erLESENer August 2021

Im Lesemonat August sprang ich vom Hochhaus, fristete mein Leben in einem palästinensischen Flüchtlingslager, stand meiner Freundin in den letzten Wochen ihres Lebens bei, versuchte meine Ehe zu retten, pflegte einen Briefkontakt zu einem mir völlig Fremden, erfuhr was es heißen kann ein Wirtschaftsflüchtling zu sein und spürte chinesische Zerrissenheit.

Bücherwelten – lesen über alle Grenzen hinweg.

Der Sprung von Simone Lappert: Ein Sammelsurium von Figuren unterschiedlichen Alters und verschiedener Gesellschaftsschichten, die allesamt mit ihren eigenen Herausforderungen des Lebens beschäftigt sind und mit der jungen Frau, die vom Hochhaus springen will, direkt oder indirekt in Verbindung stehen. Großartig!

Während die Welt schlief von Susan Abulhawa: BUCHweltreise Palästina: Ein Roman mit schönem sprachlichen Klang, durchsetzt von arabischen Worten und Ausdrucksformen, die zu Herzen gehen und berühren. Aber es ist vor allem auch ein Roman voller Brutalität rund um den Nahost-Konflikt. Empfehlenswert! 

Was fehlt dir von Sigrid Nunez: Weil der Tod trotz Chemotherapie unausweichlich ist, beschließt sie den Zeitpunkt ihres Todes mit Hilfe von Tabletten selbst bestimmen zu wollen und bittet die Ich-Erzählerin ihr in den letzten Wochen oder Monaten ihres Lebens zur Seite zu stehen. Ein recht spezielles, aber doch gelungenes Buch, das viele Denkanstöße mitbringt.

Der Brand von Daniela Krien: Momentaufnahme einer altgewordenen kriselnden Ehe und anderen Konflikten. Gute Schreibweise, aber es werden viele Themen aufgemacht und dann nur oberflächlich abgefrühstückt. Insgesamt doch eher enttäuschend.

I get a bird von Anne von Canal und Heikko Deutschmann: Als Jana plötzlich ihre vor drei Jahren verlorene Agenda plötzlich zugeschickt bekommt, entspinnt sich zwischen ihr und dem Finder eine immer intensiver werdende Korrespondenz. Ein humorvoller und berührender Briefroman.

Nastjas Tränen von Natascha Wodin: BUCHweltreise Ukraine: Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer ukrainischen Putzfrau, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos der sich rasant entwickelnden Oligarchie in der ehemaligen Teilrepublik der UdSSR nicht mehr genug zum überleben hat und mit einem Touristenvisum in Berlin landet, um dort den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. Berührend und empfehlenswert!

Ist es nicht schön hier von Te-Ping Chen: BUCHweltreise China: Hellwach und mit genauem Blick für komische Momente zeichnet die Autorin in 10 Kurzgeschichten Figuren zwischen Tradition und Hypermoderne nach, die nach Halt und einem Zuhause suchen. Macht Lust auf mehr!

Ist es nicht schön hier – Te-Ping Chen

Te-Ping Chen, geboren 1985 in Berkeley, Kalifornien,  ist eine amerikanische Journalistin und Autorin, die derzeit in Philadelphia lebt. Sie arbeitet für das Wall Street Journal und war zuvor für die Zeitung als Korrespondentin in Beijing und Hong Kong tätig. Sie schrieb dort über Politik, Gesellschaft und Menschenrechte. Texte von ihr erschienen im New Yorker, Granta, Tin House und The Atlantic. Ihre Debütgeschichtensammlung „Land of Big Numbers“ wurde in Barack Obamas Sommerleseliste 2021 aufgenommen. Und ich hatte Lust im Rahmen meiner BUCHweltreise einen Ausflug nach China zu machen und griff daher zu der deutschen Übersetzung.

Te-Ping Chen erzählt in zehn Storys vom Leben im Land der Superlative: China. Hellwach und mit genauem Blick für komische Momente zeichnet sie Figuren zwischen Tradition und Hypermoderne, die nach Halt und einem Zuhause suchen. Dabei berichtet sie von der Sehnsucht im staatlichen Gefüge Anerkennung zu erlangen, aber auch davon was passieren kann, wenn man sich nicht abfinden und ins System einfügen kann. Gegenstand der Erzählungen sind fantasievolle und manchmal auch leise Systemkritik, unüberwindbare Kulturunterschiede oder wie intensiv die Liebe und die Sehnsucht nach ihr sein kann, auch wenn sie nicht vor der im westlichen Sinne verstandenen Leidenschaft überkocht.

Strenge gesellschaftliche Konventionen und staatliche Vorgaben schwingen im Hintergrund immer mit und lassen den Drahtseilakt erahnen, in den die Protagonisten geraten, wenn sie von der Norm abweichen. Die Geschichten sind intensiv und auch wenn die Protagonisten einem nicht unbedingt nah kommen, so fiebert man doch meist mit ihnen mit, weil der Autorin gefühlvolle und bildhafte Beschreibungen gelingen, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren.

Auch wenn die Geschichten jeweils in sich abgeschlossen sind und zu ihren ganz eigenen Enden finden, hatte ich beim Lesen doch das Bedürfnis etwas Längeres von der Autorin zu lesen. In manchen Storys hätte ich mich gerne noch etwas länger aufgehalten, da ich den Schreibstil von Te-Ping Chen sehr mochte. Aber vielleicht hat die Autorin ja ein einsehen und verfasst nach ihrem beeindruckenden Debüt irgendwann auch einen Roman. Es würde mich freuen!

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Te-Ping Chen
Ist es nicht schön hier
Hardcover, 251 Seiten
ISBN: 978-3351050818
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: Aufbau Verlag
Erschienen: 16.08.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Schreibtisch mit Aussicht – Ilka Piepgras

Schreiben kann Spaß machen und erfüllend sein, aber es ist auch harte Arbeit und es ist Synonym für allerhöchste Konzentration – unabhängig vom Geschlecht. Bislang sind jedoch Werkstattberichte von schreibenden Frauen rar. Dieses Buch versammelt nun erstmals Beiträge über die Schnittstelle von Leben und Kunst. Es feiert die Vielfalt und Größe schreibender Frauen. Was bringt Schriftstellerinnen dazu, zu schreiben? Womit kämpfen sie im Alltag, was beflügelt sie, was lässt sie dranbleiben? Es geht um das Glück des Schreibens und um dessen Preis, es geht um Routine und Rituale, um Vorbilder und Verzicht. 24 bedeutende Schriftstellerinnen erzählen davon auf ihre sehr persönliche Weise. Als ich vor kurzem auf dieses Buch stieß, war mir gleich klar, dass ich es unbedingt lesen wollte.

Zum einen interessierte mich, was die Schriftstellerinnen über ihren Beruf, beziehungsweise ihre Berufung, zu erzählen haben und zum anderen wollte ich dadurch kleine Kostproben ihres Schreibens und Denkens erhalten, die mir vielleicht sogar Lust auf ihre Bücher machen sollten. Denn tatsächlich las ich bisher erst Bücher von Elfriede Jelinek, Katharina Hagena und Hilary Mantel. Anne Tyler, Eva Menasse, Elif Shafak, Mariana Leky, Siri Hustvedt, Joan Didion, Antonia Baum, Kathryn Chetkovich, Terézia Mora, Deborah Levy, Nicole Krauss, Zadie Smith, Leila Slimani, Elke Schmitter, Sibylle Berg, Olivia Sudjic, Elizabeth Strout, Jennifer Egan, Meg Wolizer und Sheila Heti waren mir zum Teil zwar namentlich ein Begriff, aber ansonsten konnte ich sie hier gänzlich neu für mich entdecken. Und genau das mochte ich sehr.

„Doch ist das Thema letztlich egal, ein gutes Buch ist ein gutes Buch, es spricht auf eine universelle Art zu uns, es verwickelt uns, lässt uns zweifeln und nachdenken, es macht uns hungrig und glücklich, niemals satt. Wenn es jemand anderer geschrieben hat, erkennen wir das ganz genau. Aber wie zum Teufel macht man es selbst?“

(S.33, Eva Menasse)

Als begeisterte Leserin und jemand, der hobbymäßig schon mal ein wenig geschrieben hat, war es für mich spannend zu erfahren, wie die Autorinnen zum Teil um die Entstehung ihrer Bücher kämpfen, mit sich hadern oder völlig darin aufgehen.

„Seitdem wird jeder meiner Romane von einer professionellen Übersetzerin ins Türkische übersetzt, wonach ich mir das Manuskript vornehme und es mit meinem eigenen Wortschatz und Rhythmusgefühl umschreibe. Falls der Umweg verrückt klingt, dann, weil er es ist. Ich brauchte fast doppelt so viel Zeit, um über Redewendungen, Sätze und Wörter nachzudenken, die nicht übersetzbar sind. Also pendle ich zwischen Englisch und Türkisch, zwei Sprachen, die so unterschiedlich sind wie Rotwein und Kefir. Eine Sprachnomadin zu sein ist zwar eine Herausforderung, aber es hilft mir, mich als Geschichtenerzählerin zu behaupten, und gibt mir zusätzliche geistige Flexibilität, Freiheit der Rede und ein Gefühl der Vernetzung, das nicht von nationalen Grenzen eingeschränkt wird.“

(S. 47,  Elif Shafak)

Aber auch wie sie diesen Prozess entzaubern, indem sie von einem Alltagsleben berichten, in dem das Schreiben zwar ein unentbehrlicher Bestandteil des Lebens ist, der aber an manchen Tagen vor allem dadurch glänzt, dass er für ein Einkommen sorgt. Und so schwanken die einzelnen Erzählungen zwischen Verzauberung fürs Schreiben, in denen man sich als Büchernarr und Hobbyschreiberling verlieren kann und kaum hinterher kommt, die Stellen, die einen in irgendeiner Form berühren oder einem gefallen, weil sie gut und treffend formuliert sind, zu markieren. Aber andererseits entmystifizieren sie auch die Schriftstellerinnen als Menschen, die mit dem ganz normalen Alltag zurecht kommen müssen und schreibend „die zarten Schmetterlinge ihrer persönlichen Erfahrungen bewahren, aufspießen und der ewigen Wertschätzung darbieten lassen“, wenn sie nicht „die Praxis des Schreibens immer vor allem als Flucht aus dem Ich sehen, nicht als Weg es zu erforschen“ (S. 188,  Zadie Smith).

Ebenso unterschiedlich wie die Schriftstellerinnen, sind natürlich auch die Texte, die in diesem Buch von ihnen zu lesen sind. Von Ausufernd bis kurz und knapp ist vieles zu finden. So erhält man kleine und große Einblicke, die mal mehr und manchmal auch etwas weniger begeistern. Insgesamt ist dies jedoch ein Buch, in dem Schriftstellerinnen über ihr Leben schreiben, das zu lesen ich sehr genossen habe und denjenigen, die sich für die Thematik interessieren, sehr empfehlen kann.

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Ilka Piepgras (Hrsg)
Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 288 Seiten
ISBN: 978-3036958262
Preis: 23,00 € [D]
Verlag: Kein & Aber
Erschienen: 03.11.2020

Frisch auf dem Buchmarkt: Januar 2021

Eigenartig fühlte sich dieses Mal mein Bummel durch die Verlagsvorschauen des Frühjahrs an. Für viele Themen und Geschichten bin ich derzeit einfach nicht offen. Wenn ich die Worte Dystopie, Pandemie oder Virus lese, bin ich sofort raus. Von Politik habe ich die Nase voll, allzu Kritisches will ich gerade nicht auch noch hinterfragen müssen und selbst Blutrünstiges kann mich derzeit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber allzu Fantasievolles und die lustige heile Herzschmerwelt sowie Trümmerbeziehungen reizen mich halt auch nicht und so blätterte ich mich dieses Mal nörgelig und mäkelig durch die virtuellen Bücherwelten. Ein eigenartiges Gefühl für jemanden, der sich sonst kaum zu bremsen weiß und immer über alle Maßen fündig wird. Nicht, dass ich nicht sowieso schon eine Bücherwunschliste hätte, die aus allen Nähten platzt…

Im nachhinein konnte ich kaum glauben, dass ich doch noch einige (12!) ansprechende Neuerscheinungen für den Januar entdeckt habe. Dabei geht es um den heiligen Fettstoffwechsel, um Reisegeschichten, einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie, eine Fotojournalistin, die von den gefährlichsten Orten unserer Welt berichtet, um mystisches Wissen, eine künstliche Intelligenz mit dem Namen Dave, den Arabischen Frühling, um die Folgen einer Hirnblutung, um einen Affen, der nicht nur einen Cheeseburger bestellen kann, einen 14jährigen Jungen, der in Malawi ein Windrad baut, einen mysteriösen Brief, in dem Dinge stehen, die eigentlich niemand über Heloise wissen kann und Geschichten, die heilsam, tröstlich und unterstützend sein können.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

04.01.2021: Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels [Werbung] von Marion Kiechle und Julie Gorkow: Ernährung ist der Schlüssel für einen gesunden Fettstoffwechsel. Je nach Lebensphase spielen die Hormone einen großen Einfluss. Die richtigen Lebensmittel können in all diesen Lebensphasen den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu kommen im Laufe des Lebens stoffwechsel-induzierte Erkrankungen, die mit der richtigen Ernährung ebenfalls behandelt werden können. Die Frauenärztin Dr. Marion Kiechle kennt aus der Praxis und aus ihrer Uni-Tätigkeit all diese Phasen und Erkrankungen genau, die Journalistin Julie Gorkow erklärt die Zusammenhänge verständlich. Damit dieses Wissen über den Fettstoffwechsel sofort anwendbar wird, ergänzt ein ausführlicher Rezept-Teil den Ratgeber.

11.01.2021: The Travel Episodes: Von Abenteuern in der Ferne und vor der Haustür [Werbung] von Johannes Klaus: Ein Glück, dass gute Reisegeschichten niemals langweilig werden! Denn auch im fünften Band der erfolgreichen Reihe „The Travel Episodes“ werden gemeinsam mit Johannes Klaus die spannendsten, aufregendsten und mitreißendsten Storys aus allen Ecken der Welt gekürt. Sie entführen uns in den afrikanischen Busch, in die eisige Wildnis Grönlands und die rote Weite Australiens. Sie erzählen von einem Segelabenteuer im südlichen Ozean, beschreiben das große Nichts in Kasachstan und zeigen, wie eine neue Generation in Bangladesch das Reisen für sich entdeckt. Das Buch für Fernsüchtige!

14.01.2021: Der Mann im roten Rock [Werbung] von Julian Barnes: Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

18.01.2021: Menschlichkeit in Zeiten der Angst [Werbung] von Julia Leeb: Die Fotojournalistin Julia Leeb berichtet von den gefährlichsten Orten unserer Welt. Hautnah erfährt sie, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, sei es bei den Kämpfen der Nubier im Sudan, bei den Warlords im Kongo, im Krieg in Libyen, während der Revolution in Ägypten oder in der abgeschotteten Diktatur in Nordkorea. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr: Als sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommt, soll sie kaltblütig umgebracht werden. Ein anderes Mal wird sie verschleppt, um sie als Zeugin zum Schweigen zu bringen. Dennoch schildert sie in ihren Reportagen über die Vergessenen unserer Welt auch immer wieder Begegnungen voller Schönheit und Hoffnung. Es sind vor allem Frauen, die durch ihren Mut und ihre Zuversicht den Weg aus Gewalt und Unterdrückung zu Frieden und wahrer Menschlichkeit weisen.

19.01.2021: The Mystical Year: Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche [Werbung] von Allison Davies: Dieses liebevoll gestaltete Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich ein wenig Magie in ihrem Leben wünschen. Jeder Monat und jede Jahreszeit bergen ihr eigenes Potenzial, das es zu entdecken gilt. Wir lernen besondere Ereignisse, überlieferte Weisheiten, heidnische Sagen und traditionelle Feste kennen und erfahren von magischen Eigenschaften bestimmter Kräuter, Tiere, Steine oder Tarotkarten – und von vielem mehr. Jährlich wiederkehrende Sternenkonstellationen spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss des Mondes. Themenseiten, Tipps und Übungen runden diesen Leitfaden für alle mit einer mystischen Ader ab. Von der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner bis zu den Geschichten der Griechischen Sagenwelt, heidnischer Erzählungen und römischer Traditionen existiert ein Reichtum an Wissen aus vielen Kulturen. Feiern Sie den Frühling und Sommer als Zeit der Erneuerung mit Flora, der römischen Göttin der Blumen, begehen Sie an Litha, einem der solaren Feste des Wicca-Glaubens, die Sommersonnenwende, und wenn die Nächte länger werden, helfen selbst gemachte, duftende Kräutergirlanden, böse Geister abzuwenden. Für jeden Monat finden sich in diesem Buch der jeweilige Vollmondname oder Wicca-Jahreskreis sowie eine Zusammenstellung mystischer Traditionen, die den Wechsel der Natur feiern. Mystisches Wissen für alle, die durch eine Rückbesinnung auf überlieferte Weisheiten über den Zyklus der Jahreszeiten neue Kräfte aktivieren und sich mehr mit der Natur verbinden möchten!

23.01.2021: Dave [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

25.01.2021: Die Republik der Träumer [Werbung] von Alaa al-Aswani: Hoffnung, Aufbegehren, Scheinheiligkeit und Unterdrückung – Der große Roman über die ägyptische Revolution zum 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings. Kairo, 25. Januar 2011, 25.000 Menschen demonstrieren gegen Mubarak. Sie träumen von der großen Veränderung, doch während in der euphorischen Menge Liebesbeziehungen aufblühen, wird der Bürgerrechtler Khaled vor den Augen aller ermordet. Seine Freundin Dania will ihren Widerstand nicht aufgeben – und sei es gegen den eigenen Vater, den bigotten Geheimdienstchef, der islamische Werte predigt und heimlich Pornos schaut. Al-Aswanis Figuren verkörpern in diesem mitreißenden Buch, das in Ägypten verboten wurde, alle Facetten der Revolution, die für jede von ihnen einen Wendepunkt in ihrem Schicksal bedeutet. Ein unvergessliches Porträt der modernen ägyptischen Gesellschaft.

25.01.2021: Königin außer Dienst [Werbung] von Martine Bijl: Martine ist erfolgreich, berühmt, steht mitten im Leben, als an einem Herbstmorgen „ein Ballon hinter ihren Augen platzt“. Eine Hirnblutung verändert das Leben der Autorin schlagartig.
Bevor sie vier Jahre später an den Folgen der Krankheit stirbt, schreibt Martine Bijl ein Buch, das einzigartige, berührende und schmerzlich ehrliche Einblicke erlaubt. In eindringlichen, ja poetischen Bildern, mit bewundernswerter Kraft und Selbstironie schildert Martine Bijl, wie es ist, „im Kopf Angst zu haben, und nicht zu verstehen, warum und wovor“. Ein Buch, das scheinbar Unmögliches möglich macht, das uns Menschen, deren Wahrnehmung getrübt ist, besser verstehen lässt. Ein Buch, das Mut macht.

25.01.2021: Sprich mit mir [Werbung] von T.C. Boyle: Wer ist menschlicher? Der Mensch oder der Affe? Die Weltpremiere von T.C. Boyles neuem Roman. Sam, der Schimpanse, den Professor Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kind wächst er umsorgt von Wissenschaftlern auf. Als die schüchterne Aimee dazu stößt, entspinnt sich eine einzigartige Beziehung: Sam erwidert ihre Gefühle und entwickelt sich regelrecht zu einem Individuum. Als jedoch die Vision Schemerhorns, der an das Menschliche im Tier glaubt, keine Schule macht, wird er für Tierexperimente von einer anderen Universität beschlagnahmt. Aimee ist am Boden zerstört und fasst einen verrückten Plan. T.C. Boyle geht ebenso komisch wie mitfühlend der Frage nach, ob uns Tiere ähnlicher sind, als wir vermuten.

25.01.2021: Der Junge, der den Wind einfing [Werbung] von William Kamkwanba: William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Nur kurz kann er zur Schule gehen. Dennoch baut er mit 14 Jahren ein Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. So erfüllt sich der wissbegierige Junge trotz vieler Hindernisse einen Traum und verändert damit das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf. Diese wahre Geschichte ist die Vorlage für den erfolgreichen Netflix-Film. Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt und Mut macht.

27.01.2021: Leichenblume [Werbung] von Annette Mette Hancock: Die Kopenhagener Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan steckt in einer heiklen Jobkrise, als sie einen mysteriösen Brief erhält: von einer gesuchten Mörderin. Darin stehen Dinge über Heloise, die eigentlich niemand wissen kann. Beunruhigt beginnt Heloise, auf eigene Faust zu recherchieren. Die Absenderin ist seit einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Was will sie nun ausgerechnet von Heloise, und woher hat sie die Informationen über sie? Zur gleichen Zeit erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise Kaldan zu führen. Ist ihr Leben in Gefahr? Und können der Polizist und die Journalistin einander vertrauen? Der erste Fall der Erfolgs-Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Ausgezeichnet mit dem dänischen Krimi-Preis.

27.01.2021: Lesen und Genesen . Geschichten, die Mut machen [Werbung] – ausgewählt von Ursula Baumhauer: »Ein Gesunder ist kein Umgang für einen Kranken« (Robert Gernhardt). Gute Geschichten dagegen helfen immer. Dieser Band versammelt ein breites Spektrum: Geschichten, die heilsam, tröstlich, unterstützend sind. Texte, die nachdenklich stimmen. Und solche, die unterhalten und die Langeweile vertreiben. Geschichten für Körper und Geist, von Cees Noteboom, Dorris Dörrie, Robert Gernhardt, Bernhard Schlink, W. Somerset Maugham, Jeffrey Eugenides, Richard David Precht, Khalil Gibran, F. Scott Fitzgerald und vielen mehr.

Frisch auf dem Buchmarkt: Dezember 2020

Nachdem ich in den vergangenen Monaten kaum wusste, was ich aus dem reichhaltigen Angebot der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt auswählen sollte, um es euch vorzustellen, war es nun im Dezember ein wenig übersichtlicher. Ins Auge gefallen ist mir das eiskalte Spiel um Leben und Tod einer jungen Architektur-Studentin und eines schwerreichen Psychopathen, Hollebecq’s Ansichten zu gesellschaftlich Relevantem, die Unterhaltungen von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre, Annie Ernaux‘ Erinnerungen an ihren Vater, ein Pfarrer und seine ketzerische Leidenschaft Artefakte zu sammeln und die Fortsetzung des Thrillers rund um Cyrus Haven und Evie Cormac.

Aber schaut selbst:

01.12.2020: Der Bruder [Werbung] von John Katzenbach: Eine ahnungslose junge Frau, ein schwerreicher Psychopath – ein eiskaltes Spiel um Leben und Tod: Für die junge Architektur-Studentin Sloane Connolly ist es ein schwerer Schlag, als ihre exzentrische Mutter spurlos verschwindet. Sloane hat sonst niemanden, ist fast völlig isoliert aufgewachsen. Zur selben Zeit erhält sie über einen Anwalt ein merkwürdiges Angebot: Ein reicher Mäzen möchte, dass Sloane Denkmäler für sechs Personen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben, entwirft. Allerdings sind alle sechs bereits verstorben, und das nicht an Altersschwäche. Sloane nimmt den Auftrag an, um sich von der Sorge um ihre Mutter abzulenken – und ahnt nicht, auf was für ein perfides Spiel sie sich einlässt …

03.12.2020: Ein bisschen schlechter: Neue Interventionen [Werbung] von Michel Houellebecq: »Obwohl ich kein ›engagierter Künstler‹ sein möchte, habe ich in diesen Texten versucht, meine Leser von der Gültigkeit meiner Standpunkte zu überzeugen. Dabei geht es selten um Politik, ab und an um Literatur, meist um ›gesellschaftlich Relevantes‹. Eine weitere Ausgabe wird es nicht geben. Ich verspreche nicht unbedingt, mit dem Denken aufzuhören, aber zumindest damit aufzuhören, meine Gedanken und Meinungen der Öffentlichkeit mitzuteilen, es sei denn, es besteht eine ernsthafte moralische Dringlichkeit.«
Gemäß seiner Aussage äußert sich Houellebecq u. a. zum französischen Staat, zu Donald Trump, zur Corona-Pandemie und stellt, präzise und provokant wie immer, seine Haltung dazu dar. Neben intellektuellen Texten stehen aber auch so persönliche Gespräche wie das mit seinem Freund Fréderic Beigbeder, in denen die Person Michel Houellebecq sichtbar wird.

09.12.2020: Alle sind so ernst geworden [Werbung] von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre: Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre unterhalten sich über: Badehosen, Glitzer, Äähm, Hochzeiten, LSD, Teufel, Gott, Madonna, Arbeit, Ibiza, Kochen, Rechnungen, Siri, Fotos, Mundharmonika, Geldscheine, Verliebtheit, Wiedersehen.

14.12.2020: Der Platz [Werbung] von Annie Ernaux – jetzt als Taschenbuch: Ihr Vater stirbt, und Annie Ernaux nimmt das zum Anlass, sein Leben zu erzählen: Um die Jahrhundertwende geboren, musste er früh von der Schule abgehen, war zunächst Bauer, dann, bis zum Todesjahr 1967, Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens in der Normandie, die körperliche Arbeit ließ ihn hart werden gegen seine Familie. Das Leben des Vaters ist auch die Geschichte vom gesellschaftlichen Aufstieg der Eltern und der gleichzeitigen Angst, wieder in die Unterschicht abzurutschen, von der Gefahr, nicht zu bestehen. Dass seine Tochter eine höhere Schule besucht, macht ihn stolz, trotzdem entfernen sich beide voneinander.

14.12.2020: Der zweite Schlaf [Werbung] von Robert Harris – jetzt als Taschenbuch: England ist nach einer lange zurückliegenden Katastrophe in einem erbärmlichen Zustand. Der junge Priester Fairfax wird vom Bischof in ein Dorf entsandt, um dort die Beisetzung des mysteriös verstorbenen Pfarrers zu regeln. In der Umgebung finden sich besonders häufig jene verbotenen Artefakte aus vergangener Zeit – Münzen, Scherben, Plastikspielzeug –, die der Pfarrer akribisch gesammelt hat. Hat diese ketzerische Leidenschaft zu seinem Tod geführt? Robert Harris’ erster Roman »Vaterland« war ein Ereignis. Seine Berühmtheit wuchs mit historischen Politthrillern wie »Pompeji« und seiner groß angelegten Cicero-Trilogie (»Imperium«, »Titan«, »Dictator«). Ob nun Antike oder jüngere Neuzeit (»Intrige«, »Konklave«, »München«) – auch wenn in seinen Büchern faktenfeste und erfundene Historie sich mischen, so muss man den vordergründigen Mantel nicht weit lüpfen, und die hintergründige Aktualität scheint auf. Robert Harris schreibt letztlich immer über das Hier und Jetzt.

21.12.2020: Fürchte die Schatten [Werbung] – Cyrus Haven 2 – von Michael Robotham: Evie Cormacs Leben ist eine Lüge. Seit man sie aus den Fängen eines angeblichen Entführers rettete, verbirgt sie verzweifelt ihre wahre Identität und Geschichte. Denn wer immer die Wahrheit ahnte, musste sterben. Einer ist dennoch entschlossen, ihr zu helfen: Cyrus Haven, Psychologe, polizeilicher Berater und Evies engster Freund. Als er bei Ermittlungen zum Mord an einem Detective auf Hinweise zu ihrer Vergangenheit stößt, will er endlich Licht ins Dunkel bringen. Was er nicht ahnt ist, dass ausgerechnet er damit Evies Todfeinden einen entscheidenden Hinweis liefert. Und die Jagd auf sie beginnt von neuem.

Welche Neuerscheinungen interessieren euch im Dezember besonders?

erLESENer September 2020

Im Lesemonat September verschanzte ich mich vor dem Virus, holte mir die Welt auf den Teller und ernährte ich mich vorbildlich, hasste den Englischlehrer und ließ mich gänzlich von dem schönen Schein der Literatur einlullen.

Bücherwelten – manchmal steckt mehr dahinter, als es auf den ersten Blick scheint.

Wuhan Diary . Tagebuch aus einer gesperrten Stadt von Fang Fang: Eine andere Sichtweise und ein anderes Erleben im Umgang mit dem Virus – in dem Land, wo alles anfing. Fang Fang gibt ihrer Wut und Trauer Raum in ihren Beiträgen.

Der Ernährungskompass von Bas Kast: Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russel: Die Geschichte eines Missbrauchs einer 15jährigen von ihrem 30 Jahre älteren Lehrer. Keine leichte Kost, aber lesenswert.

Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze: Das Wie diese Geschichte erzählt wird und sich dem Leser erschließt, ist beeindruckender, als die erzählte Geschichte selbst. Dennoch war dies eine besondere Lese-, beziehungsweise Hörerfahrung für mich.

Die Welt auf dem Teller . Inspirationen aus der Küche von Doris Dörrie: Das Buch schafft oft eine Wohlfühlatmosphäre aufgrund der schönen Erinnerungen, in die es einen versetzt, aber manches hätte ich gern ausführlicher gelesen.

Gebrauchsanweisung für das Leben – Andreas Altmann

„Was behüten Menschen mit mehr Macht, und was vernichten sie mit gleicher Vehemenz? Das LEBEN, klar. Versprochen, auch dieses Buch wird das Mysterium nicht lösen. Denn ich habe – wie jeder von uns – keine Ahnung, woher unser Leben kommt und wohin es, nachdem es aufhört, verschwindet. […] Der Autor verteilt keine Ratschläge, denn er weiß keine. Er weiß jedoch ein paar Geschichten, und die erzählt er.“ (S. 10/11)

Das beruhigt mich um ehrlich zu sein, denn aufmerksam wurde ich auf Andreas Altmann durch den Podcast WELTWACH, wo er mich durch seine Erzählungen über Reiseerlebnisse zu begeistern wusste. Und als ich im vergangenen Jahr eine Gebrauchtbücherbestellung aufgab, entdeckte ich unter anderem seine „Gebrauchsanweisung für das Leben“ und bestellte das Buch einfach auf gut Glück mit. Dieser Buchtitel ist natürlich hoch gegriffen und weckt pauschal Erwartungen, die unmöglich zu erfüllen sind. Gut dass damit gleich im Vorwort (siehe oben) aufgeräumt wird, aber dennoch fragte ich mich bis zum Schluss, wer sich diesen unsinnigen Buchtitel wohl ausgedacht hat.

01_Gebrauchsanweisung für das Leben

Gefallen haben mir die in Altmanns Ausführungen eingewobenen Geschichten zu den vielen unterschiedlichen großen Themen des Lebens, wie Kindheit, Gier, Abenteuer, die Anderen, Angst, Eros, Religion, Schmerz, Heimat, Frauen, Einsamkeit, Arbeit, Sprache, Tod, Liebe und Mut. Ich mag Andreas Altmann zuhören, wenn er von seinen Reiseabenteuern erzählt und es gefällt mir auch, darüber zu lesen, wie ich nun nach diesem – meinem ersten – Buch von diesem Autor weiß.

Aber bei einem so subjektivem Thema wie das Leben, fließt natürlich auch vieles aus dem Erfahrungsschatz und Gedankengut des Autors ein. Und ebenso zwiespältig wie das Leben selbst sein kann, ist auch das, was Altmann darüber zu schreiben weiß. Bei vielem konnte ich ihm beipflichten und kam auch mit seiner Ausdrucksweise zurecht.

„Die Flucht in ein bewegtes Leben, in dem man keine Zeit mehr hätte, sich von anderen seine Zeit stehlen zu lassen, so ein Leben wäre nicht teuer und verlangte keine haushohen Investitionen. Doch Eintrittspreise werden gefordert wie: Hintern heben, eine Ration Schneid mitbringen, Alleinsein durchstehen, Sich-Verlaufen riskieren, Sich-Blamieren verkraften, Bauchlandungen als Wegweiser erkennen, um Hilfe bitten können, ‚Es tut mir leid‘ sich sagen trauen, Fehler zugeben, neue Fehler – klügere – unternehmen, ‚Ich weiß es nicht‘ beichten, kein verzitterter Hampelmann sein wollen, sich nicht um die Hysterien des großen Haufens scheren und niemals aus den Augen verlieren, wie wertvoll (auch) das eigene Leben ist. Das nie wiederkommt.“ (S. 229)

Aber es gibt in seinem Leben auch Zeiten, in denen ihm übel mitgespielt wurde und es erscheint mir nur legitim, dass man ihm seine Wut und seinen Hass beim Schreiben darüber auch deutlich anmerkt. Ebenfalls aus seiner Feder stammen die Bücher: „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (2011) und „Dies beschissen schöne Leben. Geschichten eines Davongekommenen.“ (2013). Sicherlich werden in den Büchern dringende und drängende Themen des Autors behandelt, aber für mich war es letztlich doch zu viel und ich wollte darüber in der „Gebrauchsanweisung für das Leben“ nicht immer wieder lesen. Es erweckt den Eindruck, als habe der Autor dringend Bedarf schwere bislang unbearbeitete Kinheitstraumata aufarbeiten zu müssen. Auch gefallen mir die negativen Pauschalurteile nicht, die Altmann in diesem Buch fällt – es erinnert ein wenig an Stammtisch-Nörgeleien, auf die ich so liebend gern verzichte. Problematisch finde ich in diesem Zusammenhang auch, wenn der Autor die „Wir“-Form benutzt und mir versucht einen Schuh anzuziehen, der mir einfach nicht passt. Und so ist es mit diesem Buch, wie mit wohl vielem im Leben – mal ist es gut und mal nicht.

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Andreas Altmann
Gebrauchsanweisung für das Leben
Flexcover mit Klappen, 240 Seiten
EAN: 978-3-492-27686-3
€ 15,00 [D]
Verlag: Piper
Erschienen: 01. März 2017

erLESENer Mai

Im Mai begrüßte mich Desfred mit „Gesegnet sei die Frucht!“, erlebte ich die manisch-depressive Entwicklung von Myrthe, lernte die Autorin Margaret Atwood etwas besser kennen und wurde von Frank Schätzings neuem Roman enttäuscht.

Bücherwelten – manchmal einfach großartig und manchmal nur übelstes Popcorn-Kino.

00_erLESENer_05

Der Report der Magd von Margaret Atwood
highlight_des_monatsjpgEs handelt sich bei diesem Buch zwar um Fiktion, aber es scheint so unfassbar einfach zu sein, Frauen schnell und effektiv sämtlicher Rechte zu berauben, um sie in die gewünschten Bahnen zu lenken. Berührend, skurril und gleichzeitig sehr erschreckend. Für mich ein Lesehighlight!

Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer
Als manisch-depressiv erkrankter Mensch kann man sich in manchem wiedererkennen und fühlt sich an die durchwachsenen, vor allem aber auch an die positiven Aspekte der Klinikzeit zurückerinnert. Wer sich in diese Thematik hineinlesen möchte, dem sei dieses Buch, das einen ein ums andere Mal schmunzeln lässt, unbedingt empfohlen!

Aus Neugier und Leidenschaft von Margaret Atwood 
So sehr mich manches in diesem Buch zu begeistern wusste, muss ich doch gestehen, dass mich auch einiges langweilte, was allerdings bei der Vielfalt der unterschiedlichen Texte nicht ungewöhnlich ist.  Aber ich bin mir dennoch fast sicher, dass Margaret-Atwood-Fans dieses Buch gefallen könnte.

Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing 
Obwohl ich das Thema „Künstliche Intelligenz“ sehr interessant fand, war der große Rest dieses Hörbuchs für mich insgesamt eine große Enttäuschung, was allerdings nicht an dem Sprecher lag, der vermutlich dafür sorgte, dass ich doch noch bis zum Schluss drangeblieben bin und das Hörbuch nicht vorzeitig abbrach.

Aus Neugier und Leidenschaft – Margaret Atwood

Kurz nachdem Margaret Atwood 2017 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde, machte mich ihr Buch „Aus Neugier und Leidenschaft“ neugierig. Sie selbst sagt über diese Sammlung von 47 ihrer interessantesten Essays und Artikel aus ihrem knapp 50-jährigen literarischen Schaffen:

»Immer wenn ich gerade beschlossen habe, weniger zu schreiben und stattdessen etwas für meine Gesundheit zu tun – vielleicht Eistanz oder so –, ruft mich garantiert irgendein glattzüngiger Verleger an und macht mir ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen kann. In gewisser Weise ist dieses Buch also schlicht das Ergebnis meiner unterentwickelten Fähigkeit, nein zu sagen.«

16_Aus Neugier und LeidenschaftZu dem Zeitpunkt war mir der Name der Autorin zwar geläufig, aber gelesen hatte ich noch keines ihrer Werke. Das sollte sich in den nachfolgenden Monaten ändern, in denen ich immer mal wieder zwischendurch dieses Buch zur Hand nahm und die chronologisch geordneten Essays, Rezensionen, Vorworte, Nachworte, Einführungen, Reden, Vorlesungen und Nachrufe las. Dabei erfährt man so einiges über bodenständige Schriftstellerin, über ihr Schreiben, über kanadische Lebensverhältnisse, die kanadische Literatur, über Feminismus und Frauenfragen. Die Selbstironie Margaret Atwoods lässt einen gelegentlich schmunzeln und es ist interessant ihren Gedankengängen zu folgen.

Da ich mir in der Zeit, als ich dieses Buch las, die Serie „Alias Grace“ ansah, die nach der Romanvorlage von Margaret Atwood produziert wurde, war es für mich bereichernd über die Entstehung des Buches zu lesen. Außerdem machten mich ihre Essays über Dystopien und speziell die Entwicklung zu „Der Report der Magd“ so neugierig, dass ich dieses Buch, das für mich zu einem echten Highlight wurde, sofort lesen musste. Es wurde ebenfalls verfilmt und ist als Serie „The Handmaids Tale“ erschienen, die mich derzeit zu unterhalten und beeindrucken weiß. Zudem konnten einige von der Autorin erwähnte oder rezensierte Bücher mein Interesse wecken, so dass ich sie gleich auf meine Bücherwunschliste setzte. „Aus Neugier und Leidenschaft“ blieb bei mir also nicht ohne Nebenwirkungen.

So sehr mich manches in diesem Buch zu begeistern wusste, muss ich doch gestehen, dass mich auch einiges langweilte, was allerdings bei der Vielfalt der unterschiedlichen Texte nicht verwunderlich ist und auch daran liegen mag, dass ich mit meinen Literatur- und Kanadakenntnissen nicht mit der Autorin auf Augenhöhe bin. Ich hatte gelegentlich den Eindruck von meinen Bildungslücken erschlagen zu werden, aber ich bin mir dennoch fast sicher, dass Margaret-Atwood-Fans dieses Buch gefallen könnte. Für mich wird es jedenfalls nicht das letzte Buch sein, das ich von dieser Autorin gelesen habe.

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Margaret Atwood
Aus Neugier und Leidenschaft – Gesammelte Essays
Original: Curious Pursuits, Virago Press London, 2005
Übersetzung: C. Buchner, C. Max, I. Pfitzner
480 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8270-0666-0
D: 28,00 €
Verlag: Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH
Erschienen: 13.10.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Jugend ohne Gott – Ödön von Horváth

Unmittelbar nach seinem ersten Erscheinen 1937 wurde Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ in mehrere Sprachen übersetzt und machte den österreichisch-ungarischen Schriftsteller international bekannt. Im selben Jahr wurde sie von Thomas Mann empfohlen, und Hermann Hesse schrieb über die Erzählung : »Sie ist großartig.« Es geht in ihr, so Alfred Döblin, um »eine Schule, eine mehr oder weniger verrohte Jugend, an ihr ein Lehrer, der ein Gewissen hat, sich verleugnen muß und schließlich nicht mehr kann«. Und Klaus Mann erblickte in „Jugend ohne Gott“ »alle geheimnisvollen Eigenschaften und Reize der wirklichen Dichtung«.

Und ich meine dazu: Es handelt sich hierbei um ein Werk, das mir sprachlich gut gefallen hat, mich zum nachdenken anregen konnte und mich kurzzeitig aus meiner Leseflaute herausbefördert hat. Mit nur 148 Seiten leider ein wenig kurz – ich hätte gern mehr gelesen, was allerdings für das Buch spricht.

50_Jugend ohne Gott

Durch die Erzählung führt ein namenloser Geschichtslehrer in der Ich-Form und lässt den Leser an der Verrohung der Jugend durch die Verbreitung der NS-Ideologien und Vorbereitung auf den Krieg teilhaben. Der humanistisch geprägte Pädagoge kann mit den Weltanschauungen nichts anfangen und eckt an. Als er mit seinen Schülern in ein Zeltlager fährt, wo diese für das Militär vorbereitet werden sollen, überschlagen sich die Ereignisse und bringen den Lehrer in einen Gewissenskonflikt.

Auf kurzweilige nachdenklich stimmende Weise erfährt man von der von der NS-Ideologie abweichenden Denkweise des Lehrers, der zugleich einen Gegensatz zu der verrohenden Jugend darstellt. Auch wenn es zunächst nicht so erscheint, ringt er mit sich und steht schließlich doch für seine Werte ein.

„Wer mit Verbrechern und Narren zu tun hat, muss verbrecherisch und närrisch handeln, sonst hört er auf. Mit Haut und Haar. Er muss sein Heim beflaggen, auch wenn er kein Heim mehr hat. Wenn kein Charakter mehr geduldet wird, sondern nur der Gehorsam, geht die Wahrheit, und die Lüge kommt. Die Lüge, die Mutter aller Sünden. Fahnen heraus! Lieber Brot, als tot! – So dachte ich, als mir plötzlich einfiel: was denkst du da?“ (S. 105)

„Jugend ohne Gott“ ist eine spannende Kriminalgeschichte, die ich in einem Rutsch gelesen habe und die am Beispiel eines Lehrer-Schüler-Konflikts den Menschen im faschistischen Staat schildert – eine brisante Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen und sadistischen Machtgelüsten.

So weit das Buch. Seit dem 31.08.2017 läuft eine dystopisch angehauchte Verfilmung im Kino:



Ödön von Horváth
Jugend ohne Gott [Werbung]
Taschenbuch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-518-46019-1
€ (D) 5.00 / sFr 7.90* / € (A) 5.20 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 18.08.2008