Frisch auf dem Buchmarkt: Oktober 2020

Im Oktober gibt es in den Bücherwelten viele Neuerscheinungen zu entdecken – und das ohne die digitale Frankfurter Buchmesse inspirierend zu Rate gezogen zu haben. Da findet sich also sicherlich noch mehr 😉

Mein Interesse liegt in diesem Monat bei Streaming-Diensten, dem Horror von Smart-Homes, der skandalträchtigen Geschichte des Christentums, dem 40jährigen Jubiläum von Greenpeace, einer Familiengeschichte in den Wäldern Kanadas, einer Tierärztin und Artenschützerin in den Dschungeln der Welt, der Alpendurchquerung einer Regisseurin, Gehirnforschern im Gespräch, globaler Überwachung, prägenden Erfahrungen aus der Kindheit, einer lustigen Dystopie, einer Farm in Südafrika um 1883, indigenen Gemeinschaften in Kanada, einem Bauernsohn in Island und Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Aber schaut selbst:

01.10.2020: Streamland . Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen [Werbung] von Prof. Dr. Marcus Kleiner: Was der Streaming-Boom für unsere Demokratie bedeutet und warum er das Zeug dazu hat, sie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Noch vor wenigen Jahren waren Streaming-Dienste ein Nischenmarkt, heute dominieren sie die Medienlandschaft. Die Öffentlich-Rechtlichen sind angezählt, die Privaten kränkeln. Denn niemand hat dem so bestechend auf unsere Bedürfnisse abgestimmten Angebot von Netflix, Amazon Prime und Co. noch etwas entgegenzusetzen. So nimmt der Siegeszug der Streaming-Dienste kein Ende – Netflix und Co. werden zu neuen Leitmedien. Dabei tauschen wir Zuschauer abwechslungsreiche Inhalte gegen Angebote ein, die von Algorithmen gesteuert werden und uns nur noch das vorschlagen, was Klicks verspricht. Prompt sehen wir nur noch, was wir sehen sollen. Und während die Anbieter so ihre Profite steigern, versinken wir in unserer Filterblase. Welche Wirkung aber haben die Algorithmen der Streaming-Dienste? Kann unsere Gesellschaft das aushalten, wenn wir nur noch einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnehmen? Wenn sich die Medienlandschaft unumkehrbar verändert, weil wir zu passiven Konsumenten werden? Der führende Medienwissenschaftler Prof. Marcus S. Kleiner zeigt, warum der Streaming-Boom das Zeug dazu hat, unsere Demokratie zu erschüttern – und wie wir eine aufgeklärte Konsumentenhaltung entwickeln. Damit Netflix, Amazon Prime & Co. den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht gefährden.

01.10.2020: Der Skandal der Skandale . Die geheime Geschichte des Christentums [Werbung] von Dr. Manfred Lütz: Die skandalträchtige Geschichte des Christentums – erzählt wie ein Krimi. Das Christentum ist heute in den Köpfen vieler Menschen vor allem verbunden mit dem Wissen um Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung und den Missbrauchsskandalen der letzten Jahre. Viele Christen schämen sich gar für die eigene Religionsgeschichte. Doch was ist wirklich dran an all diesen Skandalen? Dieser Frage geht Manfred Lütz in seinem fulminanten Buch nach und erzählt damit die spektakuläre Geschichte des Christentums auf den Grundlagen der aktuellen Forschung noch einmal neu. Wie konnte eine kleine jüdische Sekte im römischen Reich zur Weltreligion werden? Was steckte wirklich hinter den Kreuzzügen? Wie steht es heute um das Zölibat, die Frauen in der Kirche, die Sexualmoral und die Unfehlbarkeit des Papstes? Der Bestseller von einem der meistgelesenen Sachbuchautoren unserer Zeit, jetzt im Taschenbuch.

01.10.2020: Die Stimme [Werbung] von S. K. Tremayne: Wenn das »Smart Home« zum Horror-Haus wird: »Die Stimme« ist ein raffiniert-gruseliger Psychothriller über eine Sprach-Assistentin mit erschreckendem Wissen und Fähigkeiten. »Ich weiß, was du getan hast.« Jo ist schockiert, als die digitale Home Assistentin Electra sie ohne Aufforderung anspricht. Unmöglich kann eine harmlose Software vom Furchtbarsten wissen, das Jo jemals passiert ist! Doch Electra weiß nicht nur Dinge – sie tut auch Dinge, zu denen sie nicht in der Lage sein sollte: Freunde und Eltern erhalten Textnachrichten mit wüsten Beschimpfungen, Jos Bankkonto wird leergeräumt, die Kreditkarte überzogen … Zum ersten Mal seit Jahren muss Jo wieder an ihren Vater denken, der unter heftigen schizophrenen Schüben litt und sich schließlich das Leben nahm. Kann es sein, dass sie sich die Stimme nur eingebildet hat? Doch Electra ist noch lange nicht fertig mit Jo … Bestseller-Autor S. K. Tremayne ist ein Meister im Erzeugen subtilen Grusels. Mit dem Psychothriller »Die Stimme« holt er das Grauen ins digitale Zuhause.

02.10.2020: Mut. Wie Greenpeace die Welt verändert [Werbung] hat von Delius Klasing (Herausgeber): Greenpeace hat unsere Gesellschaft verändert wie keine andere Nichtregierungsorganisation. Waldsterben, Atomkraft, Umweltverschmutzung – kaum ein Problem unseres Planeten wurde nicht von ihren Kampagnen thematisiert und bekämpft. Die Autoren des umfangreichen Magazins „MUT. Wie Greenpeace die Welt verändert hat.“ feiern das Jubiläum der Umweltschutzorganisation mit einer ausführlichen Analyse. Experten und prominente Publizisten, Mitbegründer und Aktivisten kommen zu Wort und erklären, wie Greenpeace die Welt in den letzten vier Jahrzehnten bewusster und grüner gemacht hat. Was ist Greenpeace? Die wichtigste Umweltorganisation der Welt im Porträt. Der große Faktencheck: Hat Greenpeace die Ziele der letzten 40 Jahre erreicht? Von Treibhauseffekt bis Plastik im Meer: Die Auswirkungen der Greenpeace-Aktionen verständlich erklärt mit über 100 starken Bildern und Infografiken, Essays und Interviews von prominenten Autoren zum Greenpeace-Jubiläum. CO2-neutral auf nachhaltig erzeugtem Papier und im cradle-to-cradle-Verfahren gedruckt. Vierzig Jahre nach der Gründung von Greenpeace werfen wir einen Blick auf die Erfolge und Aktionen der weltbekannten Umweltschutzorganisation. Die Kapitel Feuer, Wasser, Luft und Erde widmen sich Greenpeace-Projekten rund um den Klimawandel, den Schutz der Meere, die Gefahren von CO2, die Folgen der Massentierhaltung und vieles mehr. Was haben die Aktivistinnen und Aktivisten in vierzig Jahren erreicht und welche neuen Aktionen stehen jetzt an? Ein starkes Plädoyer für die Notwendigkeit von Umweltschutz und gemeinsamer Verantwortung!

05.10.2020: Das Flüstern der Bäume [Werbung] von Michael Christie: Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas. Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder … Michael Christies grandiose Familiensaga ist großes Kino: farbenprächtig, mitreißend, bewegend!

05.10.2020: Abenteuer Artenschutz [Werbung] von Hannah Emde: Tierärztin und Artenschützerin aus Leidenschaft. Sie ist in den Dschungeln der Welt zu Hause: Hannah Emde, 28, setzt sich als Tierärztin für den Erhalt der Arten ein. Sie arbeitet mit dem extrem seltenen Nebelparder auf Borneo, mit bunten Riesenpapageien in Guatemala, mit Orang-Utans oder mit einer vier Meter langen Würgeschlange. Überall auf der Welt engagiert sie sich, um Tiere vor dem Aussterben zu schützen, dabei haben es ihr die Regenwälder besonders angetan. Sie berichtet mitreißend von der Schönheit des Dschungels und vermittelt eindringlich, warum Exoten wie der Lemur auf Madagaskar und der Bullenhai in Costa Rica gefährdet sind. Und was jeder Einzelne von uns hier und jetzt dafür tun kann, um ihren Lebensraum zu bewahren. Mit Tipps, was jeder von uns hier und jetzt für den Artenschutz tun kann

05.10.2020: Alpensolo [Werbung] von Ana Zirner: Sechzig Tage und Nächte unter freiem Himmel. Berge bedeuten für Ana Zirner Freiheit. Doch der engagierten Regisseurin bleibt zu selten Zeit für ihre Passion. Deshalb beschließt sie, allen Ballast abzustreifen und allein von Ost nach West die Alpen zu überqueren. Nur mit einem 35-Liter-Rucksack bepackt, begibt sie sich auf ihre selbst gelegte Route: knapp 2000 Kilometer vom slowenischen Ljubljana über Österreich, Italien und die Schweiz bis ins französische Grenoble. Packend und mit starker Stimme erzählt sie vom Glück, unter dem Sternenhimmel zu biwakieren. Wie sie beim Bergsteigen ihr Bewusstsein schärft und der Natur mit Respekt begegnet. Dass ihr die Berge in ihrer ruhenden Weisheit einen Platz zuweisen. Und was sie von den Menschen, die dort wohnen, über Mitgefühl und Demut lernt.

06.10.2020: Brainstorming . 300 Fragen ans Gehirn [Werbung] von Barbara Schmutz: 17 führende internationale Gehirnforscher im Gespräch. Was ist ein Geistesblitz? Wie kommt es zu falschen Erinnerungen? Sitzt das Bauchgefühl im Kopf? Was passiert beim Tagträumen? Können wir bewusst vergessen? Gibt es im Gehirn Raum für eine Seele? Gespräche mit 17 führenden internationalen Gehirnforscherinnen und Gehirnforschern zu Bewusstsein und künstlicher Intelligenz, Traum und Schlaf, Sucht und Drogen, Lernen und Gedächtnis und zur Zusammenarbeit zwischen Gehirn und Darm.

07.10.2020: Der dunkle Spiegel . Edward Snowden und die globale Überwachungsindustrie [Werbung] von Barton Gellman: »Verax« – unter diesem Namen kontaktierte ein geheimnisvoller Informant Barton Gellman. Der Journalist konnte nicht ahnen, dass sich dahinter Edward Snowden verbarg – und der größte Überwachungsskandal aller Zeiten.
Jetzt legt der dreifache Pulitzer-Preisträger die definitive Gesamtdarstellung der globalen Überwachung vor. »Der dunkle Spiegel« ist alles zusammen: Spionage-Thriller, Insider-Bericht, investigative Reportage – und ein einzigartiges Zeugnis der unersetzlichen Rolle des Journalismus. Wie in einem Krimi erzählt Gellman von Snowdens Leak bis zum heutigen Überwachungskapitalismus des Silicon Valley die ganze Geschichte. Gegen den Widerstand von Geheimdiensten der ganzen Welt gelingt es ihm, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Als sein Rechner vor seinen eigenen Augen gehackt wird, ist ihm klar: Hier sind Mächte am Werk, die kaum zu kontrollieren sind. Doch wer spioniert uns aus und warum? Sein Buch ist die Antwort auf diese Fragen.

08.10.2020: Muttermale und Vaters Spuren [Werbung] von Maren Lamers: Wie wir unser Leben gestalten, ist geprägt von unseren Erfahrungen in der Kindheit. Wir entwickeln mächtige Grundannahmen über uns selbst, das Leben und andere Menschen: eine Art innerer Landkarte, mit der wir als Erwachsene durch Lebensphasen und Krisen navigieren. Maren Lammers lädt Leser*innen ein, einen intensiveren Blick auf diese Landkarte zu werfen, die eigenen Erfahrungen zu ordnen und zu einem besseren Verständnis alter und zukünftiger Reiserouten zu kommen. Oft sind nur vor diesem Hintergrund kleine und größere Veränderungen in der Gegenwart möglich. Die Autorin informiert über die Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile, über Resilienz und die Rolle von Genen. Viele Übungen und Arbeitsblätter erleichtern die Biografiearbeit vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung, familiären Konflikten und der eigenen Elternschaft.

12.10.2020: QualityLand 2.0 [Werbung] von Marc-Uwe Kling: Schwer was los in QualityLand, dem besten aller möglichen Länder. Jeder Monat ist der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein Billionär möchte Präsident werden, und dann ist da noch die Sache mit dem Dritten Weltkrieg. Peter Arbeitsloser darf derweil endlich als Maschinentherapeut arbeiten und versucht, die Beziehungsprobleme von Haushaltsgeräten zu lösen. Kiki Unbekannt schnüffelt in ihrer eigenen Vergangenheit herum und bekommt Stress mit einem ferngesteuerten Killer. Außerdem benehmen sich alle Drohnen in letzter Zeit ziemlich sonderbar … Marc-Uwe Klings lustige Dystopie um Menschen und Maschinen in einer Big-Data-Welt geht in die zweite Runde! Ein Roman voller kluger Einfälle, skurriler Figuren und verblüffender Plot-Twists.

12.10.2020: Die Geschichte einer afrikanischen Farm [Werbung] von Olive Schreiner: Ein bewegendes Meisterwerk über weibliche Emanzipation und Selbstbestimmung in der kolonialen Männerwelt. «The Story of an African Farm» gilt als das südafrikanische «Wuthering Heights». Der autobiografisch inspirierte Roman der deutsch- und englischstämmigen Autorin, erschienen 1883, schildert das Schicksal einer eigenwilligen Heldin namens Lyndall. Schon als junges Mädchen lernt sie die Bigotterie und Ignoranz der Menschen kennen und erfährt, wie beschränkt die Lebensperspektiven für ihresgleichen sind. Doch dank einer großen inneren Stärke verteidigt sie in der Farmerswelt der südafrikanischen Karoo ihre Unabhängigkeit und verliert dabei das Ziel nie aus den Augen: weibliche Selbstbestimmung bis zuletzt. Schreiners Erzählkunst fasziniert nicht nur durch ihren einfühlsamen Ton und ihre große künstlerische Sensibilität, sondern widmet sich auch emanzipatorischen Themen wie Sexualität, voreheliche Schwangerschaft sowie die unrühmliche Rolle des Christentums bei der Bevormundung des «schwachen Geschlechts». Das Buch, seinerzeit ein Welterfolg, erscheint anlässlich des 100. Todestags der Feministin und Menschenrechtlerin am 11.12.2020 nun in einer Neuübersetzung.

12.10.2020: Unter der Mitternachssonne [Werbung] von Paul Seesequasis: Das beeindruckende Porträt von acht indigenen Gemeinschaften in Kanada. Paul Seesequasis, Journalist und Autor, gibt mit seinem ungewöhnlichen und spektakulären Social-Media-Projekt der »vergessenen Generation« der First Nations, Metis und Inuit ein Gesicht. Er erzählt anhand verschwunden geglaubter Fotos von Zusammenhalt, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Widerstand. Dazu sammelte er über drei Jahre hinweg die eindrücklichsten Archivbilder und die Geschichten der Menschen hinter den Porträts. Damit stößt er die Tür zu einer verborgenen Wahrheit auf und bringt eine andere, eine neue Seite der Geschichte von Kanadas indigener Bevölkerung ans Licht.

14.10.2020: 60 Kilo Sonnenschein [Werbung] von Hallgrímur Helgason: Ausgezeichnet mit dem Isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres. Das Erwachen der Moderne im tiefen Schnee Islands. Der große Roman von einem der originellsten Autoren des Landes. So schräg und humorvoll, wie man es von Hallgrímur Helgason kennt, so literarisch und episch wie nie. 60 Kilo Sonnenschein ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven isländischen Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst, schließlich selbst Vater wird, erwacht auch das moderne Island. Große Fischfänger steuern eines Tages den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Hallgrímur Helgason vom Weg Islands in die Moderne.

28.10.2020: Die Passion [Werbung] von Amélie Nothomb: »Ich wusste schon immer, dass sie mich zum Tode verurteilen würden«, so beginnt Amélie Nothombs neues Buch. Hier spricht Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Mutterseelenallein in seiner Zelle, vertraut er uns seine geheimsten Gedanken an, seine Zweifel, seinen Groll. Leidenschaftlich fühlt sich Amélie Nothomb in die Leidensgeschichte Jesu ein. Hier wird Jesus tatsächlich Mensch.

Welche Neuerscheinungen interessieren euch im Oktober besonders?

Die (digitale) Frankfurter Buchmesse 2020

Zuletzt war ich vor einigen Jahren auf einer Spielemesse und davor auf einer Motorradmesse. Vor allem letztere lieferte mir unvergessliche Wow-Momente und blieb mir als unvergesslich in Erinnerung, nicht zuletzt weil ich mich aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden habe, das Motorradfahren aufzugeben. Aber neben anderen Hobbies blieb mir immer noch das Lesen. Und doch habe ich nie den Weg zu einer der großen Buchmessen auf mich genommen. Zu weit, zu viele Menschen. Und natürlich die Befürchtung, dass es gesundheitlich zu anstrengend für mich sein könnte und ich einige Tage dafür brauchen würde, um mich von diesem Event zu erholen. Manchmal ist mir dieser Preis zu hoch.

Die Sorge um die allgemeine Gesundheit sorgt nun dafür, dass pandemiebedingt in diesem Jahr bei der Frankfurter Buchmesse einiges anders läuft – und ich plötzlich und unerwartet bei vielem dabei sein kann. Zwar nicht live vor Ort, dafür aber virtuell. Vom 14. bis 18. Oktober können Buchfans auf der Homepage sowie bei zahlreichen Medienpartnern ein umfangreiches und vielseitiges digitales Programm mit Lesungen, Autorengesprächen und Diskussionen verfolgen, sowie Neuerscheinungen von Verlagen entdecken. Das digitale Live-Programm ist kostenlos und weltweit zu empfangen. Das Privatpublikum ist einfach dabei, Fachbesucher registrieren sich und legen einen MyBookFair-Account an. Die Mail mit dem Link, mit dem ich meine eMail-Adresse bestätigen musste, ist zwar im Spam-Ordner gelandet, aber ansonsten funktionierte die Registrierung unkompliziert und reibungslos.

Angeboten wird ein kuratiertes Fachprogramm mit Top-Speakern und wertvollen Brancheninsights (MyBookFair-Account erforderlich) sowie ein buntes Unterhaltungsprogramm mit internationalen Stars und Autor*innen im Livestream (ohne Registrierung). Die Termine für das Live-Programm der ARD-Buchmessebühne, Weltempfang, Das Blaue Sofa und das Fachprogramm können größtenteils mit einem Klick im Kalender gespeichert werden (online: Google, Outlook, Microsoft Kalender | Apple Kalender | ics-Datei als download). Ein hilfreicher Service, der bei dem vielfältigen Angebot hilft den Überblick zu wahren. Daneben gibt es am Freitag, den 16. Oktober 2020 die ARD Buchmessenacht, die überregional über alle Kulturprogramme in Deutschland live ausgestrahlt wird.

Auch wenn es die klassische Hallenausstellung in gewohnter Form nicht geben wird, steht Frankfurt dennoch ganz im Zeichen der Buchmesse. Interessierte Besucher können Tickets für die Veranstaltungen auf der ARD-Buchmessenbühne erwerben. Für die kostenfreien Events im Rahmen des BOOKFEST city ist eine Vorab-Registrierung erforderlich. Parallel zur Frankfurter Buchmesse finden zudem in der Stadt Frankfurt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen im Rahmen von Open Books statt. An den Plänen von OPEN BOOKS ändert sich in diesem Jahr nichts, im Gegenteil, durch neue Kooperationen wird das Programm weiter ausgebaut. Bereits zum 11. Mal findet das städtische Lesefest mit knapp 100 Live-Veranstaltungen rund um den Römer und an weiteren Orten in Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei.

Ich harre gespannt der Dinge, die mich buchmessetechnisch in der kommenden Woche ganz gemütlich bei Kaffee oder Tee, vor allem aber in Wohlfühlatmosphäre erreichen mögen und freue mich besonders auf die Beiträge die das diesjährige Gastland Kanada betreffen. Was sind eure Highlights?

-> Zur digitalen Frankfurter Buchmesse

Abreißen, loslassen 2021 – Diogenes Kalender

Was für ein Jahr! 2020 ist und war bisher in jeder Weise außergewöhnlich. Und auch wenn ich in diesem Jahr vieles gelernt habe und trotz vieler Einschränkungen, Beschränkungen und Ängste auch einiges Gutes genießen durfte, steht mir doch der Sinn danach, es möglichst bald abzuschließen und hinter mich zu bringen. Einfach dieses Jahr ad acta legen und ein frisches neues Jahr beginnen, blank und unschuldig und voller Hoffnung auf ein entspannteres Miteinander, das auch wieder mehr menschliche Nähe zulässt.

Dieser Grundstimmung ist es wohl auch zu verdanken, dass ich mich schon so zeitig damit beschäftigt habe, welche Kalender ich im kommenden Jahr um mich haben möchte. Zum einen hat sich fest ein obligatorischer Tischkalender gleich oberhalb der Tastatur auf dem Schreibtisch etabliert, der mir in puristischer Form die anstehenden Termine der Woche immer gut sichtbar präsentiert. Zum anderen mag ich in der Nähe des Monitors etwas haben, auf das ich zwischendurch blicken kann und das mir einen inspirierenden Spruch, überraschende, tiefgründige, humorvolle, wegweisende, freche, anregende und Mut machende Gedanken von interessanten Persönlichkeiten zeigt. Das alles verspricht mir der Tagesabreißkalender „Abreißen, loslassen 2021“ aus dem Diogenes Verlag. Und beim ersten durchblättern kann ich mich davon überzeugen, dass auch genau das enthalten ist.

Die Zitate stammen unter anderem von bekannten Schriftstellern, Philosophen, Wissenschaftlern, Abenteurern und Menschen, die ich nicht alle namentlich kenne, aber der Kalender enthält sogar Bemerkenswertes von Namenlosen. Natürlich ist unter den 365 Zitaten nicht alles gleich ansprechend, aber sicherlich ist vieles enthalten, das zum kurzen Innehalten und Nachdenken anregt. Vereinzelt sind auch englischsprachige Zitate abgedruckt und auch eines in französischer Sprache habe ich beim ersten durchblättern entdecken können. Hierfür werde ich wohl beizeiten den Google-Übersetzer bemühen müssen, weil mein Schulfranzösisch einfach schon viel zu sehr eingerostet ist.

Ausgestattet ist der Kalender im hinteren Teil mit einem massiven Pappstück, aus dem sich eine Ausstanzung herausdrücken lässt, damit der Kalender aufgestellt werden kann. Ich habe mich jedoch dazu entschieden ihn an dem ebenfalls eingeprägten Loch mittels eines Nagels an der Wand zu befestigen. Die Kalenderseiten kommen in dem schnörkellosen, aber ansprechenden Design des Diogenes Verlags daher, die Zitate sind einfarbig aber mit täglich wechselnden Hintergrundfarben hinterlegt. Die Rückseiten sind nicht bedruckt, so dass ich die ‚abgerissenen und losgelassenen‘ Kalenderseiten in gewohnter Manier als Notizzettel verwenden kann, sofern ich sie nicht aufbewahren möchte.

Alles in allem ein gelungenes Werk, das sich sicherlich auch zum verschenken eignet, sofern man es nicht selbst behalten möchte. Ich kann es kaum abwarten 2020 so schnell wie möglich loszulassen und freue mich darauf, diesen Kalender endlich in Betrieb zu nehmen.

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Abreißen, loslassen 2021
Diogenes Kalender
11,1 x 4,3 x 18 cm
365 Seiten
ISBN: 978-3-257-51086-7
Preis: € (D) 16.00 / sFr 21.00* / € (A) 16.00 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Diogenes
Erschienen: 22.07.2020

Der Kalender wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Frisch auf dem Buchmarkt: September 2020

Ein weiterer Monat mit vielen Neuerscheinungen, die so interessant sind, dass ich den innigen Wunsch habe, viel mehr zu lesen, als ich es derzeit mache. Lesen ist und bleibt ein Hobby für mich, das einfach nicht langweilig wird. Auch wenn diese Liste nicht den Anschein macht, aber ich habe sie bereits ein wenig ausgedünnt – doch die Betonung liegt wohl auf ‚wenig‘. Übrig geblieben ist eine Mischung aus Fremdem, Fremdländischem, Flucht, Heimkehr, Gewalt, Verbrechen, Glück, Abenteuer, Leben, Tod und viel Nachdenklichem. Aber schaut selbst:

01.09.2020: Der undankbare Flüchtling [Werbung] von Dina Nayeri: Mit zehn Jahren kam Dina Nayeri aus dem Iran als Asylsuchende in die USA, sie studierte in Harvard und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Vorzeigemigrantin. In einem Streit mit ihrem Bruder, der um das Thema Assimilation kreiste, wurde ihr klar, welches Muster jeder Flüchtlingsbiografie zugrunde liegt: Egal, wo man herkommt, egal, wer man war, was man kann, die Erwartung von außen ist dieselbe: Schätze dich glücklich, dass wir dich aufgenommen haben. Opfere deine frühere Identität. Werde jemand, der unseren Ansprüchen genügt. Spannend wie in einem Episodenfilm verknüpft Dina Nayeri ihre eigene wendungsreiche Geschichte mit der von anderen Migranten. Sie erzählt von deren Schicksalen und stellt dringende, provokante Fragen nach Identität, Dankbarkeit, Würde und Verantwortung. Sie unterzieht die Rolle des Westens einer kritischen Betrachtung und gibt der Diskussion über Migranten und Migration neue Impulse. Ihr Ziel: dass der Westen seine grundlegenden Prämissen über Migration überdenkt.

01.09.2020: Das Geburtstagsfest [Werbung] von Judith W. Taschler: Zu seinem 50. Geburtstag wollen die drei Kinder von Kim Mey ihren Vater mit einem besonderen Gast auf der Familien-Geburtstagsfeier überraschen: Ohne sein Wissen haben sie Tevi Gardiner eingeladen, jene Frau, mit der Kim als Kind aus Kambodscha geflohen ist. Und die er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch statt sich wie erwartet zu freuen, reagiert Kim seltsam abweisend. Auch Ines, die Mutter der drei, begegnet Tevi unterkühlt. Was Kim und Ines jahrzehntelang verschwiegen haben, verschafft sich nun unaufhaltsam Gehör: die wahren Begleitumstände jener dramatischen Flucht aus Kambodscha und das schreckliche Ende einer großen Liebe. So lässt eine scheinbar harmlose Überraschung ein Geburtstagsfest in einem Familien-Drama enden … »Das Geburtstagsfest«, das schmerzhaft-empathische Familien-Drama der renommierten Spiegel-Bestseller-Autorin und Glauser-Preisträgerin Judith W. Taschler, kreist um Familien-Beziehungen und Lebenslügen, die große Liebe und um Flucht und Heimkehr. Mehrstimmig und virtuos erzählt, erschafft die Innsbruckerin Judith W. Taschler in ihrer unverwechselbar klaren Sprache »Figuren, die dem Leser unter die Haut gehen und lange in Erinnerung bleiben« (Petra). Judith W. Taschler beleuchtet die großen Wendepunkte im Leben, raffiniert und psychologisch dicht erzählt, voller Mitgefühl für ihre Figuren, ohne je dabei kitschig zu werden.

07.09.2020: Der verlorene Sohn [Werbung] von Olga Grjasnowa: Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.

07.09.2020: Alle Hunde sterben [Werbung] von Cemile Sahin: „Die Entschiedenheit, Klarheit, Härte und Sicherheit im Ton von Cemile Sahin ist eine Wucht.“ Julia Encke, FAS. In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt. Darunter: Eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Ein Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Eine Frau, die angekettet in einer Hundehütte gehalten wird. Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein. ALLE HUNDE STERBEN ist eine Chronik über ein Land, geprägt von Militarismus und Nationalismus ― entschieden, klar, furios erzählt. „Realität funktioniert in diesem Land nur über Gewalt, sagt Cemile Sahin. Hilft es, die Gewalt darstellbar zu machen? Nein, sagt sie; sie versucht es trotzdem. Und genauer hat es noch kaum jemand geschafft.“ Klaus Theweleit

08.09.2020: Beinahe Alaska [Werbung] von Arezu Weitholz: Eine Fotografin, 45, kein Partner, keine Kinder, keine Eltern mehr, geht auf eine Expeditionskreuzfahrt von Grönland nach Alaska. Sie ist froh, dass ihr Beruf es ihr erlaubt, »dauernd nach vorn zu sehen«. Doch natürlich melden sich die nicht zu Ende gedachten Gedanken und offenen Fragen, irgendwo zwischen der Enge an Bord unter nicht ausnahmslos angenehmen Mitreisenden (wie Schriftsteller, die Buchclub-Schreibkurse geben, oder Influencer mit fragwürdigen Tischmanieren) und den kühlen Weiten der Arktis. Der Blick der Erzählerin auf die anderen, die Natur und sich selbst ist so hintergründig-witzig wie warmherzig-entlarvend. Als das Schiff vor der vereisten Bellotstraße kehrtmachen muss, mit neuem Kurs auf Neufundland, begreift sie nach und nach, dass der Trick manchmal gerade im Beinahe-Ankommen besteht, auf Reisen wie im Leben.

09.09.2020: Sterben im Sommer [Werbung] von Zsusza Bank: Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

14.09.2020: Alt genug, um glücklich zu sein . Wie unser Leben mit jedem Jahr besser wird [Werbung] von Florian Langenscheidt: Wie verändert sich die Liebe im Alter? Macht uns das Alter zu besseren Menschen? Stimmt es, dass wir Krisen mit zunehmenden Jahren besser bewältigen? Was können die Jungen von den Alten lernen? Und warum tut es auch im Alter gut, mal etwas Verrücktes zu wagen? In 24 Streifzügen durch Wissenschaft und Philosophie erkunden Bestsellerautor und Glücksforscher Florian Langenscheidt und André Schulz die wichtigsten Themen, die uns auf dem Weg ins Alter begleiten, und fördern manch Überraschendes zutage. Inspirierende Erkenntnisse, die dazu einladen, der zweiten Lebenshälfte mit einer guten Portion Optimismus zu begegnen – voller Freude auf das, was uns erwartet!

14.09.2020: Afropäisch . Eine Reise durch das schwarze Europa [Werbung] von Johny Pitts: »Und wo kommst du eigentlich her?« Viele schwarze Europäer kennen diese Frage, denn in den Köpfen mancher ist das noch immer ein Gegensatz – schwarz sein und Europäer sein. Dabei gibt es längst eine gelebte afropäische Kultur. Um sie zu erkunden, bereist Johny Pitts die Metropolen des Kontinents. In Paris folgt er den Spuren James Baldwins, in Berlin trifft er ghanaische Rastafarians, in Moskau besucht er die einstige Patrice-Lumumba-Universität. Nicht nur in französischen Banlieues und Favelas am Rande Lissabons wird deutlich, dass Europas multikulturelle Gegenwart nach wie vor von seiner kolonialen Vergangenheit gezeichnet ist. Rassismus und Armut sind Teil des Alltags vieler schwarzer Europäer. Meisterhaft verknüpft Pitts Reportage und literarischen Essay zu einem zeitgenössischen Porträt eines Weltteils auf der Suche nach seiner postkolonialen Identität. Pitts erzählt von afropäischen Schriftstellern wie Dumas dem Älteren und Puschkin, von Musikern, Aktivisten, Restaurantbesitzern oder einfachen Arbeitern. Er zeigt, wie sehr sie die Gesellschaften und die Kultur dieses Kontinents geprägt haben und prägen. Ein so einfühlsames wie aktuelles Buch, das den Blick auf Europa verändert.

18.09.2020: Der Fetzen [Werbung] von Philippe Lançon (jetzt als Taschenbuch): Der ergreifende Roman über den Anschlag auf Charlie Hebdo. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt Philippe Lançon an diesem Morgen im Januar im Konferenzraum der Redaktion von Charlie Hebdo, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Es folgen 17 Gesichtsoperationen und eine lange Zeit, in der sich Philippe Lançon sein Leben neu erkämpft. ›Der Fetzen‹ ist die literarische Aufarbeitung dieses Traumas und ein eindringliches Plädoyer für Meinungsfreiheit.

22.09.2020: Das Meer der Libellen [Werbung] von Yvonne Adhiambo Owuor: Auf der Insel Pate, vor der Küste Kenias, lebt die eigensinnige Ayaana mit ihrer Mutter Munira. Als ein Matrose namens Muhidin in ihr Leben tritt, findet Ayaana etwas, wonach sie sich immer gesehnt hat: einen Vater. Doch als Ayaana erwachsen wird, muss sie mit einschneidenden Ereignissen zurechtkommen, die nicht nur sie selbst, sondern auch das Leben auf Pate tiefgreifend verändern: Fremde mit zweifelhafter Vergangenheit tauchen auf, religiöse Extremisten suchen Zuflucht auf der Insel, China streckt seine Fühler nach Afrika aus und mit einem Tsunami fordert die Natur ihren Tribut. So beschließt Ayaana, in der Ferne ihr Glück zu suchen und ein Studium in China zu beginnen. Sie begibt sich auf eine gefährliche Schiffsreise, die letztlich vor allem eines ist – eine Reise zu sich selbst. Nach ihrem gefeierten Debütroman ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ legt Yvonne Adhiambo Owuor einen kraftvoll erzählten Roman über eine junge Frau vor, die darum kämpft, ihren Platz in der Welt zu finden – eine ergreifende Geschichte über Schicksal, Tod, Liebe und Verlust.

23.09.2020: Das Buch eines Sommers . Werde der du bist [Werbung] von Bas Kast: Im Sommer seines Lebens hat Nicolas einen Traum. Er will Schriftsteller werden wie sein Onkel. Dann kommt das Leben dazwischen und die Firma seines Vaters, Verantwortung, Termine und lauter Zwänge. Als sein Onkel stirbt, verliert Nicolas den einzigen Menschen, der an ihn geglaubt hat. Doch überraschend findet er am unwahrscheinlichsten Ort den Schlüssel, der ihm hilft, zu dem zu werden, der er wirklich ist.

23.09.2020: Schwarzrock [Werbung] von Brian Moore: Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr »Wilde« zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten.

28.09.2020: Die Erwählten . Tödliche Bestimmung [Werbung] von Veronica Roth: Mit ihrer dystopischen Trilogie »Die Bestimmung« hat Veronica Roth Bestseller-Geschichte geschrieben. Jetzt ist sie zurück, besser und stärker als jemals zuvor – mit ihrem ersten Fantasy-Roman für Erwachsene! Das Besondere: Der spektakuläre Urban-Fantasy-Zweiteiler beginnt, wo andere Romane enden – mit dem Sieg der Helden über den mächtigen dunklen Feind. Doch dieses Happy End ist nur vorübergehend. Zehn Jahre später stehen die Erwählten ihrem größten Gegner erneut gegenüber, und er treibt ein abgrundtief böses Spiel mit ihnen … Außergewöhnlich, neu und atemberaubend spannend kehrt Veronica Roth zurück zu ihren Wurzeln und einer urbanen Welt mit einer starken Heldin, die bereit ist, alles für ihre Freunde und ihre Liebe zu riskieren. »Nach der Bestseller-Jugendbuchreihe ›Die Bestimmung‹ legt Roth nun ihr fantastisches Erwachsenendebüt vor und betrachtet darin eine Gruppe junger Auserwählter, die die Welt retten müssen und unter dem Gewicht dieser Verantwortung und der damit einhergehenden psychischen und sozialen Belastung zu zerbrechen drohen.«Publishers Weekly (16. Januar 2020)

28.09.2020: Was dir bleibt [Werbung] von Jocelyne Saucier: Gladys ist 76 Jahre alt. Eines Tages besteigt sie ohne jede Ankündigung den Northlander-Zug, um spurlos aus ihrem kanadischen Dorf zu verschwinden. Die Nachbarn und Freundinnen sind besorgt, was mag sie dazu bewogen haben, ihr gut eingerichtetes Leben aufzugeben? Bald wird klar: Gladys reist über Tausende von Kilometern und in Dutzenden Zügen durch die Weiten Nordkanadas. Sie kehrt zurück an die Orte ihrer Kindheit und spricht auf ihrem Weg mit unzähligen Menschen. Doch was genau führt sie im Schilde, und vor allem: Aus welchem Grund hat sie ihre hilfsbedürftige Tochter Lisana zurückgelassen? Was verbindet uns miteinander? Wie viel Nähe gestehen wir den anderen zu, wo beginnt unsere eigene Freiheit? Was dir bleibt ist ein Roman von unbändiger Lebenskraft. Eine bewegende Geschichte, die durch die Wälder Kanadas führt und tief unter die Haut geht.

30.09.2020: Identität 1142 . 23 Quarantäne-Kurzkrimis [Werbung] herausgegeben von Sebastian Fitzek: Die Pandemie-Zwangspause nutzen und gemeinsam ein Buch schreiben! Sebastian Fitzek, Tausende Thriller-Fans und namhafte deutschsprachige Bestseller-AutorInnen unterstützen mit spannenden Kurzgeschichten den Buchhandel in Zeiten der Corona-Krise. Unter dem Motto #wirschreibenzuhause hat Bestseller-Autor Sebastian Fitzek Ende März 2020 seine Instagram-Follower zu einem interaktiven Schreibwettbewerb aufgerufen. 1142 begeisterte Fans machten sich an die Arbeit und sandten ihre Thriller-Storys ein, die sich um das Thema “Identität” drehen, um das Motiv “Rache” und um den Fund eines Handys mit bedrohlichen Bildern darauf – Nervenkitzel pur! Eine Jury aus AutorInnen, Agenten und VerlagsmitarbeiterInnen wählte die dreizehn packendsten Geschichten aus, die nun in der Thriller-Anthologie „Identität 1142“ erscheinen. Zusätzlich steuerten zehn der erfolgreichsten deutschsprachigen BestsellerautorInnen eigene spannende Kurzgeschichten bei: Wulf Dorn, Andreas Gruber, Romy Hausmann, Daniel Holbe, Vincent Kliesch, Charlotte Link, Ursula Poznanski, Frank Schätzing und Michael Tsokos – sowie natürlich Sebastian Fitzek selbst. Entstanden ist ein Charity-Projekt der ganz besonderen Art: Sämtliche Gewinne aus dem Verkauf der Kurzgeschichten-Anthologie kommen über das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels e.V. dem Buchhandel zugute!

#bücherschrankschatz im September

Im vergangenen Monat hat sich der öffentliche Bücherschrank im Ort allmählich wieder gefüllt, doch gestern fand ich ihn erneut komplett leergeräumt und mit dem Corona-Hinweis versehen vor. Ein trauriges Bild.

Für mich persönlich fühlt es sich hier nach Übereifer an, während an anderer Stelle zumindest in Nordrhein Westfalen gerade für meine Begriffe etwas zu sehr gelockert wird. Aber da werden in Zeiten von Corona sicherlich überall viele auch ganz subjektive Kämpfe ausgefochten, die der Angst geschuldet sind und unterschiedlich empfunden werden. Schwierig, es allen recht zu machen.

Für uns geht von den öffentlichen Bücherschränken eine abschätzbare Gefahr aus, die sich mit den üblichen Hygieneregeln allerdings in Grenzen hält. Und da wir noch etwas im Nachbarort zu tun hatten und „Krabat“ von Otfried Preußler sowieso dabei hatten, haben wir dort eine gut sortierte wunderschöne Büchertelefonzelle mit englischem Touch gefunden, der wir das Buch dann überlassen haben.

Ich selbst bin auf die Geschichte rund um Krabat erst vor einigen Jahren durch dieses Lied aufmerksam geworden und wollte mehr erfahren. Es hat sich gelohnt – ein wunderbares Buch, auch für Erwachsene.

Aber eigentlich hatte ich ja den Bücherschrank in meinem Wohnort unterstützen wollen. Doch dieser ist innerlich tot. Dem Virus zum Opfer gefallen.

Übereifer? Willkür? Oder vielleicht doch berechtigte Sorge? Wie ist das bei euren öffentlichen Bücherschränken? Und wie ist eure Meinung dazu?

Deutscher Buchpreis 2020 – Longlist

Hier findet ihr nicht die komplette Longlist, sondern nur das, was von den 20 nominierten Büchern in meine ganz persönliche engere Auswahl nach dem Lesen der Leseproben gekommen ist. Denn wie auch schon in den vergangenen Jahren kenne ich keines der Bücher und keinem der Bücher, die jemals nominiert wurden und die ich mochte, wurde der Deutsche Buchpreis verliehen. Aber zumindest im letzten Jahr habe ich auf der Longlist ein Buch für mich entdecken können, das sich beim Lesen zu einem Highlight entwickelte. Darauf hoffe ich natürlich auch in diesem Jahr und habe einige Bücher gefunden, die mir ganz besonders Lust aufs Weiterlesen gemacht haben:

image-978-3-218-01229-4Triceratops“ von Stephan Roiss: Ein kleiner Junge malt Monster in seine Schulhefte und spricht von sich selbst als Wir. Seine Mutter schluckt in der geschlossenen Anstalt Neuroleptika mit ungesüßtem Früchtetee hinunter. Der bibeltreue Vater kocht nur Frankfurter und die Schwester bewegt sich wie ein Geist durch das Haus. Die einzigen Vertrauten des Jungen sind die Klaff-Großmutter und später die blauhaarige Helix, die auf ihrem Snakeboard in sein Leben fährt. Doch eines Tages ereignet sich eine Tragödie, die das Wir und die ganze Familie von Grund auf erschüttert. In harten Schnitten und bildhaften Szenen erzählt Stephan Roiss die Geschichte seines namenlosen Protagonisten, der dem Trauma und der Einsamkeit zu entfliehen versucht. Ein intensiver Roman, den man nicht so schnell vergisst.

72_U1_978-3-498-06293-4Bis wieder einer weint“ von Eva Sichelschmidt: Die Rautenbergs: die Geschichte einer westdeutschen Unternehmerfamilie und ihres Verfalls. Als Wilhelm und Inga sich kennenlernen, sitzt Adenauer noch im Kanzleramt. Arzttochter Inga ist eine Schönheit und Wilhelm, der erfolgreicher Dressurreiter, die beste Partie. Doch kurz nach der Geburt des zweiten Kindes stirbt Inga an Leukämie. Die jüngere Tochter wird zu den Großeltern mütterlicherseits gegeben, die ältere bleibt beim Vater. Der baut sich, um den Zwängen der Freikirchlichen Gemeinde und seiner strengen Mutter zu entfliehen, ein Haus, kilometerweit vom nächsten Nachbarn. Nach sieben Jahren holt Wilhelm seine Jüngste wieder zu sich – , ganz wie im Märchen. Was aber folgt, ist alles andere als märchenhaft.

97831039740651000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel: „Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen.“ Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit 17 ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.

42963Streulicht“ von Deniz Ohde: Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, bis sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst – zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden. Wahrhaftig und einfühlsam erkundet Deniz Ohde in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

9783546100038_coverSerpentinen“ von Bov Bjerg: Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Da ist das Geburtshaus, dort die elterliche Hochzeitskirche, hier der Friedhof, auf dem der Freund Frieder begraben liegt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen: „Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt.“ Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben.
Vielleicht helfen die Rückkehr und das Erinnern. Doch warum bringt er seinen Jungen in Gefahr? Warum hat er keine Antwort auf dessen bange Frage: „Um was geht es?“ Er weiß nur: Wer zurückfährt, muss alle Kurven noch einmal nehmen. Wenn er der dunklen Tradition ein Ende setzen will.

Welche Titel der Longlist sprechen euch besonders an, beziehungsweise habt ihr bereits einige davon gelesen?

Anthologie Projekt*txt – Katharina Peham (Herausgeberin)

Das Projekt*txt hat sich in den vergangenen Jahren dem Ziel verschrieben, Menschen zum Schreiben zu bewegen. Einen Platz zwischen den Sätzen zu schaffen, der das Leben erzählt und Momente auskostet. Die Geschichten der Autoren und Autorinnen übersteigen weit die Beitragsworte, die sie in den Jahren von 2015 bis 2019 als Inspiration erhalten haben. Sie erzählen eigene Momente genauso wie fremde, sie erschaffen neue Welten und erinnern an alte, sie entspringen dem Zeitgeist, sind zugleich zeitlos. Dieses Buch ist Zeuge, dass Schreiben nichts ist, was man sich vornimmt, sondern eine Notwendigkeit, die ihren Wert in sich selbst findet.

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Die hier vorliegenden Geschichten sind eine kleine Auswahl aus 1.200 Texten, die im Laufe des Projekts entstanden sind. Schmerzlich war für die Macher des Projekts die Feststellung, wie sich Literatur im digitalen Raum verhält: Viele der Beiträge waren nicht mehr auffindbar und standen nur für kurze Zeit im Internet zur Verfügung. Jene, die der Schnelllebigkeit trotzten, haben Eingang in diese Anthologie gefunden. Jeweils drei Literaturbeiträge zu einem Beitragswort werden in dem Buch vorgestellt. Herausgekommen ist dabei eine besondere Mischung von Texten, Gedanken und Weltbildern. Die Sätze sind laut und leise, wild und bunt, scharfsinnig und kritisch. Sie transformieren Literatur auf eine neue Ebene und ermöglichen eine neue Wirklichkeitserfahrung.

Diesem Buch merkt man außerdem an, dass es liebevoll von der Herausgeberin Katharina Pelham in Szene gesetzt  wurde. So sind neben kleinen bemerkenswerten Details auch selbst erstellte Illustrationen von ihr in diesem Buch zu finden, das den Texten nun ein wunderbar gestaltetes und dauerhaftes Zuhause bietet. Die Texte sind sind so unterschiedlich, wie ihre Verfasser und gefielen mir dementsprechend mal mehr und selten weniger. Insgesamt war ich jedoch begeistert und habe mich sehr darüber gefreut, dass ein kurzer von mir 2017 verfasster Text ebenfalls den Weg in dieses Buch gefunden hat. Einzig den Buchsatz empfinde ich als nicht so gelungen, da der Platz für die Bindung des Buches und die Unterschiedlichkeit von Vorder- und Rückseite bei dem gedruckten Exemplar nicht berücksichtigt wurden, was nicht nur die Optik stört, sondern auch die Lesbarkeit ein wenig unkomfortabel macht. Dennoch würde ich die gedruckte Version dem eBook vorziehen, da die Gestaltung ansprechender ankommt. Wer über diesen kleinen handwerklichen Fehler hinwegsehen kann und Interesse an einer Anthologie mit intensiven Texten hat, dem sei dieses Büchlein empfohlen.

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Katharina Peham
Anthologie Projekt*txt
Broschur, 168 Seiten
ISBN: 9783752978957
Preis: € (D) 14,99
Verlag: epubli
Erschienen: 22.07.2020

Frisch auf dem Buchmarkt: August 2020

Hatte ich mich im vergangenen Monat noch darüber beschwert, dass ich kaum eine interessante Neuerscheinung für mich entdecken konnte, sah dies nun im August ganz anders aus. Fast erscheint es einfacher die Bücher zu zeigen, die mich nicht interessieren. Aber ich habe noch einmal kräftig ausgesiebt und zeige nun doch die übrig geblieben Bücher, die ich gern im Auge behalten und beizeiten vielleicht sogar lesen möchte. Es ist meine heißgeliebte Mischung von Abgründigem, von Weltenbummlern, von Vertriebenen, von Schreibenden und Fantasierenden. Aber schaut selbst, vielleicht ist ja auch etwas für euch dabei:

001_08_Neuerscheinungen August

Der Mondscheinmann von Max Bentow

10.08.2020: Der Mondscheinmann [Werbung] [Ein Fall für Nils Trojan 8] von Max Bentow: Lilienblüten auf dem Boden, Kerzen brennen und erhellen die Umrisse einer toten Frau, geschminkt und frisiert. Das Einzige, was die perfekte Inszenierung stört, sind die vielen Schnecken, die leise über das morbide Stillleben gleiten. Dies ist das Bild, das sich Kommissar Nils Trojan und seinem Team bietet, als sie in einer Berliner Wohnung eintreffen. Wenig später wird ein zweites Opfer im Wald aufgefunden, und wieder ist der Tatort inszeniert wie ein Andachtsraum. Trojan stürzt sich in die Ermittlungen und merkt zu spät, dass sein Gegner ein Spiel mit ihm spielt – ein Spiel, das so sanft wie eine Klaviersonate beginnt und mit dem sicheren Tod endet …

Suedlich vom Ende der Welt von Carmen Possnig

10.08.2020: Südlich vom Ende der Welt [Werbung] von Carmen Possnig: Einmal Südpol und zurück – was für viele Menschen ein unerfüllbarer Lebenstraum ist, wurde Realität für die Medizinerin Carmen Possnig. Im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation reiste sie für ein Jahr in das Herz der Antarktis, um zu erforschen, wie es sich in extremen Wetterbedingungen, unter spürbarem Sauerstoffmangel und in völliger Isolation vom Rest der Welt lebt. Mit 12 anderen Wissenschaftlern überwinterte sie in der Forschungsstation Concordia mitten im ewigen Eis. Sie stieß hierbei nicht nur auf die atemberaubende Schönheit des extremsten Kontinents der Welt, sondern auch an ihre eigenen Grenzen, denn monatelange Dunkelheit, Temperaturen von bis zu -80°C, und das Zusammenleben auf engstem Raum erfordern körperliche und psychische Höchstleistungen. Carmen Possnigs persönlicher, humorvoller Reisebericht sowie eine Fülle an faszinierenden Fotos öffnen uns das Tor zu einer unbekannten Welt und lassen uns staunen über die Vielfalt unseres Planeten und die Anpassungsfähigkeit der menschlichen Natur.

962412.08.2020: Cryptos [Werbung] von Ursula Poznanski: Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann. Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein spektakuläres Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln … Extrem spannend – beklemmend aktuell! Nach Erebos und Erebos 2 erzählt Bestseller-Autorin Ursula Poznanski nun von einer Wirklichkeit, in der das Klimasystem bereits gekippt ist, und für die meisten Menschen nur die Flucht ins Virtuelle bleibt. Ein Thriller der Extraklasse aus dem Bereich der Climate Fiction über eine Welt, die dem Klimawandel erlegen ist.

ARTK_CT0_9783446267602_000117.08.2020: Die Sommer [Werbung] von Ronya Othmann: Leyla ist die Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden… Das ergreifende Debüt der Gewinnerin des Publikumspreises des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs (2019) über das Dasein zwischen zwei Welten. Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Jeden Sommer verbringt Leyla dort. Sie riecht und schmeckt es. Sie kennt seine Geschichten. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden. Sie sitzt in ihrem Gymnasium bei München, und in allen Sommerferien auf dem Erdboden im jesidischen Dorf ihrer Großeltern. Im Internet sieht sie das von Assad vernichtete Aleppo, die Ermordung der Jesiden durch den IS, und gleich daneben die unbekümmerten Fotos ihrer deutschen Freunde. Leyla wird eine Entscheidung treffen müssen. Ronya Othmanns Debütroman ist voller Zärtlichkeit und Wut über eine zerrissene Welt.

ARTK_CT0_9783446267565_000117.08.2020: Leben ist ein unregelmäßiges Verb [Werbung] von Rolf Lappert: Eine Aussteiger-Kommune auf dem Land, 1980: Die Behörden entdecken vier Kinder, die versteckt vor der Welt aufgewachsen sind. Ihre Schicksale werden auf Schlagzeilen reduziert, doch Frida, Ringo, Leander und Linus sind vor allem Menschen mit eigenen Geschichten. Aus der Isolation in die Wirklichkeit geworfen, blicken sie staunend um sich. Und leben die unterschiedlichsten Leben an zahllosen Orten: In Pflegefamilien und Internaten, auf Inseln und Bergen, als Hassende und Liebende. Wie finden sich Verlorene in der Welt zurecht? In seinem ganz eigenen zärtlich-lakonischen Ton erzählt Rolf Lappert in diesem großen Roman wie man sich von seiner Kindheit entfernt, ohne sie jemals hinter sich zu lassen.

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell

17.08.2020: Meine dunkle Vanessa [Werbung] von Kate Elizabeth Russel: Vanessa ist gerade fünfzehn, als sie das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer schläft. Jacob Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht. Und Vanessa ist sich sicher: Es ist Liebe. Alles geschieht mit ihrem Einverständnis. Fast zwanzig Jahre später wird Strane von einer anderen ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Taylor kontaktiert Vanessa und bittet sie um Unterstützung. Das zwingt Vanessa zu einer erbarmungslosen Entscheidung: Stillschweigen bewahren oder ihrer Beziehung zu Strane auf den Grund gehen. Doch kann es ihr wirklich gelingen, ihre eigene Geschichte umzudeuten – war auch sie nur Stranes Opfer? »Meine dunkle Vanessa« ist ein brillanter Roman über all die Widersprüche, die unsere Beziehungen prägen, ein Roman, der alle Gewissheiten erschüttert und uns spüren lässt, wie schwierig es ist, klare Grenzen zu ziehen. Verstörend und unvergesslich!

ARTK_CT0_9783446267275_000117.08.2020: Vom Schreibtisch [Werbung] von Jo Lendle (Herausgeber): Der Schriftsteller, das unbekannte Wesen, kommt aus der Deckung. Autorinnen und Autoren lüften das Geheimnis ihres Schreibens und nehmen die Akzente-Leser mit in ihre Arbeitszimmer. Sie sprechen über die Angst vor dem nächsten Roman, das Leben als Einzelkämpfer, über ihr Verhältnis zur Leserschaft und schriftstellerische Vorbilder.

 

978335103722218.08.2020: Weiß [Werbung] von Han Kang: »Ich glaube, dass dies die besten Worte für einen Abschied sind. Bitte stirb nicht. Lebe.« Während eines Aufenthalts in einer europäischen Stadt, die im weißen Winterschlaf liegt, überfällt die Erzählerin plötzlich die Erinnerung an ihre Schwester, die als Neugeborenes in den Armen der Mutter starb. Sie ringt mit dieser Tragödie, die das Leben ihrer Familie bestimmt hat, ein Ereignis, das in Bildern von Weiß wieder und wieder aufscheint: das Weiß der Muttermilch, der Windel, der reiskuchenweißen Haut des kleinen Mädchens. Nur eine Autorin wie Han Kang vermag es, aus einer so zutiefst persönlichen Erinnerung eine große literarische Erzählung zu erschaffen: »Weiß« ist ein Buch über Trauer und die Widerstandskraft des menschlichen Daseins – Han Kangs persönlichstes Buch und zugleich ihr literarisches Meisterstück.

vlb_9783627002787_027.08.2020: Couscous mit Zimt [Werbung] von Elsa Koester: Zigaretten, Cognac und Bücher – ihre letzten Jahre verbringt die über hundertjährige Lucile am liebsten lesend im Bett ihrer Pariser Wohnung. Als kurz nach Luciles Tod auch ihre Tochter Marie stirbt, erbt Lisa das Appartement in der Avenue de Flandre. Ihr bleiben nur noch die Erinnerungen an die zwei eigenständigen, vom Leben gezeichneten Frauen der Familie. Das Verhältnis von Mutter und Großmutter war explosiv. Die starke, aber auch selbstbezogene Französin Lucile musste nach der Unabhängigkeit Tunesiens mit ihren Töchtern überstürzt nach Frankreich fliehen, ein Heimatverlust, den die in Tunesien geborene, temperamentvolle Marie nie verwunden hat. »Fische haben empfindliche Füße«, pflegte Marie zu sagen, die immer wieder ins Straucheln geriet bei dem Versuch, im neuen Land Fuß zu fassen. Der schmerzhafte Abschied von Tunesien, die erste dramatische Liebe im Pariser Mai 1968, die Flucht vor den Übergriffen Luciles nach Berlin, wo Lisa Jahre später zur Welt kam – von all dem hat Marie ihrer Tochter erzählt. Doch kann Lisa den Erzählungen ihrer Mutter trauen? Elsa Koester porträtiert drei charakterstarke Frauen, deren Schicksale von gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen gezeichnet sind. Die hinreißende Leichtigkeit, mit der sie die Perspektiven von drei Generationen verwebt, die gewinnende Eigenwilligkeit ihrer Figuren und der gesellschaftlich-scharfsichtige Blick der Autorin machen »Couscous mit Zimt« zu einer mitreißenden Lektüre, ein Familienroman voller emotionaler Wärme, Empathie und einer sprühenden Lust am Erzählen.

produkt-1000589931.08.2020: Die Bibliothekarin von Auschwitz [Werbung] von Antonio Iturbe: Ein Ort des Schreckens. Acht Bücher, die alles ändern. Im alles verschlingenden Morast des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau hat der Blockälteste Fredy Hirsch heimlich eine Schule aufgebaut. Ihr wertvollster Besitz sind acht alte, zerfallene Bücher. Fredy ernennt die 14-jährige Dita zur Bibliothekarin, sie soll die verbotenen Bände künftig verstecken und schützen. Dita, die schon früher Trost in Büchern gefunden hat, kümmert sich mit äußerster Hingabe um „ihre“ kleine Bibliothek. Und die Bücher geben zurück: Sie schenken Licht, wo nur noch Dunkelheit zu sein scheint, und bieten einen Anker, wo der Schmerz zu übermannen droht. Die Bücher begleiten Dita und die anderen Häftlinge durch die Zeiten der größten Verzweiflung, bis wieder ein neuer Hoffnungsschimmer zu erkennen ist. Eine ergreifende Auschwitz-Geschichte über die Magie der Bücher, erzählt nach einer wahren Begebenheit.

9783548063805_cover31.08.2020: Raum der Angst [Werbung] von Marc Meller: Der Thriller für alle Escape-Room-Fans. Ein geheimes Experiment. Acht Teilnehmer. Sieben verschlossene Räume. Und ein Killer in Spiellaune. Er nennt sich Janus. Nach dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge. Und er kommt in der Nacht. Still, heimlich. In dein Zuhause. Er betäubt dich, nimmt dich mit und schließt dich ein, in einen kalten, dunklen Raum. Um mit dir ein Spiel zu spielen. Sein Spiel. Ein Spiel voller Rätsel. Du hast nur eine Chance diesem Albtraum lebend zu entkommen: Du musst Janus‘ Spiel spielen – und gewinnen. Zum Glück bist du nicht allein. Du hast Mitspieler. Noch denkst du, dass das ein Vorteil wäre. Bis du begreifst: Dieses Spiel erlaubt nur einen Sieger, nicht mehrere, und die Verlierer werden sterben.

Hashtag Authentisch – Sara Tasker

Vor einigen Wochen hatte mich der Bloggerblues gepackt und ich machte mir verstärkt Gedanken darüber, wo es mit meinem Blog und dem Instagram-Account hingehen sollte, den ich passend dazu irgendwann aus dem Boden gestampft hatte. Stagnation und Langeweile waren meine Grundempfindungen, wenn ich über beides nachdachte. So rannte der Fotografie-Newsletter vom Rheinwerk Verlag bei mir offene Türen ein, als er mir ein Buch empfahl, das den Namen „Hashtag Authentisch“ trug und mir versprach, meinen eigenen kreativen Weg zu finden. Ich hatte Lust darauf kreativer zu werden, wollte mich aber nicht in der Zurschaustellung einer Welt verlieren, die nicht meiner entsprach. Das Buch machte mich neugierig und schon bald hielt ich es in Händen.

30_Hashtag authentisch

Ein wunderschön gestaltetes Buch, gespickt mit vielen Fotos, die Sara Tasker auch auf ihrem Instagram-Account @me_and_orla zeigt. Bilder und Gestaltung verschmelzen zu einem harmonischen Gesamtbild und laden zum Wohlfühlen ein. Unterteilt ist das Buch in die vier Themenbereiche „Storytelling“, „Bilder machen“, „Das Archiv deines Lebens“ und „Teile deine Welt“. In darin enthaltenen Kapiteln wie „Digitalfotografie kann jeder“, „Finde deinen Stil“, und „Sich zeigen“ nimmt sie den Anfänger an die Hand und beseitigt auf sympathische Weise mögliche Schwellenängste. Beim Lesen gewinnt man tatsächlich den Eindruck, auch selbst so einen wunderschönen Instagram-Account mit eigenen Inhalten befüllen zu können. Denn die Autorin gibt viele Themen und Beispiele an die Hand, die zum ausprobieren und nachmachen inspirieren. Aber Sara Tasker ist nicht darauf bedacht ihre Vorgehensweise als einzig seelig machend zu verkaufen, sondern sie inspiriert mit einer Leichtigkeit, die nicht einengt und vorgibt, sondern vorschlägt um eigene Wege zu finden. Sehr sympathisch und angenehm. Die unkreative Seite Instagrams, also die Seite, die sich mit Technik und Statistik oder Ähnlichem beschäftigt, sucht man allerdings in diesem Buch vergebens. denn es beschäftigt sich mit der Gestaltung und der Schaffung von Inhalten für den Instagram Account.

Für mich war es ein sehr interessanter Ausflug in die Insta-Welt, der mir dabei geholfen hat meine eigene Blog- und Instagramgestaltung zu überdenken. Und das, ohne die Vorschläge aus dem Buch zu übernehmen, auch wenn sie mir gefallen haben. So werde ich auch weiterhin keinesfalls optisch in den Mittelpunkt rücken und auch nicht versuchen meinen Alltag gestalterisch ausdrücken, nur damit ich um jeden Preis Inhalte produziere. Aber ich liebe die Fotografie und lasse sie nun stärker mit einfließen. Fotos mag ich entwickeln und Schönes betonen, aber ich mag keine Filter, die über alles einen Schleier legen oder mit einem unnatürlichen Farbkonzept verfremden. Ich mag jedoch manchmal experimentieren und neben Lightroom auch Photoshop benutzen. Bei der Gestaltung der Bilder, bei denen Buchtitel zusammengestellt werden, die ich nur digital besitze, gebe ich mir künftig mehr Mühe. Et voilà – Stagnation und Langeweile sind verschwunden und mir gefällt besser, was ich auf Blog und Instagram sehe. Es ist zwar immer noch nicht so richtig harmonisch und aus einem Guss, aber das bin ich ja auch nicht. Und genau das ist wohl auch #authentisch 🙂

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Sara Tasker
Hashtag Authentisch
Übersetzung: Heico Neumeyer
Original: Hashtac Authentic
Gebunden, 192 Seiten
ISBN: 978-3-8362-7249-0
Preis: € (D) 24,90
Verlag: Rheinwerk
Erschienen: 25.10.2019