Die Macht der ersten 1000 Tage – Dr. med. Matthias Riedl

Dr. med. Matthias Riedl ist Ernährungsmediziner, Diabetologe sowie ärztlicher Direktor und Gründer des medicum Hamburg, Europas größter Einrichtung für Diabetes, Ernährungsmedizin und angrenzende Fachgebiete. Mir ist er durch die NDR-Hausboot-Praxis bekannt, in der die Ernährungs-Docs zeigen, wie sich mit speziellem Essen schon innerhalb weniger Monate oft erstaunliche Erfolge im Kampf gegen diverse Gesundheitsprobleme erzielen lassen. Als ich kürzlich auf sein neues Buch aufmerksam wurde, war mein Interesse daher sogleich geweckt. Es geht darum gesünder durch die heutige Welt des Überflusses zu kommen, auf die wir evolutionsbioglogisch gar nicht vorbereitet sind.

06_Die Macht der ersten 1000 Tage

Das Buch richtet sich an Eltern und an alle, die im Leben eines Babys und Kleinkindes eine Rolle spielen und dafür Sorge tragen wollen, dass dieses Wesen alles bekommt, was es braucht, damit es langfristig gesund durchs Leben gehen kann. Aber es richtet sich auch an Erwachsene, die regelmäßig an Diäten scheitern – und sich einfach nicht erklären können, warum sie immer wieder in die Jo-Jo-Falle tappen. Oder die an Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma leiden und es trotz besseren Wissens nicht schaffen, Ernährungsmuster zu verändern, die solchen Krankheiten oft zugrunde liegen.

Matthias Riedl erklärt, nach welchen Mechanismen Prägung funktioniert, welchen Einfluss Evolution und Eltern haben, und führt damit vor Augen, warum so viele von uns so gern das Falsche und von allem zu viel essen. Im zweiten Schritt geht es darum, unserer ganz persönlichen Prägung nicht nur auf die Spur zu kommen, sondern sie auch zu verändern. Sich also auf ‚gesund‘ umzuprogrammieren – und das in jedem Alter. Wer diese Zusammenhänge einmal verstanden hat, soll danach verständnisvoller auf sich und sein Ernährungsverhalten schauen. Und wissen, wie er die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, als Übergewichtiger Kilos zu verlieren – und das dauerhaft. Denn nur wenn wir bei allen Versuchen, uns gesünder zu ernähren, vor Augen haben, wie Evolution, Gene, Umwelt, Umgebung und Eltern uns geprägt haben, lässt sich das Essverhalten anpassen, ohne dass wir uns im Alltag permanent sabotieren.

Darüber hinaus kann das Wissen um das Prinzip der epigenetischen Evolution jedem Einzelnen von uns helfen. Indem wir darüber Bescheid wissen, dass sich unser Lebensstil in epigenetischen Veränderungen zeigt und damit langfristig beispielsweise Stoffwechselprozesse verändern sowie das Risiko für Krankheiten erhöhen kann, haben wir eine Möglichkeit, dieses Risiko zu steuern. Eine besondere Chance haben Eltern. Wissenschaftler finden immer mehr Belege dafür, wie erstaunlich groß der Einfluss ist, den Eltern in epigenetischer Hinsicht auf ihre Kinder haben. Denn, so eine Erkenntnis der Wissenschaft: Nie wieder verändert sich unser Methylierungsmuster (Aktivierung und Deaktivierung von Genen) so stark wie in den ersten 1000 Tagen unseres Lebens. Aktuelle Studien zeigen, wie sehr Vater und Mutter mit ihrem eigenen Lebensstil ihre Kinder beispielsweise daraufhin epigenetisch prägen, wie effektiv die Fettverbrennung ist – und mit welchem Risiko für Übergewicht und bestimmte Krankheiten, allen voran Diabetes, ihr Nachwuchs zur Welt kommt.

Aber auch Verantwortliche in Politik und Verwaltung, in Krankenkassen und Schulen, in Vereinen und Organisationen nimmt Matthias Riedl in die Pflicht. Sie alle sollten darüber Bescheid wissen, wie ‚frühkindliche Ernährungsprägung‘ unsere Gesundheit auf Jahrzehnte hin beeinflusst. Denn die richtige Prägung von Kindern und die Umstellung beziehungsweise ‚Umprogrammierung‘ von Erwachsenen zu ermöglichen und zu fördern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wenn nicht jeder Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln hat, wenn nicht Konzerne verpflichtet werden, nahrhaftere Lebensmittel zu produzieren und die Zahl energiereicher, hoch verarbeiteter, langfristig krank machender Produkte zu reduzieren, so Matthias Riedl,  dann wird all das Wissen von Ernährungsmedizinern nichts nützen.

Ein hoch interessantes Buch, das mir einige Aha-Effekte bieten konnte und mir bei der Spurensuche im Hinblick auf meine eigene Prägung wertvolle Hinweise bieten konnte. Ob ich meine erlernten Gewohnheiten verändern kann und die Umstellungen dauerhaft in meinen Alltag integrieren kann, muss sich allerdings erst noch zeigen. Die richtige Ernährung ist und bleibt ein Lebensthema, weshalb ich die Lektüre dieses Buches empfehlen kann.

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Dr. med. Matthias Riedl
Die Macht der ersten 1000 Tage
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-8338-7275-4
Preis: € 19,99 [D] inkl. MwSt.
Verlag: GU Gräfe und Unzer Verlag
Erschienen: 04. Februar 2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer Januar 2020

Im Lesemonat Januar suchte ich Paul auf Trinidad, erlebte, was nach dem Untergang Endoras geschah, kehrte mit Nina ins Dorf zurück und hielt mich an glücklichen Erinnerungen fest.

Bücherwelten – in diesem Monat leider überwiegend durchwachsen und eher durchschnittlich…

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Goldkind von Claire Adam
Ein stimmungsvoller Roman über Trinidad und die Frage, ob man das Leben eines Kindes für ein anderes opfern kann. Ein Buch, das nachdenklich macht.

Das Vermächtnis des Ältesten . Scythe 3 von Neil Shusterman
Nach den beiden hervorragenden Teilen der Trilogie ein leider nicht so gelungener Abschluss. Mir scheint, der Autor war noch voller guter Ideen, die er unbedingt in diesen dritten und letzten Teil packen wollte, das ganze aber nicht zu einem runden Ganzen verarbeiten konnte.

Die Wälder von Melanie Raabe
Ein handwerklich zwar gut gemachter Thriller, dem es allerdings an Glaubwürdigkeit mangelt. Schade, von der Autorin bin ich Besseres gewohnt.

Die Kunst der guten Erinnerung von Meik Wiking
Ein Buch über Glück, das dabei helfen soll Momente zu schaffen, an die man sich gern zurückerinnert. Nett gemacht, aber irgendwie doch mehr ein Erinnerungsstück des Autors, das mich nicht so recht begeistern konnte.

Die Kunst der guten Erinnerung – Meik Wiking

Auf dieses Buch wurde ich kurz nach seinem Erscheinungstermin aufmerksam und es sprach mich sofort an, weil ich das Bedürfnis hatte, mich zu erinnern, nicht loszulassen und ich wollte keinesfalls den Menschen vergessen, der mir lieb und wertvoll war und den ich gerade erst verloren hatte. Ich erhoffte mir von dem Buch ein wenig Hilfe dabei, meine Erinnerungen an diesen Menschen zu sortieren und vielleicht in gewisser Form auch zu konservieren, um sie für meine ganz persönliche Ewigkeit haltbar zu machen. Ein verzweifelter Versuch mit dem Schmerz umzugehen, der mich gleichzeitig blind für das machte, was der Klappentext des Buches eigentlich ankündigt: Meik Wiking ist seines Zeichens Glücksforscher und nutzt Daten und Tagebücher, Interviews, globale Umfragen und Studien sowie Experimente aus der Verhaltensforschung und zeigt, wie wir perfekte Momente schaffen können – Momente, an die man sich für immer erinnern wird und die prägen. Es geht also weniger um das Erinnern an sich, sondern um das Schaffen erinnerungswerter Momente.

04_Die Kunst der guten Erinnerung

Dabei ist das Buch in 8 Kapitel unterteilt:

  1. Die Macht der ersten Erinnerung
  2. Mit allen Sinnen erleben
  3. Aufmerksamkeit investieren
  4. Bedeutungsvolle Momente schaffen
  5. Emotionale Highlights ‚markern‘
  6. Gipfel und Täler
  7. Geschichten gegen das Vergessen
  8. Erinnerungen bewahren

Auf den ersten Blick ist dieses Buch wunderschön mit Zeichnungen illustriert und mit zahlreichen stimmungsvollen Fotografien ausgeschmückt. Je weiter ich jedoch beim Lesen fortschritt, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass diese eher inflationär ausgewählt sind und das Buch nur künstlich aufblähen, um über den doch eher dürftigen Inhalt hinwegzutäuschen. Denn wenn man sich mit positiver Psychologie oder dem Thema „Glück“ schon intensiver auseinandergesetzt hat, erfährt man dabei kaum etwas Neues. Das meiste hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen oder macht es bestenfalls bereits intuitiv richtig. Abschließend gibt es in dem Buch noch eine Ideenliste, die dabei helfen soll, ein ganzes Jahr lang glückliche Erinnerungen zu schaffen. Eigentlich eine nette Idee, die allerdings eher wie gut gemeint wirkt und nicht so richtig gut ist, weil sie oft recht vage bleibt.

Da der Autor insgesamt eher Altbekanntes vorstellt und den wenigen Inhalt mit zahlreichen Fotos und vielen langweiligen Geschichten aus seinem Leben streckt, die ich zum Ende hin fast nur noch quergelesen habe, anstatt mich eingeladen zu fühlen, den eigenen Erinnerungen ein wenig nachzuhängen, erweckt das Buch den Eindruck, als hätte er hiermit sein ganz persönliches Erinnerungsstück verfasst.

Gut gefallen hat mir hingegen das Kapitel „Erinnerungen bewahren“. Das widerspricht so völlig dem Minimalismus und Marie Kondos Aufräumwahn, verhilft jedoch zu individuellen Erinnerungsperlen, die beim Betrachten Gefühle hervorzaubern. Das macht so manchen Staubfänger in meinem Regal gleich noch ein wenig wertvoller. Auch nehme ich mir vor, das ein oder andere für mich bedeutungsvolle Foto auch tatsächlich einmal in Printform zu verewigen, um es dem digitalen Universum zu entreißen.

„Bestenfalls erschafft unsere Erinnerung – so schrieb Virginia Woolf einmal in ihren Memoiren – Skizzen der Vergangenheit. Doch so fehlerhaft sie sein mag, so sehr sie von Gipfeln und Tälern beeinflusst ist, sie ist sehr viel wert. Und vielleicht ist unser Glück nicht nur davon abhängig, was wir erinnern können, sondern auch davon, was wir vergessen können. Zu viel Vergangenheit kann uns lähmen. Wir wollen unsere glücklichen Erinnerungen festhalten, aber wir wollen auch in der Lage sein, die Vergangenheit loszulassen, in der Gegenwart zu leben und Zukunftspläne zu schmieden.“ (S. 248)

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Meik Wiking
Die Kunst der guten Erinnerung
Und wie sie uns dauerhaft glücklicher macht
Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz
Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2663-1
Preis: € 20,00 [D] inkl. MwSt.
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 31. Oktober 2019

Licht in der Nacht der Seele – Martin Duda

Erst kürzlich wurde ich auf die „Bibliotherapie“ aufmerksam, die zu den künstlerischen Therapieformen, (wie beispielsweise auch Musik- und Tanztherapie) gehört. Hierbei setzt man auf die Heilkraft der Sprache, die beim Lesen von beruhigender und aufbauender Literatur und beim Schreiben und Gestalten eigener literarischer Texte Heilungsprozesse unterstützen, Probleme lösen und die Persönlichkeitsentwicklung fördern kann. Bei der Suche nach weiterführender Literatur, stieß ich unter anderem auf „Licht in der Nacht der Seele – Wie Lesen bei Depressionen hilft“ von Martin Duda. Das Buch bezeichnet sich selbst als Literarisches Antidepressivum, was auf mich zunächst befremdlich wirkt, da es enorme Erwartungen weckt. Aber es machte mich auch neugierig.

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Der Text auf der Klappe dieses broschierten Buches erläutert:

„In der Literatur ist die Depression ein immer wiederkehrendes Thema. Viele Dichter und Schriftsteller kennen das Phänomen aus eigenem Erleben. Sie haben – anders als die Wissenschaftler oder die Mediziner einen unmittelbaren und ganzheitlichen Zugang gerade auch zu den Schattenseiten menschlicher Erfahrungen. Dieser Zugang ermöglicht ihnen und damit auch den Lesern eine andere, breitere Sicht auf die Depression. Zugleich haben viele literarische Werke für depressive Menschen eine heilsame und therapeutische Wirkung. Wenn der Lebenssinn zu einer dringenden Frage wird und die Gründe zum Leben verloren gehen, kann uns gute Literatur bei der Suche nach ihnen begleiten und ein wenig Licht in die geheimnisvolle Dunkelheit der Depression bringen.“

Lesen ist für viele Menschen, so auch für mich, ein Hilfsmittel erster Wahl, um Zeiten der Muße, der Ruhe und der Entspannung für sich zu entdecken und in ihnen einzutauchen. Ein gutes Buch hat das Vermögen und die Macht, mich aus dem Alltag zu entführen, aber auch die quälenden Phasen depressiver Langeweile, die immer mehr handlungsunfähig macht und zunehmend lähmt, in eine gute Zeit der Muße zu verwandeln, wenn ich rechtzeitig zu diesem Hilfsmittel greife. Beim Lesen dieses Buches fühlte ich mich außerdem an eine Zeit erinnert, als ich tatsächlich bei Dichtern, Schriftstellern, Musikern und Malern regelrecht auf der Suche nach gemeinsamen Empfindungen und Darstellungen war, in denen ich mich und mein durch die Bipolare Störung (manisch depressive Erkrankung) verändertes Erleben wiederfinden konnte. Ich sammelte diese Fragmente, weil die Künstler in der Lage waren das auszudrücken, wofür mir die Worte und auch sonstige Ausdrucksmöglichkeiten fehlten. Das brachte mir Linderung, weil ich mich verstanden fühlte und ich manches dadurch erst als Teil der Krankheit identifizieren und begreifen konnte.

Geholfen hätte es mir auch, wenn mir zu dieser Zeit, in der ich erst noch den Umgang mit der Depression lernen musste, „Licht in der Nacht der Seele“ in die Hände gefallen wäre. Martin Duda, der sich seit vielen Jahren mit der heilsamen Wirkung des Lesens befasst, bietet mit ausgewählten Texten der Weltliteratur und praktischen Buchtipps Hilfe zur Selbsthilfe an. Denn therapeutisch lesen bedeutet, langsam und mit dem Herzen zu lesen und den Text zu verinnerlichen. Es geht darum,

[…] den traurigen und gesenkten Blick des depressiven Menschen wieder nach oben zu richten, ihn selbst als Mensch aufzurichten und ihn hinaus nach draußen in die Welt, da wo das Leben ist, zu schicken. Gewissermaßen gilt es, nicht nur seine äußeren Sinne, seine Augen und Ohren, sondern vor allem sein Herz zu öffnen und ihn zum Leben und zum Wertvollen im Leben wieder hinzuführen. (S. 41)

Der Autor zeigt, wie die Lektüre dazu beitragen kann, der Ausweglosigkeit der Depression zu entkommen und den Weg zurück ins Leben zu finden. Doch es ist hier keine konkrete Auflistung von Tipps zu erwarten, die abgearbeitet werden könnten. Eher wird das Lesen als ein unterstützendes Mittel empfunden, das unter Umständen einbezogen werden kann. Tatsächlich sind es auch nicht die unterschiedlich gearteten kurzen Texte und Gedichte, die er zitiert und beispielhaft angibt, die ich an diesem Buch als hilfreich empfinde. Manches ist großartig, aber nicht alles spricht mich an und für Lyrik bin ich nicht immer empfänglich. Vielmehr schafft es der Autor durch seine Ausführungen und Erläuterungen das Wesen, die Ursachen und Auswirkungen der Depression so zu benennen und auf den Punkt zu bringen, dass ich mich mitsamt der krankheitsbedingten Problematiken verstanden und ernst genommen fühle. Daher kann ich die Lektüre dieses Buches auch denjenigen empfehlen, die versuchen möchten zu verstehen, wie die Depression das Leben eines Menschen vereinnahmt und was sie unter Umständen aus ihm macht. Selten habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt, was wohltuend und tatsächlich ein wenig wie ein literarisches Antidepressivum auf mich wirkt. Eine Empfehlung für Interessierte und Betroffene.

„Kein Buch vermag zwar die unmittelbare Begegnung mit einem anderen Menschen zu ersetzen, geschweige denn all das, was sich in der Begegnung mit ihm und in der Beziehung zu ihm ereignet und darin wirkt. Aber die Literatur kann nicht nur Wege zum depressiven Menschen ebenen und wie eine Verbindungsbrücke fungieren, sondern auf die heilsamen Kräfte, die nur in der Beziehung der Menschen untereinander entstehen, aufmerksam machen. Ob in großen Werken der klassischen Literatur oder in einfachen Liebesromanen – überall geht es um Themen wie Beziehungen, Trennungen, Verluste und um die Einsamkeit, aber auch um rettende Auswege wie Liebe, Freundschaft, Zuneigung und Mitgefühl. Bücher mit diesen Motiven können zur Reflexion anregen und für die Not eines einsamen Menschen sensibilisieren, aber auch Lösungen und Schritte aus der Einsamkeit aufzeigen.“ (S. 96)

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Martin Duda
Licht in der Nacht der Seele
Wie Lesen bei Depressionen hilft
Klappenbroschur, 160 Seiten
ISBN: 978-3-8436-1059-9
Preis: 16,00 € (D) inkl. MwSt.
Verlag: Patmos
Erschienen am 04.06.2018

Heimatland – I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit & Geir Gulliksen (HRSG.)

Bei der Frankfurter Buchmesse war ich bisher zwar noch nicht, aber ich verfolge dennoch alljährlich interessiert das Drumherum. In diesem Jahr ist Norwegen das Ehrengastland und deshalb wurde ich auch gleich hellhörig, als ich erfuhr dass die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, auf deren Liebe zu Büchern und ihren Einsatz im Literaturzug ich erst im vergangenen Jahr aufmerksam wurde, gemeinsam mit Geir Gulliksen das Buch „Heimatland“ herausgegeben hat. Von der Landschaft Norwegens bin ich begeistert, weiß von diesem Land aber genaugenommen sehr wenig. Durch dieses Buch erhoffte ich Interessantes zu erfahren und dabei gleichzeitig einen kleinen Eindruck von norwegischer Literatur zu bekommen – und einen weiteren weißen Fleck im Rahmen meiner BUCHweltreise mit Inhalten zu füllen.

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Als Vorwort beginnt „Heimatland“ mit dem Gespräch zwischen I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit und Geir Gulliksen. Darin unterhalten sie sich über Literatur und darüber, wie norwegisch sie eigentlich sind. Zur Verwirklichung dieses Buchprojekts waren sich die beiden Herausgeber gleich einig, dass sie Autoren und Autorinnen dazu einladen wollten, über das Norwegische zu schreiben und darüber, was das Norwegische für sie heißt. Auch um den Zusammenhang von Sprache, Literatur und das Leben sollte es gehen.

In „Heimatland“ kommen deshalb zwölf literarische Stimmen aus Norwegen zu Wort: Tomas Espedal, Vigdis Hjorth, Ole Robert Sunde, Marit Eikemo, Siri Hustvedt, Wencke Mühleisen, Demian Vitanza, Karl Ove Knausgård, Helga Flatland, Agnes Ravatn, Maria Navarro Skaranger und Dag Solstad. Jedem Text vorangestellt ist ein schwarzweiß Portrait des jeweiligen Autors. Die Buchgestaltung ist luftig und lässt den Texten, die so unterschiedlich sind wie das, worüber sie berichten, genug Freiraum.

Mal geht es um Geschichtliches und Spätfolgen der Kolonialzeit, um das Leben norwegischer Auswanderer in Amerika, man erfährt einiges über Leben und Wirken des Schriftstellers Knut Hamsun, erlebt Tradition und Moderne, die Veränderlichkeit der Sprache, schwierige Witterungsverhältnisse und traumhaft schöne Landschaft. Aber hier wird nicht nur die Heimat der Schriftsteller geliebt und beleuchtet, sondern auch kritisch betrachtet. So entsteht eine Mixtur unterschiedlicher Themen, Geschichten und Momentaufnahmen, fern von der Glorifizierung des Begriffs Heimat, dafür aber authentisch und lebensnah wirkend.

Neben sachlichen Texten sind im Buch einige Geschichten enthalten, die mit ihren ganz eigenen besonderen Stimmen erzählt werden. Das Gelesene berührt und hallt nach, selbst wenn das Norwegische nur leise im Hintergrund durchklingt. Hier beeindruckt die Fähigkeit der Schriftsteller über die nahen Beziehungen der Menschen zu schreiben und macht Lust darauf, mehr von dem jeweiligen Autor oder der Autorin zu entdecken.

Für mich war das Lesen dieses Buches ein echter Gewinn, da es mir Seiten von Norwegen zeigen konnte, die mir unbekannt waren. Auch der unmittelbare Bezug zur Literatur und den bekannten norwegischen Literaten hat mir gut gefallen und mich auf den Geschmack gebracht. Lediglich das Vorwort hätte mir als Nachwort besser gefallen, da die Herausgeber darin teilweise auf die Inhalte der Texte eingehen und ich das nicht lesen mag, ohne selbst die Texte zu kennen. Allerdings nehmen sie dabei auch nichts vorweg, aber mir fehlte als Leserin halt der Bezug. Dafür konnte ich mit dem Vorwort umso mehr anfangen, als ich es nach Beendigung des Buches einfach nochmal las. So schloss sich für mich der Kreis und das Buch fand für mich zu einem gelungenen vielfältigen Ganzen, das mir auf sympathische Weise einige Facetten Norwegens zeigen konnte – einem Land, von dem ich gerne mehr erfahren und es selbst einmal besuchen möchte.

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I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Heimatland
… und andere Geschichten aus Norwegen
Aus dem Norwegischen von Paul Berf, Ulrich Sonnenberg, Ina Kronenberger, Uli Aumüller, Gabriele Haefs, Elke Ranzinger, Hinrich Schmidt-Henkel
Original: Hjemlandet | Verlag: Aschehoug
Hardcover mit Schutzumschlag, 328 Seiten, 12 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-630-87608-5
20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Luchterhand
Erschienen am 30. September 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer September

Im Lesemonat September lauschte ich den Stimmen des Waldes, erfuhr warum es den Dompfaffen an den Kragen ging, kämpfte mit Adelaida ums Überleben, war weltweit dem Tod auf der Spur und las ohne jegliche Ehrfurcht in der heiligen Khorabel.

Großartige Bücherwelten – gleich um die Ecke oder um zig Ecken entfernt, mal geradeaus und mal um die Ecke gedacht…

09_erLESENer

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur von Peter Wohlleben: Das Buch schärft das Bewusstsein für die Probleme des Waldes und der Waldbewirtschaftung. Gleichzeitig schafft es eine lebendige Atmosphäre, in der man Erstaunliches über die Natur entdecken kann und die Lust darauf macht, sich auf der Stelle in den nächsten Wald zu begeben um diesen mit all seinen Sinnen und dem frisch erworbenen Wissen neu zu erfahren. Ein Buch, das nachwirkt.

Der Federmann von Max Bentow: Widerlich gut von Axel Milberg vertont, bringt mich das Gehörte bis an die Grenze dessen, was ich ertragen kann oder mag. Aber dennoch konnte ich von dem Hörbuch nicht ablassen und musste es bis zum Schluss weiter hören. Hat mir gefallen!

Nacht in Caracas von Karina Sainz Borgo: Ein intensives literarisches Debüt über das Schicksal einer jungen Frau und ein virtuoses Portrait eines untergehenden Landes. Auch wenn mich das Ende dieses Buches nicht vollends überzeugen konnte, ist es unbedingt empfehlenswert!

Wo die Toten tanzen von Caitlin Doughty: Kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

Miroloi von Karen Köhler: Sprachintensive und gefühlvolle Schilderungen aus der Sicht einer sechzehnjährigen namenlosen Frau, die auf einer streng religiösen frauenfeindlichen fiktiven Mittelmeerinsel allmählich erwacht und um ihre Freiheit kämpft. Für mich ein Highlight!

 

Wo die Toten tanzen – Caitlin Doughty

Nicht einfach, dieses Buch zu beschreiben, das von einem Thema handelt, über das meist doch lieber nicht gesprochen wird. Dabei ist das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe – also der biologische Tod von Lebewesen – eigentlich etwas ganz Natürliches. Im 19. Jahrhundert hätte es niemanden verwundert, wenn ein Leichnam von den Verwandten für die Trauerfeierlichkeiten hergerichtet wurde – es wäre sogar befremdlich gewesen, wenn sie das nicht getan hätten. In beeindruckend kurzer Zeit ist jedoch die Bestattungsbranche entstanden und in vielen Industrieländern zur teuersten, kommerziellsten und bürokratischsten Art mit seinen Verstorbenen umzugehen geworden.

39_Wo die Toten tanzen

Aus genau dieser Branche kommt die amerikanische Bestatterin Caitlin Doughty. In den letzten Jahren reiste sie durch die Welt, um herauszufinden, welche Totenrituale in anderen Ländern praktiziert werden – unter anderem in Indonesien, Mexiko, Spanien, Japan, Bolivien und in verschiedenen Gegenden der USA. In dem Buch „Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird“ versucht sie zu zeigen, dass es keine reglementierte Art gibt, mit dem Tod zu ‚verfahren‘ oder ihn zu verstehen. Sie besucht in Indonesien einen Mann, der mit dem mumifizierten Körper seines Großvaters zusammenlebt. Verfolgt in Japan eine Zeremonie, bei der Angehörige die Knochen des Verstorbenen mit Stäbchen aus der Verbrennungsasche lesen. Und geht in Mexiko dem „Tag der Toten“ auf den Grund. Augenzwinkernd stellt sie Alternativen wie die Öko-Bestattung vor. Und hinterfragt, ob unsere westlichen Riten Raum zur angemessenen Trauer lassen.

„Ich glaube mittlerweile, dass die Vorzüge eines Totenbrauchs nicht auf Mathematik beruhen, sondern auf Emotionen, auf dem Glauben an die einzigartige Würde der jeweils eigenen Kultur. Das heißt, wir halten Totenrituale nur dann für primitiv, wenn sie nicht mit den unseren übereinstimmen.“ (S. 14)

Wenn man dies gleich zu Beginn des Buches für sich geklärt hat, herrscht die nötige Offenheit um kennenzulernen, wie in anderen Kulturen mit dem Tod und den Verstorbenen umgegangen wird. Die Konfrontation mit dem Tod ist nichts für schwache Nerven und manche Beschreibungen über Aussehen und den Umgang mit menschlichen Überresten verursachen mir beim Lesen ein flaues Gefühl im Magen. Tatsächlich hätte ich mir stellenweise eine weniger anschauliche Schilderung gewünscht, weil es mich doch schockiert hat. Nichtsdestotrotz ist die Thematik sehr interessant und auf ihre Weise bereichernd, da mein Umgang mit dem Tod bislang eher oberflächlicher Natur war. Ebenfalls für gelungen halte ich die zahlreichen Illustrationen von Landis Blair, die Aufbauten und Arrangements begleitend zum Text auf ansprechende und in gewisser Weise doch pietätvolle Art verbildlichen, wie es beispielsweise Fotografien nicht gekonnt hätten.

Gelegentlich ist mir die Ausdrucksweise jedoch zu flapsig und makaber, der Humor der amerikanischen Autorin zu gewollt. Doch das sind glücklicherweise nur kurze Sequenzen, denn sobald Caitlin Doughty wieder etwas sachlicher wird, lese ich gespannt und interessiert weiter.

„Wo die Toten tanzen“ ist kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

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Caitlin Doughty
Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird
Aus dem Amerikanischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
Mit Illustrationen von Landis Blair
Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-89029-506-0
Preis: € 20,00 [D], € 20,60 [A]
Verlag: Malik
Erschienen:  02. September 2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur – Peter Wohlleben

Seitdem ich Peter Wohlleben vor Jahren in einer Talkshow sah, wollte ich immer mal eines seiner Bücher lesen. Ich mochte die Art, wie er anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse und seiner eigenen Erfahrungen über die erstaunlichen Phänomene der Natur berichtet. Erst in diesem Jahr wurde ihm für seine emotionale und unkonventionelle Wissensvermittlung die Bayerische Naturschutzmedaille verliehen. Und doch ist das erst kürzlich erschienene Buch „Das Geheime Band zwischen Mensch und Natur“ das erste Buch, das ich von ihm las und von dem ich an dieser Stelle verraten kann, dass es nicht mein letztes sein wird.

„Wir sind keine degenerierten Wesen, die nur mithilfe der modernen Technik noch in der Lage sind, langfristig zu überleben. Lassen Sie sich auf der Reise in die Wälder überraschen, wie gut Ihre Sinne funktionieren! So gibt es zum Beispiel Gerüche, die Sie besser wahrnehmen können als Hunde. Daneben werden wir auf elektrische Phänomene an Bäumen stoßen, die Spinnenhaare zu Berge stehen lassen. Im Grünen gibt es eine gut bestückte Apotheke, aus der sich nicht nur alle Tiere, sondern auch Sie sich bedienen können. Darüber hinaus umweht Sie ein Kommunikationscocktail, der Ihren Kreislauf und Ihr Immunsystem stärkt.“ (S. 7/8)

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Als Förster und Naturschützer entdeckt Peter Wohlleben verblüffende Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Natur – ein uraltes Band, das bis heute intakt ist, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind. So profitiert unser Immunsystem bei einem Waldspaziergang nachweislich von pflanzlichen Antibiotika, die Bäume zu ihrem eigenen Schutz vor Angreifern ausdünsten. Unser Blutdruck normalisiert sich in der Umgebung von Bäumen, die Farbe Grün beruhigt uns, der Wald schärft unsere Sinne, er lehrt uns zu riechen, hören, fühlen und zu sehen. Peter Wohlleben öffnet die Augen für das verborgene Zusammenspiel von Mensch und Natur. Er entführt uns in einen wunderbaren Kosmos, in dem der Mensch nicht als überlegenes Wesen erscheint, sondern als ein Teil der Natur wie jede Pflanze, jedes Tier.

Aber Peter Wohlleben macht auch bewusst, dass es in unserem ureigenen Interesse ist, die Natur zu bewahren. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Heute hält er Vorträge und Seminare, schreibt Bücher zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz und leitet eine Waldakademie in der Eifel. Er setzt sich weltweit für die Rückkehr der Urwälder ein, denn die angeschlagene Natur kann sich am besten heilen, wenn man ihr den Raum dazu lässt. Aber auch mit den derzeit in den Schlagzeilen stehenden Wäldern beschäftigt er sich und gewährt interessante Einblicke. Es ist viel Stoff zum Nachdenken in dem Buch vorhanden, aber es setzt auch ganz klar das Signal, dass es für den Schutz der Natur nicht zu spät ist – nie zu spät sein kann, weil wir als Menschen viel zu stark mit ihr verbunden sind.

So erzeugt das Buch neben der Schärfung des Bewusstseins für die Probleme des Waldes und der Waldbewirtschaftung gleichzeitig eine lebendige Atmosphäre, in der man Erstaunliches über die Natur entdecken kann und die gleichzeitig Lust darauf macht, sich auf der Stelle in den nächsten Wald zu begeben um diesen mit all seinen Sinnen und dem frisch erworbenen Wissen neu zu erfahren. Ein Buch, das nachwirkt.

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Peter Wohlleben
Das geheime Band zwischen Mensch und Natur
Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben
Hardcover, 240 Seiten
ISBN: 978-3-453-28095-3
Preis:  22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Ludwig
Erschienen:  12. August 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer August

Im Lesemonat August starb ich beinahe an einer lustigen Blutvergiftung, trotzte hüpfend der Schwerkraft, schlief auf Bienenstöcken, schwelgte in Erinnerungen an meine verstorbene Katze und erlas mir den Triple Crown Award.

Bücherwelten – nur einen Hauch entfernt vom intensiven  erLeben und Tod…

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Wir von der anderen Seite von Anika Decker: Ein Roman mit autobiografischen Elementen der Drehbuchautorin, in dem sie über die Folgen ihrer schweren Blutvergiftung schreibt. Einerseits gut und authentisch geschrieben, andererseits aber auch zu viele Klischees und gewollter Humor. So lala.

Das 5-Minuten-Trampolin-Training von Manuel Eckardt: Alles rund ums Trampolin-Training zum im Lesesessel sitzen und nachlesen. Leichter nachvollziehbar und vor allem zum gleich mitmachen sind jedoch die Videos, die man sich unter der im Buch angegebenen Internetadresse oder als purlife-Mitglied online anschauen kann.

Graue Bienen von Andrej Kurkow: Die atmosphärische Geschichte von der Flucht und dem Zurechtkommen eines Imkers und seiner Bienen inmitten des Ukraine-Konflikts. Empfehlenswert!

Mehr als nur eine Katze von Kristin Hoffmann: Ein Trost- und Erinnerungsbuch, das konzeptionell bei dem Zeitpunkt ansetzt, als die Katze in das Leben kam und einlädt sich an Fröhliches, Trauriges, Besonderes und schließlich an das Ende der Beziehung zu erinnern. Keine einfache Lektüre, aber dennoch lohnenswert, wenn man bereit ist, sich seiner Trauer und seinen Erinnerungen zu stellen.

Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer: Zwischen 2004 und 2008 läuft Christine Thürmer dreimal von Mexiko nach Kanada und erzählt von ihren Abenteuern und Begegnungen. Ein inspirierendes und mitreißendes Buch, das beinahe Lust darauf macht selbst loszuwandern.

 

 

Mehr als nur eine Katze – Kristin Hoffmann

Mit gemischten Gefühlen halte ich das Trost- und Erinnerungsbuch in Händen. Einerseits freue ich mich über das Buch, das verspricht mit wunderschönen Bildern, literarischen Texten und viel Platz für Persönliches eine Liebeserklärung für meine verstorbene Katze zu sein, andererseits fühle ich mich jedoch an den 15. Oktober 2018 erinnert, eben jenem Tag, an dem ich schmerzlich von Lara Abschied nehmen musste.

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Gut 10 Monate sind seitdem bereits vergangen und allein der Titel des Buches „Mehr als nur nur eine Katze“ treibt mir schon Tränen in die Augen. Dennoch nehme ich mir die Zeit und lese die knapp 80 Seiten in einem stillen Moment und in aller Ruhe durch. Das Buch setzt konzeptionell bei dem Zeitpunkt an, als die Katze in das gemeinsame Leben kam. Der Aufbau des Buches lädt ein, sich zu erinnern: an Fröhliches, an Trauriges, an Besonderes und schließlich an das Ende der Beziehung. Die Erinnerungen werden flankiert mit Katzenweisheiten, berührenden kleinen Geschichten, Sprüchen namhafter Literaten und zauberhaften Fotos.

Ich weine beim lesen dieses Buches viel, aber es sind befreiende Tränen, die einerseits durch die berührenden Texte und Zitate, die allesamt Wertschätzung für die Katze ausdrücken, ausgelöst werden und andererseits durch die Einladung, den im Buch eingeräumten Platz mit eigenen Erinnerungen und Bildern zu füllen. Das macht das Lesen zu etwas sehr Persönlichem, aber auch sehr Schmerzhaftem, weil mir meine Katze immer noch sehr fehlt. Weil jedoch die Erinnerungen nicht durchweg traurig sind, sondern auch so manches Lächeln hervorzaubern können, wird gleichzeitig auch etwas sehr Schönes daraus.

Als ich jedoch „Das Testament einer Katze“ von Margaret Trowton in dem Buch lese, hat es eine geradezu heilende Wirkung für mich. Ich fühle mich irgendwie erleichtert und beschließe loszulassen. Und die Lücken des Buches nicht nur gedanklich mit Fotos und Texten zu füllen, weshalb ich zunächst meine Fotografien der vergangenen 18 Jahre durchschaue, um die schönsten und kuriosesten Bilder von Lara herauszusuchen. Daraus entsteht eine schöne kleine Zeitreise und eine willkommene Gelegenheit die Lieblingsbilder der eigenen Katze zusammenzustellen und endlich auch mal in ausgedruckter Form anzuschauen. Viele schöne Erinnerungen finden schließlich auch ihren schriftlichen Ausdruck und ihren Weg in das Buch, das jedoch nur dann als Höchstbewertung 5 von 5 Sternen erhalten könnte, wenn es komplett mit den Fotos der eigenen Katze gefüllt wäre.

Keine einfache Lektüre, aber ein durchaus lohnenswertes Buch, das mir ein wenig Trost verschaffen konnte und gespickt mit kleinen wertvollen Erinnerungen an meine Katze Lara in meinem Bücherregal einen Ehrenplatz erhalten wird.

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Kristin Hoffmann
Mehr als nur eine Katze
Ein Trost- und Erinnerungsbuch
Hardcover, Pappband, mit Lesebändchen, 80 Seiten
ISBN: 978-3-579-01494-4
Preis:  15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] CHF 21,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen:  26. August 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.