Idealergebnis

Ich liebe Fotoprojekte. Seitdem ich mir 2011 meine erste digitale Spiegelreflexkamera gekauft habe begleiten sie mich. Oder besser gesagt, begleite ich sie. Immer gilt es, bestimmten Themen gerecht zu werden oder anhand der Aufgabenstellung den Umgang mit der Kamera zu üben. Das heißt aber auch, in jeder Woche die Kamera in die Hand zu nehmen und zu fotografieren. Raus in die Natur, bei Wind und Wetter oder etwas einfacher, bei strahlendem Sonnenschein, wenn das eigene Energielevel gerade sowieso hoch ist und man sich vor Entdeckungslust kaum bremsen kann. Aber das ein oder andere Motiv findet sich auch in den eigenen vier Wänden und kommt manchmal der Bequemlichkeit doch sehr entgegen.

Natürlich gab es immer mal Zeiten, in denen ich aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Fotografieren kam, aber das war doch eher die Ausnahme. Und so hat sich das Fotografieren bei mir in eine Richtung entwickelt, in der es längst nicht mehr allein um das Bild geht oder das Verwenden von Techniken und Lösungen um zu einem bestimmten Ergebnis zu gelangen. Es geht ums Machen – ums Rausgehen und aktiv werden, ums Dranbleiben und Weitermachen. Aber auch damit zurecht zu kommen, ein einzelnes Bild für eine Wochenaufgabe zu veröffentlichen, das man unter anderen Umständen vielleicht nicht gezeigt hätte, weil es zu unbefriedigend ist. Es erfüllt vielleicht die Wochenaufgabe und ist das beste, was man in dieser Woche zu dem Thema imstande war zu fotografieren. Aber man weiß, dass man selbst schon bessere Bilder einfach gelöscht hat.

Und so wurde in der vergangenen Woche aus dem unguten Gefühl beim Hochladen des Wochenbildes (bei diesem Projekt: https://52frames.com/ ) im nachhinein ganz allmählich ein gutes Gefühl. Ganz wider erwarten. Einfach weil es sich gut anfühlt, wenn übertriebener Perfektionismus einen nicht in die Knie zwingt, sondern einen urplötzlich die Erkenntnis trifft, dass auch das Unperfekte ein Teil von einem ist und es sich gut anfühlt, wenn man auch dazu stehen kann. Sehr entspannend.

Ist das noch gut oder kann das weg? #2

Wie schon in diesem Beitrag habe ich auch dieses Mal einen Blick in den Teil meines Bücherregals gewagt, der sich mit dem Thema Fotografie beschäftigt. In einige dieser Bücher schaute ich schon seit Jahren nicht mehr und frage mich, ob ich sie bedenkenlos aussortieren kann. Aber andererseits erhoffe ich mir bei einem erneuten Hineinschauen und Lesen zum einen Inspiration und zum anderen vielleicht sogar besseres Verstehen, weil ich einiges in Punkto Fotografie bereits ausprobierte und manches Wissen sich erweitern und festigen konnte.

19_Der fotografische Blick

Dieses Mal geht es um das 2007 von Michael Freeman veröffentlichte Buch „Der fotografische Blick“. „Für mehr Freude am Fotografieren: die Techniken der Profis und die Geheimnisse außergewöhnlicher Bilder“ heißt es im Klappentext und wird für den fortgeschrittenen Fotografen empfohlen. In diesem Buch findet man keine Kameraeinstellungen, sondern hier geht es einzig und allein um die Bildgestaltung und das Design als wichtigen Faktor für gute Bilder. Daher werden anhand zahlreicher Fotografien die Designregeln und Gestaltungsmerkmale erläutert, deren Berücksichtigung dazu führen kann, dass wir Bilder als besonders ansprechend empfinden. Aber der Autor predigt nicht die strikte Einhaltung dieser Regeln als Wundermittel, sondern führt auch vor Augen, dass gerade auch das bewusste brechen der Regeln zum Außergewöhnlichen führen kann.

Es geht in diesem Buch weniger um die inhaltliche Aussage eines Fotos als um die stimmige Komposition aus Formen und Farben. „Das Potential eines idealen Motivs zu erkennen und die vorhandenen Elemente ansprechend zu vereinen, macht den guten Fotografen aus“, verspricht Freeman und führt den Leser durch die Kapitel „Der Rahmen“, „Design-Grundlagen“, „Grafische und Fotografische Elemente“, „Kompositionen mit Licht und Farbe“, „Die Intention“ und „Entstehungsprozess“ tiefer in die Bildkomposition und Gestaltung ein.

Gelesen, bzw. betrachtet habe ich immer mal wieder über längere Zeit hinweg einzelne Themenabschnitte und fand das Buch teilweise sehr theoretisch, aber dennoch sehr interessant. Manches ist mir tatsächlich im Laufe der Jahre in Fleisch und Blut übergegangen, auch wenn ich nicht mehr sagen kann, ob dieses vor vielen Jahren von mir erworbene Buch mit dafür verantwortlich war. Fest steht jedoch, dass mir die Auffrischung mancher Themen gut tat und ich sogar kürzlich bei einer Fototour feststellen konnte, dass mich ein Motiv regelrecht ansprang, weil ich darüber im „fotografischen Blick“ gelesen hatte. Grund genug für mich, dieses Buch nicht auzusortieren, sondern mir vorzunehmen, immer mal wieder hindurchzublättern um mich dadurch inspirieren zu lassen.

-> Zur Leseprobe [Werbung]



Michael Freeman
Der fotografische Blick
Bildkomposition und Gestaltung
Broschiert, 192 Seiten
ISBN: 978-3827242884
Nur noch gebraucht erhältlich
Verlag: Markt+Technik Verlag
Erschienen: 1. Juli 2007