Die Bullet-Journal-Methode – Ryder Carroll

Vor einigen Jahren machte der Hype um die Bullet-Journals auch vor mir nicht halt. Ich fand es ansprechend und praktisch, sich seinen ganz auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Terminplaner selbst erstellen zu können und gleichzeitig noch so viel Platz wie nötig für die Notizen einbauen zu können. Ich bewunderte dabei die zahlreichen Beispiele und Vorlagen von Nutzern, die mit ihren Zeichen- und Gestaltungsfähigkeiten kleine Kunstwerke aus ihren Bullet-Journals machen und dabei ihren Tag, ihre Termine, ihre Pläne, ihre Ziele und ihre Notizen darin einweben. Vieles davon finde ich sehr ansprechend, aber meine eigenen Versuche damit endeten eher kläglich. Kalligrafisch betrachtet sind meine Schreibkünste eine Katastrophe und auch das Zeichnen von Hand liegt mir nicht wirklich. So wurde mein 2016 begonnenes Bullet-Journal zu einem eher schmucklosen Notizbuch, das zwar auf meinem Schreibtisch immer noch seinen Platz hat, aber fast gänzlich seine Funktion verloren hat (sogar das umschließende Gummiband ist mit den Jahren ausgeleiert, was sicherlich nicht an der ständigen Benutzung lag). Schließlich habe ich mein „Glück“ mit dem digitalen Notizbuch „Evernote“ gefunden und zur Koordination der Termine meines Herzbuben und mir reicht ein einfacher Tischkalender mit seiner Wochenübersicht.

Buchcover "Die Bullet-Journal-Methode" von Ryder Carroll

Aber bei mir ist derzeit privat einiges im Wandel. Zum einen habe ich wertvolle Impulse aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung bekommen und gestalte meinen Tagesablauf so, dass sich gewisse Themen und Aufgabenstellungen in einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholen. Dabei geht es darum, den Umgang mit eigenen Lebensthemen zu lernen, aber auch darum, bereits vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten weiter auszubauen und regelmäßig anzuwenden. Einen Lehrplan gibt es hierfür nicht, aber ich habe für mich in den vergangenen Monaten Vorstellungen entwickelt wie und in welchem täglichen oder auch wöchentlichen Zeitaufwand ich das umsetzen möchte – und habe es auch bereits gemacht. Dabei ist etliches in Bewegung gekommen und es sind einige Ideen entstanden, die festgehalten als Lose-Blatt-Sammlung meinen Schreibtisch zumüllen. Es ist bei mir also der Bedarf entstanden meine Gegenwart zu ordnen, um damit meine Zukunft besser gestalten zu können. In dieser Situation kam es mir ganz gelegen, als ich bei Spotify das ungekürzte Hörbuch „Die Bullet-Journal-Methode“ von Ryder Carroll, hervorragend gesprochen von Julian Mehne, entdeckte. Ich erhoffte mir durch dieses Buch Inspirationen dazu, wie ich mein kleines Notizen- und Planungsdurcheinander sinnvoller organisieren kann.

Und genau das bekam ich auch. Viele von den strukturellen Gestaltungsmöglichkeiten kannte ich natürlich schon durch die zahlreichen YouTube-Videos und Internetseiten, die ich zum Thema BuJo bereits in den vergangenen Jahren angeschaut hatte. Aber Ryder Carroll zeigt, wie viel mehr ein Bullet-Journal zu bieten haben kann und dass einem natürlich frei steht, seine Kreativität und Kunstfertigkeiten darin auszuleben, aber dass es darum eigentlich nicht geht. Vielmehr zeigt dieses Buch, worin die eigentlichen Stärken des BuJo liegen und welche psychologischen Effekte mit den unterschiedlichen Arten der Bestückung eines Bullet-Journals erzielt werden können. Was das Festhalten bestimmter Einzelheiten im Nachhinein für den Rückblick in die Vergangenheit bedeuten kann, aber auch wie sich bestimmte Aufgaben und Ziele durch gezielte Methoden im Bullet-Journal besser greifen und verwirklichen lassen. Diese Begründungen für das Warum und Weshalb sind nicht nur hilfreich, sondern manches Mal auch Augen öffnend und sehr inspirierend, so dass man es kaum abwarten kann, das Gehörte gleich umzusetzen.

Dabei gibt Ryder Carroll jedoch nicht dogmatisch Problemlösungen vor, sondern stellt immer wieder auch den großen Vorteil des Bullet-Journals heraus. Es ist flexibel für jeden Einzelnen für seine ganz besonderen Bedürfnisse gestaltbar und kann jederzeit an die Umstände des Lebens angepasst werden. Alles kann und nichts muss. Es gibt kein richtig oder falsch, nur etwas, das für einen funktioniert oder eben nicht funktioniert. So wächst das BuJo mit seinen Anforderungen oder nimmt phasenweise auch einfach mal weniger Seiten in Anspruch.

Mich hat dieses Hörbuch genau zur richtigen Zeit gefunden, aber wie es nun mal so ist, reicht mir das Hören nicht aus bei guten Büchern. Deshalb habe ich es mir in gebrauchter Version nachgekauft. Einzelne Kapitel möchte ich gern noch einmal ganz in Ruhe selbst lesen, verinnerlichen und umsetzen. Und tatsächlich ist das Buch hübsch gestaltet, verfügt sogar über zwei (!) Lesebändchen und ist mit einigen wenigen Skizzen versehen. Aber auch hier wird deutlich, dass es beim Bullet-Journaling ebenso wenig wie bei bei diesem Buch, vorrangig um die optische Gestaltung geht – sie ist und bleibt halt ein hübscher Nebeneffekt.

Das kommt mir sehr entgegen, entspannt mich und hat mich auf Ideen gebracht. Ich habe nicht nur meine ganz eigene Art der Einträge für das BuJo entwickelt, die schmucklos aber für mich durchaus effektiv sind, sondern ich habe mir dabei auch die Freiheit genommen, mich von dem dafür üblicherweise verwendeten klassischen Notizbuch zu verabschieden. Derzeit bewährt sich für mich ein schwarzes Ringbuch in DIN-A5-Größe mit einem Register von A bis Z und den normalen im Schreibwarenhandel erhältlichen karierten DIN-A5-Ringbucheinlagen. Damit ist die Flexibilität gewährleistet, die ich derzeit brauche und da ich es nur zu Hause verwende, reicht diese preiswerte Lösung auch aus. Zugegeben: Schön ist anders. Aber es funktioniert – und wenn ich tatsächlich mal Lust auf Gestaltung habe, bemühe ich Photoshop und Libre Office und drucke mir halt etwas Schönes aus, das ich dann in meinem Bullet-Ringbuch abheften und ausfüllen kann 🙂

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Ryder Carrol
Die Bullet-Journal-Methode
Verstehe deine Vergangenheit – ordne deine Gegenwart – gestalte deine Zukunft
Original: The Bullet Journal Method. Track the Past, Order the Present, Design the Future
Aus dem Englischen von Viola Krauß
ISBN: 978-3499633409
Preis: EUR 20,00 € [DE]
Verlag: Rowohlt
Erschienen: 06.11.2018

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