Die Welt auf dem Teller . Inspirationen aus der Küche – Doris Dörrie

In diesem Jahr habe ich mich oft von Doris Dörrie inspirieren lassen. Zuerst durch ihr Buch „Leben, schreiben, atmen„, das zum Erinnern und zum anschließenden autobiografischen Schreiben einlädt, dann machte ich bei ihrem Workshop „Schreiben hilft! Dir auch?“ bei der Bürgerakademie mit und folgte ihr und ihren täglichen Schreibeinladungen #morningpages bei Instagram. Es war ein wenig so, als hätte ich mit Doris Dörrie und ihren Schreibeinladungen etwas, beziehungsweise jemanden gefunden, von dem ich nicht gewusst habe, dass ich sie gesucht habe. Dadurch, dass sie viele ihrer Erinnerungen sehr authentisch und sympathisch mit ihren Leserinnen und Lesern und somit natürlich auch mit mir teilt, hatte ich irgendwann das Gefühl sie sehr gut zu kennen. Als ich nun ihr neues Buch in Händen hielt, war es wieder ein wenig so, als nehme man in gemütlicher Atmosphäre gegenüber einer guten Freundin platz um sich von ihr ein wenig über Vergangenes erzählen zu lassen.

Das Buch fühlt sich an, als setze sie ihre Erinnerungen aus „Leben, schreiben, atmen“ themenbezogen fort. Sie erzählt von Reisen, wird manchmal philosophisch, geht zurück bis in ihre Kindheit, offenbart Geschichten zum Schmunzeln oder hat Nachdenkliches parat. Es ist ein wenig wie Nachhause kommen, nur dass sich in „Die Welt auf dem Teller“ alles um das Kochen, das Essen und die kulinarischen Genüsse dreht. Rezepte findet man in diesem Buch nicht, dafür aber eine Doris Dörrie, die sich erinnert und über das Essen schreibt, als umarme sie die Welt. Es geht um knusprige Brotkrusten, Eier von glücklichen Hühnern, familiäres Miteinander bei spanischer Paella, Innehalten bei grünem Tee mit japanischen Reisbällchen und Kindheitserinnerungen an Melonen-Momente. Essen und Kochen sind für sie Inbegriff von Lebensfreude und Genuss, Grund zur Dankbarkeit und Eigenverantwortung und ein Weg zum besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, die uns umgibt. Neben den Wohlfühlmomenten gibt es auch kritische Gedanken in dem Buch, aber sie kommen nicht zu dogmatisch daher. Sie sind vielmehr ein Angebot, über manches außerhalb dieses Buches nochmal genauer nachzudenken.

Doris Dörries Exkursionen in die Welt der kulinarischen Genüsse sind nicht nur kurzweilig, sondern tatsächlich auch kurz und erstrecken sich selten über mehr als zwei bis drei Buchseiten. Die optische Gestaltung ist luftig und erlaubt Leerräume, aber auch eine Vielzahl leicht abstrahierter Illustrationen von Zenji Funabashi, denen meist Obst und Gemüse als Vorbild Pate stand. Das macht dieses knapp 200 Seiten umfassende und mit einem goldgelben Lesebändchen ausgestattete Büchlein zu einem Werk, das sich inhaltlich und optisch liebevoll gestaltet präsentiert. Sicherlich ein schönes Geschenk für jemanden, den man mittels dieses Buches dazu anregen möchte, selbst in kulinarischen Erinnerungen zu schwelgen. Denn es sind nicht so sehr die Geschichten dieses Buches, die einem im Gedächtnis bleiben, sondern vielmehr die Wohlfühlatmosphäre, die es zeitweise beim Lesen auslöst. Stellenweise ist dies ein Genuss, aber manchmal sind es leider auch nur eher hastig verschlungene Probierhäppchen, die einen aufgrund der Kürze der Texte nicht so richtig satt machen und mit einem leichten Hunger nach mehr zurücklassen.

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Doris Dörrie
Die Welt auf dem Teller
Inspirationen aus der Küche
Hardcover Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 208 Seiten
ISBN: 978-3-257-07051-4
Preis: € (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Diogenes
Erschienen: 26.08.2020

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Ein deutsches Klassenzimmer – Jan Kammann

Jan Kammann (geboren 1971) unterrichtet Englisch und Erdkunde in einer internationalen Vorbereitungsklasse in Hamburg. Er will mehr über die Herkunft seiner Schüler erfahren, die aus Kulturen und Lebenswelten kommen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Englischunterricht fordert er seine Klasse 10 d auf, ihm Reiseführer für ihre Heimatländer inklusive einem kleinen Sprachführer zu erstellen. Doch diese sind nicht nur als Übung für den Unterricht gedacht, sondern sie sollen ihm tatsächlich auch beim Kennenlernen von 14 Heimatländern seiner Schüler behilflich sein, die er während seines Sabbatjahrs 2016 bereist.

39_Ein deutsches Klassenzimmer

Er erlebt den Alltag in Kuba, Nicaragua und Kolumbien, Südkorea, China, Russland, im Kosovo, in Albanien, Armenien, Iran und Ghana und erzählt in „Ein deutsches Klassenzimmer“ vom Lehrer sein heute und von der Welt, in der er selbst ein Jahr lang wieder zum Schüler wird. Da er sich teilweise bemüht auch ein wenig von der jeweiligen Landesprache zu lernen, bekommt er ein neues Verständnis von den Sprachproblemen, die seine Schüler in Deutschland zu überwinden haben. Auch lernt er durch die verschiedenen Länder besser die Eigenheiten und die Vergangenheit seiner Schüler zu verstehen.

Glücklicherweise reist er meist unkonventionell und trifft auf seinen Reisen mit vielen interessanten Menschen zusammen. Es macht Freude von diesen Begegnungen zu lesen und auch als Leser bekommt man einen kleinen Einblick in unterschiedliche Lebensweisen und Problematiken in den Ländern. Bei einem Kapitel fühlte ich mich zwar ein wenig wie auf der Schulbank eines trocken unterrichtenden Erdkunde-Lehrers, aber das blieb doch eher die Ausnahme. Schreibstil und Wortwahl sind ansonsten eher locker und unterhaltsam.

Ein ums andere Mal wurde es mir jedoch zu pathetisch, ja sogar unerträglich, wenn der Autor sein Wort direkt an das jeweilige Land „Ach, Iran….“ oder eine Stadt „Oh, Nowosibirsk…“ richtet, weil er sich dieses oder jenes wünscht. Glücklicherweise macht er es nach dem Kapitel über den Iran jedoch nicht mehr allzu häufig, da ich sonst das Buch vermutlich abgebrochen hätte. Auch fand ich teilweise die Vorurteile, die Jan Kammann im Gepäck hatte, erschreckend, war jedoch einigermaßen beruhigt, dass er diese durch seine Reisen abbauen konnte.

Beim Aufklappen des Buches findet man vorne eine skizzierte Weltkarte mit seinen Reisezielen und hinten einige Fotos von den Reiseführern der Schüler. In der Mitte des Buches ist ein 24 Seiten umfassender Bildteil mit zahlreichen Fotografien und Bildbeschreibungen – eine bereichernde Ergänzung des Buches, das einen Einblick in die Vielfalt in manchen deutschen Klassenzimmern gibt und von der Unterschiedlichkeit der Kulturen berichtet, die es kennen zulernen gilt, wenn man sie besser verstehen möchte. Ich denke, Jan Kammann hat sein Sabbatjahr auf die bestmögliche Weise investiert und könnte mir vorstellen, dass dies auch seinen Schülern zugute kommt.

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Jan Kammann
Ein deutsches Klassenzimmer
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-89029-500-8
€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen: 04.09.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober reiste ich mit dem Mountainbike von den Victoria-Fällen bis Kapstadt, erfuhr wie Tetje Mierendorf sich halbierte und konnte dank meiner Detox-Zimmerpflanzen tief durchatmen.

Bücherwelten – mitreißend informativ und manchmal auch nur ganz nett.

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Wüstenblues von Gerhard von Kapff 
Ein Buch, das mich derart mitreißen konnte, dass ich mich am liebsten gleich auf den Weg gemacht hätte, um der Spur des Autors von Sambia über Botswana und Namibia bis nach Kapstadt mit dem Moutainbike zu folgen. Ein echtes Highlight!

Halbfettzeit von Tetje Mierendorf 
Ich las gerne über seine Erfahrungen, konnte einiges nachvollziehen, fand anderes interessant und durchaus wert, darüber nachzudenken. Leider predigt er von dem besseren Leben als schlanker Mensch und wendet sich direkt an den Leser, dem er sagt, was er zu tun und zu lassen hat, was schnell nervig wird.

Saubere Luft mit Zimmerpflanzen von Ursula Kopp
Ein kompaktes Handbuch, in dem die wichtigsten Informationen zu den handelsüblichen ‚raumreinigenden‘ Zimmerpflanzen in gut verständlicher Form enthalten sind. Eher für Anfänger empfehlenswert.

umgeBUCHt Beiwerk: Lieblingsfarbe ;-)

BUCHweltreisebericht Juni + 3.Quartal 2018

testDas Ziel der BUCHweltreise ist es, über möglichst viele Länder der Welt Bücher zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden (jederzeit möglich) kann man HIER.

Zunächst ein kleiner Rückblick: Im Monat Mai las sich Myriade für die  BUCHweltreise nach Saudi Arabien und nach Trinidad. Genaueres erfahrt ihr hier. Wer mehr möchte, der kann sich auch alle bisherigen Reiseberichte anschauen.

Bei mir und auch einigen anderen Lesereisenden geriet die BUCHweltreise ein wenig ins Stocken. Da von vornherein feststand, dass jeder entspannt in seinem eigenen Tempo reisen sollte, ist das auch gar kein Problem. Manchmal sieht das Leben oder auch die Leselaune anderes für einen vor und dann muss halt die BUCHweltreise einfach warten. Ich habe noch viele passende Bücher in meinem Regal und auch meine Bücherwunschliste hat noch genug zu bieten, so dass ich auch in den nächsten Jahren lesetechnisch in der Welt unterwegs sein kann.

Einzig der monatliche BUCHweltreisebericht lohnt sich derzeit nicht so richtig, weshalb ich diesen künftig nur noch quartalsweise erstellen und veröffentlichen möchte. Ich hoffe, das findet eure Zustimmung? Oder möchtet ihr vielleicht sogar lieber von diesem Projekt losgekoppelt weiterreisen, sodass der BUCHweltreisebericht künftig ganz entfallen könnte und jeder für sich allein entscheidet, ob er etwas in der Art auf seinem Blog veröffentlichen möchte? Ich bin offen für eure Vorschläge, habe aber zunächst alles in gewohnter Weise vorbereitet 🙂


BUCHweltreisebericht Juni + 3.Quartal 2018:

Mexico.svg 05.06.2018: Mexiko: Stefan (querdurchdenalltag.com) mit
Born to Run – Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt von Christopher McDougall

flag_of_switzerland_within_2to3-svg06.06.2018: Schweiz: Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) mit Alle Farben des Schnees von Angelika Overath

Poland.svg 11.06.2018: Polen: Daniela (Livricieux) mit
Der Boxer von Szczepan Twardoch

28px-Flag_of_North_Korea.svg 30.06.2018: Nordkorea: Yvonne (umgeBUCHt) mit
Unterwegs in Nordkorea von Rüdiger Frank

28px-Flag_of_North_Korea.svg 05.07.2018: Nordkorea: Stefan (querdurchdenalltag.com) mit
Flucht aus Lager 14 von Blaine Harden

Maldives.svg 21.07.2018: Malediven: Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) mit Jenseits aller Grenzen von Erich Follath

Iceland.svg 03.08.2018: Island: Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) mit Tödliche Intrige von Arnaldur Indridason

Flag_of_Denmark.svg 04.08.2018: Dänemark: Stefan (querdurchdenalltag.com) mit
Das falsche Gesicht von Anna Grue

flag_of_the_united_states-svg 30.08.2018: USA: Daniela (Livricieux) mit
Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara

Flag_of_Russia.svg 12.09.2018: Russland: Veronika (vro jongliert) mit
Katharina von Nina Blazon

28px-Flag_of_the_Czech_Republic.svg 13.09.2018: Tschechien: Stefan (querdurchdenalltag.com) mit
Die schwarze Dame von Andreas Gruber

umgeBUCHt Beiwerk: Zuletzt gekauft

BUCHweltreise: Nordkorea

testDas Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden kann man HIER.

Gerade erst beendet habe ich das Buch „Schwarze Magnolie“ von Hyeonseo Lee, in dem die Autorin ihre Flucht aus Nordkorea beschreibt. Dieses Buch ist nicht nur spannend geschrieben, sondern man erfährt vieles über Nordkorea, über die Menschen und ihre Lebensweise, aber auch die Gefahren der Flucht und darüber, wie es ist als Flüchtling plötzlich in einer komplett anderen Welt anzukommen und sich völlig neu orientieren zu müssen. Ein beeindruckendes Buch, das ich sehr empfehlen kann.

Hyeonseo Lee wurde 1980 in Nordkorea geboren und flüchtete 1997 über den gefrorenen Fluss Yalu nach China, wo sie 10 Jahre illegal lebte, bis es ihr gelang nach Südkorea zu fliehen. Dort studierte sie Englisch und Chinesisch und schreibt gerade ein weiteres Buch mit anderen südkoreanischen Nordkoreanern. Außerdem plant sie eine Organisation zu gründen, die vielversprechenden nordkoreanischen Flüchtlingen helfen soll, mit der internationalen Gemeinschaft zu interagieren.

 

Schwarze Magnolie – Hyeonseo Lee

Ihre Kindheit in Nordkorea ist ‚ganz normal‘ – und doch für unsere Begriffe unvorstellbar: Das Leben der 1980 geborenen Hyeonseo Lee und das ihrer Familie gehören dem Staat. Es gelten strenge Regeln, und wer sie nicht befolgt, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Hyeonseo ist sieben Jahre alt, als sie zum ersten mal eine öffentliche Hinrichtung miterlebt. Um wenigstens einmal den Fesseln des Kim-Regimes zu entkommen und kurz die Freiheit zu spüren, schleicht sich Hyeonseo als siebzehnjährige Teenagerin heimlich über die Grenze nach China – aber dann ist ihr der Heimweg versperrt. Zehn Jahre lang schlägt sie sich in China als Illegale durch, muss sich verstecken, nimmt falsche Identitäten an und lebt in ständiger Angst vor Entdeckung und Auslieferung, bevor sie schließlich nach Südkorea gelangt. Doch als sie sich endlich in Sicherheit glaubt und ein neues Leben beginnen möchte, erhält sie einen Notruf ihrer Familie und beschließt, ihre Mutter und ihren Bruder aus Nordkorea herauszuholen.

05_Schwarze Magnolie

Bereits beim aufklappen des Buches findet man eine Karte, auf der neben anderen Flüchtlingsrouten auch die der Autorin und ihrer Familie aufgezeichnet sind. Hier werden einem zwar die Entfernungen und Umwege bewusst, die in Kauf genommen werden müssen um als nordkoreanischer Flüchtling über die Botschaften der verschiedenen Länder nach Südkorea zu gelangen, aber wie beschwerlich und lebensgefährlich dies sein kann, erfährt man erst durch die ausführlichen Schilderungen der Autorin, die hier hautnah und sehr spannend geschrieben von ihren Erlebnissen berichtet.

Sie beginnt ihren Rückblick bei ihrer Kindheit, die für nordkoreanische Verhältnisse ganz normal verläuft und bei der man als Leser einen Einblick davon bekommt, wie das Leben dort funktioniert und was dabei augenscheinlich falsch läuft. Obwohl das Dasein von Widersprüchlichkeit, Denunziation, Angst, Korruption und Hungern geprägt zu sein scheint, hatte ich beim Lesen nicht den Eindruck, dass die Autorin lediglich Missstände anprangert, sondern sie schafft es vielmehr, Verständnis für die ausweglose Lage der Bevölkerung zu wecken. Auch macht das Geschriebene auf mich einen sehr authentischen und mitreißenden Eindruck, so dass ich mitfieberte und mich inmitten eines fesselnden Romans fühlte. Doch die Gewissheit, dass es sich hierbei um tatsächlich geschehene Ereignisse handelt und die in der Mitte des Buches wie zum Beweis abgedruckten Fotografien, holten mich aus dem Unterhaltungsmodus heraus und führten mir die Bedrohung und das Menschenverachtende in Hyeonseo Lee’s Leben und das des größten Teils nordkoreanischen Bevölkerung vor Augen. Ein ums andere Mal fragte ich mich betroffen und zugegebenermaßen naiv, wie das in unserer heutigen Zeit möglich sein kann und war schockiert von den zahlreichen Schmiergeldern, die geleistet werden mussten, um den Flüchtlingen ein Fortkommen oder gar ein Überleben mit falschen Pässen zu ermöglichen. Dem  starken Willen, dem Durchhaltevermögen, dem Einfallsreichtum und nicht zuletzt einer großen Portion Glück ist es zu verdanken, dass Hyeonseo Lee und später auch ihrer Familie die Flucht geglückt ist. Doch auch das Umdenken und die Neuorientierung in Südkorea ist für die Nordkoreaner nicht einfach. Hierzu gewährt die Autorin dem Leser ebenfalls interessante Einblicke und liefert insgesamt viel Stoff zum Nachdenken. Auch nach Beendigung des Buches lässt mich das Thema nicht los und ich finde online noch einiges Lesens- und Sehenswertes.

Einzig der deutsche Titel dieses Buches will mir nicht gefallen und scheint willkürlich gewählt. Der Originaltitel „The Girl with seven names“ fühlt sich für mich stimmiger an und lässt erahnen, wie verschlungen und zwielichtig der Fluchtweg der Autorin war. Ansonsten kann ich aber diese spannende, berührende und gefühlvolle Geschichte einer außergewöhnlichen Frau und ihrem langen beschwerlichen Weg in die Freiheit uneingeschränkt empfehlen. „Schwarze Magnolie“ ist ein Buch, das mich tief beeindruckt hat und für mich ein echtes Lesehighlight ist.

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Hyeonseo Lee (mit David John)
Schwarze Magnolie
Wie ich aus Nordkorea entkam – Ein Bericht aus der Hölle
Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schmalen, Merle Taeger, Katharina Uhlig 
Originaltitel: The Girl with Seven Names – A North Korean Defector’s Story
Originalverlag: Heyne HC
Bearbeitet von Ute Daenschel 
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten, mit Bildteil
ISBN: 978-3-453-60433-9
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen:  10.07.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Ein denkendes Herz – Susanna Tamaro

Vor einigen Jahren las ich von Susanna Tamaro „Geh wohin dein Herz dich trägt“ – ein bewegendes, gefühlvolles und weises Buch über 3 Generationen von Frauen, das ich zu den besonderen Schätzen meines Bücherregals zähle. Als ich in diesem Jahr auf „Ein denkendes Herz“ stieß, das laut Klappentext ein inspirierendes und persönliches Tagebuch sein soll, das die Augen für die verborgene Schönheit der Welt öffnet, machte es mich neugierig und ich war gespannt darauf, was die Autorin über sich zu erzählen hatte.

58_Ein denkendes Herz

An die Art der Veröffentlichung hatte ich keine besonderen Erwartungen und war doch überrascht über die Kürze der abgedruckten Beiträge. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt: „Flugversuche“, „Der unwägbare Teil“ und „Der Leuchtturm in der Nacht“. Diese enthalten kurze, meist ein bis zwei Buchseiten füllende, mit eigenen Überschriften versehene Texte, die sich mit dem Erleben, Fühlen und Denken der Autorin befassen. Dennoch ist es kein Buch, das sich aufgrund der kurzen Kapitel schnell weglesen lässt, dazu ist es zu deprimierend. Aber es ist auch kein Buch, in dessen Thematik ich mich einfinden oder einer Lebensgeschichte folgen konnte, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen ließe, dazu waren die Kapitel zu kurz, die Texte zu wenig zusammenhängend.

Susanna Tamaro schildert mal unmissverständlich und mal in bildhafter, fast poetischer Sprache, was sie in ihrer Kindheit oder später als Erwachsene beschäftigte und wie ihre Gedankenwelt geprägt war, beziehungsweise ist. Es ist nicht angenehm, an ihrer düsteren negativ gefärbten Welt teilzuhaben, von der sie sich jedoch meist recht schnell abwendet um gefühlt mit erhobenem Zeigefinger auf das Schlechte im Menschen und der Gesellschaft hinzuweisen. Im Klappentext steht als Beschreibung, dass sie nach dem Wesen des Menschen und nach dem Ursprung der Dinge sucht. Ich hatte eher das Gefühl, dass sie ihre Suche längst beendet hat und den Leser nun mit ihren gefundenen „Wahrheiten“ bekehren möchte.

Immer wieder ist die Ich-Perspektive schnell vergessen und sie geht zum „Wir“ über, um in beinahe belehrender Form das Übel der Welt anzuprangern. Aus diesem „Wir“ bin ich jedoch in vielen Punkten bereits vor Jahren herausgewachsen, so dass ich diesen Verallgemeinerungen nicht nur nichts abgewinnen konnte, sondern sie sogar als störend empfand. Oft hatte ich beim lesen den Eindruck, dass zwischen den Zeilen eine tiefe Verbitterung der Autorin herauszulesen ist, die ihrerseits nur anklagt, anstatt zu verändern, zumindest ist es nicht ersichtlich, ob sie bei sich oder ihrer Umwelt Änderungen bewirkt. Im letzten Teil des Buches beschäftigt sich Susanna Tamaro schließlich überwiegend mit Glaubensfragen und scheint trotz aller Zerrissenheit in der Religion einige Antworten für sich gefunden zu haben. Das gestehe ich jedem zu und habe eigentlich auch kein Problem damit, hier rundete sich jedoch mein Eindruck von dem predigenden Grundton des Buches ab, der mich überhaupt nicht begeistern konnte.

„Geh, wohin dein Herz dich trägt“ wird ein Kleinod in meinem Bücherregal bleiben, das ich gern beizeiten nochmal lesen möchte. „Ein denkendes Herz“ hingegen konnte mir die Autorin nicht näher bringen, wusste keine für mich interessante Lebensgeschichte zu erzählen und ließ mich auch keinen bemerkenswerten Gedankengängen folgen. Ich konnte zu diesem Buch keinen Zugang finden, weshalb ich es leider nicht empfehlen kann.

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Susanna Tamaro
Ein denkendes Herz
Übersetzt von Barbara Kleiner
Hardcover mit Schutzumschlag, 192 Seiten
ISBN: 978-3-492-05761-5
€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Verlag: Piper
Erschienen: 01.08.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Ein Jahr in Frankreich – Birgit Kaspar

„Eigentlich hätte es schon lange Frankreich sein sollen. Doch dann kam der Nahe Osten dazwischen. Heute weiß ich: Alles hat seine Zeit.“ (S. 7)

Von Beirut nach Belloc – Die deutsche Journalistin Birgit Kaspar, geboren 1963 in Köln, ist nach mehr als zehn Jahren Nahostberichterstattung nach Europa zurückgekehrt. Seit August 2011 lebt sie nahe Toulouse in Südwestfrankreich, zwischen Atlantik, Mittelmeer und Pyrenäen und genießt dort die neuen Herausforderungen in „la France profonde“.

54_Ein Jahr in Frankreich

In „Ein Jahr in Frankreich“ schreibt Birgit Kaspar auf amüsante und unterhaltsame Weise über ihr erstes Jahr in ihrer neuen Wahlheimat, dem kleinen französischen Dorf Belloc, und führt den Leser durch 12 Kapitel, die den Monaten ihres ersten Jahres entsprechen. Dabei erzählt die sympathische und aufgeschlossene Journalistin von kleineren und größeren Unwegsamkeiten, von Kuriositäten und Eigenheiten von Land und Leuten. Teilweise ist sie mit oder ohne ihren Mann aus beruflichen oder privaten Gründen auch in verschiedenen Gebieten Frankreichs unterwegs, so dass man einen kleinen Eindruck über die Vielfältigkeit dieses Landes bekommen kann. So erkundet sie unter anderem die Hauptstadt des Parfums, fliegt aus der Provinz nach Paris um schnell wieder in die Provinz zurückzukehren, beobachtet am Montblanc die Gletscherschmelze und erfährt auf Korsika Neues über das Streben nach Eigenständigkeit der Insel.

Sie behält zum Teil französische Begriffe und kurze Redewendungen bei und erzeugt dadurch beim Lesen eine besondere Atmosphäre. Mein eingerostetes Schulfranzösisch reichte aus, um vieles zu verstehen, aber die Autorin verknüpft die französische Sprache mit der deutschen so geschickt, dass unbekannte Vokabeln sich im Text selbst erklären ohne dass es stumpf übersetzt wirkt. Durch diese Verquickung der Sprachen ergibt sich im Kopf eine besondere Lesemelodie, die einen noch ein wenig mehr nach Frankreich versetzt und dafür sorgt, dass man sich am liebsten gleich auf den Weg machen möchte, um dieses Land auf eigene Faust zu erkunden. Auch wächst einem beim Lesen nicht nur das Land sondern auch die sympathische Journalistin ans Herz, die von sich sagt:

„Vermutlich werde ich immer l’Allemande bleiben. Aber eine Fremde, mit der man befreundet sein kann, die man respektiert. Weil auch sie die Bellocois mit ihren Eigenheiten, Traditionen und Bräuchen achtet. Jedenfalls wünsche ich mir das.“ (S. 177)

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Birgit Kaspar
Ein Jahr in Frankreich
Flexcover, 192 Seiten
ISBN: 978-3-451-06897-3
€ (D) 16,00
Verlag: Herder Verlag
Erschienen: 18.08.2017


testMit diesem Buch ging es für mich literarisch nach Frankreich. Das Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen.  HIER kann man sich die Liste der Mitreisenden und ihre bisherigen Reiseziele ansehen oder sich anmelden und mitmachen.