Wanderlust mit Mister Parkinson – Pamela Spitz

„Meine Reisen in die Ferne und zu mir selbst“ heißt das Buch im Untertitel und hat mich wirklich neugierig gemacht, als ich in der Verlagsvorschau des KiWi-Verlags darauf aufmerksam wurde. Oft empfinde ich Erfahrungsberichte als bereichernd und Mut machend, selbst wenn ich nicht das Schicksal der betroffenen Person teile. Ich bewundere Menschen, die versuchen unter ziemlich widrigen Umständen ein halbwegs normales Leben zu führen. Also nahm ich nach dem Reinschnuppern in die Leseprobe gespannt dieses Buch zur Hand und war offen für die Erfahrungen der Autorin. Der Titel und auch die Kurzbeschreibung haben allerdings bei mir die Erwartung geweckt, dass die Autorin über ihre Erfahrungen mit Morbus Parkinson schreibt und in zweiter Linie über das Reisen. Tatsächlich ist es jedoch eher umgekehrt.

Pamela Spitz hatte sich 2016 gerade von ihrem Mann getrennt und war freiberuflich als Fotoredakteurin tätig, als sie im Alter von einundvierzig Jahren die Diagnose Morbus Parkinson erhielt. Sie wollte immer schon ‚dieses Schneller, Höher, Weiter und war süchtig nach immer neuen Herausforderungen und Abenteuern‘

„Noch mehr Party. Noch mehr oberflächliche Jungs- und Männergeschichten. Noch mehr Ablenkung. Jeden Tag und jeden Abend war ich unterwegs, machte zwar Sport, nahm aber auch Drogen, besuchte Musikfestivals, auf denen ich vorher noch nie gewesen war, begann eine Liaison mit einer Frau, hing ständig in Bars herum und wollte einfach weiterhin alles ausprobieren, was ich nicht kannte. Meine körperlichen Symptome waren noch relativ zurückhaltend und ich fühlte mich stark und gut. Ich genoss die Intensität des Augenblicks und hatte keine Lust, mir ernsthafte Gedanken über die Zukunft zu machen, mir von der Diagnose meinen Lebensstil verändern zu lassen.“

(S. 19)

Letzteres merkt man der Autorin über das ganze Buch hinweg dann auch an. Sie selbst geht davon aus, dass sie vielleicht noch zehn gute Jahre hat und lässt einen in dem Buch daran teilhaben, wie sie die ersten fünf Jahre davon verlebt. Mal zieht es sie raus aus der Stadt um allein auf Wanderungen zu gehen und Ruhe in der Natur zu finden, mal lernt sie Fremdsprachen wie Portugiesisch und Arabisch, nimmt Surfunterricht, übt sich im Kraulschwimmen, macht einen Tandem-Gleitschirmflug und lässt sich von zahlreichen Dingen begeistern, die sie alle noch lernen möchte. Dabei wirft sie immer auch ausgiebige Blicke zurück auf ihr von Kindheit an durch Reiselust geprägtes Leben und lässt auch den Einfluss von Familie und Freunden nicht unerwähnt. Insgesamt war mir das ab einem gewissen Punkt allerdings zu viel, weil ich den Eindruck hatte, dass es in diesem Buch nicht um ein Leben mit der Erkrankung Parkinson geht, sondern viel mehr um die Verdrängung der Krankheit und nicht zuletzt vor allem auch der ständigen Flucht davor, sich damit auseinandersetzen zu müssen.

„Denn eins wusste ich inzwischen: dass es ein wirklich langer und holpriger Weg ist, bis man einigermaßen ins Reine kommt mit sich, wenn man mit so einer Diagnose wie Parkinson konfrontiert ist. Und dass da jeder und jede einen ganz eigenen Rhythmus für hat.“

(S. 56)

Der Weg von Pamela Spitz mit der Krankheit umzugehen ist wohl einer von vielen und als sich ihr Mister Parkinson nicht mehr verleugnen lässt, versucht sie mit Schamanismus, Ayurveda, Naturheilmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Entgiftung und Entschlackung des Körpers und der Wiedererlangung der körperlichen Fitness ihren Mister P. zu besänftigen, auch wenn er sich leider nicht aufhalten lässt.

„Ich erzählte von meiner Bewältigungsstrategie, möglichst immer alles positiv zu sehen, von meinen guten Erfahrungen mit der Ernährungsumstellung und dass ich mich eigentlich so gesund wie noch nie fühlte, abgesehen von Parki.“

(S. 120)

Es bleibt ihr zu wünschen, dass das noch möglichst lange so für sie funktioniert und die Forschung in Zukunft vielleicht doch etwas findet, das den an Morbus Parkinson Erkrankten bahnbrechend weiterhilft.

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Pamela Spitz
Wanderlust mit Mister Parkinson: Meine Reisen in die Ferne und zu mir selbst
Broschiert, 288 Seiten
ISBN: 978-3462055108
Preis: 18,00 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 19.08.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer August 2021

Im Lesemonat August sprang ich vom Hochhaus, fristete mein Leben in einem palästinensischen Flüchtlingslager, stand meiner Freundin in den letzten Wochen ihres Lebens bei, versuchte meine Ehe zu retten, pflegte einen Briefkontakt zu einem mir völlig Fremden, erfuhr was es heißen kann ein Wirtschaftsflüchtling zu sein und spürte chinesische Zerrissenheit.

Bücherwelten – lesen über alle Grenzen hinweg.

Der Sprung von Simone Lappert: Ein Sammelsurium von Figuren unterschiedlichen Alters und verschiedener Gesellschaftsschichten, die allesamt mit ihren eigenen Herausforderungen des Lebens beschäftigt sind und mit der jungen Frau, die vom Hochhaus springen will, direkt oder indirekt in Verbindung stehen. Großartig!

Während die Welt schlief von Susan Abulhawa: BUCHweltreise Palästina: Ein Roman mit schönem sprachlichen Klang, durchsetzt von arabischen Worten und Ausdrucksformen, die zu Herzen gehen und berühren. Aber es ist vor allem auch ein Roman voller Brutalität rund um den Nahost-Konflikt. Empfehlenswert! 

Was fehlt dir von Sigrid Nunez: Weil der Tod trotz Chemotherapie unausweichlich ist, beschließt sie den Zeitpunkt ihres Todes mit Hilfe von Tabletten selbst bestimmen zu wollen und bittet die Ich-Erzählerin ihr in den letzten Wochen oder Monaten ihres Lebens zur Seite zu stehen. Ein recht spezielles, aber doch gelungenes Buch, das viele Denkanstöße mitbringt.

Der Brand von Daniela Krien: Momentaufnahme einer altgewordenen kriselnden Ehe und anderen Konflikten. Gute Schreibweise, aber es werden viele Themen aufgemacht und dann nur oberflächlich abgefrühstückt. Insgesamt doch eher enttäuschend.

I get a bird von Anne von Canal und Heikko Deutschmann: Als Jana plötzlich ihre vor drei Jahren verlorene Agenda plötzlich zugeschickt bekommt, entspinnt sich zwischen ihr und dem Finder eine immer intensiver werdende Korrespondenz. Ein humorvoller und berührender Briefroman.

Nastjas Tränen von Natascha Wodin: BUCHweltreise Ukraine: Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer ukrainischen Putzfrau, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos der sich rasant entwickelnden Oligarchie in der ehemaligen Teilrepublik der UdSSR nicht mehr genug zum überleben hat und mit einem Touristenvisum in Berlin landet, um dort den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. Berührend und empfehlenswert!

Ist es nicht schön hier von Te-Ping Chen: BUCHweltreise China: Hellwach und mit genauem Blick für komische Momente zeichnet die Autorin in 10 Kurzgeschichten Figuren zwischen Tradition und Hypermoderne nach, die nach Halt und einem Zuhause suchen. Macht Lust auf mehr!

erLESENer Juli 2021

Im Lesemonat Juli war ich mit hellwachem Geist in meinem bewegungslosen Körper gefangen, versuchte mit dem Tod meiner 16jährigen Tochter fertig zu werden, reiste zurück in die Zeit der 1980er Jahre, fand fest in Plastikfolie eingewickelte Leichen, die aussahen wie Kokons, durchlebte den Horror der fortschreitenden Klimakrise, genoss die vietnamesische Küche, beobachtete jemanden beim Morden mit Bauschaum und nahm mit der Bestatterin Blum Rache an den Mördern ihres Mannes.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Apokalypse und vermeintlich heiler Welt.

Schmetterling und Taucherglocke von Jean-Dominique Bauby: Die autobiografischen Eindrücke eines 43jährigen, der unter dem Locked-In-Syndrom leidet und mit seinem hellwachen Geist in einem bewegungslosen Körper gefangen ist. Bewegend!

Was ich euch nicht erzählte von Celeste Ng: Das im Untergrund schwelende Familiendrama rund um eine verschwundene Sechzehnjährige. Fesselnd und eindringlich erzählt. Von der Autorin werde ich mehr lesen.

Wir Kassettenkinder von Stefan Bonner und Anne Weiss: Eine Zeitreise in die 1980er Jahre, in die guten und schlechten Zeiten. Hat mir sehr viel Freude bereitet.

Die Verlorenen von Simon Beckett gelesen von Johannes Steck: Der Auftakt der neuen Reihe von Simon Beckett war soweit in Ordnung, konnte mich aber trotz hervorragendem Hörbuchsprecher nicht vollends überzeugen.

Was, wenn wir einfach die Welt retten von Frank Schätzing: Ein gelungener Ansatz des Autors, der nicht mit erhobenem Zeigefinger doziert, aber dennoch deutlich macht, dass wir alles Sinnvolle unternehmen müssen, um die Klimaziele zu erreichen und realistisch betrachtet auch auf die Konsequenzen vorbereitet sein sollten, wenn uns das nicht gelingt. Lesenswert!

Der Geschmack der Sehnsucht von Kim Thúy: Dieses Buch entführt in eine fremde Welt mit den Gerichten, Gewürzen und Zutaten der vietnamesischen Küche, gewährt aber auch Einblicke in die Kultur, Sprache und Geschichte. Ein perfekter BUCHweltreise-Kandidat.

Die Puppenmacherin von Max Bentow gelesen von Axel Milberg: Ein weiterer hervorragender Hörbuchsprecher, widerliche Leichen in Bauschaum, spannend – krank – unterhaltsam.

Totenfrau von Bernhard Aichner gelesen von Christian Berkel: Und noch ein hervorragender Hörbuchsprecher. Es handelt sich hierbei um den Auftakt der Trilogie, in der eine Bestatterin Rache nimmt. Brutal, widerlich, spannend – krank – unterhaltsam.

Wir Kassettenkinder – Stefan Bonner, Anne Weiss

Die achtziger Jahre fanden bei mir im Alter zwischen 12 und 22 Jahren statt. Eine Zeit, die ich als Kind, als Jugendliche, als Schülerin, als Auszubildende und als junge Erwachsene erlebt habe.

„Was uns heute immer öfter bewusst wird: Die Achtziger sind im Begriff, von der nahen Vergangenheit, die wir vor kurzem erlebt haben, in die Zeitgeschichte überzugehen. Und das macht uns – so blöd es klingt – unsere eigene Vergänglichkeit bewusst.“

(S. 21)

Gleichzeitig macht es einem bewusst, wie schön es ist, in alten Zeiten zu schwelgen. Und das funktioniert mit diesem leicht und humorvoll geschriebenen Buch wirklich wunderbar. Es spult zurück in die Achtziger und nimmt einen mit in die Zeit, in der wir bei Musiksendungen vorm Radio hockten – bereit, die Aufnahmetaste des Kassettenrekorders zu drücken, wenn der Moderator den nächsten Hit spielte. Noch heute habe ich in meiner Erinnerung das Lied „Eye of the Tiger“ von Survivor mit der Unterbrechung des Verkehrsfunks im Ohr, der meine Aufnahme von der „Schlagerralleye“ oder „Mal Sondocks Hitparade“ so unschön erweitert hatte, was mich jedoch damals trotzdem nicht davon abhielt das Lied in Dauerschleife zu hören.

Und so ist das ganze Buch. Die Autoren schwelgen in Erinnerungen, verwenden die „Wir-Form“, gegen die ich mich schonmal gern sperre, wenn sie pauschalisierend mich mit einschließt. Doch hier ist das anders, denn ich fühle mich von den 1974 und 1975 geborenen Autoren verstanden und habe fast den Eindruck mich mit Freunden über die „gute alte Zeit“ zu unterhalten, die gar nicht immer so gut, aber auf ihre Art und Weise besonders war, nicht zuletzt weil ich so viele Entwicklungsschritte in der Zeit durchmachte.

Natürlich kennt man dieses Jahrzehnt auch aus Fernsehsendungen, in denen Stars und Sternchen Rückblicke in diese Zeit kommentieren, aber bei diesem Buch übernimmt man selbst diese Rolle. Man lehnt sich zurück, liest und nimmt sich die Zeit, das Gelesene um eigene Erinnerungen zu ergänzen. So fliegt man durch die Seiten und macht doch auch sehr oft Rast um eigenen Gedanken nachzugehen, den guten, manchmal aber auch den nicht so guten.

Gegliedert ist das Buch in 4 Teile, die an dieser Stelle nur einen groben Überblick dessen liefern sollen, was einen hier erwartet:

  1. Das Spiel unseres Lebens – Matschbrötchen im Hausmeisterkabuff, große Träume und das gute Gefühl, ohne Helm Fahrrad zu fahren
  2. Die Supersorgloszeit – Endlossommer, Erdnussflips im Bademantel und die Geborgenheit guter Samstagabendunterhaltung
  3. Von Blauen Engeln und weißen Tauben – Jute statt Plastik, Singen für ein bisschen Frieden und Hoffnung in der Endzeitstimmung
  4. Wo wir hinfuhren, brauchten wir keine Straßen – Pioniere im Technikwunderland, Joystickakrobaten und das Vergnügen, Videorekorder zu verkoppeln

Mir hat diese Zeitreise in die Achtziger viel Freude gemacht, aber man muss auch wissen, dass es in diesem Buch ausschließlich um die westdeutschen Kassettenkinder geht. Wer gelegentlich auch einen Blick in den Osten werfen möchte, dem sei ergänzend die doch etwas ernsthafter aber nicht weniger interessant daherkommende ZDF-Doku „Die 80er – Das explosive Jahrzehnt“ empfohlen: Teil 1Teil 2Teil 3 .

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Stefan Bonner, Anne Weiss
Wir Kassettenkinder: Eine Liebeserklärung an die Achtziger
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3426788530
Preis: 9,99 € [D]
Verlag: Knaur
Erschienen: 02.11.2017

Schmetterling und Taucherglocke – Jean-Dominique Bauby

Manche Buchtipps begleiten mich über Jahre hinweg, als müssten sie mit der Zeit reifen, bis der Wunsch diese Bücher dann auch zu lesen immer größer und fast schon übermächtig wird. So ähnlich ging es mir auch mit diesem autobiografischen Roman, der erst kürzlich als ‚Gebrauchtbuch‘ in meinem Warenkorb landete, nachdem ich schon so viel Gutes darüber gehört hatte. Erschienen ist es bereits 1997 und die Entstehungsgeschichte ist auch für heutige Verhältnisse noch ungewöhnlich.

Denn der Autor, Jean-Dominique Bauby, war Chefredakteur der französischen Zeitschrift „Elle“ und ist 43 Jahre alt, als er 1995 einen Gehirnschlag erleidet. Fortan ist sein gesamter Körper gelähmt, er kann nicht mehr schlucken und er kann nicht mehr sprechen. Seine einzige Möglichkeit zur Kommunikation ist das linke Auge, das er noch kontrollieren kann. Mittels Lidschlag beginnt Bauby seine Memoiren zu diktieren und davon zu berichten, wie es sich anfühlt unter dem sogenannten Locked-In-Syndrom zu leiden und mit seinem hellwachen Geist in einem bewegungslosen Körper gefangen zu sein.

Die Beschreibungen sind bildhaft und nachvollziehbar. Man erlebt die Grenzen und Einschränkungen der neuen Form der Kommunikation, die aber auch Baubys Tor zur Welt ist und seine einzige Möglichkeit sich mitzuteilen. Die Taucherglocke mitsamt der Abhängigkeit und des Ausgeliefert Seins, das sein Zustand mit sich bringt wird in seinen Facetten schmerzlich begreifbar. Fast nimmt es einem beim Lesen vor Bedrückung den Atem, wenn die Schilderungen nicht so verfasst wären, dass der Humor Baubys durchscheint und er trotz allem hoffnungsvoll bleibt. So leidet man zwar mit ihm, aber er ist nicht mitleiderregend, sondern nimmt einen mit auf die Reisen seines Geistes, der wie ein Schmetterling von hier nach dort flattert und dabei gelegentlich auch philosophische Bahnen findet. Die Krankheit hat Bauby zu einem Schriftsteller gemacht, der nicht nur mit bewundernswertem Humor seine eigene Situation analysiert, sondern die Fantasie und das Schreiben auch als das beste Gegenmittel begreift.

Mich hat das Buch so sehr berührt, dass ich mir im Anschluss den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2007 ansah. Eine geniale Visualisierung des Buches, die mir fast noch besser gefällt, als das Buch selbst.

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Jean-Dominique Bauby
Schmetterling und Taucherglocke
Taschenbuch, 144 Seiten
ISBN: 978-3423125659
Preis: 8,90 € [D]
Verlag: dtv
Erschienen: 01.10.1998

erLESENer Juni 2021

Im Lesemonat Juni durchlebte ich unterschiedliche Formen des Liebens und Nichtliebens, pendelte zwischen Deutschland und Rumänien, konnte unter Wasser atmen, ließ mich beim Suizid begleiten und war fasziniert von Helen und Mabel.

Bücherwelten – Gefühle zwischen Buchdeckeln…

Klopf an dein Herz von Amélie Nothomb: Ein Roman über ein Zuviel und Zuwenig von Liebe. Amélie Nothomb in Bestform.

Die Unschärfe der Welt von Iris Wolff: Eine in Kurzgeschichten erzählte Familiengeschichte, die ihre Wurzeln in Rumänien hat. Lieber selber lesen, anstatt zum Hörbuch zu greifen!

Aus schwarzem Wasser von Anne Freytag: Ein Genre-Mix aus Polit-Thriller mit Fantasy/Science-Fiction-Elementen, der mich leider nicht überzeugen konnte.

Unzertrennlich . Über den Tod und das Leben von Irvin D. und Marilyn Yalom: Als fest stand, dass Marilyns Krankheit zum Tode führen würde, begannen die Eheleute ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. Von tiefer Ehrlichkeit und steter Reflektion gekennzeichnet. Berührend!

H wie Habicht von Helen Macdonald: Ein Buch, in dem die Autorin über ihre Trauerbewältigung durch die Zähmung eines Habichts beschreibt. Unglaublich beeindruckend! Ein Highlight!

Unzertrennlich . Über den Tod und das Leben – Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom

Erst im Dezember las ich „Wie man wird, was man ist“ von Irvin D. Yalom, was mir diesen von mir geschätzten Autor nochmal ein Stück näher gebracht hat. Schon in dieser Autobiografie war mir aufgefallen, mit wie viel Wärme und Bewunderung er über seine Frau Marilyn, Kulturwissenschaftlerin und selbst Autorin, schreibt, so dass sich ganz automatisch meine Sympathie auch auf sie erstreckte. Umso mehr war ich betroffen, als ich nun erfuhr, dass Marilyn im letzten Herbst starb. Als fest stand, dass ihre Krankheit zum Tode führen würde, begannen beide ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. „Unzertrennlich“ lautet der Titel des Buches der durch 65 Ehejahre verbundenden Eheleute, in dem Irv im April 2019 beginnt, abwechselnd mit Marilyn über die Gefühle und Gedanken bis zu ihrem Tod schreibt und schließlich 125 Tage danach mit einem Brief an sie schließt.

„Ich kann noch schreiben, und dieses gemeinsame Projekt mit Marilyn ist ein Lebenselexier, nicht nur für sie, sondern auch für mich.“

(S. 83 – Irv im August)

Tiefe Ehrlichkeit und stete Reflektion sind sicherlich die treibenden Kräfte, die ihn und Marilyn auszeichnen – und die auch das vorliegende Buch so unvergleichlich und wertvoll machen. Hier wird nichts schöngeredet, es wird um jede Nuance gekämpft, um das zu erreichen, was man Authentizität nennt. Das allmähliche Sterben bis hin zum begleiteten Suizid von Marilyn ist gesäumt von Irv’s Schmerz über den bevorstehenden Verlust und durchsetzt von Gedanken bezüglich seiner eigenen Sterblichkeit. Denn Irv wird im Juni 2021 neunzig Jahre alt und ist immer davon ausgegangen, dass Marilyn ihn überleben würde. Doch nun bereitet Marilyn ihren Abschied vor und sehnt sich aufgrund des größer werdenden Leidendrucks immer mehr den Tod herbei.

Beide schildern ihre ganz persönlichen Gedanken und Gefühle, legen ihre Schmerzen und Schwächen offen. Beim Lesen fühlt man mit ihnen und nimmt an ihrer Geschichte Anteil. Als schließlich für Irv die Zeit des Lebens nach dem Tod von Marilyn beginnt, durchlebt man mit ihm die Verzweiflung und schließlich seine Versuche, sich als Therapeut an das zu erinnern, was er Patientinnen und Patienten in seiner Situation geraten oder in seinen Büchern geschrieben hatte. Auch muss er sich neu organisieren und Entscheidungen darüber treffen, welche Dinge von ihr bleiben sollen und was weg darf.

Keine einfache Thematik und doch ist „Unzertrennlich“ für mich ein wunderbares Erinnerungsbuch an Marilyn Yalom mit vielen privaten Familienbildern, abgedruckten Trauerreden und liebevollen Gedanken von Irv. Gleichzeitig ist es ein Buch über das Älterwerden und allmähliche Abschiednehmen vom Leben.

„[…] so glaube ich tatsächlich, dass Menschen, die im Sterben liegen – wenn sie zum Nachdenken Zeit haben -, dazu neigen, das Leben, das sie gelebt haben, zu bewerten. Gewiss ist das bei mir der Fall. Und ohne selbstzufrieden im falschen Sinne sein zu wollen, habe ich den Eindruck, dass ich keinen Schaden angerichtet habe und mich dem Ende ohne viel Bedauern und wenig Schuld nähern kann.“

(S. 172 – Marilyn im November)

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Irvin D. Yalom, Marilyn Yalom
Unzertrennlich – Über den Tod und das Leben
Aus dem Amerikanischen von Regina Kammerer
Original: A Matter of Death and Life, Stanford University Press
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-442-75921-7
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: btb
Erschienen: 10.05.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Befreit – Tara Westover

Für dieses Buch brauchte ich zwei Anläufe, um es zu lesen. Denn es macht zunächst wütend und fassungslos. Beim ersten Versuch legte ich es irgendwann aus der Hand, weil es mich zu sehr aufregte. Denn Tara Westover erzählt auf eindringliche Weise autobiografisch darüber, wie Bildung ihr die Welt erschloss – als jüngstes von sieben Kindern eines Prepper-Ehepaars streng mormonischen Glaubens. Die gesamte Familie erwartet praktisch stündlich den Zusammenbruch der Zivilisation nach göttlicher Bestimmung. Immer wieder geschehen schreckliche Unfälle auf dem Schrottplatz, durch den die Familie ihren Lebensunterhalt bestreitet, aber einen Arzt zu rufen oder ins Krankenhaus zu fahren wäre Verrat des Glaubens und entgegen den Offenbarungen, die der Vater zu empfangen glaubt. Beim Lesen platzte mir ein ums andere Mal der Kragen, aber schließlich las ich das Buch doch gebannt bis zum Schluss und war beeindruckt.

Tara Westover wurde irgendwann 1986 in Idaho, USA, geboren und wächst streng reglementiert innerhalb der Gesetze des mormonischen Glaubens und den paranoiden Verschwörungsideen auf, die sich ihr Vater zusammenfantasiert. Zur Schule geht sie nicht, lernt aber lesen und schreiben von ihren Eltern. Damit ergeht es ihr nicht besser, als ihren Geschwistern. Einige ihrer Brüder entkommen ihrem Elternhaus – der eine wird Fernfahrer, ein anderer holt die Schulabschlüsse nach und studiert dann sogar. Erst spät begreift Tara Westover, dass sich ihr durch das Lernen eine andere Welt eröffnen kann. Sie bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Universität der Mormonen vor und schafft es beim zweiten Versuch. Doch zunächst gilt es dort für die Siebzehnjährige ihre enormen Wissenslücken aufzufüllen, außerdem quälen sie finanzielle Sorgen, weil ihre Familie sie nicht unterstützt. Erst als Tara sich überreden lässt, Stipendien in Anspruch zu nehmen, fällt ihr das Lernen leichter. Schnell stellt sich ihre überragende Begabung heraus, und es folgen ein Gastaufenthalt in Cambridge, schließlich Stipendien in Harvard und Cambridge, wo sie auch promoviert.

Das Buch beginnt Tara Westover mit der Vorbemerkung, dass diese Geschichte nicht vom Mormonentum handelt und auch nicht von einer anderen Form religiösen Glaubens. Und so gestaltet sich ihr Buch auch. Sie kritisiert nicht und klagt nicht an, aber als Leserin kann ich nicht umhin mit manchen Gepflogenheiten zu arg zu fremdeln und sie anhand eigener Richtlinien und Werte zu beurteilen, ja vielleicht auch stellenweise zu verurteilen. Nicht vergessen darf man allerdings hierbei auch, dass der Vater unter Einfluss seiner unbehandelten psychischen Erkrankung (vermutlich eine Bipolare Störung) stand, dem sich niemand entgegen setzte, sondern der in seiner Frau auch noch eine Unterstützerin fand, die sich mit ihm gemeinsam auch gegen ihre Kinder wandte. Beim Lesen schwankt man zwischen Wut und Traurigkeit, weil den Kindern ihre Entfaltungsmöglichkeiten genommen werden und man sie als Gefangene von Glauben und Erziehung erkennt.

Aber es blitzt auch in leisen Tönen die Stärke, das Durchhaltevermögen und der Kampfgeist von Tara Westover durch. Man bekommt eine Vorstellung davon, was es heißen muss, erst mit 17 Jahren eine Schullaufbahn ohne Vorwissen zu starten. Es wird deutlich, wie viel sie nachzuholen hatte und man selbst weiß den den Wert der hier herrschenden Schulpflicht besonders zu schätzen, die einem den Zugang zu vielerlei unterschiedlich geartetem Wissen fast schon wie selbstverständlich einfach beim Heranwachsen gewährt. Lernen zu dürfen ist ein Privileg, das es nicht zu unterschätzen gilt.

„Alles, wofür ich gearbeitet hatte, alle meine Studienjahre hatten dazu gedient, mir dieses eine Privileg zu erwerben: mehr Wahrheiten zu sehen und zu erfahren als die, die mir mein Vater gegeben hatte, und diese Wahrheiten dazu zu benutzen, um mir einen eigenen Verstand aufzubauen. Ich war zu dem Glauben gelangt, dass die Fähigkeit, viele Ideen, viele Geschichten, viele Betrachtungsweisen zu bewerten, entscheidend war für das, was es heißt, sich selbst zu erschaffen.“

(S. 412)

Ein großartiges Buch. Eine bemerkenswerte Frau!

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Tara Westover
Befreit – Wie Bildung mir die Welt erschloss
Aus dem Englischen von Eike Schönfeld
Original: Educated, Second Sally Ltd.
Gebunden mit Schutzumschlag, 448 Seiten
ISBN: 978-3462050127
Preis: 29,50 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 07.09.2018

erLESENer April 2021

Im Lesemonat April spielte ich durch, wie mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte; las und hörte mich mit Pink Floyd zu mehr, als nur die dunkle Seite des Mondes; durchlebte mit der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen ihre Kindheit und Jugend bis hin zu ihrer vielschichtigen Abhängigkeit als Erwachsene; reiste mit Christopher Many acht Jahre mit dem Land Rover durch die Welt und war enttäuscht von meinem zunehmenden Desinteresse Dave gegenüber.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Verzauberung und Entzauberung.

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig: Eine tolle Romanidee, die jedoch oberflächlich und schlecht umgesetzt wurde. Immerhin gut als Hörbuch mit Annette Frier vertont.

Pink Floyd – Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin: Ein echtes Highlight, nicht zuletzt weil ich mir zu dem Geschriebenen immer auch gleich die Songs meiner Lieblingsband angehört habe. Ein Genuss!

Die Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen: Kindheit, Jugend und Abhängigkeit waren für mich unterschiedlich gut, aber nichtsdestotrotz echte Highlights. Von der Autorin möchte ich gern mehr lesen.

Hinter dem Horizont Links von Christopher Many: 8 Jahre mit dem Land Rover um die Welt erzählt mir zu viel Kritisches über Meinung und Ansichten des Weltreisenden und es kommt zu wenig vom Reiz und Besonderheiten der Reise heraus. Die Jahre spätere vierjährige Reise mit dem Motorrad „Hinter dem Horizont Rechts“ gefällt mir bei weitem besser.

Dave von Raphaela Edelbauer: Weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Handlung konnten mich dazu bewegen mich bis zum Schluss durch die unverhältnismäßig gestelzte und überkomplizierte Sprache zu quälen. Das Buch war für mich ein Fehlgriff.

Hinter dem Horizont links – Christopher Many

„Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt. 200.000 Kilometer – 3000 Tage Zeit: Das sind 66,66 km im Tagesdurchschnitt. Mehr wäre mit einem 30 Jahre alten Land Rover auch illusorisch.“ verraten bereits Buchcover und -rückseite. Mehr brauche ich nicht zu wissen, um mich auf dieses Buch zu freuen und mit Christopher Many, dem ich lesend bereits mit „Hinter dem Horizont rechts“ bei seiner vierjährigen Tour mit dem Motorrad von Deutschland nach Australien gefolgt bin, erneut auf die Reise zu gehen. Seinen Schreibstil fand ich damals erfrischend und natürlich, ja sogar stimmungsaufhellend. Eine schöne Nebenwirkung und der Grund dafür, dass ich gern Bücher lese, in denen abenteuerlustige Weltreisende über ihre Erlebnisse und Eindrücke schreiben.

So etwas erhoffte ich mir auch von diesem Buch, bekam jedoch etwas ganz Anderes. Auch wenn die Vorbemerkungen des Verfassers schon ein wenig auf das vorbereiten, was einen beim Lesen erwartet:

„Sollte der Leser politische Korrektheit der beobachteten Realität vorziehen, so wird er vielleicht einige Kapitel verstörend finden. Ich nenne die Dinge beim Namen und lasse Dummheit und Ignoranz aufscheinen, wo sie Erwähnung verdienen. So kommen einige Länder und Kulturen, die eigene eingeschlossen, im Folgenden nicht immer gut weg, natürlich ohne damit etwas über einzelne Menschen auszusagen. Es kann sein, dass Ihre Meinung eine andere ist. Die Erfahrungen aus erster Hand, auf die sie sich stützt, stehen aber gleichberechtigt neben den meinen. Es ist nicht wichtig, wer recht hat oder unrecht, wichtig ist, dass wir unsere persönlich erfahrenen Wahrheiten aussprechen. Sich hinter politischer Korrektheit, patriotischen Dogmen, religiösen Überzeugungen und gesellschaftlichen Konventionen zu verstecken, trübt den Blick des Reisenden und führt letztlich nirgendwohin.“ (S. 8)

Ich bin gewillt mich darauf einzulassen und gespannt auf das, was da wohl kommen mag. Es geht zurück ins Jahr 2002, wo Christopher Many mitten in den schottischen Highlands den zerbeulten vernachlässigten Land Rover (Baujahr 1975) für 700 Pfund kauft, umbaut und sich schon kurze Zeit später auf den Weg macht. Zunächst geht es zur Familie nach Deutschland, weiter nach Österreich um Rob als Mitreisenden mitzunehmen und dann weiter, wohin die Straße führt.

Seine Reiseroute klingt nach Einsamkeit, Freiheit und großem Abenteuer: Deutschland, Russland, Mongolei, USA, Kanada und dann ganz hinunter bis nach Patagonien, rüber nach Südafrika und dann rauf bis zum Sinai, Jordanien, Syrien, Türkei und zurück nach Deutschland. Oft ist er allein unterwegs, doch ab und zu trifft er temporäre Begleiter und Begleiterinnen – eine davon wird zur großen Liebe und Weggefährtin. Manche Länder sind durch den Terror erschüttert, während in anderen noch die Welt halbwegs in Ordnung zu sein scheint. Es geht durch wechselnde Landschaften, beachtliche Temperaturunterschiede und gelegentlich muss der Land Rover, der den Namen Matilda bekommen hat, verschifft werden, damit es weiter gehen kann. Auf 4 Schwarz-Weiß-Karten sind die groben Teilabschnitte übersichtlich eingezeichnet. Außerdem gibt es zwei Bildteile mit insgesamt 39 Farbbildern, die den Text ansprechend ergänzen und veranschaulichen.

Gern hätte ich ein wenig mehr von dem gelesen, was Christopher Many auf dieser Reise erlebt hat. Von Begegnungen, Erfahrungen, Erlebnissen. Mehr von dem Schönen, dem Ungewöhnlichen, aber auch von dem, was er in diesem Absatz zusammenfasst:

„Ich habe inzwischen gelernt, dass die Strapazen von ganz allein kommen und dass ich sie nicht aktiv suchen muss. Das von Läusen wimmelnde Bett, der Delhi-Durchfall, Malaria, Hunger, Durst, Hitze, sibirische Kälte, Milliarden lästiger Einheimischer, Gestank, Verkehrsunfälle, gewehrfuchtelnde Soldaten, die mit Kalaschnikows auf einen zielen, Korruption, bürokratische Albträume an den Grenzen, Diebstahl, Verletzungen, kartenverschlingende Geldautomaten, Stumpfsinn, Inkompetenz, Unfreundlichkeit, Krieg, Minenfelder, Massaker bei Wahlen, Nächte auf Müllhalden, Autopannen in abgelegenen Wüsten, Verlust der Lieben, kanadische Moskitos, Schlangenbisse, Krankheiten, Verzögerungen, Depressionen, Einsamkeit, Heimweh usw. usw.“ (S. 246)

Doch er bleibt hierbei oft oberflächlich, wirft einem eher Stichworte vor die Füße und hakt Stationen in knappen Absätzen ab. Stattdessen geht er in die Tiefe, wenn es ums Kritisieren und Philosophieren geht. Kaum etwas hält seiner näheren Betrachtung stand, kaum ein Ort, an dem es nichts anzuprangern gibt. Für mich war das insgesamt zu viel Kritik, wenngleich sie auch berechtigt sein mag. Vieles ist ja auch aus den Medien bekannt. Wenn man selbst vor Ort mit manchen Gegebenheiten konfrontiert wird, ist das selbstverständlich etwas völlig Anderes, als wenn man dem nur zwischen den Buchdeckeln begegnet. Doch so um die Welt zu reisen, fand ich beim Lesen eher anstrengend. Hier hätte ich mir etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht.

Rückblickend verstehe ich inzwischen auch, was mit dem Hinweis in den Vorbemerkungen gemeint ist. Denn inzwischen ist unsere Sprache und Ausdrucksweise durch unterschiedliche politische Einflüsse und gesellschaftliche Strömungen nicht nur weichgespült, sondern man muss sich auch gut überlegen, wie man sich zu gewissen Themen äußert und welche Begriffe man verwendet, wenn man nicht in unerwünschte politische Schubladen gesteckt werden möchte. Christopher Many ist diesbezüglich schmerzfrei. Erfrischend schmerzfrei, wenn man ihm in manchen Punkten beipflichten kann, manchmal aber auch erschreckend schmerzfrei, wenn er mit manchen Äußerungen polarisiert. Das muss man vertragen können, sonst wird man an diesem Buch keine Freude haben. Dann aber wird die Reise mit Christopher Many zwar zu einer gelegentlich etwas unbequemen, aber nichtsdestotrotz zu einer Reise, die einige Denkanstöße mit sich bringt.

Derzeit ist Christopher Many mit seinem gelben Matilda Nachfolger in Kroatien unterwegs. Wer mag kann den inzwischen 51jährigen über Facebook dabei gelegentlich begleiten.

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Christopher Many
Hinter dem Horizont links
Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt
Klappenbroschur, 312 Seiten
ISBN: 978-3-7688-3348-6
Preis: 18,90 € [D]
Verlag: Delius Klasing
Erschienen: 04.07.2011