NaNoWriMo 2020 (Tag 1 bis 5)

In diesem Jahr bin ich zum ersten Mal dem Ruf des National Novel Writing Month (NaNoWriMo) gefolgt und habe den preptober genutzt um der Idee, die seit Jahren in meinem Kopf herumspukt ein wenig Struktur zu verleihen. Abgesehen von kurzen oder noch kürzeren Texten oder Blogbeiträgen habe ich bislang nichts geschrieben und dachte mir, dass ich vielleicht etwas Hilfe gebrauchen könnte. Die fand ich in dem Onlinekurs „In 30 Tagen zum Romanentwurf“ von Annika Bühnemann. Die Investition im Wert etwa eines Hardcovers hat sich für mich wirklich gelohnt und es war eine interessante Erfahrung zu sehen, wie aus der groben Idee ganz allmählich eine immer greifbarere Geschichte erwächst. Für mich als Neuling wirklich beeindruckend. Nochmal den Wert etwa eines Hardcovers habe ich dann noch in Julia K. Steins „Write that Book Club“ investiert, weil mich das gemeinsame schreiben neugierig gemacht hat und ich mich beim NaNoWriMo sehr fremd und allein gefühlt habe. Aber ich wollte das Ding mit dem Buch endlich angehen, frei nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Und weil ich über das Schreibprogramm „Scrivener“ schon öfter gestolpert bin und es mich anspricht, wie man dort alles rund um sein Schreibprojekt organisieren und bequeme automatische Backups für Dropbox einrichten kann, habe ich die 30-Tage-Testversion auf meinem Computer installiert. Dass ich nicht offen für Neues bin, kann mir jedenfalls keiner vorwerfen 😄

✍️ Tag 1:
Ich habe mich dem „Write that book Club“ (WTB) angeschlossen und erlebe mit rund 100 anderen Schreibwütigen meine erste Zoom-Writing-Session um 8:00 Uhr. Eigenartig, sich zum Schreiben zu verabreden, aber vielleicht eine gute Möglichkeit der Verschieberitis Einhalt zu gebieten – dafür ist es zumindest gedacht. Ebenfalls neu ist für mich, den Text möglichst wertungsfrei einfach herunterzuschreiben. Die Überarbeitung folgt dann später. Kleine Fehler überarbeite ich natürlich sobald ich sie entdecke (mein innerer Monk will es so), aber am Text gefeilt wird halt noch nicht. Später schreibe ich noch weiter, bis ich mein Tagespensum von 1.667 Wörtern geschafft habe. Insgesamt benötige ich dafür mehr Zeit, als ich anfangs gedacht hatte und bin erstmal erschöpft. In der WTB-Facebook-Gruppe findet sich später dann auch ein Schreib-Buddy für mich. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen.

✍️ Tag 2:
Man könnte von seniler Bettflucht sprechen, aber vielleicht habe ich auch nur um kurz nach 4:00 Uhr den Schlaf einfach aus. Es hat dennoch ganz gut gepasst und so bin ich mehr als bereit, als um 5:15 Uhr die einstündige Zoom-Writing-Session mit meinem Schreibbuddy startet. Ein kurzes „Hallo und Guten Morgen!“ und dann geht es auch schon los. Ich schreibe hochkonzentriert und merke kaum, dass ich nebenbei einen Liter Tee trinke. Das Fenster in der linken oberen Bildschirmecke stört nicht und doch schaue ich gelegentlich dort hin und sehe eine junge sympathische Frau, die ebenso konzentriert mit ihrer Schreibarbeit beschäftigt ist, wie ich selbst. Die Stunde vergeht wie im Flug. Es folgt noch eine ganz kurze Bestandsaufnahme und wir einigen uns darauf, uns am nächsten Tag um die gleiche Zeit zu treffen. Dann wollen wir jedoch Skype statt Zoom zu verwenden, weil sie technische Probleme hat. Nach einer kurzen Pause schreibe ich auch schon weiter, bis ich mein Tagespensum geschafft habe. Dabei stelle ich fest, dass mir ansprechende Namen für meine Protagonisten fehlen. Ich entdecke den Real Name Creator – ein wirklich hilfreiches Tool, aber es ist doch eigenartig, wenn plötzlich diese fremden Namen in meiner Geschichte auftauchen. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Gegen 8:00 Uhr mache ich Schluss und richte noch schnell für den nächsten Tag Skype auf meinem Rechner ein. Dann ist es endlich Zeit für den ersten Kaffee des Tages.

✍️ Tag 3:
5:15 Uhr. Mein Schreibbuddy ist ebenso pünktlich wie ich. Wie schön. Wir widmen uns kurz der Technik, aber nach kaum 10 Minuten wird die Verbindung getrennt. Ihre Internetverbindung ist schlecht. Wir benachrichtigen uns über Facebook und beschließen ohne Technikschnickschnack weiter zu schreiben. Auch kein Problem. Eigentlich sogar eher im Gegenteil, denn ich mache mir Musik zum Schreiben an und genieße es ungemein. Gegen 8:00 Uhr habe ich mein Tagespensum erreicht. Ich merke, wie mich dieses Ziel an täglich zu schreibenden Worten antreibt. Hätte ich dies nicht vor Augen, hätte ich schon früher aufgehört zu schreiben. Vielleicht wäre es insgesamt aber dennoch für mich sinnvoller, mir 3 Stunden als Schreibziel zu setzen. Denn eigentlich finde ich dieses Worte zählen irgendwie blödsinnig, auch wenn ich verstehe, dass für so etwas wie den NaNoWriMo Vergleichsgrößen gebraucht werden. Mit meinem Schreibbuddy tausche ich später über den Facebook-Messenger-Nachrichten aus. Wir planen, wie wir am nächsten Tag vorgehen wollen. Mit Skype wollen wir es nochmal probieren und finden es beide hilfreich, morgens diesen festen Termin zum Schreiben zu haben. Außerdem gefällt mir die Testversion des Schreibprogramms Scrivener wirklich gut. Ich habe mir das Programm heute gekauft – natürlich abzüglich des NaNoWriMo-Rabatts in Höhe von 20 Prozent.

✍️ Tag 4:
5:15 Uhr. Skype hatte ich auf dem Handy installiert und heute auch nur dort laufen gelassen. Die Tonübertragung meines Schreibbuddies ist aber aufgrund ihrer Internetverbindung dennoch ein wenig hakelig. Wir schalten zügig auf „stumm“ und dann geht es mit dem Schreiben auch schon los. Über meine Kopfhörer höre ich leise Musik dabei. Der Schreibflow lässt nicht lange auf sich warten. Das Wortziel habe ich heute bereits um 7:30 Uhr erreicht und beende mein schreiben. Gerne würde ich mir einen Wortpuffer für eine Zeit schaffen, in der es vielleicht nicht so gut läuft, aber ich habe nach 1.667 Wörtern eigentlich auch immer erstmal genug vom Schreiben und brauche eine längere Pause. Mein Schreibbuddy verlegt aus unterschiedlichen Gründen seine Schreibzeit in den nächsten Tagen. Unser nächster gemeinsamer 5:15-Uhr-Termin ist erst wieder am Montag. Für mich passt dieser frühe Termin so gut, dass ich beschließe ihn beizubehalten, ob mit oder ohne Schreibbuddy. Vielleicht probiere ich mal Focusmate aus – denke ich mir so. Und schwupps, ist der Termin dort auch schon gebucht.

Nebenbei mache ich mir Gedanken darüber, in welche Kategorien sich meine Geschichte einordnen lässt. Auf der NaNoWriMo-Projektseite entscheide ich mich für Mystery, Personal, Literary und Drama. Eine spezielle Richtung muss sich daraus erst noch beim Schreiben, vielleicht auch erst beim Überarbeiten, entwickeln. Da meine Mystery-Geschichte viel Autobiografisches enthält, von dem ich mir nicht sicher bin, inwieweit ich es jemals preisgeben möchte, hat sich mein Schreiben gerade eher in eine therapeutische Richtung entwickelt, die mir sehr gut tut. Ich schreibe also ungefiltert nur für mich das geplottete Mystery-Thema herunter, halte mir aber die Option offen, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht durch Überarbeitung noch etwas daraus zu machen, was ich auch bereit wäre mit anderen zu teilen. Diese Einstellung bekommt mir richtig gut und die Worte fließen. Außerdem habe ich einige Ideen im Kopf, von denen ich noch nicht weiß, ob es mir gelingen wird sie einzubinden. Ich genieße die Freiheit, gerade nur an einem Entwurf zu schreiben. Nichts ist in Stein gemeißelt. Pures Pixelwerk, das nicht einmal ausgedruckt werden wird und das außer mir in dieser Form niemand jemals lesen wird. Und auch wenn ich denke, dass mein Geschriebenes vielleicht später in einer virtuellen Schublade versauern könnte, weil ich es dort nicht rauslasse, genieße ich es gerade ungemein, so zu tun, als könnte ich tatsächlich ein Buch schreiben.

✍️ Tag 5:
5:15 Uhr. Mein erstes Mal mit Focusmate. Ich bin etwas nervös, weil ich zwar beinahe täglich irgendetwas auf Englisch anhöre, aber selbst seit dem letzten Urlaub in Südafrika vor 5 Jahren nicht mehr Englisch gesprochen habe. Diesen Focusmate-Termin hatte ich mit jemandem namens Angela gebucht, aber tatsächlich steht jetzt Dan in meinem Terminplan. Er ist pünktlich, genau wie ich. Das gefällt mir schonmal. Wir unterhalten uns kurz über das, was wir machen. Dan programmiert an einer App für einen Kunden und ich habe geplant für den NaNoWriMo 500 Wörter in der Zeit von 5:15 Uhr bis 6:05 Uhr zu schreiben. Leider hört auch er in regelmäßigen Abständen die Durchsage „Trial Version“, wenn ich den Ton anhabe. Davon hatte mir auch mein Schreibbuddy schon berichtet. Es muss von dem Programm kommen, das ich benutze um mein Smartphone als Webcam mit meinem Rechner zu verbinden (iVCam). Das Problem wäre nun zumindest schonmal lokalisiert. Ich entschuldige mich für die Unanehmlichkeiten. Wir schalten beide das Mikro aus und arbeiten konzentriert an unseren Projekten. Es läuft für mich nicht ganz so flüssig, aber das kann auch an dem Thema liegen, das ich gerade ausformuliere. Als die Zeit um ist, habe ich immerhin 889 Wörter geschrieben. Das ist besser, als ich dachte. Dan ist mit seiner App nicht fertig geworden, aber das hat er auch nicht erwartet. Er gibt mir den Tipp bei Focusmate ein anderes als das iVCam-Mikrophon auszuwählen, aber die Option steht mir nicht zur Verfügung. Schließlich verabschieden wir uns freundlich und ich verspreche, mich um mein technisches Problem zu kümmern. Dennoch hat es insgesamt besser funktioniert, als ich gedacht habe. Mein Englisch ist zwar etwas eingerostet und sicherlich nicht immer die Krönung der Grammatikschöpfung, aber es gelingt mir dennoch mich relativ flüssig auszudrücken. Das hat mir gefallen und ich weiß, dass ich heute um diese Zeit nicht geschrieben hätte, wenn ich diesen Termin nicht gehabt hätte. Drei mal pro Woche kann ich Focusmate kostenlos nutzen und beschließe es wieder zu tun, wenn es mir gelingt die „Trial Version“-Ansage aus meiner Tonübertragung zu entfernen. Heute werde ich noch eine weitere Schreibetappe zu einem späteren Zeitpunkt einlegen müssen, weil der Wetterbericht Nebel vorausgesagt hat und mein Herzbube gleich nach Ende der Schreibsession mit frisch gekochtem Kaffee vor mir steht. Morgensonne, Herbst und Nebel sind eine traumhafte Kombination zum Fotografieren. Das ist erstmal wichtiger und nach dem Kaffee geht es gleich los. Den Rest fürs Tagesziel schreibe ich ausnahmsweise nachmittags, ganz für mich allein und mit einer Soundtrack-Playliste von Spotify im Ohr. Auch schön.

✍️ Fortsetzung folgt…

4 Kommentare zu „NaNoWriMo 2020 (Tag 1 bis 5)

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