erLESENer April 2021

Im Lesemonat April spielte ich durch, wie mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte; las und hörte mich mit Pink Floyd zu mehr, als nur die dunkle Seite des Mondes; durchlebte mit der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen ihre Kindheit und Jugend bis hin zu ihrer vielschichtigen Abhängigkeit als Erwachsene; reiste mit Christopher Many acht Jahre mit dem Land Rover durch die Welt und war enttäuscht von meinem zunehmenden Desinteresse Dave gegenüber.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Verzauberung und Entzauberung.

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig: Eine tolle Romanidee, die jedoch oberflächlich und schlecht umgesetzt wurde. Immerhin gut als Hörbuch mit Annette Frier vertont.

Pink Floyd – Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin: Ein echtes Highlight, nicht zuletzt weil ich mir zu dem Geschriebenen immer auch gleich die Songs meiner Lieblingsband angehört habe. Ein Genuss!

Die Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen: Kindheit, Jugend und Abhängigkeit waren für mich unterschiedlich gut, aber nichtsdestotrotz echte Highlights. Von der Autorin möchte ich gern mehr lesen.

Hinter dem Horizont Links von Christopher Many: 8 Jahre mit dem Land Rover um die Welt erzählt mir zu viel Kritisches über Meinung und Ansichten des Weltreisenden und es kommt zu wenig vom Reiz und Besonderheiten der Reise heraus. Die Jahre spätere vierjährige Reise mit dem Motorrad „Hinter dem Horizont Rechts“ gefällt mir bei weitem besser.

Dave von Raphaela Edelbauer: Weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Handlung konnten mich dazu bewegen mich bis zum Schluss durch die unverhältnismäßig gestelzte und überkomplizierte Sprache zu quälen. Das Buch war für mich ein Fehlgriff.

Hinter dem Horizont links – Christopher Many

„Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt. 200.000 Kilometer – 3000 Tage Zeit: Das sind 66,66 km im Tagesdurchschnitt. Mehr wäre mit einem 30 Jahre alten Land Rover auch illusorisch.“ verraten bereits Buchcover und -rückseite. Mehr brauche ich nicht zu wissen, um mich auf dieses Buch zu freuen und mit Christopher Many, dem ich lesend bereits mit „Hinter dem Horizont rechts“ bei seiner vierjährigen Tour mit dem Motorrad von Deutschland nach Australien gefolgt bin, erneut auf die Reise zu gehen. Seinen Schreibstil fand ich damals erfrischend und natürlich, ja sogar stimmungsaufhellend. Eine schöne Nebenwirkung und der Grund dafür, dass ich gern Bücher lese, in denen abenteuerlustige Weltreisende über ihre Erlebnisse und Eindrücke schreiben.

So etwas erhoffte ich mir auch von diesem Buch, bekam jedoch etwas ganz Anderes. Auch wenn die Vorbemerkungen des Verfassers schon ein wenig auf das vorbereiten, was einen beim Lesen erwartet:

„Sollte der Leser politische Korrektheit der beobachteten Realität vorziehen, so wird er vielleicht einige Kapitel verstörend finden. Ich nenne die Dinge beim Namen und lasse Dummheit und Ignoranz aufscheinen, wo sie Erwähnung verdienen. So kommen einige Länder und Kulturen, die eigene eingeschlossen, im Folgenden nicht immer gut weg, natürlich ohne damit etwas über einzelne Menschen auszusagen. Es kann sein, dass Ihre Meinung eine andere ist. Die Erfahrungen aus erster Hand, auf die sie sich stützt, stehen aber gleichberechtigt neben den meinen. Es ist nicht wichtig, wer recht hat oder unrecht, wichtig ist, dass wir unsere persönlich erfahrenen Wahrheiten aussprechen. Sich hinter politischer Korrektheit, patriotischen Dogmen, religiösen Überzeugungen und gesellschaftlichen Konventionen zu verstecken, trübt den Blick des Reisenden und führt letztlich nirgendwohin.“ (S. 8)

Ich bin gewillt mich darauf einzulassen und gespannt auf das, was da wohl kommen mag. Es geht zurück ins Jahr 2002, wo Christopher Many mitten in den schottischen Highlands den zerbeulten vernachlässigten Land Rover (Baujahr 1975) für 700 Pfund kauft, umbaut und sich schon kurze Zeit später auf den Weg macht. Zunächst geht es zur Familie nach Deutschland, weiter nach Österreich um Rob als Mitreisenden mitzunehmen und dann weiter, wohin die Straße führt.

Seine Reiseroute klingt nach Einsamkeit, Freiheit und großem Abenteuer: Deutschland, Russland, Mongolei, USA, Kanada und dann ganz hinunter bis nach Patagonien, rüber nach Südafrika und dann rauf bis zum Sinai, Jordanien, Syrien, Türkei und zurück nach Deutschland. Oft ist er allein unterwegs, doch ab und zu trifft er temporäre Begleiter und Begleiterinnen – eine davon wird zur großen Liebe und Weggefährtin. Manche Länder sind durch den Terror erschüttert, während in anderen noch die Welt halbwegs in Ordnung zu sein scheint. Es geht durch wechselnde Landschaften, beachtliche Temperaturunterschiede und gelegentlich muss der Land Rover, der den Namen Matilda bekommen hat, verschifft werden, damit es weiter gehen kann. Auf 4 Schwarz-Weiß-Karten sind die groben Teilabschnitte übersichtlich eingezeichnet. Außerdem gibt es zwei Bildteile mit insgesamt 39 Farbbildern, die den Text ansprechend ergänzen und veranschaulichen.

Gern hätte ich ein wenig mehr von dem gelesen, was Christopher Many auf dieser Reise erlebt hat. Von Begegnungen, Erfahrungen, Erlebnissen. Mehr von dem Schönen, dem Ungewöhnlichen, aber auch von dem, was er in diesem Absatz zusammenfasst:

„Ich habe inzwischen gelernt, dass die Strapazen von ganz allein kommen und dass ich sie nicht aktiv suchen muss. Das von Läusen wimmelnde Bett, der Delhi-Durchfall, Malaria, Hunger, Durst, Hitze, sibirische Kälte, Milliarden lästiger Einheimischer, Gestank, Verkehrsunfälle, gewehrfuchtelnde Soldaten, die mit Kalaschnikows auf einen zielen, Korruption, bürokratische Albträume an den Grenzen, Diebstahl, Verletzungen, kartenverschlingende Geldautomaten, Stumpfsinn, Inkompetenz, Unfreundlichkeit, Krieg, Minenfelder, Massaker bei Wahlen, Nächte auf Müllhalden, Autopannen in abgelegenen Wüsten, Verlust der Lieben, kanadische Moskitos, Schlangenbisse, Krankheiten, Verzögerungen, Depressionen, Einsamkeit, Heimweh usw. usw.“ (S. 246)

Doch er bleibt hierbei oft oberflächlich, wirft einem eher Stichworte vor die Füße und hakt Stationen in knappen Absätzen ab. Stattdessen geht er in die Tiefe, wenn es ums Kritisieren und Philosophieren geht. Kaum etwas hält seiner näheren Betrachtung stand, kaum ein Ort, an dem es nichts anzuprangern gibt. Für mich war das insgesamt zu viel Kritik, wenngleich sie auch berechtigt sein mag. Vieles ist ja auch aus den Medien bekannt. Wenn man selbst vor Ort mit manchen Gegebenheiten konfrontiert wird, ist das selbstverständlich etwas völlig Anderes, als wenn man dem nur zwischen den Buchdeckeln begegnet. Doch so um die Welt zu reisen, fand ich beim Lesen eher anstrengend. Hier hätte ich mir etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht.

Rückblickend verstehe ich inzwischen auch, was mit dem Hinweis in den Vorbemerkungen gemeint ist. Denn inzwischen ist unsere Sprache und Ausdrucksweise durch unterschiedliche politische Einflüsse und gesellschaftliche Strömungen nicht nur weichgespült, sondern man muss sich auch gut überlegen, wie man sich zu gewissen Themen äußert und welche Begriffe man verwendet, wenn man nicht in unerwünschte politische Schubladen gesteckt werden möchte. Christopher Many ist diesbezüglich schmerzfrei. Erfrischend schmerzfrei, wenn man ihm in manchen Punkten beipflichten kann, manchmal aber auch erschreckend schmerzfrei, wenn er mit manchen Äußerungen polarisiert. Das muss man vertragen können, sonst wird man an diesem Buch keine Freude haben. Dann aber wird die Reise mit Christopher Many zwar zu einer gelegentlich etwas unbequemen, aber nichtsdestotrotz zu einer Reise, die einige Denkanstöße mit sich bringt.

Derzeit ist Christopher Many mit seinem gelben Matilda Nachfolger in Kroatien unterwegs. Wer mag kann den inzwischen 51jährigen über Facebook dabei gelegentlich begleiten.

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Christopher Many
Hinter dem Horizont links
Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt
Klappenbroschur, 312 Seiten
ISBN: 978-3-7688-3348-6
Preis: 18,90 € [D]
Verlag: Delius Klasing
Erschienen: 04.07.2011

erLESENer März 2021

Im Lesemonat März lernte ich die norwegische Wanderlust kennen, ließ mich durch Wunderbares verzaubern, nahm eine Einladung zum Schreiben an, dachte über Lebensweisheiten nach und lernte einen homosexuellen und unter Schizophrenie leidenden Schriftsteller kennen.

Bücherwelten – jenseits und diesseits von Fantasie und Wirklichkeit.

Frei. Luft. Hölle. von Are Kalvø: Ein amüsanter Ausflug des Comedian nicht nur ins norwegische Outdoor-Leben. Stimmungsaufhellend und trotzdem Wanderlustfördernd.

Du kannst Wunder vollbringen von Jan Becker: Ein überraschend bodenständiger, empathischer und wissbegieriger Autor, der den gesunden Menschenverstand zu nutzen weiß und neben wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, aber auch dem (noch) Unerklärbaren Raum gibt. Dass dennoch mit ein wenig Hokuspokus gewürzt wird, muss man vertragen können.

Einladung zum Schreiben von Doris Dörrie: Ein hübsches Notizbuch mit ansprechenden Schreibinspirationen in der Art, wie man sie bereits aus ihrem Buch „Leben, schreiben, atmen“ kennt. Ein tolles Arbeitsbuch zum Weiterschreiben.

Eine leise Ahnung von etwas Neuem vom Markus Mirwald: Der vierte Band mit Aphorismen aus seiner Reihe „Wesentliches in wenigen Worten“. Trifft genau meinen Nerv.

Die Germanistin von Patricia Duncker: Ein Roman rund um einen französischen Romancier und politischen Quergeist, der sich als homosexueller und unter Schizophrenie leidender Schriftsteller herausstellt, der Verbindungen zu Michel Foucault hat. Auf seine Art ein besonderes Buch, aber vermutlich doch eher etwas für Kenner der Philosophie Foucaults.

Frei. Luft. Hölle – Are Kalvø

Untertitelt ist dieses Buch mit „Mein Selbstversuch, den Outdoor-Wahnsinn lieben zu lernen“ und genau das interessierte mich auch daran, abgesehen davon, dass ich Lust darauf hatte, meine BUCHweltreise nach Norwegen führen zu lassen. Mein Herzbube braucht nicht viel Überredungskunst, um mich immer öfter aus den geliebten vier Wänden in die Natur heraus zu zerren. Dabei mag ich ausgedehnte Spaziergänge, stehe aber so manchem, das ich hier pauschal unter dem Oberbegriff „Outdoor-Trend“ zusammenfassen möchte, punktuell doch ein wenig skeptisch gegenüber. Dementsprechend war ich neugierig zu erfahren, was der norwegische Comedian Are Kalvø unter Outdoor-Wahnsinn versteht.

Dieser geht in die Natur, zu Fuß, auf Skiern und im Auto um seine Freunde und seine Freude in der norwegischen Natur zu finden. Denn ihm kommt es so vor als habe er etwas verpasst, weil die Freunde des 1969 geborenen Autors inzwischen lieber in die Berge zum Wandern gehen, Bilder von Skispuren posten, Kleidung mit zu vielen Taschen tragen und humorfreie Sätze wie „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ sagen, anstatt mit ihm in den Pub zu gehen und Unsinn zu reden. Sein erster Versuch mehr über diese ihm unbekannte Welt zu erfahren, führt ihn gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die er fortan nur noch als Dokubeauftragte bezeichnet und die über einen ähnlich trockenen Humor wie er selbst verfügt, nach Jotunheimen – um bekehrt zu werden.

„Der amerikanische Schriftsteller John Irving schreibt in einem seiner etwas zu langen Romane über das unheimlichste Geräusch, das es gibt: das Geräusch von jemandem, der versucht, kein Geräusch zu machen. Genau das macht die Natur ständig. Es ist völlig still hier, aber gleichzeitig hörst du ständig winzig kleine Geräusche. Die vielleicht keine Geräusche sind. Es kann sich um Einbildung handeln. Aber es können auch Regentropfen sein. Oder ein Ast im Wind. Oder ein Verrückter mit Universalschlüssel.“

(S. 94/95)

Erfrischend schreibt er und nicht nur die Dialoge lassen einen schmunzeln. Die Erfahrungen der beiden während der Vorbereitungszeit und der siebentägigen Tour sind humorvoll, aber mit viel Biss geschildert. Hier werden natürlich Wanderbegeisterte auf die Schippe genommen, aber zugleich auch Fakten eingestreut, so dass man einiges über die norwegische Wanderbewegung erfährt. Außerdem werden fein beobachtete Stimmungen und Menschen beschrieben, die man gleich bildlich vor Augen hat. Da der Autor auch nachdenkliche Gedankengänge pflegt, verkommt dieses Buch trotz teilweise überspitzter Darstellungen glücklicherweise nicht zu einer Lachnummer.

„Es ist heutzutage leichter denn je, sich nach dem Ursprünglichen zu sehnen. Denn es ist leichter, das bäuerliche Leben zu romantisieren, wenn du nicht Bauer sein musst. Es ist leichter, das kalte, aber gemütliche und sozialdemokratische Skandinavien cool zu finden, wenn du nicht hier leben musst. Und es ist leichter, der Sehnsucht nach der Natur zu frönen, wenn du dich nicht im täglichen Leben zu ihr verhalten musst.“

(S. 140)

Fünf Monate nach der ersten Tour geht es dann mit einem befreundeten Pärchen zur Hardangervidda – um Leute zu treffen. Im Gegensatz zur ersten Tour wird nun persönlichen Präferenzen ein höherer Stellenwert eingeräumt, so dass sich die Wanderung, dieses Mal auf Ski durch den Schnee, erheblich von der ersten unterscheidet. Ich werde nicht verraten, ob der Autor seine Leidenschaft für die Natur entdeckt, aber auch diese Tour ist amüsant und locker beschrieben.

Gelegentlich fällt mir der Autor allerdings auch ein wenig auf die Nerven, wenn er das sprichwörtliche Haar in der Suppe sucht, während ich mich beim Lesen bei denen einreihen mag, die das Wandern in der norwegischen Natur genießen mögen und versuchen aus allem das Beste zu machen. Aber bei dieser Herangehensweise hätte das Lesen dieses Buches vermutlich auch nur halb so viel Spaß gemacht und die Vehemenz, mit der Menschen sich überall auf der Welt in ihre Hobbys stürzen und von unterschiedlichsten Motiven leiten lassen können, wäre nur halb so komisch gewesen. Mir macht dieser humorvolle Miesmacher tatsächlich Lust darauf, seinen Spuren zu folgen und selbst Wandererfahrungen in Norwegen zu sammeln. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob das nicht vielleicht meinem fortschreitenden Corona-Wahnsinn geschuldet ist 😉

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Are Kalvø
Frei. Luft. Hölle. – Mein Selbstversuch, den Outdoor-Wahnsinn lieben zu lernen
Klappenbroschur, 360 Seiten
ISBN: 978-3770166893
Preis: 14,95 € [D]
Verlag: Dumont Reiseverlag
Erschienen: 31.08.2019

Frisch auf dem Buchmarkt: Januar 2021

Eigenartig fühlte sich dieses Mal mein Bummel durch die Verlagsvorschauen des Frühjahrs an. Für viele Themen und Geschichten bin ich derzeit einfach nicht offen. Wenn ich die Worte Dystopie, Pandemie oder Virus lese, bin ich sofort raus. Von Politik habe ich die Nase voll, allzu Kritisches will ich gerade nicht auch noch hinterfragen müssen und selbst Blutrünstiges kann mich derzeit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber allzu Fantasievolles und die lustige heile Herzschmerwelt sowie Trümmerbeziehungen reizen mich halt auch nicht und so blätterte ich mich dieses Mal nörgelig und mäkelig durch die virtuellen Bücherwelten. Ein eigenartiges Gefühl für jemanden, der sich sonst kaum zu bremsen weiß und immer über alle Maßen fündig wird. Nicht, dass ich nicht sowieso schon eine Bücherwunschliste hätte, die aus allen Nähten platzt…

Im nachhinein konnte ich kaum glauben, dass ich doch noch einige (12!) ansprechende Neuerscheinungen für den Januar entdeckt habe. Dabei geht es um den heiligen Fettstoffwechsel, um Reisegeschichten, einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie, eine Fotojournalistin, die von den gefährlichsten Orten unserer Welt berichtet, um mystisches Wissen, eine künstliche Intelligenz mit dem Namen Dave, den Arabischen Frühling, um die Folgen einer Hirnblutung, um einen Affen, der nicht nur einen Cheeseburger bestellen kann, einen 14jährigen Jungen, der in Malawi ein Windrad baut, einen mysteriösen Brief, in dem Dinge stehen, die eigentlich niemand über Heloise wissen kann und Geschichten, die heilsam, tröstlich und unterstützend sein können.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

04.01.2021: Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels [Werbung] von Marion Kiechle und Julie Gorkow: Ernährung ist der Schlüssel für einen gesunden Fettstoffwechsel. Je nach Lebensphase spielen die Hormone einen großen Einfluss. Die richtigen Lebensmittel können in all diesen Lebensphasen den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu kommen im Laufe des Lebens stoffwechsel-induzierte Erkrankungen, die mit der richtigen Ernährung ebenfalls behandelt werden können. Die Frauenärztin Dr. Marion Kiechle kennt aus der Praxis und aus ihrer Uni-Tätigkeit all diese Phasen und Erkrankungen genau, die Journalistin Julie Gorkow erklärt die Zusammenhänge verständlich. Damit dieses Wissen über den Fettstoffwechsel sofort anwendbar wird, ergänzt ein ausführlicher Rezept-Teil den Ratgeber.

11.01.2021: The Travel Episodes: Von Abenteuern in der Ferne und vor der Haustür [Werbung] von Johannes Klaus: Ein Glück, dass gute Reisegeschichten niemals langweilig werden! Denn auch im fünften Band der erfolgreichen Reihe „The Travel Episodes“ werden gemeinsam mit Johannes Klaus die spannendsten, aufregendsten und mitreißendsten Storys aus allen Ecken der Welt gekürt. Sie entführen uns in den afrikanischen Busch, in die eisige Wildnis Grönlands und die rote Weite Australiens. Sie erzählen von einem Segelabenteuer im südlichen Ozean, beschreiben das große Nichts in Kasachstan und zeigen, wie eine neue Generation in Bangladesch das Reisen für sich entdeckt. Das Buch für Fernsüchtige!

14.01.2021: Der Mann im roten Rock [Werbung] von Julian Barnes: Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

18.01.2021: Menschlichkeit in Zeiten der Angst [Werbung] von Julia Leeb: Die Fotojournalistin Julia Leeb berichtet von den gefährlichsten Orten unserer Welt. Hautnah erfährt sie, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, sei es bei den Kämpfen der Nubier im Sudan, bei den Warlords im Kongo, im Krieg in Libyen, während der Revolution in Ägypten oder in der abgeschotteten Diktatur in Nordkorea. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr: Als sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommt, soll sie kaltblütig umgebracht werden. Ein anderes Mal wird sie verschleppt, um sie als Zeugin zum Schweigen zu bringen. Dennoch schildert sie in ihren Reportagen über die Vergessenen unserer Welt auch immer wieder Begegnungen voller Schönheit und Hoffnung. Es sind vor allem Frauen, die durch ihren Mut und ihre Zuversicht den Weg aus Gewalt und Unterdrückung zu Frieden und wahrer Menschlichkeit weisen.

19.01.2021: The Mystical Year: Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche [Werbung] von Allison Davies: Dieses liebevoll gestaltete Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich ein wenig Magie in ihrem Leben wünschen. Jeder Monat und jede Jahreszeit bergen ihr eigenes Potenzial, das es zu entdecken gilt. Wir lernen besondere Ereignisse, überlieferte Weisheiten, heidnische Sagen und traditionelle Feste kennen und erfahren von magischen Eigenschaften bestimmter Kräuter, Tiere, Steine oder Tarotkarten – und von vielem mehr. Jährlich wiederkehrende Sternenkonstellationen spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss des Mondes. Themenseiten, Tipps und Übungen runden diesen Leitfaden für alle mit einer mystischen Ader ab. Von der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner bis zu den Geschichten der Griechischen Sagenwelt, heidnischer Erzählungen und römischer Traditionen existiert ein Reichtum an Wissen aus vielen Kulturen. Feiern Sie den Frühling und Sommer als Zeit der Erneuerung mit Flora, der römischen Göttin der Blumen, begehen Sie an Litha, einem der solaren Feste des Wicca-Glaubens, die Sommersonnenwende, und wenn die Nächte länger werden, helfen selbst gemachte, duftende Kräutergirlanden, böse Geister abzuwenden. Für jeden Monat finden sich in diesem Buch der jeweilige Vollmondname oder Wicca-Jahreskreis sowie eine Zusammenstellung mystischer Traditionen, die den Wechsel der Natur feiern. Mystisches Wissen für alle, die durch eine Rückbesinnung auf überlieferte Weisheiten über den Zyklus der Jahreszeiten neue Kräfte aktivieren und sich mehr mit der Natur verbinden möchten!

23.01.2021: Dave [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

25.01.2021: Die Republik der Träumer [Werbung] von Alaa al-Aswani: Hoffnung, Aufbegehren, Scheinheiligkeit und Unterdrückung – Der große Roman über die ägyptische Revolution zum 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings. Kairo, 25. Januar 2011, 25.000 Menschen demonstrieren gegen Mubarak. Sie träumen von der großen Veränderung, doch während in der euphorischen Menge Liebesbeziehungen aufblühen, wird der Bürgerrechtler Khaled vor den Augen aller ermordet. Seine Freundin Dania will ihren Widerstand nicht aufgeben – und sei es gegen den eigenen Vater, den bigotten Geheimdienstchef, der islamische Werte predigt und heimlich Pornos schaut. Al-Aswanis Figuren verkörpern in diesem mitreißenden Buch, das in Ägypten verboten wurde, alle Facetten der Revolution, die für jede von ihnen einen Wendepunkt in ihrem Schicksal bedeutet. Ein unvergessliches Porträt der modernen ägyptischen Gesellschaft.

25.01.2021: Königin außer Dienst [Werbung] von Martine Bijl: Martine ist erfolgreich, berühmt, steht mitten im Leben, als an einem Herbstmorgen „ein Ballon hinter ihren Augen platzt“. Eine Hirnblutung verändert das Leben der Autorin schlagartig.
Bevor sie vier Jahre später an den Folgen der Krankheit stirbt, schreibt Martine Bijl ein Buch, das einzigartige, berührende und schmerzlich ehrliche Einblicke erlaubt. In eindringlichen, ja poetischen Bildern, mit bewundernswerter Kraft und Selbstironie schildert Martine Bijl, wie es ist, „im Kopf Angst zu haben, und nicht zu verstehen, warum und wovor“. Ein Buch, das scheinbar Unmögliches möglich macht, das uns Menschen, deren Wahrnehmung getrübt ist, besser verstehen lässt. Ein Buch, das Mut macht.

25.01.2021: Sprich mit mir [Werbung] von T.C. Boyle: Wer ist menschlicher? Der Mensch oder der Affe? Die Weltpremiere von T.C. Boyles neuem Roman. Sam, der Schimpanse, den Professor Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kind wächst er umsorgt von Wissenschaftlern auf. Als die schüchterne Aimee dazu stößt, entspinnt sich eine einzigartige Beziehung: Sam erwidert ihre Gefühle und entwickelt sich regelrecht zu einem Individuum. Als jedoch die Vision Schemerhorns, der an das Menschliche im Tier glaubt, keine Schule macht, wird er für Tierexperimente von einer anderen Universität beschlagnahmt. Aimee ist am Boden zerstört und fasst einen verrückten Plan. T.C. Boyle geht ebenso komisch wie mitfühlend der Frage nach, ob uns Tiere ähnlicher sind, als wir vermuten.

25.01.2021: Der Junge, der den Wind einfing [Werbung] von William Kamkwanba: William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Nur kurz kann er zur Schule gehen. Dennoch baut er mit 14 Jahren ein Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. So erfüllt sich der wissbegierige Junge trotz vieler Hindernisse einen Traum und verändert damit das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf. Diese wahre Geschichte ist die Vorlage für den erfolgreichen Netflix-Film. Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt und Mut macht.

27.01.2021: Leichenblume [Werbung] von Annette Mette Hancock: Die Kopenhagener Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan steckt in einer heiklen Jobkrise, als sie einen mysteriösen Brief erhält: von einer gesuchten Mörderin. Darin stehen Dinge über Heloise, die eigentlich niemand wissen kann. Beunruhigt beginnt Heloise, auf eigene Faust zu recherchieren. Die Absenderin ist seit einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Was will sie nun ausgerechnet von Heloise, und woher hat sie die Informationen über sie? Zur gleichen Zeit erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise Kaldan zu führen. Ist ihr Leben in Gefahr? Und können der Polizist und die Journalistin einander vertrauen? Der erste Fall der Erfolgs-Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Ausgezeichnet mit dem dänischen Krimi-Preis.

27.01.2021: Lesen und Genesen . Geschichten, die Mut machen [Werbung] – ausgewählt von Ursula Baumhauer: »Ein Gesunder ist kein Umgang für einen Kranken« (Robert Gernhardt). Gute Geschichten dagegen helfen immer. Dieser Band versammelt ein breites Spektrum: Geschichten, die heilsam, tröstlich, unterstützend sind. Texte, die nachdenklich stimmen. Und solche, die unterhalten und die Langeweile vertreiben. Geschichten für Körper und Geist, von Cees Noteboom, Dorris Dörrie, Robert Gernhardt, Bernhard Schlink, W. Somerset Maugham, Jeffrey Eugenides, Richard David Precht, Khalil Gibran, F. Scott Fitzgerald und vielen mehr.

erLESENer Juni 2020

Im Lesemonat Juni war ich mutterseelenallein auf der Welt, fand internationale Sehenswürdigkeiten in Deuschland, langweilte mich beim lesen anstatt draußen zu sein, gewann die 10. Hungerspiele und hatte ein wundervolles Déjà-vu mit einer Geschichte.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

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Mein Name ist Monster von Katie Hale
Eigentlich eine Endzeitgeschichte mit Potenzial, die aber irgendwann eine abstruse unglaubwürdige Wendung nimmt. Schade.

Hiergeblieben . 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
Das Buch macht gleich Lust die Fototasche zu packen und auf die Reise zu gehen.

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann
So richtig warm wurde ich mit diesem Buch nicht, aber den Blog von Fräulein Draußen kann ich inzwischen empfehlen.

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins
Wider erwarten eine gut gemachte Rückkehr in die Welt Panems zu einem jungen ‚Präsident‘ Snow und Hungerspielen, die fast noch in den Kinderschuhen stecken. Macht Lust darauf, auch die Trilogie nochmal zu lesen.

Der Freund von Sigrid Nunez
Im vergangenen Monat erst als Hörbuch genossen und jetzt auch als Buch geliebt. Für mich ein Lesehighlight!

Fräulein Draußen – Kathrin Heckmann

Als ich auf dieses Buch stieß, kannte ich Kathrin Heckmann alias Fräulein Draußen noch gar nicht, freute mich aber darüber, dass ich laut Klappentext nun die Möglichkeit hatte Deutschlands bekannteste wandernde Bloggerin zu entdecken. Ihre Leidenschaft fürs Draußensein wurde eines Tages so groß, dass sie ihren Job als Marketing-Managerin aufgab und beschloss, das Wandern und Reisen zu ihrem Beruf und Alltag zu machen. Ich lese gern von Menschen, die ihre Berufung finden und sich trauen, neue Wege zu gehen um zu ihrem ganz eigenen glücklicheren Leben zu finden. Oft springt bei solchen Büchern die Leidenschaft und Lebensfreude dieser Menschen auf mich über und inspiriert mich zwar nicht unbedingt dazu, es diesen oftmals modernen Abenteurern in gleicher Weise nachzutun, aber ich ziehe daraus Energie und Lebensmut, der mich zu eigenen Aktivitäten anstachelt oder auch einfach zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche veranlasst. „Fräulein Draußen“ ist eher ein Buch für Letzteres.

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Kathrin Heckmann erzählt von ihrem Weg in die Wanderschuhe und damit nicht nur zu sich selbst, sondern vor allem auch zur Natur. Sie erzählt Geschichten von ihren Fernwanderungen in vielen unterschiedlichen Ländern, aber auch davon, wie ihr Interesse für die heimische deutsche Vogelwelt bei einer Wanderung erwacht ist. Sie berichtet von der Faszination des Wanderns, des langsamen Unterwegsseins in der Natur und davon, was passiert, wenn man beginnt, genauer hinzusehen. Hauptdarstellerin in diesem Buch ist die Natur selbst, für die die Autorin Beschreibungen für ihre Wahrnehmung findet und um sachliche Hintergrundinformationen ergänzt. Es sind die leisen Töne, die die Autorin hier anschlägt und obwohl ich selbst die Natur sehr liebe, langweilen mich die Beschreibungen schon nach kurzer Zeit, weil sie beliebig sind und ich zu „Fräulein Draußen“ keinen Zugang finde. Sie schildert zwar in Worten ihre Begeisterung, schreibt davon, dass es Herausforderungen und Hindernisse auf ihren Reisen gab, aber ich kann das beim Lesen nicht spüren. Vielmehr spüre ich, dass es da sicherlich das ein oder andere gab, aber das blendet die Autorin aus und lässt mich als Leserin etwas unbefriedigt zurück. Denn eigentlich möchte ich erfahren, wie Kathrin Heckmann als Fräulein Draußen vielleicht auch mal zweifelt und Probleme löst, damit ich beim Lesen mit ihr wachsen kann. Aber zu oft geht es um das große Ganze, für das pauschale Formulierungen gefunden werden, anstatt ein wenig mehr in Details zu gehen oder Beispiele zu zeigen. Gelegentlich lässt sie den Leser dann jedoch etwas näher an sich herankommen, was diese Texte etwas auflockert.

„In meiner eigenen kleinen Welt fühlte ich mich aufgenommen in die Riege der Abenteurer und Entdecker, der Draußenschläfer und Wegloswanderer. Und dafür hatte es nichts weiter gebraucht als ein Zelt und einen kleinen Hügel irgendwo im Nirgendwo der schottischen Highlands, zusammen mit ein bisschen Mut und mehr noch dem Willen, einen Herzenswunsch in die Tat umzusetzen, auch wenn ich auf dem Weg dorthin den Grund für diesen Wunsch manchmal vergessen hatte.“ (S. 36)

Dann möchte man selbst aufbrechen und auf der Stelle hinaus in die Welt um die Natur zu entdecken. Darauf macht auch der Bildteil und die am Ende des Buches befindlichen Beschreibungen einiger Langstreckenwanderungen inklusive Tipps richtig Lust. Die Informationen sind lebendig und interessant geschrieben. Neben dem Epilog gefällt mir dieser Teil tatsächlich am besten. Hier wird die Begeisterung und Leidenschaft deutlich, mit der sie in die Natur zieht und sich Gedanken über die Welt macht.

„[…]das ich gern noch viel öfter tun würde, das wir vielleicht alle viel öfter tun sollten, zumindest ab und zu: dorthin gehen, wo unser Herz uns hinführt. Dorthin, wo wir einfach nur sein wollen, egal wie viel oder wie wenig Sinn das auch ergeben mag. Nicht fürs Fotoalbum, nicht für Instagram, nicht um anderen davon zu erzählen. Sondern für uns selbst.“ (S. 143)

Gute Idee! Ich muss los – wohin verrate ich nicht…

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Kathrin Heckmann
Fräulein Draußen – Wie ich unterwegs das Große in kleinen Dingen fand
Klappenbroschur, 256 Seiten
ISBN:  9783864931055
Preis: € 14,99 [D] € 15,50 [A]
Verlag: Ullstein
Erschienen: 15.06.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland – Jens van Rooij

Es ist Juni 2020, die Welt befindet sich noch inmitten von Corona und die Sommerferien stehen vor der Tür. Bald ist Urlaubszeit. Erste Länder lockern ihre Einreisebestimmungen, andere bestehen auf eine zweiwöchige Quarantäne, für wiederum andere Länder gelten sogar Reisewarnungen. EU weit geht schon das ein oder andere, aber dann gibt es ja auch noch Abstands- und Hygieneregeln im Flugzeug. Fernreisen scheinen noch so fern, dass sie unerreichbar sind. Die Regeln werden von rechts auf links gedreht und können sich täglich ändern. Wer in diesem Jahr sicher gehen will, der bleibt wohl am besten in seinem Heimatland – nur so für den Fall, dass eine 2. Corona-Welle über uns hinwegschwappt. Denn in Deutschland können wir wieder überall Urlaub machen, auch wenn in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Corona-Richtlinien gelten. Und Jens van Rooij macht mit seinem Buch „Hiergeblieben!“ richtig Lust darauf.

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Denn dieses Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Reisen vor der eigenen Haustüre. Es entführt die Leser zu faszinierenden wie kuriosen Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Zwischen Alpen und Ostsee finden sich viele exotische oder zumindest überraschend ungewöhnliche Orte und Landschaften. Manche kennt man, einige sind weltberühmt, andere wiederum glänzen bescheiden im Verborgenen und warten darauf, entdeckt zu werden: Denn bei jeder dieser Attraktionen fühlt man sich wie in einem fernen Land, mitunter sogar wie am anderen Ende der Welt! Und alle haben sie spannende oder kuriose Geschichten zu erzählen.

Diese Vorgehensweise Deutschland zu erkunden ist ungewöhnlich und macht so viel Spaß, dass ich am liebsten gleich meine Sachen gepackt hätte, um auf Erkundungstour zu gehen: Mit dem Mississippi-Dampfer durch Hamburg schippern wäre dabei nur eine Möglichkeit, aber in Deutschland gibt es auch ein Gegenstück für die Provence, es gibt Bauwerke wie in Dubai, Viertel wie in Holland, eine Skyline wie in Manhattan, Küsten wie in Massachusetts oder in der Normandie, es gibt den großen Bruder vom Panamakanal und die kleine Schwester vom Canal Grande, Wasserlandschaften wie in Schweden oder Tahiti, Kirchen wie in Russland oder Norwegen, Tempel wie in Südindien oder Nepal, Berge wie in Tansania, Brücken wie in der Schweiz, Tschechien, Südfrankreich oder in Italien, Schiefes mit Charme wie in Pisa, Landschaften wie in Montana, Chile oder den Appalachen, eine Bahnverbindung wie in Tennessee, Fjorde wie in Norwegen, Gärten wie in Japan, einen Geysir wie in Island, eine Akropolis wie in Griechenland, einen Hauch Kapstadt und Lappland, ein bisschen Versailles, Mongolei, Kanada, Türkei und Hawaii.

Vieles davon kenne ich noch nicht, aber das meiste davon finde ich so interessant, dass ich gerne dorthin reisen würde, um eine schöne Zeit zu verbringen und meiner Leidenschaft – dem Fotografieren – zu frönen. Zu allen Orten ist eine Auswahl der schönsten Ausflugsziele in der Umgebung sowie einige Hotel- und Restauranttipps inklusive Webadressen zusammengestellt. Da ich ich etwa 30 Autominuten von der deutschen Golden Gate Bridge entfernt wohne, habe ich mir die Vorschläge für diese Region etwas näher angesehen und finde sie durchweg empfehlenswert, beziehungsweise noch kennenlernenswert. Einzig dass hierbei zwei niederländische Ausflugsziele aufgenommen wurden widerstrebt mir etwas, da das Buch eigentlich mit Titel und Beschreibung den Eindruck vermittelt, dass es in diesem Buch ausschließlich um Deutschland geht. Andererseits sind für uns Niederrheiner die Niederlande ja gefühlt ein Stück Deutschland – also alles halb so wild.

Insgesamt ist es ein Vergnügen Deutschland auf diese Art zu entdecken und ich war ein ums andere Mal erstaunt über die Bilder aus fremden Ländern und ihre deutschen Gegenstücke. Einiges lädt auch zum schmunzeln ein, wenn beispielsweise den bunten Umkleidekabinen im südafrikanischen Muizenberg die Hummerbuden auf Helgoland gegenübergestellt werden. Aber im großen und ganzen hat der Autor schöne Vergleiche gezogen, die große Lust aufs entdecken machen. Empfehlenswert!

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Jens van Rooij
Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland
Gebunden, 240 Seiten
ISBN: 978-3834231215
Preis:  24,99 [D] inkl. MwSt.
Verlag: HOLIDAY, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Erschienen: 06.05.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer August

Im Lesemonat August starb ich beinahe an einer lustigen Blutvergiftung, trotzte hüpfend der Schwerkraft, schlief auf Bienenstöcken, schwelgte in Erinnerungen an meine verstorbene Katze und erlas mir den Triple Crown Award.

Bücherwelten – nur einen Hauch entfernt vom intensiven  erLeben und Tod…

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Wir von der anderen Seite von Anika Decker: Ein Roman mit autobiografischen Elementen der Drehbuchautorin, in dem sie über die Folgen ihrer schweren Blutvergiftung schreibt. Einerseits gut und authentisch geschrieben, andererseits aber auch zu viele Klischees und gewollter Humor. So lala.

Das 5-Minuten-Trampolin-Training von Manuel Eckardt: Alles rund ums Trampolin-Training zum im Lesesessel sitzen und nachlesen. Leichter nachvollziehbar und vor allem zum gleich mitmachen sind jedoch die Videos, die man sich unter der im Buch angegebenen Internetadresse oder als purlife-Mitglied online anschauen kann.

Graue Bienen von Andrej Kurkow: Die atmosphärische Geschichte von der Flucht und dem Zurechtkommen eines Imkers und seiner Bienen inmitten des Ukraine-Konflikts. Empfehlenswert!

Mehr als nur eine Katze von Kristin Hoffmann: Ein Trost- und Erinnerungsbuch, das konzeptionell bei dem Zeitpunkt ansetzt, als die Katze in das Leben kam und einlädt sich an Fröhliches, Trauriges, Besonderes und schließlich an das Ende der Beziehung zu erinnern. Keine einfache Lektüre, aber dennoch lohnenswert, wenn man bereit ist, sich seiner Trauer und seinen Erinnerungen zu stellen.

Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer: Zwischen 2004 und 2008 läuft Christine Thürmer dreimal von Mexiko nach Kanada und erzählt von ihren Abenteuern und Begegnungen. Ein inspirierendes und mitreißendes Buch, das beinahe Lust darauf macht selbst loszuwandern.

 

 

Laufen. Essen. Schlafen. – Christine Thürmer

Ich lese gern Bücher von und über Menschen, die reisen und die Welt auf ihre ganz eigene Weise entdecken. Moderne Abenteurer, die so voller Leidenschaft für ihre Sache brennen, dass sie ihre Freiheit suchen, sie finden und sie sich nehmen, wenn sie sie brauchen – und manchmal sogar ihr altes Leben komplett hinter sich lassen.

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Christine Thürmer ist so jemand. Sie wurde 1967 in Forchheim geboren und in ihrer Jugend deutet nichts darauf hin, dass sie einmal zu den meistgewanderten Menschen weltweit gehören würde. Sie ist eher unsportlich und mit 39 Jahren Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebes. Doch seit sie mit 36 bei einem Trekking-Urlaub im Yosemite National Park zum ersten Mal auf auf Thruhiker traf, lässt sie der Gedanke ans Langstreckenwandern nicht mehr los.

„Dabei frage ich mich die ganze Zeit, was mich denn nun genau am Thema thruhike so fasziniert. Die Freiheit auf dem Trail? Die Radikalität des reduzierten Lebensstils? Die große Energie, die die Wanderer so offensichtlich aus ihrem Outdoorleben ziehen? Mein spannender und lukrativer Job in der Unternehmenssanierung erscheint mir plötzlich im Vergleich fade und langweilig.“ (S. 20)

Als ihr 2004 eine unfreiwillige berufliche Pause beschert wird, ergreift sie die Gelegenheit: Zwischen 2004 und 2008 läuft sie dreimal von Mexiko nach Kanada – auf dem Pacific Crest Trail (4.277 km), dem Continental Divide Trail (4.900 km) und dem Appalachian Trail (3.508 km). Für diese Leistung wird sie mit dem Triple Crown Award ausgezeichnet, den nur bekommt, wer alle drei Trails bewältigt hat.

In „Laufen. Essen. Schlafen“ sind Karten vorhanden, auf denen die Wanderrouten nachvollzogen werden können und ein vierundzwanzigseitiger Foto-Mittelteil bietet eine schöne Ergänzung zum Text. In diesem erzählt Christine Thürmer von ihren Abenteuern auf den drei großen Hiking Trails der USA, den damit verbundenen Traditionen, von landschaftlichen Eindrücken, der Trail-Community, von den Begegnungen und Begebenheiten drumherum. Aber sie erzählt auch davon, wie es ist als Frau allein unterwegs zu sein und wie sie sich allmählich von ihrem bisherigen Leben befreit um 2007 gänzlich zum „Outdoor-Junkie“ – wie sie sich selbst nennt – zu werden.

Christine Thürmer schafft es mich mitzureißen und für das Thema zu interessieren. Mir macht es Spaß, sie lesend zu begleiten und auch den Podcast bei WELTWACH [Werbung], wo sie mit Eric Lorenz über ihre Erfahrungen spricht, kann ich empfehlen. Man spürt einfach die Begeisterung und Lebensfreude der sympathischen Langstreckenwandererin. Und selbst wenn mein Wanderradius eher begrenzt ist und vermutlich auch bleibt (ich finde schon den Megamarsch [Werbung] mehr als imposant) so weckt die Autorin doch die Sehnsucht danach, sich selbst mal wieder herauszufordern und die eigenen Grenzen auszuloten – in welchem Bereich auch immer. Ein motivierendes Buch einer ungewöhnlichen Frau!

Doch nach dem Triple Crown war für Christine Thürmer noch nicht Schluss, denn auch in Europa gibt es fantastische Outdoor-Möglichkeiten. In „Wandern. Radeln. Paddeln“ (erschienen 2018) schildert Christine Thürmer drei faszinierende große Touren: zu Fuß von Koblenz am Rhein nach Tarifa, zum südlichsten Punkt Europas; mit dem Rad die Ostseeküste entlang, von Berlin über Polen und das Baltikum bis nach Finnland; und mit dem Kajak quer durch Schweden. Dieses Buch möchte ich auch noch lesen, denn was sie darüber im WELTWACH-Podcast Nr. 76 [Werbung] zu berichten weiß, ist ebenfalls beeindruckend.

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Christine Thürmer
Laufen. Essen. Schlafen
Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis
Klappenbroschur, 288 Seiten
ISBN: 978-3-89029-471-1
Preis: € 16,99 [D], € 17,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen:  01. April 2016