Frisch auf dem Buchmarkt: März 2022

Nach meinem Bummel durch die Verlagsvorschauen bestärkt sich mein Gefühl: Ich muss dringend wieder mehr lesen. Ich möchte dringend wieder mehr lesen. Es gibt so viele wundervolle und manchmal auch wundersame Geschichten, die noch entdeckt werden wollen…

Mein Interesse wecken konnte in diesem Monat eine erfolgreiche YouTuberin, deren Tochter verschwindet; zwei Menschen, die per Anhalter zwei Jahre durch Indien reisen; Kurt Krömers Umgang mit der Depression; einen schweigsamen Einzelgänger der unter anderem nach Zypern mit seinem Faltboot paddelt; die Klinik für die Vergangenheit, die Alzheimer-Kranken eine inspirierende Behandlung anbietet; eine 15jährige, die ihren Selbstmordversuch bei TikTok ankündigt; Barbara Vorsamers Umgang mit der Depression; eine Mutter von drei Kindern, die beim Abendessen aufsteht, zum Balkon geht und sich ohne ein Wort in den Tod stürzt; eine ebenso lebendige wie persönliche Walfahrt einmal rund um die Welt und die Geschichte einer Ratte, die die Welt der Bücher für sich entdeckt.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja auch etwas für euch dabei:

07.03.2022: Die Kinder sind Könige von Delphine de Vigan: Mélanie war als junges Mädchen ein großer Fan von Formaten wie ›Big Brother‹. Sie hatte stets davon geträumt, gesehen und berühmt zu werden. Jahre später, als Mutter zweier Kinder, ist es ihr gelungen: Sie ist eine erfolgreiche YouTuberin mit Tausenden von Followern. Objekt ihrer Videos und Posts sind ihre Kinder, die auf Schritt und Tritt gefilmt werden. Seit Kurzem kommt ihre kleine Tochter dem Filmen jedoch immer unwilliger nach. Mélanie tut das als eine Laune ab. Denn wie könnte man die unendliche Liebe, die ihnen aus dem Netz entgegenkommt, als Last empfinden? Kurz darauf verschwindet Kimmy nach einem Versteckspiel spurlos. Wie, fragt sich die ermittelnde Polizeibeamtin Clara, soll man einen Verdächtigen ausmachen bei einem Kind, das Tausende Menschen kennen und mehrfach täglich sehen? Schnell begreift sie, dass ihre Methoden der Ermittlung in der virtuellen Welt vollkommen nutzlos sind.

10.03.2022: Götter, Gurus und Gewürze: Zwei Jahre per Anhalter durch Indien von Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma: 24 Monate, 21.206 Kilometer, 269 Mitfahrgelegenheiten – fasziniert lassen sich Rochssare und Morten auf das Abenteuer Indien ein. Sie besuchen boomende Metropolen und abgelegene Dörfer im Himalaja, heilige Stätten und rauschende Feste. Per Anhalter reisen sie im engen Kontakt mit den Einheimischen. Und mit jeder Tasse Chai tauchen sie tiefer ein in die Kulturen, Legenden und Traditionen Indiens. Dabei erleben sie zahlreiche Gegensätze. Armut und Reichtum, Gastfreundschaft und Überlebenskampf, Aberglaube und Modernität reichen sich in Indien die Hand. Rochssare und Morten erzählen von skurrilen Begegnungen am Straßenrand; dem verwirrenden Chaos von Neu-Delhi, Mumbai und Kalkutta; den unterschiedlichen Lebenswelten von Hindus, Sikhs und Moslems. Zwischen jahrtausendealter Geschichte und verblüffender Gegenwart entfaltet sich eine fesselnde Reise durch ein überwältigendes Land.

10.03.2022: Du darfst nicht alles glauben, was du denkst: Meine Depression von Kurt Krömer: Alexander Bojcan ist 47 Jahre alt, trockener Alkoholiker, alleinerziehender Vater und er war jahrelang depressiv. Auf der Bühne und im Fernsehen spielt er Kurt Krömer. Er will sich nicht länger verstecken. »Du darfst nicht alles glauben, was Du denkst« ist der schonungslos offene und gleichzeitig lustige Lebensbericht eines Künstlers, von dem die Öffentlichkeit bisher nicht viel Privates wusste. Alexander Bojcan bricht ein Tabu und das tut er nicht um des Tabubrechens willen, sondern um Menschen zu helfen, die unter Depressionen leiden oder eine ähnliche jahrelange Ärzteodyssee hinter sich haben wie er selbst. Dieses Buch wirbt für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten und ist gleichzeitig kein Leidensbericht, sondern eine komische und extrem liebenswerte Liebeserklärung an das Leben und die Kunst. Ein großes, ein großartiges Buch. »Und ab dafür«, würde Kurt Krömer sagen.

14.03.2022: Der Flussregenpfeifer von Tobias Friedrich: Ulm, im Mai 1932: Mit nicht viel mehr als etwas Proviant und dem kühnen Plan, nach Zypern zu paddeln, lässt Oskar Speck sein Faltboot zu Wasser. In sechs Monaten will er zurück sein. Aber alles kommt anders. Gepackt von sportlichem Ehrgeiz, begleitet von Jazzmusik und Mark Twains weisem Witz, gejagt von den Nationalsozialisten, die aus dem Faltbootfahrer einen deutschen Helden machen wollen, fährt der schweigsame Einzelgänger von Zypern aus immer weiter in die Welt. Ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Gili, die sich, wie er, den Widrigkeiten der Zeit entgegenstellen muss. Doch das Schicksal gibt Oskar eine letzte Chance. »Der Flussregenpfeifer«, Tobias Friedrichs literarisches Debüt, basiert auf der unglaublichen, aber wahren Geschichte des Hamburgers Oskar Speck, der über sieben Jahre lang mit seinem Faltboot 50.000 Kilometer zurücklegte. So erstaunlich wie dessen Reise ist auch dieser humorvolle, dramatisch wie rasant erzählte Roman um wahre Freundschaft und Freiheitsliebe, starke Frauen und den Zufall als Wegweiser des Lebens.

14.03.2022: Zeitzuflucht von Georgi Gospodinov: In Georgi Gospodinovs Roman trifft der Erzähler auf Gaustine, einen Flaneur, der durch die Zeit reist. Er liest alte Nachrichten, trägt Vintage-Kleider und erforscht die verschlungenen Pfade des 20. Jahrhunderts. In Zürich eröffnet Gaustine eine  »Klinik für die Vergangenheit«, eine Einrichtung, die Alzheimer-Kranken eine inspirierende Behandlung anbietet: Jedes Stockwerk ist einem bestimmten Jahrzehnt nachempfunden. Patienten können dort Trost finden in ihren verblassenden Erinnerungen. Aber auf einmal interessieren sich auch immer mehr gesunde Menschen dafür, in die Klinik aufgenommen zu werden, in der Hoffnung, den Schrecken der Gegenwart zu entkommen. Schließlich kommt es zu einem Referendum der europäischen Staaten, die gemeinsam darüber entscheiden, in welches Jahr des 20. Jahrhunderts sie zurückkehren wollen… Ein glänzender, politischer Roman, durchzogen von dunklem Witz, der uns eine neue Art eröffnet, unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenzudenken.

14.03.2022: Tick Tack von Julia von Lucadou: Bevor sie sich auf die U-Bahngleise legt, kündigt Mette, 15, in TikTok-Videos ihr Vorhaben an. Niemand reagiert – gerettet wird sie trotzdem. Der Selbstmordversuch verwirrt ihr privilegiertes Umfeld: Bislang hat sie professionell die Leistung des hochbegabten Kindes abgeliefert – Mettes Strategie, um unter dem Radar einer Welt zu bleiben, deren Verlogenheit sie frustriert. Dann lernt sie Jo kennen, zehn Jahre älter, brillant und voller Wut, ein Verbündeter. Als Anti-Influencer hat er sich ein Following aufgebaut und rekrutiert Mette für den Kampf gegen den Mainstream. Ein Spiel beginnt, dessen Regeln sie nicht durchschaut. Mit gleißender Klarheit und schneidendem Witz zeigt Julia von Lucadou einen Ausschnitt unserer Gegenwart, in der die digitale und reale Wirklichkeit sich komplett durchdringen.

16.03.2022: Mein schmerzhaft schönes Trotzdem: Leben mit der Depression von Barbara Vorsamer: Barbara Vorsamer weiß, wie es sich anfühlt, wenn morgens ein Elefant mitten auf ihrer Brust sitzt. Dann reicht ihre Kraft nicht einmal, um sich im Bett umzudrehen. Dann nimmt das Gefühl der Wertlosigkeit überhand und irgendwann bleibt als Ausweg nur noch die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Es war ein schmerzhafter Prozess, es brauchte Therapien und Klinikaufenthalte, bis Barbara Vorsamer lernte, Gefühle nicht länger zu unterdrücken, sondern sie in ihrer Ambiguität zuzulassen. Intensiv, berührend schreibt Vorsamer über das Versinken in tiefdunkler Depression, über Schmerzen und Trauer. Es sind persönliche Fragen, die weit über das Private hinausweisen. Denn wir müssen auch als Gesellschaft mal darüber reden, wie es uns geht.

22.03.2022: Die Wut, die bleibt von Mareike Fallwickl: Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit. Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.

31.03.2022: Walfahrt: Über den Wal, die Welt und das Staunen von Oliver Dirr: In seinem Buch unternimmt Oliver Dirr eine ebenso lebendige wie persönliche Walfahrt einmal rund um die Welt. Dabei geht es um mehr als die bloße Entwicklung vom Stubenhocker zum Walforscher – Walfahrt ist eine begeisterte und begeisternde Einladung, die menschliche Existenz mal ein bisschen aus dem Zentrum der Weltwahrnehmung zu rücken und sich stattdessen voller Staunen auf die kleinen und großen Wunder der Meere einzulassen.

31.03.2022: Firmin – Ein Rattenleben von Sam Savage: Boston in den 60er Jahren. Im schäbigen Keller der Buchhandlung am Scollay Square wird Rattenjunge Firmin geboren. Er ist der Kleinste im Wurf und kommt immer zu kurz. Als der Hunger eines Tages zu schlimm wird, knabbert er die in den Regalen lagernden Bücher an. Eines nach dem anderen wird gefressen, bis Firmin entdeckt, dass auf dem Papier etwas steht, was ihn sein Elend vergessen lässt: Ob Lolita oder Ford Madox Ford, ob Moby Dick oder Cervantes, die Welt der Menschen verspricht Abenteuer und Liebe, Krieg und Frieden, kurz: alles, was eine Ratte nicht hat. Voller Neugier sucht Firmin die Freundschaft zu Buchhändler Norman. Als dieser einen Giftanschlag auf ihn verübt, muss Firmin einsehen, dass er in den Augen der Menschen wohl doch nichts weiter ist als ein lästiges Tier. Wie so oft im Leben zeigt sich aber gerade in den dunkelsten Stunden ein Licht am Ende des Tunnels.

Frisch auf dem Buchmarkt: Februar 2022

Für diesen Monat habe ich einige Neuerscheinungen gefunden, die mich gleich neugierig gemacht haben. Es geht um einen herrenlos streunenden Schäferhund, der richtig rumkommt; eine Mutter dreier Kinder, der der Alltag entgleitet; um sechs grundverschiedene Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind; sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, in deren Leben ein Erdbeben tiefe Spuren hinterlassen hat; um den Reiz des Brettspiels; drei Heldinnenreisen in einem Buch; um mutige junge Frauen am Golf von Bengalen; um die Geschichte eines Aufbruchs in der sibirischen Weite; um die ganz persönlichen Lieblingsorte und den reichen Reise-Erfahrungsschatz von Anthony Bourdain; um jemanden, der erfolgreich im Netz als Anonymus Verschwörungstheorien schmiedet und um vier Mädchen, die sich Ende der 1980er Jahre zusammenfinden und sich 2019 in Brüssel wieder begegnen.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja für euch auch ein Buch dabei, das ihr gerne lesen möchtet:

02.02.2022: Tamons Geschichte: Roman einer Reise nach Süden [Werbung] von Seishu Hase: Dieser Roman hat allein in Japan 250.000 Leserinnen und Leser verzaubert und wurde mit einem der wichtigsten japanischen Literaturpreise ausgezeichnet. Er erzählt anhand eines Hundes und seiner verschiedenen Besitzer eine unvergessliche, Hoffnung spendende Geschichte von Mensch, Tier und Natur. – Japan 2011, kurz nach dem Tōhoku-Erdbeben: Viele Existenzen sind zerstört, das Leben der Menschen nicht mehr so, wie es einmal war. Neben einem Convenience Store nahe der japanischen Alpen findet der junge Kazumasa einen herrenlos streunenden Schäferhund, der ihm nicht mehr von der Seite weicht. Er findet heraus, dass der Hund Tamon heißt. Tamon bereitet vor allem Kazumasas an Demenz erkrankter Mutter große Freude. Doch dann wird Kazumasa Opfer einer Bande und Tamon zieht es nach Süden, auf einer Reise durch atemberaubende Landschaften, in denen er einem Dieb, einer Prostituierten, einem jungen Paar und einem Jäger begegnet. Alle, die Tamon treffen, werden von dieser Begegnung verändert, während Tamon nie lange verweilt, um weiter zu reisen – bis er am Ende, tief im Süden, sein Ziel erreicht.

14.02.2022: Gesichter [Werbung] von Tove Ditlevsen: Von der gefeierten Autorin der Kopenhagener-Trilogie – ein eindringlicher Roman über eine Frau am Abgrund, geschrieben mit der Lebendigkeit und Direktheit gelebter Erfahrung. – Kopenhagen, 1968: Lise Mundus, Autorin und Mutter dreier Kinder, entgleitet ihr Alltag. Sie meint, Stimmen zu hören und Gesichter zu sehen. Sie ist überzeugt, dass ihr Mann, der extravagant untreu ist, sie betrügt und verlassen wird. Vor allem aber hat sie Angst, dass sie nie wieder schreiben wird. Als sie in die Klinik geht und sich behandeln lässt, fragt sie sich, ob der Wahnsinn wirklich etwas ist, wovor sie sich fürchten muss –  oder ob er nicht auch eine Form von Freiheit für sie bereithält. In »Gesichter« macht Tove Ditlevsen die Verschiebungen in der Wahrnehmung einer Frau, die seelisch erkrankt, mit literarischen Mitteln meisterhaft erfahrbar.

14.02.2022: Dschinns [Werbung] von Fatma Aydemir: Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

14.02.2022: Rombo [Werbung] von Esther Kinsky: Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft und ihre Bevölkerung im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, Zehntausende sind ohne Obdach, viele werden ihre Heimat, das Friaul, für immer verlassen. Die Materialverschiebungen infolge der Beben sind gewaltig, sie bilden neues Gelände, an denen sich die Wucht des Eingriffs ablesen und in die Begriffe der Naturkunde fassen lässt. Doch für das menschliche Trauma, für die Erfahrung der plötzlich zersprengten Existenz, lässt sich die Sprache nicht so einfach finden. – In Esther Kinskys neuem, noch vor Erscheinen preisgekrönten Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Erdbeben tiefe Spuren hinterlassen hat, die sie langsam zu benennen lernen. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung.

17.02.2022: Spyderling [Werbung] von Sascha Macht: Was genau reizt Menschen daran, sich um ein Brett zu versammeln, nach besonderen Regeln zu interagieren und miteinander im Spiel neue Welten zu erschaffen? Auf einzigartige Weise entfesselt Sascha Macht diese Frage in seinem neuen Roman und erzeugt eine faszinierende Verbindung zwischen den Kunstformen der Literatur und des Spiels. Voller Fantasie und klug komponiert jagt ›Spyderling‹ seine Heldinnen und Helden auf eine Tour de Force der Selbst- und Welterkenntnis durch den wildesten Teil Osteuropas. Ein sensationell erhellendes Buch – und ein grandios witziger Abgesang auf die Egozentrik der westlichen Zivilisation, die alles weiß und alles nimmt, unnachgiebig, rücksichtslos.

23.02.2022: Die Heldin reist [Werbung] von Doris Dörrie: Der Held muss in die weite Welt hinaus und Abenteuer erleben, um ein Held zu werden – und eine Geschichte zu haben. Und was ist mit der Heldin? Doris Dörrie erzählt von drei Reisen – nach San Francisco, nach Japan und nach Marokko – und davon, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. Sich dem Ungewissen, Fremden auszusetzen heißt immer auch, den eigenen Ängsten, Abhängigkeiten, Verlusten ins Auge zu sehen. Und dabei zur Heldin der eigenen Geschichte zu werden.

23.02.2022: Das Mädchen mit dem Drachen [Werbung] von Laetitia Colombani: Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird. Wie schon in ihren Bestsellern »Der Zopf« und »Das Haus der Frauen« erzählt Laetitia Colombani bewegend und mitreißend von mutigen Frauen, denen das scheinbar Unmögliche gelingt. Das indische Mädchen Lalita, bekannt aus »Der Zopf«, bekommt im Roman »Das Mädchen mit dem Drachen« ihre eigene Geschichte.

23.02.2022: Zukunftsmusik [Werbung] von Katerina Poladjan: Die Geschichte eines Aufbruchs: In der sibirischen Weite, tausende Werst östlich von Moskau, leben in einer Kommunalka auf engstem Raum Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. Es ist der 11. März 1985, Beginn einer Zeitenwende, von der noch niemand etwas ahnt. Alle gehen ihrem Alltag nach. Der Ingenieur von nebenan versucht, sein Leben in Kästchen zu sortieren, Warwara hilft einem Kind auf die Welt, Maria träumt von der Liebe, Janka will am Abend in der Küche singen.

24.02.2022: World Travel: Ein gnadenlos subjektiver Reiseführer [Werbung] von Anthony Bourdain: Anthony Bourdain war Zeit seines Lebens ein wahrer Globetrotter und hat mehr von der Welt gesehen als sonst jemand. Seine Reisen führten den Spitzenkoch und Gourmet von seiner Heimatstadt New York in die aufregendsten und entlegensten Winkel dieser Erde: nach Borneo in ein Holz-Langhaus mit traditioneller Stammes-Bemalung, in die betörenden Feucht- und Trockensavannnen Tansanias, in die Einsamkeit von Omans „Leerem Viertel“, dem größten Sandmeer der Welt – und vielen weiteren Traumorten und pulsierenden Metropolen. In diesem postum veröffentlichten Werk versammelt Anthony Bourdain seinen mehr als reichen Reise-Erfahrungsschatz und liefert eine gleichermaßen geistreiche wie praktische Gebrauchsanweisung für die ganz persönlichen Lieblingsorte des Küchenchefs. Ein faszinierender und inspirierender Reiseführer, inklusive kulinarischer Empfehlungen!

24.02.2022: Fake Accounts [Werbung] von Lauren Oyler: Eine junge Frau entdeckt, dass ihr Freund höchst erfolgreich als Anonymus im Netz Verschwörungstheorien schmiedet und verbreitet. Sie will sich von ihm trennen, aber während sie noch mit dem Wie ringt, erreicht sie die Nachricht von seinem Tod. Wie trauert man um jemanden, den man vielleicht sogar gemocht, aber eindeutig nicht gekannt hat? Wer war dieser Mann? Und wer ist sie selbst? Ob in Brooklyn oder Berlin ― die Heldin dieses gefeierten Debüts muss sich offensichtlich zunächst einmal selbst (er)finden. Von der New York Times zum Editor’s Choice gekürt, wurde der Roman in den USA über Nacht zum Bestseller und Liebling der Independent Bookstores.

25.02.2022: Das mangelnde Licht [Werbung] von Nino Haratischwili: Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit vom ins Taumeln geratenen Riesen stürzt der junge georgische Staat ins Chaos. Zwischen den feuchten Wänden und verwunschenen Holzbalkonen der Tbilisser Altstadt finden Ende der 1980er Jahre vier Mädchen zusammen: die freiheitshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira, die romantische Nene, Nichte des mächtigsten Kriminellen der Stadt, und die sensible Qeto. Die erste große Liebe, die nur im Verborgenen blühen darf, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, die Stromausfälle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – allem trotzt ihre Freundschaft, bis ein unverzeihlicher Verrat und ein tragischer Tod sie schließlich doch auseinandersprengt. Erst 2019 in Brüssel, anlässlich einer großen Retrospektive mit Fotografien ihrer toten Freundin, kommt es zu einer Wiederbegegnung. Die Bilder zeigen ihre Geschichte, die zugleich die Geschichte ihres Landes ist, eine intime Rückschau, die sie zwingt, den Vorhang über der Vergangenheit zu heben und eine Vergebung scheint möglich.

umgeSCHAUt im Januar 2022

„Man reise vorzugsweise mit der eigenen Bettdecke“ von Christian Eisert macht richtig Lust darauf es dem Autor gleichzutun und anhand des 200 Jahre alten Reiseführers eines Briten mit dem Wohnmobil durch Deutschland zu reisen. Ansonsten konnten mich die Literatursendungen im Januar eher nicht für neue Bücher interessieren. Aber schaut selbst, vielleicht ist ja für euch etwas Interessantes dabei:

Hier geht es zu den Links der Literatursendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

13.01.2022: Fröhlich lesen: Susanne Fröhlich widmet sich dieses Mal den schönen Dingen im Leben: der Kunst und dem Reisen. Ihre Gesprächspartner dafür sind Susanna Partsch und Christian Eisert.

20.01.2022: lesenswert: Sasha Marianna Salzmann trifft sich mit Denis Scheck in Berlin. Nach dem Erfolg des Debüts „Außer sich“ ist nun der zweite Roman erschienen: „Im Menschen muss alles herrlich sein“. Er spielt in den siebziger Jahren in der Ukraine. Ein Roman über Vergangenheit, Erinnerungen und Umbrüche. Die Kölner Schriftstellerin Husch Josten spricht mit Denis Scheck im Café der Kunsthalle in Baden-Baden über ihren Gesellschafts- und Konversationsroman. „Eine redliche Lüge“ spielt in einem Ferienhaus in der Normandie. Das Ehepaar Leclerc hat viele illustre Gäste eingeladen.

23.01.2022: druckfrisch: Harald Schmidt über Thomas Bernhard und die Gastronomie, Aboud Saeed über sein Leben als Syrer in Berlin. Und wie immer: Denis Schecks Empfehlung und die Kommentierung der SPIEGEL-Bestsellerliste, diesmal Belletristik.

umgeSCHAUt im Dezember 2021

📚 Ich habe die Literatursendungen geschaut, habe zugehört und es war kurzweilige Unterhaltung beim Stricken. Doch so richtig packen und mich für es interessieren konnte mich letztlich keines der vorgestellten Bücher. Einzig bei „Die Gewalt der Hunde“ wurde ich hellhörig, denn ich entdeckte die Verfilmung mit Benedict Cumberbatch bereits bei Netflix und möchte sie mir demnächst anschauen.

Das sind die Links zu den Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

02.12.2021: Fröhlich lesen: Susanne Fröhlich begrüßt diesmal Autorin Anne Gesthuysen mit „Wir sind schließlich wer“ sowie Autor Jens Söring und Ex-Häftling mit „Rückkehr ins Leben“.

03.12.2021: Das Literarische Quartett: In der Weihnachtsausgabe lädt Thea Dorn zum munteren Disput mit Jakob Augstein, Adam Soboczynski und Vea Kaiser. Mit aktuellen Büchern im Gepäck.

09.12.2021: lesenswert: Denis Scheck hat sich in Potsdam mit Antje Rávik Strubel getroffen, die für ihren Roman „Blaue Frau“ den Deutschen Buchpreis 2021 erhalten hat. Sie beschreibt darin die Flucht einer jungen Frau vor den Erinnerungen an ihre Vergewaltigung. Das Reitgespräch mit Juli Zeh dreht sich um die Post-Trump-Ära in dem Essay „Die letzte beste Hoffnung“ des amerikanischen Journalisten George Packer.

12.12.2021: Buchzeit im Winter 2021: Weihnachtszeit ist Lesezeit. Die Buchzeit in 3sat empfiehlt dazu passende Bücher. Gert Scobel diskutiert mit den Literaturexpertinnen Barbara Vinken, Sandra Kegel und Katrin Schumacher über ausgewählte neue Romane.

12.12.2021: Druckfrisch: Auf dem Domplatz zu Worms präsentiert eine Schauspieltruppe das Nibelungenlied als Theateraufführung. Dieses Grundgeschehen wird von Felicitas Hoppe zum Lustspiel über Zitat, Ironie und die zersetzende Kraft der Literatur.

16.12.2021: lesenswert Quartett: Denis Scheck spricht im lesenswert Quartett mit Insa Wilke, Ijoma Mangold und dem Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, als Gast über diese Bücher: Emine Sevgi Özdamar: Ein von Schatten begrenzter Raum, Sally Rooney: Schöne Welt, wo bist du, Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden, Marieke Lucas Rijneveld: Mein kleines Prachttier.

21.12.2021: Literaturclub: Nicola Steiner, Milo Rau, Raoul Schrott und – als Gast – die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen diskutieren über «Arsène Lupin» von Maurice Leblanc, «Das verlorene Paradies» von Abdulrazak Gurnah, «Die Gewalt der Hunde» von Thomas Savage sowie «Seitenwechsel» von Nella Larsen.

Frisch auf dem Buchmarkt: November 2021

Bei meinem virtuellen Bummel durch die Verlagsprogramme habe ich einige Neuerscheinungen gefunden, von denen ich mir vorstellen könnte, sie zu lesen. Es geht um die Geschichte einer Freundschaft im Zeitalter der sozialen Medien; einen Roman über Selma Lagerlöf; zwölf Frauen, die die Geschichte ihrer Abtreibung erzählen; die großen Philosoph:innen und ihre wichtigsten Ideen aus 2600 Jahren abendländischer Geistesgeschichte; den Iran aus dem Blickwinkel von neun Frauen; einen Mörder, den dreißig Jahre lang niemand stoppen kann; eine eigentlich unfassbare Episode aus der Kindheit von Annie Ernaux und die bewegenden Erinnerungen des Sams-Erfinders Paul Maar.

Aber schaut selbst – vielleicht ist ja auch für euch etwas Interessantes dabei:

01.11.2021: Bilder meiner besten Freundin von Silvia Avallone: Elisa und Beatrice begegnen sich in einer Sommernacht am Strand. Sie werden beste Freundinnen und doch könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Eli lebt versunken in einer Welt von Büchern, während Bea es genießt, sich öffentlich zu inszenieren und tägliche neue Bilder von sich ins Internet zu stellen. Sie wird zum Star, der davon träumt, über die sozialen Netzwerke mit tausenden von Bildern von Italien aus die Welt zu erobern. Bis sie eines Tages spurlos verschwindet und Eli vor der Frage steht, wer ihre Freundin, die jeder auf der Welt zu kennen glaubt, wirklich ist. Der Bestseller aus Italien erzählt die turbulente Geschichte einer Freundschaft im Zeitalter der sozialen Medien.

02.11.2021: Selma Lagerlöf von Charlotte von Feyerabend: Der Roman über Selma Lagerlöf widmet sich auch den eher unbekannten Seiten der berühmten schwedischen Schriftstellerin. Charlotte von Feyerabend macht in ihrem großen Roman Selma Lagerlöf mit all ihren Zweifeln und schillernden Träumen greifbar. Die LeserInnen begleiten sie, wenn ihr Zuhause wegen Geldnöten verkauft wird, sie ihre erste Freundin und Reisegefährtin Sophie Elkan trifft, mit der sie nicht nur nach Jerusalem, sondern auch durch Schweden reisen wird, um für Nils Holgersson zu recherchieren. Ständig bricht sie mit gängigen Normen und Vorgaben und erschafft dabei Großes und ist dabei von einem unerschöpflichen Glauben an sich selbst erfüllt. Als erste Frau erhält sie den Literaturnobelpreis, einen Sitz in der Schwedischen Akademie und lebt in einer teils Kräfte zehrenden Dreiecksbeziehung. Mit dem Gewinn aus ihren Buchverkäufen kauft sie sich ihr altes Zuhause zurück und lebt den Traum, den ihr Vater nicht verwirklichen konnte: den, einer Gutsbesitzerin, und teilt mit ihrem großen Herzen das Glück, das sie sich hart erkämpft hat. Charlotte von Feyerabend lässt Originaltexte der Schriftstellerin mit einfließen und greift deren poetische Sprache auf, um die Leser mit einer starken faszinierenden und humorvollen Persönlichkeit auf eine Reise durch Schweden zu nehmen. Der Glaube an sich selbst kann nicht nur Berge versetzen, er erschafft sie sogar und manchmal setzt er dem Berg auch noch ein Krönchen auf.

04.11.2021: (K)eine Mutter: Abtreibung – Zwölf Frauen erzählen ihre Geschichte von Jeanne Diesteldorf: Im Durchschnitt entscheidet sich jede vierte Frau einmal im Leben dafür, eine Schwangerschaft abzubrechen, und doch spricht kaum eine Betroffene darüber, weder öffentlich, noch im Privaten. So bestimmen aggressiv geführte Debatten und eine unklare rechtliche Situation den gesellschaftlichen Umgang mit einem höchst persönlichen Thema. »(K)eine Mutter« erzählt die Geschichten von zwölf Frauen, die abgetrieben haben. Das Buch gibt ihnen Raum, zu berichten: Von den Umständen der Schwangerschaft, dem Grübeln und der schwierigen Suche nach Informationen und medizinischer Versorgung. Vom Moment der Entscheidung und davon, wie die Abtreibung ihre Beziehung zu sich selbst und zu ihrem Umfeld veränderte. Es sind Geschichten von Schmerz und Verzweiflung, von Selbstbehauptung und von Befreiung. Jeanne Diesteldorf hat abgetrieben und jahrelang darüber geschwiegen. Ihr außergewöhnliches Buch ist ein entschiedenes Plädoyer für das Recht am eigenen Körper.

15.11.2021: Das illustrierte Kompendium der Philosophie von Masato Tanaka und Tetsuya Saito: »Das fabulöse Kompendium der Philosophie« erklärt die großen Philosoph:innen und ihre wichtigsten Ideen aus 2600 Jahren abendländischer Geistesgeschichte in originellen Piktogrammen, Schautafeln und kurzen Texten. Mehr als 200 Schlüsselkonzepte werden so auf innovative und bestechende Weise zugänglich und machen die Liebe zur Weisheit endlich für wirklich alle erfahrbar. Ein geniales Konzept aus Japan, das perfekte Buch zum Einsteigen und Weiterdenken, Auffrischen und Festlesen für alle Denker:innen und Designverliebte zwischen 16 und 99.

16.11.2021: Iran – die Freiheit ist weiblich von Golineh Atai: Golineh Atai war fünf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern den Iran verließ – aber das Land und seine Entwicklung haben sie immer beschäftigt; der Iran ist ihr Herzensthema. Wie der Gottesstaat der Mullahs seit mehr als vierzig Jahren das Land im Griff hält und jede demokratische Regung erstickt, zeigt sie in ihrem Buch, das den Iran auf ganz besondere Weise porträtiert: aus dem Blickwinkel von neun Frauen. Dabei erzählt Atai, wie aus der Tochter eines Geistlichen, die um ihr Recht auf Schulbildung kämpfen musste, eine international bekannte Aktivistin wurde. Oder wie eine junge, regierungsnahe Angestellte mitten in Teheran ihr Kopftuch auszog – eine revolutionäre Tat, die unzählige Iranerinnen inspirierte. Andere berichten von Gefängnis und Flucht, vom täglichen Kampf für ein Stück Würde und darum, ihre Stimme öffentlich zu erheben oder auch nur das Haar im Wind wehen zu lassen. Sie empfinden Wut, Trauer, fühlen sich von der Welt verlassen. Sie wissen: Nur die Freiheit der Frau kann die Freiheit der Gesellschaft hervorbringen. Golineh Atai, vielfach ausgezeichnete Journalistin und Bestsellerautorin, zeichnet ein hochspannendes Bild der iranischen Gesellschaft seit der Islamischen Revolution – mit Erkenntnissen und Einblicken, wie sie kein Außenstehender bieten könnte.

17.11.2021: Natriumchlorid von Jussi Adler-Olsen: Er mordet seit 30 Jahren. Niemand konnte ihn stoppen. Bis jetzt. Der neue Fall für das Sonderdezernat Q. An ihrem 60. Geburtstag begeht eine Frau Selbstmord. Ihr Tod führt zur Wiederaufnahme eines ungeklärten Falls aus dem Jahr 1988, der Marcus Jacobsen mit seinem besten Ermittler Carl Mørck zusammengeführt hat. Carl, Assad, Rose und Gordon ahnen nicht, dass der Fall das Sonderdezernat Q an die Grenzen bringt: Seit drei Jahrzehnten fallen Menschen einem gerissenen Killer zum Opfer, der tötet, ohne dass ihm ein Mord nachgewiesen werden kann. Er wählt Opfer und Todeszeitpunkt mit Bedacht und Präzision. Dreißig Jahre lang konnte niemand ihn stoppen. Und während die Corona-Maßnahmen die Ermittlungsarbeiten zusätzlich erschweren, bewegt der alte Fall sich auf Carl zu wie eine Giftschlange, die Witterung mit ihrer Beute aufgenommen hat.

21.11.2021: Die Scham von Annie Ernaux (Jetzt als Taschenbuch): Juni 1952, die kleine Annie ist 12 Jahre alt. Eines Sonntagnachmittags geschieht etwas Entsetzliches – ohnmächtig muss sie miterleben, wie der Vater die Mutter umzubringen versucht. Nach kurzer Zeit beruhigt sich der Vater, und Annie versucht, den Eklat zu vergessen. Bis sie, nahezu ein halbes Jahrhundert später, auf ein altes Foto stößt, das eine Flut von Erinnerungen auslöst. Aber was genau ist damals geschehen? Und wie ist es dazu gekommen? Je tiefer Annie in dieses entscheidende Jahr eintaucht, umso deutlicher wird ihr die Spannung, in der die Eltern lebten, zwischen dem Wunsch nach sozialem Aufstieg und dem demütigenden Rückfall in die alten Verhältnisse. Und auch Annies Zerrissenheit gewinnt an Kontur, ihr immer wieder schmerzhaftes Bemühen, dem Einfluss einer religiösen Erziehung zu entrinnen und der bohrenden Sehnsucht nach Aufbruch und einem besseren Leben zu folgen. Scham ist das beharrliche Gefühl der eigenen Unwürdigkeit. Annie Ernaux seziert es an sich selbst, indem sie weit zurückschwingt in eine eigentlich unfassbare Episode ihrer Kindheit und in eine Vergangenheit, die nicht vergehen will.

24.11.2021: Wie alles kam: Roman meiner Kindheit von Paul Maar (Jetzt als Taschenbuch): Der »Sams«-Erfinder Paul Maar erzählt den Roman seiner Kindheit. Paul Maar erinnert sich an den frühen Tod seiner Mutter, den viele Jahre im Krieg verschwundenen Vater, die neue Mutter, er erinnert sich an das Paradies bei den Großeltern und die unbarmherzige Strenge in den Wirtschaftswunderjahren. Paul Maars Erinnerungen sind zugleich Abenteuer- und Freundschaftsgeschichte, ein Vater-Sohn-Roman und eine Liebeserklärung an seine Frau Nele. Vor allem aber sind sie eine Feier der Lebensfreude, die er seinem Leben abtrotzen musste. Paul Maar beschreibt in seinen bewegenden Erinnerungen das, womit er sich auskennt wie kein Zweiter: die innere Insel, auf die sich Kinder zurückziehen. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß, warum Paul Maar das »Sams« erfinden musste.

erLESENer Oktober 2021

Im Lesemonat Oktober verwüstete ich mit Herrn Schmidt die Küche um für Barbara zu kochen, aß mich dumm und dusselig, versuchte in Nordkorea zu überleben und floh mit Morrigan nach Nevermoor.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Realität und Phantasie.

Barbara stirbt nicht von Alina Bronsky: Die bitterböse und doch warmherzige Geschichte eines Rentners, dessen Frau von einem auf den anderen Tag nicht mehr ‚funktioniert‘. Empfehlenswert!

Dumm gegessen! von Hans-Ulrich Grimm: Ein Buch, das die Probleme unmissverständlich vor Augen führt, welche durch die eigens konstruierte ultraverarbeitete Nahrung der Lebensmittelkonzerne entsteht. Erschreckend!

Denunziation von Bandi: Atmosphärisch und eindringlich erzählt Bandi vom Alltag der Menschen in Nordkorea, davon, wie ihr Leben bestimmt wird von den strengen Regeln der Diktatur und von den grausamen Folgen, die Verstöße nach sich ziehen. Erschütternd!

Fluch und Wunder . Nevermoor 1 . von Jessica Townsend: Morrigan ist ein verfluchtes Kind und soll deshalb in der Nacht zu ihrem elften Geburtstag sterben. Doch glücklicherweise kommt alles ganz anders. Bezaubernd!

umgeSCHAUt Aug. – Sept. 2021

„Das ferne Feuer“ bietet sich für meine BUCHweltreise nach Afghanistan an. Das setze ich mir auf die Wunschliste.

„Die Anomalie“ macht mich neugierig. An dem Buch kommt man derzeit kaum vorbei.

Und das sind die Links zu den Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

27.08.2021: Das Literarische Quartett: In der Sommer-Ausgabe lädt Thea Dorn zum Literaturtalk mit Christian Berkel, Ijoma Mangold und David Schalko. Die Bücher: „Dunkelblum“ von Eva Menasse, „Kairos“ von Jenny Erpenbeck, „Sein oder nicht sein“ von Klaus Pohl und „Was fehlt dir“ von Sigrid Nunez.

12.09.2021: druckfrisch: Denis Scheck startet in einen Herbst der literarischen Frauen-Power. Mit der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse spricht er über die verdrängten Sünden der Geschichte und mit Daniela Krien diskutiert er Paarprobleme.

14.09.2021: Literaturclub: Nicola Steiner, Laura de Weck, Martin Ebel und – als Gast – der Übersetzer, Autor und Literaturkritiker Rainer Moritz diskutieren über «Billy Summers» von Stephen King, «Die Anomalie» von Hervé Le Tellier, «Der Nachtwächter» von Louise Erdrich sowie «Der Nagel im Kopf» von Paul Nizon.

16.09.2021: Fröhlich lesen: Zwei Autoren sind mit ihren Büchern zu Gast bei Susanne Fröhlich: Peter Zudeick mit „Verbrandt, verkohlt und vermerkelt. Vom Ende deutscher Kanzlerschaften“ und Kolja Zydatiss mit „Cancel Culture. Demokratie in Gefahr“.

23.09.2021: lesenswert: Denis Scheck unterhält sich mit dem Schriftsteller und Journalisten Maxim Biller über seinen neuen Roman „Der falsche Gruß“, einer bitterbösen Studie über Opportunismus und neuen Nationalismus. – Beim Ausritt mit Juli Zeh geht es um den originellen Essay von Moritz Rudolph „Der Weltgeist als Lachs“, in dem unsere Gegenwart durch das Objektiv der Dialektik ins Visier genommen wird.

Frisch auf dem Buchmarkt: Oktober 2021

In den Verlagsvorschauen für den Oktober habe ich wieder so einiges für mich entdecken können. Unter anderem würde ich gerne einen epischen Roadtrip durch Schottland begleiten; erfahren wie anders krank Frauen sind als Männer; lesen, was dabei herauskommt, wenn die größte Suchmaschine gepaart mit dem größten Social-Media-Anbieter und dem erfolgreichsten Onlineversandhaus ist; den Kampf der Bewohner von Kosawa gegen einen amerikanischen Ölkonzern beobachten; durch den Himalaya reisen; eine Geschichte von der Zerstörung und Bewahrung des Wissens lesen; die wahre Geschichte der kleinen Stella und ihrer Mutter erfahren, die 1937 von Moskau in ein Arbeitslager nach Kirgisien geschickt wurden; die Auswirkungen von etwas Ausgedachtem, das plötzlich für bahre Münze genommen wird beobachten; über Juan Morenos Geschichten von unterwegs und den gesellschaftlichen Umgang mit der Depression lesen.

Aber schaut selbst, vielleicht ist ja auch etwas Interessantes für euch dabei:

01.10.2021: Clanlands: Zwei Männer, Kilts und jede Menge Whisky [Werbung] von Sam Heughan und Graham McTavish: Zwei Männer auf einem epischem Roadtrip durch Schottland. Die beiden Outlander-Stars und langjährigen Freunde Sam Heughan und Graham McTavish begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, um ihre Heimat Schottland neu zu entdecken. „Clanlands“ erzählt davon, wie die beiden Schauspieler mit dem Wohnmobil, dem Kajak, Fahrrad und Motorrad von der Küste bis zu den Seen und von den Gipfeln bis zu den Tälern reisen und dabei tief in die Geschichte und Kultur des Landes eintauchen. Auf ihrer Fahrt reift die Freundschaft von Graham und Sam wie ein guter Scotch, und die beiden Männer finden dabei nicht nur neuen Respekt für die majestätische Schönheit Schottlands, sondern auch, wie bei jedem guten Roadtrip, ein Stück weit zu sich selbst. Die abenteuerliche Reise zweier Vollblut-Schotten durch ihr Heimatland – mit einem Vorwort von Diana Gabaldon. Für alle Fans des Welt-Bestsellers „Outlander“ und alle, die die raue Schönheit Schottlands lieben

01.10.2021: Die bessere Medizin für Frauen: Ganzheitlich und individuell – der Schlüssel zu Ihrer Gesundheit [Werbung] von Dr. med. Franziska Rubin: Es ist immer noch fast wie ein Geheimnis: Frauen sind oft anders krank als Männer. Einige Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen, Ess- oder Schlafstörungen betreffen sie viel häufiger und oft auch zu einem anderen Zeitpunkt im Leben. Typische Volkskrankheiten wie Herzinfarkt oder Depressionen verursachen bei Frauen gerne andere Symptome als bei Männern. Die Genderforschung bringt es immer mehr ans Licht: Beschwerden, Symptome oder Verläufe können bei Frauen ganz anders sein und deshalb brauchen sie öfter als bisher bekannt andere Medikamente, Dosen oder Therapien, um gesund zu werden. Dr. med. Franziska Rubin macht für dieses Buch einen Streifzug durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der Gendermedizin und schaut, wie dieses Wissen die moderne Behandlung von Frauen bereits bereichern könnte. Darüber hinaus empfiehlt die Expertin für Naturheilkunde ganzheitliche Behandlungsansätze für Frauen. Denn ihr Credo ist: die bessere Medizin für Frauen ist die Kombination aus einer individualisierten Hochschulmedizin mit den besten naturheilkundlichen Therapien. Plus Hausmittel und Lifestyle-Tipps, damit Gesundwerden gelingen kann.

07.10.2021: Every [Werbung] von Dave Eggers: Nach »Der Circle« legt Dave Eggers mit »Every« eine rasante Fortschreibung seines Weltbestsellers vor – ein hochbrisanter Thriller. Der Circle ist die größte Suchmaschine gepaart mit dem größten Social-Media-Anbieter der Welt. Eine Fusion mit dem erfolgreichsten Onlineversandhaus brachte das reichste und gefährlichste – und seltsamerweise auch beliebteste – Monopol aller Zeiten hervor: Every. Delaney Wells ist »die Neue« bei Every und nicht gerade das, was man erwarten würde in einem Tech-Unternehmen. Als ehemalige Försterin und unerschütterliche Technikskeptikerin bahnt sie sich heimlich ihren Weg, mit nur einem Ziel vor Augen: die Firma von innen heraus zu zerschlagen. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem nicht gerade ehrgeizigen Wes Kavakian, sucht sie nach den Schwachstellen von Every und hofft, die Menschheit von der allumfassenden Überwachung und der emojigesteuerten Infantilisierung zu befreien. Aber will die Menschheit überhaupt, wofür Delaney kämpft? Will die Menschheit wirklich frei sein? Wie schon bei »Der Circle« weiß Dave Eggers wie kein zweiter unsere Wirklichkeit so konsequent weiterzudenken, dass einem der Atem stockt beim Lesen. Man kann nur inständig hoffen, dass die Realität nicht schneller voranschreitet, als Dave Eggers schreiben kann.

07.10.2021: Wie schön wir waren [Werbung] von Imbolo Mbue: Nach ihrem gefeierten Debüt »Das geträumte Land«, für das sie den PEN/Faulkner-Preis erhalten hat, beweist Imbolo Mbue mit »Wie schön wir waren« erneut ihre erzählerische Brillanz gepaart mit einem Gespür für die großen Themen unserer Zeit. Die Bewohner von Kosawa leben in Angst, denn ein amerikanischer Ölkonzern droht das kleine afrikanische Dorf auszulöschen. Öllecks haben das Ackerland unfruchtbar gemacht; Kinder sterben, weil das Trinkwasser vergiftet ist. Den Menschen aus Kosawa werden Versprechungen über Aufräumarbeiten und finanzielle Reparationen gemacht, die nie eingehalten werden, aber die korrupte Regierung bedient nur ihre eigenen Interessen. Die Dorfbewohner beschließen, sich zu wehren. Ihr Kampf soll Jahrzehnte andauern. Erzählt aus der Perspektive einer Generation von Kindern, allen voran Thula, die zu einer Revolutionärin heranwächst. Mbues zweiter Roman ist eine meisterhafte Untersuchung dessen, was passiert, wenn die Profitgier des Westens gepaart mit dem Gespenst des Kolonialismus auf die Entschlossenheit einer Gemeinschaft trifft, an ihrem angestammten Land festzuhalten – und auf die Bereitschaft einer jungen Frau, alles für die Freiheit ihrer Mitmenschen zu opfern.

10.10.2021: Hoch oben: Eine Reise durch den Himalaya [Werbung] von Erika Fatland: Die preisgekrönte Bestsellerautorin Erika Fatland zieht es nach ihren Reisen durch das wilde Sowjetistan und entlang der russischen Grenze nun in das höchste Gebirge der Welt. Für Hoch oben reiste sie durch den gesamten Himalaya – durch Pakistan, Nepal, Indien, Tibet und Bhutan. Hier begegnet sie Menschen, die ihr Leben in schwindelnder Höhe unter den widrigsten klimatischen Bedingungen bestreiten. Wie diese Menschen damit umgehen und was sie dort hält, erzählt Erika Fatland in diesem aufregenden und kenntnisreichen Reisebericht. Erika Fatland nimmt uns mit auf eine im wahrsten Sinne atemberaubende Reise in eine der ethnisch vielfältigsten und politisch konfliktreichsten Regionen der Welt. Islam, Buddhismus und Hinduismus treffen auf uralte schamanische Traditionen. Supermächte konkurrieren um Einfluss. Moderne kollidiert mit Tradition und einer überzeitlichen gewaltigen Landschaft. Ein Jahr lang reiste Erika Fatland durch den Himalaya. Nicht auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung wie so viele meist männliche Autoren, die von ihren beschwerlichen Bergtouren und Meditationserlebnissen berichten. Vielmehr interessieren Fatland die Menschen, mit denen sie auf Tuchfühlung geht. Sie will wissen, wie sie unter diesen Bedingungen Tag für Tag überstehen. Insbesondere in das Leben der Frauen erhält sie Einblicke, wie es, zumal in den sehr traditionellen Gesellschaften, für einen Mann niemals möglich wäre. Nicht umsonst endet ihre Reise mit einem Besuch beim Volk der Mosuo, dem »Königreich der Frauen«.

10.10.2021: Bedrohte Bücher: Eine Geschichte der Zerstörung und Bewahrung des Wissens [Werbung] von Richard Ovenden: Seit Wissen schriftlich fixiert wird, haben Menschen versucht, es unter ihre Kontrolle zu bringen – oder zu vernichten. Richard Ovenden, Direktor der berühmten Bodleian Library in Oxford, führt uns in fesselnd erzählten Schlüsselepisoden durch die dreitausendjährige Geschichte der Angriffe auf Bücher, Bibliotheken und Archive. Sie handelt von fragilen Tontafeln aus Mesopotamien und kostbaren Bänden mittelalterlicher Gelehrsamkeit, von den grandiosen Bibliotheken in Alexandria und Sarajevo, von irakischen, indonesischen und bundesdeutschen Archiven. Und sie kennt ihre Heldinnen und Helden: Mönche und Hobbyarchäologen, Philanthropen und Freiheitskämpfer und vor allem Bibliothekare und Archivare, die sich gegen die Zerstörung gestemmt haben, nicht selten unter Einsatz ihres Lebens. Bis in unsere digitale Gegenwart, zu Google, Twitter und Co. sowie den neuartigen Gefahren, denen das Wissen der Welt heute ausgesetzt ist, reicht diese faszinierende Kulturgeschichte, die zugleich das politische Manifest eines leidenschaftlichen Bibliothekars ist. Bedrohte Bücher führt uns eindringlich vor Augen, was auf dem Spiel steht, wenn wir die Bewahrung dieses Wissens vernachlässigen oder dem Rotstift opfern: unsere Zivilisation selbst.

11.10.2021: Zuckerkind: Von Stalin nach Kirgisien verbannt [Werbung] von Olga Gromowa: „Ein Lehrstück über den Sieg von Individuen über das große Böse.“ Ljudmila Ulitzkaja. 1937 werden die kleine Stella Nudolskaja und ihre Mutter von Moskau in ein Arbeitslager in Kirgisien geschickt. Den Vater, einen Ingenieur, hatte man von einem Tag auf den anderen verhaftet und als Volksfeind verurteilt. Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt, den Stella schonungslos und berührend aus ihrer Perspektive beschreibt. Doch selbst in schlimmsten Zeiten gibt es immer wieder Menschen, die den beiden helfen: Mutter und Tochter finden Obdach bei einer russischen Bauernfamilie, dann in einem kirgisischen Sowchos. Erst zehn Jahre später dürfen sie in eine Kleinstadt im Moskauer Gebiet umsiedeln. Die Journalistin Olga Gromowa hat die ungewöhnliche Lagergeschichte für die Nachwelt festgehalten. Das Buch wurde in Russland mehrfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt. „Diese wahre lichtvolle Geschichte von Stalinistischer Unterdrückung, gesehen mit den Augen eines Kindes, stellt einen bedeutenden Beitrag zur fragilen Erinnerungskultur im gegenwärtigen Russland dar, wo die Erforschung dieser Zeit zunehmend marginalisiert wird.“ Le Monde

13.10.2021: Shelter: Es ist deine Verschwörung – aber du bist ihr Opfer [Werbung] von Ursula Poznanski: Die Idee war völlig verrückt und sie wären niemals darauf gekommen, wenn die Party nicht so aus dem Ruder gelaufen wäre. Aus einer Katerlaune heraus erfinden Benny und seine Freunde eine irre Geschichte über außerirdische Besucher und verbreiten sie im Internet. Gespannt wartet die Clique ab, was passiert. Zu ihrer eigenen Überraschung nehmen immer mehr Menschen die Sache für bare Münze und Bennys Versuche, alles aufzuklären, bringen ihn schon bald in Lebensgefahr. Was, wenn du dir eine völlig absurde Geschichte ausdenkst, sie zum Spaß in die Welt setzt und plötzlich glauben alle daran? Ein schockierender Thriller über einen Streich, der zur verwirrenden Realität wird. Ursula Poznanskis neuer und hochaktueller Bestseller ist eine wache Analyse der Mechanismen moderner Verschwörungstheorien und ihrer Auswirkungen.

19.10.2021: Glück ist kein Ort: Geschichten von unterwegs [Werbung] von Juan Moreno: Als der Reporter Juan Moreno von einer seiner Auslandsreisen zurückkommt, sieht er nervös die Drogenspürhunde am Zoll – er ist sich sicher, nach Kokain geradezu zu stinken. Er hat bei kolumbianischen Rebellen im Dschungel auf Kokainplatten geschlafen, anders ging es nicht – aber wie erklärt man das einem deutschen Zollbeamten? Juan Morenos Geschichten von unterwegs sind eine großartige Lektüre, überraschend, dramatisch, packend. Moreno fährt viertausend Kilometer quer durch Europa mit einem Kleinbus voller Arbeitsmigranten, spricht mit Killern der Farc-Guerilla über Auftragsmord und mit Mike Tyson über Schmerz und Ruhm. Mit kubanischen Fischern fährt er aufs Meer, und er überlebt die gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt, den Darién Gap. Als er eine Auszeit braucht, geht er ein Jahr lang auf Weltreise. Aber das Abenteuer wartet auf den, der es versteht, auch anderswo: ob zu Hause, bei den frommen Pilgern auf dem Jakobsweg oder in der Heimat Spanien. Dies alles erzählt Moreno in dem typischen Sound, der ihm seit Jahren eine große Leserschaft sichert: mit Witz und Tiefgang, stilistisch elegant und scharf beobachtet.

27.10.2021: Die Depressions-Falle: Wie wir Menschen für krank erklären, statt ihnen zu helfen [Werbung] von Thorsten Padberg: Es gibt Auswege aus der Depression – auch ohne Medikamente. Warum Antidepressiva keine Lösung und was die Alternativen sind, erklärt der erfahrene Psychotherapeut Thorsten Padberg in einem einfühlsamen Plädoyer. Denn lange schon läuft etwas schief im gesellschaftlichen Umgang mit dem Leid. Wer länger als zwei Wochen trauert, hat eine Depression, heißt es im Diagnoseschlüssel. Doch ist Trauer nicht eine angemessene Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen? Muss sie wirklich mit Medikamenten und jahrelanger Therapie behandelt werden? In Gesprächen mit Experten und auf Grundlage vieler Studien zeigt Thorsten Padberg, dass Psychopharmaka meist nicht mehr bewirken als ein Placebo. Depressionen haben keine nachweisbaren körperlichen Ursachen, weder Hormone noch Gene oder das Gehirn.
Die Ursachen liegen meist im Leben der Betroffenen. Trennung, Tod, Jobverlust lassen uns grübeln, verzweifeln oder trauern. Depressionen haben gesellschaftliche Ursachen, die nicht ignoriert werden dürfen. Betroffene müssen dabei unterstützt werden, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Eine aufrüttelnde Botschaft, die sich nicht nur an Psychiater und Therapeuten richtet. Menschen, die von Depressionen betroffen sind, und ihre Angehörigen finden hier neue Perspektiven auf ihr Leid und auf das Leben.
Thorsten Padberg will Mut machen mit einer Erkenntnis, die Experten genauso bestätigen wie etliche Fälle aus seiner Praxis: Niemand muss ein Leben lang leiden und Pillen schlucken. »Eine wichtige Recherche, großartig erzählt!« Julia Friedrichs, Autorin von »Working Class«

erLESENer September 2021

Im Lesemonat September floh ich vor Morbus Parkinson, lobhudelte dem Lesen und den Büchern, schmökerte mich nach Shaker Heights, ergänzte den Weltwach-Podcast durch Text und Bilder, segelte und nähte mich mit weiblichen Sträflingen 1841 nach Tasmanien und genoss Elke Heidenreichs Lese-Autobiografie:

Wanderlust mit Mister Parkinson von Pamela Spitz: Ein Buch über die Reiselust einer an Parkinson erkrankten Frau.

Lektüre zwischen den Jahren – Tage des Lesens von Gesine Dammel: In diesem Büchlein sind Geschichten zusammengestellt, die vom Glück wunderbarer Lesestunden und von Büchern erzählen, die ein Leben verändern können. Sie sind so unterschiedlich, wie die Autorinnen und Autoren, von denen sie stammen. Ein Geschenktipp für Bücherfreunde.

Kleine Feuer überall von Celeste Ng: Ein sehr gut konstruiertes Drama, eine Geschichte über unterschiedliche Familien, über die Rolle der Frau und Mutterschaft. Eine amerikanische Geschichte zum abtauchen. Ein Schmöker im besten Sinne.

Abenteuer im Gepäck von Erik Lorenz: Dieses Buch ist die Essenz aus über hundert Folgen Weltwach: Gesprächsauszüge, die Erik Lorenz für dieses Buch gemeinsam mit seinen Gästen redaktionell aufbereitet und bebildert hat. Hervorragend!

Niemandsmeer von Hope Adams: Ein historischer Kriminalroman, in dem ein Segelschiff voller Sträflingsfrauen im Jahr 1841 von England nach Tasmanien reist. Eine stimmungsvolle Geschichte zum eintauchen.

Hier geht’s lang! von Elke Heidenreich: Ein schöner Blick hinter die Kulissen der von mir hoch geschätzten Literaturkennerin, bei dem der Fokus jedoch immer auch auf dem Lesen und der Literatur liegt. Empfehlenswert!

Halbjahresrückblick 2021

Für meine Begriffe habe ich im vergangenen halben Jahr wirklich viel gelesen, so dass es sich lohnt einen kleinen Blick zurück auf die Lesezeit zu werfen.

Die größte Überraschung war für mich bisher „H wie Habicht“ von Helen Macdonald, weil ich im Vorfeld nicht gedacht hätte, dass mich die Thematik, das Abtragen eines Habichts und die Jagd mit diesem Raubvogel, so packen könnte. Und obwohl es in dem Buch teilweise auch längere Passagen gibt, die mir nicht gefallen, ist der andere Teil des Buches doch so hervorragend und kann alles andere überstrahlen, so dass es mich nicht losließ und sich zu einem Lieblingsbuch mauserte. Gleichzeitig ist es noch eines der schönsten Bücher, die in diesem Halbjahr den Weg in mein Bücherregal gefunden haben, denn ich liebe das Buchcover wirklich sehr.

Auf einer ganz anderen Ebene berühren konnte mich „Pink Floyd – Alle Songs“ von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin, weil ich es für mich über einige Wochen hinweg zu einem kleinen Event gemacht habe. Denn beim Lesen dieses Buches hörte ich mich gleichzeitig auch durch die Musikgeschichte meiner Lieblingsband, was für Gänsehautmomente und zahlreiche Aha-Erlebnisse sorgte. Da floss auch schonmal das ein oder andere Tränchen vor Rührung und abgrundtiefer Begeisterung.

Für jemanden, der normalerweise beim Lesen nicht weint, habe ich in diesem Halbjahr doch viele Tränen vergossen. Bei „Unzertrennlich – Über den Tod und das Leben“ von Irvin D. und Marilyn Yalom hat mich die Offenheit und Ehrlichkeit zutiefst berührt und ich konnte nicht umhin, den Schmerz der beiden nachzuempfinden und mitzuleiden. Ein hervorragendes, aber auch nahe gehendes Buch zum Thema Sterblichkeit. Gleichzeitig ist mir aufgefallen, dass ich noch nicht alle Bücher von Irvin D. Yalom kenne und ich unbedingt mehr von ihm lesen möchte.

Zu diesem Zeitpunkt von einem neuen Lieblingsautor zu sprechen, wäre sicherlich noch zu früh, aber nachdem ich „Das Auge des Leoparden“ von Henning Mankell gelesen hatte, wollte ich unbedingt auch seine anderen Afrika-Bücher lesen. Die ersten sind schon auf meinen Stapel ungelesener Bücher gewandert und warten jetzt darauf, nach und nach von mir entdeckt zu werden.

Im großen und ganzen habe ich bei der Wahl meiner Lektüre (Goodreads Challenge) ein gutes Händchen bewiesen und meist Bücher erwischt, die mir gut gefallen haben. Da fallen herbe Enttäuschungen wie „Dave“ von Raphaela Edelbauer kaum ins Gewicht.

Mein Plan fürs zweite Halbjahr: Noch mehr gute Bücher lesen 🙂