erLESENer Juni 2021

Im Lesemonat Juni durchlebte ich unterschiedliche Formen des Liebens und Nichtliebens, pendelte zwischen Deutschland und Rumänien, konnte unter Wasser atmen, ließ mich beim Suizid begleiten und war fasziniert von Helen und Mabel.

Bücherwelten – Gefühle zwischen Buchdeckeln…

Klopf an dein Herz von Amélie Nothomb: Ein Roman über ein Zuviel und Zuwenig von Liebe. Amélie Nothomb in Bestform.

Die Unschärfe der Welt von Iris Wolff: Eine in Kurzgeschichten erzählte Familiengeschichte, die ihre Wurzeln in Rumänien hat. Lieber selber lesen, anstatt zum Hörbuch zu greifen!

Aus schwarzem Wasser von Anne Freytag: Ein Genre-Mix aus Polit-Thriller mit Fantasy/Science-Fiction-Elementen, der mich leider nicht überzeugen konnte.

Unzertrennlich . Über den Tod und das Leben von Irvin D. und Marilyn Yalom: Als fest stand, dass Marilyns Krankheit zum Tode führen würde, begannen die Eheleute ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. Von tiefer Ehrlichkeit und steter Reflektion gekennzeichnet. Berührend!

H wie Habicht von Helen Macdonald: Ein Buch, in dem die Autorin über ihre Trauerbewältigung durch die Zähmung eines Habichts beschreibt. Unglaublich beeindruckend! Ein Highlight!

Die Unschärfe der Welt – Iris Wolff

Es war schon allein der schöne Titel, der mich auf dieses Buch aufmerksam machte und wohl auch nicht mehr los ließ. Als dann kürzlich bei Audible bei der Hörbuch-Aktion ‚2 Hörbücher zum Preis für ein Guthaben‘ dieses Buch wieder auftauchte, entschied ich mich dafür, dass es mich im Rahmen meiner BUCHweltreise nach Rumänien führen sollte. Im nachhinein wünschte ich mir jedoch, ich hätte es lieber selbst gelesen. Denn ich gehe davon aus, dass es mir als Buch wirklich gut gefallen hätte.

Der Klappentext verrät: Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In Die Unschärfe der Welt verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus – und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen.

Gelesen wird dieses Hörbuch von Eva Gosciejewicz, die eine angenehme Stimme hat, diese jedoch bei den männlichen Protagonisten unschön verändert, unnötigerweise selbst bei indirekter Rede. Das fiel für mich irgendwann so unangenehm ins Gewicht, dass es mir die Freude an dem Hörbuch nahm. Auch hätte ich mir Sprechpausen bei den Übergängen zu neuen Kapiteln gewünscht. Denn es war für mich anfangs etwas verwirrend, dass Iris Wolff diese Familiengeschichte in in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten erzählt, die nicht unbedingt in einer logischen zeitlichen Reihenfolge angeordnet sind.

In jeder Kurzgeschichte steht eines der Familienmitglieder im Fokus, die jede auf ihre Weise versuchen der Geschichte zu entkommen. Wir befinden uns dabei im sozialistischen Rumänien, erleben politische Umbrüche, erleben eine Flucht und landen irgendwann auch in Deutschland. Iris Wolff erzählt die berührende Geschichte der Menschen aus dem Banat in klarer, aber dennoch zarter Sprache. Gelegentlich ist die Wortwahl auch poetisch und lädt zum Innehalten und Verweilen ein. Für mich ist „Die Unschärfe der Welt“ daher unbedingt ein Buch zum selber lesen.

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Iris Wolff
Die Unschärfe der Welt
Ungekürztes Hörbuch
Sprecherin: Eva Gosciejewicz
Spieldauer: 6 Std. und 16 Min.
Erscheinungsdatum: 24.08.2020
Anbieter: Audible Studios