Foto der Woche – 14/2021

Wenn ich nur ein bisschen Fantasie hätte, würde ich einen ganz wichtigen Gesichtsausdruck aufsetzen und behaupten, dass es sich bei dem abgebildeten Tier um eine doppelt federrümpfige Wald- und Wiesenflugerpelin handelt – eine bislang noch unentdeckte Vogelart aus den niederrheinischen Urwäldern.

Aber ehrlicherweise steht das Foto der Woche stellvertretend für die vielen Bilder, die ich in dieser Woche gemacht habe, um Bewegung mit kurzer und kürzester Verschlusszeit einzufrieren – ganz so, wie es das Projekt 52Frames vorsieht. Als mögliches Motiv hatte ich die Vögel auserkoren, die so zahlreich auf unserem Balkon erscheinen um sich an der Futterstation zu bedienen. Entstanden sind viele „Zu-Bilder“ – zu dunkel, zu unscharf, unZUreichend.

Zähneknirschend habe ich zwar ein Foto gefunden, das zur Erfüllung der Wochenaufgabe taugt, aber ich habe auch gemerkt, dass mir das Langsame eher im Blut liegt. Für die Langzeitbelichtung bin ich besser ausgerüstet als für die kurzen Verschlusszeiten, die es hell und offenblendiger brauchen, als meine Objektive es zu leisten bereit sind. Auch mag ich Slowfood insgesamt lieber als Fastfood, gehe lieber gemäßigten Schrittes spazieren um die Natur zu genießen und lasse es mir gerne gefallen, wenn mir auf dem Balkon die warme Frühlingssonne beim Lesen auf Haut und Buch scheint. Zumindest Letzteres funktionierte in dieser Woche oftmals grandios.

erLESENer März 2021

Im Lesemonat März lernte ich die norwegische Wanderlust kennen, ließ mich durch Wunderbares verzaubern, nahm eine Einladung zum Schreiben an, dachte über Lebensweisheiten nach und lernte einen homosexuellen und unter Schizophrenie leidenden Schriftsteller kennen.

Bücherwelten – jenseits und diesseits von Fantasie und Wirklichkeit.

Frei. Luft. Hölle. von Are Kalvø: Ein amüsanter Ausflug des Comedian nicht nur ins norwegische Outdoor-Leben. Stimmungsaufhellend und trotzdem Wanderlustfördernd.

Du kannst Wunder vollbringen von Jan Becker: Ein überraschend bodenständiger, empathischer und wissbegieriger Autor, der den gesunden Menschenverstand zu nutzen weiß und neben wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, aber auch dem (noch) Unerklärbaren Raum gibt. Dass dennoch mit ein wenig Hokuspokus gewürzt wird, muss man vertragen können.

Einladung zum Schreiben von Doris Dörrie: Ein hübsches Notizbuch mit ansprechenden Schreibinspirationen in der Art, wie man sie bereits aus ihrem Buch „Leben, schreiben, atmen“ kennt. Ein tolles Arbeitsbuch zum Weiterschreiben.

Eine leise Ahnung von etwas Neuem vom Markus Mirwald: Der vierte Band mit Aphorismen aus seiner Reihe „Wesentliches in wenigen Worten“. Trifft genau meinen Nerv.

Die Germanistin von Patricia Duncker: Ein Roman rund um einen französischen Romancier und politischen Quergeist, der sich als homosexueller und unter Schizophrenie leidender Schriftsteller herausstellt, der Verbindungen zu Michel Foucault hat. Auf seine Art ein besonderes Buch, aber vermutlich doch eher etwas für Kenner der Philosophie Foucaults.

Die Germanistin – Patricia Duncker

Manchmal bin ich dankbar für meine Vergesslichkeit und freue mich darüber, wenn ich einfach ein Buch aus meinem Stapel ungelesener Bücher mehr oder weniger wahllos herausgreife, um mich überraschen zu lassen. Und ohne noch zu wissen, auf wessen Empfehlung hin ich mir das Buch kaufte und was mich seinerzeit daran so ansprach. Irgendwie hatte es auch „Die Germanistin“ von Patricia Duncker in meine engere Auswahl und schließlich sogar in mein Bücherregal geschafft. Ein eher zurückhaltendes, aber durchaus ansprechendes Buchcover und ein Titel, der mich vermuten ließ, dass es um Bücher und ums Lesen geht und vielleicht sogar dabei Sätze hervorbringt, die so bemerkenswert sind, dass sie in Erinnerung behalten werden wollen. Das habe ich in diesem Buch zwar auch entdecken können, es ist aber nicht der Grund dafür, dass es mich auf seine besondere Weise verwirren, aber auch ansprechen konnte.

Im Sommer 1993 ist der namenlose Ich-Erzähler Student in Cambridge und arbeitet an seiner Doktorarbeit über den französischen Romancier und politischen Quergeist Paul Michel. Daneben beginnt er eine Liebesbeziehung zu einer ungewöhnlichen jungen Frau, der Germanistin, die ihn vom ersten Moment an in eine andere, leidenschaftliche Welt verstrickt. Angetrieben von ihrer Willensstärke, reist er nach Paris um die noch unveröffentlichten Briefe Paul Michels an seinen Zeitgenossen Michel Foucault zu studieren und herauszufinden, wo er sich aufhält. Tatsächlich findet er den homosexuellen und unter Schizophrenie leidenden Schriftsteller dort in einer Nervenheilanstalt. Aufopfernd bemüht sich der Student um das Wohlergehen des angeblich wahnsinnigen Schriftstellers und kommt ihm allmählich näher.

Einen ganz eigenen Sog übt dieses Buch beim lesen auf mich aus. Und doch habe ich dabei das Gefühl, dass mir der Hintergrund fehlt, um diesen Roman in seiner Gänze erfassen zu können. Von Michel Foucault kenne ich bislang nur den Namen und weiß, dass er ein französischer Philosoph war. Ein kurzer Ausflug zu Wikipedia hilft mir dabei nicht so recht weiter und für mehr Recherche fehlt mir zu dem Zeitpunkt der Biss. Doch die Charaktere sind ungewöhnlich und die Geschichte vom Handeln und Leiden der Protagonisten gelegentlich so skurril, dass ich dem Buch dennoch bis zum Schluss folge. Ich beende den Roman mit dem Eindruck, das Wichtigste dennoch verstanden zu haben und enträtsle auch den tragischen Bezug der eher abstrakt wirkenden Abbildung auf dem Buchcover zu der Geschichte.

Am Ende habe ich den Eindruck einen besonderen Roman gelesen zu haben, der mich gleichzeitig auf eine meiner zahlreichen Bildungslücken aufmerksam gemacht hat. Eigentlich mag ich es ja, wenn Bücher mir die Tore zu anderen Welten und Wissensgebieten öffnen. Vielleicht wäre genau jetzt der beste Zeitpunkt, mich doch einmal mit Michel Foucault auseinanderzusetzen. Irgendwie habe ich Lust darauf und doch bin ich etwas zögerlich, weil erfahrungsgemäß mein laienhaftes Philosophieverständnis manchmal einfach nicht ausreicht, um die Lehren mancher Philosophen erfassen zu können.

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Patricia Duncker
Die Germanistin
Aus dem Englischen übersetzt von Karen Nölle-Fischer
Original: Hallucinating Foucault – Serpent’s Tail, London
Taschenbuch, 208 Seiten
ISBN: 978-3423126205
Preis: 5,99 € [D]
Verlag: dtv
Erschienen: 01.04.1999

abc.etüden: Ein besonderes Geschenk

Erschrocken schlug sie die Augen auf und rappelte sich mühsam auf. Sie hörte ein kurzes Fiepsen. Dann knirschte und schmatzte etwas. Was war das nur? Sie schwang sich aus dem Bett und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Die Geräusche kamen eindeutig aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig schlich sie dorthin und hielt im Türrahmen erschrocken inne. Im Halbdunkel sah sie nur noch letzte Dackelfalten in dem weit geöffneten Schlund der Venusfliegenfalle verschwinden, die sie erst gestern zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Die Pflanze musste über Nacht einen enormen Wachstumsschub bekommen haben und füllte nun fast das ganze Zimmer aus. Sanft wogen ihre Blätter hin und her, während einige ihrer wie Fangeisen ausgelegten Fallen wütend um sich schnappten. Immer wieder forderten sie abwechselnd „Füttere mich!“ und blickten sie dabei grimmig an. Die Luft war erfüllt von dem fruchtigen Duft der Blüten, den nun auch ein Geruch nach Blut durchsetzte. Jetzt rülpste die Pflanze auch noch und gab dabei einen Blick auf ihren Rachen frei, in dem noch ein Dackelbeinchen zu sehen war.

Entsetzt schlug sie die Hände vors Gesicht und schrie.

Und schrie immer noch, als sie schweißgebadet von ihrem eigenen Schrei erwachte. Jetzt hörte sie ein Scheppern. Dann klirrte etwas. Was war das nur? Immer noch von ihrem Traum gefangen, schwang sich aus dem Bett und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Die Geräusche kamen eindeutig aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig schlich sie dorthin und hielt im Türrahmen erschrocken inne. Im Halbdunkel sah sie nur noch ihre erschreckte Katze um die Ecke flitzen. Die Venusfliegenfalle war entgegen der von ihr geträumten klein geblieben, hatte aber den Kampf gegen ihre Katze verloren, die sie vermutlich in spielerischem Übermut versehentlich von der Fensterbank gestürzt hatte.

Dem Pflänzchen würde sie morgen einen neuen Topf gönnen müssen – und unbedingt einen neuen Namen. Vielleicht Mechthild oder Mathilde, anstatt Audrey, die Zweite.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Dackelfalten, fruchtig, scheppern.

Foto der Woche – 13/2021

Die schönsten Bilder entstehen oft dann, wenn man die Kamera bereits weggepackt hat. Sie bleiben nur als strahlende Momentaufnahmen im Gedächtnis zurück. Als dieses Foto entstanden ist, konnte ich nicht ahnen, dass mir gleich um die Ecke ein Eichhörnchen begegnen würde, das witzig hin- und herwuselt, mich mit seiner Putzigkeit verzaubert und schließlich genauso schnell verschwindet, wie es aufgetaucht war. Ich habe gar nicht erst nach der Kamera gekramt, sondern das Beobachten einfach nur genossen.

Eine leise Ahnung von etwas Neuem – Markus Mirwald

Eine leise Ahnung von etwas Neuem erfasst mich tatsächlich, als ich das Buch zum ersten Mal in Händen halte. Hochwertig fasst es sich an und das Farbkonzept mitsamt dunkelgrauem Vorsatzpapier und gleichfarbigem Lesebändchen harmoniert perfekt mit dem auberginefarbenen matten Buchcover. Auf dem matt satinierten Sonderpapier befindet sich auf jeder zweiten Seite ein in schwarzer Handschrift verfasster Aphorismus, der darunter gleich nochmal in Druckschrift zu lesen ist. Diese Dopplung finde ich ungewöhnlich, aber auch sehr ansprechend. Denn drumherum ist weißer Leerraum, der nicht nur dem Text genug Platz lässt, sondern auch ohne Ablenkung den Gedanken der Lesenden Raum zur Entfaltung gibt.

Ich blättere zunächst ein wenig darin herum, lese hier und da rein und freue mich darüber, auf dieses Buch gestoßen zu sein. Es ist der bereits vierte Band aus der Reihe „Wesentliches in wenigen Worten“ – und genau zu dem, was dieser Reihentitel verheißt, habe ich große Lust. Dieser Tage wird in der Politik zu vieles in die Welt hinausposaunt und dann wieder zurückgenommen. Mir steht der Sinn nach etwas Bodenständigem, nach etwas Verlässlichem und auch nach etwas Besonderem. Für Letzteres nehme ich mir Auszeiten, in denen ich mich ganz bewusst aus der Welt der Notbremsen, Beschränkungen und Sonderregelungen herauswinde. Markus Mirwalds Aphorismen haben mich dabei ein Stück weit begleitet, wenn ich mich mit einem leckeren Heißgetränk in meinen Lesesessel zurückgezogen habe und mit Aphorismen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen, meine Gedankenwelt mit anderen Inhalten gefüllt habe.

Gern habe ich in der Vergangenheit meine Fotografien gelegentlich mit Aphorismen versehen und in diesem Jahr begleitet mich sogar ein Abreißkalender, der mich jeden Tag mit einem neuen Ausspruch einer meist bekannten Persönlichkeit versorgt. Das ist oftmals amüsant, manchem stimme ich insgeheim zu, aber manchem widerspreche ich auch, weil es eben nicht dem entspricht, was ich in meinem bisherigen Leben kennen gelernt habe. Markus Mirwalds Aphorismen treffen hingegen genau meinen Nerv. Ich kann nachvollziehen was er meint, ohne dass der Ausdruck plump oder banal wäre. Und ich kann ihm tatsächlich innerlich in Vielem beipflichten.

„Manch einer begreift erst im Rückblick: Wir sind selbst dafür verantwortlich mit welcher Perspektive wir in die Welt blicken.“

Markus Mirwald

Man merkt, dass der 1982 geborene Autor Lebenserfahrung hat. Er wurde zunächst von Abenteuern in Büchern und schließlich von der weiten Welt angezogen: Nach Reisen durch Europa und Südamerika folgten Aufenthalte in Afrika, im Nahen Osten und ein Jahr in Nordamerika. Angeregt durch diese Erfahrungen begann er, sich mit dem Wesen des Mensch-Seins und des sozialen Miteinanders zu beschäftigen. Dieses Interesse mündete im Studium der Soziologie und dem Aufbau eines Cohousing-Projekts in der Nähe von Wien. Sein Schreiben folgt dem Gedanken: Verändern wir unseren Alltag, wandelt sich unser ganzes Leben. Ich selbst würde sogar noch weiter gehen: Verändern wir unser Denken, wandelt sich unser ganzes Leben.

Mir gefällt Markus Mirwalds Wesentliches in wenigen Worten. Es ist eine willkommene Einladung zum Innehalten und auf sich wirken lassen und sicherlich auch eine schöne Geschenkidee um lieben Menschen eine Freude zu machen.

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Markus Mirwald
Eine leise Ahnung von etwas Neuem
Wesentliches in wenigen Worten – Band 4
Gebundene Ausgabe, 100 Seiten
ISBN: 978-3903212060
Preis: 18,00 € zzgl. Versand
Herausgeber: Markus Mirwald
Erschienen: 03.08.2020

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Autor für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Einladung zum Schreiben – Doris Dörrie

Eine Einladung zum Schreiben kann ich kaum ausschlagen, erst recht nicht, wenn sie von Doris Dörrie stammt. Doris Dörrie studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Filmarbeit veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Sie lebt in München, unterrichtet dort an der Filmhochschule „creative writing“ und gibt Schreibworkshops. Bereits 2019 lud sie mit „Leben, schreiben, atmen“ auf inspirierende Weise dazu ein, den Schreibmuskel durch autobiografisches Schreiben zu trainieren.

Gerne bin ich damals ihrer Einladung gefolgt und habe seitdem immer mal wieder zu Themen dieses Buches im privaten Rahmen geschrieben. Es sind kleine Zeitreisen zurück in die Vergangenheit, die mal schön und herzerwärmend sein können, manchmal aber auch ein wenig melancholisch sind, vielleicht auch traurig machen, weil eben nicht immer alles in der eigenen Biografie rosig war. So mancher Rückblick hat jedoch etwas Unterhaltsames und manchmal sogar etwas Erhellendes, weil sich mit zeitlichem Abstand eine andere Sicht auf die Dinge ergeben kann oder man inzwischen auch vieles dazu oder anderes kennengelernt hat. So ist Doris Dörries Einladung zum Schreiben für mich weit über das kreative Schreiben hinaus zu etwas geworden, was ich zu wertschätzen weiß und als bereichernd empfinde. Weitere Schreibanregungen lieferte mir später ihr Buch „Die Welt auf dem Teller“ und auch auf ihrem Instagram-Account finden sich viele Impulse um über Dies und Das schreibend zu sinnieren. Tatsächlich kann ich davon nicht genug bekommen und war umso gespannter, als ich nun ihr gerade erst erschienenes Arbeitsbuch „Einladung zum Schreiben“ in Händen hielt.

Ein hübsches kleines Büchlein, das einen hochwertigen ersten Eindruck hinterlässt, denn der halbe Schutzumschlag gewährt gleich einen Blick auf den roten Leineneinband und auch das dunkelblaue Lesebändchen bleibt nicht lange unbemerkt. Ein Inhaltsverzeichnis bietet einen Überblick über die 50 Stichworte, die die Autorin dem Leser an die Hand gibt. Beim ersten Überfliegen fallen mir banale Begriffe auf, die auf eher unverfängliche Weise vielleicht sogar humorvolle Erinnerungen herauskitzeln können, aber auch einige ernstere sind dabei – insgesamt eine interessante Mischung.

In einem kurzen Vorwort erläutert Doris Dörrie unter anderem, noch einmal die Regeln, um die es geht: „Zehn Minuten am Stück schreiben. Ohne Unterbrechung. Mit der Hand. Nicht nachdenken. Nicht kontrollieren. Nicht bewerten. Blödsinn zulassen. Es geht darum, aufmerksam und vorurteilsfrei dem eigenen Gehirn zuzuschauen und zuzuhören und das, was dort wild aufflackert, aufzuschreiben.“

Und dann geht es auch schon mit den Schreibinspirationen los. Jedem Stichwort folgt in wenigen Sätzen eine Erläuterung und dann ist auf drei linierten Seiten Platz vorgegeben, damit der Leser sein Schreiben ausleben kann. Ich verliebe mich gleich in dieses besondere Notizbuch und fühle mich von den kurzen Beschreibungen sofort angesprochen. So habe ich sie bereits als Arbeitsanweisungen in „Leben, schreiben, atmen“ kennengelernt, das man jedoch nicht unbedingt kennen muss, um an diesem Journal seine Freude zu haben. Aber ich habe es halt gelesen und fühle mich gleich zu Hause, auch wenn ich noch unschlüssig bin, ob ich mich kreuz und quer durch dieses Journal arbeiten werde oder hintereinanderweg zu den Stichworten schreibe.

Beim Durchblättern stoße ich schließlich auch auf das Nachwort und lese es ausnahmsweise gleich nach dem Vorwort. Es ist ein schönes Plädoyer dafür, das Schreiben als Geschenk anzunehmen, ihm auf den tiefen Grund zu gehen und dranzubleiben. Jeden Tag nur zehn Minuten zu schreiben um den Schreibmuskel zu trainieren. „Weiterschreiben. Weitermachen. Niemand auf der ganzen Welt kann so über dich und dein Leben schreiben wie du selbst.“ Eine Aufforderung, die ich gerne annehme. Und ein Buch, das ich gerne an liebe Menschen weiterverschenken werde, von denen ich mir vorstellen könnte, dass ihnen ein wenig Schreibzeit mit Momentaufnahmen der eigenen Vergangenheit Freude machen könnte.

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Doris Dörrie
Einladung zum Schreiben
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
ISBN: 978-3257071108
Preis: 16,00 € [D]
Verlag: Diogenes
Erschienen: 24.03.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Kulinarische Weltreise: Mexiko

Mexiko? Schon wieder? Könnte man meinen, aber manche Länder haben kulinarisch durchaus mehr zu bieten, als man bei einem einzelnen Menü zu probieren schaffen könnte. Unser letzter kulinarischer Ausflug dorthin ist immerhin auch schon wieder zwei Jahre her. Außerdem setzte sich unsere kleine Reisegruppe dieses Mal ein wenig anders zusammen und es war allgemein gewünscht worden, dass nun auch Fleisch auf der Speisekarte stehen sollte. Also doch ein wenig anders als beim ersten Mal.

Beim Einkaufen der Zutaten stießen wir eher zufällig auf ein Bier, das laut Werbeslogan das Gefühl von Strand und mexikanischer Sonne in unseren Alltag bringen sollte. Genau das Richtige in dieser trüben Corona-Zeit und von dem Namen ließen wir uns nicht abschrecken:

Als Tröpfchen zu dem Essen durchaus zu empfehlen. Die Hintergrundmusik für unseren mexikanischen Abend lieferten Tito & Tarantula, eine US-amerikanische Rockband, dessen Sänger Tito Larriva aus Mexiko stammt, und die uns mit einem ihrer größten Hits aus dem Film „From Dusk Till Dawn“ direkt in eine mexikanische Kneipe katapultierten. Na ja, ein bisschen Fantasie braucht man dafür natürlich schon, wenn man sich vorstellen möchte, dass Salma Hayek auf meinem heimischen niederrheinischen Wohnzimmertisch tanzt.

Aber dort wäre auch einfach kein Platz gewesen, denn mein Herzbube hat wieder recherchiert und ausprobiert und einige Leckereien gezaubert, die wir vier sehr genossen haben. Unter anderem warteten dort auf uns 8 Tacos, die jeweils mit 1 TL Bohnenpaste bestrichen, mit 1 TL Salsa-Sauce, 1 TL Mais, einigen roten Zwiebelstreifen, 1/8 Avocado-Fruchtfleisch und 2 bis 3 Stücken eingelegtem Kaktus belegt worden waren. Darauf kam noch das gesalzene und gepfefferte Steak, das Medium gebraten und in dünne Streifen geschnitten wurde. Zum Schluss wurden die Tacos noch mit frischem Koriander bestreut und zugeklappt für etwa 2 bis 3 Minuten im Backofen bei 160 Grad erwärmt.

Als hübscher, aber ebenso leckerer Farbklecks kamen die Pimentos de padron dazu, für die Bratpaprika (je nach Größe zwischen 3 und 5 pro Person) gewaschen, sehr gut trockengetupft, in heißem Öl von allen Seiten gebraten und zum Schluss noch mit einem guten Meersalz bestreut wurden.

Weiter ging es mit den Hähnchen-Quesadillas, für die zunächst 300 g Hähnchenbrust mit Salz und Chili gewürzt und gebraten wurde. Diese lässt man abkühlen und zupft sie dann auseinander, wie man es beispielsweise von Pulled Pork kennt. Zwei Wraps werden mit etwa 100 g Frischkäse bestrichen und mit Salz und Chili gewürzt. Auf einen Wrap die zerzupfte Hähnchenbrust, 100 g geriebenen Cheddar, 100 g geriebenen mexikanischen Käse (alternativ ein kräftiger Käse, wie Bergkäse oder Ähnliches), 2 EL Mais und eine Handvoll in Ringe geschnittenen Frühlingslauch geben. Mit dem zweiten Wrap zudecken und bei Bedarf mit etwas Chili-Öl bestreichen. Bei 160 Grad etwa 8 Minuten backen, bis der Käse geschmolzen ist und der Wrap ein wenig Farbe bekommt. In 8 Stücke geschnitten servieren.

Und für die Mexikanische Hähnchenpfanne werden zunächst 800 g ausgelöste Hähnchenkeule (ohne Knochen) mit Chili und Salz gewürzt und angebraten. Dann kommt eine gewürfelte Gemüsezwiebel, 2 EL Tomatenmark, 3 grob gehackte Knoblauchzehen, 1 Dose stückige Tomaten, eine geschälte und in kleine Würfel geschnittene Möhre, 150 g Langkornreis hinzu. Mit 200 ml Orangensaft und etwa 300 ml Wasser ablöschen und etwa 10 Minuten köcheln lassen. 200 g TK-Erbsen, 1 kleine Dose Mais und 10 schwarze in Scheiben geschnittene Oliven zufügen. Nochmal etwa 10 Minuten köcheln lassen. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Mit Salz und Chili abschmecken und mit frischem Koriander bestreut servieren.

Und weil ein Dessert zum Abschluss immer noch geht, gab es für uns noch einen Mexikanischen Käsekuchen. Dafür werden 150 g kleingebröselte Kekse (Butterkekse oder Ähnliches), 1 EL Backkakao und 70 g geschmolzene Butter vermengt und auf dem Boden einer mit Backpapier ausgelegten und am Rand eingefetteten Springform (ca. 25 cm Durchmesser) verteilt und angedrückt. Dann muss der Boden etwa eine Stunde im Kühlschrank fest werden. 500 g Magerquark, 200 g Schlagsahne, 1 Dose (400 ml) gezuckerte Kondensmilch, Saft und Zeste von einer Limone, 4 Eier und 1 Packung Vanillepuddingpulver verrühren und auf dem Keksboden verteilen. 45 Minuten bei 160 Grad (Ober-/Unterhitze) backen. Abkühlen lassen und mit einer Masse aus 40 g geschmolzener Zartbitter-Kuvertüre, 30 g geschmolzener Butter und 50 g flüssiger Sahne bestreichen. In 8 Stücke teilen und servieren.

Und spätestens da war es mit unserer Beherrschung anscheinend vorbei – ich war einfach nicht schnell genug, um ein Bild von einem unversehrten Stück Käsekuchen zu machen.

Fazit: Eine weitere Station der Kulinarischen Weltreise, die Spaß gemacht hat und nicht nur eine Freude für die Geschmacksknospen war. Neu war für mich der eingelegte Kaktus, der an eingelegte scharfe Gurken erinnert. Das Corona-Bier kannte ich vorher auch noch nicht. Es schmeckt mir, aber es sind eher der Preis und der Name, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Mexikanische Käsekuchen ist hingegen auf meiner Liste der leckersten Käsekuchen ganz weit oben.

Foto der Woche – 12/2021

Eigentlich hatte ich nur nach einem Motiv gesucht, bei dem das Licht und das Fenster eine Rolle spielten, ganz so wie es die Wochenaufgabe für 52Frames forderte. Aber irgendwie ist in dieser gefühlsmäßig sehr anstrengenden Woche mehr daraus geworden: Eine Abbildung des Trümmerkäfigs, der durch das vergitterte Fenster Schöneres erblicken lässt, der einen jedoch durch Beschränkungen und Notbremsen gefangen hält.

Als Fotografierende weiß ich, dass ich mich nur umdrehen muss, damit sich mir ein völlig anderes Bild bietet. Ich wünschte, das Leben wäre manchmal auch so einfach.

Du kannst Wunder vollbringen – Jan Becker

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich Jan Becker vor etlichen Jahren im Fernsehen in einer Show mit Uri Geller sah und er mir mit seiner Ausstrahlung und seinen beeindrucken Darbietungen als sogenannter Mentalist in positiver Erinnerung geblieben ist. Als ich nun kürzlich „Du kannst Wunder vollbringen“ als von ihm selbst eingesprochenes Hörbuch bei Spotify entdeckte, wollte ich nur mal kurz reinhören. Einfach, weil ich ihn als Typ interessant finde und mir auf kurzweilige Art ein wenig positiven Input erhoffte. Und doch war meine Bereitschaft das Hörbuch jederzeit abzubrechen höher als üblich, weil ich hinter dem Zusatz „Finde dein magisches Glück“ Hokuspokus vermutete, aus dem ich mich mit den Jahren doch herausgewachsen fühlte. Es hat mich rückblickend fast ein wenig erstaunt, dass ich dem Hörbuch bis zum Schluss gefolgt bin – sogar sehr gerne.

Denn Jan Becker geht in diesem Buch zunächst den Definitionen von Wundern und auch der Magie auf den Grund und entmystifiziert diese Begriffe ein wenig. Damit schafft er die nötigen Grundvoraussetzungen um auch nicht religiöse Magiezweifler wie mich, die ihr Heil eher in den wissenschaftlichen Ansätzen der Psychologie suchen, ins Boot zu holen. Der Klappentext meint beschreibend zu dem Buch: „Der „Wundermacher“ und Meister-Hypnotiseur beschäftigt sich seit langem mit den magischen Seiten unserer Welt und erklärt in seinem Buch, wie Magie seine Lebensphilosophie geprägt hat und warum es wichtig ist, den eigenen Blick für die alltäglichen Wunder zu schärfen.“

Glücklicherweise erweckt Jan Becker nicht den Eindruck eines abgehobenen „Wundermachers und Meister-Hypnotiseurs“ – Marketing-Begriffe, die er auch auf seiner Website verwendet – sondern erscheint vielmehr als ein bodenständiger, empathischer und wissbegieriger Mensch, der den gesunden Menschenverstand zu nutzen weiß und neben wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, aber auch dem (noch) Unerklärbaren Raum gibt. Und so finden sich in seinem Buch viele praktische Übungen (unter anderem geht es um Selbstreflektion, Fokussierung, Lenkung der Aufmerksamkeit, etc.) wie sie in einigen magischen, aber auch psychologischen Praktiken Verwendung finden. Alles ist immer gewürzt mit einer Prise Magie und es gibt natürlich viele kleine Ausflüge in esoterische Bereiche um das Überraschende und Wunderbare zu finden. Aber der Autor lässt die Leser auch an vielen Geschichten aus seinem eigenen Leben und seiner Berufspraxis teilhaben, was beim Lesen einen sehr anschaulichen und persönlichen Eindruck hinterlässt. Nach 529 Minuten endet das Hörbuch schließlich und lässt mich angenehm überrascht zurück. Kein Hokuspokus. Na ja manchmal vielleicht doch ein bisschen, aber auf angenehme und sympathische Art herübergebracht. Sicherlich nicht mein letztes Buch von Jan Becker.

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Jan Becker, Mitautorin: Christiane Stella Bongertz
Du kannst Wunder vollbringen – Finde dein magisches Glück
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-492-06193-3
Preis: € 16,99 [D], € 17,50 [A]
Verlag: Piper
Erschienen: 31.08.2020