Was, wenn wir einfach die Welt retten – Frank Schätzing

„Und ist das wirklich erwiesen mit dem menschengemachten Klimawandel? Nicht, dass ich ein Leugner wäre – „

(S. 106)

Als Frank Schätzing sein neues Buch veröffentlichte und ich erfuhr, dass es sich dabei um ein Sachbuch mit dem Untertitel „Handeln in der Kimakrise“ handelt, war mein Interesse erstmal gedämpft, weil mich die Krise mit dem Namen C. noch viel zu sehr im Griff hatte. Aber im Hintergrund schwelte nichtsdestotrotz die Sorge um den Klimawandel weiter, die immer weiter gefüttert wird von Unsicherheit, aber auch von Wissenslücken.

„Wissen ist die Wunderpille gegen fragwürdige Ideologien.“

(S. 17)

Denn auch wenn ich einiges durch die Medien mitbekommen hatte, fühlte ich mich nicht so, als hätte ich mich gut mit dem Thema auseinandergesetzt. Während ich mich noch fragte, wie ich denn einen passenden Einstieg finden könnte, fiel mir wieder das Buch von Frank Schätzing ein, der mich in seinen früheren Büchern eher mit dem sachlich-fachlichen Anteil begeistern konnte, als mit den fiktiven Thriller-Elementen. Und plötzlich war sein neues Buch dann doch ganz oben auf meiner Leseliste.

Es fühlt sich eigenartig an dieses Sachbuch zu lesen, denn Frank Schätzing leistet seinen Beitrag zum Handeln in der Klimakrise, indem er im Rahmen seiner Möglichkeiten durch spannendes und unterhaltsames Geschichten erzählen informiert und präsentiert. Er schließt Wissenslücken, definiert den Unterschied zwischen Wetter und Klima, unterscheidet zwischen natürlichem und menschengemachtem Klimawandel, zeigt Kippelemente und führt vor Augen, was in der Natur und im Ökosystem passieren kann und welche Auswirkungen es hat. Der zweite Teil des Buches zeigt, was wir konkret tun können, um ein verantwortungsvolleres klimafreundlicheres Leben zu führen.

Wissenschaftlich fundiert, spannend und nie ohne Humor entwirft Frank Schätzing außerdem verschiedene Szenarien unserer Zukunft, in denen wir mal versagt und es mal geschafft haben. Er lässt die Welt hypothetisch untergehen, um sie im nächsten Schritt neu zu erschaffen. Wir lernen die Protagonisten und Antagonisten kennen, Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Aktivisten, Leugner und Verschwörungstheoretiker, bevor der Autor den Blick aufs Panorama des Machbaren öffnet, auf die Vielzahl unserer Optionen und gar nicht so fernen Superlösungen. ‚Was, wenn wir einfach die Welt retten?‘ ist ein Plädoyer für Mut und Zuversicht. Wir können die Herausforderung meistern, wenn wir nur wollen: mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zu unserem Planeten und ein bisschen persönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht.

Maßhalten ist der Schlüssel zum Erfolg, lautet die Botschaft dieses Sachbuches für Menschen, die eigentlich lieber Thriller lesen. Ein gelungener Ansatz des Autors, der nicht mit erhobenem Zeigefinger doziert, aber dennoch deutlich macht, dass wir alles Sinnvolle unternehmen müssen, um die Klimaziele zu erreichen und realistisch betrachtet auch auf die Konsequenzen vorbereitet sein sollten, wenn uns das nicht gelingt.

Auch wenn mir der Ton des Buches gelegentlich ein wenig zu flapsig ist, halte ich es doch für einen gelungenen Anfang um sich eingehender mit der Materie zu befassen – und bestenfalls auch ins Handeln zu kommen.

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Frank Schätzing
Was, wenn wir einfach die Welt retten?
Handeln in der Klimakrise
Gebundene Ausgabe, 336 Seiten
ISBN: 978-3462002010
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 15.04.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Wir Kassettenkinder – Stefan Bonner, Anne Weiss

Die achtziger Jahre fanden bei mir im Alter zwischen 12 und 22 Jahren statt. Eine Zeit, die ich als Kind, als Jugendliche, als Schülerin, als Auszubildende und als junge Erwachsene erlebt habe.

„Was uns heute immer öfter bewusst wird: Die Achtziger sind im Begriff, von der nahen Vergangenheit, die wir vor kurzem erlebt haben, in die Zeitgeschichte überzugehen. Und das macht uns – so blöd es klingt – unsere eigene Vergänglichkeit bewusst.“

(S. 21)

Gleichzeitig macht es einem bewusst, wie schön es ist, in alten Zeiten zu schwelgen. Und das funktioniert mit diesem leicht und humorvoll geschriebenen Buch wirklich wunderbar. Es spult zurück in die Achtziger und nimmt einen mit in die Zeit, in der wir bei Musiksendungen vorm Radio hockten – bereit, die Aufnahmetaste des Kassettenrekorders zu drücken, wenn der Moderator den nächsten Hit spielte. Noch heute habe ich in meiner Erinnerung das Lied „Eye of the Tiger“ von Survivor mit der Unterbrechung des Verkehrsfunks im Ohr, der meine Aufnahme von der „Schlagerralleye“ oder „Mal Sondocks Hitparade“ so unschön erweitert hatte, was mich jedoch damals trotzdem nicht davon abhielt das Lied in Dauerschleife zu hören.

Und so ist das ganze Buch. Die Autoren schwelgen in Erinnerungen, verwenden die „Wir-Form“, gegen die ich mich schonmal gern sperre, wenn sie pauschalisierend mich mit einschließt. Doch hier ist das anders, denn ich fühle mich von den 1974 und 1975 geborenen Autoren verstanden und habe fast den Eindruck mich mit Freunden über die „gute alte Zeit“ zu unterhalten, die gar nicht immer so gut, aber auf ihre Art und Weise besonders war, nicht zuletzt weil ich so viele Entwicklungsschritte in der Zeit durchmachte.

Natürlich kennt man dieses Jahrzehnt auch aus Fernsehsendungen, in denen Stars und Sternchen Rückblicke in diese Zeit kommentieren, aber bei diesem Buch übernimmt man selbst diese Rolle. Man lehnt sich zurück, liest und nimmt sich die Zeit, das Gelesene um eigene Erinnerungen zu ergänzen. So fliegt man durch die Seiten und macht doch auch sehr oft Rast um eigenen Gedanken nachzugehen, den guten, manchmal aber auch den nicht so guten.

Gegliedert ist das Buch in 4 Teile, die an dieser Stelle nur einen groben Überblick dessen liefern sollen, was einen hier erwartet:

  1. Das Spiel unseres Lebens – Matschbrötchen im Hausmeisterkabuff, große Träume und das gute Gefühl, ohne Helm Fahrrad zu fahren
  2. Die Supersorgloszeit – Endlossommer, Erdnussflips im Bademantel und die Geborgenheit guter Samstagabendunterhaltung
  3. Von Blauen Engeln und weißen Tauben – Jute statt Plastik, Singen für ein bisschen Frieden und Hoffnung in der Endzeitstimmung
  4. Wo wir hinfuhren, brauchten wir keine Straßen – Pioniere im Technikwunderland, Joystickakrobaten und das Vergnügen, Videorekorder zu verkoppeln

Mir hat diese Zeitreise in die Achtziger viel Freude gemacht, aber man muss auch wissen, dass es in diesem Buch ausschließlich um die westdeutschen Kassettenkinder geht. Wer gelegentlich auch einen Blick in den Osten werfen möchte, dem sei ergänzend die doch etwas ernsthafter aber nicht weniger interessant daherkommende ZDF-Doku „Die 80er – Das explosive Jahrzehnt“ empfohlen: Teil 1Teil 2Teil 3 .

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Stefan Bonner, Anne Weiss
Wir Kassettenkinder: Eine Liebeserklärung an die Achtziger
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3426788530
Preis: 9,99 € [D]
Verlag: Knaur
Erschienen: 02.11.2017

H wie Habicht – Helen Macdonald

Die letzte Greifvogelschau, die ich gesehen habe, ist schon eine ganze Weile her. Aber ich finde diese Vorführungen immer wieder beeindruckend. Ich kann mich an ein Mal erinnern, bei dem ein Vogel nicht zu seinem Menschen zurückflog, sondern eigensinnig irgendwo auf einem Dach landete und sich scheinbar gemütlich das Gefieder richtete. Später besann er sich zwar eines Besseren, aber diese Situation hatte ich jetzt wieder bildlich vor Augen, als ich „H wie Habicht“ von Helen Macdonald las. Denn dabei erfährt man auf beeindruckende und faszinierende Weise einiges über das, was ein Mensch anstellen und beachten muss, wenn er den Vogel in gewünschte Bahnen lenken möchte. Aber in diesem Buch geht es um viel mehr als ’nur‘ die Zähmung eines Habichts, den man ja eigentlich nicht zähmen kann, weil diese Tiere niemals ihre Wildheit verlieren.

Helen Macdonald (geboren 1970) ist Autorin, Lyrikerin, Illustratorin und Historikerin. Sie arbeitet an der University of Cambridge, England, im Bereich Geschichte und Philosophie der Wissenschaften. H wie Habicht erhielt in England den renommierten Samuel Johnson Prize, der herausragenden Sachbüchern verliehen wird, sowie den hochdotierten Costa Award für das beste Buch des Jahres. Schon als Kind beschloss Helen Macdonald, Falknerin zu werden. Ihr Vater unterstützte sie in dieser ungewöhnlichen Leidenschaft, er lehrte sie Geduld und Selbstvertrauen und blieb eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben. Der Tod ihres Vaters trifft Helen unerwartet. Erschüttert von der Wucht der Trauer wird der Kindheitstraum in ihr wach, ihren eigenen Habicht aufzuziehen und zu zähmen. Und so zieht das stolze Habichtweibchen Mabel bei ihr ein. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Tier entwickelt sich eine konzentrierte Nähe zwischen den beiden, die tröstend und heilend wirkt. Doch Mabel ist nicht irgendein Tier. Mabel ist ein Greifvogel. Mabel tötet.

„Wenn sie einen braven Habicht wollen, müssen Sie eins tun: Geben Sie ihm die Gelegenheit zu töten. So oft wie möglich. Mord bringt ihn auf Linie.“

( S. 38)

Helen Macdonald hatte schon eine Menge Greifvögel geflogen und ihr war jeder einzelne Schritt des Abtragens bestens vertraut. Aber nach dem Tod ihres Vaters ist sie nicht mehr dieselbe. Der Habicht verkörpert alles, was sie sein will – eine selbstbeherrschte Einzelgängerin, die frei von Trauer ist und taub gegenüber den Verletzungen des Lebens. Allmählich entwickelt sich zwischen beiden eine hochkomplexe Wechselbeziehung, die mich beim Lesen in den Bann zog und nicht mehr losließ. Es war großartig von der Autorin Wissenswertes über die Falknerei zu erfahren und dabei nicht nur den Habicht als Tier mit seinen besonderen Fähigkeiten und Ansprüchen kennenzulernen, sondern durch die bildhaften Situations- und Naturbeschreibungen ganz dicht am Geschehen zu sein. Die außerdem gut reflektierte Autorin schafft es, dass man ihre Begeisterung für die Falknerei nachvollziehen kann, bei Fehlschlägen mit ihr leidet, bei der Jagd mit fiebert und sich trotz gemischter Gefühle bezüglich mancher Blutrünstigkeit mit ihr freut.

Im Wechsel dazu erfährt man von dem Autor T. H. White, der 1951 über seine Erfahrungen mit der Zähmung seines Habichts in dem Buch „The Goshawk“ schrieb und der dabei eigentlich alles falsch machte, was man falsch machen konnte. Ich muss gestehen, dass ich diese Abschnitte nicht so gern las, weil mich einfach mehr interessierte, wie es mit Helen Macdonald und Mabel weiter ging. Deren Geschichte machte das Buch jedoch zu einem echten Highlight für mich. Von Helen Macdonald und über die Falknerei möchte ich unbedingt mehr lesen.

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Helen Macdonald
H wie Habicht
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer
Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN: 978-3548376721
Preis: 12,00 € [D]
Verlag: Ullstein
Erschienen: 14.10.2016

erLESENer Mai 2021

Im Lesemonat Mai wachte ich nach einem schweren Motorradunfall im Krankenhaus auf, übernahm in Lusaka eine Hühnerfarm, ging als 17jährige zum ersten Mal zur Schule, half Liss auf ihrem Bauernhof und bei der Ernte, pimpte mein Gehirn, übte mit Elias täglich 6 Stunden lang Gitarrenriffs und versuchte den Geheimnissen der Biografiearbeit auf die Schliche zu kommen.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Fiktion und Realität…

Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells: Obwohl es in diesem Buch um Verlust, Tod und Krankheit geht, hatte ich doch den Eindruck, ein Wohlfühlbuch zu genießen, in das man sich entspannt hineinfallen lassen und in dem man stundenlang schmökern kann. Ausgezeichnet!

Das Auge des Leoparden von Henning Mankell: Fein beobachtet schildert der Autor das Dilemma der Kolonialisierung und der späteren Ent-Kolonialisierung von Sambia. Hervorragend!

Befreit von Tara Westover: Ein großartiges Buch über eine bemerkenswerte Frau, die es durch harte Arbeit und Durchhaltevermögen geschafft hat, sich durch Bildung ein neues Leben aufzubauen. Beeindruckend!

Alte Sorten von Ewald Arenz: Eine schöne Geschichte irgendwo zwischen wuchtig und ganz zart – mit leisem Humor, Wut, Traurigkeit und Tiefgang. Eine umfangreiche Gefühlspalette zum mittendrin sein und mitfühlen, aber auch mit Wohlfühlmomenten. Wunderbar!

Mein Kopf gehört mir von Miriam Meckel: Eine Mischung aus erschreckend und faszinierend, was da am Gehirn erforscht und schon herausgefunden wurde. Wahnsinnig interessant!

Die goldene Ananas von Dennis Kornblum: Sprachlich sehr einfach, aber nichtsdestotrotz ein interessant und authentisch gehaltener Einblick in Leben und Wahrnehmung eines unter Asperger-Syndrom leidenden 26jährigen Gitarristen.

Biografiearbeit – Die innere Schatzsuche von Anja Mannhard: Ein kurzes Buch mit vielen Übungen und Fragen, um die eigene Lebensgeschichte unter die Lupe zu nehmen. Für mich zu bastellastig und zu wenig Erklärungen. Wohl eher an Fachleute gerichtet.

Biografiearbeit . Innere Schatzsuche – Anja Mannhard

Anja Mannhard ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher und Artikel im Bereich Pädagogik, Psychologie, Logopädie sowie Kinder- und Jugendbuch. Sie ist im Sozialmanagement und als Referentin tätig und lebt am Bodensee. Sie verspricht auf spielerische und kreative Weise die biografischen Spuren zu erforschen und sie für das heutige Leben zugänglich und nutzbar zu machen. Zahlreiche Übungen und Impulse zur Rückschau sollen helfen zu verstehen, weshalb man zu der Person geworden ist, die man ist, was das persönliche Leitmotiv im Leben ist und schließlich zu überprüfen, ob man lieber auf den alten Pfaden oder auf neuen Wegen weitergehen möchte.

Zunächst einmal geht es darum, die Dinge und Erinnerungen, die auftreten, so zu akzeptieren, wie sie sind. Ein zu schnelles Eingreifen und Verändern wollen kann unter Umständen mehr Schaden anrichten als Nutzen für die biografische Entwicklung bringen. Und wenn bestimmte Erinnerungen und Erfahrungen sehr stark belasten, kann es empfehlenswert sein sich psychologische Unterstützung zu suchen, gibt die Autorin zu bedenken.

Inhaltlich ist das Buch in vier Teile gegliedert:

  1. Meiner Biografie begegnen
  2. Meinem Weg vertrauen
  3. Wendepunkten mutig begegnen
  4. Gesichter der Erkenntnis

Um den eigenen Eckpunkten in der Lebensgeschichte auf die Schliche zu kommen, gibt es in dem Buch zahlreiche Übungen, die anweisen zu bestimmten Themen zu malen, kleben, beschriften und mit Stichpunkten zu versehen. Auch soll eine Erinnerungskiste bestückt werden, ein roter Faden in der eigenen Geschichte gefunden werden und noch vieles mehr. Außerdem gibt es viele Fragen, die man gezielt für sich beantworten kann, um Anhaltspunkte dafür zu bekommen, wie man seiner eigenen Biografie begegnen kann. In der Rubrik „Ich erinnere mich“ wird man an einzelne Situationen noch etwas gezielter herangeführt.

Und doch kann ich mit diesem Buch nicht so recht warm werden. Viele der Übungen empfinde ich eher als ‚gut gemeint‘ anstatt als wirklich hilfreich. Zuweilen wirkt das Buch etwas unstrukturiert auf mich und manches wiederholt sich. Das bringt mich dazu, das Buch zunächst einmal komplett durchzulesen, weil ich etwas Greifbares suche, bei dem sich ansetzen und anfangen lässt. Doch auch beim zweiten Lesen fällt mir auf, dass mich das nicht lineare Springen in den Altersklassen eher verwirrt. Ich gehe davon aus, dass es besser wäre, das Buch strikt Kapitel für Kapitel durchzuarbeiten, um eine Vorgehensweise zu finden und doch noch einen echten Mehrwert zu erhalten.

Aber ich muss feststellen, dass ich eher für die verschriftlichte Form der Biografiearbeit offen bin und kann mich für den spielerischen kreativen Zugang in Form von Basteln und Malen nicht so sehr begeistern. Das sind natürlich persönliche Präferenzen, die für mich jedoch so dominant sind, dass ich den Einstieg in diese Art der Übungen nicht finden kann. Denn ich hätte mir bei manchem eine Auswertung oder zumindest eine Erklärung gewünscht, wohin mich denn die Bastel- oder Malarbeit bringen soll oder was sie bewirkt.

Insgesamt könnte ich mir eher vorstellen, dass dieses Buch nicht so sehr für den unerfahrenen Privatanwender, sondern vielleicht für therapeutisch tätiges Fachpersonal geeignet ist, das damit eine Übersicht von möglichen Fragen und Übungen erhält, um dann gemeinsam mit der Person, die sich mit ihrer Biografie auseinandersetzen möchte, den individuellen Einstiegspunkt in die Lebensgeschichte zu finden, die Ergebnisse durchzugehen und bestenfalls auch zu besprechen und auszuwerten. Denn vor allem Letzteres kann dieses Buch nicht leisten und für den Einsteiger in diese Thematik ist es zu oberflächlich gehalten.

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Anja Mannhard
Biografiearbeit – Die innere Schatzsuche
Taschenbuch, 112 Seiten
ISBN: 978-3958033511
Preis: 8,00 € [D]
Verlag: Scorpio Verlag
Erschienen: 31.05.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Mein Kopf gehört mir – Miriam Meckel

Wo es möglich ist, die eigenen Fähigkeiten zu erweitern und zu verbessern, da greift der Mensch zu.

„Warum soll es in Ordnung sein, sich einen Herzschrittmacher einsetzen zu lassen oder mit einem Chochlea-Implantat das Hörvermögen zurückzugewinnen, während das Gehirn unantastbar bleiben soll? Es darf für die Heilung zahlreicher Hirnerkrankungen nicht unantastbar sein, sondern muss weiter erforscht werden. Eine absolute Frontlinie für die wissenschaftlichen Eroberungszüge in die graue Materie darf es also nicht geben, keine binäre Entscheidung zur Arbeit am und mit dem Gehirn. Es geht nicht um Ja oder Nein. Es geht um das Wie. Und das Wie-weit.“

(S. 215)

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, als Prof. Dr. Miriam Meckel vor einiger Zeit in einer Talkshow darüber berichtete, welche Erfahrungen sie selbst mit dem Brainhacking gemacht hatte. Ich war damals schockiert und konnte nicht begreifen, wie jemand mit der Gesundheit seines Gehirns so leichtfertig spielen konnte. Aber gleichzeitig hatte mich das auch neugierig gemacht, weil mich interessiert welche Chancen hinter den Risiken liegen.

Als Grenzgängerin zwischen Wissenschaft und Journalismus beobachtet Prof. Dr. Miriam Meckel, Jahrgang 1967, seit Jahren, wie neue Technologien und das Internet unser Leben verändern. In 13 Stationen sucht sie in „Mein Kopf gehört mir – Eine Reise durch die schöne neue Welt des Brainhacking“ nach den aktuellen Möglichkeiten, wie wir Menschen unseren Geist und die irdischen Beschränkungen der Natur mit Hilfe modernster Technologien erweitern und überwinden können. Jede Station verkörpert dabei einen Schritt, den Meckel selbst in die Welt der Optimierung von Körper und Geist unternommen hat – entweder durch umfangreiche Recherchen oder in Form von Selbstversuchen.

Es beginnt bei der bereits gängigen Selbstoptimierung, denn wo die biologischen Voraussetzungen nicht ausreichend sind, bauen wir uns den neuen, besseren Menschen nach unseren Idealen. Wir beginnen beim Körper, mit Bodybuilding, Doping, Chirurgie, und irgendwann ist auch das Gehirn dran. Könnte unser Denken nicht effizienter werden? Brauchen wir wirklich acht Stunden Schlaf, um dem Gehirn Erholungsphasen zu ermöglichen? Können wir unsere Stimmungen nicht durch gezielte Hirnstimulationen aufhellen?

Aber inzwischen ist auch schon viel mehr möglich: Per Denken Texte schreiben oder ein Computerspiel spielen? Kein Problem. Über ein Hirnimplantat Querschnittsgelähmten einen Teil ihres Bewegungsspielraums zurückgeben? Auch kein Problem.

„Michelle Zhou, KI-Forscherin bei IBM, sagt: ‚Ich bin ein großer Fan der Symbiose von Mensch und Maschine, allerdings unter einer Voraussetzung: Computer sollten das tun, was sie am besten können, nämlich konsistent, objektiv und präzise sein. Und auch Menschen sollten ihr Bestes geben: kreativ sein, unpräzise, aber anpassungsfähig.‘ So klingt die Zukunft aus einer Verbindung von Gehirn und Computer ziemlich überzeugend.“

(S. 201)

Aber wir sind auch dabei, eine gefährliche Grenze zu überschreiten: Unsere Gedanken werden auslesbar, unser Denken wird berechenbar, wir werden optimierbar. Dürfen wir alles tun, was wir können? Miriam Meckel fordert: Wir müssen die Autonomie über unseren Kopf behalten – als Privatsphäre des Denkens, als Kreativraum und Refugium des Bewusstseins.

„Mein Kopf gehört mir“ spiegelt mit seinem Erscheinungsdatum 2018 den noch aktuellen Wissensstand zur technologischen Beeinflussung unseres Gehirns wider. Für mich gab es in diesem Buch viel zu entdecken. Einerseits ist es erstaunlich und spannend, was die Wissenschaft leistet und in welchen Bereichen umfassend geforscht wird, andererseits gelingt es der Autorin aber auch, auf die damit verbundenen Risiken hinzuweisen.

Das Buch bietet viel Stoff zum Nachdenken, verwebt Wissenschaftliches mit viel Zukunftsmusik und lässt einen mit einer gehörigen Portion Skepsis gespannt auf das sein, was die kommenden Jahre an offensichtlich Manipulativem für unsere Gehirne zu bieten haben werden.

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Prof. Dr. Miriam Meckel
Mein Kopf gehört mir: Eine Reise durch die schöne neue Welt des Brainhacking
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3492238175
Preis: 11,00 € [D]
Verlag: Piper
Erschienen: 16.03.2018

Frisch auf dem Buchmarkt: April 2021

In den Verlagsvorschauen für den April habe ich einige Bücher gefunden, die ich im Auge behalten und vielleicht auch lesen möchte. Es geht ums reisen und dabei weltwach zu bleiben; um fünfhundert Kinder aus einem Moskauer Waisenhaus, die im Sommer 1944 in den Kaukasus verschickt werden; um ein Mädchen aus Ghana, das im deutschen Exil täglich damit konfrontiert ist, anders zu sein; um Björn Dremel auf Pilgerpfaden; um die Biografie Meister Eckharts; um zwei Schwestern, die sich vielleicht doch nicht so nah standen, wie es erst scheint; um eine dystopische Welt mit einer Wirklichkeit, die die Zukunft und Vergangenheit der Menschheit in Frage stellt; um eine radfahrende Rebellin; um eine Eulenflüsterin und um ein Mädchen, das in ihrer Kindheit und Jugend versucht mit der Schizophrenie ihrer Mutter zurecht zu kommen.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja für euch auch etwas Interessantes dabei:

01.04.2021: Weltwach: Mit offenen Augen ins Abenteuer [Werbung] von Erik Lorenz: Abenteuer. Reisen. Leben. Eine Nacht unter freiem Himmel im Naturschutzgebiet Königsforst. Auf dem Motorrad durch den Himalaja. Anrührende Begegnungen auf einer Jurtenfarm in Australien. Erik Lorenz, Herausgeber des erfolgreichen Reisepodcasts WELTWACH, lässt in diesem Buch nicht nur prominente Gäste wie Andreas Altmann, Ilija Trojanow, Carmen Rohrbach, Ranga Yogeshwar und Reinhold Messner zu Wort kommen, sondern lotet anhand der eigenen Abenteuer aus, warum Reisen so wertvoll für uns sind und was sich auf ihnen zu suchen lohnt: vom Zauber der ersten Stunden an einem fremden Ort, dem Überwinden innerer Grenzen bis hin zum Ablegen eigener Vorurteile. Es sind die Momente größter Intensität und innerer Ruhe sowie die Begegnungen mit den Menschen, die ihn immer wieder antreiben, vor die Haustür zu treten und aufzubrechen. Eindrücklich schildert er, warum auch im Zeitalter von Pauschaltourismus und Klimawandel kleine wie große Abenteuer möglich und wichtig sind. Weshalb eine genetische Veranlagung für unsere Rastlosigkeit mitverantwortlich ist. Und welche kostbaren Lektionen man auf Reisen für das Leben lernen kann: über Scheitern und Angst, Neugierde und Verantwortung – und den Mut, den ersten Schritt zu wagen. Umsichtig und mit Blick für das Wesentliche zeigt er dabei auf, wie es uns gelingt, weltwach zu sein.

12.04.2021: Schlief ein goldnes Wölkchen [Werbung] von Anatoli Pristawkin: Ein wiederentdecktes Meisterwerk: berührend und bristant. Fünfhundert Kinder aus einem Moskauer Waisenhaus werden im Sommer 1944 in den Kaukasus verschickt, unter ihnen Saschka und Kolka. Die elfjährigen Zwillinge hoffen, endlich ihren quälenden Hunger hinter sich zu lassen. Doch bereits ihre Ankunft wird von bedrohlichen Detonationen in den nahe gelegenen Bergen begleitet. Bewaffnete Tschetschenen, die der Zwangsaussiedlung entfliehen konnten, setzen sich erbittert gegen die russischen Eindringlinge zur Wehr – und die Brüder geraten nach Momenten überwältigenden Glücks in größte Gefahr. Anatoli Pristawkin bringt die politischen Realitäten so ungeschönt zur Sprache, dass sein Werk in Russland erst mit Beginn der Perestroika erscheinen durfte. Jetzt in aktualisierter und überarbeiteter Übersetzung, unzensiert.

13.04.2021: Wir Gotteskinder [Werbung] von Nana Oforiatta Ayim: Maya Mensah ist im deutschen Exil täglich damit konfrontiert, anders zu sein. Auch ihre Eltern sind anders. Ihr Vater ist ein scheuer Intellektueller, und ihre schöne Mutter liebt es, das Geld mit vollen Händen auszugeben und an ihre königliche Abkunft zu erinnern. Doch wenn Maya in der Schule von ihrer glanzvollen Familie erzählt, wird sie verspottet. Beistand leistet ihr einzig ihr Cousin Kojo. Maya ist fasziniert von seinen farbenprächtigen Erzählungen aus Ghana, an das sie sich kaum erinnern kann. Sie klingen für sie wie Märchen, die mythisch und wirklich zugleich scheinen, und öffnen ihr den Blick: für ein Land, das seine Seele nach all den Jahren der Kolonialzeit erst wiederfinden muss, für ihre entwurzelten Eltern ― und endlich erkennt sich Maya als Teil dieser Geschichte. Poetisch, fesselnd, faszinierend ― » Wir Gotteskinder« ist wahre Weltliteratur und eine Hymne an das Geschichtenerzählen als verbindendes Glied zwischen den Kulturen.

26.04.2021: Achtsam morden am Rande der Welt [Werbung] von Karsten Dusse: Finde dich selbst. Bevor es ein anderer tut. Um der Midlifecrisis zu entgehen, begibt sich Björn Diemel auf Anraten seines Therapeuten auf Pilgerreise. Schnell stellt sich als Erkenntnis auf dem Jakobsweg heraus, dass Björns Leben die Mitte bereits längst überschritten haben könnte: Ein unbekannter Mitpilger versucht, ihn zu töten. Während bei den scheiternden Anschlägen auf ihn ein Pilger nach dem anderen seinen Lebensweg verlässt, versucht Björn ganz achtsam, sich seiner Haut zu wehren. Seine Pilger-Fragen nach Leben, Tod und Erfüllung bekommen plötzlich eine sehr praxisnahe Relevanz.

26.04.2021: Meister Eckhart: Der Mönch, der die Kirche herausforderte und seinen eigenen Weg zu Gott fand [Werbung] von Joel F. Harrington: Er ist der Ahnherr der Selbsthilfephilosophie, der Guru der New Age-Bewegung, die Millionen von Anhängern hat: Meister Eckhart, Dominikaner, Mystiker und Philosoph. Doch wer war der Mann hinter den Lehren, die nach sieben Jahrhunderten noch Menschen begeistern? Wie sind seine Ideen entstanden? Der Mönch aus Thüringen zeigte damals, dass nur der persönliche Weg zu Gott zum Seelenheil führt und predigte, dass diese spirituelle Erfahrung allen möglich war, die die innere Haltung des Loslassens („Gelâzenheit“) einnahmen. Dieses verblüffend moderne Denken brachte den Mönch Eckhart in Konflikt mit der Kirche, die sich von der Sprengkraft seiner Ideen herausgefordert fühlte. Der Historiker Joel F. Harrington hat sich auf die Spuren des bedeutenden Mystikers begeben und lässt in seiner Biographie eine der faszinierendsten Figuren des Mittelalters auferstehen.

28.04.2021: So wie du mich kennst [Werbung] von Anika Landsteiner: »Warum reden wir den ganzen Tag und erzählen uns doch so wenig?« Karlas Leben ist stehengeblieben. Sie trägt eine Urne nach Hause, darin die Asche ihrer Schwester Marie. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Marie war Karlas Seelenverwandte, ihr Kompass in diesem Chaos, das sich Leben nennt. Und während sich dieses Chaos um sie herum einfach weiterdreht, reist Karla nach New York, um dort die Wohnung ihrer Schwester aufzulösen. Als sie Fotos findet, die so verstörend wie alltäglich sind, fragt sie sich, wie gut sie Marie wirklich kannte. Die Schwester, die so ganz anders lebte als sie. Die erfolgreich und selbstbewusst war. Was Karla auf den Bildern sieht, verändert ihren Blick auf Marie, ihren Blick auf sich selbst und auf das ganze Leben vor ihr. Anika Landsteiner erzählt eindringlich, bewegend und aufrüttelnd von Frauen wie uns. Von Menschen wie dir und mir.

28.04.2021: Singularity [Werbung] von Joshua Tree: Schafft sich die Menschheit selber ab? »Singularity« ist der neue Science-Fiction-Thriller von Bestseller-Autor Joshua Tree über die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Ende des 21. Jahrhunderts ist die Menschheit tief gespalten: Während die eine Hälfte medizinisch bestens versorgt ein langes Leben führt, ist die andere schlicht überflüssig. Bestenfalls als billige Arbeitskräfte haben die meisten Menschen ein karges Auskommen.
Einer dieser Überflüssigen ist James, der als Hausdiener der neuen Elite anheuert. Von seinem neuen Herrn erhält er einen rätselhaften Auftrag: Er soll dessen vor zwanzig Jahren verschollene Tochter wiederfinden – in einer virtuellen Simulation. Schon bald muss er erkennen, dass nicht bloß die Grenzen von VR und Wirklichkeit verschwimmen, sondern auch die von Mensch und Maschine. Und ihm offenbart sich ein schreckliches Geheimnis, das die Zukunft und Vergangenheit der Menschheit in Frage stellt.

30.04.2021: Die Rebellion der Alfonsina Strada [Werbung] von Simona Baldelli: Schon als kleines Mädchen hat Alfonsina Strada einen großen Traum: Fahrrad zu fahren und das möglichst schnell. 1891 als eines von vielen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen im norditalienischen Dörfchen Fossamarcia geboren, saust sie auf dem alten Drahtesel ihres Vaters heimlich durch die Nacht. Trotz Verbots meldet sie sich zu Rennen an, gewinnt und will noch mehr: am großen Giro d’Italia teilnehmen, für den jedoch nur Männer zugelassen sind. Mit Mut, Fantasie und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst bereitet sie sich auf den Coup ihres Lebens vor … 

30.04.2021: Die Eulenflüsterin [Werbung] von Tanja Brandt (TB): „Ich war ein Kind, das nie gewollt war“, sagt Tanja Brandt, wenn man sie zu ihrer Kindheit befragt. Schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihr Elternhaus. In ihrem ganz persönlichen Buch schreibt sie über ihren harten Lebensweg und über die Liebe zu ihren Tieren, die sie daran erinnert, dass Träume wahr werden können. Und sie lernt von ihren Tieren, was es braucht, um glücklich zu sein: Mitgefühl, Fürsorge und Verlässlichkeit.

30.04.2021: Als Mama mit der Lampe sprach [Werbung] von Nilüfer Türkmen: Nelly ist erst vier, als ihr Vater stirbt. Von nun an ist sie allein mit ihrer Mutter. Doch Nellys Mutter ist krank, sie erteilt unsinnige Verbote, impft dem kleinen Mädchen Angst vor Infektionen und Entführern ein. Und sie spricht mit Michael, der in der Lampe wohnt, der eigentlich gar nicht da ist, aber trotzdem alles über die beiden weiß. Nellys Mutter leidet an Schizophrenie, nicht alles, was sie sieht und hört, existiert auch wirklich. Tapfer schlägt sich das Mädchen durch – und versucht zu verstehen, was „wirklich“ ist, und was nicht. Nilüfer Türkmens Erfahrungsbericht ist ein berührendes Zeugnis einer Kindheit und Jugend. Und er lässt uns einen Blick in eine verborgene Welt werfen, die viel mehr Menschen betrifft, als wir gemeinhin glauben.

Pink Floyd – Alle Songs – Jean-Michel Guesdon / Philippe Margotin

Als ich zum ersten Mal dieses Buch in Händen halte, bin ich fast ein wenig ehrfürchtig, denn es ist mit seinen 592 Seiten im Format 19 x 24,2 cm ein echtes Schwergewicht. Beim ersten Durchblättern fällt mir im Gegensatz zum Buchcover eine ansprechend dezente Farbgestaltung der Seiten mit zahlreichen Fotos und Abbildungen auf. Mir ist sofort klar, dass ich dieses Buch feiern werde, denn Pink Floyd ist eine meiner Lieblingsbands und ich habe große Lust darauf, mehr über sie zu erfahren. Zwar bringt allein schon der Anblick dieses Buches ihre Musik in mir zum Klingen, aber ich ich verstehe den Titel „Pink Floyd – Alle Songs“ auch als Aufforderung mir diese gleich beim lesen der Geschichten hinter den Tracks auch noch einmal ganz in Ruhe anzuhören. Allerdings habe ich meine Plattensammlung vor knapp 20 Jahren komplett aufgelöst und nicht mehr alle Pink-Floyd-Alben als CDs nachgekauft. Glücklicherweise finde ich jedoch bis auf wenige Ausnahmen alle Lieder bei Spotify und so sind in den darauf folgenden Wochen meine Tage mit Zeitinseln versehen, die gleichermaßen dem Lesen und dem Musikhören gewidmet sind. Eine wundervolle Zeit, die ich keinesfalls missen möchte!

Denn dieses Buch beinhaltet satte 50 Jahre Rock-Geschichte, von der Gründung Pink Floyds im Jahr 1965 bis hin zu ihrem Ende 2015. Es beginnt damit, wie sich die Band-Mitglieder kennenlernen und zeigt den Werdegang von Pink Floyd in unterschiedlichen Besetzungen auf, nicht ohne dabei auch die musikalischen Einflüsse zu nennen, die prägend waren. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise durch ein Stück Musikgeschichte, wenn beispielsweise die Stones, die Beatles oder Alan Parson Erwähnung finden und man sich doch darüber freuen darf, dass Pink Floyd ihren ganz eigenen Stil entwickelt haben, der sich aus Progressive Rock, Psychedelic Rock, Blues und Jazz zusammensetzt und noch Einflüsse aus der klassischen und der neueren Musik mit aufnimmt.

Album für Album, inklusive der Singles, wird diese Entwicklung nachgezeichnet und auch für die Band relevante private und politische Einflüsse werden nicht ausgelassen, ohne jedoch dabei reißerisch zu wirken. Jedem Album wird einleitend die Entstehungsgeschichte einschließlich der Covergestaltung vorangestellt und der technische Stand inklusive der verwendeten Instrumente der Musiker offengelegt. Weiter geht es im Anschluss mit den einzelnen Titeln und ihrer Vorgeschichte, worin sich auch mögliche Interpretationen der Liedtexte finden, noch ausführlich ergänzt um die technischen Einzelheiten der Aufnahmen. Hier findet sich auch viel von dem Zeitgeist der Bandjahre wieder.

Das alles liest sich für mich wie eine spannende Geschichte, bei der ich mich noch grob an Einzelheiten erinnere, die aber nun um interessante Details ergänzt werden. Allerdings fehlen mir für die technische Seite der Musik die nötigen Kenntnisse, so dass ich diesbezüglich umfangreiche Textstellen auch einfach nur überfliege, ohne sie trotz Glossar gänzlich zu verstehen. Fast bedaure ich dies, könnte mir jedoch vorstellen, dass für Musiker hier viel Interessantes zu finden ist. Da ich mir die Lieder jedoch beim Lesen gleichzeitig anhöre, kann ich manches doch in gewisser Weise nachvollziehen, bin überrascht davon, wie manche Effekte erzielt werden und spüre bei Vielem zumindest was gemeint ist.

Ergänzend finden sich in dem Buch zahlreiche Fotos und Abbildungen der Instrumente und des Studioequipments der Bandmitglieder, aber auch von ihren Auftritten und aus dem Proberaum. In kleinen Randnotizen gibt es noch Zusatzinformationen, nicht nur für „Pink Floyd Addicts“, so dass man in der Musik schwelgen und gleichzeitig die Augen durchs Buch wandern lassen kann. Natürlich schweifen bei manchen Liedern auch die Gedanken ab und entführen in die Zeiten, in denen die Musik Pink Floyds zum Soundtrack des eigenen Lebens gehört hat und manche Lieder und Ereignisse sich unzertrennlich miteinander verbunden haben. Ein besonderes Erlebnis für mich, jetzt nochmal chronologisch durch Musik und Jahrzehnte zu reisen, die Spotify-Playlist mit Lieblingssongs zu füllen und dabei auch einige neu entdecken zu können, weil ich eben doch nicht alle Alben und Lieder kannte – „More“ und „Obscured by Clouds“ waren mir beispielsweise irgendwie entgangen.

Erwartet hatte ich eigentlich, in diesem Buch die kompletten Songtexte abgedruckt zu sehen, fand diese jedoch ebenso wie die Cover der Alben nur beschreibend und interpretierend behandelt. Dennoch ist dieses Buch ein echtes Schmankerl für Pink Floyd Fans und ich habe die Zeitreise damit sehr genossen. Jedoch hätte ich mir für die Covergestaltung einen Grafikdesigner im Stil von Storm Thorgerson gewünscht und unbedingt ein Korrektorat.

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Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin
Pink Floyd – Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks
Aus dem Französischen von Sarah Pasquay und Melanie Köpp
Original: Pink Floyd, La Totale. Les 179 Chansons expliquées, Hachette Livre, Paris
Taschenbuch, 592 Seiten – 440 Fotos und Abbildungen
ISBN: 978-3667120199
Preis: 39,90 € [D]
Verlag: Delius Klasing
Erschienen: 26.02.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer März 2021

Im Lesemonat März lernte ich die norwegische Wanderlust kennen, ließ mich durch Wunderbares verzaubern, nahm eine Einladung zum Schreiben an, dachte über Lebensweisheiten nach und lernte einen homosexuellen und unter Schizophrenie leidenden Schriftsteller kennen.

Bücherwelten – jenseits und diesseits von Fantasie und Wirklichkeit.

Frei. Luft. Hölle. von Are Kalvø: Ein amüsanter Ausflug des Comedian nicht nur ins norwegische Outdoor-Leben. Stimmungsaufhellend und trotzdem Wanderlustfördernd.

Du kannst Wunder vollbringen von Jan Becker: Ein überraschend bodenständiger, empathischer und wissbegieriger Autor, der den gesunden Menschenverstand zu nutzen weiß und neben wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, aber auch dem (noch) Unerklärbaren Raum gibt. Dass dennoch mit ein wenig Hokuspokus gewürzt wird, muss man vertragen können.

Einladung zum Schreiben von Doris Dörrie: Ein hübsches Notizbuch mit ansprechenden Schreibinspirationen in der Art, wie man sie bereits aus ihrem Buch „Leben, schreiben, atmen“ kennt. Ein tolles Arbeitsbuch zum Weiterschreiben.

Eine leise Ahnung von etwas Neuem vom Markus Mirwald: Der vierte Band mit Aphorismen aus seiner Reihe „Wesentliches in wenigen Worten“. Trifft genau meinen Nerv.

Die Germanistin von Patricia Duncker: Ein Roman rund um einen französischen Romancier und politischen Quergeist, der sich als homosexueller und unter Schizophrenie leidender Schriftsteller herausstellt, der Verbindungen zu Michel Foucault hat. Auf seine Art ein besonderes Buch, aber vermutlich doch eher etwas für Kenner der Philosophie Foucaults.

Du kannst Wunder vollbringen – Jan Becker

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich Jan Becker vor etlichen Jahren im Fernsehen in einer Show mit Uri Geller sah und er mir mit seiner Ausstrahlung und seinen beeindrucken Darbietungen als sogenannter Mentalist in positiver Erinnerung geblieben ist. Als ich nun kürzlich „Du kannst Wunder vollbringen“ als von ihm selbst eingesprochenes Hörbuch bei Spotify entdeckte, wollte ich nur mal kurz reinhören. Einfach, weil ich ihn als Typ interessant finde und mir auf kurzweilige Art ein wenig positiven Input erhoffte. Und doch war meine Bereitschaft das Hörbuch jederzeit abzubrechen höher als üblich, weil ich hinter dem Zusatz „Finde dein magisches Glück“ Hokuspokus vermutete, aus dem ich mich mit den Jahren doch herausgewachsen fühlte. Es hat mich rückblickend fast ein wenig erstaunt, dass ich dem Hörbuch bis zum Schluss gefolgt bin – sogar sehr gerne.

Denn Jan Becker geht in diesem Buch zunächst den Definitionen von Wundern und auch der Magie auf den Grund und entmystifiziert diese Begriffe ein wenig. Damit schafft er die nötigen Grundvoraussetzungen um auch nicht religiöse Magiezweifler wie mich, die ihr Heil eher in den wissenschaftlichen Ansätzen der Psychologie suchen, ins Boot zu holen. Der Klappentext meint beschreibend zu dem Buch: „Der „Wundermacher“ und Meister-Hypnotiseur beschäftigt sich seit langem mit den magischen Seiten unserer Welt und erklärt in seinem Buch, wie Magie seine Lebensphilosophie geprägt hat und warum es wichtig ist, den eigenen Blick für die alltäglichen Wunder zu schärfen.“

Glücklicherweise erweckt Jan Becker nicht den Eindruck eines abgehobenen „Wundermachers und Meister-Hypnotiseurs“ – Marketing-Begriffe, die er auch auf seiner Website verwendet – sondern erscheint vielmehr als ein bodenständiger, empathischer und wissbegieriger Mensch, der den gesunden Menschenverstand zu nutzen weiß und neben wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, aber auch dem (noch) Unerklärbaren Raum gibt. Und so finden sich in seinem Buch viele praktische Übungen (unter anderem geht es um Selbstreflektion, Fokussierung, Lenkung der Aufmerksamkeit, etc.) wie sie in einigen magischen, aber auch psychologischen Praktiken Verwendung finden. Alles ist immer gewürzt mit einer Prise Magie und es gibt natürlich viele kleine Ausflüge in esoterische Bereiche um das Überraschende und Wunderbare zu finden. Aber der Autor lässt die Leser auch an vielen Geschichten aus seinem eigenen Leben und seiner Berufspraxis teilhaben, was beim Lesen einen sehr anschaulichen und persönlichen Eindruck hinterlässt. Nach 529 Minuten endet das Hörbuch schließlich und lässt mich angenehm überrascht zurück. Kein Hokuspokus. Na ja manchmal vielleicht doch ein bisschen, aber auf angenehme und sympathische Art herübergebracht. Sicherlich nicht mein letztes Buch von Jan Becker.

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Jan Becker, Mitautorin: Christiane Stella Bongertz
Du kannst Wunder vollbringen – Finde dein magisches Glück
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-492-06193-3
Preis: € 16,99 [D], € 17,50 [A]
Verlag: Piper
Erschienen: 31.08.2020