#bücherschrankschatz – Oktober 2019

#bücherschrankschatzViele öffentliche Bücherschränke werden ja bereits liebevoll bestückt und gepflegt, aber andere können ein wenig Unterstützung brauchen und da soll die Mitmachaktion #bücherschrankschatz einfach ein wenig helfen. -> Mach doch auch mit!



Ein unspektakulärer Besuch beim Bücherschrank. Das Wetter ist grau und ebenso fad, wie das Erscheinungsbild dieses Schrankes. Keine guten alten Bekannten, deren Titel einem bereits mit einem Blick das Herz erwärmen und einen manchmal sogar schwärmen lassen. Viel Unbekanntes, Abgegriffenes, Ungeliebtes, Aussortieres. Soweit der erste Blick. Aber auf den zweiten, beziehungsweise dritten Blick ist doch wieder Schönes zu finden, von dem ich denke, dass sich der ein oder andere darüber freuen wird. Gerne stelle ich ein Buch dazu, dass ich vor etlichen Jahren sehr gerne las:

2019_10_#bücherschrankschatz

Wer sind wir? Woher kommen wir? Als sich der 12-jährige Hans-Thomas mit seinem Vater aufmacht, seine Mutter Anita zu suchen, gelangt er auf mysteriöse Weise in den Besitz eines winzigen Buches. Es birgt ein großes Geheimnis und gibt ihm Rätsel auf. Doch das Sichwundern über die Welt und die unglaublichen Dinge, die darin möglich sind, stehen am Anfang eines jeden Philosophierens. Dies ist die Geschichte einer gleich dreifachen Reise: einer wirklichen nach Griechenland, einer phantastischen auf eine Insel, wo auf geheimnisvolle Weise ein Kartenspiel zum Leben erwacht, und einer gedanklichen in die Philosophie. Jede für sich wäre abenteuerlich genug – zu einer raffinierten Romanhandlung verwoben, werden sie zu einem Leseerlebnis der besonderen Art.

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Jostein Gaarder
Das Kartengeheimnis
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Taschenbuch, 352 Seiten, ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-423-62077-2
Preis: EUR 10,95 € [DE], EUR 11,30 € [A]
Verlag: dtv, Reihe Hanser
Erschienen am 01.04.1998

Wie sieht der öffentliche Bücherschrank bei euch aus? Kennt oder unterstützt ihr bereits einen öffentlichen Bücherschrank und wenn ja, welches gute Buch stellt ihr im Oktober dort unter? 

Miroloi – Karen Köhler

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, weil ich die Leseproben der Bücher durchlas, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 geschafft hatten. Es gab zwar einige, die Lust aufs Weiterlesen machten, aber keine konnte mich auf Anhieb so packen, wie „Miroloi“ von Karen Köhler es tat.

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Denn hier schreibt, oder besser gesagt, singt die sechzehnjährige Erzählerin, der es versagt ist einen Namen zu haben, in 128 Strophen ihr Miroloi. In der griechisch-orthodoxen Kirche ist ein Miroloi als Totenlied bekannt, einem von Frauen gesungenen Klagelied, in dem das Leben des Verstorbenen noch einmal nach gesungen wird. Und während man sich noch fragt, was es mit diesem Totenlied eigentlich auf sich hat, erfährt man nach und nach aus der Ich-Perspektive und mit der besonderen Erzählstimme die Geschichte dieser jungen namenlosen Frau, der das Leben nicht gerade wohlgesonnen ist. Alles liest sich ungefiltert und authentisch. Ganz stimmig zeichnet sich hier das Bild eines Menschen, dem aufgrund seines Geschlechts Bildung und aufgrund des als Findelkind fehlenden Stammbaums Anerkennung und Akzeptanz versagt ist. Denn durch und durch frauenfeindlich und streng religiös geht es auf der fiktiven Mittelmeerinsel zu.

Karin Köhler hat mit diesem Buch einen Mikrokosmos geschaffen, um freizulegen, was die eigentlichen Mechanismen sind, die dazu beitragen, dass Frauen immer noch strukturell unterdrückt sind. Frauen wird in diesem Roman immer noch Bildung untersagt – sie dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Um nicht eine bestimmte Religion zu verunglimpfen, schuf die Autorin eine erdachte polytheistische Religion, deren heilige Schrift – die Khorabel – sich dem Willen der auf der Insel herrschenden Männer anzupassen scheint. Frauen haben kaum Rechte, aber viele Pflichten. Und wo die Bildung fern ist, herrschen außerdem zerstörerisch Aberglaube, Vorurteile und vor allem Dummheit. Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit.

Die Sprache ist so einfach, so naiv und unbedarft, wie die junge Frau, eine eher tragische Heldin, die hier erzählt. Aber wie sie das macht, ist besonders. Sie beschreibt, wie sie auf ihre Art die Dinge sieht, wie sie sie erlebt und was sie dabei fühlt.

„Ich sehe alles wie von sehr weit weg, höre alles durch eine dumpfe Schicht. Ich bin da, aber ich bin nicht da. Trauer ist ein Biest, das dich jederzeit anfallen kann. Mal würgt es dich und raubt dir den Atem, mal pustet es dir Wolken in den Kopf, mal reißt es dir die Gedärme raus, mal tropft es still durch deine Augen, mal liegt es bergschwer auf dir, saugt dir jedes Gefühl aus dem Leib und drückt dich zu Boden, dass du denkst, du kommst nie wieder vom Fleck.“ (S. 395)

Es kommt dabei zu intensiven Schilderungen, berührenden Wortneuschöpfungen und poetischen Umschreibungen, die das Lesen für mich zu etwas Besonderem machten. Gleichzeitig wächst mit fortschreitender Geschichte das ungute Gefühl, dass das alles nicht gut ausgehen kann. Das machte mich neugierig und sorgte neben der gefühlvollen Erzählperspektive dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte.

„Miroloi“ ist ein Roman, der berührt, weil er schmerzlich erkennen lässt,  dass es in manchen Ländern diese Zustände in ähnlicher Form immer noch gibt. Auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 war leider kein Platz für dieses Buch mehr frei, aber es konnte mich dennoch begeistern und gehört für mich zu den Highlights in diesem Jahr.

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Karen Köhler
Miroloi
Fester Einband, 464 Seiten
ISBN: 978-3-446-26171-6
Preis: € 24,00 [D], € 24,70 [A]
Verlag: Hanser
Erschienen:  19. August 2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

#bücherschrankschatz – September 2019

#bücherschrankschatzViele öffentliche Bücherschränke werden ja bereits liebevoll bestückt und gepflegt, aber andere können ein wenig Unterstützung brauchen und da soll die Mitmachaktion #bücherschrankschatz einfach ein wenig helfen. -> Mach doch auch mit!



In diesem Bücherschrank ist einiges los. Als ich vor kurzem dort war, hatte ihn jemand mit eigenartigen Arbeitsheften vollgestopft, in denen sich alles um biblische Inhalte drehte. Für mich fühlte sich das nach Bücherschrankmissbrauch an: Altpapierentsorgung oder inflationäre religiöse Werbung. Und doch verharrte ich wieder nur in der Rolle des stillen Beobachters – ohne Verantwortung zu übernehmen und auszusortieren, wonach mir eigentlich der Sinn gestanden hätte.

Wenige Wochen später ist keine dieser Schriften mehr vorhanden. Ob sich hier ein Abnehmer oder ein Wegwerfer gefunden hat, weiß ich natürlich nicht. Dieses Mal sind hier drei Mädchen im Grundschulalter aktiv. Sie lesen einige der Buchtitel vor und stecken sie mit gespielter Begeisterung in ihre Taschen. Glücklicherweise waren die Thriller meist in den oberen Regalen und somit außerhalb ihrer Reichweite. Ein Mädchen fragte mich noch, ob es wirklich so sei, dass man sich einfach so Bücher mitnehmen könne. Ich bejahte dies und empfahl ihnen doch ein anderes Mal einfach nochmal vorbei zu schauen. Denn leider war Kinder- und Jugendliteratur an dem Tag überhaupt nicht vorhanden und so war in ihren Taschen nichts gelandet, was auch nur annähernd für sie geeignet gewesen wäre. Ich versuchte noch freundlich zu erklären, dass man nur die Bücher mitnimmt, die man auch tatsächlich lesen möchte, aber ob das wirklich bei den aufgedreht spielenden Mädchen angekommen ist, weiß ich natürlich nicht.

Es tat mir schon ein wenig leid, dass auch mein mitgebrachtes Buch nicht kindertauglich ist – zu gerne hätte ich es unterstützt, den Kindern das lesen schmackhaft zu machen. Stattdessen überließ ich dem Bücherschrank ein Buch über die Reise einer Frau in die Welt der Aborigines:

2019_09_#bücherschrankschatz

Was eine seltene Ehre ist, kostet die amerikanische Ärztin Marlo Morgan zunächst viel Kraft und Überwindung: eine dreimonatige rituelle Wanderung durch den australischen Busch als Gast der Aborigines. Doch im Laufe der strapaziösen Tour erfährt sie eine ungeheure emotionale Bereicherung und spirituelle Wandlung.

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Marlo Morgan
Traumfänger
Aus dem Amerikanischen von Anne Rademacher
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-442-43740-5
Preis:  9,99 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] CHF 14,50 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Goldmann
Erschienen am 01.01.1998

Wie sieht der öffentliche Bücherschrank bei euch aus? Kennt oder unterstützt ihr bereits einen öffentlichen Bücherschrank und wenn ja, welches gute Buch stellt ihr im September dort unter? Hättet ihr die Kinder weggejagt und ihnen das spielen mit den Büchern verboten?

Das 5-Minuten-Trampolin-Training – Manuel Eckardt

Die ersten Erfahrungen mit dem Trampolin machte ich seinerzeit beim Schulsport und konnte mich mit dem Sportgerät damals nicht so recht anfreunden. Immer diente es als Hilfsmittel um irgendwelche Hindernisse zu überspringen oder mit ordentlichem Schwung und einer Rolle in der Luft in der dicken blauen Sportmatte zu landen. Ich mochte das alles nicht und fand es einfach nur überflüssig – wie Sport überhaupt und Schulsport im Speziellen. Selbst das von anderen Mitschülern so bejubelte große Trampolin konnte mich damals nicht in Begeisterung versetzen. Meine Meinung bezüglich sportlicher Betätigung hat sich im Laufe der Jahre zwar geändert, aber es erstaunt mich dennoch, dass ich mit nunmehr fast 52 Jahren seit kurzem Besitzerin eines Mini-Trampolins mit türkisfarbenen Gummi-Seilringen bin.

Schuld daran ist das Online-Fitness-Portal purlife, bei dem ich seit über 3 Jahren angemeldet bin. Immer mal wieder habe ich auch neugierig in die Trampolin-Videos geschaut und mich gefragt, wie es sich wohl anfühlt auf diesen Geräten zu trainieren. Leicht und beschwingt sieht das Training aus, mehr nach Spaß als nach schweißtreibendem Sport. Gerne hätte ich so ein Trampolin-Training probeweise mal mitgemacht, aber der Weg nach Weilburg zu dem Purlife-Offline-Fitness-Studio ist mir einfach zu weit und der Kauf eines bellicons, also der Trampolin-Hausmarke, das man sich nach eigenen Wünschen zusammenstellen und nach Hause liefern lassen kann, übersteigt einfach mein Budget. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell. Abends beim Einkaufen sah ich im blau-gelben Diskounter das Mini-Trampolin mit den türkisfarbenen Gummi-Seilringen und entschied am nächsten Morgen, dass ich die etwa 60 Euro investieren und es unbedingt haben möchte will. Es hat übrigens mehr als knapp und auch nur ohne Karton ins Auto gepasst, worüber wir nicht nachgedacht hatten, nicht mal als wir das sperrige Ding zu zweit durch das halbe Geschäft buchsierten.

Zu Hause waren jedoch schon bald die Stahlbeine angeschraubt und ich machte die ersten Hüpfer auf meiner Neuerwerbung. Den beigefügten T-Griff brachte ich jedoch nicht an, weil ich die Extremsprünge, wie sie auch auf beiliegender DVD gezeigt werden, keinesfalls machen wollte. Aber ich fühlte mich anfangs noch sehr unsicher und hätte mir etwas zum festhalten gewünscht. Doch für das purlife-Training ist kein T-Griff notwendig und allein um dieses Training ging es mir ja glücklicherweise. Denn das, was auf der DVD gezeigt wird, die zum Trampolin gehört, ist langweilig und sorgt vermutlich dafür, dass viele Mini-Trampoline nach kurzer Begeisterung verstauben oder wieder verkauft werden. Enthusiastisch machte ich mein erstes Trampolin-Videotraining aus der Sammlung „purBounce Einsteiger“. Wackelig und unsicher war ich, selten im Rhythmus und am Ende ziemlich aus der Puste. So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber immerhin war ich nicht abgeneigt und machte auch an den folgenden Tagen weiter. Dabei wuchs jedoch mein Bedürfnis, mehr über diese Sportart erfahren zu wollen. Also kaufte ich mir das „Das 5-Minuten-Trampolin-Training“, das Buch von purlife Geschäftsführer und Fitnesstrainer Manuel Eckardt.

32_Das 5-Minuten-Trampolin-Training

In der schon von den Online-Gesundheits-Seminaren gewohnten Manier vermittelt der Autor alles Wissenswerte rund um das Mini-Trampolin – auch hier im Speziellen das der Firma bellicon. Dabei geht er nicht nur auf die „Dos and Don’ts“ ein, sondern erklärt auch ausführlich wie sich das Schwingen auf dem Trampolin positiv auf den gesamten Körper und das Wohlbefinden auswirkt. So erfährt man etwas über die Funktionsweise der Zellen und des Herz-Kreislauf-Systems, die Rolle einer guten Sauerstoffzufuhr und die herausragende Wichtigkeit von Wasser, wie Glückshormone durch das Trampolin in Schwung kommen und sich Verspannungen und Blockaden lösen und sogar die Bandscheiben vom Training profitieren können. Da man jedoch nicht umhin kommt sich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen, wenn man lange gesund und aktiv bleiben möchte, geht Manuel Eckardt in einem gesonderten Kapitel auch auf diesen Aspekt etwas detaillierter ein. Denn auch bei der Nährstoffversorgung kann das Trampolin unterstützend wirken. Alles liest sich gut verständlich und ist sehr interessant, obwohl ich bereits durch die schon angeschauten Online-Ernährungsseminare recht gut informiert bin.

Als ich jedoch endlich im Buch bei dem vierwöchigen Trainingsprogramm ankomme, bin ich irgendwie raus. Die Einleitungen sind zwar gut, die Beschreibungen der Übungen verständlich, aber die zugehörigen Bilder klein und bei manchen sehe ich kaum einen Unterschied zum vorherigen Bild. Das lädt nicht gerade zum nachmachen ein, sondern verursacht bei mir eher einen fragenden Gesichtsausdruck. Gleichzeitig lotst es einen fast automatisch zu der im Buch angegebenen Internetadresse, bei der man sich kostenlos anmelden und die Videos zu dem Trainingsprogramm anschauen oder sogar per App aufs Handy laden kann. Da ich bereits Mitglied bei purlife bin, suche ich mir Online im Portal einfach den passenden Trainingsplan, gleichlautend zum Buchtitel, heraus und starte mit den 5-minütigen Trainingseinheiten. Sie sind so konzipiert, dass man von Woche zu Woche intensiver und mutiger trainiert und in gelegentlichen Seminaren Wissenswertes über Ernährung und das Schwingen mit dem Trampolin erfährt. Genau das, was ich wollte – dazu hätte ich das Buch eigentlich nicht gebraucht und es bietet mir als purlife-Mitglied tatsächlich auch keinen nennenswerten Mehrwert. Darauf hätte ich früher kommen können, bin allerdings auch nicht verärgert, weil das Buch neben Online-Videos und der App lediglich als eine weitere Möglichkeit der Wissensvermittlung dient und auch nicht als mehr oder weniger angepriesen wird, wie ich später entdecke – folglich mein Fehler.

Wer also noch nicht bei purlife angemeldet ist und dort die Übungsvideos für das „5-Minuten-Trampolin-Training“ (und andere) anschauen möchte oder vielleicht lieber den Einstieg ins Trampolin-Training nur mit dem Buch machen möchte, für den könnte es dennoch interessant sein.

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Manuel Eckardt
Das 5-Minuten-Trampolin-Training
Softcover, 160 Seiten
ISBN: 9783899939514
Preis: € 19,99 [D]
Verlag: humboldt
Erschienen:  09. Januar 2017

#bücherschrankschatz – August 2019

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Bei diesem Besuch ist der Bücherschrank noch luftiger und aufgeräumter, als beim letzten Mal. Hier hat eindeutig jemand die Patenschaft übernommen und kümmert sich um die Bestückung. Ich freue mich darüber, dass sich jemand verantwortlich fühlt und diesem Bücherschrank ein wenig unter die Arme greift. Einige der Bücher kenne ich, erinnere mich und begrüße sie fast, wie alte, lange nicht mehr gesehene Bekannte. Aber es sind auch Titel dabei, die ich noch nicht kenne und die mein Interesse wecken. Ich stöbere dort noch eine zeit lang, halte mich aber zurück und finde nach ein wenig Bücherrücken einen Platz für mein mitgebrachtes Buch.

Es handelt sich dabei um einen Roman, dessen Titel mich aufgrund der Schnulzigkeit eigentlich seinerzeit eher abschreckt hat, den ich aber auf eine Empfehlung hin dennoch las. Ich habe es nicht bereut – eine berührende Mutter-Tochter-Enkelin-Geschichte:

2019_08_#bücherschrankschatz

Drei Generationen von Frauen im zwanzigsten Jahrhundert ziehen vor dem inneren Auge des Lesers vorbei, während er das Vermächtnis von Olga an die aus der Enge der Familienzwänge nach Amerika geflohene Enkelin liest: ein Brief-Tagebuch, das schöne und schmerzliche Erinnerungen enthält, Weisheit des Alters, vor allem aber das im Angesicht des Todes ausgesprochene Geständnis der tiefen Liebe zur Enkelin.

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Susanna Tamaro
Geh, wohin dein Herz dich trägt
Aus dem Italienischen von Maja Pflug
Taschenbuch deluxe , 320 Seiten
ISBN: 978-3-257-26120-2
Preis: € (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40 * unverb. Preisempfehlung 
Verlag: Diogenes
Erschienen am 01.08.1998

Wie sieht der öffentliche Bücherschrank bei euch aus? Kennt oder unterstützt ihr bereits einen öffentlichen Bücherschrank und wenn ja, welches gute Buch stellt ihr im Juli dort unter?

#bücherschrankschatz – Juli 2019

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Bei diesem Besuch ist der Bücherschrank luftiger. Entweder hat jemand den Schrank „ausgedünnt“ oder es haben seit meinem letzten Besuch enorm viele Lesewillige etwas für ihren Buchgeschmack gefunden. Ich stelle einige Bücher wieder ordentlich hin und freue mich. Außerdem komme ich mit einer weiteren Bücherfreundin dort ins Gespräch und empfehle ihr einen Roman – zwar nicht meinen mitgebrachten, aber einen, den ich bereits las und von dem ich denke, dass er zu ihrem Buchgeschmack passen könnte. Sie hingegen hat einen Thriller von Jeffrey Deaver dabei, von dem ich immer mal etwas lesen wollte und der mich gleich neugierig macht. Glücklich und zufrieden verlassen wir schließlich jeder mit ‚unserer Beute‘ den Bücherschrank und wünschen uns gegenseitig noch viel Spaß beim Lesen. Immer wieder schön, diese kleinen Buchgespräche.

Dieses Mal hinterlasse ich dem Bücherschrank einen Jugendroman, den ich vor knapp 17 Jahren las und der mir die Welt der Philosophie eröffnete. Bis dahin war ich von dem Thema beinahe unberührt und ließ mich von der Geschichte und dem unterschiedlichen Gedankengut verzaubern.

2019_07_#bücherschrankschatz

Mysteriöse Briefe landen im Briefkasten der 15jährigen Sofie Amundsen in Oslo. Was sollen diese Fragen: »Wer bist du?«, »Was ist ein Mensch?« und »Woher kommt die Welt?«. Sofie ist irritiert. Die Briefe werden ausführlicher und entführen sie in die abenteuerliche und geheimnisvolle Gedankenwelt der großen Philosophen. Ihr unbekannter Briefeschreiber erzählt Sofie die Geschichte Europas, der Antike, des Mittelalters und der Renaissance und dann nimmt die Geschichte eine unglaubliche Wendung.

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Jostein Gaarder
Sofies Welt
Übersetzt von Gabriele Haefs
Taschenbuch, 624 Seiten
ISBN: 978-3-423-62000-0
Preis: EUR 11,95 € [DE], EUR 12,30 € [A]
Verlag: dtv – Reihe Hanser
Erschienen am 01.01.2000

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Unser verrücktes Gehirn – Dean Burnett

„Über Blackouts, Aberglaube, Seekrankheit – wie uns das Gehirn austrickst“ steht außerdem ergänzend zum Titel des Buches angegeben, gleich unter den Kreisen, von denen man beim Anschauen fast selbige in den Augen bekommt, weil uns die optische Täuschung Bewegung vorgaukelt. Der Klappentext verspricht außerdem, dass der Autor, der von Beruf Neurologe an der Cardiff University und nebenbei noch Stand-up-Comedian ist, kompetent, leicht nachvollziehbar und witzig, allgemein vertraute Probleme dadurch erklärt, dass ‚unser verrücktes Gehirn‘ als Steuerungszentrum menschlichen Handelns und Denkens nur bedingt tauglich ist. Ein interessantes Thema, über das ich unbedingt mehr erfahren wollte, auch wenn ich eingangs ein wenig befürchtete, dass dieses Buch zu humorvoll mit den kleineren und größeren Schwächen unseres Gehirns, beziehungsweise unserer Art zu Denken, umgehen und im Klamauk versumpfen könnte. Glücklicherweise war diese Sorge unbegründet, denn der Autor widmet sich dem Thema mit leichtem Augenzwinkern und versteht es hervorragend, mir als neugierigem an Psychologie interessiertem Leser die teils komplizierten wissenschaftlichen Zusammenhänge unterhaltsam und anschaulich zu erklären.

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Zum Inhalt des Buches zitiere ich das kurze Resumée des Autors auf Seite 326:

„Was haben wir bislang über das menschliche Gehirn erfahren? Es wurstelt mit Erinnerungen herum, es lässt sich leicht ins Bockshorn jagen, es erschrickt über harmlose Dinge, es wirkt sich negativ aus auf unsere Ernährungsweise, unseren Schlaf, unsere Bewegung, es redet uns ein, dass wir brillant sind, wenn wir alles andere sind, es gaukelt uns die Hälfte von dem, was wir wahrnehmen, nur vor, es bringt uns dazu, unvernünftige Dinge zu tun, wenn wir erregt sind, es veranlasst uns, unglaublich schnell Freundschaften zu schließen und sie im Nu wieder aufzukündigen. Eine Liste, die beunruhigt. Noch beunruhigender aber ist, dass das Gehirn all dies anstellt, wenn es richtig funktioniert.“

Und so geht Dean Burnett abschließend auf seine ebenso unterhaltsame wie informative Weise auch auf das ein, was den Menschen ereilen kann, wenn es zu einer neurologischen oder geistigen Störung kommt. Er widmet sich Depressionen, Zwangsneurosen, Psychosen sowie den neurologischen Mechanismen, die Alkoholismus und anderen Suchtkrankheiten zugrunde liegen.

Aber ich erfahre im Laufe des Buches auch, dass das Ego eines Menschen seine Erinnerungen verzerren kann, was es mit der Apophänie auf sich hat, warum unser Gehirn schlecht mit Zufälligkeit umgehen kann, dass es auch olfaktorische Halluzinationen gibt, dass wir in allem Gesichter erkennen weil wir Gehirnareale besitzen, die eigens dem Erkennen von Gesichtern dienen, dass wir uns bereits auf neurologischer Ebene darum kümmern, was andere von uns halten und dass die Geringschätzung für Menschen steigt, je geringer die Möglichkeit besteht ihnen zu helfen – vor allem Letzteres muss man erstmal sacken lassen.

„Die Art und Weise, wie das Gehirn die Welt um sich herum wahrnimmt, und was davon es für wichtig genug erachtet, um ihm Aufmerksamkeit zu schenken, verdeutlichen sowohl sein phantastisches Leistungsvermögen als auch seine vielen Unvollkommenheiten.“ (S. 192)

Dean Burnett wählt anschauliche Beispiele und Bilder aus dem Alltagsleben, schreibt witzig, salopp, eloquent und mit (Selbst-)Ironie, ohne dass die wissenschaftliche Seriosität darunter Schaden nähme. Ganz vereinzelt lässt mich eine für mich zu hoch dosierte wissenschaftliche Konzentration des Textes kurz aussteigen, aber das bleibt eher die Ausnahme. Das Staunen und wissbegierige unterhaltsame Lesen überwiegt bei diesem Buch für mich, weshalb ich es jedem Interessierten empfehlen kann.

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Dean Burnett
Unser verrücktes Gehirn
Über Blackouts, Aberglaube, Seekrankheit – wie uns das Gehirn austrickst
Aus dem Englischen von Michael Müller
Original: The Idiot Brain: A Neuroscientist Explains What your Head is really up to, London 2016
Klappenbroschur, 400 Seiten
ISBN: 978-3-570-10294-7
 17,00 [D] inkl. MwSt. | € 17,50 [A] CHF 24,50 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 14.05.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die Känguru-Chroniken – Marc Uwe Kling

Vor einiger Zeit hatte ich das Känguru-Kartenspiel „Halt mal kurz[Werbung] von Marc-Uwe Kling für unsere kleine Spielrunde besorgt und allein beim Anhören der Spielanleitung hatten wir schon viel Freude:

Das Spiel selbst war dann auch tatsächlich witzig, aber ich merkte auch, dass ich noch viel zu wenig über die Känguru-WG wusste und wollte mehr erfahren. Da konnten die „Känguru-Chroniken“ weiterhelfen, die ich als Hörbuch von meiner Tochter schon kurze Zeit später geschenkt bekam und nachfolgend über mehrere Monate hinweg immer mal wieder hörte.

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Oft hörte ich das Buch beim Spazierengehen und war wohl mit meinem meist grinsenden Erscheinungsbild die am besten gelaunte Spaziergängerin im Ort, die sich auch hin und wieder ein Lachen nicht verkneifen konnte. Es überrascht mich nicht, dass Marc-Uwe Kling für die „Känguru-Chroniken“ 2013 den deutschen Hörbuchpreis erhielt. Mir machte es viel Freude zu erfahren, was Marc-Uwe Kling bei seinem Zusammenleben mit dem kommunistischen nirvanabegeisterten Känguru widerfährt. Die Känguru-Chroniken berichten von den Abenteuern und Wortgefechten des Duos. Und so bekommen wir endlich Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit: War das Känguru wirklich beim Vietcong? Und wieso ist es schnapspralinensüchtig? Und wer ist besser: Bud Spencer oder Terence Hill? Klingt albern? Ist es stellenweise auch, aber auch sehr kritisch, politisch und mit viel bösem Humor.

Insgesamt also sehr kurzweilig und meist unterhaltsam. Ich kann empfehlen, sich das Hörbuch anzuhören, anstatt zur Papierversion zu greifen, da man den Kleinkünstler (mitsamt Känguru) so ganz in seinem Element erleben kann. Weitere Teile sind ebenfalls live und ungekürzt erschienen und laden zum Weiterhören ein: „Das Känguru-Manifest“, „Die Känguru-Offenbarung“ und „Die Känguru-Apokryphen“. Ich mache nun jedoch erstmal eine kleine Känguru-Pause, aber auf das Spiel hätte ich schon mal wieder Lust 🙂

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Die Känguru-Chroniken
Marc-Uwe Kling
Sprecher: Marc-Uwe Kling
Spieldauer: 4 Std. und 52 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 01.01.2012
Sprache: Deutsch
Anbieter: HörbucHHamburg HHV GmbH

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 – Neal Shusterman

Zunächst vorab: Bei diesem Hörbuch handelt es sich um den hervorragenden zweiten Teil der aus insgesamt drei Teilen bestehenden Reihe „Scythe“. Die Handlung geht nahtlos weiter, weshalb es sich empfiehlt, diese Jugendbücher in der richtigen Reihenfolge zu hören, bzw. zu lesen. Wer diese Reihe noch nicht kennt, der lese bitte diesen Beitrag nicht mehr weiter, sondern schaue vorab hier nach, um sich nicht zu spoilern.

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Citra lebt als Junior-Scythe bei Scythe Curie und versteht es, ihrer Aufgabe auf ihre ganz eigene unkonventionelle Weise gerecht zu werden. Rowan versucht mit ganz anderen Methoden Einfluss auf die Scythe zu nehmen, stößt allerdings bald an seine Grenzen. Mehr denn je ist das Scythetum im Umbruch und die alte Ordnung gerät zunehmend ins Wanken.

In diesem Teil erhält der Thunderhead eine Stimme und man erfährt vieles über die Beweggründe seines Handelns und Nichthandelns. Aber je mehr man über diesen „Supercomputer mit Bewusstsein“ erfährt, desto mehr kommen einem auch Zweifel an der Unfehlbarkeit dieser die Welt leitenden Instanz. Hatte ich beim Vorgängerbuch noch eher das Gefühl in einer Utopie gelandet zu sein, ist der dystopische Anteil nun unbestritten. Je mehr ich über den Thunderhead erfahre, desto greifbarer wird auch die Gefahr, die von ihm ausgeht.

Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman sein Zukunftsszenario, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter. Es gibt unvorhersehbare Wendungen, aber die Handlung bleibt logisch und unter den geschilderten Bedingungen nachvollziehbar. Das Buch endet auf eine Art, die es mir unmöglich macht, die Fortsetzung nicht erfahren zu wollen. Da der dritte Teil im englischen Original „The Toll“ erst im November 2019 erscheint, werde ich mich leider noch ein wenig länger gedulden müssen, bis das Hörbuch in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird. Aber es wird das Warten wert sein, wenn es ebenso hervorragend wie die beiden Vorgänger mit Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner und Ilka Teichmüller vertont wird. Ich freue mich darauf.

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Scythe – Der Zorn der Gerechten (Scythe 2)
Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner, Ilka Teichmüller
Spieldauer: 14 Std. und 34 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 18.04.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

erLESENer Mai

Im Mai durchdachte ich meine Mutter-Tochter-Rolle, tauchte in amüsante Miniaturwelten ab, verschwurbelten Worte mir die Sinne, frischte ich meinen gestalterischen Kameradurchblick auf, erfuhr endlich die ganze Wahrheit über Harmony Bay und starb fast vor Durst.

Bücherwelten – psychisch und physisch herausaufordernd…

05_erLESENer

Unsere Mütter von Silia Wiebe
Geschichten von komplizierten Mutter-Tochter-Beziehungen, die meist auf ihre ganz spezielle Art liebevoll sein, beziehungsweise werden können. Nicht einfach, aber auch nicht hoffnungslos.

Lifestyle von Frank Kunert
Die Arbeitsweise des Fotografen mit amüsanten Bildern seiner kleinen Welten.

Das Haus aus Stein von Aslı Erdoğan
Ein poetisches Buch mit teilweise beeindruckender Wortwahl, zu dem mir der Zugang fehlte.

Der fotografische Blick von Michael Freeman
Immer noch ein gutes Buch über Bildkomposition und Gestaltung.

Monster 1983 (3. Staffel) von Ivar Leon Menger
Die letzte Staffel der Hörspiel-Trilogie, die für mich insgesamt ein echtes Highlight war.

Dry von Neal und Jarrod Shusterman
Ein packendes Jugendbuch das aufzeigt, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen.