abc.etüden: Badekristallwelten

Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. In dieser Woche kommt die Wortspende von Elke und lautet: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

Sie hatte davon gehört, dass es im Internet Badesalz zu kaufen gab, das nicht einmal von einem der angesehenen Haute-Couture-Parum-Labels war und dennoch pro Gramm 22 Euro kostete. Wen wunderte es, nach oben hin war auf der Preisskala für überteuerten Schnickschnack ja immer alles offen. Dennoch wollte sie sich den Internetshop mal näher ansehen, nur interessehalber selbstverständlich .

Und tatsächlich – auf dem Bild sah das weiße Pulver mit ein wenig Phantasie wirkich ein bisschen wie Badesalz aus, doch in der Produktbeschreibung wurde eine Kokain-Alternative beworben, die die Konsumenten in wenigen Sekunden raketenmäßig auf die Startrampe knallen sollte. Unglaublich, worauf die Jugend heutzutage abfuhr. Für so etwas brauchte man sicherlich einen Lehrmeister, der einen erst einmal in die Kunst des substanzgesteuerten Höhenfluges einwies, damit man nicht gnadenlos über das Ziel hinausschoss und sich in die Horrorberichte von Selbstverstümmelungen und Gewaltexzesse einreihte.

Und wie wirkte das Zeug, wenn man es tatsächlich als Badezusatz verwendete? Schlürfte man dann ein wenig von dem Badewasser um high zu sein und anschließend flundernplatt in der Wanne seinen Rausch auszuschlafen? Sie entschied, dass sie nicht auf alle Fragen eine Antwort haben musste, ließ das wohlig warme Wasser in die Wanne laufen und atmete genussvoll den Duft ihres heissgeliebten hineinrieselnden Kneipp-Badesalzes ein.

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Entfleuche!

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…Thema: Schattenspiele

punkt1-259x300„Punkt, Punkt, Punkt“ ist ein Projekt von Sunny von Always sunny, bei dem die Woche Sonntags mit einem von den Teilnehmern vorgeschlagenen Wort startet, zu dem sie dann einen Beitrag auf ihrem Blog veröffentlichen können. Pro abgegebenem Bild/Beitrag sammelt Sunny 5 Cent auf einem Spendenkonto. Das Geld bekommt in 2017 Ärzte ohne Grenzen. Eine tolle Idee!

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Auch Lichtgestalten werfen Schatten 😉

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Weekly Photo Challenge: Out of Focus

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Out of Focus: Poppy

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…Thema: Stapel

punkt1-259x300„Punkt, Punkt, Punkt“ ist ein Projekt von Sunny von Always sunny, bei dem die Woche Sonntags mit einem von den Teilnehmern vorgeschlagenen Wort startet, zu dem sie dann einen Beitrag auf ihrem Blog veröffentlichen können. Pro abgegebenem Bild/Beitrag sammelt Sunny 5 Cent auf einem Spendenkonto. Das Geld bekommt in 2017 Ärzte ohne Grenzen. Eine tolle Idee!

Das Thema dieser Woche lautet: Haufen/Stapel in der eigenen Wohnung

Die gibt es bei mir natürlich auch – Wäscheberg, Altpapier, Schmierzettel; ein Stapel bestehend aus etwa 5 Zeitungen, die seit mehreren Jahren darauf warten endlich gelesen zu werden; ein Stapel mit Lesezeichen; das Stäpelchen Papierpost, den das Briefkörbchen in Grenzen hält und nicht zu vergessen der Stapel mit den überaus wichtigen Notizen auf dem Schreibtisch, die man nach Monaten dann endlich mal durchgeht und sich beim besten willen nicht mehr erinnern kann, was man laut dieses Zettels nicht mehr vergessen wollte und so weiter. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber, es ist, wie es ist – es ufert nicht aus und der Stapel der nervt, wird irgendwann reduziert oder eliminiert. Ganz unspektakulär. Da finde ich diesen Stapel viel interessanter und professioneller aufgeschichtet ist er auch – ich bin fast versucht mittig einen Holzbalken herauszuziehen 😉

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Geständnisse – Kanae Minato

„Geständnisse“ erzählt die Geschichte vom Mord an einer Vierjährigen begangen durch zwei dreizehnjährige Schüler. Die Lehrerin Yuko Moriguchi, die Mutter des ermordeten Mädchens, hält am letzten Schultag vor ihrer Klasse eine Rede. In dieser Rede erklärt sie, warum sie überhaupt Lehrerin wurde, erzählt dann, dass sie ihre Stelle gekündigt hat, beschuldigt zwei ihrer Schüler des Mordes an ihrer Tochter und verrät distanziert und eiskalt, warum sie diese nicht an die Polizei verraten wird. Stattdessen teilt sie ihnen mit, auf welche ganz persönliche Art und Weise sie Rache an ihnen genommen hat. Daraufhin nimmt ein tödliches Drama seinen Lauf, an dessen Ende keiner – weder Jugendlicher noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt.

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Dieses Buch erschließt sich dem Leser in einer nicht linearen Erzählform durch ein perfektes Zusammenspiel der im Buch enthaltenen Geständnisse. Obwohl man als Leser bereits nach dem ersten Kapitel grob weiß, was passiert ist und die Geschehnisse sich aus jeweils anderen Perspektiven geschildert wiederholen, wird es nicht langweilig. Nach und nach erhält man immer mehr Einblick in das, was tatsächlich geschehen ist und warum die einzelnen Protagonisten so handelten, wie sie es taten. Dabei wird die Geschichte mit jedem Kapitel abgründiger und entwickelt einen Sog, so dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen mag.

Nach jedem Geständnis finden sich neue Puzzle-Teile, die sich passend ins Gesamtbild einfügen. Es gibt Überraschungen und Wendungen, die für mich nicht vorhersehbar waren. Die Grenzen zwischen Opfern und Tätern sind an manchen Stellen fließend, Mitleid erscheint manchmal erst auf den zweiten Blick als angebracht – oder ist es vielleicht sogar gänzlich unangebracht? Nach so manchem Kapitel brauchte ich eine Pause, um erstmal das Gelesene zu verdauen. Und auch das grausame und stimmige Ende ließ mich das Buch zuklappen und erstmal tief durchatmen, um Luft zu holen nach dieser ebenso packenden wie ungewöhnlichen Geschichte.

Es geht um verblendete Liebe und erdrückende Fürsorge, um Gleichgültigkeit und Misshandlung; um Kinder, die an einer auf Leistung und Erfolg ausgerichteten Gesellschaft zerbrechen, die jeglichen Sinn für Gut und Böse verloren haben und in ihrer verzweifelten Suche nach Zuneigung und Anerkennung alle menschlichen Grenzen überschreiten. Die fiktive Handlung spielt in Japan und natürlich fließen auch die Wertvorstellungen und gesellschaftlichen Konventionen dieses Landes mit ein. Nichtsdestotrotz finden sich hier Probleme bezüglich des Jugendstrafrechts oder der Erziehung , die auch in unserem Land existieren und die viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren bieten.

„Geständnisse“ ist ein Roman, der in diesem Jahr zu meinen absoluten Highlights gehört und den ich Lesern empfehlen kann, die keine Angst davor haben, tief in menschliche Abgründe zu blicken.

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Kanae Minato
Geständnisse
Aus dem Japanischen von Sabine Lohmann
Original: Kokuhaku (Confessions), Futabasha Publishers, Tokyo 2008
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 272 Seiten
ISBN: 978-3-570-10290-9
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 27.03.2017
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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abc.etüden: Mittel geerdet

Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. In dieser Woche kommt die Wortspende von Wortgeflumselkritzelkram und lautet: Bunker, Sommerblüten, bittersüß.

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Eigentlich träumte sie vom Urlaub im urgemütlichen Hobbithaus im saftiggrünen Auenland, umgeben von herrlich duftenden Sommerblüten. Mit Bilbo wollte sie bei strahlendem Sonnenschein auf der Bank gleich vor dem Haus sitzen und genüsslich eine Pfeife rauchen. Im Gasthaus „Zum Grünen Drachen“ würden sie einkehren, zur Erfrischung ein ganzes halbes Bier trinken und sich den Bauch mit feinsten Speisen zu füllen wissen.

Sie seufzte sehnsüchtig bei dem Gedanken und räumte den letzten Koffer aus dem Auto. Ihr Feriendomizil für die kommenden beiden Wochen war zwar etwas eckiger und leider nicht aus Holz gebaut, aber dennoch auf seine Art etwas Besonderes. Es handelte sich um einen von insgesamt 325 Bunkern im Traberpark „Den Heyberg“, die bis in die 1990er Jahre als militärisches Monitionslager genutzt wurden. Heute waren dort Traber- und Freizeitpferde untergebracht und weil in den Bunkern im Sommer wie im Winter eine gleichbleibende Temperatur herrschte, hatten sich hier auch bereits Champignonzüchter und Käsefabrikanten niedergelassen, verriet die Broschüre.

Von oben betrachtet war das begrünte Dach dieses Ferienbunkers sicherlich ein Augenschmaus und ging mit etwas Wohlwollen als modernes Hobbithaus durch, dachte sie bittersüß und beschloss aus diesem Urlaub das Beste zu machen. Nach Neuseeland in das Dorf Hobbingen ginge es dann ein anderes Mal – spätestens wenn der Ratenkredit fürs Auto abgelöst war.

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