erLESENer Januar

Im Lesemonat Januar dachte ich mit Altmann über das Leben nach, war mit meiner Erkrankung auf dem Prüfstand, schaute bei Fotos nochmal genauer hin, gruselte mich in Harmony Bay und war intolerant gegen Nanos oder vielleicht auch nicht 😉

Bücherwelten – vielfältig wie das Leben…

img_1989

 

Gebrauchsanweisung für das Leben von Andreas Altmann
Ein Buch, in dem ich die es mochte wenn Altmann übers Reisen erzählt, menschlich liegt mir der Autor jedoch eher nicht.

Ein gutes Leben und andere Probleme von Svenja Bunt / Sibylle Prins
Die Autorinnen geben in ihrem Buch als psychiatrie Erfahrene Tipps und Anregungen wie man trotz gesundheitlicher Probleme „ein gutes Leben“ führen kann. Empfehlenswert für psychiatrie Erfahrene!

Vom Alltäglichen zum Besonderen – Bilder auf den Punkt gebracht von Michael Jordan
Ein Buch für Fotografiebegeisterte, die anhand von unspektakulären Beispielen etwas über die Bildgestaltung und Bildbearbeitungsmöglichkeiten erfahren möchten.

Monster 1983 von Ivar Leon Menger
Ein gruseliges 1980er Jahre Hörspiel à la Stephen King, das mir auch aufgrund der vielen bekannten Synchronstimmen viel Spaß gemacht hat.

Nanos – Sie bestimmen was du denkst von Timo Leibig
Ein spannender aber insgesamt eher oberflächlichlicher Actionthriller bei dem die in den Lebensmitteln enthaltenen Nanos das Denken der deutschen Bevölkerung im Jahr 2028 manipulieren.

Gebrauchsanweisung für das Leben – Andreas Altmann

„Was behüten Menschen mit mehr Macht, und was vernichten sie mit gleicher Vehemenz? Das LEBEN, klar. Versprochen, auch dieses Buch wird das Mysterium nicht lösen. Denn ich habe – wie jeder von uns – keine Ahnung, woher unser Leben kommt und wohin es, nachdem es aufhört, verschwindet. […] Der Autor verteilt keine Ratschläge, denn er weiß keine. Er weiß jedoch ein paar Geschichten, und die erzählt er.“ (S. 10/11)

Das beruhigt mich um ehrlich zu sein, denn aufmerksam wurde ich auf Andreas Altmann durch den Podcast WELTWACH, wo er mich durch seine Erzählungen über Reiseerlebnisse zu begeistern wusste. Und als ich im vergangenen Jahr eine Gebrauchtbücherbestellung aufgab, entdeckte ich unter anderem seine „Gebrauchsanweisung für das Leben“ und bestellte das Buch einfach auf gut Glück mit. Dieser Buchtitel ist natürlich hoch gegriffen und weckt pauschal Erwartungen, die unmöglich zu erfüllen sind. Gut dass damit gleich im Vorwort (siehe oben) aufgeräumt wird, aber dennoch fragte ich mich bis zum Schluss, wer sich diesen unsinnigen Buchtitel wohl ausgedacht hat.

01_Gebrauchsanweisung für das Leben

Gefallen haben mir die in Altmanns Ausführungen eingewobenen Geschichten zu den vielen unterschiedlichen großen Themen des Lebens, wie Kindheit, Gier, Abenteuer, die Anderen, Angst, Eros, Religion, Schmerz, Heimat, Frauen, Einsamkeit, Arbeit, Sprache, Tod, Liebe und Mut. Ich mag Andreas Altmann zuhören, wenn er von seinen Reiseabenteuern erzählt und es gefällt mir auch, darüber zu lesen, wie ich nun nach diesem – meinem ersten – Buch von diesem Autor weiß.

Aber bei einem so subjektivem Thema wie das Leben, fließt natürlich auch vieles aus dem Erfahrungsschatz und Gedankengut des Autors ein. Und ebenso zwiespältig wie das Leben selbst sein kann, ist auch das, was Altmann darüber zu schreiben weiß. Bei vielem konnte ich ihm beipflichten und kam auch mit seiner Ausdrucksweise zurecht.

„Die Flucht in ein bewegtes Leben, in dem man keine Zeit mehr hätte, sich von anderen seine Zeit stehlen zu lassen, so ein Leben wäre nicht teuer und verlangte keine haushohen Investitionen. Doch Eintrittspreise werden gefordert wie: Hintern heben, eine Ration Schneid mitbringen, Alleinsein durchstehen, Sich-Verlaufen riskieren, Sich-Blamieren verkraften, Bauchlandungen als Wegweiser erkennen, um Hilfe bitten können, ‚Es tut mir leid‘ sich sagen trauen, Fehler zugeben, neue Fehler – klügere – unternehmen, ‚Ich weiß es nicht‘ beichten, kein verzitterter Hampelmann sein wollen, sich nicht um die Hysterien des großen Haufens scheren und niemals aus den Augen verlieren, wie wertvoll (auch) das eigene Leben ist. Das nie wiederkommt.“ (S. 229)

Aber es gibt in seinem Leben auch Zeiten, in denen ihm übel mitgespielt wurde und es erscheint mir nur legitim, dass man ihm seine Wut und seinen Hass beim Schreiben darüber auch deutlich anmerkt. Ebenfalls aus seiner Feder stammen die Bücher: „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (2011) und „Dies beschissen schöne Leben. Geschichten eines Davongekommenen.“ (2013). Sicherlich werden in den Büchern dringende und drängende Themen des Autors behandelt, aber für mich war es letztlich doch zu viel und ich wollte darüber in der „Gebrauchsanweisung für das Leben“ nicht immer wieder lesen. Es erweckt den Eindruck, als habe der Autor dringend Bedarf schwere bislang unbearbeitete Kinheitstraumata aufarbeiten zu müssen. Auch gefallen mir die negativen Pauschalurteile nicht, die Altmann in diesem Buch fällt – es erinnert ein wenig an Stammtisch-Nörgeleien, auf die ich so liebend gern verzichte. Problematisch finde ich in diesem Zusammenhang auch, wenn der Autor die „Wir“-Form benutzt und mir versucht einen Schuh anzuziehen, der mir einfach nicht passt. Und so ist es mit diesem Buch, wie mit wohl vielem im Leben – mal ist es gut und mal nicht.

-> Zur Leseprobe (Werbung)



Andreas Altmann
Gebrauchsanweisung für das Leben
Flexcover mit Klappen, 240 Seiten
EAN: 978-3-492-27686-3
€ 15,00 [D]
Verlag: Piper
Erschienen: 01. März 2017