sicher, ob dafür heute die Konzentration noch ausreichen wird. Wir werden sehen…


Fazit: Da ich heute mehrere längere Pausen hatte, konnte ich fern vom Rechner doch einiges mehr schaffen, als gestern. So sehr ich die Gesprächsrunden und auch die Interviews mit den Autoren genossen habe, so sehr strengen sie mich allerdings auch an. Einerseits freue ich mich auf die Beiträge, die noch im Google-Kalender eingetragen auf mich warten, andererseits freue ich mich auf die Zeit nach der Buchmesse, die von weniger Bildschirmzeit geprägt sein wird.

Da ich einige Newsletter von Verlagen, Buchhandlungen und Buchcommunities abonniert habe, bekomme ich am Rande mit, dass auch dort vieles im Zeichen der Buchmesse steht. Es gibt Aktionen, Verlosungen, Videos mit Autoren und Autorinnen. Schöne Ideen sind dabei und eigentlich würde ich mir gern alles anschauen oder sogar mitmachen und mich intensiver damit auseinander setzen. Tatsächlich habe ich mir aber vorgenommen, mich auf das Live-Programm der Buchmesse zu konzentrieren und empfinde bereits dieses Angebot als reichhaltig und ansprechend. Mir fehlt ein wenig Zeit, aber überraschenderweise auch die Lust mich darüber hinaus noch mehr mit Büchern zu beschäftigen. Abgesehen davon, nach einem bildschirmlastigen Tag auch tatsächlich vor dem Einschlafen noch ein wenig in einem Buch zu lesen.

Allerdings hebe ich mir doch noch etwas für einen späteresn Zeitpunkt auf:

4 Kommentare zu „Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Donnerstag)

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