Foto der Woche – 04/2021

Ein Blick in die Wetterapp und schon wurde der geplante Sonntagsausflug spontan auf Samstag vorgezogen. Unser Ziel: Die alte Eisenbahnbrücke in Wesel, die in den Jahren 1872 bis 1874 erbaut und im Verlauf des zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Wir waren aber an diesem Nachmittag nicht die einzigen Besucher, die dieses Bauwerk bestaunten und sich die niederrheinische Landschaft vorzugsweise durch die alten Brückpfeiler hindurch anschauten um ganz nebenbei noch die frische Luft zu genießen.

Imposant und in ihrem Verfall auf ihre eigene Art wunderschön zieht sich die alte Brücke noch heute zerstückelt durch die Landschaft. Die Natur hat sie längst mit offenen Armen aufgenommen und macht sie immer mehr zu einem Teil von sich. Und doch ist immer noch erkennbar, dass es einst Zeiten gegeben haben muss, in denen sich Ästhetik und Stabilität beim Bauen vereinbaren ließen.

Kulinarische Weltreise: Kenia

Kenia, offiziell Republik Kenia, ist ein Staat in Ostafrika. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Nairobi, die zweite Millionenstadt ist Mombasa. Die Wirtschaft Kenias ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die größte in Südost- und Zentralafrika. Es gibt eine Vielzahl an Nationalparks in Kenia, die ein wichtiges Standbein für den Tourismus darstellen. Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Kenia wird derzeit gewarnt, Corona halt. Aber glücklicherweise hat zumindest das Internet auf und so hat mein Herzbube recherchiert um herauszufinden, wie wir ein wenig unser Fernweh besänftigen und zumindest von Kenia inspiriert kulinarisch reisen können.

Den Anfang machten Samosas, die man dort wohl an jeder Straßenecke bei kleinen Ständen findet, wo sie direkt aus dem heißen sprudelnden Fett angeboten werden. Die Füllungen sind meist vegetarisch, aber es gibt sie auch mit einer Fleischfüllung, wie die, die wir uns gegönnt haben. Dazu werden 300 g Lammhack, 1 gewürfelte Zwiebel, 2 gehackte Knoblauchzehen, 1 gehackte Chili (Schärfegrad nach Vorliebe), 100 g TK-Erbsen, Salz, Pfeffer, Kurkuma angebraten und zum Schluss mit frischem Koriander (etwa 2 EL) vermengt. Den Fertig-Filoteig in 3 Streifen schneiden, das untere Viertel mit der Masse belegen, zu Samosas zusammenfalten und frittieren.

Wir haben die Samosas als Vorspeise genossen und es gab noch einen kenianischen Kartoffel-Snack mit dem Namen Viazi Karai dazu. Dafür werden 250 g Mini-Kartoffeln mit Schale in Salzwasser gekocht, halb eingeschnitten und innen mit etwas Sambal-Olek bestrichen. Diese werden dann in einen Teig aus 100 g Weizenmehl, 50 g Kichererbsenmehl, 1/2 TL Kurkuma, Salz und Wasser getaucht und anschließend frittiert. Serviert wird dazu eine Tamarinden-BBQ-Sauce. Dafür 1 feingehackte rote Zwiebel und 1 feingehackte Knoblauchzehe in etwas Öl angebraten, etwa 2 EL feingehackte Korianderstiele, 1/2 Tasse Ketchup, 1 EL Honig, 2 TL Tamarindenpaste, 1/2 TL gemahlener Koriander, 1/2 TL schwarzer Pfeffer und gehackte Chilis nach Geschmack zugegeben und kurz aufkochen.

Einige Zeit später ging es weiter mit den Hauptgerichten. Ganz rechts im obigen Bild sieht man das Jeera-Chicken auf Kenianische Art. Dazu werden 1 kg Chickendrums in etwas Öl angebraten und anschließend herausgenommen. Dann in dem Öl 1EL grob gemahlenen Kreuzkümmel 1 TL grob gemahlenen schwarzen Pfeffer anbraten. Danach 1 TL gehackte grüne Chili, 1 EL Ingwer-Knoblauch Paste, 2 gehackte Knoblauchzehen, 200 g Naturjoghurt (mindestens 3,5 % Fett) und 350 g gehackte Tomaten unterrühren. Die Hähnchenstücke wieder zufügen und bei niedriger Temperatur mindestens 45 Minuten köcheln lassen. Vor dem Servieren mit frischem Koriander bestreuen.

Dazu passen hervorragend die Masala-Chips (links im Bild), für die 1 gewürfelte rote Zwiebel und 2 gewürfelte Knoblauchzehen angebraten werden. Danach 2 gehackte Tomaten zugeben, mit 1 TL Kurkuma, 1 TL Kreuzkümmel, 1 TL Garam Masala und etwas Zitronensaft würzen. Aufkochen lassen und mit dicken frittierten Pommes (etwa 200 g pro Person) vermengen. Vor dem Servieren mit frischem Koriander bestreuen.

Die andere Hälfte des Hauptgerichts bestreiten Fisch und Reis. Für den Fried Fish wird klassisch der ganze Fisch (Tilapia) verwendet. Da wir ihn aber bei uns nicht bekommen konnten, entschieden wir uns für Filets vom Wolfsbarsch (pro Person etwa 200 g). Die Filets trockentupfen. Mit Salz, Pfeffer, etwas Kreuzkümmel und Zitronensaft würzen. Mehlieren und kurz in Fett frittieren. 1 mittlere rote Zwiebel fein hacken und anbraten. 1 Dose Kokosmilch, 2 gehackte Tomaten, Salz, Pfeffer verrühren und aufkochen. Den gegarten Fisch für 2 Minuten dazugeben und mit frischem Koriander servieren.

Dazu passt Kokosreis, für den 1 Tasse Reis nach Packungsanweisung bis fast zum Schluss gegart wird. In einem separaten Topf 1 Dose Kokosmilch mit ca. 4 EL Kokosraspeln, etwas Salz und Pfeffer aufkochen. Eine Minidose Mais und etwa 100 g TK-Erbsen dazugeben. Den Reis dazugeben und etwa 5 Minuten garen.

Abschließend gab es noch einen Kenianischen Bananenkuchen mit Bananensahne und N’Dizi. Dazu den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und eine Kastenform (25 cm) einfetten und mit etwas Mehl bestäuben. Für den Bananenkuchen 250 g Mehl, 1 Pck. Backpulver und 1/4 TL Salz in einer Schüssel mischen. In einer anderen Schüssel 125 g geschmolzene abgekühlte Butter, 225 g Zucker, 1 TL Zitronenschalenabrieb und 1 TL Vanilleextrakt schaumig rühren. Nacheinander 2 Eier unterrühren. 2 mittelgroße sehr reife Bananen mit einer Gabel zerdrücken und in den Teig einrühren. Nun die Mehlmischung und 200 g Naturjoghurt (mindestens 3,5 % Fett) portionsweise abwechselnd unter den Teig rühren, bis sich alle Zutaten verbunden haben. Den Teig in die Kastenform füllen und 50 bis 60 Minuten goldbraun backen. Unbedingt einen Stäbchentest machen und den Kuchen evtl. mit Alufolie abgedeckt noch weiterbacken, bis man das Stäbchen sauber aus dem Teig ziehen kann. Nach der Backzeit den Kuchen noch 10 Minuten in der Form lassen und anschließend auf einem Kuchengitter ganz abkühlen lassen.

Dazu gibt es Bananenschlagsahne aus 200 g Schlagsahne, die mit etwas Puderzucker und 1 TL Vanille steifgeschlagen wird. Unter diese wird eine kleine sehr reife mit einer Gabel zerdrückte Banane gehoben.

Garniert wird das ganze mit N’Dizi. Dazu wird der Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorgeheizt. 2 große Bananen schälen und in Scheiben schneiden. Die Bananenscheiben zuerst in etwa 4 EL geschmolzene Butter tauchen, anschließend in 100 g ungesalzenen gehackten Erdnüssen wälzen und auf das mit Backpapier belegte Backblech legen. Insgesamt 10 bis 12 Minuten backen und die Scheiben nach der Hälfte der Backzeit wenden. Anschließend abkühlen lassen.

Zum Servieren den Banenenkuchen in Scheiben schneiden und mit BananenSchlagsahne und N´Dizi belegen.

Fazit: Lecker war es. Und gut getan hat es. Besonders spannend war die Erfahrung mit der Tamarindenpaste. Es dauerte etwas, bis wir sie schließlich doch in einem Edeka-Markt fanden. Wir konnten uns so gar nicht vorstellen, wie die Früchte des Tamarindenbaums, die ein bisschen wie Erdnüsshülsen aussehen, wohl schmecken würden. Tatsächlich verzogen wir erstmal das Gesicht, als wir gespannt aber vorsichtig zu Hause von der Paste probierten. Denn die Beschreibung „irgendwas wie Rübenkraut mit Essigessenz vermischt“ trifft es doch ganz gut. Aber als Bestandteil der Tamarinden-BBQ-Sauce war diese eigenartige Substanz dann doch erstaunlich lecker. Nichtsdestotrotz waren wir froh, dass sich für den Rest der Paste ganz unkompliziert ein neues dankbares Zuhause finden ließ.

Psychose – Blake Crouch

Eigentlich höre ich inzwischen recht gern Hörbücher. Sie versüßen mir so manche unliebsame Tätigkeit im Haushalt, sind eine angenehme Handarbeitsbegleitung oder gestalten einen Weg interessanter, sofern er nicht gerade selbst das Ziel ist. Gelegentlich höre ich Hörbücher über meinen Spotify-Account, aber komfortabler finde ich die App von Audible. Da ich in letzter Zeit jedoch vermehrt Podcasts höre, haben sich dort wieder einige Guthaben gesammelt, so dass ich das Abo gestoppt habe und zum wiederholten Mal drei Monate pausiere. Das geht recht unkompliziert und so bleibe ich Audible dennoch treu, obwohl ich nicht in jedem Monat mein Guthaben für ein Hörbuch einsetze. Wenn ihr Audible einmal ausprobieren möchtet, gelangt ihr über diesen Link zum Probe-Abo [Werbung].

Viel Lobendes hatte ich über die Wayward-Pines-Thriller-Reihe von Blake Crouch gehört und so entschied ich mich, ein Audible-Guthaben für den ersten Teil „Psychose“ zu verwenden. Denn gesprochen wird es von dem wunderbaren Charles Rettinghaus und überhaupt sind Thriller für mich eigentlich wie geschaffen zum Hören, sind sie doch ein bisschen wie Fastfood, das schmackhaft sein kann und manchmal einfach sein muss. Selten habe ich bei ihnen das Bedürfnis, mir besondere Stellen zu markieren. Auch der Wunsch des ‚zurückzuspulens‘ entfällt meist, weil es kaum Sätze gibt, die ich mir nochmal auf der Zunge zergehen lassen möchte, um in Ruhe über sie nachdenken zu können. Dinge, die ich beim Hörbuchhören zweier Romane, die sich zu Lieblingsbüchern entwickelten, zuletzt schmerzlich vermisst hatte. Aber jetzt war wieder einmal die Zeit für einen Thriller gekommen, von dem ich mir spannende und gute Unterhaltung erhoffte.

Blake Crouch nimmt die Leser mit nach Wayward Pines, Idaho, eine idyllische Kleinstadt mitten im Nichts. Als Ethan Burke nach einem Verkehrsunfall im örtlichen Krankenhaus allmählich wieder zu sich kommt, sind seine Sachen verschwunden, alle um ihn herum verhalten sich äußerst merkwürdig und auf seine Fragen bekommt er nur ausweichende Antworten. Immer wieder hat er eigenartige Kopfschmerzen und in seinem Gedächtnis gibt es Lücken. Allmählich erinnert er sich, dass er ein Secret-Service-Agent ist und zwei Vermisste aufspüren soll. Doch er findet Anderes und als er Wayward Pines zu verlassen versucht, stößt er auf einen unüberwindbaren Zaun.

Aufgrund des Buchtitels entwickelt man beim Lesen Vermutungen darüber, was mit dem Protagonisten los sein könnte und stuft auch seine Verhaltensweisen und Empfindungen dementsprechend ein. Gleichzeitig versucht man den Funken Wahrheit an dieser Geschichte zu finden, weil man Ethan Burke mit der Zeit immer weniger glaubt. Zudem sind einige Schilderungen von Vorgängen, die außerhalb von Wayward-Pines stattfinden oder stattfanden rätselhaft. Das ganze ist ein Verwirrspiel, das dauert und sich für mich zu lange hingezogen hat. Irgendwann hatte mich dieser Thriller einfach verloren.

Der Protagonist ist nicht glaubwürdig und sein Handeln ist nicht immer nachvollziehbar. Natürlich erwartet man das auch nicht, wenn man ihm eine schwere psychische Erkrankung unterstellt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt interessierte es mich auch einfach nicht mehr. Dennoch hörte ich der angenehmen Stimme des Hörbuchsprechers bis zum Schluss zu, war aber enttäuscht, als schließlich die Auflösung des ganzen erfolgte. Ich hätte mir wohl vorher einmal anschauen sollen, dass dieser Thriller bei Amazon unter anderem in Krimis über Übernatürliches, Thriller über Parapsychologie und Horror einsortiert ist. Nicht, dass ich diesen Bereichen gegenüber generell abgeneigt wäre, aber dieser Ausgang der Geschichte kam für mich völlig unerwartet und war partout nichts für mich. Ich kann mich den lobenden Stimmen, die ich über diese Reihe vernommen habe, also leider nicht anschließen und werde die Geschehnisse rund um Wayward Pines nicht weiter verfolgen.

-> Zur Hörprobe [Werbung]


Blake Crouch
Psychose – Ein Wayward-Pines-Thriller (1)
Ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Charles Rettinghaus
Spieldauer: 9 Std. und 25 Min.
Erscheinungsdatum: 16.09.2019
Verlag: Der Hörverlag

umgeSCHAUt im Dezember 2020

📚 Dass das Bücherjoural zum letzten Mal gesendet wird finde ich wirklich schade. Ich mochte die bunte Büchermischung, die dort meist vorgestellt und durch die ich schon auf so manches Buch aufmerksam wurde. Diese informative unterhaltsame Sendung hob sich angenehm von den anderen Büchersendungen ab, da sie so unpretäntiös daher kam. Schade, die Sendung wird mir fehlen.

📚 „Ein vor Sprach- und Erzähllust strotzendes Buch“ meint Thea Dorn über „Schau mich an“ von Elif Shafak. Aber auch das, was die Runde über das Buch erzählt klingt lesenswert.

📚 „Der Grinch oder die geklauten Geschenke“ klingt nach einem etwas anderen Buch für die Weihnachtszeit und macht mich neugierig.

📚 Die Autobiografie von Alice Schwarzer habe ich mir jetzt endlich auf die Wunschliste gesetzt. Ich mag ihr zuhören und könnte mir vorstellen, dass ich auch lesen mag, was sie über sich und ihr Lebenswerk zu erzählen hat. Das in dem Beitrag angesprochene Interview von Frau Feldbusch und Frau Schwarzer habe ich mir dann auch noch versucht bei YouTube anzuschauen, habe es aber abgebrochen, weil ich es einfach nervtötend fand.

📚 Von dem Rauswurf Monika Marons aus dem S. Fischer Verlag habe ich nichts mitbekommen, aber dieser Fall wirft interessante Fragestellungen auf.

📚 Von Friedrich Dürrenmatt lasen wir in der Schule „Der Richter und sein Henker“. An mehr erinnere ich mich nicht mehr, aber ich weiß noch, dass mir fast jegliche Schullektüre verhasst war. Wenn ich aber Elke Heidenreich lobend über Friedrich Dürrenmatt sprechen höre, bekomme ich große Lust etwas von ihm zu lesen.

Und das sind die Links zu den Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

01.12.2020: Bücherjournal: Große Namen, große Literatur: Ein Rückblick zum Abschied.

04.12.2020: Das Literarische Quartett: Zur Weihnachts-Ausgabe lädt Gastgeberin Thea Dorn wieder mit drei prominenten Gästen: Lisa Eckhart, Andrea Petkovic und Ulrich Matthes. Die vier Literaturexperten debattieren über die Bücher von Elif Shafak, Don DeLillo, Michel Houellebecq und Minka Pradelski.

13.12.2020: druckfrisch: Was bedeutet Freundschaft? Und was ist an Gespenstern gut? Nadia Budde stellt in ihren Bilderbüchern die großen Fragen für die ganz Kleinen. Und begeistert Kinder und Erwachsene. Außerdem: Wolfram Eilenberger und Edward Brooke-Hitching.

13.12.2020: lesenswert: Die „Ikone des deutschen Feminismus“, Alice Schwarzer, hat ihr „Lebenswerk“ geschrieben und spricht mit Denis Scheck über die großen Themen ihres Lebens, über ihre Arbeit seit über fünf Jahrzehnten: Kampf für die Rechte der Frauen, Aktion gegen den Abtreibungsparagraphen 218, Gründung der feministischen Zeitschrift „Emma“, Frauenemanzipation damals und heute und vieles mehr.

17.12.2020: lesenswert Quartett: Sandra Kegel, Ressortleiterin im Feuilleton der FAZ ist heute zu Gast im „lesenswert“ Quartett. Zusammen mit den Literaturkritiker*innen Denis Scheck, Insa Wilke und Ijoma Mangold bespricht sie in der Sendung vor Weihnachten vier aktuelle Bücher: Der Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ von Christine Wunnick und Deniz Ohdes „Streulicht“, die Biografie über Susan Sontag von Benjamin Moser und Manuel Vilas‘ „Die Reise nach Ordesa“.

22.12.2020: Literaturclub: Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Raoul Schrott und – als Gast – der Satiriker Viktor Giacobbo diskutieren über „Die F*ck-it-Liste“ von John Niven, „Apeirogon“ von Colum McCann, „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné sowie „Fünf Jahreszeiten“ von Meral Kureyshi.

Foto der Woche – 03/2021

Am 28. Oktober 2020 hat diese süße Knuffelmaus das Licht der Welt erblickt – es kann also kein schlechtes Jahr gewesen sein. Und ich bin immer noch schockverliebt und freue mich darüber, dass die Kleine vor kurzem in ihr neues Zuhause eingezogen ist, wo ich sie gelegentlich besuchen darf. Dabei wäre in meiner Fototasche noch genau ein Platz für eine Britisch Kurzhaar in eben dieser Größe gewesen, aber die Besitzer wollten sie partout nicht hergeben. Ich habe alles versucht 🙂

Frisch auf dem Buchmarkt: Januar 2021

Eigenartig fühlte sich dieses Mal mein Bummel durch die Verlagsvorschauen des Frühjahrs an. Für viele Themen und Geschichten bin ich derzeit einfach nicht offen. Wenn ich die Worte Dystopie, Pandemie oder Virus lese, bin ich sofort raus. Von Politik habe ich die Nase voll, allzu Kritisches will ich gerade nicht auch noch hinterfragen müssen und selbst Blutrünstiges kann mich derzeit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber allzu Fantasievolles und die lustige heile Herzschmerwelt sowie Trümmerbeziehungen reizen mich halt auch nicht und so blätterte ich mich dieses Mal nörgelig und mäkelig durch die virtuellen Bücherwelten. Ein eigenartiges Gefühl für jemanden, der sich sonst kaum zu bremsen weiß und immer über alle Maßen fündig wird. Nicht, dass ich nicht sowieso schon eine Bücherwunschliste hätte, die aus allen Nähten platzt…

Im nachhinein konnte ich kaum glauben, dass ich doch noch einige (12!) ansprechende Neuerscheinungen für den Januar entdeckt habe. Dabei geht es um den heiligen Fettstoffwechsel, um Reisegeschichten, einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie, eine Fotojournalistin, die von den gefährlichsten Orten unserer Welt berichtet, um mystisches Wissen, eine künstliche Intelligenz mit dem Namen Dave, den Arabischen Frühling, um die Folgen einer Hirnblutung, um einen Affen, der nicht nur einen Cheeseburger bestellen kann, einen 14jährigen Jungen, der in Malawi ein Windrad baut, einen mysteriösen Brief, in dem Dinge stehen, die eigentlich niemand über Heloise wissen kann und Geschichten, die heilsam, tröstlich und unterstützend sein können.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

04.01.2021: Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels [Werbung] von Marion Kiechle und Julie Gorkow: Ernährung ist der Schlüssel für einen gesunden Fettstoffwechsel. Je nach Lebensphase spielen die Hormone einen großen Einfluss. Die richtigen Lebensmittel können in all diesen Lebensphasen den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu kommen im Laufe des Lebens stoffwechsel-induzierte Erkrankungen, die mit der richtigen Ernährung ebenfalls behandelt werden können. Die Frauenärztin Dr. Marion Kiechle kennt aus der Praxis und aus ihrer Uni-Tätigkeit all diese Phasen und Erkrankungen genau, die Journalistin Julie Gorkow erklärt die Zusammenhänge verständlich. Damit dieses Wissen über den Fettstoffwechsel sofort anwendbar wird, ergänzt ein ausführlicher Rezept-Teil den Ratgeber.

11.01.2021: The Travel Episodes: Von Abenteuern in der Ferne und vor der Haustür [Werbung] von Johannes Klaus: Ein Glück, dass gute Reisegeschichten niemals langweilig werden! Denn auch im fünften Band der erfolgreichen Reihe „The Travel Episodes“ werden gemeinsam mit Johannes Klaus die spannendsten, aufregendsten und mitreißendsten Storys aus allen Ecken der Welt gekürt. Sie entführen uns in den afrikanischen Busch, in die eisige Wildnis Grönlands und die rote Weite Australiens. Sie erzählen von einem Segelabenteuer im südlichen Ozean, beschreiben das große Nichts in Kasachstan und zeigen, wie eine neue Generation in Bangladesch das Reisen für sich entdeckt. Das Buch für Fernsüchtige!

14.01.2021: Der Mann im roten Rock [Werbung] von Julian Barnes: Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

18.01.2021: Menschlichkeit in Zeiten der Angst [Werbung] von Julia Leeb: Die Fotojournalistin Julia Leeb berichtet von den gefährlichsten Orten unserer Welt. Hautnah erfährt sie, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, sei es bei den Kämpfen der Nubier im Sudan, bei den Warlords im Kongo, im Krieg in Libyen, während der Revolution in Ägypten oder in der abgeschotteten Diktatur in Nordkorea. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr: Als sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommt, soll sie kaltblütig umgebracht werden. Ein anderes Mal wird sie verschleppt, um sie als Zeugin zum Schweigen zu bringen. Dennoch schildert sie in ihren Reportagen über die Vergessenen unserer Welt auch immer wieder Begegnungen voller Schönheit und Hoffnung. Es sind vor allem Frauen, die durch ihren Mut und ihre Zuversicht den Weg aus Gewalt und Unterdrückung zu Frieden und wahrer Menschlichkeit weisen.

19.01.2021: The Mystical Year: Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche [Werbung] von Allison Davies: Dieses liebevoll gestaltete Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich ein wenig Magie in ihrem Leben wünschen. Jeder Monat und jede Jahreszeit bergen ihr eigenes Potenzial, das es zu entdecken gilt. Wir lernen besondere Ereignisse, überlieferte Weisheiten, heidnische Sagen und traditionelle Feste kennen und erfahren von magischen Eigenschaften bestimmter Kräuter, Tiere, Steine oder Tarotkarten – und von vielem mehr. Jährlich wiederkehrende Sternenkonstellationen spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss des Mondes. Themenseiten, Tipps und Übungen runden diesen Leitfaden für alle mit einer mystischen Ader ab. Von der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner bis zu den Geschichten der Griechischen Sagenwelt, heidnischer Erzählungen und römischer Traditionen existiert ein Reichtum an Wissen aus vielen Kulturen. Feiern Sie den Frühling und Sommer als Zeit der Erneuerung mit Flora, der römischen Göttin der Blumen, begehen Sie an Litha, einem der solaren Feste des Wicca-Glaubens, die Sommersonnenwende, und wenn die Nächte länger werden, helfen selbst gemachte, duftende Kräutergirlanden, böse Geister abzuwenden. Für jeden Monat finden sich in diesem Buch der jeweilige Vollmondname oder Wicca-Jahreskreis sowie eine Zusammenstellung mystischer Traditionen, die den Wechsel der Natur feiern. Mystisches Wissen für alle, die durch eine Rückbesinnung auf überlieferte Weisheiten über den Zyklus der Jahreszeiten neue Kräfte aktivieren und sich mehr mit der Natur verbinden möchten!

23.01.2021: Dave [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

25.01.2021: Die Republik der Träumer [Werbung] von Alaa al-Aswani: Hoffnung, Aufbegehren, Scheinheiligkeit und Unterdrückung – Der große Roman über die ägyptische Revolution zum 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings. Kairo, 25. Januar 2011, 25.000 Menschen demonstrieren gegen Mubarak. Sie träumen von der großen Veränderung, doch während in der euphorischen Menge Liebesbeziehungen aufblühen, wird der Bürgerrechtler Khaled vor den Augen aller ermordet. Seine Freundin Dania will ihren Widerstand nicht aufgeben – und sei es gegen den eigenen Vater, den bigotten Geheimdienstchef, der islamische Werte predigt und heimlich Pornos schaut. Al-Aswanis Figuren verkörpern in diesem mitreißenden Buch, das in Ägypten verboten wurde, alle Facetten der Revolution, die für jede von ihnen einen Wendepunkt in ihrem Schicksal bedeutet. Ein unvergessliches Porträt der modernen ägyptischen Gesellschaft.

25.01.2021: Königin außer Dienst [Werbung] von Martine Bijl: Martine ist erfolgreich, berühmt, steht mitten im Leben, als an einem Herbstmorgen „ein Ballon hinter ihren Augen platzt“. Eine Hirnblutung verändert das Leben der Autorin schlagartig.
Bevor sie vier Jahre später an den Folgen der Krankheit stirbt, schreibt Martine Bijl ein Buch, das einzigartige, berührende und schmerzlich ehrliche Einblicke erlaubt. In eindringlichen, ja poetischen Bildern, mit bewundernswerter Kraft und Selbstironie schildert Martine Bijl, wie es ist, „im Kopf Angst zu haben, und nicht zu verstehen, warum und wovor“. Ein Buch, das scheinbar Unmögliches möglich macht, das uns Menschen, deren Wahrnehmung getrübt ist, besser verstehen lässt. Ein Buch, das Mut macht.

25.01.2021: Sprich mit mir [Werbung] von T.C. Boyle: Wer ist menschlicher? Der Mensch oder der Affe? Die Weltpremiere von T.C. Boyles neuem Roman. Sam, der Schimpanse, den Professor Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kind wächst er umsorgt von Wissenschaftlern auf. Als die schüchterne Aimee dazu stößt, entspinnt sich eine einzigartige Beziehung: Sam erwidert ihre Gefühle und entwickelt sich regelrecht zu einem Individuum. Als jedoch die Vision Schemerhorns, der an das Menschliche im Tier glaubt, keine Schule macht, wird er für Tierexperimente von einer anderen Universität beschlagnahmt. Aimee ist am Boden zerstört und fasst einen verrückten Plan. T.C. Boyle geht ebenso komisch wie mitfühlend der Frage nach, ob uns Tiere ähnlicher sind, als wir vermuten.

25.01.2021: Der Junge, der den Wind einfing [Werbung] von William Kamkwanba: William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Nur kurz kann er zur Schule gehen. Dennoch baut er mit 14 Jahren ein Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. So erfüllt sich der wissbegierige Junge trotz vieler Hindernisse einen Traum und verändert damit das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf. Diese wahre Geschichte ist die Vorlage für den erfolgreichen Netflix-Film. Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt und Mut macht.

27.01.2021: Leichenblume [Werbung] von Annette Mette Hancock: Die Kopenhagener Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan steckt in einer heiklen Jobkrise, als sie einen mysteriösen Brief erhält: von einer gesuchten Mörderin. Darin stehen Dinge über Heloise, die eigentlich niemand wissen kann. Beunruhigt beginnt Heloise, auf eigene Faust zu recherchieren. Die Absenderin ist seit einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Was will sie nun ausgerechnet von Heloise, und woher hat sie die Informationen über sie? Zur gleichen Zeit erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise Kaldan zu führen. Ist ihr Leben in Gefahr? Und können der Polizist und die Journalistin einander vertrauen? Der erste Fall der Erfolgs-Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Ausgezeichnet mit dem dänischen Krimi-Preis.

27.01.2021: Lesen und Genesen . Geschichten, die Mut machen [Werbung] – ausgewählt von Ursula Baumhauer: »Ein Gesunder ist kein Umgang für einen Kranken« (Robert Gernhardt). Gute Geschichten dagegen helfen immer. Dieser Band versammelt ein breites Spektrum: Geschichten, die heilsam, tröstlich, unterstützend sind. Texte, die nachdenklich stimmen. Und solche, die unterhalten und die Langeweile vertreiben. Geschichten für Körper und Geist, von Cees Noteboom, Dorris Dörrie, Robert Gernhardt, Bernhard Schlink, W. Somerset Maugham, Jeffrey Eugenides, Richard David Precht, Khalil Gibran, F. Scott Fitzgerald und vielen mehr.

Kreativität – Melanie Raabe

Von Melanie Raabe las ich bislang zwei Thriller („Die Falle“ und „Die Wahrheit„), die mir sehr gut gefielen und einen („Die Wälder„), den ich nicht so gelungen fand. Die Autorin selbst habe ich in Interviews als sympathische quirlige Person kennengelernt und war daher neugierig, als ich von ihrem neuen Buch, dieses Mal einem Sachbuch, erfuhr. Darin beschäftigt sie sich mit der „Kreativität“ – einem Thema, das mich seit einiger Zeit ebenfalls intensiver in Beschlag nimmt und dem ich daher besonders aufgeschlossen und neugierig gegenüber stand. Gleichzeitig erfuhr ich auch von dem Podcast „Raabe & Kampf“, den sie gemeinsam mit Laura Kampf betreibt und bei Kaffee und Kölsch über Kunst, Kreativität, das Freiberuflerinnendasein und alles, was das mit sich bringt, spricht. Ich hörte mir einige Folgen des Podcasts an und mochte ihn zwar, aber ich merkte auch, dass ich es lieber mag Melanie Raabe zu lesen, als ihr zuzuhören. Deshalb entschied ich mich schließlich doch für das Buch.

Erwartet habe ich ein Buch, das mich ein wenig in Kreavitätstheorie schult und mein im Laufe der Jahre ins Vergessen geratene Wissen rund um Techniken und Strategien auffrischt und ergänzt. Das habe ich in groben Zügen auch erhalten, aber Melanie Raabe hat ihren ganz eigenen Umgang mit dem Thema und fasst den Rahmen noch viel weiter, denn Kreativität ist eine Lebenseinstellung.

„Wenn wir uns unser Leben als Kunstwerk vorstellen, das es zu gestalten gilt, dann nehmen wir allem gegenüber einen künstlerischen Blick ein. Wenn wir aufmerksam und mit einem Blick für Schönes und Interessantes durch die Welt gehen, dann begegnet es uns überall.“

(S. 28/29)

Kreativität hilft uns dabei, die Herausforderungen des Lebens zu meistern, im Großen wie im Kleinen. Die Autorin erklärt, weshalb wir alle auf unsere ganz persönliche Weise kreativ sind und wie wir die Inspiration finden, um auf das zu stoßen, was uns im Innersten ausmacht und weiterbringt. Dabei geht es um Mut und Beharrlichkeit, Leichtigkeit und Durchhaltevermögen, um Originalität und Schnapsideen, um Produktivität und Prokrastination, ums Scheitern und vor allem: ums Weitermachen, auch wenn ein rauer Wind weht.

Unterteilt ist das mit kleinen geschmackvollen Illustrationen von Inka Hagen versehene Buch in sieben Kapitel, deren sprechende Namen einen kleinen Einblick in die Inhalte geben:

  1. Das Kapitel, in dem wir uns anschauen, was Kreativität eigentlich ist – und wie sie unser Leben schöner und reicher macht
  2. Das Kapitel, in dem du herausfindest, dass auch in dir ein kleines Genie steckt
  3. Das Kapitel, in dem wir uns gemeinsam auf den Weg in ein kreativ(er)es Leben machen
  4. Das Kapitel, in dem wir uns mit allen Dingen beschäftigen, die unsere Kreativität hemmen
  5. Das Kapitel, in dem wir uns anschauen, wie kreatives Wachstum aussieht – und weshalb der Weg ohnehin das Ziel ist
  6. Das Kapitel, in dem wir uns Gedanken darüber machen, wie professionelles kreatives Arbeiten für uns aussehen könnte, sollten wir unser Hobby zum Beruf machen
  7. Das Kapitel, in dem wir uns mit kreativem Ausdruck jenseits des Künstlerischen befassen und lernen, dass Not erfinderisch macht

Dabei führt Melanie Raabe meist Beispiele aus ihrem eigenen kreativen Schaffen und Leben als Autorin an. Für mich sind diese Ausflüge in ihr Schriftstellerinnenleben sehr interessant, weil ich sie als Person mag und darüber hinaus selbst eine gewisse Freude beim Schreiben empfinde. Oft fühlte ich mich beim Lesen an meine Teilnahme am NaNoWriMo im vergangenen November und dem damit verbundenen Ziel in einem Monat ein Buch zu schreiben erinnert. So konnte ich einiges nachvollziehen und mit vielem etwas anfangen, auch wenn ich ein wenig das Gefühl hatte, hier einen autobiografischen Schreibratgeber zu lesen. Damit hatte ich in der Form nicht gerechnet. Aber auf der Rückseite des Buches ist auch vermerkt, dass dieses Buch ihr bisher persönlichstes ist und daher ist es wohl auch zu erwarten, dass Melanie Raabe aus dem Kreativitätsfundus berichtet, der ihr zu eigen ist. Nichtsdestotrotz spannt sie zwischendurch auch den Bogen zu vielen anderen Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks und es gelingt mir einen Zusammenhang auch zu anderen mich momentan eher betreffenden kreativen Bereichen herzustellen, die nicht unbedingt mit dem Schreiben zu tun haben.

Der Schreibstil von Melanie Raabe ist lebendig, unterhaltsam und unglaublich motivierend, so dass man noch beim Lesen das Bedürfnis verspürt sich unbedingt auf seine ganz eigene Art und Weise kreativ austoben zu müssen. Ein inspirierendes Buch, das zu lesen ich sehr genossen habe.

„Wenn wir akzeptieren, dass wir noch viel zu lernen haben, dass wir Fehler machen und vielleicht kritisiert werden, wenn wir begreifen, dass wir womöglich niemals Perfektion erreichen werden, dann wird der Weg frei für etwas anderes, Besseres: für Spaß an der Sache. Für Freude am Tun. Für Flow. Und genau da liegt der eigentliche Lohn kreativer Arbeit. Der Lohn ist der Prozess, nicht der Applaus, der vielleicht irgendwann folgt.“

(S. 55)

-> Zur Leseprobe [Werbung]


Melanie Raabe
Kreativität
Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht
Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten
durchgehend illustriert, zweifarbig
ISBN: 978-3-442-75892-0
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: btb
Erschienen: 02.11.2020

abc.etüden: Weichmutmacher

Gut ein halbes Jahr hatte sie sich informiert und alles an Wissen begierig in sich aufgesogen, von dem sie meinte, dass es wichtig für sie sein könnte. Vielleicht hatte es auch erst vor drei Monaten begonnen, so ganz genau konnte sie das inzwischen nicht mehr festmachen. Aber es gab einen Auslöser und wenn man ganz genau hinsah und noch weiter zurück blickte, dann gab es sogar Vorkommnisse und Begebenheiten in den vergangenen zwanzig Jahren, die sich nun wie Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen zusammenfügten. Plötzlich passte alles und es schien nur eine logische Konsequenz zu sein, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt genau das tat, wozu sie sich nach vielen Überlegungen und einer scheinbar endlosen Vorbereitungsphase entschieden hatte.

Dabei hätte sie manches Mal Zetermordio schreien können, bei dem, was ihr in all diesen Jahren geschehen war. Kaum zu glauben, dass dies zu irgendetwas gut gewesen sein soll. Denn all das hatte sie auch für das Leben zu weichmütig gemacht. Ihr fehlte die nötige Härte um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags durchzustehen. Und so hatte sie es sich im Laufe der Zeit in ihrem Krankheitskokon gemütlich gemacht. In der geschützten Atmosphäre hatte sie ihr Auskommen gefunden und es ließ sich darin mit den Jahren immer besser leben. Aber in all ihrer Weichmütigkeit hatte sie dennoch immer auch einen Blick nach draußen gewagt um zu schauen und zu lernen, welche Zutaten andere Menschen verwendeten, um sich trotz widriger Umstände ein schmackhaftes wohlbekömmliches Leben daraus zu backen.

Es war fast schon ein Geschenk gewesen, als sie endlich erkannt und verinnerlicht hatte, dass es die in unterschiedlichsten Formen gelebte Kreativität war, die ihrem Dasein Farbe und Würze verlieh. Und nun würde sie damit nach außen dringen. Ganz behutsam und hoffnungsvoll – aber auch mit einer gewissen Entschlossenheit.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Zetermordio, weichmütig, backen.

Foto der Woche – 02/2021

Jetzt im nachhinein gruselt es mich doch ein wenig, wenn ich an die alte Villa denke, die wir in dieser Woche besucht haben. Vor einiger Zeit waren wir schonmal an diesem recht umfangreichen Lost Place, aber dieses Gebäude war uns dabei entgangen. Denn die Villa ist geradezu märchenhaft von Efeu zugewuchert und liegt versteckt hinter einem kleinen Wäldchen, so dass man sie von der Straße und von den Wegen aus nicht gleich sehen kann.

Und obwohl Verfall und leider auch Verwüstung vor diesem Haus nicht halt gemacht haben, wirkt es ein wenig verwunschen und verzaubert, so dass meine Fantasie sich gleich eingeladen fühlt, schaurig schöne Stories für dieses Gemäuer zu erfinden. Doch das Haus hat längst seine eigene Geschichte und wird im Internet als Geistervilla betitelt. Im 2. Weltkrieg sollen dort mehrere Menschen erschossen worden sein. Darunter auch Kinder, deren Leichen auf dem Dachboden der Villa gefunden wurden. Später soll es dort einmal gebrannt haben, eine Frau mit einem Affen als Haustier soll dort gewohnt haben und in der Villa sollen schwarze Messen abgehalten worden sein.

Ich bin froh, dass ich davon erst im nachhinein erfahre, denn sonst hätten meine feinstofflichen Sinnesantennen sicherlich über reagiert und außer dem nasskalten Frühnebel und dem dauerklicken meines Kameraauslösers bestimmt Dinge wahrgenommen, bei denen mir noch im nachhinein die Haare zu Berge gestanden hätten.

Offene See – Benjamin Myers

„Damals wusste ich nicht, was Sprache vermag. Ich verstand die Macht, die Wirkungskraft von Worten noch nicht. Die komplexe Magie von Sprache war mir ebenso fremd wie das veränderte Land, das ich in jenem Sommer um mich herum sah.“

(S. 11)

So blickt Robert in hohem Alter zurück auf sein Leben als Sechzehnjähriger, in die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als er sich auf den Weg macht, um zur offenen See, dem Ort seiner Sehnsucht zu gelangen. Und um noch ein letztes Mal dem zu entfliehen, das für ihn vorbestimmt ist. Denn aufgewachsen ist er in einem abgeschiedenen englischen Bergarbeiterdorf und sein beruflicher Werdegang scheint vorgegeben. Wie alle Männer seiner Familie soll auch er im Bergbau arbeiten. Dabei liebt er Natur und Bewegung und sehnt sich nach der Weite des Meeres.

„Solange ich zurückdenken konnte, hatte die Unausweichlichkeit eines Arbeiterlebens in der staubigen Dunkelheit wie ein Schreckgespenst in meinem Unterbewusstsein gelauert und alles mit einem dunklen Tuch bedeckt. Anfangs hatte ich mich vor der Vorstellung gefürchtet, doch in letzter Zeit lehnte ich sie mit einer Unnachgiebigkeit ab, die an Hass grenzte.“

(S. 20)

Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion – und sie ist interessiert an seinen Gedanken. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben und sie führt ihn nebenbei an die Literatur heran. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will. Allmählich kommt Robert hinter ihr Geheimnis.

„Offene See“ ist ein eher ruhiger Roman, der mit seiner blumigen poetischen Sprache mitnimmt in eine Welt voller Natur- und Landschaftsbeschreibungen, die noch gar nicht zu dem Auftreten, den Äußerungen und dem Handeln des sechzehnjährigen Ich-Erzählers passen wollen, aus dessen Sicht man dieses Buch größtenteils liest. Aber das macht auch einen gewissen Reiz beim Lesen aus, denn hierdurch erhält man eine leise Vorahnung von dem, was in Robert steckt und im Laufe seiner Lebensjahre erst noch freigelegt werden will. Aber dieses Buch erzählt auch von einer zufälligen und eher ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Protagonisten und der ebenso eigensinnigen wie klugen Dulcie, die auf ihre besondere Art Zugang zu dem jungen Mann findet und auf sein Leben Einfluss nimmt.

„[…] ein gutes Gedicht bricht die Austernschale des Verstandes auf, um die Perle darin freizulegen. Es findet Wörter für Gefühle, deren Definitionen sich allen Versuchen des verbalen Ausdrucks entziehen.“

(S. 80)

Um „Offene See“ zu mögen, muss man Lyrik nicht lieben, aber man sollte ihr gegenüber aufgeschlossen sein. Denn es gibt einige Gedichte zu lesen, die man mögen kann oder halt nicht, aber das Buch ist auch geprägt von blumig formulierten und weit ausholend geschilderten Landschafts- und Naturbeschreibungen, die einen geradewegs an die ruppig raue aber nichtsdestotrotz wunderschöne englische Küste mitnehmen. Aufgrund der derzeitigen Reisebeschränkungen bin ich fast versucht eine Triggerwarnung auszusprechen.

Von den unabhängigen Buchhandlungen wurde „Offene See“ im Jahr 2020 als Lieblingsbuch ausgezeichnet. Für mich selbst ist dieser Roman zwar kein Lieblingsbuch, aber durchaus ein Buch, das ich gerne gelesen habe.

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Benjamin Myers
Offene See
Aus dem Englischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
Original: The Offing
Hardcover gebunden, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8321-8119-2
Preis: 20,00 € [DE]
Verlag: Dumont
Erschienen: 20.03.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.