Frisch auf dem Buchmarkt: Juli 2020

Nur ein klein wenig Buchgestöber und eine noch geringere Ausbeute an Buchtiteln, die mich in diesem Monat interessieren.

001_07_Neuerscheinungen Juli

Für „Die Sekte“ ist nun der dritte und letzte Teil erhältlich, aber ich bleibe immer noch in Wartestellung. Ich habe mir vorgenommen abschließende Rezensionen abzuwarten, auch weil ich mir nicht sicher bin, ob mich diese Thematik über drei Bücher hinweg fesseln kann. CoDex 1962 klingt hingegen so skurril, dass es sich um eine gute Geschichte handeln könnte, aber es könnte auch völlig daneben gehen. Vielleicht finde ich auch gerade nur das Buchcover ansprechend, sicher bin ich mir da nicht. Mir ist jedoch momentan gar nicht nach Experimenten beim Lesen zumute und so werde ich wohl auch davon erstmal die Finger lassen. Und das war’s auch schon. Glücklicherweise habe ich einen gut sortierten Stapel ungelesener Bücher auf den ich beherzt zurückgreifen kann. Aber etwas irritiert bin ich doch.

Die SekteDein Albtraum nimmt kein Ende von Mariette Lindstein13.07.2020: Die Sekte – Dein Albtraum nimmt kein Ende von Mariette Lindstein: Du weißt erst, dass du in den Fängen einer Sekte steckst, wenn du sie nicht verlassen kannst … Der Höhepunkt der »Sekten«-Trilogie! 15 Jahre sind vergangen, seit Sofia Bauman der Sekte für immer den Rücken kehrte. Sie hat sich ein neues Leben aufgebaut, ist glücklich verheiratet und hat eine Tochter. Doch dann zerstört ein Sturm Sofias Besitz, und ihre Familie steht vor dem Ruin. In diesem Moment taucht der zwielichtige Sektenführer Franz Oswald auf und macht Sofia ein teuflisches Angebot: Wenn Sofia ihm verrät, wer der leibliche Vater ihrer Tochter Julia ist, wird er ihr finanziell helfen. Als Sofia schweigt, nimmt Oswald heimlich Kontakt zu Julia auf, die sich von dem älteren Mann wie magisch angezogen fühlt und ihm auf die Nebelinsel folgt. Sofias Albtraum nimmt kein Ende: Nach all den Jahren muss sie nach Dimö zurückkehren, um ihre Tochter den Klauen der Sekte zu entreißen.

u1_978-3-10-397341-929.07.2020: CoDex 1962 von Sjóen: Liebesgeschichte – Kriminalgeschichte – Science-Fiction. In seiner Trilogie »CoDex 1962« zieht der Isländer Sjón alle erzählerischen Register. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs begegnen sich in einem norddeutschen Gasthof das Zimmermädchen Marie-Sophie und der jüdische Flüchtling Leo Löwe, mit dabei ein Lehmklumpen. Aus diesem erschafft Leo das gemeinsame Kind Josef, da ist die Familie aber schon längst in Island, und wir sind bereits im Jahr 1962, dem Geburtsjahr des Autors Sjón. Der große isländische Erzähler entführt uns in ein unendliches Vexierspiel, in dem vieles Rätsel ist und bleibt und anderes sich auf geniale Weise zusammenfügt. »CoDex 1962« ist eine isländische »Tausendundeine Nacht« eine Wundertüte an Geschichten. »Herrlich, dass jemand wie Sjón den Schneid hat, auf durchgeknallte Weise unterhaltsam zu sein.« Skånska Dagbladet, Schweden

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 – Neal Shusterman

Zunächst vorab: Bei diesem Hörbuch handelt es sich um den hervorragenden zweiten Teil der aus insgesamt drei Teilen bestehenden Reihe „Scythe“. Die Handlung geht nahtlos weiter, weshalb es sich empfiehlt, diese Jugendbücher in der richtigen Reihenfolge zu hören, bzw. zu lesen. Wer diese Reihe noch nicht kennt, der lese bitte diesen Beitrag nicht mehr weiter, sondern schaue vorab hier nach, um sich nicht zu spoilern.

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Citra lebt als Junior-Scythe bei Scythe Curie und versteht es, ihrer Aufgabe auf ihre ganz eigene unkonventionelle Weise gerecht zu werden. Rowan versucht mit ganz anderen Methoden Einfluss auf die Scythe zu nehmen, stößt allerdings bald an seine Grenzen. Mehr denn je ist das Scythetum im Umbruch und die alte Ordnung gerät zunehmend ins Wanken.

In diesem Teil erhält der Thunderhead eine Stimme und man erfährt vieles über die Beweggründe seines Handelns und Nichthandelns. Aber je mehr man über diesen „Supercomputer mit Bewusstsein“ erfährt, desto mehr kommen einem auch Zweifel an der Unfehlbarkeit dieser die Welt leitenden Instanz. Hatte ich beim Vorgängerbuch noch eher das Gefühl in einer Utopie gelandet zu sein, ist der dystopische Anteil nun unbestritten. Je mehr ich über den Thunderhead erfahre, desto greifbarer wird auch die Gefahr, die von ihm ausgeht.

Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman sein Zukunftsszenario, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter. Es gibt unvorhersehbare Wendungen, aber die Handlung bleibt logisch und unter den geschilderten Bedingungen nachvollziehbar. Das Buch endet auf eine Art, die es mir unmöglich macht, die Fortsetzung nicht erfahren zu wollen. Da der dritte Teil im englischen Original „The Toll“ erst im November 2019 erscheint, werde ich mich leider noch ein wenig länger gedulden müssen, bis das Hörbuch in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird. Aber es wird das Warten wert sein, wenn es ebenso hervorragend wie die beiden Vorgänger mit Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner und Ilka Teichmüller vertont wird. Ich freue mich darauf.

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Scythe – Der Zorn der Gerechten (Scythe 2)
Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner, Ilka Teichmüller
Spieldauer: 14 Std. und 34 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 18.04.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

Dry – Neal + Jarrod Shusterman

Erst vor kurzem wurde ich auf Neal Shusterman aufmerksam und habe mir bereits begeistert „Scythe – Die Hüter des Todes“ als Hörbuch angehört. Es stand gleich für mich fest, dass ich von diesem Autor unbedingt mehr lesen wollte und wurde darum sofort hellhörig, als ich erfuhr, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod ein neues Buch veröffentlicht hat, in dem es um ein Katastrophenszenario geht, das in Zeiten, in denen die Meldungen über den Klimawandel nichts Gutes verheißen, gar nicht so weit weg zu sein scheint. Es geht um akuten Wassermangel.

Neal und Jarrod Shusterman widmen ihren Jugendroman „all jenen, die sich anstrengen, die katastrophalen Folgen des Klimawandels rückgängig zu machen“ und zeigen auf beängstigende Weise, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen.

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Eigentlich müsste dieser Roman einen Warnaufdruck erhalten: Das Lesen dieses Buches macht unglaublich durstig und kann den Konsum von unzähligen Litern Tees oder sonstwie gearteten Durstlöschern verursachen. Ich hatte zumindest noch nie bei einem Roman das Bedürfnis so viel trinken zu müssen. Aber zurück zum Buch:

Der nationale Katastrophenschutz erklärt den Süden Kaliforniens zum Katastrophengebiet, die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht und auch vor dem abgestandenen Wasser in alten Tanks und gechlorten Schwimmbecken ekelt sich längst niemand mehr. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr, denn es geht nur noch ums Überleben.

Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichen Ich-Perspektiven, in der Hauptsache jedoch von fünf Jugendlichen, die über Umwege zueinander finden und deren Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten. Doch leider sind die lesbaren Erzählstimmen nicht individuell, sondern wirken eher wie aus einem Guss. Aber man kommt dennoch den Geschehnissen sehr nah und erlebt in meist kurzen flüssig erzählten Kapiteln auf schlüssige und nachvollziehbare Weise die unterschiedlichen Beweggründe und Herangehensweisen der Jugendlichen an die unterschiedlichen Problematiken.

Gepackt und nicht mehr losgelassen hat mich dieses Horrorszenario von der ersten Seite an. Das Gefühl von Durst ist unangenehm bekannt und das Wissen darum, dass ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben kann, macht diese Geschichte so spannend und den Druck auf die Protagonisten so nachvollziehbar. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie sie reagieren, welche Maßnahmen sie ergreifen oder einst vorbeugend ergriffen haben, und man fragt sich unweigerlich, welche menschlichen Abgründe sich in einem auftun würden, wenn einen ein akuter Wassernotstand unmittelbar selbst beträfe. Die Autoren schwingen zwar nicht die hocherhobene Klimawandel-Warnleuchte, aber als Leser hört man sie doch, wenn auch sehr leise.

Das Ende des Buches erschien mir ein wenig zu schnell erzählt und übereilt abgehandelt, so dass ich mir insgeheim gewünscht habe, dass sich beispielsweise ein Herr Schätzing im Stil von „Der Schwarm“ oder ein Herr Elsberg im Stil von „Blackout“ ausführlicher diesem Thema angenommen und es weiter gesponnen hätte. Aber ich denke auch, dass es vermutlich den Rahmen dieses Jugendbuches, das ich sehr gerne las, gesprengt hätte. „Dry“ ist ein Buch zum eintauchen, sich unterhalten lassen und sich vor allzu Menschlichem zu gruseln. Aber es ist vielleicht auch ein Buch zum Nachdenken und Weiterdenken. Denn was wäre, wenn tatsächlich irgendwann auch unsere Wasserhähne einfach trocken blieben?

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Neal + Jarrod Shusterman
Dry
Übersetzt von: Pauline Kurbasik, Kristian Lutze
Broschiert, 448 Seiten
ISBN: 978-3737356381
Preis: 15,00 € [D]
Verlag: FISCHER Sauerländer
Erschienen: 22.05.2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die Hüter des Todes . Scythe 1 – Neal Shusterman

Viel Gutes hatte ich bereits über diesen Auftakt einer dreiteiligen Jugendbuch-Dystopie gehört und auch die Thematik fand ich so reizvoll, dass ich mich dazu entschloss mir das ungekürzte Hörbuch anzuhören.  Vorgelesen wird es von Torsten Michaelis, dessen Stimme vor allem durch zahlreiche Synchronisationen von Wesley Snipes und Sean Bean bekannt ist. Aber auch Ilka Teichmüller, Uve Teschner, Peter Lontzek, Marie-Isabel Walke und Marian Funk haben großartige Arbeit geleistet, indem sie den Tagebucheinträgen der Scythe, die am Ende jedes Kapitels sehr persönlich gefärbte Einblicke in das Leben und Denken dieser besonderen Bevölkerungsgruppe geben, stimmungsvoll Leben einhauchen.

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Die Scythe sind auserwählt um zu töten und entscheiden darüber, wer lebt und wer stirbt. Was zunächst grausam klingt, ist in einer Welt, die der Thunderhead, ein mit unendlichem Wissen gespeister Supercomputer führt, unerlässlich. Denn es herrscht Wohlstand, es gibt keine Kriege, keine Krankheiten und selbst der Tod ist besiegt. Aber auch in dieser perfekten Welt ist der Platz begrenzt und darum müssen Menschen kontrolliert sterben. Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden um die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten.

Begeistert war ich von der Welt, die Neal Shusterman hier erschaffen hatte. Alles erklärt sich schlüssig und nachvollziehbar. Die Geschichte fühlt sich eher nach einer Utopie an und es machte mir zeitweise Freude, mich in diese Welt einzufinden. Auch die Wichtigkeit und Wertschätzung der Scythe hat dort ihre Daseinsberechtigung, so skurril und grausam ihre Aufgabe auch anmuten mag. Trotz der durchdachten Perfektion des Ganzen, verspürte ich dennoch nicht den Wunsch Teil einer solchen Welt sein zu wollen und als hätte ich es geahnt, offenbart sich nach und nach das in der Menschlichkeit, beziehungsweise Unmenschlichkeit begründete Haar in der Suppe dieser Welt.

Es gibt viele kluge Ideen rund um die Themen Leben und Tod, die zum Nachdenken und weiterspinnen anregen – viel mehr, als ich bei diesem Jugendbuch, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, erwartet hätte. Sogar das Ende dieses ersten von drei Teilen fand ich gelungen, da es für mich nicht vorhersehbar ist und die Handlung rund abschließt. Aber es macht auch neugierig und gibt Hinweise darauf, wie es mit der spannenden Geschichte weitergehen wird. Das lasse ich mir nicht entgehen und werde in Kürze „Der Zorn der Gerechten“ (Scythe 2) weiter hören. Schade ist nur, dass der dritte Teil erst im September 2019 als Buch in englischer Sprache erscheinen wird und wir auf die deutsche Übersetzung und das entsprechende Hörbuch dann wohl noch etwas länger warten müssen.

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Scythe – Die Hüter des Todes (Scythe 1)
Autor: Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Ilka Teichmüller, Uve Teschner,Peter Lontzek, Marie-Isabel Walke, Marian Funk
Spieldauer: 12 Std. und 12 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 26.09.2017
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

erLESENer Mai

Im Mai begrüßte mich Desfred mit „Gesegnet sei die Frucht!“, erlebte ich die manisch-depressive Entwicklung von Myrthe, lernte die Autorin Margaret Atwood etwas besser kennen und wurde von Frank Schätzings neuem Roman enttäuscht.

Bücherwelten – manchmal einfach großartig und manchmal nur übelstes Popcorn-Kino.

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Der Report der Magd von Margaret Atwood
highlight_des_monatsjpgEs handelt sich bei diesem Buch zwar um Fiktion, aber es scheint so unfassbar einfach zu sein, Frauen schnell und effektiv sämtlicher Rechte zu berauben, um sie in die gewünschten Bahnen zu lenken. Berührend, skurril und gleichzeitig sehr erschreckend. Für mich ein Lesehighlight!

Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer
Als manisch-depressiv erkrankter Mensch kann man sich in manchem wiedererkennen und fühlt sich an die durchwachsenen, vor allem aber auch an die positiven Aspekte der Klinikzeit zurückerinnert. Wer sich in diese Thematik hineinlesen möchte, dem sei dieses Buch, das einen ein ums andere Mal schmunzeln lässt, unbedingt empfohlen!

Aus Neugier und Leidenschaft von Margaret Atwood 
So sehr mich manches in diesem Buch zu begeistern wusste, muss ich doch gestehen, dass mich auch einiges langweilte, was allerdings bei der Vielfalt der unterschiedlichen Texte nicht ungewöhnlich ist.  Aber ich bin mir dennoch fast sicher, dass Margaret-Atwood-Fans dieses Buch gefallen könnte.

Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing 
Obwohl ich das Thema „Künstliche Intelligenz“ sehr interessant fand, war der große Rest dieses Hörbuchs für mich insgesamt eine große Enttäuschung, was allerdings nicht an dem Sprecher lag, der vermutlich dafür sorgte, dass ich doch noch bis zum Schluss drangeblieben bin und das Hörbuch nicht vorzeitig abbrach.