Literatur-Podcasts

podcast-icon-4Hören übers Lesen. Das mache ich gern und immer öfter. Manches höre ich gleich über die jeweilige Website am Computer, anderes höre ich über die kostenlose Version von Spotify, da ich mich immer noch nicht zu einem Abo durchringen konnte. Hier habe ich einige Podcasts aufgelistet. Vielleicht ist ja auch für euch etwas Interessantes dabei:


Die LiteraturagentenDie Literaturagenten: Jeden Sonntag stellen sie die spannendsten Bücher der Woche vor. Auf ganz unterschiedliche Weise. Sie streiten sich über ein Buch, das der eine mag und der andere nicht. Sie sprechen mit Autoren über deren Bücher oder treffen sich mit ihnen an besonderen Orten oder machen sie gleich selbst zu Kritikern. Zum Anhören und zum Download auf der Website.


LesartLesart: Das „Lesart“-Team von Deutschlandfunk-Kultur lässt sich von der Flut der Neuerscheinungen nicht überrollen, sondern reitet die Welle: Romane, Sachbücher oder Kinderbücher, Comics, Klassiker und Kochbücher. Gefunden bei Spotify.

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Next Book PleaseNext Book Please [Werbung] Abendblatt-Redakteur Thomas Andre und Literaturhaus-Chef Rainer Moritz besprechen aktuelle Bestseller. Anhörbar auf der Website und bei Spotify.

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Long Story ShortLong Story Short: Seit dem 23. April 2019 erscheint alle 14 Tage eine neue Folge auf Audio Now, iTunes, Spotify oder Deezer und auf YouTube. 4 Buchtipps in 20 Minuten. Karla Paul & Günter Keil pitchen ihre Lieblingstitel – kurz, prägnant und extrem unterhaltsam. Die Must-Reads der Neuerscheinungen, persönliche Favoriten aus der Backlist und Interviews aus der Literaturbranche! Long Story Short ist eine Kooperation mit der Verlagsgruppe Random House.


Für Audible-Kunden: 51or90vd0eL._SL500_unüberhörbar [Werbung] mit Denis Scheck, der mit Autoren über Sprache und Geschichten, über Bücher und Schriftsteller spricht. Was hören die Autoren am liebsten? Welche Werke bedeuten ihnen die Welt? Gemeinsam streifen Denis Scheck und seine Gäste durch die Bibliotheken und Stimmen ihres Lebens.


Podcast-Cover-Hörgestalten-150x150HörGestalten [Werbung] ist eine Gesprächsreihe, bei der die Sprecher*innen, deren Stimmen uns durch ihre Hörbuch- und Hörspiel-Interpretationen, ihre Kino- und Serien-Synchronisationen so vertraut scheinen, einmal anders zu Wort kommen: Welche (Lebens-)Geschichten haben sie zu erzählen, wenn sie einmal keinen Text vor der Nase haben? Auf welchen verschlungenen Wegen sind sie zu diesem Beruf gekommen? Und gibt es da noch einen Herzensstoff, den sie unbedingt noch interpretieren wollen? Anhörbar auf der Website und bei Spotify.


Und dann gibt es noch die Liste mit den besten Literatur-Podcasts.


Neben meinem Lieblings-Podcast „WELTWACH“, mag ich von den oben genannten besonders gern „HörGestalten“, „Lesart“ und „Die Literaturagenten“.

Hört ihr Podcasts? Welche mögt ihr am liebsten?

Loyalitäten – Delphine de Vigan

Von Delphine de Vigan las ich bereits „Das Lächeln meiner Mutter“ und war auch zutiefst beeindruckt von „Nach einer wahren Geschichte“, das wundervoll mit der Schauspielerin Martina Gedeck als Hörbuch vertont wurde. Beides waren besondere Geschichten, die mir nicht zuletzt durch ihre eindringliche Erzählweise positiv in Erinnerung blieben. So war ich auch neugierig, als ich von Delphine de Vigans neustem Buch „Loyalitäten“ erfuhr, das von einem zwölfjährigen Jungen handelt, der mit seinem Leben überfordert ist und dem Alkohol verfällt. Ich war ein wenig skeptisch, weil diese Geschichte auf nur 176 Seiten erzählt wird, kann aber an dieser Stelle bereits verraten, dass diese Bedenken unbegründet waren.

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Gleich mit den ersten Sätzen ist man inmitten dieser Geschichte und erfährt, wie die Lehrerin Hélène Veränderungen an ihrem zwölfjährigen Schüler Théo wahrnimmt. Und auch die Mutter seines besten Freundes, die wir ebenfalls aus der Ich-Perspektive erleben, beobachtet ihn mit Misstrauen. Théo und Mathis hingegen begegnen wir durch einen allwissenden Erzähler, der sehr tiefe Einblicke in die Charaktere und die Lebensumstände gewährt und einen gleichzeitig in die Rolle des erwachsenen Beobachters versetzt. In kurzen Kapiteln, die einen nicht mehr los lassen, eröffnet sich nach und nach das ganze Ausmaß der Tragödie:

„Eines Tages möchte er gern das Bewusstsein verlieren, völlig. Sich für ein paar Stunden oder für immer in das dicke Gewebe der Trunkenheit fallen, sich davon bedecken, begraben lassen, er weiß, das so etwas vorkommt.“ (S. 14)

Beim Lesen fühlt man mit, kann nachvollziehen, verurteilt einerseits, verurteilt andererseits aber auch nicht. Die Beziehungen und Verstrickungen sind komplex und keinesfalls einfach, aber auch nicht ungewöhnlich und fast schon gefährlich nah an der möglichen Realität, von der man jedoch ahnt, dass sie das ein oder andere Kind bereits eingeholt hat. Das macht traurig und wütend. Dabei möchte man eigentlich eher Aufschreien und den Protagonisten bei der Hand nehmen, um ihn aus seinem Loyalitätskäfig herauszureißen und in die Freiheit zu führen.

„Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet. Heute weiß ich etwas, das andere nicht wissen. Und ich darf die Augen vor nichts verschließen.“ (S. 134)

Das Buch baut eine Spannung auf, die sich nicht mit dem Ende entlädt, sondern mich nach der letzten Seite zurückblättern ließ, weil ich mich über den Ausgang der Geschichte vergewissern musste. Und nach dem Zuklappen des Buches war diese Geschichte noch nicht zuende, sondern fing eigentlich erst an – aber dieses Mal nur in meinem Kopf, wo sie noch lange nachwirkte. Ein bewegendes Buch, das ich sehr empfehlen kann.

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Delphine de Vigan
Loyalitäten
Roman
Aus dem Französischen von Doris Heinemann
Originalverlag: J C Lattès, 2018, Originaltitel: ›Les loyautés‹
gebunden mit Lesebändchen, 176 Seiten
ISBN: 978-3-8321-8359-2
Preis: 20,00 €
Verlag: Dumont
Erschienen:  17.09.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.