Permanent Record . Meine Geschichte – Edward Snowden

Im Alter von 22 Jahren erhielt er von der NSA seine erste Top-Secret-Freigabe, nicht einmal ein halbes Jahr später arbeitete er als Systemingenieur für die CIA und hatte fast unbegrenzten Zugang zu einigen der sensibelsten Netzwerken der Welt. Mit 29 Jahren schockiert Edward Snowden die Welt: Als Datenspezialist und Geheimnisträger für NSA und CIA deckt er auf, dass die US-Regierung heimlich das Ziel verfolgt, jeden Anruf, jede SMS und jede E-Mail zu überwachen – weltweit.

„Mit ‚PRISM‘ konnte die NSA routinemäßig Daten von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, YouTube, Skype, AOL und Apple sammeln, darunter E-Mails, Fotos, Video- und Audio-Chats, Webbrowsing-Inhalte, Anfragen an Suchmaschinen und alle anderen Daten, die in ihren Clouds gespeichert waren; damit machten sie die Unternehmen zu wissentlichen Mitverschwörern. ‚Upstream Collection‘, das kann man mit Fug und Recht behaupten, war noch invasiver. Es ermöglichte die routinemäßige Datensammlung unmittelbar aus der Internetinfrastruktur des privaten Sektors aus den Switches und Routern, die den weltweiten Internetverkehr über Sateliten im Orbit und die am Meeresboden verlegten Breitband-Glasfaserkabel abwickeln. […] Zusammen sorgten ‚PRISM‘ (durch die obligatorische Datensammlung auf den Servern der Provider) und ‚Upstream Collection‘ (durch die unmittelbare Datensammlung aus der Internetinfrastruktur) dafür, dass weltweit Informationen, ob sie gespeichert oder übermittelt wurden, überwacht werden konnten.“ (S. 284/285)

Das Ergebnis wäre ein nie dagewesenes System der Massenüberwachung, mit dem das Privatleben jeder einzelnen Person auf der Welt durchleuchtet werden kann. Edward Snowden trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er recherchiert, sammelt Beweise und macht die geheimen Pläne öffentlich. Damit gibt er sein ganzes bisheriges Leben auf. Er weiß, dass er seine Familie, sein Heimatland und die Frau, die er liebt, vielleicht nie wiedersehen wird.

„Die deutschen Bürger und Abgeordneten waren empört über die Entdeckung, dass die NSA die deutsche Telekommunikation überwachte und selbst das Smartphone der Bundeskanzlerin angezapft hatte. Zur gleichen Zeit hatte der Bundesnachrichtendienst, Deutschlands wichtigster Geheimdienst, bei zahlreichen Operationen mit der NSA zusammengearbeitet und sogar in Vertretung bestimmte Überwachungsaktionen ausgeführt, die die NSA nicht selber übernehmen konnte oder wollte. Weltweit fand sich nahezu jedes Land einem ähnlichen Dilemma ausgesetzt: Die Bürger waren außer sich, die Regierenden in die Überwachungsvorgänge verwickelt.“ (S. 413)

In „Permanent Record“ erzählt Edward Snowden seine Geschichte von Anfang an. Er beginnt bei seiner Kindheit und endet mit dem Erscheinungsjahr 2019 und seinem Exil in Moskau. Man erlebt einen intelligenten jungen Mann, der voller Enthusiasmus und Patriotismus seinem Land einen Dienst mit seiner Arbeit erweisen will und zutiefst enttäuscht darüber ist, wie das Land die Rechte der Bürger mit Füßen tritt. Beim Lesen fühlt man das Dilemma Edward Snowdens und kann vor der Entscheidung, die er letztlich trifft, nur den Hut ziehen. Neben der technischen Seite, die er auch für einen technikinteressierten Laien wie mich verständlich erklärt, lernt man die menschliche und sehr sympathische Seite des Whistleblowers kennen. Aber selbst wenn einen die technischen Details nicht so sehr interessieren und man sich entscheidet sie beim Lesen eher zu überfliegen, mindert das nicht die Qualität des Buches – die Grundaussage kommt dennoch an.

Ein beeindruckendes gut und spannend erzähltes Buch eines nicht weniger beeindruckenden Mannes, das einen das Smartphone und die eigenen Internetaktivitäten in einem kritischen Licht betrachten lässt. Oft mag man nicht glauben, was man da liest und ist auch jetzt – Jahre später nach dem Bekanntwerden – zutiefst verunsichert, was den Schutz der Privatsphäre angeht. Wohl zu recht.

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Edward Snowden
Permanent Record – Meine Geschichte
Aus dem Amerikanischen von Kay Greiners
Gebunden, 432 Seiten
ISBN: 978-3-10-397482-9
Preis: € (D) 22,00
Verlag: S. Fischer
Erschienen: 17.09.2019

Mensch 4.0 – Alexandra Borchardt

Diskussionen über Computer-Algorithmen, das in Kraft treten der Datenschutz Grundverordnung, die Verbreitung von Fake-News und nicht zuletzt der Facebook-Datenskandal, bei dem amerikanische Wähler beeinflusst wurden, rücken derzeit die digitale Welt mehr ins Kreuzfeuer und werfen so manche Frage nach dem Nutzen und den Risiken der Vernetzung und dem immer offeneren Umgang des Einzelnen mit seinen Daten auf. Während ich mich bei mir selbst noch an Zeiten erinnern kann, in denen ich kaum bereit war dem Internet überhaupt meinen Vornamen anzuvertrauen, ertappe ich mich heutzutage gelegentlich dabei, wie ich manchen Programmen und Progrämmchen zweifelhafte Rechte auf meinem Smartphone einräume. Mein Bestreben ist zwar generell, im Internet nur das preiszugeben, zu dem ich auch außerhalb des Internets stehe und angesprochen werden darf, aber dennoch frage ich mich oft, wie viel Offenheit überhaupt angebracht ist und einem selbst gut tut und wann es eher sinnvoll ist, dem Netz die kalte Schulter zu zeigen. Da kam mir dieses Buch gerade recht, um mich etwas intensiver mit der Thematik auseinander zu setzen:

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„Ein einfaches „Weiter so“, weil die schöne neue Welt ja so viel Bequemlichkeit, Spaß und Unterhaltung bietet, setzt nicht nur die liberalen, demokratisch organisierten Gesellschaften aufs Spiel, es gefährdet auch die individuellen Freiheitsrechte. Es geht darum, aufzuwachen und zu handeln.“

fordert Alexandra Borchardt in ihrem Buch „Mensch 4.0 – Frei bleiben in einer digitalen Welt“.

Die Autorin geht in dem Buch den Fragen nach, wie die neuen Technologien unsere Möglichkeiten in der Welt und Gesellschaft verändern; ob sie uns freier machen oder uns manipulieren, ablenken und benutzen und ob wir mehr mitbestimmen können oder ob wir zu nützlichen Idioten ökonomischer oder politischer Interessen werden.

Gut verständlich, nachvollziehbar und in flüssigem Schreibstil werden die Themen in den folgenden 8 Kapiteln beleuchtet: Wir sind immer ‚online‘ – Digitalisierung verstehen; Die Technologie verstehen – Wer bestimmt hier eigentlich?; Was ist los in unserem Kopf? – Dichtung und Wahrheit; Privatsphäre – Was gehört uns noch?; Wirtschaften – Die neue Klassengesellschaft; Demokratie – Das Ringen der Kulturen; Beziehungen – Ziemlich viele Freunde; Kleine Philosophie der Freiheit in der digitalen Welt – Das gute Leben.

Als technisch interessierter Mensch war mir vieles von dem, was ich in dem Buch las, zwar bereits bekannt, aber es gab auch einige Kuriositäten und Techniken, von denen ich bislang noch nicht gehört hatte. Gleichzeitig folgte ich nachdenklich den Überlegungen der Autorin und nahm dieses 256 Seiten starke Buch bis zum Schluss immer wieder gern zur Hand. Ich mag es, dass die Technik nicht verteufelt, sondern auch der Fortschritt aufgezeigt wird, den sie für uns Menschen bedeuten kann. So fühlten sich für mich die Themen gut beleuchtet an. Alexandra Borchardt informiert, gibt zu bedenken und philosophiert über Zukünftiges. So kann das Buch zur Orientierung und als Einstieg in diese Thematik dienen. Wer jedoch eine Anleitung oder eine Art Wegweiser erwartet, was er im Internet zu tun oder zu lassen hat um frei zu bleiben, dürfte mit diesem Buch enttäuscht werden. Mich hat das Buch mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend zurückgelassen, weil dringend Wachsamkeit und Vorsicht geboten ist, wenn man negative Tendenzen erkennen und gegensteuern möchte. Denn letzten Endes muss jeder die Verantwortung für sein Handeln selbst tragen.

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Alexandra Borchardt
Mensch 4.0
Frei bleiben in einer digitalen Welt
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-579-08692-7
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: 23.04.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.