Spuren – Paul Bürvenich (Hrsg.)

Es ist schon eigenartig, selbst verfasste Texte in gedruckter Form in einem richtigen echten Buch zu lesen. Mir ist ziemlich feierlich zumute, als ich es zum ersten Mal in Händen halte.

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Entstanden sind alle in „Spuren“ veröffentlichten Texte in den Jägerhofer Schreibwerkstätten in den Jahren 2010 bis 2017. Mein Herzbube und ich waren 2012 dabei, haben uns dort kennen und später lieben gelernt. Wir konnten nicht umhin, uns das erst vor kurzem erschienene 688 Seiten starke Werk zu kaufen. Natürlich als Hardcover mit Lesebändchen – wenn schon, denn schon 😉

Es hat mich damals schon interessiert, welche Worte meine Mitschreiber fanden, wenn sie still und konzentriert über ihren Laptops brüteten und gelegentlich eifrig in die Tasten hauten. Von denen, die unter ihrem Namen schrieben, weiß ich es nun und bin angenehm überrascht, teilweise aber auch tief betroffen. Ich lese Texte von Menschen, die ich vor Ort kennengelernt habe, wodurch alles Gelesene eine persönliche Bedeutung für mich bekommt und ich es zu wertschätzen weiß, woran sie mich nun als Leser teilhaben lassen. Aber auch die biografischen Texte, fiktiven Kurzgeschichten, Gedichte, Satiren, Reisebeschreibungen, Pamphlete, Briefe, Traktate, Nachrufe, philosophischen Gedankenspiele, Rezepte, Balladen, Essays, Märchen, Einsichten und Ansichten von Verfassern, die mir nicht persönlich bekannt sind oder die sich dafür entschieden haben anonym zu schreiben, berühren mich stellenweise aufgrund ihrer Ehrlichkeit und Authentizität.

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So verschieden die Autoren dieses Buches sind, so unterschiedlich ist auch ihre Schreibweise. Stellenweise hätte ich mir etwas mehr Lektorat gewünscht, aber da es sich hierbei um die Ergebnisse einer Schreibwerkstatt handelt, bei der das Kreative Schreiben für die meisten Teilnehmer eine völlig neue Erfahrung war, muss sich der Leser darauf einstellen, dass es stellenweise Nachbesserungsbedarf gibt. Es wurde zwar vom Herausgeber Paul Bürvenich Korrektur gelesen, dabei hat er jedoch so wenig wie nur möglich in die jeweiligen Texte eingegriffen. Neben Rohlingen sind immer auch Diamanten zu finden, wobei gerade die Vielschichtig- und Vielseitigkeit der Texte dafür sorgen, dass es dem Leser nicht so schnell langweilig wird.

Längere Beiträge beginnen mit einem Initial und passend zum Buchtitel ist der Kopf jeder Seite mit Schuhspuren gestaltet. Schöne Gestaltungselemente, wie ich finde und der Klappentext ergänzt hierzu, dass

„wir alle Spuren hinterlassen, wir nach Spuren suchen und in Spuren wandeln, die andere hinterlassen haben. Auf den Punkt gebracht, können wir feststellen: Das Leben geht nicht spurlos an uns vorüber.“

Der Leiter der Schreibwerkstätten und der Herausgeber dieses Buches, Paul Bürvenich, hat hier viel Mühe und Herzblut einfließen lassen, um zu zeigen was dabei herauskommen kann, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den kreativen Schreibprozess für sich entdecken und zum Schreiben kommen.

Ein Buch, das in unserem Bücherregal selbstverständlich einen Ehrenplatz erhalten wird.

Paul Bürvenich (Hrsg.)
Spuren – Jägerhofer Schreibwerkstätten 2010 – 2017
Taschenbuch, 688 Seiten
ISBN: 978-3743188679
€ (D) 17,80
Verlag: Books on Demand
Erschienen: 31.03.2017

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Literaturclub (SRF)

literatur-mediathekNicola Steiner, Rüdiger Safranski, Philipp Tingler und – als Gast – der Manager Peter Kurer diskutieren im April über

 

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Heute hat mich der vorgetragene Ausschnitt und die Besprechung von „Gott, hilf dem Kind“ von der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison tief berührt – ein Buch, das ich lesen möchte.

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Weekly Photo Challenge: Planet Earth

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Earth

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abc.etüden: peut-être

Bei den abc.etüden von Irgendwas ist immer geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 10 Sätze umfasst. Diese Woche kommt die Wortspende von Ruhrköpfe und lautet: Duschvorhang, Leichenschmaus, Frühlingsgefühle.

„Ein Leichenschmaus (lateinisch: epulum funebre) ist das gemeinschaftliche Speisen der Trauergäste im Anschluss an eine Beerdigung, das von der Familie des Verstorbenen ausgerichtet wird“ weiß Wikipedia und ich finde es gerade besonders chic in diesen Text ein wenig Latein einzubauen. Sicherheitshalber, sozusagen, gehe ich doch davon aus, dass dies das einzig hochgeistige in diesem 10-Satz-Konstrukt bleiben wird.

Eher spaßeshalber bemühe ich den Google-Übersetzer, der mir auch noch verrät, dass Duschvorhang im Lateinischen sagum imbrem bedeutet. Das muss ich wohl glauben, da ich zu den Menschen gehöre, die in der Schule diese Sprache nicht gelernt haben. Stattdessen hätte mir der rideau de douche vielleicht geläufig sein können. Und doch frage ich mich, ob der Duschvorhang tatsächlich ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten ist, für das die alten Lateiner bereits Worte fanden – aber vielleicht bin ich auch gedanklich nur zu sehr bei diesen scheußlichen Plastikdingern, die beim Duschen an den Waden kleben und unmöglich schon die ollen Römer gepiesakt haben können.

Während ich noch staune gebe ich bereits den nächsten Begriff ein: Frühlingsgefühle. Da schweigt der übersetzende Lateiner und auch der Franzose bleibt stumm. Und ließe ich mich zu fremdsprachigen Wortschöpfungen wie sentiment de ressort oder gar einem fons sensum hinreißen, erschüfe ich damit sicherlich nur ein sprachliches Chaos – das sollte ich besser lassen.

So komme ich stattdessen lieber zu dem Schluss, dass vermutlich weder Franzose noch Lateiner diese speziellen jahresbedingten Emotionen in Worte zu fassen vermögen, weil sie sie lieber genießen, anstatt darüber herumzuschwafeln – es sei ihnen gegönnt.

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Buch-Orakel

„Ich bin bekennender Billy-Regal-Voyeur, praktizierender Schrank-Analyst, heimlicher Buchrückenspion. Mir macht es große Freude, Spontan-Psychogramme von Menschen zu erstellen, die nur darauf basieren, welcher Lesestoff in ihrem Wohnzimmer steht. Das ist natürlich empörend unwissenschaftlich. Wer weiß, aus welchem Grund die einzelnen Bücher dort gelandet sind. Doch es macht eben auch fürchterlichen Spaß.“

[Couchsurfing in Russland von Stephan Orth, S. 31]

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Buchprüfer

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… Thema: U(h)rlaub

punkt1-259x300„Punkt, Punkt, Punkt“ ist ein Projekt von Sunny von Always sunny, bei dem die Woche Sonntags mit einem von den Teilnehmern vorgeschlagenen Wort startet, zu dem sie dann einen Beitrag auf ihrem Blog veröffentlichen können. Pro abgegebenem Bild/Beitrag sammelt Sunny 5 Cent auf einem Spendenkonto. Das Geld bekommt in 2017 Ärzte ohne Grenzen. Eine tolle Idee!

Das Thema dieser Woche lautet: U(h)rlaub

Ein vielschichtiges Thema, für das gar nicht so leicht etwas zu finden war. Doch dann fiel mir ein, dass ich erst kürzlich meinen Bildbestand nach einem Foto durchsucht habe, das ich für einen Kalender geeignet finde. Ausgekommen bin ich bei einem Urlaubsfoto, das im Herbst zwei Jahre alt wird – wohlgemerkt in unserem Herbst. Denn dort, wo ich dieses Bild aufgenommen habe, ist zu der Zeit Frühling. Während dann bei uns in Deutschland die Bäume bereits ihre Blätter abwerfen, erstrahlt dort alles in wunderschönster Blütenpracht. Aber seht selbst:

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