erLESENer Juni 2020

Im Lesemonat Juni war ich mutterseelenallein auf der Welt, fand internationale Sehenswürdigkeiten in Deuschland, langweilte mich beim lesen anstatt draußen zu sein, gewann die 10. Hungerspiele und hatte ein wundervolles Déjà-vu mit einer Geschichte.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

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Mein Name ist Monster von Katie Hale
Eigentlich eine Endzeitgeschichte mit Potenzial, die aber irgendwann eine abstruse unglaubwürdige Wendung nimmt. Schade.

Hiergeblieben . 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
Das Buch macht gleich Lust die Fototasche zu packen und auf die Reise zu gehen.

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann
So richtig warm wurde ich mit diesem Buch nicht, aber den Blog von Fräulein Draußen kann ich inzwischen empfehlen.

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins
Wider erwarten eine gut gemachte Rückkehr in die Welt Panems zu einem jungen ‚Präsident‘ Snow und Hungerspielen, die fast noch in den Kinderschuhen stecken. Macht Lust darauf, auch die Trilogie nochmal zu lesen.

Der Freund von Sigrid Nunez
Im vergangenen Monat erst als Hörbuch genossen und jetzt auch als Buch geliebt. Für mich ein Lesehighlight!

Begeisterung²

„Du möchtest wissen, worüber Du schreiben sollst. Du hast Angst, dass, was immer Du schreibst, trivial sein wird oder nur eine Variation von etwas, das bereits gesagt wurde. Aber vergiss nicht, es gibt mindestens ein Buch in dir, das nur Du schreiben kannst. Mein Rat ist, tief zu graben und es zu finden.“
(„Der Freund“ von Sigrid Nunez, S. 150)

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Und so schreibe ich zwar kein Buch, aber ich schreibe einen kleinen Text über einen Roman, auf den ich im vergangenen Monat bei Spotify als Hörbuch stieß. Es handelt sich um „Der Freund“ von Sigrid Nunez, eine Geschichte, die mich vollends begeistern konnte.

Und doch ist das Hörbuchhören, so sehr ich es auch mag, für mich nicht mit dem Lesen zu vergleichen. Ich wollte dieses Buch noch einmal ganz in Ruhe erfahren und mir den einen oder anderen Satz dabei genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Gemütlich Einblicke in die Welt der Lesenden, der Schreibenden, der Tierliebenden und sogar der Selbstmörder erhalten. Ich wollte Sätze markieren und innehalten, Sätze nochmal lesen und nochmal lesen, Sätze überdenken und nochmal lesen. In Sätzen baden.

Also kaufte ich mir das Buch und tat, wonach mir war. Und jetzt, wo ich den Roman erneut beendet habe, hätte ich größte Lust, ihn wieder von vorne zu beginnen. So fühlt sich ein echtes Lesehighlight an. Ein schönes Gefühl.

„Man bedenke, wie riskant es ist, ein Buch noch einmal zu lesen, vor allem, wenn man es geliebt hat. Es besteht immer die Chance, dass es nicht mehr standhält, dass man es aus irgendeinem Grund nicht mehr so liebt.“
(„Der Freund“ von Sigrid Nunez, S. 90)

Ich denke, ich werde dieses Risiko eingehen und bis zum nächsten Lesen dieses Buch wie einen kleinen Schatz in meinem Bücherregal behüten.

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Der Freund
Sigrid Nunez
Aus dem Englischen von Anette Grube
Original: The Friend
Gebunden mit Schutzumschlag, 235 Seiten
ISBN: 978-3-351-03486-3
Preis: 20,00 €  / 20,60 € (A)
Verlag: aufbau
Erschienen: 21.01.2020

erLESENer Mai 2020

Im Lesemonat Mai roch meine ganze Wohnung nach Hund, besann ich mich während meines Gedankenstroms auf meine Laufatmung, zwang mich aus der Gefangenschaft und zerfetzte im Streit meinen Badeanzug zu einem Bikini.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Tod und Leben.

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Der Freund von Sigrid Nunez
Die Geschichte einer Frau, die in einem kleinen Appartment wohnt und nach dem Tod eines Freundes eine 80 kg schwere Dogge erbt. Skurril, gespickt mit wohldosiertem trockenen Humor und vielen Gedanken und Zitaten übers Schreiben und Lesen. Schon als Hörbuch ein Highlight, das ich mir jedoch auch als Buch zugelegt habe und derzeit erneut ganz in Ruhe genussvoll lese.

Laufen von Isabel Bogdan
Ein Roman über eine Frau, die sich nach dem Selbstmord ihres Lebensgefährten zurück ins Leben läuft. Ein Plädoyer fürs Leben – ganz ohne Kitsch und gute Ratschläge. Für mich ein weiteres Highlight in diesem Monat!

Die Gefangenen von Debra Jo Immergut
Eine blasse konstruierte Geschichte, die mit unguter bildhafter Sprache künstlich aufgebläht ist. Leider ein Flop.

Fünf Viertelstunden bis zum Meer von Ernest van der Kwast
Eine schöne Liebesgeschichte, die bis ins hohe Alter reicht und zum Abtauchen in bildhafte Beschreibungen mediteraner Sinnlichkeit mit italienischem Temperament gewürzt ist. Überraschend gut, aber leider etwas zu kurz.

Der Freund – Sigrid Nunez

Aufgefallen war mir das Buch bereits mehrfach auf Instagram und weil es ebenfalls lobend in einigen Literatursendungen erwähnt wurde. Als ich „Der Freund“ dann kürzlich bei Spotify als Hörbuch entdeckte, wollte ich eigentlich aus Neugier ’nur mal kurz reinhören‘ – außerdem war ich gerade in der Laune für eine ‚Tiergeschichte‘, denn dafür hielt ich dieses Werk von Sigrid Nunez eigentlich. Doch dann kam ich so schnell nicht mehr davon los, denn dieser Roman begeisterte mich auf mehreren Ebenen.

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Erwartet hatte ich eine unterhaltsame leicht skurrile Geschichte rund um eine Frau, die ein kleines Apartment in der Stadt bewohnt, wo Hundehaltung verboten ist und die nach dem Selbstmord ihres besten Freundes seine 80 kg schwere Dogge erbt. Aber dieser Roman enthält so vieles mehr. Denn geschrieben ist er aus der Sicht der Ich-Erzählerin, die ihren verstorbenen Freund immer wieder in der Du-Form anspricht und so auf ihre ganz eigene Art Trauerarbeit zu leisten scheint. Sie teilt ihm ihr Denken übers Leben und Sterben, über Hunde und Menschen und über Klatsch und Tratsch aus Literaturbetrieb mit, aus dem die beiden Autoren und Dozenten von Creative-Writing-Kursen stammten.

Es ist ein Buch, das für den Leser eine besondere Überraschung bereit hält, aber es ist auch bestimmt von Trauer und Verlust. Es hat etwas Rührendes, dass die um den Freund trauernde Frau mit dem ebenfalls trauernden Hund zusammen kommt. Aber es wird nicht zu rührselig, sondern auf zurückhaltende Weise amüsant, da die Ich-Erzählerin eine recht pragmatische Art im Umgang mit dem Tier hat und über einen leisen trockenen Humor verfügt. Auch ist es unterhaltsam ihren Gedanken und Ausführungen übers Lesen und übers Schreiben zu folgen. Dabei ist das Buch mit so vielen Literaturzitaten gespickt, dass es mir fast ein wenig zu viel wurde. Aber nur fast, denn eigentlich habe ich an dieser Stelle deutlich das große Manko gespürt, das das Hören gegenüber dem Lesen von Büchern hat. Dieser Roman zeigt sicherlich seine ganze Stärke, wenn man ihn in seinem eigenen Tempo liest und sich dabei so manchen Satz oder so manches Zitat genüsslich auf der Zunge zergehen lassen und überdenken kann. Denn das hat mir tatsächlich gefehlt, auch wenn dieses Hörbuch nicht nur stimmlich gut passend, sondern auch ansonsten hervorragend von Vera Teltz eingesprochen wurde.

Und so kann ich nicht umhin mir diesen Roman nun doch als Buch zuzulegen, um dann in Kürze den gedankenreichen Ausführungen der Autorin noch einmal ganz in Ruhe folgen zu können. Für mich schon jetzt ein Highlight!

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Der Freund
Sigrid Nunez
Aus dem Englischen von Anette Grube
Original: The Friend
Sprecher: Vera Telz
Spieldauer: 5 Stunden 22 Minuten
Ungekürztes Hörbuch
Preis: 14,99
Erscheinungsdatum: 07.04.2020
Sprache: Deutsch
Anbieter: Aufbau Audio