Pink Floyd – Alle Songs – Jean-Michel Guesdon / Philippe Margotin

Als ich zum ersten Mal dieses Buch in Händen halte, bin ich fast ein wenig ehrfürchtig, denn es ist mit seinen 592 Seiten im Format 19 x 24,2 cm ein echtes Schwergewicht. Beim ersten Durchblättern fällt mir im Gegensatz zum Buchcover eine ansprechend dezente Farbgestaltung der Seiten mit zahlreichen Fotos und Abbildungen auf. Mir ist sofort klar, dass ich dieses Buch feiern werde, denn Pink Floyd ist eine meiner Lieblingsbands und ich habe große Lust darauf, mehr über sie zu erfahren. Zwar bringt allein schon der Anblick dieses Buches ihre Musik in mir zum Klingen, aber ich ich verstehe den Titel „Pink Floyd – Alle Songs“ auch als Aufforderung mir diese gleich beim lesen der Geschichten hinter den Tracks auch noch einmal ganz in Ruhe anzuhören. Allerdings habe ich meine Plattensammlung vor knapp 20 Jahren komplett aufgelöst und nicht mehr alle Pink-Floyd-Alben als CDs nachgekauft. Glücklicherweise finde ich jedoch bis auf wenige Ausnahmen alle Lieder bei Spotify und so sind in den darauf folgenden Wochen meine Tage mit Zeitinseln versehen, die gleichermaßen dem Lesen und dem Musikhören gewidmet sind. Eine wundervolle Zeit, die ich keinesfalls missen möchte!

Denn dieses Buch beinhaltet satte 50 Jahre Rock-Geschichte, von der Gründung Pink Floyds im Jahr 1965 bis hin zu ihrem Ende 2015. Es beginnt damit, wie sich die Band-Mitglieder kennenlernen und zeigt den Werdegang von Pink Floyd in unterschiedlichen Besetzungen auf, nicht ohne dabei auch die musikalischen Einflüsse zu nennen, die prägend waren. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise durch ein Stück Musikgeschichte, wenn beispielsweise die Stones, die Beatles oder Alan Parson Erwähnung finden und man sich doch darüber freuen darf, dass Pink Floyd ihren ganz eigenen Stil entwickelt haben, der sich aus Progressive Rock, Psychedelic Rock, Blues und Jazz zusammensetzt und noch Einflüsse aus der klassischen und der neueren Musik mit aufnimmt.

Album für Album, inklusive der Singles, wird diese Entwicklung nachgezeichnet und auch für die Band relevante private und politische Einflüsse werden nicht ausgelassen, ohne jedoch dabei reißerisch zu wirken. Jedem Album wird einleitend die Entstehungsgeschichte einschließlich der Covergestaltung vorangestellt und der technische Stand inklusive der verwendeten Instrumente der Musiker offengelegt. Weiter geht es im Anschluss mit den einzelnen Titeln und ihrer Vorgeschichte, worin sich auch mögliche Interpretationen der Liedtexte finden, noch ausführlich ergänzt um die technischen Einzelheiten der Aufnahmen. Hier findet sich auch viel von dem Zeitgeist der Bandjahre wieder.

Das alles liest sich für mich wie eine spannende Geschichte, bei der ich mich noch grob an Einzelheiten erinnere, die aber nun um interessante Details ergänzt werden. Allerdings fehlen mir für die technische Seite der Musik die nötigen Kenntnisse, so dass ich diesbezüglich umfangreiche Textstellen auch einfach nur überfliege, ohne sie trotz Glossar gänzlich zu verstehen. Fast bedaure ich dies, könnte mir jedoch vorstellen, dass für Musiker hier viel Interessantes zu finden ist. Da ich mir die Lieder jedoch beim Lesen gleichzeitig anhöre, kann ich manches doch in gewisser Weise nachvollziehen, bin überrascht davon, wie manche Effekte erzielt werden und spüre bei Vielem zumindest was gemeint ist.

Ergänzend finden sich in dem Buch zahlreiche Fotos und Abbildungen der Instrumente und des Studioequipments der Bandmitglieder, aber auch von ihren Auftritten und aus dem Proberaum. In kleinen Randnotizen gibt es noch Zusatzinformationen, nicht nur für „Pink Floyd Addicts“, so dass man in der Musik schwelgen und gleichzeitig die Augen durchs Buch wandern lassen kann. Natürlich schweifen bei manchen Liedern auch die Gedanken ab und entführen in die Zeiten, in denen die Musik Pink Floyds zum Soundtrack des eigenen Lebens gehört hat und manche Lieder und Ereignisse sich unzertrennlich miteinander verbunden haben. Ein besonderes Erlebnis für mich, jetzt nochmal chronologisch durch Musik und Jahrzehnte zu reisen, die Spotify-Playlist mit Lieblingssongs zu füllen und dabei auch einige neu entdecken zu können, weil ich eben doch nicht alle Alben und Lieder kannte – „More“ und „Obscured by Clouds“ waren mir beispielsweise irgendwie entgangen.

Erwartet hatte ich eigentlich, in diesem Buch die kompletten Songtexte abgedruckt zu sehen, fand diese jedoch ebenso wie die Cover der Alben nur beschreibend und interpretierend behandelt. Dennoch ist dieses Buch ein echtes Schmankerl für Pink Floyd Fans und ich habe die Zeitreise damit sehr genossen. Jedoch hätte ich mir für die Covergestaltung einen Grafikdesigner im Stil von Storm Thorgerson gewünscht und unbedingt ein Korrektorat.

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Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin
Pink Floyd – Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks
Aus dem Französischen von Sarah Pasquay und Melanie Köpp
Original: Pink Floyd, La Totale. Les 179 Chansons expliquées, Hachette Livre, Paris
Taschenbuch, 592 Seiten – 440 Fotos und Abbildungen
ISBN: 978-3667120199
Preis: 39,90 € [D]
Verlag: Delius Klasing
Erschienen: 26.02.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

2 Kommentare zu „Pink Floyd – Alle Songs – Jean-Michel Guesdon / Philippe Margotin

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