Frisch auf dem Buchmarkt: Februar 2021

Dieser Bücherbummel fühlt sich wieder besser an. Ich habe eine unbändige Lust die unterschiedlichsten Geschichten und Themen zu entdecken, zu denen in diesem Monat Bücher erschienen sind. Die Begeisterungsfähigkeit und die Neugier sind zurück, was wohl auch daran liegt, dass ich erst kürzlich ein großartiges Buch beendet habe und gerade noch eines lese, das mich auf seine ganz besondere Art zu packen weiß. Solche Perlen erhoffe ich natürlich auch bei den Neuerscheinungen des Februars zu entdecken.

Bei den gefundenen Büchern geht es um die Möglichkeit herauszufinden was passiert wäre, wenn man manche Entscheidungen anders getroffen hätte, das Couchsurfen in Saudi Arabien, einen Rückblick in die Achtziger Jahre, einen Rückblick in die Siebziger Jahre, die Überprüfung einer Wahrsagerei, die Geschichte eines Geschwisterpaares in Tadschikistan, die Verschiebung von Ansichten, wenn plötzlich das Wohl des eigenen Kindes auf dem Spiel steht, die Flucht einer Frau mit ihren Kindern, eine App, die körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und Handlungsempfehlungen gibt, den Abschied eines Mannes von seinem Vater, den Weg einer Frau von Ghana nach England um schließlich in Berlin zu landen und einen Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

01.02.2021: Die Mitternachtsbibliothek [Werbung] von Matt Haig: Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.
Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?
Matt Haig ist ein zauberhafter Roman darüber gelungen, dass uns all die Entscheidungen, die wir bereuen, doch erst zu dem Menschen machen, der wir sind. Eine Hymne auf das Leben – auch auf das, das zwickt, das uns verzweifeln lässt und das doch das einzige ist, das zu uns gehört.

01.02.2021: Couchsurfing in Saudi-Arabien – Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft [Werbung] von Stephan Orth: Als Saudi-Arabien erstmals Touristen einreisen lässt, packt Bestsellerautor Stephan Orth sofort den Rucksack. Von Couch zu Couch erkundet er das Königreich und erhält Einblicke in eine verschlossene Gesellschaft, wie sie bisher keinem westlichen Besucher möglich waren. Er wird Zeuge eines radikalen Wandels, sieht Frauen Auto fahren und tanzt mit Zehntausenden beim Wüsten-Rave. Doch jenseits der Glitzerwelt gelten drakonische Strafen, und an der Grenze zum Jemen sind die Bomben nicht zu überhören. Stephan Orth berichtet von seiner bisher aufregendsten Reise.

11.02.2021: Sweet Dreams: Rücksturz in die Achtziger [Werbung] von Frank Goosen: Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.

11.02.2021: Die Kinder hören Pink Floyd [Werbung] von Alexander Gorkow: Die 70er-Jahre. Eine Vorstadt. Das Westdeutschland der letzten Baulücken, der verstockten Altnazis, der gepflegten Gärten. Die Kriegsgräuel sind beiseitegeschoben, zum Essen geht es in den Balkan Grill, die Einbauküche daheim überzeugt durch optimale Raumnutzung. Für den 10-jährigen Jungen aber ist es eine Welt der Magie, der geheimen Kräfte, des Kampfs des Bösen gegen das Gute. Der Leitstern des Jungen in diesem Kampf ist die große Schwester – das Kind Nr. 1 der Familie. Sie ist herzkrank und sehr lebenshungrig. Mit trockenem Humor und großer Aufsässigkeit stemmt sie sich gegen alle Bedrohungen, nicht zuletzt mithilfe der vergötterten Band Pink Floyd aus dem fernen London, den Kämpfern gegen das Establishment, deren Songs alles zum Glänzen bringen.

12.02.2021: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin [Werbung] von Delphine de Vigan: Mathilde lebt mit ihren drei Söhnen in einer kleinen Wohnung in Paris. Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sie sich allein um sie und ist stolz auf das Resultat. Die Jungen sind selbstständig und kommen im Leben gut zurecht. Das kann Mathilde von sich nicht mehr behaupten. Bis vor einiger Zeit ist sie ihrem Beruf mit großer Begeisterung nachgegangen. Doch seit Monaten verschlechtert sich ihre Arbeitssituation zusehends. Liegt es wirklich daran, dass sie ihrem Chef in einer Besprechung offen widersprochen hat? Wird sie deshalb von allen wichtigen Sitzungen ausgeschlossen? Und landen deshalb nur noch belanglose Aufgaben auf ihrem Tisch? Verzweifelt und mit den Kräften am Ende sucht sie eine Wahrsagerin auf. Die prophezeit ihr eine besondere Begegnung für den 20. Mai. Mathilde beginnt zu hoffen. Doch worauf? Auf das befreiende Gespräch mit ihrem Chef? Auf die Rückkehr ihrer alten Stärke? Oder auf die Begegnung mit einem ganz besonderen Mann? Der Tag der Prophezeiung bricht an …

15.02.2021: Im Strom der Steine [Werbung] von Wladimir Medwedew: Eine der spannendsten Stimmen der russischen Gegenwartsliteratur. Wladimir Medwedew erzählt die packende Geschichte eines Geschwisterpaares im zentralasiatischen Tadschikistan Anfang der 1990er Jahre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetmacht gerät das Land in den Strudel von Bürgerkrieg und regionalen Machtkämpfen. Der Vater von Sarina und Andrej, ein tadschikischer Arzt, wird ermordet. Auch seine russische Frau und seine Kinder werden bedroht und daraufhin von Onkel und Großvater in ihr Heimatdorf im Pamir geholt. Doch der Vater hatte dort noch eine zweite Frau, eine Tadschikin. Und die Auseinandersetzungen zwischen den Familien könnten nicht größer sein. Ein atemberaubender, vielschichtiger Gesellschafts- und Familienroman – mit dem sich Wladimir Medwedew an die Spitze der russischen Gegenwartsliteratur geschrieben hat.

16.02.2021: Siegerin [Werbung] von Sarid, Yishai, Ruth Achlama: Wie lernt man zu töten, ohne daran zu zerbrechen? Als Psychologin berät Abigail seit Jahren erfolgreich das israelische Militär, wie es Soldaten besser auf Einsätze vorbereitet. Doch dann wird ihr einziger Sohn Schauli einberufen, und sie muss sich entscheiden: Was wiegt schwerer, das Wohl ihres Landes oder das ihres Kindes?

18.02.2021: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln [Werbung] von Véronique Ovaldé: An einem Junitag packt Gloria eilig die Koffer, dazu ein paar Plüschtiere und die Beretta ihrer großen Liebe, holt ihre Töchter, die fünfzehnjährige Stella und die sechsjährige Loulou, von der Schule ab und verlässt das sonnige Städtchen an der Côte d’Azur. Der überstürzte Aufbruch – getarnt als Reise zum Ferienhaus der Familie im Elsass, ein einsames Idyll inmitten von Wäldern und Seen – ist nichts anderes als eine lang vorbereitete Flucht. Gloria ist überzeugt: Um sich und ihre Töchter zu schützen, muss sie jede Verbindung zu ihrer Vergangenheit kappen. Wie weit wird sie gehen, um ihre Töchter vor der Bedrohung zu retten? Véronique Ovaldé verbindet eine thrillerhafte Handlung und knisternde Atmosphäre zu einem spannungsgeladenen Frauenporträt, das mit zahlreichen Volten und Wendungen überrascht. Die französische Erfolgsautorin erweist sich einmal mehr als brillante Stilistin und virtuose Fallenstellerin.

19.02.2021: Das Ting [Werbung] von Artur Dziuk (TB): Vier junge Visionäre gründen in Berlin ein Start-Up und entwickeln zusammen eine App: das sogenannte Ting, das körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen gibt. Das Prinzip Ting überzeugt – die App schlägt ein wie eine Bombe. Getrieben vom Erfolg entwickelt Mitgründer Linus die Möglichkeiten immer weiter, sein eigenes Leben und das der User mithilfe des Ting zu optimieren. Doch um neue Investoren für die Firma zu gewinnen, sind er und sein Team bald gezwungen, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen: Sie verpflichten sich vertraglich, künftig unter allen Umständen jeder Empfehlung des Ting zu gehorchen – mit verheerenden Folgen.

20.02.2021: Die kanadische Nacht [Werbung] von Jörg Magenau: Ein tief berührendes Buch über Abschiede und den Trost des Neubeginns. In seinem ersten Roman blickt Jörg Magenau auf das Leben eines Mannes, der erzählend zu sich selbst reist. Aus einer inneren Enge in ein weites, wildes Land. In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.

24.02.2021: Adas Raum [Werbung] von Sharon Dodua Otoo: Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos. In ihrer Welt hängt alles am seidenen Faden, es droht zu fallen, und doch bleibt es auf wundersame Weise in der Schwebe. So wie Ada, um die sich Otoos erster Roman dreht. Ada ist nicht eine, sondern viele Frauen: In Schleifen bewegt sie sich von Ghana nach England, um schließlich in Berlin zu landen. Sie ist aber auch alle Frauen, denn die Schleifen transportieren sie von einem Jahrhundert zum nächsten. So erlebt sie das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit. Mit einer bildreichen Sprache und unendlicher Imagination, mit Empathie und Humor zeichnet Sharon Dodua Otoo in ihrem Roman »Adas Raum« ein überraschendes Bild davon, was es bedeutet, Frau zu sein.

24.02.2021: Exit this City [Werbung] von Lisa-Marie Reuter: Climate Fiction aus Deutschland: »Exit This City« ist ein Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung. Deutschland im Jahr 2158: Auf den Reisplantagen des verarmten Agrarlands braut sich eine Rebellion zusammen. Genmanipulierte Bienen sollen die Felderträge steigern, doch ihr Stich ist tödlich. Tausende Menschen wurden mit dem Gift infiziert, alle starben – bis auf die charismatische Veeru, die seitdem wie eine Göttin verehrt wird. Die Plantagenarbeiter folgen ihr auf einem Feldzug gegen die Landbesitzer. Ihr Ziel ist die Europazentrale des skrupellosen Konzerns FinalFood Inc. Doch Veerus wahre Absichten bleiben dunkel, und vieles deutet darauf hin, dass sie insgeheim ihre eigenen Pläne verfolgt. Am anderen Ende der Welt irrt Marti ohne Erinnerung durch Delhi. Er ist allein und er wird verfolgt. Als ein radioaktiv verseuchter Staubsturm Kurs auf die Millionenmetroploe hält, gibt es für die Bevölkerung nur noch eines: Raus aus der Stadt! Doch Marti kann erst fliehen, wenn er weiß, warum es die unbekannten Feinde auf ihn abgesehen haben. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn mitten hinein in die Machenschaften eines Konzerns, der in Deutschland ein skrupelloses Spiel um Macht und Einfluss spielt.

Frisch auf dem Buchmarkt: Juli 2020

Nur ein klein wenig Buchgestöber und eine noch geringere Ausbeute an Buchtiteln, die mich in diesem Monat interessieren.

001_07_Neuerscheinungen Juli

Für „Die Sekte“ ist nun der dritte und letzte Teil erhältlich, aber ich bleibe immer noch in Wartestellung. Ich habe mir vorgenommen abschließende Rezensionen abzuwarten, auch weil ich mir nicht sicher bin, ob mich diese Thematik über drei Bücher hinweg fesseln kann. CoDex 1962 klingt hingegen so skurril, dass es sich um eine gute Geschichte handeln könnte, aber es könnte auch völlig daneben gehen. Vielleicht finde ich auch gerade nur das Buchcover ansprechend, sicher bin ich mir da nicht. Mir ist jedoch momentan gar nicht nach Experimenten beim Lesen zumute und so werde ich wohl auch davon erstmal die Finger lassen. Und das war’s auch schon. Glücklicherweise habe ich einen gut sortierten Stapel ungelesener Bücher auf den ich beherzt zurückgreifen kann. Aber etwas irritiert bin ich doch.

Die SekteDein Albtraum nimmt kein Ende von Mariette Lindstein13.07.2020: Die Sekte – Dein Albtraum nimmt kein Ende von Mariette Lindstein: Du weißt erst, dass du in den Fängen einer Sekte steckst, wenn du sie nicht verlassen kannst … Der Höhepunkt der »Sekten«-Trilogie! 15 Jahre sind vergangen, seit Sofia Bauman der Sekte für immer den Rücken kehrte. Sie hat sich ein neues Leben aufgebaut, ist glücklich verheiratet und hat eine Tochter. Doch dann zerstört ein Sturm Sofias Besitz, und ihre Familie steht vor dem Ruin. In diesem Moment taucht der zwielichtige Sektenführer Franz Oswald auf und macht Sofia ein teuflisches Angebot: Wenn Sofia ihm verrät, wer der leibliche Vater ihrer Tochter Julia ist, wird er ihr finanziell helfen. Als Sofia schweigt, nimmt Oswald heimlich Kontakt zu Julia auf, die sich von dem älteren Mann wie magisch angezogen fühlt und ihm auf die Nebelinsel folgt. Sofias Albtraum nimmt kein Ende: Nach all den Jahren muss sie nach Dimö zurückkehren, um ihre Tochter den Klauen der Sekte zu entreißen.

u1_978-3-10-397341-929.07.2020: CoDex 1962 von Sjóen: Liebesgeschichte – Kriminalgeschichte – Science-Fiction. In seiner Trilogie »CoDex 1962« zieht der Isländer Sjón alle erzählerischen Register. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs begegnen sich in einem norddeutschen Gasthof das Zimmermädchen Marie-Sophie und der jüdische Flüchtling Leo Löwe, mit dabei ein Lehmklumpen. Aus diesem erschafft Leo das gemeinsame Kind Josef, da ist die Familie aber schon längst in Island, und wir sind bereits im Jahr 1962, dem Geburtsjahr des Autors Sjón. Der große isländische Erzähler entführt uns in ein unendliches Vexierspiel, in dem vieles Rätsel ist und bleibt und anderes sich auf geniale Weise zusammenfügt. »CoDex 1962« ist eine isländische »Tausendundeine Nacht« eine Wundertüte an Geschichten. »Herrlich, dass jemand wie Sjón den Schneid hat, auf durchgeknallte Weise unterhaltsam zu sein.« Skånska Dagbladet, Schweden

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 – Neal Shusterman

Zunächst vorab: Bei diesem Hörbuch handelt es sich um den hervorragenden zweiten Teil der aus insgesamt drei Teilen bestehenden Reihe „Scythe“. Die Handlung geht nahtlos weiter, weshalb es sich empfiehlt, diese Jugendbücher in der richtigen Reihenfolge zu hören, bzw. zu lesen. Wer diese Reihe noch nicht kennt, der lese bitte diesen Beitrag nicht mehr weiter, sondern schaue vorab hier nach, um sich nicht zu spoilern.

23_Scythe2 - Der Zorn der Gerechten

Citra lebt als Junior-Scythe bei Scythe Curie und versteht es, ihrer Aufgabe auf ihre ganz eigene unkonventionelle Weise gerecht zu werden. Rowan versucht mit ganz anderen Methoden Einfluss auf die Scythe zu nehmen, stößt allerdings bald an seine Grenzen. Mehr denn je ist das Scythetum im Umbruch und die alte Ordnung gerät zunehmend ins Wanken.

In diesem Teil erhält der Thunderhead eine Stimme und man erfährt vieles über die Beweggründe seines Handelns und Nichthandelns. Aber je mehr man über diesen „Supercomputer mit Bewusstsein“ erfährt, desto mehr kommen einem auch Zweifel an der Unfehlbarkeit dieser die Welt leitenden Instanz. Hatte ich beim Vorgängerbuch noch eher das Gefühl in einer Utopie gelandet zu sein, ist der dystopische Anteil nun unbestritten. Je mehr ich über den Thunderhead erfahre, desto greifbarer wird auch die Gefahr, die von ihm ausgeht.

Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman sein Zukunftsszenario, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter. Es gibt unvorhersehbare Wendungen, aber die Handlung bleibt logisch und unter den geschilderten Bedingungen nachvollziehbar. Das Buch endet auf eine Art, die es mir unmöglich macht, die Fortsetzung nicht erfahren zu wollen. Da der dritte Teil im englischen Original „The Toll“ erst im November 2019 erscheint, werde ich mich leider noch ein wenig länger gedulden müssen, bis das Hörbuch in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird. Aber es wird das Warten wert sein, wenn es ebenso hervorragend wie die beiden Vorgänger mit Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner und Ilka Teichmüller vertont wird. Ich freue mich darauf.

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Scythe – Der Zorn der Gerechten (Scythe 2)
Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner, Ilka Teichmüller
Spieldauer: 14 Std. und 34 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 18.04.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

Dry – Neal + Jarrod Shusterman

Erst vor kurzem wurde ich auf Neal Shusterman aufmerksam und habe mir bereits begeistert „Scythe – Die Hüter des Todes“ als Hörbuch angehört. Es stand gleich für mich fest, dass ich von diesem Autor unbedingt mehr lesen wollte und wurde darum sofort hellhörig, als ich erfuhr, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod ein neues Buch veröffentlicht hat, in dem es um ein Katastrophenszenario geht, das in Zeiten, in denen die Meldungen über den Klimawandel nichts Gutes verheißen, gar nicht so weit weg zu sein scheint. Es geht um akuten Wassermangel.

Neal und Jarrod Shusterman widmen ihren Jugendroman „all jenen, die sich anstrengen, die katastrophalen Folgen des Klimawandels rückgängig zu machen“ und zeigen auf beängstigende Weise, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen.

21_Dry

Eigentlich müsste dieser Roman einen Warnaufdruck erhalten: Das Lesen dieses Buches macht unglaublich durstig und kann den Konsum von unzähligen Litern Tees oder sonstwie gearteten Durstlöschern verursachen. Ich hatte zumindest noch nie bei einem Roman das Bedürfnis so viel trinken zu müssen. Aber zurück zum Buch:

Der nationale Katastrophenschutz erklärt den Süden Kaliforniens zum Katastrophengebiet, die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht und auch vor dem abgestandenen Wasser in alten Tanks und gechlorten Schwimmbecken ekelt sich längst niemand mehr. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr, denn es geht nur noch ums Überleben.

Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichen Ich-Perspektiven, in der Hauptsache jedoch von fünf Jugendlichen, die über Umwege zueinander finden und deren Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten. Doch leider sind die lesbaren Erzählstimmen nicht individuell, sondern wirken eher wie aus einem Guss. Aber man kommt dennoch den Geschehnissen sehr nah und erlebt in meist kurzen flüssig erzählten Kapiteln auf schlüssige und nachvollziehbare Weise die unterschiedlichen Beweggründe und Herangehensweisen der Jugendlichen an die unterschiedlichen Problematiken.

Gepackt und nicht mehr losgelassen hat mich dieses Horrorszenario von der ersten Seite an. Das Gefühl von Durst ist unangenehm bekannt und das Wissen darum, dass ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben kann, macht diese Geschichte so spannend und den Druck auf die Protagonisten so nachvollziehbar. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie sie reagieren, welche Maßnahmen sie ergreifen oder einst vorbeugend ergriffen haben, und man fragt sich unweigerlich, welche menschlichen Abgründe sich in einem auftun würden, wenn einen ein akuter Wassernotstand unmittelbar selbst beträfe. Die Autoren schwingen zwar nicht die hocherhobene Klimawandel-Warnleuchte, aber als Leser hört man sie doch, wenn auch sehr leise.

Das Ende des Buches erschien mir ein wenig zu schnell erzählt und übereilt abgehandelt, so dass ich mir insgeheim gewünscht habe, dass sich beispielsweise ein Herr Schätzing im Stil von „Der Schwarm“ oder ein Herr Elsberg im Stil von „Blackout“ ausführlicher diesem Thema angenommen und es weiter gesponnen hätte. Aber ich denke auch, dass es vermutlich den Rahmen dieses Jugendbuches, das ich sehr gerne las, gesprengt hätte. „Dry“ ist ein Buch zum eintauchen, sich unterhalten lassen und sich vor allzu Menschlichem zu gruseln. Aber es ist vielleicht auch ein Buch zum Nachdenken und Weiterdenken. Denn was wäre, wenn tatsächlich irgendwann auch unsere Wasserhähne einfach trocken blieben?

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Neal + Jarrod Shusterman
Dry
Übersetzt von: Pauline Kurbasik, Kristian Lutze
Broschiert, 448 Seiten
ISBN: 978-3737356381
Preis: 15,00 € [D]
Verlag: FISCHER Sauerländer
Erschienen: 22.05.2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die Hüter des Todes . Scythe 1 – Neal Shusterman

Viel Gutes hatte ich bereits über diesen Auftakt einer dreiteiligen Jugendbuch-Dystopie gehört und auch die Thematik fand ich so reizvoll, dass ich mich dazu entschloss mir das ungekürzte Hörbuch anzuhören.  Vorgelesen wird es von Torsten Michaelis, dessen Stimme vor allem durch zahlreiche Synchronisationen von Wesley Snipes und Sean Bean bekannt ist. Aber auch Ilka Teichmüller, Uve Teschner, Peter Lontzek, Marie-Isabel Walke und Marian Funk haben großartige Arbeit geleistet, indem sie den Tagebucheinträgen der Scythe, die am Ende jedes Kapitels sehr persönlich gefärbte Einblicke in das Leben und Denken dieser besonderen Bevölkerungsgruppe geben, stimmungsvoll Leben einhauchen.

09_Scythe - Die Hüter des Todes

Die Scythe sind auserwählt um zu töten und entscheiden darüber, wer lebt und wer stirbt. Was zunächst grausam klingt, ist in einer Welt, die der Thunderhead, ein mit unendlichem Wissen gespeister Supercomputer führt, unerlässlich. Denn es herrscht Wohlstand, es gibt keine Kriege, keine Krankheiten und selbst der Tod ist besiegt. Aber auch in dieser perfekten Welt ist der Platz begrenzt und darum müssen Menschen kontrolliert sterben. Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden um die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten.

Begeistert war ich von der Welt, die Neal Shusterman hier erschaffen hatte. Alles erklärt sich schlüssig und nachvollziehbar. Die Geschichte fühlt sich eher nach einer Utopie an und es machte mir zeitweise Freude, mich in diese Welt einzufinden. Auch die Wichtigkeit und Wertschätzung der Scythe hat dort ihre Daseinsberechtigung, so skurril und grausam ihre Aufgabe auch anmuten mag. Trotz der durchdachten Perfektion des Ganzen, verspürte ich dennoch nicht den Wunsch Teil einer solchen Welt sein zu wollen und als hätte ich es geahnt, offenbart sich nach und nach das in der Menschlichkeit, beziehungsweise Unmenschlichkeit begründete Haar in der Suppe dieser Welt.

Es gibt viele kluge Ideen rund um die Themen Leben und Tod, die zum Nachdenken und weiterspinnen anregen – viel mehr, als ich bei diesem Jugendbuch, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, erwartet hätte. Sogar das Ende dieses ersten von drei Teilen fand ich gelungen, da es für mich nicht vorhersehbar ist und die Handlung rund abschließt. Aber es macht auch neugierig und gibt Hinweise darauf, wie es mit der spannenden Geschichte weitergehen wird. Das lasse ich mir nicht entgehen und werde in Kürze „Der Zorn der Gerechten“ (Scythe 2) weiter hören. Schade ist nur, dass der dritte Teil erst im September 2019 als Buch in englischer Sprache erscheinen wird und wir auf die deutsche Übersetzung und das entsprechende Hörbuch dann wohl noch etwas länger warten müssen.

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Scythe – Die Hüter des Todes (Scythe 1)
Autor: Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Ilka Teichmüller, Uve Teschner,Peter Lontzek, Marie-Isabel Walke, Marian Funk
Spieldauer: 12 Std. und 12 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 26.09.2017
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

erLESENer Mai

Im Mai begrüßte mich Desfred mit „Gesegnet sei die Frucht!“, erlebte ich die manisch-depressive Entwicklung von Myrthe, lernte die Autorin Margaret Atwood etwas besser kennen und wurde von Frank Schätzings neuem Roman enttäuscht.

Bücherwelten – manchmal einfach großartig und manchmal nur übelstes Popcorn-Kino.

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Der Report der Magd von Margaret Atwood
highlight_des_monatsjpgEs handelt sich bei diesem Buch zwar um Fiktion, aber es scheint so unfassbar einfach zu sein, Frauen schnell und effektiv sämtlicher Rechte zu berauben, um sie in die gewünschten Bahnen zu lenken. Berührend, skurril und gleichzeitig sehr erschreckend. Für mich ein Lesehighlight!

Heiter bis wolkig von Myrthe van der Meer
Als manisch-depressiv erkrankter Mensch kann man sich in manchem wiedererkennen und fühlt sich an die durchwachsenen, vor allem aber auch an die positiven Aspekte der Klinikzeit zurückerinnert. Wer sich in diese Thematik hineinlesen möchte, dem sei dieses Buch, das einen ein ums andere Mal schmunzeln lässt, unbedingt empfohlen!

Aus Neugier und Leidenschaft von Margaret Atwood 
So sehr mich manches in diesem Buch zu begeistern wusste, muss ich doch gestehen, dass mich auch einiges langweilte, was allerdings bei der Vielfalt der unterschiedlichen Texte nicht ungewöhnlich ist.  Aber ich bin mir dennoch fast sicher, dass Margaret-Atwood-Fans dieses Buch gefallen könnte.

Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing 
Obwohl ich das Thema „Künstliche Intelligenz“ sehr interessant fand, war der große Rest dieses Hörbuchs für mich insgesamt eine große Enttäuschung, was allerdings nicht an dem Sprecher lag, der vermutlich dafür sorgte, dass ich doch noch bis zum Schluss drangeblieben bin und das Hörbuch nicht vorzeitig abbrach.