erLESENer Juni 2020

Im Lesemonat Juni war ich mutterseelenallein auf der Welt, fand internationale Sehenswürdigkeiten in Deuschland, langweilte mich beim lesen anstatt draußen zu sein, gewann die 10. Hungerspiele und hatte ein wundervolles Déjà-vu mit einer Geschichte.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

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Mein Name ist Monster von Katie Hale
Eigentlich eine Endzeitgeschichte mit Potenzial, die aber irgendwann eine abstruse unglaubwürdige Wendung nimmt. Schade.

Hiergeblieben . 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
Das Buch macht gleich Lust die Fototasche zu packen und auf die Reise zu gehen.

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann
So richtig warm wurde ich mit diesem Buch nicht, aber den Blog von Fräulein Draußen kann ich inzwischen empfehlen.

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins
Wider erwarten eine gut gemachte Rückkehr in die Welt Panems zu einem jungen ‚Präsident‘ Snow und Hungerspielen, die fast noch in den Kinderschuhen stecken. Macht Lust darauf, auch die Trilogie nochmal zu lesen.

Der Freund von Sigrid Nunez
Im vergangenen Monat erst als Hörbuch genossen und jetzt auch als Buch geliebt. Für mich ein Lesehighlight!

Fräulein Draußen – Kathrin Heckmann

Als ich auf dieses Buch stieß, kannte ich Kathrin Heckmann alias Fräulein Draußen noch gar nicht, freute mich aber darüber, dass ich laut Klappentext nun die Möglichkeit hatte Deutschlands bekannteste wandernde Bloggerin zu entdecken. Ihre Leidenschaft fürs Draußensein wurde eines Tages so groß, dass sie ihren Job als Marketing-Managerin aufgab und beschloss, das Wandern und Reisen zu ihrem Beruf und Alltag zu machen. Ich lese gern von Menschen, die ihre Berufung finden und sich trauen, neue Wege zu gehen um zu ihrem ganz eigenen glücklicheren Leben zu finden. Oft springt bei solchen Büchern die Leidenschaft und Lebensfreude dieser Menschen auf mich über und inspiriert mich zwar nicht unbedingt dazu, es diesen oftmals modernen Abenteurern in gleicher Weise nachzutun, aber ich ziehe daraus Energie und Lebensmut, der mich zu eigenen Aktivitäten anstachelt oder auch einfach zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche veranlasst. „Fräulein Draußen“ ist eher ein Buch für Letzteres.

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Kathrin Heckmann erzählt von ihrem Weg in die Wanderschuhe und damit nicht nur zu sich selbst, sondern vor allem auch zur Natur. Sie erzählt Geschichten von ihren Fernwanderungen in vielen unterschiedlichen Ländern, aber auch davon, wie ihr Interesse für die heimische deutsche Vogelwelt bei einer Wanderung erwacht ist. Sie berichtet von der Faszination des Wanderns, des langsamen Unterwegsseins in der Natur und davon, was passiert, wenn man beginnt, genauer hinzusehen. Hauptdarstellerin in diesem Buch ist die Natur selbst, für die die Autorin Beschreibungen für ihre Wahrnehmung findet und um sachliche Hintergrundinformationen ergänzt. Es sind die leisen Töne, die die Autorin hier anschlägt und obwohl ich selbst die Natur sehr liebe, langweilen mich die Beschreibungen schon nach kurzer Zeit, weil sie beliebig sind und ich zu „Fräulein Draußen“ keinen Zugang finde. Sie schildert zwar in Worten ihre Begeisterung, schreibt davon, dass es Herausforderungen und Hindernisse auf ihren Reisen gab, aber ich kann das beim Lesen nicht spüren. Vielmehr spüre ich, dass es da sicherlich das ein oder andere gab, aber das blendet die Autorin aus und lässt mich als Leserin etwas unbefriedigt zurück. Denn eigentlich möchte ich erfahren, wie Kathrin Heckmann als Fräulein Draußen vielleicht auch mal zweifelt und Probleme löst, damit ich beim Lesen mit ihr wachsen kann. Aber zu oft geht es um das große Ganze, für das pauschale Formulierungen gefunden werden, anstatt ein wenig mehr in Details zu gehen oder Beispiele zu zeigen. Gelegentlich lässt sie den Leser dann jedoch etwas näher an sich herankommen, was diese Texte etwas auflockert.

„In meiner eigenen kleinen Welt fühlte ich mich aufgenommen in die Riege der Abenteurer und Entdecker, der Draußenschläfer und Wegloswanderer. Und dafür hatte es nichts weiter gebraucht als ein Zelt und einen kleinen Hügel irgendwo im Nirgendwo der schottischen Highlands, zusammen mit ein bisschen Mut und mehr noch dem Willen, einen Herzenswunsch in die Tat umzusetzen, auch wenn ich auf dem Weg dorthin den Grund für diesen Wunsch manchmal vergessen hatte.“ (S. 36)

Dann möchte man selbst aufbrechen und auf der Stelle hinaus in die Welt um die Natur zu entdecken. Darauf macht auch der Bildteil und die am Ende des Buches befindlichen Beschreibungen einiger Langstreckenwanderungen inklusive Tipps richtig Lust. Die Informationen sind lebendig und interessant geschrieben. Neben dem Epilog gefällt mir dieser Teil tatsächlich am besten. Hier wird die Begeisterung und Leidenschaft deutlich, mit der sie in die Natur zieht und sich Gedanken über die Welt macht.

„[…]das ich gern noch viel öfter tun würde, das wir vielleicht alle viel öfter tun sollten, zumindest ab und zu: dorthin gehen, wo unser Herz uns hinführt. Dorthin, wo wir einfach nur sein wollen, egal wie viel oder wie wenig Sinn das auch ergeben mag. Nicht fürs Fotoalbum, nicht für Instagram, nicht um anderen davon zu erzählen. Sondern für uns selbst.“ (S. 143)

Gute Idee! Ich muss los – wohin verrate ich nicht…

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Kathrin Heckmann
Fräulein Draußen – Wie ich unterwegs das Große in kleinen Dingen fand
Klappenbroschur, 256 Seiten
ISBN:  9783864931055
Preis: € 14,99 [D] € 15,50 [A]
Verlag: Ullstein
Erschienen: 15.06.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland – Jens van Rooij

Es ist Juni 2020, die Welt befindet sich noch inmitten von Corona und die Sommerferien stehen vor der Tür. Bald ist Urlaubszeit. Erste Länder lockern ihre Einreisebestimmungen, andere bestehen auf eine zweiwöchige Quarantäne, für wiederum andere Länder gelten sogar Reisewarnungen. EU weit geht schon das ein oder andere, aber dann gibt es ja auch noch Abstands- und Hygieneregeln im Flugzeug. Fernreisen scheinen noch so fern, dass sie unerreichbar sind. Die Regeln werden von rechts auf links gedreht und können sich täglich ändern. Wer in diesem Jahr sicher gehen will, der bleibt wohl am besten in seinem Heimatland – nur so für den Fall, dass eine 2. Corona-Welle über uns hinwegschwappt. Denn in Deutschland können wir wieder überall Urlaub machen, auch wenn in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Corona-Richtlinien gelten. Und Jens van Rooij macht mit seinem Buch „Hiergeblieben!“ richtig Lust darauf.

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Denn dieses Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Reisen vor der eigenen Haustüre. Es entführt die Leser zu faszinierenden wie kuriosen Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Zwischen Alpen und Ostsee finden sich viele exotische oder zumindest überraschend ungewöhnliche Orte und Landschaften. Manche kennt man, einige sind weltberühmt, andere wiederum glänzen bescheiden im Verborgenen und warten darauf, entdeckt zu werden: Denn bei jeder dieser Attraktionen fühlt man sich wie in einem fernen Land, mitunter sogar wie am anderen Ende der Welt! Und alle haben sie spannende oder kuriose Geschichten zu erzählen.

Diese Vorgehensweise Deutschland zu erkunden ist ungewöhnlich und macht so viel Spaß, dass ich am liebsten gleich meine Sachen gepackt hätte, um auf Erkundungstour zu gehen: Mit dem Mississippi-Dampfer durch Hamburg schippern wäre dabei nur eine Möglichkeit, aber in Deutschland gibt es auch ein Gegenstück für die Provence, es gibt Bauwerke wie in Dubai, Viertel wie in Holland, eine Skyline wie in Manhattan, Küsten wie in Massachusetts oder in der Normandie, es gibt den großen Bruder vom Panamakanal und die kleine Schwester vom Canal Grande, Wasserlandschaften wie in Schweden oder Tahiti, Kirchen wie in Russland oder Norwegen, Tempel wie in Südindien oder Nepal, Berge wie in Tansania, Brücken wie in der Schweiz, Tschechien, Südfrankreich oder in Italien, Schiefes mit Charme wie in Pisa, Landschaften wie in Montana, Chile oder den Appalachen, eine Bahnverbindung wie in Tennessee, Fjorde wie in Norwegen, Gärten wie in Japan, einen Geysir wie in Island, eine Akropolis wie in Griechenland, einen Hauch Kapstadt und Lappland, ein bisschen Versailles, Mongolei, Kanada, Türkei und Hawaii.

Vieles davon kenne ich noch nicht, aber das meiste davon finde ich so interessant, dass ich gerne dorthin reisen würde, um eine schöne Zeit zu verbringen und meiner Leidenschaft – dem Fotografieren – zu frönen. Zu allen Orten ist eine Auswahl der schönsten Ausflugsziele in der Umgebung sowie einige Hotel- und Restauranttipps inklusive Webadressen zusammengestellt. Da ich ich etwa 30 Autominuten von der deutschen Golden Gate Bridge entfernt wohne, habe ich mir die Vorschläge für diese Region etwas näher angesehen und finde sie durchweg empfehlenswert, beziehungsweise noch kennenlernenswert. Einzig dass hierbei zwei niederländische Ausflugsziele aufgenommen wurden widerstrebt mir etwas, da das Buch eigentlich mit Titel und Beschreibung den Eindruck vermittelt, dass es in diesem Buch ausschließlich um Deutschland geht. Andererseits sind für uns Niederrheiner die Niederlande ja gefühlt ein Stück Deutschland – also alles halb so wild.

Insgesamt ist es ein Vergnügen Deutschland auf diese Art zu entdecken und ich war ein ums andere Mal erstaunt über die Bilder aus fremden Ländern und ihre deutschen Gegenstücke. Einiges lädt auch zum schmunzeln ein, wenn beispielsweise den bunten Umkleidekabinen im südafrikanischen Muizenberg die Hummerbuden auf Helgoland gegenübergestellt werden. Aber im großen und ganzen hat der Autor schöne Vergleiche gezogen, die große Lust aufs entdecken machen. Empfehlenswert!

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Jens van Rooij
Hiergeblieben! 55 fantastische Reiseziele in Deutschland
Gebunden, 240 Seiten
ISBN: 978-3834231215
Preis:  24,99 [D] inkl. MwSt.
Verlag: HOLIDAY, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
Erschienen: 06.05.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer August

Im Lesemonat August starb ich beinahe an einer lustigen Blutvergiftung, trotzte hüpfend der Schwerkraft, schlief auf Bienenstöcken, schwelgte in Erinnerungen an meine verstorbene Katze und erlas mir den Triple Crown Award.

Bücherwelten – nur einen Hauch entfernt vom intensiven  erLeben und Tod…

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Wir von der anderen Seite von Anika Decker: Ein Roman mit autobiografischen Elementen der Drehbuchautorin, in dem sie über die Folgen ihrer schweren Blutvergiftung schreibt. Einerseits gut und authentisch geschrieben, andererseits aber auch zu viele Klischees und gewollter Humor. So lala.

Das 5-Minuten-Trampolin-Training von Manuel Eckardt: Alles rund ums Trampolin-Training zum im Lesesessel sitzen und nachlesen. Leichter nachvollziehbar und vor allem zum gleich mitmachen sind jedoch die Videos, die man sich unter der im Buch angegebenen Internetadresse oder als purlife-Mitglied online anschauen kann.

Graue Bienen von Andrej Kurkow: Die atmosphärische Geschichte von der Flucht und dem Zurechtkommen eines Imkers und seiner Bienen inmitten des Ukraine-Konflikts. Empfehlenswert!

Mehr als nur eine Katze von Kristin Hoffmann: Ein Trost- und Erinnerungsbuch, das konzeptionell bei dem Zeitpunkt ansetzt, als die Katze in das Leben kam und einlädt sich an Fröhliches, Trauriges, Besonderes und schließlich an das Ende der Beziehung zu erinnern. Keine einfache Lektüre, aber dennoch lohnenswert, wenn man bereit ist, sich seiner Trauer und seinen Erinnerungen zu stellen.

Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer: Zwischen 2004 und 2008 läuft Christine Thürmer dreimal von Mexiko nach Kanada und erzählt von ihren Abenteuern und Begegnungen. Ein inspirierendes und mitreißendes Buch, das beinahe Lust darauf macht selbst loszuwandern.

 

 

Laufen. Essen. Schlafen. – Christine Thürmer

Ich lese gern Bücher von und über Menschen, die reisen und die Welt auf ihre ganz eigene Weise entdecken. Moderne Abenteurer, die so voller Leidenschaft für ihre Sache brennen, dass sie ihre Freiheit suchen, sie finden und sie sich nehmen, wenn sie sie brauchen – und manchmal sogar ihr altes Leben komplett hinter sich lassen.

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Christine Thürmer ist so jemand. Sie wurde 1967 in Forchheim geboren und in ihrer Jugend deutet nichts darauf hin, dass sie einmal zu den meistgewanderten Menschen weltweit gehören würde. Sie ist eher unsportlich und mit 39 Jahren Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebes. Doch seit sie mit 36 bei einem Trekking-Urlaub im Yosemite National Park zum ersten Mal auf auf Thruhiker traf, lässt sie der Gedanke ans Langstreckenwandern nicht mehr los.

„Dabei frage ich mich die ganze Zeit, was mich denn nun genau am Thema thruhike so fasziniert. Die Freiheit auf dem Trail? Die Radikalität des reduzierten Lebensstils? Die große Energie, die die Wanderer so offensichtlich aus ihrem Outdoorleben ziehen? Mein spannender und lukrativer Job in der Unternehmenssanierung erscheint mir plötzlich im Vergleich fade und langweilig.“ (S. 20)

Als ihr 2004 eine unfreiwillige berufliche Pause beschert wird, ergreift sie die Gelegenheit: Zwischen 2004 und 2008 läuft sie dreimal von Mexiko nach Kanada – auf dem Pacific Crest Trail (4.277 km), dem Continental Divide Trail (4.900 km) und dem Appalachian Trail (3.508 km). Für diese Leistung wird sie mit dem Triple Crown Award ausgezeichnet, den nur bekommt, wer alle drei Trails bewältigt hat.

In „Laufen. Essen. Schlafen“ sind Karten vorhanden, auf denen die Wanderrouten nachvollzogen werden können und ein vierundzwanzigseitiger Foto-Mittelteil bietet eine schöne Ergänzung zum Text. In diesem erzählt Christine Thürmer von ihren Abenteuern auf den drei großen Hiking Trails der USA, den damit verbundenen Traditionen, von landschaftlichen Eindrücken, der Trail-Community, von den Begegnungen und Begebenheiten drumherum. Aber sie erzählt auch davon, wie es ist als Frau allein unterwegs zu sein und wie sie sich allmählich von ihrem bisherigen Leben befreit um 2007 gänzlich zum „Outdoor-Junkie“ – wie sie sich selbst nennt – zu werden.

Christine Thürmer schafft es mich mitzureißen und für das Thema zu interessieren. Mir macht es Spaß, sie lesend zu begleiten und auch den Podcast bei WELTWACH [Werbung], wo sie mit Eric Lorenz über ihre Erfahrungen spricht, kann ich empfehlen. Man spürt einfach die Begeisterung und Lebensfreude der sympathischen Langstreckenwandererin. Und selbst wenn mein Wanderradius eher begrenzt ist und vermutlich auch bleibt (ich finde schon den Megamarsch [Werbung] mehr als imposant) so weckt die Autorin doch die Sehnsucht danach, sich selbst mal wieder herauszufordern und die eigenen Grenzen auszuloten – in welchem Bereich auch immer. Ein motivierendes Buch einer ungewöhnlichen Frau!

Doch nach dem Triple Crown war für Christine Thürmer noch nicht Schluss, denn auch in Europa gibt es fantastische Outdoor-Möglichkeiten. In „Wandern. Radeln. Paddeln“ (erschienen 2018) schildert Christine Thürmer drei faszinierende große Touren: zu Fuß von Koblenz am Rhein nach Tarifa, zum südlichsten Punkt Europas; mit dem Rad die Ostseeküste entlang, von Berlin über Polen und das Baltikum bis nach Finnland; und mit dem Kajak quer durch Schweden. Dieses Buch möchte ich auch noch lesen, denn was sie darüber im WELTWACH-Podcast Nr. 76 [Werbung] zu berichten weiß, ist ebenfalls beeindruckend.

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Christine Thürmer
Laufen. Essen. Schlafen
Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis
Klappenbroschur, 288 Seiten
ISBN: 978-3-89029-471-1
Preis: € 16,99 [D], € 17,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen:  01. April 2016

erLESENer November

Im Lesemonat November eierte ich mit Jasper durchs Leben, erlitt mit Timo eine schwere Kopfverletzung, reiste mit Jan Kammann durch die Welt, durchlebte und -liebte iranische Wurzeln und erlitt mit Lisbeth Salander dank ihres Vaters einen Kopfschuss.

Bücherwelten – manchmal gefährlich kopflastig…

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Spinner von Benedict Wells
Ein Protagonist an der Schwelle zwischen Pubertät und Erwachsenwerden. Tragikkomisch, aber auch berührend. Mein erstes Buch von Benedict Wells, von dem ich jetzt mehr lesen möchte.

Thalamus von Ursula Poznanski
Ein interessantes Thema in eine spannende Geschichte eingewoben. Ein unterhaltsames spannendes Jugendbuch.

Ein deutsches Klassenzimmer von Jan Kammann
Ein Lehrer investiert sein Sabbatjahr, um die Heimatländer seiner Schüler kennen zulernen. Das Buch öffnet Horizonte und hilft manches zu verstehen.

Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri
Ein Buch über Entwurzelung und Wurzeln, die ein Leben lang bleiben. Berührend, herzerwärmend und lesenswert!

Vergebung von Stieg Larsson
Ein gelungener Abschluss der Millenium-Trilogie. Empfehlenswert!

Ein deutsches Klassenzimmer – Jan Kammann

Jan Kammann (geboren 1971) unterrichtet Englisch und Erdkunde in einer internationalen Vorbereitungsklasse in Hamburg. Er will mehr über die Herkunft seiner Schüler erfahren, die aus Kulturen und Lebenswelten kommen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Englischunterricht fordert er seine Klasse 10 d auf, ihm Reiseführer für ihre Heimatländer inklusive einem kleinen Sprachführer zu erstellen. Doch diese sind nicht nur als Übung für den Unterricht gedacht, sondern sie sollen ihm tatsächlich auch beim Kennenlernen von 14 Heimatländern seiner Schüler behilflich sein, die er während seines Sabbatjahrs 2016 bereist.

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Er erlebt den Alltag in Kuba, Nicaragua und Kolumbien, Südkorea, China, Russland, im Kosovo, in Albanien, Armenien, Iran und Ghana und erzählt in „Ein deutsches Klassenzimmer“ vom Lehrer sein heute und von der Welt, in der er selbst ein Jahr lang wieder zum Schüler wird. Da er sich teilweise bemüht auch ein wenig von der jeweiligen Landesprache zu lernen, bekommt er ein neues Verständnis von den Sprachproblemen, die seine Schüler in Deutschland zu überwinden haben. Auch lernt er durch die verschiedenen Länder besser die Eigenheiten und die Vergangenheit seiner Schüler zu verstehen.

Glücklicherweise reist er meist unkonventionell und trifft auf seinen Reisen mit vielen interessanten Menschen zusammen. Es macht Freude von diesen Begegnungen zu lesen und auch als Leser bekommt man einen kleinen Einblick in unterschiedliche Lebensweisen und Problematiken in den Ländern. Bei einem Kapitel fühlte ich mich zwar ein wenig wie auf der Schulbank eines trocken unterrichtenden Erdkunde-Lehrers, aber das blieb doch eher die Ausnahme. Schreibstil und Wortwahl sind ansonsten eher locker und unterhaltsam.

Ein ums andere Mal wurde es mir jedoch zu pathetisch, ja sogar unerträglich, wenn der Autor sein Wort direkt an das jeweilige Land „Ach, Iran….“ oder eine Stadt „Oh, Nowosibirsk…“ richtet, weil er sich dieses oder jenes wünscht. Glücklicherweise macht er es nach dem Kapitel über den Iran jedoch nicht mehr allzu häufig, da ich sonst das Buch vermutlich abgebrochen hätte. Auch fand ich teilweise die Vorurteile, die Jan Kammann im Gepäck hatte, erschreckend, war jedoch einigermaßen beruhigt, dass er diese durch seine Reisen abbauen konnte.

Beim Aufklappen des Buches findet man vorne eine skizzierte Weltkarte mit seinen Reisezielen und hinten einige Fotos von den Reiseführern der Schüler. In der Mitte des Buches ist ein 24 Seiten umfassender Bildteil mit zahlreichen Fotografien und Bildbeschreibungen – eine bereichernde Ergänzung des Buches, das einen Einblick in die Vielfalt in manchen deutschen Klassenzimmern gibt und von der Unterschiedlichkeit der Kulturen berichtet, die es kennen zulernen gilt, wenn man sie besser verstehen möchte. Ich denke, Jan Kammann hat sein Sabbatjahr auf die bestmögliche Weise investiert und könnte mir vorstellen, dass dies auch seinen Schülern zugute kommt.

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Jan Kammann
Ein deutsches Klassenzimmer
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-89029-500-8
€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen: 04.09.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Wüstenblues – Gerhard von Kapff

Gerhard von Kapff (Jahrgang 1964) ist Buchautor, Referent, Reisejournalist, Sportredakteur einer Tageszeitung in Süddeutschland und ist schon viel gewandert in seinem Leben – unter anderem über die Alpen von München nach Venedig. Mit dem Rad war er bisher weniger unterwegs. Doch als ihm ein Werbeflyer von einer dreiwöchigen 1.200 Kilometer langen Extremradtour in die Hände fällt, lässt ihn das nicht mehr los. Er fragt sich, ob er als normaler Familienvater, der noch nie auf einem Mountainbike saß, mit zwölf Rad-Verrückten diese Reise schaffen kann, die bei den Victoria Wasserfällen in Sambia beginnt, in Botswana ins Okavango-Delta führt, in Namibia zu den größten Sanddünen der Erde weiter geht und an der Spitze Südafrikas in Kapstadt endet.

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„Wie weit komme ich? Schaffe ich vielleicht die ganze Strecke?“ Das sind nur zwei der vielen Fragen, die von Kapff vor und während der Reise beschäftigen. Und auch die Reiseform mit dem Fahrrad ist etwas Besonderes. Die Umwelt wird intensiver wahrgenommen, was natürlich nicht ganz ungefährlich ist, da gerade auch in Botswana die unterschiedlichsten Tiere in freier Wildbahn leben und unter Umständen die manchmal auch nicht so komfortable Fahrbahn kreuzen, die man gerade befährt. Ein verantwortungsvoller erfahrener Guide ist da unverzichtbar.  Nebenher fragt man sich natürlich auch, warum der Autor diese unkomfortable Art des Reisens gewählt hat und ob er sich damit selbst etwas beweisen will. Er geht mit der Frage ganz offen um:

„…gerade jetzt stehen vielen Menschen um die 50 alle Möglichkeiten offen, noch einmal Gas zu geben, das Feuer neu anzufachen. Schon allein, um auszuloten, wie leistungsfähig und aufnahmebereit man noch ist, ob Strapazen wie die auf dieser Tour noch möglich sind.“ (S. 151/152)

Als 50jährige kann ich diese Gedankengänge gut nachvollziehen und der Autor weckt mit seinen Beschreibungen und den farbigen Abbildungen im Mittelteil des Buches tatsächlich auch in mir die Abenteuerlust, so dass ich mich am liebsten gleich nach dem Lesen auf den Weg machen möchte, um herauszufinden, ob auch ich solch eine Tour noch, beziehungsweise überhaupt, bewältigen könnte. Es ist wohl die Mischung dieser Reise, die mich vollends in ihren Bann gezogen hat. Sie ist herausfordernd, bringt die Teilnehmer an körperliche Grenzen, birgt einige Überraschungen, ist gut geplant und doch teilweise unkalkulierbar und glänzt von bezaubernder und atemberaubender Schönheit der Natur. Der Autor, der überaus sympatisch ist und sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt konnte mich mit seinen Beschreibungen derart begeistern, dass selbst meinem Partner auffiel, dass ich dieses Buch immer mit leuchtenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen las.

Ganz großes Bücherkino und ein echtes Jahreshighlight für mich!

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Gerhard von Kapff
Wüstenblues
Mit dem Mountainbike von den Victoria-Fällen bis Kapstadt
Gebunden mit Schutzumschlag, 210 Seiten,
ISBN: 978-3-667-10710-7
Preis: € (D) 22,90
Verlag: Delius Klasing
Erschienen:  12.09.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Ein Jahr, mein Motorrad und ich – Rainer Janneck

Bücher übers Motorradfahren sind für mich etwas ganz Besonderes, weil sie mich immer auch in die Zeit zurückversetzen, als ich noch selbst fuhr – eine Leidenschaft, die mich nie ganz losgelassen hat und die mich beim Lesen immer auch den Fahrtwind und die Schräglage in den Kurven spüren lässt. Als es in diesem Monat bei der Motto-Challenge 2018 darum ging, eine SuB-Leiche aus dem Bücherregal zu fischen, freute ich mich auf „Ein Jahr, mein Motorrad und ich“ von Rainer Janneck, das ich seit langem ‚aufspare‘ und für das nun endlich der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein schien.

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Der Klappentext verrät über dieses Buch:

„Dieses Buch handelt von der Leidenschaft, Motorrad zu fahren. Erzählt wird es von einem, der dem Virus Motorrad hoffnungslos verfallen ist. Rainer Janneck, Motorradfahrer und Romantiker, schreibt nicht über Weltreisen und Sensationen, sondern über Reisen um die Ecke. Reisen in Deutschland und Europa. Mit Blick auf den ersten Singvogel des Tages, feuchte Wiesen, duftende Wälder, ewige Berge, ostdeutsche Liebenswürdigkeit und bezaubernde Frauen.
Mit sehnsüchtigem Blick streift er im Winter durch die Hallen von Motorradmessen. Dann endlich die erste Tour im März ins Havelland. An Ostern locken ihn die Alleen Ostdeutschlands, danach die Seen Polens. Zu pikanten Szenen kommt es, weil Rainer Janneck seine Frau überredet, mit ihm in die Pyrenäen zu fahren. Die letzten frostigen Kilometer auf der Hausstrecke, dann verschwindet die Maschine unter der Abdeckplane. Doch nicht für lange. Denn bald heißt es wieder: Ein Jahr, mein Motorrad und ich.“

Für mich klang das gut und ich freute mich auf das, was der 1964 im Münsterland geborene Rainer Janneck über seine Motorradreisen zu berichten hatte. Er liebt es, allein mit dem Motorrad durch Europa und besonders die ostdeutschen Bundesländer zu reisen. Dabei gefällt er sich vor allem in der Rolle des einsamen Wolfes, der sich in cooler Lederkombi wie ein Held fühlt und sich rasend beweisen muss, dass er ein ganzer Mann ist, der sich die ganz große Freiheit erfährt. Das ist natürlich ein Satz, der komprimiert das umfasst, was beim lesen immer wieder hier und da zwischen den Zeilen hindurch scheint. Er möchte ein unkonventioneller Abenteurer sein und erfüllt doch so sehr das Klischee vom Motorradfahrer, dass es beinahe peinlich ist.

Die Sprache ist einfach, die Sätze sind sehr knapp gehalten und erinnern ein wenig an die kurzen Mitteilungen, die sich gelegentlich im Telegrammstil auf Postkarten wiederfinden. Dabei wollte kein Lesefluss entstehen, der einen bei den Reisen mitgenommen hätte. Nach gut der Hälfte des Buches wird der Schreibstil zwar besser, die Beschreibungen werden ausführlicher und die Sätze werden etwas länger, und man bekommt eine Ahnung davon, wie besonders schön es ist manche Orte mit dem Motorrad zu bereisen. Aber ich hätte mir hier etwas mehr Landschafts- oder Ortsbeschreibungen gewünscht, anstatt seine herablassenden Bemerkungen über Rentnerüberschuss oder ihm hinterherschauende Mütter zu lesen.

Gehofft hatte ich auf ein Buch, das den ein oder anderen Tipp enthält und Lust darauf macht, die Routen mit dem Motorrad nachzufahren. Leider bleibt das Lesen oberflächlich und die Eindrücke sind eher flüchtig. Ein Lesespaß wollte bei mir nicht so recht aufkommen, aber glücklicherweise wartet noch ein anderes Motorradreisebuch („Hautnah“) auf mich – vielleicht habe ich damit etwas mehr Glück.

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Rainer Janneck
Ein Jahr, mein Motorrad und ich
Taschenbuch, 124 Seiten
ISBN: 978-3933385314
D: 9,90 €
Verlag: Highlights Verlag
Erschienen:  Dezember 2007

erLESENer Juni

Im Juni ließ ich mich durch Algorithmen manipulieren, meinte auf meinem niederrheinischen Balkon Meeresrauschen zu hören und salzige Seeluft auf meinen Lippen zu schmecken, lernte die Temperatur kennen, bei der Buchseiten zu brennen beginnen und reiste unter Beachtung strengster Regeln kreuz und quer durch Nordkorea.

Bücherwelten – so fern und manchmal doch so nah.

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Mensch 4.0 von Alexandra Borchardt 
Ob die neuen Technologien uns freier machen oder uns manipulieren, ablenken und benutzen und ob wir mehr mitbestimmen können oder ob wir zu nützlichen Idioten ökonomischer oder politischer Interessen werden ist die Thematik dieses Buches, das interessante Denkanstöße enthält.

Barbarentage von William Finnegan 
Finnegan ist wie besessen vom Surfen und diese Leidenschaft sprang beim Lesen sogar auf mich Nicht-Surfer über. Aber ellenlange Beschreibungen der von Ort zu Ort unterschiedlichen Wellen begannen mich zu langweilen, so dass ich das Buch nach zwei Dritteln abbrach.

highlight_des_monatsjpg Fahrenheit 451 von Ray Bradbury 
Die beängstigende Geschichte von einer Welt, in der das Bücherlesen mit Gefängnis und Tod bestraft wird, ist ein zeitloses Plädoyer für das freie Denken und unbedingt empfehlenwert!

Unterwegs in Nordkorea von Rüdiger Frank 
Bis zu diesem Buch wusste ich nicht, dass es überhaupt möglich ist als Normalsterblicher Nordkorea zu bereisen. Dieser Reiseführer hat viel Interessantes über Land und Gepflogenheiten zu berichten, selbst wenn man nicht vor hat nach Nordkorea zu reisen. Empfehlenswert!