Frisch auf dem Buchmarkt: Oktober 2021

In den Verlagsvorschauen für den Oktober habe ich wieder so einiges für mich entdecken können. Unter anderem würde ich gerne einen epischen Roadtrip durch Schottland begleiten; erfahren wie anders krank Frauen sind als Männer; lesen, was dabei herauskommt, wenn die größte Suchmaschine gepaart mit dem größten Social-Media-Anbieter und dem erfolgreichsten Onlineversandhaus ist; den Kampf der Bewohner von Kosawa gegen einen amerikanischen Ölkonzern beobachten; durch den Himalaya reisen; eine Geschichte von der Zerstörung und Bewahrung des Wissens lesen; die wahre Geschichte der kleinen Stella und ihrer Mutter erfahren, die 1937 von Moskau in ein Arbeitslager nach Kirgisien geschickt wurden; die Auswirkungen von etwas Ausgedachtem, das plötzlich für bahre Münze genommen wird beobachten; über Juan Morenos Geschichten von unterwegs und den gesellschaftlichen Umgang mit der Depression lesen.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja auch etwas Interessantes für euch dabei:

01.10.2021: Clanlands: Zwei Männer, Kilts und jede Menge Whisky [Werbung] von Sam Heughan und Graham McTavish: Zwei Männer auf einem epischem Roadtrip durch Schottland. Die beiden Outlander-Stars und langjährigen Freunde Sam Heughan und Graham McTavish begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, um ihre Heimat Schottland neu zu entdecken. „Clanlands“ erzählt davon, wie die beiden Schauspieler mit dem Wohnmobil, dem Kajak, Fahrrad und Motorrad von der Küste bis zu den Seen und von den Gipfeln bis zu den Tälern reisen und dabei tief in die Geschichte und Kultur des Landes eintauchen. Auf ihrer Fahrt reift die Freundschaft von Graham und Sam wie ein guter Scotch, und die beiden Männer finden dabei nicht nur neuen Respekt für die majestätische Schönheit Schottlands, sondern auch, wie bei jedem guten Roadtrip, ein Stück weit zu sich selbst. Die abenteuerliche Reise zweier Vollblut-Schotten durch ihr Heimatland – mit einem Vorwort von Diana Gabaldon. Für alle Fans des Welt-Bestsellers „Outlander“ und alle, die die raue Schönheit Schottlands lieben

01.10.2021: Die bessere Medizin für Frauen: Ganzheitlich und individuell – der Schlüssel zu Ihrer Gesundheit [Werbung] von Dr. med. Franziska Rubin: Es ist immer noch fast wie ein Geheimnis: Frauen sind oft anders krank als Männer. Einige Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen, Ess- oder Schlafstörungen betreffen sie viel häufiger und oft auch zu einem anderen Zeitpunkt im Leben. Typische Volkskrankheiten wie Herzinfarkt oder Depressionen verursachen bei Frauen gerne andere Symptome als bei Männern. Die Genderforschung bringt es immer mehr ans Licht: Beschwerden, Symptome oder Verläufe können bei Frauen ganz anders sein und deshalb brauchen sie öfter als bisher bekannt andere Medikamente, Dosen oder Therapien, um gesund zu werden. Dr. med. Franziska Rubin macht für dieses Buch einen Streifzug durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der Gendermedizin und schaut, wie dieses Wissen die moderne Behandlung von Frauen bereits bereichern könnte. Darüber hinaus empfiehlt die Expertin für Naturheilkunde ganzheitliche Behandlungsansätze für Frauen. Denn ihr Credo ist: die bessere Medizin für Frauen ist die Kombination aus einer individualisierten Hochschulmedizin mit den besten naturheilkundlichen Therapien. Plus Hausmittel und Lifestyle-Tipps, damit Gesundwerden gelingen kann.

07.10.2021: Every [Werbung] von Dave Eggers: Nach »Der Circle« legt Dave Eggers mit »Every« eine rasante Fortschreibung seines Weltbestsellers vor – ein hochbrisanter Thriller. Der Circle ist die größte Suchmaschine gepaart mit dem größten Social-Media-Anbieter der Welt. Eine Fusion mit dem erfolgreichsten Onlineversandhaus brachte das reichste und gefährlichste – und seltsamerweise auch beliebteste – Monopol aller Zeiten hervor: Every. Delaney Wells ist »die Neue« bei Every und nicht gerade das, was man erwarten würde in einem Tech-Unternehmen. Als ehemalige Försterin und unerschütterliche Technikskeptikerin bahnt sie sich heimlich ihren Weg, mit nur einem Ziel vor Augen: die Firma von innen heraus zu zerschlagen. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem nicht gerade ehrgeizigen Wes Kavakian, sucht sie nach den Schwachstellen von Every und hofft, die Menschheit von der allumfassenden Überwachung und der emojigesteuerten Infantilisierung zu befreien. Aber will die Menschheit überhaupt, wofür Delaney kämpft? Will die Menschheit wirklich frei sein? Wie schon bei »Der Circle« weiß Dave Eggers wie kein zweiter unsere Wirklichkeit so konsequent weiterzudenken, dass einem der Atem stockt beim Lesen. Man kann nur inständig hoffen, dass die Realität nicht schneller voranschreitet, als Dave Eggers schreiben kann.

07.10.2021: Wie schön wir waren [Werbung] von Imbolo Mbue: Nach ihrem gefeierten Debüt »Das geträumte Land«, für das sie den PEN/Faulkner-Preis erhalten hat, beweist Imbolo Mbue mit »Wie schön wir waren« erneut ihre erzählerische Brillanz gepaart mit einem Gespür für die großen Themen unserer Zeit. Die Bewohner von Kosawa leben in Angst, denn ein amerikanischer Ölkonzern droht das kleine afrikanische Dorf auszulöschen. Öllecks haben das Ackerland unfruchtbar gemacht; Kinder sterben, weil das Trinkwasser vergiftet ist. Den Menschen aus Kosawa werden Versprechungen über Aufräumarbeiten und finanzielle Reparationen gemacht, die nie eingehalten werden, aber die korrupte Regierung bedient nur ihre eigenen Interessen. Die Dorfbewohner beschließen, sich zu wehren. Ihr Kampf soll Jahrzehnte andauern. Erzählt aus der Perspektive einer Generation von Kindern, allen voran Thula, die zu einer Revolutionärin heranwächst. Mbues zweiter Roman ist eine meisterhafte Untersuchung dessen, was passiert, wenn die Profitgier des Westens gepaart mit dem Gespenst des Kolonialismus auf die Entschlossenheit einer Gemeinschaft trifft, an ihrem angestammten Land festzuhalten – und auf die Bereitschaft einer jungen Frau, alles für die Freiheit ihrer Mitmenschen zu opfern.

10.10.2021: Hoch oben: Eine Reise durch den Himalaya [Werbung] von Erika Fatland: Die preisgekrönte Bestsellerautorin Erika Fatland zieht es nach ihren Reisen durch das wilde Sowjetistan und entlang der russischen Grenze nun in das höchste Gebirge der Welt. Für Hoch oben reiste sie durch den gesamten Himalaya – durch Pakistan, Nepal, Indien, Tibet und Bhutan. Hier begegnet sie Menschen, die ihr Leben in schwindelnder Höhe unter den widrigsten klimatischen Bedingungen bestreiten. Wie diese Menschen damit umgehen und was sie dort hält, erzählt Erika Fatland in diesem aufregenden und kenntnisreichen Reisebericht. Erika Fatland nimmt uns mit auf eine im wahrsten Sinne atemberaubende Reise in eine der ethnisch vielfältigsten und politisch konfliktreichsten Regionen der Welt. Islam, Buddhismus und Hinduismus treffen auf uralte schamanische Traditionen. Supermächte konkurrieren um Einfluss. Moderne kollidiert mit Tradition und einer überzeitlichen gewaltigen Landschaft. Ein Jahr lang reiste Erika Fatland durch den Himalaya. Nicht auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung wie so viele meist männliche Autoren, die von ihren beschwerlichen Bergtouren und Meditationserlebnissen berichten. Vielmehr interessieren Fatland die Menschen, mit denen sie auf Tuchfühlung geht. Sie will wissen, wie sie unter diesen Bedingungen Tag für Tag überstehen. Insbesondere in das Leben der Frauen erhält sie Einblicke, wie es, zumal in den sehr traditionellen Gesellschaften, für einen Mann niemals möglich wäre. Nicht umsonst endet ihre Reise mit einem Besuch beim Volk der Mosuo, dem »Königreich der Frauen«.

10.10.2021: Bedrohte Bücher: Eine Geschichte der Zerstörung und Bewahrung des Wissens [Werbung] von Richard Ovenden: Seit Wissen schriftlich fixiert wird, haben Menschen versucht, es unter ihre Kontrolle zu bringen – oder zu vernichten. Richard Ovenden, Direktor der berühmten Bodleian Library in Oxford, führt uns in fesselnd erzählten Schlüsselepisoden durch die dreitausendjährige Geschichte der Angriffe auf Bücher, Bibliotheken und Archive. Sie handelt von fragilen Tontafeln aus Mesopotamien und kostbaren Bänden mittelalterlicher Gelehrsamkeit, von den grandiosen Bibliotheken in Alexandria und Sarajevo, von irakischen, indonesischen und bundesdeutschen Archiven. Und sie kennt ihre Heldinnen und Helden: Mönche und Hobbyarchäologen, Philanthropen und Freiheitskämpfer und vor allem Bibliothekare und Archivare, die sich gegen die Zerstörung gestemmt haben, nicht selten unter Einsatz ihres Lebens. Bis in unsere digitale Gegenwart, zu Google, Twitter und Co. sowie den neuartigen Gefahren, denen das Wissen der Welt heute ausgesetzt ist, reicht diese faszinierende Kulturgeschichte, die zugleich das politische Manifest eines leidenschaftlichen Bibliothekars ist. Bedrohte Bücher führt uns eindringlich vor Augen, was auf dem Spiel steht, wenn wir die Bewahrung dieses Wissens vernachlässigen oder dem Rotstift opfern: unsere Zivilisation selbst.

11.10.2021: Zuckerkind: Von Stalin nach Kirgisien verbannt [Werbung] von Olga Gromowa: „Ein Lehrstück über den Sieg von Individuen über das große Böse.“ Ljudmila Ulitzkaja. 1937 werden die kleine Stella Nudolskaja und ihre Mutter von Moskau in ein Arbeitslager in Kirgisien geschickt. Den Vater, einen Ingenieur, hatte man von einem Tag auf den anderen verhaftet und als Volksfeind verurteilt. Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt, den Stella schonungslos und berührend aus ihrer Perspektive beschreibt. Doch selbst in schlimmsten Zeiten gibt es immer wieder Menschen, die den beiden helfen: Mutter und Tochter finden Obdach bei einer russischen Bauernfamilie, dann in einem kirgisischen Sowchos. Erst zehn Jahre später dürfen sie in eine Kleinstadt im Moskauer Gebiet umsiedeln. Die Journalistin Olga Gromowa hat die ungewöhnliche Lagergeschichte für die Nachwelt festgehalten. Das Buch wurde in Russland mehrfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt. „Diese wahre lichtvolle Geschichte von Stalinistischer Unterdrückung, gesehen mit den Augen eines Kindes, stellt einen bedeutenden Beitrag zur fragilen Erinnerungskultur im gegenwärtigen Russland dar, wo die Erforschung dieser Zeit zunehmend marginalisiert wird.“ Le Monde

13.10.2021: Shelter: Es ist deine Verschwörung – aber du bist ihr Opfer [Werbung] von Ursula Poznanski: Die Idee war völlig verrückt und sie wären niemals darauf gekommen, wenn die Party nicht so aus dem Ruder gelaufen wäre. Aus einer Katerlaune heraus erfinden Benny und seine Freunde eine irre Geschichte über außerirdische Besucher und verbreiten sie im Internet. Gespannt wartet die Clique ab, was passiert. Zu ihrer eigenen Überraschung nehmen immer mehr Menschen die Sache für bare Münze und Bennys Versuche, alles aufzuklären, bringen ihn schon bald in Lebensgefahr. Was, wenn du dir eine völlig absurde Geschichte ausdenkst, sie zum Spaß in die Welt setzt und plötzlich glauben alle daran? Ein schockierender Thriller über einen Streich, der zur verwirrenden Realität wird. Ursula Poznanskis neuer und hochaktueller Bestseller ist eine wache Analyse der Mechanismen moderner Verschwörungstheorien und ihrer Auswirkungen.

19.10.2021: Glück ist kein Ort: Geschichten von unterwegs [Werbung] von Juan Moreno: Als der Reporter Juan Moreno von einer seiner Auslandsreisen zurückkommt, sieht er nervös die Drogenspürhunde am Zoll – er ist sich sicher, nach Kokain geradezu zu stinken. Er hat bei kolumbianischen Rebellen im Dschungel auf Kokainplatten geschlafen, anders ging es nicht – aber wie erklärt man das einem deutschen Zollbeamten? Juan Morenos Geschichten von unterwegs sind eine großartige Lektüre, überraschend, dramatisch, packend. Moreno fährt viertausend Kilometer quer durch Europa mit einem Kleinbus voller Arbeitsmigranten, spricht mit Killern der Farc-Guerilla über Auftragsmord und mit Mike Tyson über Schmerz und Ruhm. Mit kubanischen Fischern fährt er aufs Meer, und er überlebt die gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt, den Darién Gap. Als er eine Auszeit braucht, geht er ein Jahr lang auf Weltreise. Aber das Abenteuer wartet auf den, der es versteht, auch anderswo: ob zu Hause, bei den frommen Pilgern auf dem Jakobsweg oder in der Heimat Spanien. Dies alles erzählt Moreno in dem typischen Sound, der ihm seit Jahren eine große Leserschaft sichert: mit Witz und Tiefgang, stilistisch elegant und scharf beobachtet.

27.10.2021: Die Depressions-Falle: Wie wir Menschen für krank erklären, statt ihnen zu helfen [Werbung] von Thorsten Padberg: Es gibt Auswege aus der Depression – auch ohne Medikamente. Warum Antidepressiva keine Lösung und was die Alternativen sind, erklärt der erfahrene Psychotherapeut Thorsten Padberg in einem einfühlsamen Plädoyer. Denn lange schon läuft etwas schief im gesellschaftlichen Umgang mit dem Leid. Wer länger als zwei Wochen trauert, hat eine Depression, heißt es im Diagnoseschlüssel. Doch ist Trauer nicht eine angemessene Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen? Muss sie wirklich mit Medikamenten und jahrelanger Therapie behandelt werden? In Gesprächen mit Experten und auf Grundlage vieler Studien zeigt Thorsten Padberg, dass Psychopharmaka meist nicht mehr bewirken als ein Placebo. Depressionen haben keine nachweisbaren körperlichen Ursachen, weder Hormone noch Gene oder das Gehirn.
Die Ursachen liegen meist im Leben der Betroffenen. Trennung, Tod, Jobverlust lassen uns grübeln, verzweifeln oder trauern. Depressionen haben gesellschaftliche Ursachen, die nicht ignoriert werden dürfen. Betroffene müssen dabei unterstützt werden, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Eine aufrüttelnde Botschaft, die sich nicht nur an Psychiater und Therapeuten richtet. Menschen, die von Depressionen betroffen sind, und ihre Angehörigen finden hier neue Perspektiven auf ihr Leid und auf das Leben.
Thorsten Padberg will Mut machen mit einer Erkenntnis, die Experten genauso bestätigen wie etliche Fälle aus seiner Praxis: Niemand muss ein Leben lang leiden und Pillen schlucken. »Eine wichtige Recherche, großartig erzählt!« Julia Friedrichs, Autorin von »Working Class«

Dumm gegessen! – Hans-Ulrich Grimm

„Wie uns die Nahrungsindustrie um den Verstand bringt“ lautet der provokante Untertitel des Buches, der gleich mein Interesse weckte. Die Menschen werden immer älter, aber das menschliche Gehirn schrumpft und ist heute weniger leistungsfähig. Es altert sogar schneller als in früheren Zeiten, warnen neueste wissenschaftliche Untersuchungen. Die geistige Performance lässt nach, es steigt die Gefahr, an Alzheimer und Demenz zu erkranken und schon bei den Schülern lässt die geistige Leistungsfähigkeit seit 1999 immer mehr nach. Der entscheidende Grund dafür ist unsere Ernährung, sagt der Nahrungskritiker Dr. Hans-Ulrich Grimm, der seine jahrelangen Recherchen in der Welt der industrialisierten Nahrungsmittel bereits in zahlreichen Bestsellern präsentiert hat.

In seinem neuen Buch hat er Wissenswertes aus mehreren neuen Forschungsdisziplinen zusammengetragen, die sich mit dem Gehirn beschäftigen, zum Beispiel die Hirnernährungswissenschaft (Nutritional Neuroscience), bei der es um die Ernährung des Gehirns ganz generell oder die Ernährungspsychiatrie (Nutritional Psychiatry), bei der es um die Folgen der Nahrung für die Psyche, das Verhalten und den Charakter geht. Hans-Ulrich Grimm zeigt, wo die Gefahren lauern.

Es fehlt an hirnwichtigen Nährstoffen, dafür gibt es eine Flut neuer Schadstoffe, Chemikalien, Zusatzstoffe und auch mehr Zucker, mehr Salz und dazu völlig neuartige Problemstoffe, die durch die industrielle Produktion überhaupt erst entstehen. Der entscheidende Punkt ist, ob das herrschende Ernährungssystem die Versorgung des Gehirns begünstigt und die grauen Zellen schützt – oder sie schädigt. Die Probleme entstehen erst durch die Extrempraktiken der Lebensmittelkonzerne, durch die eigens konstruierte ultraverarbeitete Nahrung, für die es oft nicht einmal ein Vorbild in der Natur gibt – und durch ihren wachsenden Anteil an der Versorgung.

Hans-Ulrich Grimm erklärt, was manche Stoffe fürs Gehirn problematisch werden lässt, wozu sie eingesetzt werden und wie sie in der Zutatenliste gefunden werden können. Dabei macht er auch nicht davor halt die Lebensmittelkonzerne und deren Produkte zum Teil namentlich zu benennen. Fast beschleicht einen beim Lesen das schlechte Gewissen, weil man vieles einfach kennt und vielleicht sogar gern konsumiert hat. Und als hätte man es nicht längst geahnt, bekommt man nun schwarz auf weiß bestätigt, dass man sich damit nichts Gesundes gegönnt hat.

Aber der Autor schafft es die Dringlichkeit eines Umdenkens zu vermitteln. Nötig ist eine umfassende Ernährungswende, auch ein Paradigmenwechsel bei der Bewertung von Nahrung, ein neuer Begriff von Lebensmittelsicherheit, der auch den Grad der industriellen Verarbeitung als Risikofaktor anerkennt. Das Beste ist und bleibt halt selbst zu kochen, frisch und regional, nach Jahreszeiten, „viel Obst, viel Gemüse, ein bisschen Fleisch, etwas Fisch, wenig Zucker, keine Chemie, also kein Fast Food, keine Fertiggerichte, keine Softdrinks. Frisch zubereitet, hohe Qualität bei den Rohstoffen, glückliche Tiere.“

Das klingt nicht nach umwälzenden neuen Erkenntnissen und doch habe ich viel Bemerkenswertes und auch einiges Neue in dem Buch erfahren können, so dass ich es Lesern empfehlen kann, die sich für die Thematik interessieren.

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Hans-Ulrich Grimm
Dumm gegessen!
Wie uns die Nahrungsindustrie um den Verstand bringt
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
ISBN: 978-3426277997
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Droemer
Erschienen: 01.09.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Barbara stirbt nicht – Alina Bronsky

Alina Bronsky wurde 1978 in Jekaterinburg/Russland geboren und lebt seit den Neunzigerjahren in Deutschland. Ihren Debütroman „Scherbenpark“ mochte ich sehr und fand auch „Baba Dunjas letzte Liebe“ großartig. Deshalb griff ich gespannt zu ihrem neusten Buch „Barbara stirbt nicht“ und wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht.

Auf knapp 256 Seiten dreht sich alles um Herrn Schmidt. Der Rentner wacht eines morgens auf und vermisst den Duft frisch aufgebrühten Kaffees. Verwirrt steht er auf und findet seine Frau Barbara im Bad liegend vor. Er hilft ihr zurück ins Bett und muss sich fortan in völlig neuen Lebensumständen zurechtfinden. Denn Barbara funktioniert nicht mehr und er ist ab sofort für alles im Haushalt verantwortlich. Herr Schmidt, der nie auch nur den kleinen Finger krumm gemacht hat, steht plötzlich vor Problemen, wie z. B. wie man Kaffee kocht oder was der Hund zu fressen bekommt. Und nicht zuletzt, was und wie er für sich und Barbara kochen soll, damit sie wieder auf die Beine kommt.

Es sei nur verraten, dass Herr Schmidt auf seine grantig schrullige Art Mittel und Wege findet mit seinen neuen Aufgaben irgendwie zurecht zu kommen. Dabei geht er sogar voller Abneigung in den Austausch zu seinen Mitmenschen und als Leser kann man kaum umhin zu erkennen, dass der alte Miesepeter doch über ein Herz verfügt. Doch das ist bei aller Grummeligkeit nur ganz leise und bei genauem Hinschauen in seinen Taten und keinesfalls in seinen Worten zu erkennen.

Da der personale Erzählstil aus der Sichtweise von Herrn Schmidt geführt wird, muss man mit seiner unangenehmen egoistischen Denkweise zurechtkommen, auch wenn er eigentlich zu der Sorte Mensch gehört, mit der man lieber nichts zu tun haben möchte. Und doch ist es Alina Bronsky gelungen hier einen Charakter zu erschaffen, den man letztlich doch mag, weil er in seiner Ruppigkeit und nach all den Ehejahren endlich erkennt, dass Barbara die perfekte Frau für ihn war. Und zumindest insgeheim wird er in manchen Punkten einsichtig, zeigt sich sogar menschlich und beginnt über sich hinaus zu denken.

„Barbara stirbt nicht“ ist ein bitterböse und dennoch warmherziges Buch, das ganz abrupt endet. Es lässt einen zunächst etwas ratlos zurück, weil das doch unmöglich der Schluss sein kann und man so gerne noch weitergelesen hätte. Aber das Ende erschließt sich dem Leser auch so und erzählt sich nach dem letzten Satz im Kopf weiter. Hoffnungsvoll und doch traurig. Ein wundervolles Buch.

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Alina Bronsky
Barbara stirbt nicht
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
ISBN: 978-3462000726
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 09.09.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer September 2021

Im Lesemonat September floh ich vor Morbus Parkinson, lobhudelte dem Lesen und den Büchern, schmökerte mich nach Shaker Heights, ergänzte den Weltwach-Podcast durch Text und Bilder, segelte und nähte mich mit weiblichen Sträflingen 1841 nach Tasmanien und genoss Elke Heidenreichs Lese-Autobiografie:

Wanderlust mit Mister Parkinson von Pamela Spitz: Ein Buch über die Reiselust einer an Parkinson erkrankten Frau.

Lektüre zwischen den Jahren – Tage des Lesens von Gesine Dammel: In diesem Büchlein sind Geschichten zusammengestellt, die vom Glück wunderbarer Lesestunden und von Büchern erzählen, die ein Leben verändern können. Sie sind so unterschiedlich, wie die Autorinnen und Autoren, von denen sie stammen. Ein Geschenktipp für Bücherfreunde.

Kleine Feuer überall von Celeste Ng: Ein sehr gut konstruiertes Drama, eine Geschichte über unterschiedliche Familien, über die Rolle der Frau und Mutterschaft. Eine amerikanische Geschichte zum abtauchen. Ein Schmöker im besten Sinne.

Abenteuer im Gepäck von Erik Lorenz: Dieses Buch ist die Essenz aus über hundert Folgen Weltwach: Gesprächsauszüge, die Erik Lorenz für dieses Buch gemeinsam mit seinen Gästen redaktionell aufbereitet und bebildert hat. Hervorragend!

Niemandsmeer von Hope Adams: Ein historischer Kriminalroman, in dem ein Segelschiff voller Sträflingsfrauen im Jahr 1841 von England nach Tasmanien reist. Eine stimmungsvolle Geschichte zum eintauchen.

Hier geht’s lang! von Elke Heidenreich: Ein schöner Blick hinter die Kulissen der von mir hoch geschätzten Literaturkennerin, bei dem der Fokus jedoch immer auch auf dem Lesen und der Literatur liegt. Empfehlenswert!

Hier geht’s lang! – Elke Heidenreich

„Mit Büchern von Frauen durchs Leben“ verspricht der Untertitel des Buches und hat damit bei mir die Erwartung geweckt, dass Elke Heidenreich in diesem Buch daran teilhaben lässt, inwiefern Autorinnen ihren Leseweg begleitet haben. Und genau das bekommt man mit diesem Buch auch, obwohl Elke Heidenreich gleich auf Seite 6 verkündet: „Frauenliteratur gibt es nicht“. Und so schreibt sie auf, was Bücher von Frauen mit ihr und ihrem Leben gemacht haben. Dies ist jedoch weder eine feministische Einordnung von Literatur noch der Versuch einer Literaturgeschichte von Frauen.

Vielmehr zeigt Elke Heidenreich sich als das kleine Mädchen, das zu einer Zeit mit dem Lesen begann, als noch streng zwischen Jungen- und Mädchenbüchern unterschieden wurde und so ein Frauenbild vermittelt wurde, das mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmte. Wir lernen die Studentin kennen, die sich unter lauter Männerliteratur zusammensuchen musste, was eigentlich Frauen dachten und schrieben. Und die Frau, die das Lesen und das Reden und Schreiben über Bücher zu ihrem Beruf gemacht hatte und die so geworden ist, wie sie ist, auch durch Bücher.

„Ich war ein in Büchern sich suchendes und langsam findendes Mädchen. Mich haben die Bücher gerettet, auch wenn sie mir manches gründlich vermasselt haben.“

(S. 9)

Es ist ein sehr persönliches Buch, in dem Elke Heidenreich wohl dosiert immer auch ein wenig den Mensch hinter den Büchern erkennen lässt ohne dabei zu viel aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wir begleiten sie dabei durch ihre Zeit als Kind, als Mädel, als Backfisch, als Studentin, als junge Frau, durch die besten Jahre und heute. Ergänzt und aufgelockert wird der Text durch zahlreiche Abbildungen besonderer Bücher und Autorinnen und Autoren, aber auch durch private Fotos aus den verschiedenen Lebensphasen von Elke Heidenreich. Ein schöner Blick hinter die Kulissen der von mir hoch geschätzten Literaturkennerin, bei dem der Fokus jedoch immer auch auf dem Lesen und der Literatur liegt.

Der Schreibstil ist unprätentiös und authentisch, so dass man beim Lesen eigentlich auch immer Elke Heidenreichs Stimme im Ohr hat. Und so glaubt man ihr auch sofort:

„Literatur ist ein Geschenk, Bücher sind ein Glück, Geschichten sind lebensnotwendig, um die eigene Verwirrung zu ordnen. Ob wir Bücher von Männern oder von Frauen lesen, das spielt keine Rolle. Wenn sie denn gut sind, und das heißt: gute Story, sprachlich adäquat umgesetzt. Was aber eine Rolle spielt, ist in den Jahren des Erwachens, Zweifelns, Selbstfindens den richtigen Ton für das eigene Leben zu finden. Und da waren für mich Bücher von Frauen hilfreicher als Bücher von Männern, sehen wir von den fürchterlichen Mädchenbüchern meiner Kindheit ab.“

(S. 183)

„Hier geht’s lang“ ist eine durch und durch weibliche Lese-Autobiografie und man spürt beim Lesen Elke Heidenreichs große Liebe zur Literatur. Hier gibt es für den Leser vieles, gelegentlich sogar Kurioses, zu entdecken und erhält die Möglichkeit sich inspirieren zu lassen. Mir machte es viel Freude an manche Bücher erinnert zu werden und mich sogar in einigen Punkten wiederzuentdecken. Inzwischen habe ich das Buch noch ein weiteres Mal gelesen und finde es immer noch: Empfehlenswert!

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Elke Heidenreich
Hier geht’s lang! – Mit Büchern von Frauen durchs Leben
Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
ISBN: 978-3961611201
Preis: 26,00 € [D]
Verlag: Eisele
Erschienen: 24.09.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Abenteuer im Gepäck – Erik Lorenz

„Das Reisen holt deinen Kopf aus den Wolken und bringt dich auf den Boden zurück.“

(Nadine Pungs, S. 173)

Als feststand, dass ein Buch erscheinen würde, in dem das Beste aus dem Weltwach-Podcast in gedruckter und bebilderter Form erhältlich sein würde, war mir gleich klar, dass ich es mir irgendwann zulegen würde. Ich mag zu sehr den jeden Samstag erscheinenden Weltwach Podcast, in dem sich Erik Lorenz auf so sympathische und unterhaltsame Weise mit Abenteurern, Reiseschriftstellern und Fotografen über aufregende Expeditionen und lebensverändernde Streifzüge unterhält und bin natürlich längst auch bei Instagram eine begeisterte Followerin von Weltwach und schaue mir dort besonders gern den Travel Talk an.

Und so kam mir beim Lesen selbstverständlich einiges doch bekannt vor. Aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch, weil die Berichte um ansprechende Bilder ergänzt wurden und die schöne, wertige Aufmachung des Hardcovers inklusive Lesebändchen überzeugt.

Unterteilt ist das Buch in die vier Rubriken „Aufbruch“, „Wildnis“, „Widerstände“ und „Erkenntnis“ unter denen Joey Kelly, Rolf Lange, Carmen Rohrbach, Rüdiger Nehberg, Reinhold Messner, Jerome Blösser, Uli Kunz, Ana Zirner, Michael Martin, Dirk Rohrbach, Hans Kammerlander, Anselm Pahnke, Andreas Pröve, Stephan Meurisch, Christine Thürmer, Nadine Pungs und Bruno Baumann zu finden sind.

Dieses Buch ist die Essenz aus über hundert Folgen Weltwach: Gesprächsauszüge, die Erik Lorenz für dieses Buch gemeinsam mit seinen Gästen redaktionell aufbereitet und bebildert hat. Wir begleiten darin leidenschaftliche Weltenwanderer auf ihren Streifzügen und erhalten Einblicke in ferne Orte und herausfordernde Momente. Dabei geht es keineswegs nur um das vordergründige, mitunter gefährliche Abenteuer. Vielmehr ist es ein Querschnitt durch das, was Abenteuer ausmacht und erzählt vom Aufbrechen und Ankommen, von Erkenntnissen und Widerständen, von lebensverändernden Begegnungen, von der Faszination für Landschaften und Reiseformen, für Wälder, Wüsten und Flüsse, fürs Bezwingen von Bergen und Von-Deutschland-nach-Tibet-Laufen und dafür, in die Welt aufzubrechen und hinter das Offensichtliche zu schauen.

Ich werde es einfach nicht müde Grenzgängern und Weltreisenden dabei zuzuhören, wenn sie erzählen und kann Buch und Podcast allen empfehlen, denen es ähnlich geht.

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Erik Lorenz (Herausgeber)
Abenteuer im Gepäck
Grenzgänger und Weltreisende erzählen
Hardcover, 192 Seiten
ISBN: 978-3866907256
Preis: 24,99 € [D]
Verlag: NG Buchverlag GmbH
Erschienen: 18.05.2020

Frisch auf dem Buchmarkt: September 2021

In den Verlagsvorschauen gibt es für den September einiges zu entdecken. Unter anderem wird die Frage gestellt, ob wir uns dumm essen; es kreuzen sich die Lebenswege von vier Menschen auf Madagaskar; die Frau eines Rentners steht eines Morgens nicht mehr auf; die 23-jährige Annie will im Frankreich der 1960er Jahre ihr Kind nicht bekommen; Hermann Hesse meint, dass man mit der Reife immer jünger wird; Pascale Hugues schaut, was aus den Mädchen geworden ist, die 1968 in ihr Poesiealbum schrieben; der Buchhändler Martin Latham berichtet vom Glück zu lesen; der Fotograf Michael Martin betrachtet die Welt durch den Sucher; geht es mit Elke Heidenreich und den Büchern von Frauen durchs Leben; schreibt Bei Dao über eine Jugend in Peking; gibt es ein unvergessliches Memoir über die Freundschaft zwischen einer einzelgängerischen Biologin und einem wilden Fuchs zu lesen; entführt Frank Berzbach in die magische Welt der Bücher und Büchermenschen und entschleiert Yasmine Mohammed stellvertretend für so viele andere Frauen das Leben in radikal-islamischen Familien.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja auch für euch etwas Interessantes dabei:

01.09.2021: Dumm gegessen!: Wie uns die Nahrungsindustrie um den Verstand bringt [Werbung] von Hans-Ulrich Grimm: Was haben Tiefkühlpizza, Superfood und Vegetarismus/Veganismus mit Demenz und Alzheimer zu tun? In seinem aktuellen Sachbuch beschreibt Deutschlands führender Nahrungskritiker, wie unsere Nahrungsmittel und die Art unserer Ernährung die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns herabsetzen. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Das menschliche Gehirn schrumpft – es ist heute weniger leistungsfähig und altert schneller als in früheren Zeiten. Damit steigt die Gefahr, an Alzheimer und Demenz zu erkranken. Der entscheidende Grund dafür ist unsere Ernährung, sagt der Nahrungskritiker Hans-Ulrich Grimm. Und zwar nicht nur die klassische Ernährung. Auch Vegetarismus und Veganismus schaden langfristig unserem Gehirn.
Hans-Ulrich Grimm zeigt, warum das so ist und in welchen Nahrungsmitteln die Gefahren lauern. Er weiß, welche Ernährung wir brauchen, um bis ins hohe Alter ein fittes Gehirn nutzen zu können, und er sagt uns auch, welche Rolle Superfood dabei spielt – Hans-Ulrich Grimms Weckruf ist aktive Gesundheitsvorsorge für unser Gehirn durch praktisches Ernährungs-Wissen. Sein Credo: Alzheimer und Demenz sind kein Schicksal! Wir haben es selbst in der Hand, wie sich unser Gehirn entwickelt!

01.09.2021: Die Wiederentdeckung des Glücks [Werbung] von Antonia Michaelis: Können wir Glück recyceln? Ebenso poetisch wie eindringlich erzählt Antonia Michaelisʼ Gesellschaftsroman von vier Menschen, deren Lebenswege sich auf Madagaskar immer wieder kreuzen, und die einander den Mut geben, Grenzen zu überschreiten und ihre Fesseln abzustreifen. Kleider, Flaschen, Schuhe – alles kann man recyceln. Warum nicht auch das Glück? Einst war Madagaskar ein Paradies, heute ist die Insel vor der Küste Afrikas fast komplett abgeholzt und bettelarm – und lebt vom Recycling. Vielleicht webt das Schicksal deshalb genau hier vier Lebenswege ineinander, um am Ende ihre Ketten zu sprengen? Da ist der Straßenjunge Biscuit, der sich einfach weigert, seine Träume aufzugeben. Da ist die junge Maribelle, die nie gelernt hat, Träume zu haben – bis sie die Kraft ihres Willens entdeckt. Und da sind Terje und seine Tochter Nora aus Deutschland, die gleich zwei Mal alles in Bewegung setzen werden. Antonia Michaelis hat selbst einige Zeit auf Madagaskar gelebt. Mit »Die Wiederentdeckung des Glücks« hat die preisgekrönte Autorin einen lebensklugen, tief bewegenden Gesellschaftsroman über Empowerment geschrieben, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

09.09.2021: Barbara stirbt nicht [Werbung] von Alina Bronsky: Walter Schmidt ist ein Mann alter Schule: Er hat die Rente erreicht, ohne zu wissen, wie man sich eine Tütensuppe macht und ohne jemals einen Staubsauger bedient zu haben. Schließlich war da immer seine Ehefrau Barbara. Doch die steht eines Morgens nicht mehr auf. Und von da an wird alles anders. Mit bitterbösem Witz und großer Warmherzigkeit zugleich erzählt Alina Bronsky, wie sich der unnahbare Walter Schmidt am Ende seines Lebens plötzlich neu erfinden muss: als Pflegekraft, als Hausmann und fürsorglicher Partner, der er nie gewesen ist in all den gemeinsamen Jahren mit Barbara. Und natürlich geht nicht nur in der Küche alles schief. Doch dann entdeckt Walter den Fernsehkoch Medinski und dessen Facebook-Seite, auf der er schon bald nicht nur Schritt-für-Schritt-Anleitungen findet, sondern auch unverhofften Beistand. Nach und nach beginnt Walters raue Fassade zu bröckeln – und mit ihr die alten Gewissheiten über sein Leben und seine Familie. »Barbara stirbt nicht« ist das urkomische Porträt einer Ehe, deren jahrzehntelange Routinen mit einem Schlag außer Kraft gesetzt werden, und ein berührender Roman über die Chancen eines unfreiwilligen Neuanfangs. »Barbara war perfekt, dachte er überrascht. Natürlich gab es auf der Welt noch mehr alte Frauen, schon wegen der Statistik, aber Herr Schmidt hatte sie alle gesehen: kein Vergleich zu Barbara.«

12.09.2021: Das Ereignis [Werbung] von Annie Ernaux: Oktober 1963: Die 23-jährige Annie entdeckt, dass sie schwanger ist. Die Studentin aus bescheidenen Verhältnissen weiß: Wenn sie ein uneheliches Kind zur Welt bringt, wird sie alles verlieren. Das hart erkämpfte Universitätsstudium, die Hoffnung, dem engen, prekären Milieu der Eltern zu entkommen. Sie ist entschlossen, die Schwangerschaft zu beenden, aber im Frankreich der 1960er Jahre ist Abtreiben illegal, und so beginnt für die junge Frau ein Spießrutenlauf, der sie von der Praxis eines überheblichen Arztes, ins Hinterzimmer einer zweifelhaften Engelmacherin führt und schließlich in der Notaufnahme endet. Voller Scham versucht Annie, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen, und begegnet dabei überall erschreckender Gleichgültigkeit. Wie ist es, wenn man als Frau abtreiben will und es nicht darf? Mit schonungsloser Offenheit erzählt Annie Ernaux von ihrem eigenen Schwangerschaftsabbruch. Und von den Demütigungen, Verletzungen und Stigmatisierungen, die sie dabei erleiden musste – und die bis heute nachhallen.

12.09.2021: Mit der Reife wird man immer jünger: Betrachtungen und Gedichte über das Alter [Werbung] von Hermann Hesse: Hermann Hesse gehört zu den Autoren, die das Glück hatten, alle Lebensstufen auf charakteristische Weise erfahren und darstellen zu können. Zu den schönsten dieser Schilderungen gehören seine Betrachtungen über das Alter, über die Lebensjahre, wo Wirklichkeit und Umwelt eine spielerische Surrealität gewinnen, wo die Erinnerung an die Vergangenheit im Verhältnis zur Gegenwart an Realität zunimmt. Diese Zeit des Übergangs reaktiviert als Ausgleich zu den wachsenden körperlichen Gebrechen »den Schatz an Bildern, die man nach seinem langen Leben im Gedächtnis trägt und denen man sich mit dem Schwinden der Aktivität mit ganz anderer Teilnahme zuwendet als je zuvor. Menschengestalten, die nicht mehr auf Erden sind, leben in uns weiter, leisten uns Gesellschaft und blicken uns aus lebenden Augen an.« 

14.09.2021: Mädchenschule: Portrait einer Frauengeneration [Werbung] von Pascale Hugues: Zwölf Mädchen. Sie alle schreiben 1968 in das Poesiealbum von Pascale Hugues. Die Adjektive, mit denen sie dichten, lauten klein, süß, bescheiden. Niemals stolz, mutig, ehrgeizig. Diese Eigenschaften sind nur für Männer vorgesehen. 50 Jahre später macht sich Pascale Hugues auf die Suche nach diesen Mädchen, erzählt von ihren Leben als Frauen. Und porträtiert eine Generation: Zu jung für die Revolution von 1968, nutzen sie die Pille, die Abtreibung, die einvernehmliche Scheidung, das Recht, in Hosen ins Büro zu gehen und ein Gehalt zu bekommen, ohne ihren Mann um Erlaubnis zu fragen – all diese Errungenschaften, für die Generationen vor ihnen gekämpft haben. Jede von ihnen hat versucht, dem Frauenbild zu entkommen, das sich so deutlich in dem kleinen Poesiealbum widerspiegelt. Aber alle spüren, dass die unsichtbare Macht dieser Rollenzuschreibungen bis heute wirkt. Pascale Hugues reflektiert mit großer stilistischer Eleganz, wie die ihnen eingeschriebenen Eigenschaften Frauen ein Leben lang begleiten.

17.09.2021: Vom Glück zu lesen: Über Bücher, Schriftsteller und meine Buchhandlung in Canterbury [Werbung] von Martin Latham: Ob Trost oder Erkenntnis, ob Reisen in andere Welten oder Analysen unserer Realität – Bücher bieten all das und noch viel mehr. Wir tragen sie überall mit uns herum und behalten die wichtigen Lektüren unseres Lebens für immer in unseren Herzen. Wir atmen den Geruch ihrer Seiten ein, kritzeln etwas hinein und schützen sie vor Bücherdieben und Badewasser. Dieser lebenslangen Liebe widmet sich der Buchhändler Martin Latham in diesem inspirierenden Buch. Er erzählt von Schmugglern, Bibliothekaren, pantagruelischen Mönchen, besessenen Sammlern und den Rolling Stones. Wir erfahren, welches Buch Marilyn Monroe verehrte, dass Napoleon bei jeder Schlacht Goethes Werther mit sich trug und natürlich auch von Martin Lathams Erlebnissen in seiner Buchhandlung in Canterbury.

22.09.2021: Die Welt im Sucher: Abenteuer eines Fotografen [Werbung] von Michael Martin: Als Michael Martin fünfzehn Jahre alt war, hielt er seinen ersten öffentlichen Vortrag. Acht Zuschauer kamen – und bescherten dem jungen Hobbyastronomen das erste selbst verdiente Geld. Seither hat Michael Martin über hundert Länder bereist und füllt längst die großen Säle – die Leidenschaft für das Abenteuer und die Fotografie aber ist geblieben. Wo er als Teenager mit Kamera und Fernrohr nach Sternbildern suchte, in die Alpen radelte und mit dem Mofa nach Marokko fuhr, unternimmt er heute weltweite Expeditionen, welche die Vielfalt der Landschaften auf der Erde zeigen: Wüsten und Eisregionen, Regenwälder, Vulkane, Steppen und Savannen, den Südpazifik und das Nordpolarmeer. In den über vier Jahrzehnten seiner fotografischen Tätigkeit hat sich viel verändert: vor, in und hinter der Kamera. Vor der Kamera werden die Folgen des ökonomischen Fortschritts und des Klimawandels weltweit immer offensichtlicher, und es fand ein rasanter sozialer und kultureller Wandel statt. Technische Neuerungen in der Kamera – vom rein mechanischen Fotoapparat bis hin zur fliegenden Hightech-Drohne, von empfindlichen Diafilmen zu hochauflösenden Sensoren – forderten Michael Martin immer wieder neu, eröffneten ihm aber auch bis dahin ungeahnte Möglichkeiten. Auch hinter der Kamera stand die Welt nicht still. Für einen Profifotografen ist die Arbeit mit dem Drücken des Auslösers längst nicht getan, denn die Bilder müssen ihren Weg zum Publikum finden. Und auf diesem Weg hat sich ebenfalls einiges geändert. Die Bearbeitung von analogen und digitalen Bildern unterscheidet sich fundamental, aus Diavorträgen wurden Multivisionsshows, Bücher, Kalender und Ausstellungen stehen heute im Wettbewerb zu Instagram. Michael Martins Wissen und Leidenschaft, seine persönlichen Erfahrungen und spannenden Geschichten machen das Buch zu einem Muss für Fotografieliebhaber und Reisende.

24.09.2021: Hier geht’s lang!: Mit Büchern von Frauen durchs Leben [Werbung] von Elke Heidenreich: Es waren Bücher von Frauen, die Elke Heidenreich geprägt haben, von frühester Jugend an. Später machte sie das Reden und Schreiben über Bücher zu ihrem Beruf. Und wurde, wie sie heute ist, durch Bücher: Denn Lektüre und Persönlichkeitsentfaltung bedingen einander, das Lesen durchdringt das Leben. Bücher von Frauen gaben ihr das Rüstzeug für alles, was sie heute macht, für die lebenslange Freude an Auseinandersetzungen, schwierigen Lektüren, am immer Weitermachen. Lesen macht glücklich und ist der rote Faden im Leben der Elke Heidenreich. Sie schreibt dieses Buch, um nachzuvollziehen, wie Bücher von Frauen uns zu dem machen, was wir sind, um zu verstehen, was Literatur bedeutet, und um ihren Leserinnen Anregungen zum eigenen Lesen und Leben zu geben.

27.09.2021: Das Stadttor geht auf: Eine Jugend in Peking [Werbung] von Bei Dao: Ein weltberühmter Dichter erinnert sich an seine Kindheit und Jugend in Peking: „Bei Daos Leben und Werk sind der Inbegriff der Dichtung: zeitlos schimmernd.“ Ocean Vuong. Der weltberühmte Dichter Bei Dao, der nach Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens des Landes verwiesen wurde, erinnert sich: an seine Kindheit in Peking und seine turbulente Jugend während der Kulturrevolution, an die berauschende und festliche Stimmung dieser Zeit, an die Roten Garden, denen er sich als Siebzehnjähriger anschloss. Das intim Familiäre und das lärmend Politische, die Begeisterung und die Ernüchterung, das Feiern, auf das die Hungersnot folgt: All dies erzählt Bei Dao in seinem einzigartigen Erinnerungsbuch, in dem er seine verlorene Stadt mit all ihren Empfindungen, Gerüchen und Geräuschen aufleben lässt, „um das Peking von heute zu widerlegen.“

29.09.2021: Fuchs und ich: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft [Werbung] von Catherine Raven: Ein unvergessliches Memoir über die Freundschaft zwischen einer einzelgängerischen Biologin und einem wilden Fuchs, die uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt. Als sich Catherine Raven in der rauen, unberührten Landschaft Montanas eine kleine Hütte mit einem blauen Dach baut, ist ihre Isolation komplett. Ihre Gesellschaft ist die Natur, die verblüffend lebendige Tier- und Pflanzenwelt, mit der sie ihr Land teilt: eine Schwarze Witwe in der Garage, rebellische Wühlmäuse, eine matriarchalische Elster und ein Wacholder namens Tonic. Eines Tages bemerkt sie einen wilden Fuchs, der jeden Nachmittag um 16.15 Uhr auf ihrem Grundstück erscheint. Entgegen allen wissenschaftlichen Gepflogenheiten beginnt sie, ihm aus »Der kleine Prinz« vorzulesen. Durch das Prisma dieser außergewöhnlichen Freundschaft stellt Raven sich den großen Fragen: Wo ist unser Platz in der Welt? Können wir im Gleichgewicht mit der Natur leben? Was unterscheidet Wildnis und Zivilisation? Was Isolation und Einsamkeit? Der einzigartige »New York Times«-Bestseller über den Zauber der Natur und die heilsame Kraft der Freundschaft.

30.09.2021: Die Kunst zu lesen: Ein Literaturverführer [Werbung] von Frank Berzbach: Lesend reisen wir vom fernen Japan bis in die hessische Provinz. Lesend fühlen wir uns in andere Menschen ein. Lesend treten wir in Resonanz mit der Welt. In diesem Literaturverführer begleiten wir Frank Berzbach durch die Lektüren, die ihn geprägt haben. Und wir ertappen uns auf jeder Seite dabei, selbst ins Schwelgen, Erinnern und Sehnen zu kommen. Frei von Bildungsdünkel, faszinierend und mitreißend, entführt uns Frank Berzbach in die magische Welt der Bücher und Büchermenschen. Ein Buch zum Selbstlesen und Verschenken.

30.09.2021: Entschleiert: Mein Ausbruch aus meiner radikal-islamischen Familie, mein Weg in die Freiheit [Werbung] von Yasmine Mohammed: Yasmines Leben ist stellvertretend für so viele andere Frauen in radikal-islamischen Familien: Sie lebt in Kanada, einer westlichen Gesellschaft, doch zu Hause erlebt die intelligente, selbstbewusste junge Frau Entrechtung, Gewalt und religiösen Terror, vor allem durch ihren Stiefvater, einen hochrangigen Al-Quaida-Funktionär. Als er noch dazu übergriffig wird, klagt Yasmine ihn an, doch das Unfassbare geschieht: die Richterin lehnt die Klage wegen „kultureller Unterschiede“ ab. Was muss passieren, damit Frauen wie Yasmine beschützt werden?

Kleine Feuer überall – Celeste Ng

Nachdem ich vor kurzem „Was ich euch nicht erzählte“ von Celeste Ng mit Begeisterung gelesen hatte, war ich gespannt darauf, was die Autorin sonst noch geschrieben hat. Dabei wurde ich auf „Kleine Feuer überall“ aufmerksam, das Mitte der 1990er Jahre in Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland spielt. In der vermeindlichen Idylle des Ortes ist alles auf einander abgestimmt und gut strukturiert damit sich die gut situierten Familien dort wohl fühlen können. Wer da wohnt, hat es geschafft und die Überzeugung verinnerlicht, dass man sich durch Umsicht, Ordnungssinn und Liebe vom Chaos dieser Welt abschotten kann.

Dort leben auch die Richardsons. Elaina arbeitet für eine Lokalzeitung, ihr Mann ist ein vielbeschäftigter Anwalt und sie haben 4 Kinder. Man hat die richtigen Freunde, die McCulloughs zum Beispiel, die einen ausgesetzten chinesischen Säugling bei sich aufnehmen – nicht wissend, dass sie die leibliche Mutter bald vor Gericht wiedersehen werden. Und weil Elaina ein gutes Herz hat, nimmt sie die alleinerziehende Fotokünstlerin Mia Warren als Mieterin auf und behandelt deren Tochter Pearl auch sofort, als wäre sie ihr eigenes Kind. Um Mia zu unterstützen bietet Elaina ihr eine Stelle als Haushaltshilfe an. Dabei lernen sich alle besser kennen. Anfangs läuft alles sehr gut, doch dann kommen nach und nach Geheimnisse aus der Vergangenheit heraus. Das hat letzten Endes Folgen für alle Beteiligten.

In diesem Buch geht es hauptsächlich um Mutter-Tochter-Beziehungen, aber auch um unterschiedliche Lebensentwürfe, die durch gesellschaftliche und finanzielle Unterschiede miteinander kollidieren. Daneben ist der spannungsreiche Roman mit Intrigen, Falschinformationen, Rassismus und üblen Nachreden gespickt und lädt dazu ein mitzufühlen, mitzudenken und eigene Einstellungen und Ansichten bei sich selbst zu hinterfragen. Die Geschichte ist mustergültig geplottet und bis zur letzten Seite mitreißend geschrieben. In positivstem Sinne ein Schmöker, den ich immer wieder gern zur Hand genommen habe, um in die Geschichte abzutauchen.

Doch obwohl ich diesen Roman wirklich gern gelesen habe, fehlt ihm das Unverwechselbare und Einzigartige, mit dem die Autorin in ihrem Debütroman „Was ich euch nicht erzählte“ geglänzt hat. Nichtsdestotrotz ist Celeste Ng eine Autorin, von der ich gerne mehr lesen möchte und auf deren nächstes Buch ich gespannt bin.

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Celeste Ng
Kleine Feuer überall
Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit
Original: Little Fires Everywhere
Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3423147231
Preis: 11,90 € [D]
Verlag: dtv
Erschienen: 23.08.2019

LEKTÜRE ZWISCHEN DEN JAHREN . TAGE DES LESENS – AUSGEWÄHLT VON GESINE DAMMEL

„Zugleich fragte ich mich, wie Menschen, die diese Literatur nicht kennen, ihr nicht immer leichtes Leben ertrugen. Genügte es wirklich, Fußballspiele anzuschauen, Kreuzworträtsel zu lösen, mit Haustieren zu spielen, um Spaß zu haben und glücklich zu sein?“

(S. 91)

Bei diesem Buch handelt es sich um eines der niedlichen kleinen, das mit einer Größe von gerade mal 9,6 x 1,8 x 14,8 cm zwar auch in kleine Handtaschen passt, das ich vor allem aber als kleines Mitbringsel für Bücherfreunde nett finde. Doch ganz groß wird es natürlich, wenn es als Geschenk daher kommt und vielleicht sogar noch einen Gutschein der Lieblingsbuchhandlung im Gepäck hat.

Gesine Dammel hat in diesem Buch Geschichten zusammengestellt, die vom Glück wunderbarer Lesestunden und von Büchern erzählen, die ein Leben verändern können. Sie sind so unterschiedlich, wie die Autorinnen und Autoren, von denen sie stammen: Marcel Proust, Cara Nicoletti, Eugen Roth, Betty Smith, Claire Beyer, Hanns-Josef Ortheil, Amir Hassan Cheheltan, Cornelia Funke, Marco Lodoli, Thomas Bernhard, Ildikó von Kürthy, Erika Pluhar, Elke Heidenreich, Franziska Wolffheim, Ulrike Draesner, Petra Hartlieb, Ernst Penzholdt, Marie Luise Kaschnitz und Marco Lodoli.

Und so konnten sie mich mal mehr, manchmal aber auch etwas weniger begeistern. Doch insgesamt war es mir doch ein Fest auf diesen handlichen 160 Seiten so vieles rund ums Lesen und rund ums Thema Bücher zu finden.

„Im Bett soll man nur leichte und unterhaltende Lektüre zu sich nehmen sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere, wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige, andere Arten aber nicht.“

(S. 123)

Wusst ich’s doch 🙂

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Gesine Dammel (Herausgeberin)
Lektüre zwischen den Jahren: Tage des Lesens
Hardcover, 160 Seiten
ISBN: 978-3458681632
Preis: 5,00 € [D]
Verlag: Insel Verlag
Erschienen: 16.08.2021

erLESENer August 2021

Im Lesemonat August sprang ich vom Hochhaus, fristete mein Leben in einem palästinensischen Flüchtlingslager, stand meiner Freundin in den letzten Wochen ihres Lebens bei, versuchte meine Ehe zu retten, pflegte einen Briefkontakt zu einem mir völlig Fremden, erfuhr was es heißen kann ein Wirtschaftsflüchtling zu sein und spürte chinesische Zerrissenheit.

Bücherwelten – lesen über alle Grenzen hinweg.

Der Sprung von Simone Lappert: Ein Sammelsurium von Figuren unterschiedlichen Alters und verschiedener Gesellschaftsschichten, die allesamt mit ihren eigenen Herausforderungen des Lebens beschäftigt sind und mit der jungen Frau, die vom Hochhaus springen will, direkt oder indirekt in Verbindung stehen. Großartig!

Während die Welt schlief von Susan Abulhawa: BUCHweltreise Palästina: Ein Roman mit schönem sprachlichen Klang, durchsetzt von arabischen Worten und Ausdrucksformen, die zu Herzen gehen und berühren. Aber es ist vor allem auch ein Roman voller Brutalität rund um den Nahost-Konflikt. Empfehlenswert! 

Was fehlt dir von Sigrid Nunez: Weil der Tod trotz Chemotherapie unausweichlich ist, beschließt sie den Zeitpunkt ihres Todes mit Hilfe von Tabletten selbst bestimmen zu wollen und bittet die Ich-Erzählerin ihr in den letzten Wochen oder Monaten ihres Lebens zur Seite zu stehen. Ein recht spezielles, aber doch gelungenes Buch, das viele Denkanstöße mitbringt.

Der Brand von Daniela Krien: Momentaufnahme einer altgewordenen kriselnden Ehe und anderen Konflikten. Gute Schreibweise, aber es werden viele Themen aufgemacht und dann nur oberflächlich abgefrühstückt. Insgesamt doch eher enttäuschend.

I get a bird von Anne von Canal und Heikko Deutschmann: Als Jana plötzlich ihre vor drei Jahren verlorene Agenda plötzlich zugeschickt bekommt, entspinnt sich zwischen ihr und dem Finder eine immer intensiver werdende Korrespondenz. Ein humorvoller und berührender Briefroman.

Nastjas Tränen von Natascha Wodin: BUCHweltreise Ukraine: Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer ukrainischen Putzfrau, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos der sich rasant entwickelnden Oligarchie in der ehemaligen Teilrepublik der UdSSR nicht mehr genug zum überleben hat und mit einem Touristenvisum in Berlin landet, um dort den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. Berührend und empfehlenswert!

Ist es nicht schön hier von Te-Ping Chen: BUCHweltreise China: Hellwach und mit genauem Blick für komische Momente zeichnet die Autorin in 10 Kurzgeschichten Figuren zwischen Tradition und Hypermoderne nach, die nach Halt und einem Zuhause suchen. Macht Lust auf mehr!