Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 – Mein Fazit

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag Freitag | Samstag und Sonntag .

Mein Fazit: Anstrengend war’s. Und schön war’s. Wie es halt so ist, wenn man sich fast sechs Tage am Stück beinahe rund um die Uhr mit einer Thematik, oder in meinem Fall einem geliebten Hobby beschäftigt. Eigentlich ist es zu viel, und doch kann man nicht genug bekommen. Es wurde viel geboten und ich habe mir vieles angeschaut. Da es meine erste Buchmesse war, kann ich nicht Vergangenem oder gar Verlorenem hinterher trauern. Für mich bot diese digitale Form eine Möglichkeit, überhaupt an einer Buchmesse teilzunehmen und mir dabei die Rahmenbedingungen schaffen zu können, dass sie mich gesundheitlich nicht allzu sehr in meine Schranken weist. Ich hatte die Chance dabei zu sein und habe sie genutzt. Und ich fand es großartig und habe es gefeiert.

Tatsächlich hatte ich im Vorfeld etwas Sorge, ob die Macher dieser Buchmesse technisch hinbekommen, was sie sich vorgenommen haben. Aber diese Sorge war unbegründet. Mir sind nur kleine eher unwesentliche Dinge aufgefallen und selbst meine heimische Technik lief insgesamt reibungslos.

Das Live-Format hat für mich hingegen keinen Mehrwert gehabt, auch wenn ich verstehe, dass dies ein wenig den Messe-Charakter transportieren sollte. Aber ohne Publikum und ohne die Möglichkeit, dass die Zuschauer in irgendeiner Form darauf reagieren können, beispielsweise im Chat oder mit Likes, bleibt es fremd und fern. Fast schon hätte ich mir Applaus vom Band eingespielt gewünscht, um das fehlende Publikum zu simulieren – aber auch nur fast.

Gut finde ich hingegen, dass vieles aufgezeichnet wurde und im nachhinein noch bei YouTube oder in den Mediatheken der teilnehmenden Sendeanstalten angeschaut werden kann. Dabei habe ich jedoch einen entsprechenden Hinweis auf den Internetseiten der Buchmesse vermisst. Denn die digitale Buchmesse hat gegenüber der regulären Buchmesse den Vorteil, dass das Internet auch nach Messeschluss zugänglich ist und mit den Informationen und natürlich auch der Werbung rund ums Buch interessierte Menschen auch weit darüber hinaus erreicht werden können. Ganz nebenbei hätte es meinen Terminkalender etwas entzerren können und mir die Gelegenheit gegeben, mich zunächst vorrangig um die tatsächlich zeitlich begrenzt verfügbaren Beiträge im digitalen Veranstaltungskalender der Aussteller kümmern zu können. Diesen hatte ich leider erst relativ spät entdeckt, konnte darin jedoch viel Sehens- und Lesenswertes finden, für das die Zeit dann nicht mehr reichte. Aber das ist wohl eher ein Luxusproblem und es spricht für die Buchmesse, wenn ihr Angebot so vielfältig und interessant ist, dass man sich kaum entscheiden kann, was man sehen möchte und worauf man letztlich schweren Herzens verzichtet.

Auch wenn es mir richtig Lust darauf gemacht hat, einmal live und höchstpersönlich die Frankfurter Buchmesse vor Ort zu besuchen, hat sich bei mir der Eindruck, dass ich dafür gesundheitlich nicht fit genug bin, noch verstärkt. Aber ich bin dankbar, dass ich in diesem Jahr dennoch unter diesen besonderen Umständen dabei sein konnte. Vielen Dank an alle, die dieses Event möglich gemacht haben!

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Samstag + Sonntag)

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag | Freitag .

~ Samstag, 17.10.2020 ~

Natürlich ist mein Google-Kalender auch für heute mit zahlreichen Terminen der Buchmesse gespickt. Zu viele sind es und das ganze ist sehr unübersichtlich, denn die kurzen, manchmal nur wenige Minuten dauernden Sende-Sequenzen als Termin abzuspeichert ist – zumindest das BOOKfest digital betreffend – einfach nicht sinnvoll. Alle naselang meldet mein Handy vibrierend neue Termine. Es nervt schon nach kurzer Zeit. Aber ich wusste ja auch im Vorfeld nicht, was mich erwarten würde und habe euphorisch und vor allem blauäugig meinen Terminkalender zugespamt. Fest stand für heute nur, dass mein 53. Geburtstag sein würde und dass ich ihn nicht digital und keinesfalls vor dem Computer feiern würde. Für eventuelle Pausen wollte ich aber doch gerüstet sein. Sicher ist sicher….

Und so schaue ich mir von 9:30 bis 9:40 Uhr die Eröffnung des BOOKFEST digital mit Katrin Seibold, Jürgen Boos und Petra Kappler an, um erstmal grob zu erfahren, worum es sich hierbei handelt.

Fast bedaure ich es, nicht live dabei sein zu können, hege aber die Hoffnung mir das BOOKFEST später als Aufzeichnung des Livestreams bei YouTube noch anschauen zu können. Denn nun geht es für meinen Herzbuben und mich erstmal in den Nachbarort, wo wir uns genüsslich ein Frühstück servieren lassen. Mittags schaue ich doch nochmal kurz in den Livestream und entdecke Ilke von BuchGeschichten und auch den geschätzten Kaffeehaussitzer, die Bücher vorstellen und für den Buchblogaward nominiert sind. Ich schalte ein wenig zwischen den beiden BOOKFEST-Streams hin- und her, aber es ist mir insgesamt zu chaotisch, zu stressig. Schließlich lasse ich es sein. Mir bleibt sowieso nicht viel Zeit, da ich Gäste bekomme und wir zu sechst bei Kaffee und Kuchen ein wenig plaudern und meinen Geburtstag feiern wollen. Es bleibt heute keine Zeit für die digitale Buchmesse – und es ist wunderbar die Zeit offline mit Menschen zu verbringen, die ich nicht allzu oft im Jahr sehe. Aber es ist auch anstrengend für mich und so beende ich den Tag, indem ich abends im Bett noch ein paar Seiten lese. So ganz ohne Buch geht es bei mir eben meist doch nicht.

Am nächsten Morgen schaue ich gleich gespannt nach, ob ich von den verpassten Sendungen nachträglich noch etwas anschauen kann. Und tatsächlich werde ich fündig. Die beiden Streams, von denen jeder einzelne fast 12 Stunden dauert, gibt es bei YouTube. Ich hätte mir gewünscht, dass sie thematisch gesplittet worden wären, da mich nicht alles interessiert und die begehrten Themenblöcke dann leichter gefunden hätten werden können. Aber dem ist nunmal leider nicht so. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins…. und doch verspüre ich nicht so richtig die Lust, mich durch diese ellenlangen Videos zu wühlen. Denn Sprungmarken zu den Zeitpunkten, die beim Wechsel zum jeweils neuen Thema hätten gesetzt werden können, gibt es leider auch nicht.

Studio 1: Kids, Travel, Food, German Stories, Gastländer, German Bestsellers, International, Adventure, Focus: USA, Exclusiv: Margaret Atwood, Guest of Honour 2021: Canada, Europe is Fun, Arts project Istanbul/Berlin.

Studio 2: Fantastic women, Female activists, Food, Publishing heroes, Focus Asia, Focus Asia/Spain, International, Crime, Focus Brazil/Chile/Nicaragua/Argentina, German times, Fantastic colors, Focus Indonesia, Focus India/Taiwan.


Lieber schaue ich mir nachträglich noch die „Streiterinnen“ an, ein Format, das mich schon in den vergangenen Tagen begeistern konnte:

STREITERINNEN! – Leben wiedervereint?! Mit Greta Taubert „Guten Morgen, du Schöner – Begegnungen mit ostdeutschen Männern“ und Valeria Schönian “Ostbewusstsein – Warum Nachwendekinder für den Osten streiten“ Moderation: Hadija Haruna-Oelker [17.10.2020, 14:00 — 14:30]
30 Jahre Wiedervereinigung. Ziehen sich die Grenzen in unsere Gesellschaft weiter fort? Wie hat sich die Rolle der Frau verändert? Rassismus und Extremismus – vor allem ein ostdeutsches Phänomen? Der Ostmann sächselt, wählt AfD und pöbelt tumb durch Deutschlands Straßen. Zeit, mit einem vorurteilsgeprägten Bild aufzuräumen und über Deutsch-deutsche Rollenbilder nachzudenken. Die ostdeutsche Journalistin Greta Taubert zieht in den Kampf gegen aktuelle Klischees. Wenige Tage vor der Wiedervereinigung kam Valerie Schönian in Sachsen-Anhalt zur Welt. Sie wurde geboren in einem Staat, der kurz darauf nicht mehr existierte. Lange dachte sie, „Ost/West“ spiele keine Rolle mehr, doch je länger der Mauerfall zurückliegt, desto ostdeutscher fühlt sie sich. Woher kommt das neue Ost-Bewusstsein, warum halten sich alte Klischees so hartnäckig, und was sagt das über die Deutsche Einheit aus?! Taubert und Schönian – zwei ostdeutsche Autorinnen, die bewusst machen, welche Hürden es noch zu überwinden gilt!


Ich hatte mich doch eigentlich sehr aufs Gastland Kanada gefreut, aber diese Beteiligung an der Buchmesse wurde um ein Jahr verschoben. Vereinzelte Beiträge dazu gibt es dennoch. Und so schaue ich mir nachträglich an:

ARTE „Es wird Zeit!“ – Vielfalt der kanadischen Literatur. Ein neuer Ton [17.10.2020, 15:30 – 16:00]
Moderation: Bianca Hauda. Gäste: Hans Jürgen Balmes (Fischer Verlag), Annabelle Assaf (Übersetzerin)

-> Leider wurde dieser Beitrag nicht geschnitten und fängt erst nach 6 Minuten an. Aber ‚vorspulen‘ lohnt sich. Sehr interessant, aber viel zu kurz. Ich möchte mich mit diesem Land unbedingt eingehender beschäftigen. Wie schön, dass in der Videobeschreibung die Literaturempfehlungen der Gäste genannt werden: Esi Edugyan: Washington Black – Joshua Whitehead: Making Love With a Land – Werke der kanadischen Autorin Tanya Tagaq – Anne Carson: Autobiographie von Rot.

~ Sonntag, 18.10.2020 ~

Der letzte Messetag hat angefangen. Ich möchte davon so viel wie möglich mitbekommen, auch weil ich nicht weiß, was auch nach Abschluss der Buchmesse noch verfügbar sein wird. Aber ich freue mich allmählich auch auf die Zeit, wenn dieses Spektakel beendet sein wird und ich mich wieder anderen Dingen widmen kann.

Johann Lafer: „Essen gegen Arthrose“ [18.10.2020, 10:00 – 10:30]
Was verbindet eine Ernährungsmedizinerin, einen Schmerzspezialisten und einen Sternekoch? Die Frage, wie man Arthrose heilen und Schmerzen besiegen kann – ohne Schmerzmittel, chirurgische Eingriffe und künstliche Gelenke. In seinem vielleicht persönlichsten Buch erzählt Johann Lafer wie es ihm gelang, durch die Ernährungsumstellung seine Knieschmerzen loszuwerden.

-> Nach einem Rezept von Johann Lafer habe ich mal Rosmarin-Pannacotta als Dessert gemacht. Das war ziemlich genial und mich würde seine vegane Küche interessieren. Davon, dass Ernährung Medizin sein kann, haben mich schon die Ernährungs-Docs überzeugen können, die mir insgesamt sympathischer sind als Liebscher und Bracht.


STERN CRIME Talk – Verbrechen der Vergangenheit [18.10.2020, 12:30 – 13:30]
Kriminalfälle aus dem letzten Jahrhundert faszinieren uns, egal ob sie tatsächlich passiert oder der Fantasie eines Krimiautors entsprungen sind. Oliver Hilmes entführt seine LeserInnen ins Berlin der 1930er Jahre, während Alex Beer ihre Kommissare im Wien der 1920er Jahre ermitteln lässt – mal handelt es sich um einen wahren, aber nie aufgeklärten Kriminalfall, mal um reine Fiktion. Giuseppe Di Grazia (Redaktionsleiter STERN CRIME) begibt sich im Gespräch mit den beiden AutorInnen auf historische Spurensuche: Wie recherchieren sie den historischen Hintergrund möglichst authentisch? Was verraten die Verbrechen über den Zeitgeist und die Gesellschaft, in der sie verübt wurden? Dies und sehr viel mehr geben die beiden im Talk auf der ARD-Bühne preis.

> Interessant, wie manche Geschichten entstehen.


STREITERINNEN! – Leben nachhaltig?! – Jana Braumüller und Nina Lorenzen „Fashion Changers – Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können“ und Kathrin Hartmann „Grüner wird´s nicht – Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen“ [18.10.2020, 14:00 -14:30]
Schluss mit Ausreden, falschen Versprechen, „Greenwashing“ und „Fast Fashion“! Zeit für Konsum – aber mit Botschaft und Verantwortung! Langweilige „Jute-Latzhosen-Öko-Klischees“ gehören der Vergangenheit an. Es gibt ihn, den“ grünen Lifestyle“ – einfach umsetzbar und dazu noch modern und stylish! Dafür engagieren sich die Fashion-Ratgeberinnen Jana Braumüller und Nina Lorenzen – für faire Mode! Und klären auf: Mogelpackungen/ „Greenwashing – wie erkennen? „Fair-Fashion“ bezahlbar? Kathrin Hartmann, die unbestechliche Kritikerin aller Falschspielenden unter selbsternannten Umweltbewegten, wirft einen Blick auf diejenigen, die im Kampf gegen die Klimakrise bremsen. Sie klagt an – nicht nur die üblichen Verdächtigen: Energiekonzerne, Auto- und Landwirtschaftsindustrie, sondern auch linke und soziale Bewegungen, Klimaschützer und diverse Umweltverbände… Braumüller, Lorenzen und Hartmann – drei Autorinnen, die „Greenwashing“ aufdecken, für Nachhaltigkeit einstehen und für einen umweltgerechten Handel kämpfen!


ARTE „Es wird Zeit!“ – Die kanadische Künstlerin Emily Carr – Malerin, Autorin, Aktivistin für die First Nations [18.10.2020, 15:30 – 16:00]
Moderation: Bianca Hauda Gäste: Peter Graf (Herausgeber), Marion Hertle (Übersetzerin)

-> Der eigentliche Beitrag beginnt nach etwa einer Minute. Dranbleiben, bzw. vorspulen lohnt sich. Ich bin begeistert – von der Künstlerin, die mich zu einer kreativen Idee zur Bearbeitung einer meiner Steine inspiriert, von der Hörprobe und von dem Verlag, dessen Name Programm ist.


Und bei den Veranstaltungen finde ich außerdem noch:

Das Universum des Michael Tsokos; Michael Tsokos und Tim Bergmann erkunden die Berliner Rechtsmedizin und sprechen über Fred Abels neuesten Fall “Zerrissen”
Autorenveranstaltung von Droemer Knaur GmbH & Co. KG [17.10.2020, 18:00 – 18:45 Uhr]

-> Sehr interessant, aber auch gruselig zu sehen, welches Messer für wofür verwendet wird und dass Schöpfkellen nicht nur zum Servieren von Suppe gut sind.


Der gläserne Leser – Wie Tracking-Dienste Leser von E-Books lesen und analysieren
Vortrag | Präsentation von dfv Mediengruppe

-> Technisch ist dieser Beitrag stellenweise nicht so gelungen, aber dennoch sehr interessant. Mir fehlt hier jedoch der Hinweis auf die anderen eReader- und eBook-Anbieter, die es außer Amazon noch gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese großzügig auf Daten verzichten, die sie so leicht bekommen können. Gut, dass mein eReader keine Videokamera und kein Micro hat. Ich bilde mir ein, dass mir so doch noch ein wenig Privatsphäre bleibt, zumindest während ich meine eBooks im Flugmodus lese. Bei der Gelegenheit wird mir auch deutlich, was mit den Mulitmedialen Inhalten gemeint ist, deren Öffnen ich zustimmen muss, wenn ich gewisse eBook-Rezensionsexemplare auf meinem Reader lesen möchte. Man bezahlt halt vermeintlich kostenlose Inhalte immer mit seinen Daten.


Was kostet mein Buch? Diskussion von Selfpublisher-Verband e.V.
[18.10.2020 | 15:00 – 16:00 Uhr]

-> Mein erstes Mal mit Zoom. Ich installiere nichts, registriere mich nicht, es klappt aber mit dem Zutritt dennoch. Als ich jedoch höre, dass auch auf YouTube gestreamt wird, wechsle ich dorthin, weil mir die Plattform besser bekannt ist – und erfahre Interessantes von Buchautorinnen, die ihre Bücher ohne Verlag – also selbst – veröffentlichen.


Und danach schaue ich mich weiter um, sehe mir Schreibratgebervideos an, erfahre Wissenswertes über das Marketing für Buchautor:innen, bekomme Tipps für Buchcovergestaltung und vieles mehr. Nur schade, dass viele der Beiträge mit dem Ende der Buchmesse nicht mehr auf den Websites verfügbar sein werden. Dennoch mache ich gegen 19 Uhr Schluss. Und so endet die Special Edition der Frankfurter Buchmesse für mich recht unspektakulär und lässt mich etwas müde, aber voller interessanter Eindrücke und Informationen zurück.

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Freitag)

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag .

~ Freitag, 16.10.2020 ~

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/grjasnowa-olga-blaues-sofa-fbm-16-10-2020-102.html

Olga Grjasnowa: Der verlorene Sohn – Aufbau Verlag [16.10.2020, 10:20 – 10:40]
Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.“ Olga Grjasnowa ist eine vielbeachtete Stimme ihrer Generation.“ NDR

-> Ich stoße an die Grenzen meiner Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit und kann der Autorin kaum folgen, weil sie für meine Wahrnehmungsverhältnisse zu schnell und undeutlich spricht. Ich bin ein wenig enttäuscht, aber ich habe über ihre vorherigen Bücher bereits viel Lobendes gehört. Die Leseproben werden für mich vielleicht hilfreicher sein.


Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [16.10.2020,11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> Heute ist der dritte Tag, an dem Denis Scheck über Julia Engelmann herzieht. Mich begeistert sie auch nicht, aber langsam nervt es. Und tatsächlich erhält man in dieser Sendung kaum neue Buchtipps, wenn man sich Best of Druckfrisch an den beiden vorangegangenen Tagen bereits angeschaut hat. Schade!


Aber im Anschluss folgt wieder etwas Interessanteres – hoffe ich zumindest:

„Der Chauffeur“ Autor Heinrich Steinfest im Gespräch mit Denis Scheck [16.10.2020, 11:30 – 12:00]
In der Welt des Chauffeurs Paul Klee herrschen Übersicht und Präzision. Aber das Leben hält keine Garantie für unendliche Ordnung bereit: Nach einem schweren Autounfall und einer nicht minder schweren Fehlentscheidung beschließt er, ein kleines Hotel nach seinen Vorstellungen zu führen. Das Glück will es, dass er sich in die Maklerin Inoue verliebt. Sie planen ein gemeinsames Haus, von den Zimmern bis zur Bar, von den Sesseln bis zum Frühstück. Aber Klees ideale Welt zerbricht ein zweites Mal – und er entschließt sich zu einem für ihn überraschenden Schritt. Heinrich Steinfest wurde 1961 geboren. Er erfand den einarmigen Detektiv Cheng und wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, erhielt zahlreiche Preise. Außerdem wurde er für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

-> Hm. Dieses Buch klang besser, als Denis Scheck es in Kurzform vorstellte.


„Zieht euch warm an, es wird heiß! – Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen“ Autor und Meteorologe Sven Plöger im Gespräch mit Thomas Ranft [16.10.2020, 12:00 – 12:30]
Trockenheit, Waldschäden und Waldbrände, dann wieder Platzregen mit Hagel und Sturmböen – auch Corona kann nicht verdecken, dass sich das Klima immer schneller verändert. Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müsste die Einsparung an CO2-Emissionen jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown. Genau das aber wäre möglich! Dazu müssen wir die Gier, die im jetzigen System steckt, in den Umbau der Wirtschaft lenken. Damit der Wohlstand bleibt, muss der Green Deal kommen. Der Diplom-Meteorologe Sven Plöger zeigt verständlich, wie unser Klimasystem funktioniert, wie man skeptischen Stimmen begegnet und dass die aktuelle Krise eine echte Chance ist, Weichen für unsere Zukunft zu stellen. Mit Praxisteil: Reden Sie nicht nur übers Wetter – verändern Sie das Klima! Sven Plöger sagt seit 1999 in Funk und Fernsehen das Wetter voraus. 2010 erhielt er in Bremerhaven die Auszeichnung „Bester Wettermoderator im Deutschen Fernsehen“. Der Diplom-Meteorologe hält regelmäßig Vorträge. 2020 erhielt er den NatureLife-Umweltpreis und stürmte mit seinem neuen Buch „Zieht Euch warm an“ auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste.

-> In 15 Jahren klimaneutral? Weltweit? Ich sage es ungern, aber ich sehe schwarz.

Danach ist erstmal eine kleine Pause angesagt, in der mein Herzbube uns das heutige Messe-Essen zubereitet. Es gibt Wildschweinbratwurst mit Schmörkes und Gemüse. Lecker!


LITPROM LiBeraturpreis 2020 [16.10.2020, 13:00 – 13:30]
Der LiBeraturpreis 2020 geht an Lina Atfah aus Syrien für ihren Lyrikband „Das Buch von der fehlenden Ankunft“. Auf der ARD-Buchmessebühne spricht sie mit einem ihrer Übersetzer, dem Lyriker Jan Wagner. „Ich fand mich wieder, als die Liebe mich wiederfand und als Deutschland mich als Autorin und nicht nur als Flüchtling empfing.» @linaatfah im Interview mit der @nzz

-> Beeindruckend, welche Arbeit die Übersetzer beim Übersetzen von Lyrik leisten und wieviel Fingerspitzengefühl sie besitzen müssen, um nah genug am Original zu bleiben. Fast bedaure ich es, dass ich festgestellt habe, dass ich mich seit einiger Zeit auf Lyrik kaum mehr einlassen kann. Das war schon anders bei mir.


„Lebenswerk“ Autorin Alice Schwarzer im Gespräch mit Cécile Schortmann
[16.10.2020,13:30 – 14:00]
Rückblick, Bilanz, Ausblick. – Alice Schwarzer berichtet über die großen Themen ihres Lebens und ihrer Arbeit, durch die sie über Jahrzehnte ein ganzes Land geprägt hat und noch prägt: Ihre Kämpfe gegen Gewalt an Frauen und Kindern, gegen die Männerjustiz, das Abtreibungsverbot, Sexismus, Pornografie und Prostitution – und für eine »Vermenschlichung der Geschlechter« sowie die Aufhebung der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern sind legendär. Motto: »Die Hälfte der Welt für die Frauen – die Hälfte des Hauses für die Männer!«

-> Ich bin dankbar für die ‚unbequemen‘ Frauen, wie Frau Schwarzer wohl eine ist, die für mehr Rechte gekämpft haben und nicht müde wurden, auf Missstände hinzuweisen. Sie konnten einiges bewirken. Ich könnte mir vorstellen, dass Frau Schwarzer in ihrem Lebenswerk viel Interessantes zu berichten weiß.


STREITERINNEN! – Leben selbstbestimmt?! – Mit Emma Becker “La Maison” und Susan Arndt „Sexismus – Geschichte einer Unterdrückung.“
[16.10.2020, 14:00 – 14:30]
Selbstbestimmtheit in Form von Prostitution? Was genau macht Sexismus aus? Und was für eine Rolle spielen dabei Machtverhältnisse? Emma Becker arbeitete zwei Jahre lang als Prostituierte. Sie nennt sich Justine. Und Justine hat Spaß am Sex! Ihre Kolleginnen sind sehr unterschiedlich, aber alle haben etwas gemeinsam: Sie fühlen sich in „La Maison“ zu Hause. Die französische Autorin Emma Becker hat eine selbstbewusste Sicht auf Prostitution und bricht mit herkömmlichen Erwartungen. Sie spricht von der Macht der Frauen im Milieu. Aber ist das vielleicht trotzdem eine Form von Sexismus?
Die Professorin Susan Arndt untersucht, wie er sich äußert – der Sexismus als Herrschafts- und Machtsystem. Alltäglicher Sexismus – oft übersehen und bei Hinweis oft als „zu moralisch“ oder „politisch hyperaktiv“ abgetan oder ganz geleugnet. Eine Frage des Mutes, sich dazu zu äußern? Becker und Arndt – zwei Autorinnen mit unterschiedlichen Perspektiven und einem gemeinsamen Ziel: Tabus zur Sprache bringen!

-> Puh, um als Sexarbeiterin mein Geld zu verdienen bin ich inzwischen zu alt, zu krank und sicherlich nicht willens genug. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass das tatsächlich nur eine Arbeit ist, die nicht doch irgendwas mit der Seele macht. Vielleicht ist das alles aber auch eine Frage des Charakters und mein Denken und meine Moral sind spießig und kleinkariert. Der alltägliche Sexismus ist mir hingegen bekannt, wenn auch glücklicherweise nur im kleinen.


Manchmal klappt das Timing perfekt: Der Postbote kommt genau in der 30-Minuten-Pause, sodass ich in Ruhe in dem umfangreichen Teepaket stöbern kann, das ich mir ein bis zwei Mal im Jahr bestelle, und von dem heute eines angekommen ist. Schon allein das Öffnen des Pakets ist herrlich und der Duft lädt zum tiefen Inhalieren und Augen-dabei-schließen ein. Ich freue mich schon darauf, die zahlreichen Teesorten – dieses Mal grüne Tees in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – nach und nach auszuprobieren.


„Das Buch eines Sommers – Werde, der du bist“ Autor Bas Kast im Gespräch mit Thomas Ranft [16.10.2020, 15:00 – 15:30]
Im Sommer seines Lebens hat Nicolas einen Traum. Er will Schriftsteller werden wie sein Onkel. Dann kommt das Leben dazwischen und die Firma seines Vaters, Verantwortung, Termine und lauter Zwänge. Als sein Onkel stirbt, verliert Nicolas den einzigen Menschen, der an ihn geglaubt hat. Doch überraschend findet er am unwahrscheinlichsten Ort den Schlüssel, der ihm hilft, zu dem zu werden, der er wirklich ist. Bas Kast, geboren1973, studierte Psychologie und Biologie, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und ist unter anderem Autor des Bestsellers »Der Ernährungskompass« aus dem Jahr 2018.

-> Den Ernährungskompass mochte ich sehr. Irgendwie bin ich neugierig auf das neue Buch dieses Autors. Aber wenn er seinen Roman als Wohlfühlroman bezeichnet, macht mir das eher Angst.

Bevor ich bis 19 Uhr Pause mache, schaue ich nach, ob bereits einige Videos zum Verlinken online sind. Dabei stoße ich auf diesen Beitrag, der einen interessanten Einblick auf das Messegeschehen gibt:

Bis 19 Uhr bin ich danach erstmal mit Bildschirmfremdem beschäftigt und backe unter anderem einen Kuchen für morgen. Heute bleibt keine Zeit für Sport. Den Beitrag, der um 19 Uhr starten sollte, finde ich nirgendwo und weiß auch nicht mehr, wo er stattfinden sollte. Irgendwann komme ich unter dem Menüpunkt „Veranstaltungen und Aussteller“ bei den digitalen Veranstaltungen aus und freue mich über das, was ich dort finde. Bei BoD entdecke ich einen Schreibworkshop mit J. Vellguth und einen Schreibworkshop mit Adriana Popescu. Ich brüte derzeit eine Schreibidee intensiver aus und kann Input in dieser Richtung gut gebrauchen. Aber anschauen werde ich mir beides zu einem späteren Zeitpunkt. Es gibt noch so vieles mehr zu entdecken, dass ich hoffe, dass die dortigen Inhalte und Verlinkungen noch eine Weile verfügbar sind, damit ich mich in aller Ruhe umschauen kann.

Um 20 Uhr geht es dann planmäßig weiter:

ARD-Buchmessennacht
16.10.202020:00 — 23:00
Beste Unterhaltung, relevante Themen, hochwertige Literatur mit internationaler Ausstrahlung – dafür steht die ARD-Buchmessennacht. Der aktuelle Buchpreisträger ist ebenso zu Gast wie die Großkritikerin Elke Heidenreich oder der israelische Friedenspreisträger David Grossman. Es geht um Rassismus, um Amerika vor der Wahl und die Verteidigung der Demokratie auch in Deutschland. Jan Böhmermann plaudert aus seinem Twittertagebuch „Gefolgt von niemandem, dem du folgst“ und Jan Weiler erzählt hinreißende Geschichten davon, wie es ist, wenn aus Pubertieren junge Erwachsene werden, und man selbst zu belächelten „Ältern“ wird. 13 herausragende Titel dieser Buchmesse, Schlag auf Schlag moderiert von Catherine Mundt und Alf Mentzer. Mit Richard David Precht, Ahmad Mansour, Max Czollek, Bas Kast, Stefanie Sargnagel, Klaus Brinkbäumer, Susanne Fröhlich, Elke Heidenreich, Zoë Beck, Alexa Hennig von Lange und Jan Weiler mit Episoden. Außerdem per Zuschaltung den Buchpreisträger, Jan Böhmermann und David Grossman.

-> Um 21 Uhr breche ich ab. Ich bin müde und habe keine Lust meinen Abend noch länger vor dem Computer zu verbringen. ⭐🌙

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Donnerstag)

Meinen Dienstag und Mittwoch mit der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachverfolgen.

~ Donnerstag, 15.10.2020 ~

Heute startet die Buchmesse für mich bereits vor Beginn des eigentlichen Programms. Denn viele Verlage haben auf ihren eigenen Internetseiten ihr eigenes Messeprogramm veröffentlicht und bieten darin Sehens- und Lesenswertes rund ums Buch und ihr Verlagsprogramm an. So stöbere ich im Vorfeld ein wenig beim mare Verlag, dessen Messestand ich sicherlich auch auf einer Buchmesse mit physischen Ausstellern besucht hätte. Ein Herzensverlag halt, so wie Diogenes, Delius Klasing und Malik auch.


Um 11 Uhr geht es los mit:

Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [15.10.2020, 11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> „Die Wunderkammer der deutschen Sprache“ gefällt mir. Ein kleiner Schatz wundersamer Wortschöpfungen tut sich da auf. Das macht Lust darin querzulesen und sich darin unterhaltsam zu verlieren. Auch die Bücher von Wolfram Eilenberger machen mich neugierig, damit möchte ich mich dringend etwas näher beschäftigen. 1793 wartet noch angelesen auf meinem SuB. Ich weiß nicht mehr, warum ich es unterbrochen habe, aber ich freue mich darauf, es weiterzulesen. Außerdem weist Denis Scheck auf Bücher hin, die er bereits am Vortag vorgestellt hat und es waren auch Titel dabei, zu denen bereits die Autoren interviewt wurden. Herausgekommen ist bei dieser Ausgabe eine schöne Mischung von Gestrigem und Neuem.


„60 Kilo Sonnenschein“ Autor Hallgrimur Helgason im Gespräch mit Denis Scheck
[15.10.2020, 11:30 — 12:00]
Der große Roman von einem der originellsten isländischen Autoren ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst und schließlich selbst Vater wird, erwacht das moderne Island. Große Fischfänger steuern den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Helgason vom Weg Islands in die Moderne. Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, feierte seinen Durchbruch mit „101 Reykjavík“. Es folgten die Bestseller „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ (2011) und „Eine Frau bei 1000°“. Helgason ist einer der erfolgreichsten Autoren Islands.

-> Ein schönes Interview mit einem sympathischen Autor, das gut zu verstehen ist, auch wenn es komplett in Englisch ohne Übersetzung geführt wird. Dieses Buch war mir bereits beim Durchblättern der Herbst-Verlagsvorschau aufgefallen. Nach diesem Interview verspüre ich den besonders dringenden Wunsch es zu lesen.


Mein Terminkalender gewährt mir im Anschluss eine längere Pause, die ich für Hausarbeit nutze – so zumindest der Plan. Aber ich schaue sicherheitshalber vorher noch nach, was auf dem blauen Sofa los ist und ob mich nicht doch etwas interessiert. Das Ergebnis ist: Die Hausarbeit ist erstmal aufgeschoben und ich schaue mir stattdessen an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/noltze-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Holger Noltze: World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution – Edition Körber [15.10.2020, 12:00 — 12:20]
Digitalisierung war für Opernhäuser und Konzertsäle, Theater und Museen lange allenfalls ein Marketingthema. Dass sich für die Zauberorte des Analogen auch digitale Wunderkammern öffnen könnten – kaum vorstellbar. Holger Noltze vermisst dieses neue Terrain und prüft seine Entdeckungen auf ihren Mehrwert für die ästhetische Erfahrung der Zukunft. Langsam erst – manchmal von der Not getrieben, manchmal von Abenteuerlust – entdecken Opern- und Konzerthäuser die eigenständigen Qualitäten des Streaming, entwickeln Museen digitale Sammlungen, die Schaulust und Kunstverstand ansprechen. Es ist höchste Zeit, so Noltze, dass die Kulturinstitutionen sich auf ihre Kernkompetenzen der Kuratierung und qualitativen Unterscheidung besinnen. Dann können sie die Möglichkeiten des Web zur Vertiefung und Differenzierung nutzen, um den Hunger auf ästhetische Entdeckungen jenseits des Erwarteten und Erwartbaren zu wecken. Dafür braucht es neben überzeugenden Erlösmodellen vor allem kluge Lenkung, Fantasie, Komplexitätstoleranz – und die Bereitschaft, ins Unbekannte aufzubrechen.

-> Das Live-Erlebnis von Musik lässt sich für mich nicht durch digitalen Genuss ersetzen. Aber ich denke, es kann eine Ergänzung des bisherigen Angebots sein. Wenn ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, mir Rammstein live vor Ort anzusehen, hätte ich vielleicht sogar für einen digitalen Mitschnitt bezahlt, um ‚dabei‘ zu sein. Aber diese Band ist nicht nur von der Live-Qualität hochwertig, sondern hat auch fürs Auge eine unvergessliche Show zu bieten. Hier entstehen insgesamt durch die Digitalisierung vielleicht zusätzliche Märkte und Erlebnisformen, aber ein Ersatz sind sie nicht.


Man könnte mir Prokrastination vorwerfen und läge damit sicherlich richtig, denn ich schaue erstmal im Programm nach, ob es nicht vielleicht außerdem noch etwas Außerplanmäßiges für mich anzuschauen gibt, das mich vor der anstehenden Hausarbeit bewahren könnte. Aber Fehlanzeige. Ich muss also doch etwas tun, bevor es um 13.00 Uhr weiter geht. Aber als es so weit ist, geht es nicht weiter. Der Beitrag, zu dem mich mein Kalender führen sollte, ist verschwunden und es steht etwas Anderes auf dem Plan.

Die Enttäuschung währt aber nicht zu lange, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen. Mein Herzbube hat sich mal wieder selbst übertroffen und serviert Hähnchencurry mit Naan-Brot. Das Essen, das mir während der digitalen Frankfurter Buchmesse geboten wird, ist wirklich hervorragend 🙂

Gut gesättigt und mit wunderbar gestreichelten Geschmacksnerven geht es danach weiter im Buchmesse-Programm:


STREITERINNEN! – Leben gegen Diskriminierung?! – Mit Olivia Wenzel “1000 Serpentinen Angst“ und Melisa Erkurt “Generation haram – Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“ [15.10.2020, 14:00 – 15:00]
Herrscht Diskriminierung, Rassismus und Schubladendenken mehr denn je im Alltag? Welche Auswirkungen hat dieses Verhalten für die Betroffenen? Und wo fängt Diskriminierung an? »Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann.« Olivia Wenzel berichtet über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft zugewiesen werden. Jetzt sind die Verlierer dran! Die Journalistin und Lehrerin Melisa Erkurt gibt denen eine Stimme, die im System Schule nicht gehört werden. Die meisten ihrer Schüler*innen würden nie ausreichend gut Deutsch sprechen, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen, so Erkurt. Nicht sie müssten sich ändern, sondern das System Schule müsse neue Wege gehen! Wenzel und Erkurt – zwei Autorinnen, die sich gegen vorgezeichnete Schicksale und Diskriminierung zu Wehr setzen!

-> Eine interessante Gesprächsrunde, die Einblicke in die Problematiken, vor die Schüler und Lehrer heutzutage gestellt sein können, liefert. Insgesamt wird hier auch eine Themenwelt berührt, mit der ich mich bislang kaum beschäftigt habe. Wohl ein Luxus, den ich mir durch die Geburt als blonde Frau mit weißer Haut in Deutschland leisten kann. Nichtsdestotrotz eine fesselnde inspirierende Runde, die in mir den Wunsch weckt, mich näher mit den hier angesprochenen Themen zu beschäftigen.

-> Gerne würde ich zum Abschluss der Runde applaudieren oder zumindest mein Gefallen mit einem Daumen hoch oder einem Herzchen bestätigen. Diese kleinste Form der Anerkennung fehlt mir. Vielleicht bin ich aber auch zu kleingeistig und messe dem zu viel Bedeutung zu.


Während die vorherige Sendung noch lief, startete bereits der Beitrag mit Bernhard Schlink, den ich in aller Seelenruhe verpasse, weil ich davon ausgehe, ihn mir bequem später als Aufzeichnung ansehen zu können.

-> Doch das funktioniert leider nicht. Ich bin etwas enttäuscht und habe erstmal wieder Pause. In der Zwischenzeit schaue ich mir in allen Live-Bereichen an, was heute noch gesendet wird und entscheide mich als nächstes für:


ARTE „Es wird Zeit!“ – Generation Greta und die Politkultur der jungen Generation
[15.10.202015:30 – 16:30]
Moderation: Aline Abboud. Gäste: Esra Karakaya (youtube Creator, Berlin), Madita Hampe (Redaktionskollektiv Rubikon), Klaus Hurrelmann „Generation Greta“, Wolfgang Bergmann (ARTE Deutschland, Geschäftsführer)

-> Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich selbst zu einer jungen Generation gehörte, und an das, was mir damals Sorgen bereitete. ‚No Future‘ pinnte man sich damals schonmal gern an die Jeansjacke und hatte insgeheim Angst davor, dass es so sein könnte. Die Themen waren zum Teil ähnlich wie heute, aber manches ist eben doch ganz anders. Die Sprache kommt auch auf Luisa Neubauer und Friedrich Merz bei Markus Lanz. Das habe ich nicht mitbekommen, schaue es mir aber im nachhinein noch hier an. 👍

Dann ist der Beitrag von Bernhard Schlink plötzlich doch verfügbar und ich sehe ihn mir zum Abschluss dieses Buchmessetages an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/schlink-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Bernhard Schlink: Abschiedsfarben. Erzählungen – Diogenes [15.10.2020, 14:20 – 14:40] Nach Liebesfluchten und Sommerlügen der dritte große Erzählband von Bernhard Schlink – ein literarisches Ereignis. Geschichten, die überraschen, verstören und beglücken. Geschichten von Menschen in verschiedenen Lebensphasen, ihren Hoffnungen und Verstrickungen. Über das Gelingen und Scheitern der Liebe, Vertrauen und Verrat, bedrohliche und bewältigte Erinnerungen.

-> Damit endet dann auch mein heutiges Programm und Zeit es ist endlich Zeit für ein wenig Sport: Zu absolvieren ist ein kurzes aber knackiges Bauchtraining und danach eine halbe Stunde Trampolin. Später gönne ich mir dann noch ein Entspannungsbad. Und noch später würde ich gern ein wenig lesen, bin mir aber nicht sicher, ob dafür heute die Konzentration noch ausreichen wird. Wir werden sehen…


Fazit: Da ich heute mehrere längere Pausen hatte, konnte ich fern vom Rechner doch einiges mehr schaffen, als gestern. So sehr ich die Gesprächsrunden und auch die Interviews mit den Autoren genossen habe, so sehr strengen sie mich allerdings auch an. Einerseits freue ich mich auf die Beiträge, die noch im Google-Kalender eingetragen auf mich warten, andererseits freue ich mich auf die Zeit nach der Buchmesse, die von weniger Bildschirmzeit geprägt sein wird.

Da ich einige Newsletter von Verlagen, Buchhandlungen und Buchcommunities abonniert habe, bekomme ich am Rande mit, dass auch dort vieles im Zeichen der Buchmesse steht. Es gibt Aktionen, Verlosungen, Videos mit Autoren und Autorinnen. Schöne Ideen sind dabei und eigentlich würde ich mir gern alles anschauen oder sogar mitmachen und mich intensiver damit auseinander setzen. Tatsächlich habe ich mir aber vorgenommen, mich auf das Live-Programm der Buchmesse zu konzentrieren und empfinde bereits dieses Angebot als reichhaltig und ansprechend. Mir fehlt ein wenig Zeit, aber überraschenderweise auch die Lust mich darüber hinaus noch mehr mit Büchern zu beschäftigen. Abgesehen davon, nach einem bildschirmlastigen Tag auch tatsächlich vor dem Einschlafen noch ein wenig in einem Buch zu lesen.

Allerdings hebe ich mir doch noch etwas für einen späteresn Zeitpunkt auf: