Die Frau nebenan – Yewande Omotoso

In „Die Frau nebenan“ erzählt Yewande Omotoso von den Nachbarinnen Marion und Hortensia, die beide die 80 überschritten haben und auf beeindruckende Karrieren zurückblicken können. Hortensia ist die einzige Schwarze in dem wohlhabenden Viertel Katterijn in Kapstadt und hat bei den regelmäßigen Eigentümerversammlungen Gelegenheit auf ihre Widersacherin zu treffen, der sie ansonsten aus dem Weg zu gehen weiß.

„Die anderen Mitglieder kannten die Rivalität zwischen den beiden und lehnten sich nur zu gern zurück, um dem Schauspiel seinen Lauf zu lassen. Es war bekannt, dass die beiden Frauen nicht nur eine Hecke teilten, sondern auch eine gesunde Abneigung füreinander hegten; beides kultivierten sie mit einem Elan, der nicht recht zu ihrem fortgeschrittenen Alter passen wollte.“ (S. 17)

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Und so beginnt das Buch mit den Streitereien der beiden Frauen, die keine Gelegenheit auslassen, um einander ihre Missbilligung zu zeigen. Die Spanne reicht von kleinen Piesackereien und Schrulligkeiten, die einen schmunzeln lassen, bis hin zu Aktionen und Aussagen, die ihre tiefe Verbitterung zeigen und derer man recht bald überdrüssig wird. Doch gerade noch rechtzeitig erfolgen im eigentlichen Handlungsverlauf der Geschichte Rückblenden, die Hortensia und Marion zu lebendigen vielschichtigen Charakteren werden lassen. Die Autorin erschafft unsympathische Protagonistinnen, mit denen man zwar nicht so recht warm wird, denen man jedoch ein gewisses Maß an Verständnis entgegen bringen kann, weil man erkennt, dass das Leben diesen Frauen Ecken und Kanten beigebracht und sie zu den komplexen eigenwilligen Menschen geformt hat, zu denen sie schließlich geworden sind.

„Hortensia setzte ein Lächeln auf. Sie hatte gelernt, dass – besonders in Kapstadt – eine lächelnde Schwarze in ihrer offensichtlichen Harmlosigkeit eine gefährliche Waffe darstellte. Ein Köder, mit dem man Leute anlockte, während man ihre Schwachstellen auslotete.“ (S. 114)

Ein Schaden an Marions Haus und Hortensias Unfähigkeit mit Pflegediensten zu kooperieren sorgt dafür, dass Marion vorübergehend zu Hortensia zieht. Das zwingt die Frauen zu unwillkommener Nähe. Ihre Gespräche sind temperamentvoll, doch sie erkennen in der anderen auch etwas Vertrautes. Beide haben harte Verluste und Ungerechtigkeiten erfahren. Oft genug waren auch ihre eigenen Entscheidungen falsch. Mit dem Mut zur Wahrheit und der Kraft der neu gewonnenen Freundschaft stellen sie sich den großen Fragen des Lebens.

Doch der Weg dorthin ist nicht gerade einfach und so erfährt man duch die Rückblicke auch einiges über die Apartheid und ihre Auswirkungen auf schwarze und weiße Menschen allgemein, aber auch im Besonderen auf Marion und Hortensia in ihrem wohlhabenden Vorort, wo seinerzeit Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe enteignet wurden und Weiße zu Spottpreisen ihre Grundstücke kaufen konnten. Auch Hortensias Ehe mit einem weißen Mann stieß auf Probleme, während Marions Umgang mit Schwarzen nicht immer einwandfrei war.

„Die Frau nebenan“ ist eine skurrile Geschichte in bissig lockerem Ton, die auf das Leben zweier starker Frauen zurückblicken und ein Stück weit Apartheid gestern und heute erleben lässt, die aber auch zeigt, dass es nie zu spät für Annäherungen ist.

Die Autorin Yewande Omotoso, in Barbados geboren, wuchs in Nigeria auf. Anfang der neunziger Jahre zog sie mit ihrer Familie nach Südafrika. Ihr erster Roman „Bom Boy“ wurde mit dem South African Literary Award für Debütautoren ausgezeichnet. Sie lebt in Johannesburg, wo sie als Architektin und Designerin arbeitet.


testMit diesem Buch ging es für mich literarisch nach Südafrika. Das Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden kann man HIER.


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Yewande Omotoso
Die Frau nebenan
Gebunden mit Schutzumschlag, 272 Seiten
ISBN: 9783471351444
Preis: € 18,00 [D] € 18,50 [A]
Verlag: List
Erschienen: 10.03.2017
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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12 Magische Mottos: Wildnis

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magische_mottosBei dem Fotoprojekt „12 Magische Mottos“  wird jeweils ein Monatsthema vorgegeben, mit dem man sich bildlich auseinandersetzt. Im August ist das Thema „Wildnis„.

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…Thema: Federn

„Wer sich mit eigenen Federn schmückt, kann auf fremde verzichten.“
[Daniel Mühlemann]

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punkt1-259x300„Punkt, Punkt, Punkt“ ist ein Projekt von Sunny von Always sunny, bei dem die Woche Sonntags mit einem von den Teilnehmern vorgeschlagenen Wort startet, zu dem sie dann einen Beitrag auf ihrem Blog veröffentlichen können. Pro abgegebenem Bild/Beitrag sammelt Sunny 5 Cent auf einem Spendenkonto. Das Geld bekommt in 2017 Ärzte ohne Grenzen. Eine tolle Idee!

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Kochen mit dem Spiralschneider – Denise Smart

Entwickelt wurden die Rezepte für den Spiralschneider von der Foodstylistin Denise Smart, die bereits zahlreiche Kochbücher veröffentlicht hat. Der Klappentext dieses Buches meint:

Hier kommen die leichten Alternativen zu Pasta, Brot, Reis und vielen Gerichten mit schweren Kohlenhydraten: Mit dem Spiralschneider machen Sie aus Obst und Gemüse ganz einfach Nudeln, Reis oder Teig und ersetzen so die täglichen Carbs. Statt Eiernudeln gibt’s spiralisierten Rettich bei asiatischen Gerichten, aus Blumenkohlreis wird der Teig für die Pizza und aus Zucchini werden knusprige Käsechips. Die 80 Rezepte sind einfach und schnell zubereitet und schmecken richtig lecker – genießen Sie Ihre Lieblingsgerichte in einer neuen und gesünderen Form!

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Das Buch beginnt mit einer Einführung, in der die unterschiedlichen Spiralschneider vorgestellt werden und der Gebrauch des im Buch verwendeten Exemplars genauer erklärt wird – es handelt sich um den gleichen, der auf dem Bild zu sehen ist. Außerdem erfährt man, wie Gemüsereis hergestellt wird und bekommt allgemeine Tipps rund um Spiralschneider, sowie geeignete Obst- und Gemüsesorten.

Danach folgen in den Rubriken

  • Frühstück & Brunch,
  • Kleine Mahlzeiten,
  • Hauptgerichte und
  • Gebäck & süße Sachen“

die 80 Rezepte, von denen die meisten mit ansprechenden und appetitanregenden Fotos bebildert sind.

Jedes Rezept in diesem Buch ist mit einem Symbol versehen, sodass auf einen Blick zu erkennen ist, ob es glutenfrei, Low Carb, vegetarisch oder vegan ist. Für mich persönlich wäre das nicht notwendig gewesen und es hätte mich auch nicht gestört, wenn einige Rezepte nicht angepasst worden wären, um sie zwanghaft in die Sparte glutenfrei einordnen zu können. So ist in den Rezepten vom Backpulver bis zu den gerösteten Erdnüssen alles in glutenfreier Variante angegeben. Darauf hatte mich der Klappentext leider nicht vorbereitet. Mich nervt es ein wenig, aber ich kann auch über das Wort „glutenfrei“ hinweglesen.

Nicht ignorieren konnte ich hingegen, dass ich mich für dieses Buch interessiert habe, weil es mir auf dem Cover in großer orangefarbener Schrift „Low-Carb-Rezepte für den Spiralschneider verspricht. Ich hatte mich also auf 80 Rezepte eingestellt, die genau diesem Ernährungskriterium entsprechen. Gewundert habe ich mich beim ersten Durchblättern des Buches darüber Rezepte vorzufinden, die ich in diesem Buch keinesfalls erwartet hätte, beispielsweise die Kürbis-Orangen-Marmelade und den in Zuckersirup getränkten Mandelkuchen, übrigens beides glutenfrei und vegetarisch laut Einteilung, aber leider nicht Low Carb. Das brachte mich schließlich auf die wahnwitzige Idee zu kontrollieren, wie viele der 80 Rezepte tatsächlich dem Kriterium Low Carb entsprechen: Es sind 45. Mein Eindruck trügte also nicht, sorgte aber dafür, dass ich mich von diesem Buch getäuscht fühlte.

Trotz Enttäuschung habe ich schließlich doch einige Rezepte nachgekocht und war angenehm überrascht. Zwar fehlen bei einigen die Angaben ob beim backen Umluft oder Ober-/Unterhitze verwendet wird, aber insgesamt sind die Anleitungen gut verständlich, die Mengen sind passend angegeben und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Aber am Wichtigsten: Sie schmeckten hervorragend. Tipp: Mini-Frittatas mit Speck, Tomaten & Ricotta, aber auch die Süßkartoffel-Spaghetti Carbonara waren sehr lecker.

So kam es zwischen mir und diesem Buch beinahe doch noch zu einem Happy End. Wer also ein Kochbuch mit unterschiedlichen meist glutenfreien Rezepten für den Spiralschneider sucht, die auch Low Carb sein können, kann es sich ja mal anschauen.


Denise Smart
Kochen mit dem Spiralschneider
Klappenbroschur, 128 Seiten, ca. 55 Farbfotos
ISBN: 978-3-517-09607-0
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 17,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Südwest
Erschienen: 03.04.2017
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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Lachender SuB

„Ich habe Angst vor leeren Zimmern. Halte die Stille schwer aus. Immer fürchte ich, dass die schweigende Menge der ungelesenen Bücher in den Regalen plötzlich in ein schallendes Gelächter ausbrechen wird. Mich überführen könnte als Hochstapler und Klappentextleser.“

[Sieben Nächte von Simon Strauss, S. 40]

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Sieben Nächte – Simon Strauss

„Sieben Nächte“ von Simon Strauss ist ein Buch, das sich zwischen Roman, Essay und Selbstversuch bewegt. Ebenso wie der Autor, ist der Protagonist, der als Ich-Erzähler unter dem Namen S. in Erscheinung tritt, neunundzwanzig Jahre alt. Er sieht sich als Teil einer privilegierten Generation, die behütet und scheinbar glücklich aufwuchs, sich allerdings niemals etwas erkämpfen musste.

„Davor, später nur auf graue, gerade Linien zurückzuschauen, habe ich Angst. Dass mir die Gefühle abhanden kommen, sich Gewohnheit einstellt. Vor der trockenen Sicherheit, dem Kniefall vor der Konvention. Nie geschrien zu haben, immer nur kleinlaut geblieben zu sein, davor fürchte ich mich.“ (S. 14)

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Kurz vor dem 30. Geburtstag zieht er ein Resümee seines bisherigen Lebens. Er hat das Gefühl, bisher nicht richtig gelebt zu haben und nun an der Schwelle des für ihn endgültigen Erwachsenwerdens nicht mehr nur gefallen zu wollen und ins Gesellschaftsbild zu passen, sondern seinen wirklich eigenen Lebensweg zu finden zu wollen.

„Dann habe ich ein Angebot bekommen. Einer, den ich kaum kannte, dem ich vor Kurzem begegnet bin, hat mit mir einen Pakt geschlossen. Er wolle mich führen, hat er gesagt, dorthin, wohin es mich drängt. […] Er blickte mich an, führte mich in Versuchung. Und am Ende, nachdem ich ganz aus mir heraus gesprochen hatte, sagte er mit einem Zucken um seinen Mund, er wisse genau, was mir fehle. Und er kenne den Weg dorthin. Immer um sieben Uhr abends würde er sich melden und mich auf einen Streifzug schicken durch die Stadt. Immer würde ich einer Sünde begegnen, einer der sieben Todsünden. ‚Auf dass du eine findest, in der du dich wohlfühlst. Oder dich für immer von ihnen abkehrst‘, hat er gesagt. […] Ich werde eingehen auf seinen Vorschlag: Werde gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sieben Nachtschichten einlegen, um der drohenden Zukunft noch einmal zu entkommen.“ (S. 18/19)

Und so erledigt er gewissenhaft die sieben Todsünden in sieben Nächten und schreibt anschließend seine Gedanken nieder. In ihnen steckt Mut, Sehnsucht und Angst. Aber auch Gesellschaftskritik und Generationskonflikte. Ein ums andere Mal pflichtete ich dem Gelesenen bei und konnte mich mit den Gedankengängen identifizieren oder sie zumindest nachvollziehen. Da ich jedoch vom Alter her zur Elterngeneration des Autors und seines Protagonisten S. zähle, liegt allerdings genau darin auch ein Problem, weil die Reibungswärme des Kampfes und daraus resultierenden möglichen Erfolgen wachsende Selbstvertrauen entfällt, wenn man zu leicht auf Verständnis und gleiche Meinungen trifft. Es gibt in diesem Buch viel Stoff zum Nachdenken, auch wenn man die dreißig bereits deutlich überschritten hat.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und konnte mich durch die kraftvollen sprachlichen Bilder mitreißen. Und doch ist dieses knapp 144 Seiten schlanke Buch keines, das sich einfach weglesen lässt. Es beeindruckt und wirkt nach, auch wenn S. „Kinderfragen gestellt hat und nach Sinn und Sagbarem gesucht und Umrisse in den Sand gezeichnet hat“. Empfehlenswert!

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Simon Strauss
Sieben Nächte
Gebunden mit ausklappbarem Vorsatz, 144 Seiten
ISBN: 978-3-351-05041-2
Preis € (D) 16,00
Verlag: Blumenbar
Erschienen: 08.07.2017
Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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Weekly Photo Challenge: Textures

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Textures: sparkling mud 😉

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