Foto der Woche – 14/2021

Wenn ich nur ein bisschen Fantasie hätte, würde ich einen ganz wichtigen Gesichtsausdruck aufsetzen und behaupten, dass es sich bei dem abgebildeten Tier um eine doppelt federrümpfige Wald- und Wiesenflugerpelin handelt – eine bislang noch unentdeckte Vogelart aus den niederrheinischen Urwäldern.

Aber ehrlicherweise steht das Foto der Woche stellvertretend für die vielen Bilder, die ich in dieser Woche gemacht habe, um Bewegung mit kurzer und kürzester Verschlusszeit einzufrieren – ganz so, wie es das Projekt 52Frames vorsieht. Als mögliches Motiv hatte ich die Vögel auserkoren, die so zahlreich auf unserem Balkon erscheinen um sich an der Futterstation zu bedienen. Entstanden sind viele „Zu-Bilder“ – zu dunkel, zu unscharf, unZUreichend.

Zähneknirschend habe ich zwar ein Foto gefunden, das zur Erfüllung der Wochenaufgabe taugt, aber ich habe auch gemerkt, dass mir das Langsame eher im Blut liegt. Für die Langzeitbelichtung bin ich besser ausgerüstet als für die kurzen Verschlusszeiten, die es hell und offenblendiger brauchen, als meine Objektive es zu leisten bereit sind. Auch mag ich Slowfood insgesamt lieber als Fastfood, gehe lieber gemäßigten Schrittes spazieren um die Natur zu genießen und lasse es mir gerne gefallen, wenn mir auf dem Balkon die warme Frühlingssonne beim Lesen auf Haut und Buch scheint. Zumindest Letzteres funktionierte in dieser Woche oftmals grandios.

Foto der Woche – 12/2021

Eigentlich hatte ich nur nach einem Motiv gesucht, bei dem das Licht und das Fenster eine Rolle spielten, ganz so wie es die Wochenaufgabe für 52Frames forderte. Aber irgendwie ist in dieser gefühlsmäßig sehr anstrengenden Woche mehr daraus geworden: Eine Abbildung des Trümmerkäfigs, der durch das vergitterte Fenster Schöneres erblicken lässt, der einen jedoch durch Beschränkungen und Notbremsen gefangen hält.

Als Fotografierende weiß ich, dass ich mich nur umdrehen muss, damit sich mir ein völlig anderes Bild bietet. Ich wünschte, das Leben wäre manchmal auch so einfach.

Foto der Woche – 09/2021

Das Wetter war einfach herrlich und ich war ein wenig berauscht von den zahlreichen Krokussen und Maiglöckchen, die wir beim Waldspaziergang entdecken konnten. Für das Fotoprojekt 52Frames ging es in dieser Woche darum, Details zu fotografieren. Dementsprechend hatte ich nur mein Makro-Objektiv dabei und ging so nah wie möglich an alle Motive heran. Weil ich kein Stativ dabei hatte und es leicht windig war, sind viele verwackelte Bilder dabei herausgekommen. Aber auch einige wenige, wie ich sie mir gewünscht habe, wie zum Beispiel von einer Hummel in einem lilafarbenen Krokus, von der man nicht nur den Pollen in ihrem „Pelz“ sondern auch die Flügelzeichnung detailliert erkennen konnte.

Wenn ich so fotografierend fast schon durch den Wald krieche, bin ich einzig auf schöne oder ungewöhnliche Motive fokussiert. Irgendwann hat mein Herzbube mich dabei abgelichtet und sich dann gewundert, warum ich lauthals lachen musste, nachdem er mir das Foto geschickt hatte. Denn hier hatte der Tunnelblick gleich doppelt zugeschlagen und keiner von uns beiden hatte beim Fotografieren die unschönen Details bemerkt, die gleich neben der Blume irgendwann ihren Platz gefunden haben mussten.

Foto der Woche – 08/2021

Erst am Dienstag habe ich noch für das Fotoprojekt 52 Frames meinen Herzbuben im Schnee in Szene gesetzt und war dann in den nächsten Tagen immer mal wieder so gut es ging damit beschäftigt den Balkon auf Vordermann zu bringen. Denn die Meteorologen hatten für das Wochenende feinstes Draußen-Lese-Wetter angekündigt. Mein Balkon ist hingegen wenig einladend. Die Wildvögel haben besonders während des Schnees dankbar und noch zahlreicher als sonst mein Futterangebot angenommen. Aber mein Balkon sah danach aus…

Inzwischen sind die Hinterlassenschaften und Futterreste alle wieder beseitigt und der Balkon hat erste Schrubb-Aktionen einigermaßen überlebt. Abgesehen davon, dass ich neben dem Dreck auch gleich die Bodenfarbe mit wegputzte, die ich erst im vergangenen Jahr aufgetragen hatte, nachdem die nach 3 Jahren schon maroden Holzfliesen weg mussten. Hier fehlt mir noch eine vernünftige Lösung, die gerne auch schöner aussehen darf, als die graue Betonfarbe, mit der mein Mietwohnungsbalkon standardmäßig daher kommt.

Aber am Samstagmittag war es dann endlich zum ersten Mal so weit. Feinste Mittagssonne mit Temperaturen um die 16 Grad erhellte meinen ledierten Balkon und ich konnte nicht umhin mir mein aktuelles Buch zu nehmen, um dort meine erste Draußen-Lesestunde in diesem Jahr zu verbringen. Zwar mit Strickjacke und Heißgetränk bewaffnet, aber es war trotzdem großartig.

Foto der Woche – 04/2021

Ein Blick in die Wetterapp und schon wurde der geplante Sonntagsausflug spontan auf Samstag vorgezogen. Unser Ziel: Die alte Eisenbahnbrücke in Wesel, die in den Jahren 1872 bis 1874 erbaut und im Verlauf des zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Wir waren aber an diesem Nachmittag nicht die einzigen Besucher, die dieses Bauwerk bestaunten und sich die niederrheinische Landschaft vorzugsweise durch die alten Brückpfeiler hindurch anschauten um ganz nebenbei noch die frische Luft zu genießen.

Imposant und in ihrem Verfall auf ihre eigene Art wunderschön zieht sich die alte Brücke noch heute zerstückelt durch die Landschaft. Die Natur hat sie längst mit offenen Armen aufgenommen und macht sie immer mehr zu einem Teil von sich. Und doch ist immer noch erkennbar, dass es einst Zeiten gegeben haben muss, in denen sich Ästhetik und Stabilität beim Bauen vereinbaren ließen.

Foto der Woche – 01/2021

Das neue Jahr ist noch frisch und wohl der richtige Zeitpunkt zu überlegen, was im alten Jahr gut war und man so weiter machen möchte. Dazu gehört für mich ganz eindeutig das Fotoprojekt 52Frames. Ich habe es tatsächlich geschafft mich in jeder Woche des vergangenen Jahres aufzuraffen, um ein Foto zu einer jeweils anderen Aufgabenstellung zu machen. Ja, die Bezeichnung „aufraffen“ trifft es wohl. Denn oftmals hatte ich keine Lust dazu, weil mir völlig andere Dinge im Kopf herumschwirrten und es darüber hinaus in der Welt ganz andere Probleme zu lösen galt, als dass Lichtverhältnisse und Beweglichkeit eines Motivs mit der Blende und der Belichtungszeit der Kamera in Einklang gebracht werden mussten, damit ein ansehnliches Ergebnis zustande kam. Aber genau das holte mich oft auch einfach heraus aus dem sich gefangen, hilflos und überfordert fühlen in den Umständen der Zeit.

Gelernt habe ich bei dem Projekt auch, mit übertriebenem Perfektionismus zurecht zu kommen. Denn tatsächlich habe ich Wochenbilder veröffentlicht um das Projekt nicht zu unterbrechen, die ich unter anderen Umständen nicht gezeigt, sondern vielleicht sogar gelöscht hätte. Nachdem ich erst das Gefühl hatte, dass mich das innerlich zerfressen würde, fühlte es sich mit einem Mal überraschend gut an. Denn egal ob gut oder schlecht, ich habe in jeder Woche mein Bestes gegeben und unter den jeweiligen Umständen und Fähigkeiten das für mich bestmögliche Ergebnis zustande gebracht. Eine wichtige Einsicht, zu der ich gerne schon Jahre früher gelangt wäre.

Und weil das Fotoprojekt das neue Jahr mit einem Selbstportrait beginnt, habe ich ein solches von mir gemacht. Es zeigt mich so unperfekt, wie ich bin. Nicht weichgezeichnet, aber hinter einem wunderschönen, bezaubernden, herzallerliebsten Bücherstapel, der dazu einlädt aus der Realität zu fliehen oder aus ihm zu lernen – oder sich einfach nur ein wenig hinter ihm zu verstecken. Ganz nach Lust und Laune.

Foto der Woche (47. KW)

Bei dieser Aktion von Aequitas et Veritas geht es darum, im Laufe einer Woche ein Foto von etwas zu schießen, über das man ’stolpert‘. Et voilà:

Bild von einem Dummy in einem weißen Kleinwagen mit kaputter Front vor einem Baum

Ich bin nicht direkt darüber gestolpert, aber dieser Anblick zwingt mich immer wieder zum Hinschauen und erinnerte mich erst gestern wieder daran, dass ich selbst vor Jahren mit meinem kleinen weißen Auto über die spiegelglatte Fahrbahn rutschend vor einem Baum etwa dieser Größe zum stehen kam. Nicht einmal der Airbag hatte sich damals geöffnet und mein Wagen sah glücklicherweise auch nicht so ramponiert aus. Er hätte aber auch nicht so ein gutes Werbeobjekt für ein Kfz-Sachverständigenbüro abgegeben. Ein Glück!

Foto der Woche (46. KW)

In dieser Woche wollte es die Foto-Challenge von 52frames, dass ich Bilder mit dem Smartphone mache – und ich habe es genossen. In der letzten Zeit bin ich oft mit komplettem Marschgepack, wie ich es immer nenne, wenn ich meine komplette Fotoausrüstung mitschleppe, losgezogen. Und genau das wird mir allmählich zu schwer, auch wenn in dieser Schlepperei eine gewisse Notwendigkeit begründet liegt. Denn natürlich brauche ich immer genau das, was ich gerade nicht dabei habe, wenn ich mal beschließe irgendetwas nicht mitzunehmen. Ein Wunder, dass ich nicht auch immer mein Stativ dabei habe…

Es war fast schon erfrischend, sich zum Fotografieren auf den Weg zu machen und nur das Handy einzustecken. Die Fotos sind tatsächlich nicht gerade berauschend geworden, manche aber immerhin ganz nett und für eines konnte ich mich dann auch als Projektbild entscheiden. Doch so richtig genossen habe ich es, als dieses Bild entstanden ist:

Mein Herzbube und ich waren gerade in einem sehr ruhigen ländlichen Gebiet unterwegs und konnten sie schon weitem kommen hören. Ich liebe das Geschnatter der Wildgänse. Und auch wenn ich wusste, dass dabei keine Fotos entstehen würden, die später zu meinen Lieblingsbildern zählen, bin ich begeistert mit den Augen und mit dem Handy ihrem Flug gefolgt und habe dabei Bilder gemacht. Ich war dabei so auf den Himmel und Wildgänse fixiert, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass ich selbst beobachtet wurde. Der Spaziergänger fragte mich lächelnd, ob ich denn alle aufs Bild bekommen hätte, als ich schließlich den Blick vom Himmel löste. „Nicht ganz“, antwortete ich ebenfalls lächelnd. Wertvolle kleine Begegnungen in Zeiten von Corona – schön wenn man sich unmaskiert zulächeln und die Natur genießen kann.


Bei dieser Aktion von Aequitas et Veritas geht es darum, im Laufe einer Woche ein Foto von etwas zu schießen, über das man ’stolpert‘.