Frisch auf dem Buchmarkt: Oktober 2020

Im Oktober gibt es in den Bücherwelten viele Neuerscheinungen zu entdecken – und das ohne die digitale Frankfurter Buchmesse inspirierend zu Rate gezogen zu haben. Da findet sich also sicherlich noch mehr 😉

Mein Interesse liegt in diesem Monat bei Streaming-Diensten, dem Horror von Smart-Homes, der skandalträchtigen Geschichte des Christentums, dem 40jährigen Jubiläum von Greenpeace, einer Familiengeschichte in den Wäldern Kanadas, einer Tierärztin und Artenschützerin in den Dschungeln der Welt, der Alpendurchquerung einer Regisseurin, Gehirnforschern im Gespräch, globaler Überwachung, prägenden Erfahrungen aus der Kindheit, einer lustigen Dystopie, einer Farm in Südafrika um 1883, indigenen Gemeinschaften in Kanada, einem Bauernsohn in Island und Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Aber schaut selbst:

01.10.2020: Streamland . Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen [Werbung] von Prof. Dr. Marcus Kleiner: Was der Streaming-Boom für unsere Demokratie bedeutet und warum er das Zeug dazu hat, sie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Noch vor wenigen Jahren waren Streaming-Dienste ein Nischenmarkt, heute dominieren sie die Medienlandschaft. Die Öffentlich-Rechtlichen sind angezählt, die Privaten kränkeln. Denn niemand hat dem so bestechend auf unsere Bedürfnisse abgestimmten Angebot von Netflix, Amazon Prime und Co. noch etwas entgegenzusetzen. So nimmt der Siegeszug der Streaming-Dienste kein Ende – Netflix und Co. werden zu neuen Leitmedien. Dabei tauschen wir Zuschauer abwechslungsreiche Inhalte gegen Angebote ein, die von Algorithmen gesteuert werden und uns nur noch das vorschlagen, was Klicks verspricht. Prompt sehen wir nur noch, was wir sehen sollen. Und während die Anbieter so ihre Profite steigern, versinken wir in unserer Filterblase. Welche Wirkung aber haben die Algorithmen der Streaming-Dienste? Kann unsere Gesellschaft das aushalten, wenn wir nur noch einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnehmen? Wenn sich die Medienlandschaft unumkehrbar verändert, weil wir zu passiven Konsumenten werden? Der führende Medienwissenschaftler Prof. Marcus S. Kleiner zeigt, warum der Streaming-Boom das Zeug dazu hat, unsere Demokratie zu erschüttern – und wie wir eine aufgeklärte Konsumentenhaltung entwickeln. Damit Netflix, Amazon Prime & Co. den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht gefährden.

01.10.2020: Der Skandal der Skandale . Die geheime Geschichte des Christentums [Werbung] von Dr. Manfred Lütz: Die skandalträchtige Geschichte des Christentums – erzählt wie ein Krimi. Das Christentum ist heute in den Köpfen vieler Menschen vor allem verbunden mit dem Wissen um Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung und den Missbrauchsskandalen der letzten Jahre. Viele Christen schämen sich gar für die eigene Religionsgeschichte. Doch was ist wirklich dran an all diesen Skandalen? Dieser Frage geht Manfred Lütz in seinem fulminanten Buch nach und erzählt damit die spektakuläre Geschichte des Christentums auf den Grundlagen der aktuellen Forschung noch einmal neu. Wie konnte eine kleine jüdische Sekte im römischen Reich zur Weltreligion werden? Was steckte wirklich hinter den Kreuzzügen? Wie steht es heute um das Zölibat, die Frauen in der Kirche, die Sexualmoral und die Unfehlbarkeit des Papstes? Der Bestseller von einem der meistgelesenen Sachbuchautoren unserer Zeit, jetzt im Taschenbuch.

01.10.2020: Die Stimme [Werbung] von S. K. Tremayne: Wenn das »Smart Home« zum Horror-Haus wird: »Die Stimme« ist ein raffiniert-gruseliger Psychothriller über eine Sprach-Assistentin mit erschreckendem Wissen und Fähigkeiten. »Ich weiß, was du getan hast.« Jo ist schockiert, als die digitale Home Assistentin Electra sie ohne Aufforderung anspricht. Unmöglich kann eine harmlose Software vom Furchtbarsten wissen, das Jo jemals passiert ist! Doch Electra weiß nicht nur Dinge – sie tut auch Dinge, zu denen sie nicht in der Lage sein sollte: Freunde und Eltern erhalten Textnachrichten mit wüsten Beschimpfungen, Jos Bankkonto wird leergeräumt, die Kreditkarte überzogen … Zum ersten Mal seit Jahren muss Jo wieder an ihren Vater denken, der unter heftigen schizophrenen Schüben litt und sich schließlich das Leben nahm. Kann es sein, dass sie sich die Stimme nur eingebildet hat? Doch Electra ist noch lange nicht fertig mit Jo … Bestseller-Autor S. K. Tremayne ist ein Meister im Erzeugen subtilen Grusels. Mit dem Psychothriller »Die Stimme« holt er das Grauen ins digitale Zuhause.

02.10.2020: Mut. Wie Greenpeace die Welt verändert [Werbung] hat von Delius Klasing (Herausgeber): Greenpeace hat unsere Gesellschaft verändert wie keine andere Nichtregierungsorganisation. Waldsterben, Atomkraft, Umweltverschmutzung – kaum ein Problem unseres Planeten wurde nicht von ihren Kampagnen thematisiert und bekämpft. Die Autoren des umfangreichen Magazins „MUT. Wie Greenpeace die Welt verändert hat.“ feiern das Jubiläum der Umweltschutzorganisation mit einer ausführlichen Analyse. Experten und prominente Publizisten, Mitbegründer und Aktivisten kommen zu Wort und erklären, wie Greenpeace die Welt in den letzten vier Jahrzehnten bewusster und grüner gemacht hat. Was ist Greenpeace? Die wichtigste Umweltorganisation der Welt im Porträt. Der große Faktencheck: Hat Greenpeace die Ziele der letzten 40 Jahre erreicht? Von Treibhauseffekt bis Plastik im Meer: Die Auswirkungen der Greenpeace-Aktionen verständlich erklärt mit über 100 starken Bildern und Infografiken, Essays und Interviews von prominenten Autoren zum Greenpeace-Jubiläum. CO2-neutral auf nachhaltig erzeugtem Papier und im cradle-to-cradle-Verfahren gedruckt. Vierzig Jahre nach der Gründung von Greenpeace werfen wir einen Blick auf die Erfolge und Aktionen der weltbekannten Umweltschutzorganisation. Die Kapitel Feuer, Wasser, Luft und Erde widmen sich Greenpeace-Projekten rund um den Klimawandel, den Schutz der Meere, die Gefahren von CO2, die Folgen der Massentierhaltung und vieles mehr. Was haben die Aktivistinnen und Aktivisten in vierzig Jahren erreicht und welche neuen Aktionen stehen jetzt an? Ein starkes Plädoyer für die Notwendigkeit von Umweltschutz und gemeinsamer Verantwortung!

05.10.2020: Das Flüstern der Bäume [Werbung] von Michael Christie: Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas. Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder … Michael Christies grandiose Familiensaga ist großes Kino: farbenprächtig, mitreißend, bewegend!

05.10.2020: Abenteuer Artenschutz [Werbung] von Hannah Emde: Tierärztin und Artenschützerin aus Leidenschaft. Sie ist in den Dschungeln der Welt zu Hause: Hannah Emde, 28, setzt sich als Tierärztin für den Erhalt der Arten ein. Sie arbeitet mit dem extrem seltenen Nebelparder auf Borneo, mit bunten Riesenpapageien in Guatemala, mit Orang-Utans oder mit einer vier Meter langen Würgeschlange. Überall auf der Welt engagiert sie sich, um Tiere vor dem Aussterben zu schützen, dabei haben es ihr die Regenwälder besonders angetan. Sie berichtet mitreißend von der Schönheit des Dschungels und vermittelt eindringlich, warum Exoten wie der Lemur auf Madagaskar und der Bullenhai in Costa Rica gefährdet sind. Und was jeder Einzelne von uns hier und jetzt dafür tun kann, um ihren Lebensraum zu bewahren. Mit Tipps, was jeder von uns hier und jetzt für den Artenschutz tun kann

05.10.2020: Alpensolo [Werbung] von Ana Zirner: Sechzig Tage und Nächte unter freiem Himmel. Berge bedeuten für Ana Zirner Freiheit. Doch der engagierten Regisseurin bleibt zu selten Zeit für ihre Passion. Deshalb beschließt sie, allen Ballast abzustreifen und allein von Ost nach West die Alpen zu überqueren. Nur mit einem 35-Liter-Rucksack bepackt, begibt sie sich auf ihre selbst gelegte Route: knapp 2000 Kilometer vom slowenischen Ljubljana über Österreich, Italien und die Schweiz bis ins französische Grenoble. Packend und mit starker Stimme erzählt sie vom Glück, unter dem Sternenhimmel zu biwakieren. Wie sie beim Bergsteigen ihr Bewusstsein schärft und der Natur mit Respekt begegnet. Dass ihr die Berge in ihrer ruhenden Weisheit einen Platz zuweisen. Und was sie von den Menschen, die dort wohnen, über Mitgefühl und Demut lernt.

06.10.2020: Brainstorming . 300 Fragen ans Gehirn [Werbung] von Barbara Schmutz: 17 führende internationale Gehirnforscher im Gespräch. Was ist ein Geistesblitz? Wie kommt es zu falschen Erinnerungen? Sitzt das Bauchgefühl im Kopf? Was passiert beim Tagträumen? Können wir bewusst vergessen? Gibt es im Gehirn Raum für eine Seele? Gespräche mit 17 führenden internationalen Gehirnforscherinnen und Gehirnforschern zu Bewusstsein und künstlicher Intelligenz, Traum und Schlaf, Sucht und Drogen, Lernen und Gedächtnis und zur Zusammenarbeit zwischen Gehirn und Darm.

07.10.2020: Der dunkle Spiegel . Edward Snowden und die globale Überwachungsindustrie [Werbung] von Barton Gellman: »Verax« – unter diesem Namen kontaktierte ein geheimnisvoller Informant Barton Gellman. Der Journalist konnte nicht ahnen, dass sich dahinter Edward Snowden verbarg – und der größte Überwachungsskandal aller Zeiten.
Jetzt legt der dreifache Pulitzer-Preisträger die definitive Gesamtdarstellung der globalen Überwachung vor. »Der dunkle Spiegel« ist alles zusammen: Spionage-Thriller, Insider-Bericht, investigative Reportage – und ein einzigartiges Zeugnis der unersetzlichen Rolle des Journalismus. Wie in einem Krimi erzählt Gellman von Snowdens Leak bis zum heutigen Überwachungskapitalismus des Silicon Valley die ganze Geschichte. Gegen den Widerstand von Geheimdiensten der ganzen Welt gelingt es ihm, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Als sein Rechner vor seinen eigenen Augen gehackt wird, ist ihm klar: Hier sind Mächte am Werk, die kaum zu kontrollieren sind. Doch wer spioniert uns aus und warum? Sein Buch ist die Antwort auf diese Fragen.

08.10.2020: Muttermale und Vaters Spuren [Werbung] von Maren Lamers: Wie wir unser Leben gestalten, ist geprägt von unseren Erfahrungen in der Kindheit. Wir entwickeln mächtige Grundannahmen über uns selbst, das Leben und andere Menschen: eine Art innerer Landkarte, mit der wir als Erwachsene durch Lebensphasen und Krisen navigieren. Maren Lammers lädt Leser*innen ein, einen intensiveren Blick auf diese Landkarte zu werfen, die eigenen Erfahrungen zu ordnen und zu einem besseren Verständnis alter und zukünftiger Reiserouten zu kommen. Oft sind nur vor diesem Hintergrund kleine und größere Veränderungen in der Gegenwart möglich. Die Autorin informiert über die Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile, über Resilienz und die Rolle von Genen. Viele Übungen und Arbeitsblätter erleichtern die Biografiearbeit vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung, familiären Konflikten und der eigenen Elternschaft.

12.10.2020: QualityLand 2.0 [Werbung] von Marc-Uwe Kling: Schwer was los in QualityLand, dem besten aller möglichen Länder. Jeder Monat ist der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein Billionär möchte Präsident werden, und dann ist da noch die Sache mit dem Dritten Weltkrieg. Peter Arbeitsloser darf derweil endlich als Maschinentherapeut arbeiten und versucht, die Beziehungsprobleme von Haushaltsgeräten zu lösen. Kiki Unbekannt schnüffelt in ihrer eigenen Vergangenheit herum und bekommt Stress mit einem ferngesteuerten Killer. Außerdem benehmen sich alle Drohnen in letzter Zeit ziemlich sonderbar … Marc-Uwe Klings lustige Dystopie um Menschen und Maschinen in einer Big-Data-Welt geht in die zweite Runde! Ein Roman voller kluger Einfälle, skurriler Figuren und verblüffender Plot-Twists.

12.10.2020: Die Geschichte einer afrikanischen Farm [Werbung] von Olive Schreiner: Ein bewegendes Meisterwerk über weibliche Emanzipation und Selbstbestimmung in der kolonialen Männerwelt. «The Story of an African Farm» gilt als das südafrikanische «Wuthering Heights». Der autobiografisch inspirierte Roman der deutsch- und englischstämmigen Autorin, erschienen 1883, schildert das Schicksal einer eigenwilligen Heldin namens Lyndall. Schon als junges Mädchen lernt sie die Bigotterie und Ignoranz der Menschen kennen und erfährt, wie beschränkt die Lebensperspektiven für ihresgleichen sind. Doch dank einer großen inneren Stärke verteidigt sie in der Farmerswelt der südafrikanischen Karoo ihre Unabhängigkeit und verliert dabei das Ziel nie aus den Augen: weibliche Selbstbestimmung bis zuletzt. Schreiners Erzählkunst fasziniert nicht nur durch ihren einfühlsamen Ton und ihre große künstlerische Sensibilität, sondern widmet sich auch emanzipatorischen Themen wie Sexualität, voreheliche Schwangerschaft sowie die unrühmliche Rolle des Christentums bei der Bevormundung des «schwachen Geschlechts». Das Buch, seinerzeit ein Welterfolg, erscheint anlässlich des 100. Todestags der Feministin und Menschenrechtlerin am 11.12.2020 nun in einer Neuübersetzung.

12.10.2020: Unter der Mitternachssonne [Werbung] von Paul Seesequasis: Das beeindruckende Porträt von acht indigenen Gemeinschaften in Kanada. Paul Seesequasis, Journalist und Autor, gibt mit seinem ungewöhnlichen und spektakulären Social-Media-Projekt der »vergessenen Generation« der First Nations, Metis und Inuit ein Gesicht. Er erzählt anhand verschwunden geglaubter Fotos von Zusammenhalt, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Widerstand. Dazu sammelte er über drei Jahre hinweg die eindrücklichsten Archivbilder und die Geschichten der Menschen hinter den Porträts. Damit stößt er die Tür zu einer verborgenen Wahrheit auf und bringt eine andere, eine neue Seite der Geschichte von Kanadas indigener Bevölkerung ans Licht.

14.10.2020: 60 Kilo Sonnenschein [Werbung] von Hallgrímur Helgason: Ausgezeichnet mit dem Isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres. Das Erwachen der Moderne im tiefen Schnee Islands. Der große Roman von einem der originellsten Autoren des Landes. So schräg und humorvoll, wie man es von Hallgrímur Helgason kennt, so literarisch und episch wie nie. 60 Kilo Sonnenschein ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven isländischen Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst, schließlich selbst Vater wird, erwacht auch das moderne Island. Große Fischfänger steuern eines Tages den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Hallgrímur Helgason vom Weg Islands in die Moderne.

28.10.2020: Die Passion [Werbung] von Amélie Nothomb: »Ich wusste schon immer, dass sie mich zum Tode verurteilen würden«, so beginnt Amélie Nothombs neues Buch. Hier spricht Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Mutterseelenallein in seiner Zelle, vertraut er uns seine geheimsten Gedanken an, seine Zweifel, seinen Groll. Leidenschaftlich fühlt sich Amélie Nothomb in die Leidensgeschichte Jesu ein. Hier wird Jesus tatsächlich Mensch.

Welche Neuerscheinungen interessieren euch im Oktober besonders?

Die (digitale) Frankfurter Buchmesse 2020

Zuletzt war ich vor einigen Jahren auf einer Spielemesse und davor auf einer Motorradmesse. Vor allem letztere lieferte mir unvergessliche Wow-Momente und blieb mir als unvergesslich in Erinnerung, nicht zuletzt weil ich mich aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden habe, das Motorradfahren aufzugeben. Aber neben anderen Hobbies blieb mir immer noch das Lesen. Und doch habe ich nie den Weg zu einer der großen Buchmessen auf mich genommen. Zu weit, zu viele Menschen. Und natürlich die Befürchtung, dass es gesundheitlich zu anstrengend für mich sein könnte und ich einige Tage dafür brauchen würde, um mich von diesem Event zu erholen. Manchmal ist mir dieser Preis zu hoch.

Die Sorge um die allgemeine Gesundheit sorgt nun dafür, dass pandemiebedingt in diesem Jahr bei der Frankfurter Buchmesse einiges anders läuft – und ich plötzlich und unerwartet bei vielem dabei sein kann. Zwar nicht live vor Ort, dafür aber virtuell. Vom 14. bis 18. Oktober können Buchfans auf der Homepage sowie bei zahlreichen Medienpartnern ein umfangreiches und vielseitiges digitales Programm mit Lesungen, Autorengesprächen und Diskussionen verfolgen, sowie Neuerscheinungen von Verlagen entdecken. Das digitale Live-Programm ist kostenlos und weltweit zu empfangen. Das Privatpublikum ist einfach dabei, Fachbesucher registrieren sich und legen einen MyBookFair-Account an. Die Mail mit dem Link, mit dem ich meine eMail-Adresse bestätigen musste, ist zwar im Spam-Ordner gelandet, aber ansonsten funktionierte die Registrierung unkompliziert und reibungslos.

Angeboten wird ein kuratiertes Fachprogramm mit Top-Speakern und wertvollen Brancheninsights (MyBookFair-Account erforderlich) sowie ein buntes Unterhaltungsprogramm mit internationalen Stars und Autor*innen im Livestream (ohne Registrierung). Die Termine für das Live-Programm der ARD-Buchmessebühne, Weltempfang, Das Blaue Sofa und das Fachprogramm können größtenteils mit einem Klick im Kalender gespeichert werden (online: Google, Outlook, Microsoft Kalender | Apple Kalender | ics-Datei als download). Ein hilfreicher Service, der bei dem vielfältigen Angebot hilft den Überblick zu wahren. Daneben gibt es am Freitag, den 16. Oktober 2020 die ARD Buchmessenacht, die überregional über alle Kulturprogramme in Deutschland live ausgestrahlt wird.

Auch wenn es die klassische Hallenausstellung in gewohnter Form nicht geben wird, steht Frankfurt dennoch ganz im Zeichen der Buchmesse. Interessierte Besucher können Tickets für die Veranstaltungen auf der ARD-Buchmessenbühne erwerben. Für die kostenfreien Events im Rahmen des BOOKFEST city ist eine Vorab-Registrierung erforderlich. Parallel zur Frankfurter Buchmesse finden zudem in der Stadt Frankfurt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen im Rahmen von Open Books statt. An den Plänen von OPEN BOOKS ändert sich in diesem Jahr nichts, im Gegenteil, durch neue Kooperationen wird das Programm weiter ausgebaut. Bereits zum 11. Mal findet das städtische Lesefest mit knapp 100 Live-Veranstaltungen rund um den Römer und an weiteren Orten in Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei.

Ich harre gespannt der Dinge, die mich buchmessetechnisch in der kommenden Woche ganz gemütlich bei Kaffee oder Tee, vor allem aber in Wohlfühlatmosphäre erreichen mögen und freue mich besonders auf die Beiträge die das diesjährige Gastland Kanada betreffen. Was sind eure Highlights?

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umgeSCHAUt im August und September 2020

Fußball hat mich nie interessiert und wenn ich höre, wie mit Claudia Neumann umgegangen wurde, bin ich froh darum.

Selbstbehauptung durch Stil: Die Sapeurs im Congo wirken surreal und sind wohl für jeden Fotografen ein gefundenes Fressen.

Meine dunkle Vanessa“ habe ich bereits gelesen und habe immer noch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn ich an das Buch denke.

Hundert Augen“ klingt nach einer interessanten Mischung von Technik und Gefühlvollem.

Das Elena Ferrante Fieber hat mich bisher nicht ergriffen. Die neapolitanische Saga hat mich thematisch nicht angesprochen und wurde so hoch in den Himmel gelobt, dass ich lieber die Finger davon gelassen habe, um nicht enttäuscht zu werden. Fast bin ich versucht „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ zum Einstieg probieren, obwohl mich auch diese Thematik nicht so recht fesseln will. Aber irgendetwas muss diese Autorin wohl können, dass sie so viele mit ihren Werken begeistern kann.

Leben ist ein unregelmäßiges Verb“ spricht mich hingegen sofort an. Das vielschichte facettenreiche Buch setze ich mir auf die Bücherwunschliste. Es macht mich neugierig.

Mit dem Sterben kann ich mich derzeit nicht beschäftigen, auch wenn mich das Buch „Mutter . Chronik eines Abschieds“ sehr berührt und ich es eigentlich lesen möchte.

Joachim Meyerhoffs neues Buch interessiert mich. Ob man wohl im Vorfeld seine anderen Bücher gelesen haben sollte? Zuhören mag ich dem Autor zumindest gern, ich werde mal in die Leseprobe hineinschauen.


Und das sind die Links zu den Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

25.08.2020: Bücherjournal: Julia Westlake spricht über „Hat die überhaupt ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?“ von Claudia Neumann, „Sei kein Mann“ von JJ Bola, „Die Elenden“ von Anna Mayr, „Sicherheitszone“ von Katrin Seddig, „Das Meer in meinem Zimmer“ von Jana Scheerer, „Sapeurs. Ladies & Gentlemen of the Congo“ von Tariq Zaidi, „Marta schläft“ von Romy Hausmann.

28.08.2020: Das Literarische Quartett: Thea Dorn, Dörte Hansen, Christian Berkel und Vea Kaiser sprechen über „Meine dunkle Vanessa“ von Kate Elizabeth Russel, „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, „Die Scham“ von Annie Ernaux und „Hundert Augen“ von Samanta Schweblin.

01.09.2020: Literaturclub: Nicola Steiner, Laura de Weck, Martin Ebel und Oliver Schnyder diskutieren über Elena Ferrantes „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“, Rolf Lapperts „Leben ist ein unregelmässiges Verb“, Hilmar Klutes „Oberkampf“ sowie Melitta Brezniks „Mutter. Chronik eines Abschieds„.

13.09.2020: druckfrisch: Diagnose: Schlaganfall. In „Hamster im hinteren Stromgebiet“ erzählt Joachim Meyerhoff von den traumatischen, tragik-komischen und herzerwärmenden Erlebnissen nach einer solchen Gesundheitsattacke. Und Lola Randl: „Die Krone der Schöpfung“.

17.09.2020: lesenswert: Daniel Cohn-Bendit ist 75 Jahre alt geworden. Er hat drei Bücher ausgewählt, die für ihn in seinem Leben wichtig waren. Drei Bücher, die im ersten Halbjahr auf der SWR Bestenliste standen, stellen Insa Wilke und Denis Scheck im gemeinsamen Gespräch vor.

22.09.2020: lesenswert Quartett: Diskutiert wird im SWR2 lesenswert Quartett über von Judith Zander, Robert Seethaler, David Grossman und von Wolfram Eilenberger.

erLESENer September 2020

Im Lesemonat September verschanzte ich mich vor dem Virus, holte mir die Welt auf den Teller und ernährte ich mich vorbildlich, hasste den Englischlehrer und ließ mich gänzlich von dem schönen Schein der Literatur einlullen.

Bücherwelten – manchmal steckt mehr dahinter, als es auf den ersten Blick scheint.

Wuhan Diary . Tagebuch aus einer gesperrten Stadt von Fang Fang: Eine andere Sichtweise und ein anderes Erleben im Umgang mit dem Virus – in dem Land, wo alles anfing. Fang Fang gibt ihrer Wut und Trauer Raum in ihren Beiträgen.

Der Ernährungskompass von Bas Kast: Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russel: Die Geschichte eines Missbrauchs einer 15jährigen von ihrem 30 Jahre älteren Lehrer. Keine leichte Kost, aber lesenswert.

Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze: Das Wie diese Geschichte erzählt wird und sich dem Leser erschließt, ist beeindruckender, als die erzählte Geschichte selbst. Dennoch war dies eine besondere Lese-, beziehungsweise Hörerfahrung für mich.

Die Welt auf dem Teller . Inspirationen aus der Küche von Doris Dörrie: Das Buch schafft oft eine Wohlfühlatmosphäre aufgrund der schönen Erinnerungen, in die es einen versetzt, aber manches hätte ich gern ausführlicher gelesen.

Die Welt auf dem Teller . Inspirationen aus der Küche – Doris Dörrie

In diesem Jahr habe ich mich oft von Doris Dörrie inspirieren lassen. Zuerst durch ihr Buch „Leben, schreiben, atmen„, das zum Erinnern und zum anschließenden autobiografischen Schreiben einlädt, dann machte ich bei ihrem Workshop „Schreiben hilft! Dir auch?“ bei der Bürgerakademie mit und folgte ihr und ihren täglichen Schreibeinladungen #morningpages bei Instagram. Es war ein wenig so, als hätte ich mit Doris Dörrie und ihren Schreibeinladungen etwas, beziehungsweise jemanden gefunden, von dem ich nicht gewusst habe, dass ich sie gesucht habe. Dadurch, dass sie viele ihrer Erinnerungen sehr authentisch und sympathisch mit ihren Leserinnen und Lesern und somit natürlich auch mit mir teilt, hatte ich irgendwann das Gefühl sie sehr gut zu kennen. Als ich nun ihr neues Buch in Händen hielt, war es wieder ein wenig so, als nehme man in gemütlicher Atmosphäre gegenüber einer guten Freundin platz um sich von ihr ein wenig über Vergangenes erzählen zu lassen.

Das Buch fühlt sich an, als setze sie ihre Erinnerungen aus „Leben, schreiben, atmen“ themenbezogen fort. Sie erzählt von Reisen, wird manchmal philosophisch, geht zurück bis in ihre Kindheit, offenbart Geschichten zum Schmunzeln oder hat Nachdenkliches parat. Es ist ein wenig wie Nachhause kommen, nur dass sich in „Die Welt auf dem Teller“ alles um das Kochen, das Essen und die kulinarischen Genüsse dreht. Rezepte findet man in diesem Buch nicht, dafür aber eine Doris Dörrie, die sich erinnert und über das Essen schreibt, als umarme sie die Welt. Es geht um knusprige Brotkrusten, Eier von glücklichen Hühnern, familiäres Miteinander bei spanischer Paella, Innehalten bei grünem Tee mit japanischen Reisbällchen und Kindheitserinnerungen an Melonen-Momente. Essen und Kochen sind für sie Inbegriff von Lebensfreude und Genuss, Grund zur Dankbarkeit und Eigenverantwortung und ein Weg zum besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, die uns umgibt. Neben den Wohlfühlmomenten gibt es auch kritische Gedanken in dem Buch, aber sie kommen nicht zu dogmatisch daher. Sie sind vielmehr ein Angebot, über manches außerhalb dieses Buches nochmal genauer nachzudenken.

Doris Dörries Exkursionen in die Welt der kulinarischen Genüsse sind nicht nur kurzweilig, sondern tatsächlich auch kurz und erstrecken sich selten über mehr als zwei bis drei Buchseiten. Die optische Gestaltung ist luftig und erlaubt Leerräume, aber auch eine Vielzahl leicht abstrahierter Illustrationen von Zenji Funabashi, denen meist Obst und Gemüse als Vorbild Pate stand. Das macht dieses knapp 200 Seiten umfassende und mit einem goldgelben Lesebändchen ausgestattete Büchlein zu einem Werk, das sich inhaltlich und optisch liebevoll gestaltet präsentiert. Sicherlich ein schönes Geschenk für jemanden, den man mittels dieses Buches dazu anregen möchte, selbst in kulinarischen Erinnerungen zu schwelgen. Denn es sind nicht so sehr die Geschichten dieses Buches, die einem im Gedächtnis bleiben, sondern vielmehr die Wohlfühlatmosphäre, die es zeitweise beim Lesen auslöst. Stellenweise ist dies ein Genuss, aber manchmal sind es leider auch nur eher hastig verschlungene Probierhäppchen, die einen aufgrund der Kürze der Texte nicht so richtig satt machen und mit einem leichten Hunger nach mehr zurücklassen.

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Doris Dörrie
Die Welt auf dem Teller
Inspirationen aus der Küche
Hardcover Leinen mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 208 Seiten
ISBN: 978-3-257-07051-4
Preis: € (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Diogenes
Erschienen: 26.08.2020

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die rechtschaffenen Mörder – Ingo Schulze

Es ist nun schon eine Weile her, dass ich mir „Die rechtschaffenen Mörder“ von Ingo Schulze als ungekürztes Hörbuch bei Spotify anhörte, aber immer noch habe ich Schwierigkeiten die richtigen Worte für diesen ungewöhnlichen Roman zu finden. Denn er ist in drei Teile gegliedert und jeder Teil hat mich aus der Welt des vorherigen herausgerissen und vor völlig neue Tatsachen gestellt, mit denen ich beim Lesen so nicht gerechnet habe. Die Form, wie sich dieser Roman dem Leser erschließt fühlte sich für mich überraschend und neu an, war aber auch sperrig und ließ mich am Ende etwas ratlos zurück. Und doch macht dies das Buch zu etwas Besonderem, weil es mit einer unzuverlässigen Erzählweise konfrontiert, die eine gewisse Spannung beim Lesen erzeugt.

Im ersten Teil lernen wir den Antiquar Norbert Paulini kennen – und lieben. Norbert Paulini ist ein hoch geachteter Dresdner Antiquar, bei ihm finden Bücherliebhaber Schätze und Gleichgesinnte. Auch in den neuen Zeiten, nach der Wende, als die Kunden ausbleiben, versucht er, seine Position zu behaupten. Als bücherbegeisterter Leser lässt man sich von dieser Person, die für die Literatur lebt, vollends begeistern und ist durch die angenehme Erzählweise gänzlich in einer Geschichte, die einen mitnimmt und umgarnt und immer weiter erfahren möchte. Es ist eine (fast) schöne heile Welt des Lesens, der Bücher und des völligen Aufgehens in der Literatur. Ein gefundenes Fressen für jeden leidenschaftlichen Leser.

Im zweiten Teil lernen wir hingegen den Antiquar aus einer anderen Perspektive erzählt und von einer völlig anderen Seite kennen. Und der dritte Teil wird aus einer weiteren Perspektive präsentiert und offenbart dem Leser neue ‚Wahrheiten‘ und Sichtweisen auf das bisher gelesene und erfahrene. Ich mag an dieser Stelle nicht mehr verraten, um nicht die Überraschung zu verderben, die durch diese Erzähler entsteht. Es sei hier nur ausgeplaudert, dass diese Wendungen dazu anregen, sich Gedanken über das Geschichten erzählen, beziehungsweise schreiben zu machen und dabei den Wahrheitsgehalt, die Ausschmückung und die jeweilige Erzählperspektive auf den Prüfstand stellen. Die Geschichte Norbert Paulinis entblättert sich hier ganz allmählich auf unterschiedliche Weisen und konfrontiert den Leser mit literarischem Wunschdenken bis hin zu kalter ungeschönter Realität, deren Glaubwürdigkeit allerdings wiederum angezweifelt werden darf, weil man als Leser irgendwann in diesem Roman gelernt hat, dass sich alles Gelesene in subjektiver Einfärbung präsentiert.

Eingesprochen wurden die ersten beiden Teile des Hörbuchs von Sylvester Groth und der dritte Teil leider von Victoria Trauttmannsdorff. Dabei ist es mir erstmals so ergangen, dass mir in eine Sprecherstimme, beziehungsweise in diesem Fall die Stimme der Sprecherin derart unangenehm war, dass ich aufgrund dessen Probleme hatte der Geschichte zu folgen. Auch das kann dazu beigetragen haben, dass ich das Buch zum Ende hin als immer schwächer werdend empfunden habe. Daher würde ich in diesem Fall doch eher dazu raten diesen Roman selbst zu lesen oder sich vorab mit den Stimmen der beiden Sprecher vertraut zu machen.

Insgesamt ist es aber bei diesem Buch eher das Wie diese Geschichte erzählt wird und sich dem Leser erschließt, das mich überraschen und beeindrucken konnte, als die erzählte Geschichte selbst. Dennoch war dies eine besondere Lese-, beziehungsweise Hörerfahrung für mich.

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Ingo Schulze
Die rechtschaffenen Mörder
Sprecher: Sylvester Groth, Victoria Trauttmansdorff
Spieldauer: 7 Stunden 55 Minuten
Ungekürzte Lesung
ISBN 978-3-8398-1780-3
Preis: 24,95 €
Erscheinungsdatum: 04.03.2020
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

Meine dunkle Vanessa – Kate Elizabeth Russel

Es gibt Themen auf dieser Welt, um die reiße ich mich nicht gerade. Nicht einmal das Wissen, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt macht es mir dabei einfacher. Wenn es dabei um Kinder oder junge und noch jüngere Frauen an der Schwelle zum Erwachsen werden geht, denen auf die ein oder andere Art übel mitgespielt wird, ist bei mir schnell eine Schmerzgrenze erreicht, an der ich nicht weiter lesen kann oder will. Dennoch hat mich der Klappentext von „Meine dunkle Vanessa“ angesprochen, so dass ich mich eher zwiegespalten dazu entschied dieses Buch zu lesen. Denn Vanessa war gerade fünfzehn, als sie zum ersten Mal mit ihrem dreißig Jahre älteren Englischlehrer schlief.

Man erlebt die Geschichte aus Vanessas Perspektive abwechselnd aus ihrer Sicht in dem Alter, als alles seinen Anfang nahm und aus ihrer Sicht als junge Frau fast zwanzig Jahre später, als genau dieser Englischlehrer zu Zeiten der #MeToo-Bewegung von einer anderen ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt wird – und sie bleibt nicht die Einzige. Durch diese Perspektivwechsel erlebt man das Gefühls- und Beziehungsspektrum von der behutsamen Annäherung bis hin zum Äußersten, von der kindlich verträumten Sicht auf die erste Liebe bis hin zum feinjustierten manipuliert werden, dessen sich die minderjährige Kindfrau nicht bewusst ist.

Aber man erlebt Vanessa auch als eine Person, die sich durchaus ihrer Macht bewusst ist und die Aufmerksamkeit, die ihr der Erwachsene widmet, genießt. Der Autorin gelingt es hierbei anzuklagen und die Unnatürlichkeit und Widerwärtigkeit dieser Beziehung herauszustellen. Selbst als Vanessa auch als Erwachsene immer noch davon überzeugt ist, dass sie mit diesem Lehrer die wahre Liebe erlebt hat, wird für den Leser deutlich, wer hier die Opfer und wer die Täterrolle inne hat. Aber es gibt außerdem eine große Grauzone, in die sich beide immer wieder hinein verirren, so dass man als Leser zwar immer noch richtig und falsch unterscheiden kann, sich aber sicher ist, dass nicht alles so einfach ist und beurteilt werden kann, wie man es sich vielleicht manchmal vorstellt.

„Meine dunkle Vanessa“ ist ein Buch, das mich nicht mehr los ließ, nachdem ich es angefangen hatte. Zum einen lässt es mit der jungen Protagonistin mit fiebern, von der man bereits durch den Klappentext weiß, dass sie ihrem Englischlehrer verfallen wird und zum anderen zeigt es auf erschreckend glaubwürdige Weise die Methodik, mit der dieser hierbei vorgegangen ist. Beim Lesen möchte man die junge Vanessa vor ihrem Schicksal bewahren, das sie einerseits will und andererseits aber keinesfalls will. Doch man weiß von der älteren Vanessa bereits, was ihr passiert und was ihr späteres Leben nicht einfacher macht. Diese Zerrissenheit sorgt für eine Spannung, die einen nahezu durchs Buch treibt und sich in einem Ende auflöst, das einen schalen Nachgeschmack hinterlässt, so wie die ganze Geschichte. Von dieser weiß man, so erdacht sie auch sein mag, dass sie leider genau so irgendwem irgendwann passiert sein könnte. Keine leichte Kost, aber lesenswert.

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Kate Elizabeth Russel
Meine dunkle Vanessa
Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer
Hardcover mit Schutzumschlag, 448 Seiten
ISBN: 978-3-570-10427-9
Preis: € (D) 20,00
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 17.08.2020

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Frisch auf dem Buchmarkt: September 2020

Ein weiterer Monat mit vielen Neuerscheinungen, die so interessant sind, dass ich den innigen Wunsch habe, viel mehr zu lesen, als ich es derzeit mache. Lesen ist und bleibt ein Hobby für mich, das einfach nicht langweilig wird. Auch wenn diese Liste nicht den Anschein macht, aber ich habe sie bereits ein wenig ausgedünnt – doch die Betonung liegt wohl auf ‚wenig‘. Übrig geblieben ist eine Mischung aus Fremdem, Fremdländischem, Flucht, Heimkehr, Gewalt, Verbrechen, Glück, Abenteuer, Leben, Tod und viel Nachdenklichem. Aber schaut selbst:

01.09.2020: Der undankbare Flüchtling [Werbung] von Dina Nayeri: Mit zehn Jahren kam Dina Nayeri aus dem Iran als Asylsuchende in die USA, sie studierte in Harvard und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Vorzeigemigrantin. In einem Streit mit ihrem Bruder, der um das Thema Assimilation kreiste, wurde ihr klar, welches Muster jeder Flüchtlingsbiografie zugrunde liegt: Egal, wo man herkommt, egal, wer man war, was man kann, die Erwartung von außen ist dieselbe: Schätze dich glücklich, dass wir dich aufgenommen haben. Opfere deine frühere Identität. Werde jemand, der unseren Ansprüchen genügt. Spannend wie in einem Episodenfilm verknüpft Dina Nayeri ihre eigene wendungsreiche Geschichte mit der von anderen Migranten. Sie erzählt von deren Schicksalen und stellt dringende, provokante Fragen nach Identität, Dankbarkeit, Würde und Verantwortung. Sie unterzieht die Rolle des Westens einer kritischen Betrachtung und gibt der Diskussion über Migranten und Migration neue Impulse. Ihr Ziel: dass der Westen seine grundlegenden Prämissen über Migration überdenkt.

01.09.2020: Das Geburtstagsfest [Werbung] von Judith W. Taschler: Zu seinem 50. Geburtstag wollen die drei Kinder von Kim Mey ihren Vater mit einem besonderen Gast auf der Familien-Geburtstagsfeier überraschen: Ohne sein Wissen haben sie Tevi Gardiner eingeladen, jene Frau, mit der Kim als Kind aus Kambodscha geflohen ist. Und die er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch statt sich wie erwartet zu freuen, reagiert Kim seltsam abweisend. Auch Ines, die Mutter der drei, begegnet Tevi unterkühlt. Was Kim und Ines jahrzehntelang verschwiegen haben, verschafft sich nun unaufhaltsam Gehör: die wahren Begleitumstände jener dramatischen Flucht aus Kambodscha und das schreckliche Ende einer großen Liebe. So lässt eine scheinbar harmlose Überraschung ein Geburtstagsfest in einem Familien-Drama enden … »Das Geburtstagsfest«, das schmerzhaft-empathische Familien-Drama der renommierten Spiegel-Bestseller-Autorin und Glauser-Preisträgerin Judith W. Taschler, kreist um Familien-Beziehungen und Lebenslügen, die große Liebe und um Flucht und Heimkehr. Mehrstimmig und virtuos erzählt, erschafft die Innsbruckerin Judith W. Taschler in ihrer unverwechselbar klaren Sprache »Figuren, die dem Leser unter die Haut gehen und lange in Erinnerung bleiben« (Petra). Judith W. Taschler beleuchtet die großen Wendepunkte im Leben, raffiniert und psychologisch dicht erzählt, voller Mitgefühl für ihre Figuren, ohne je dabei kitschig zu werden.

07.09.2020: Der verlorene Sohn [Werbung] von Olga Grjasnowa: Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.

07.09.2020: Alle Hunde sterben [Werbung] von Cemile Sahin: „Die Entschiedenheit, Klarheit, Härte und Sicherheit im Ton von Cemile Sahin ist eine Wucht.“ Julia Encke, FAS. In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt. Darunter: Eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Ein Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Eine Frau, die angekettet in einer Hundehütte gehalten wird. Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein. ALLE HUNDE STERBEN ist eine Chronik über ein Land, geprägt von Militarismus und Nationalismus ― entschieden, klar, furios erzählt. „Realität funktioniert in diesem Land nur über Gewalt, sagt Cemile Sahin. Hilft es, die Gewalt darstellbar zu machen? Nein, sagt sie; sie versucht es trotzdem. Und genauer hat es noch kaum jemand geschafft.“ Klaus Theweleit

08.09.2020: Beinahe Alaska [Werbung] von Arezu Weitholz: Eine Fotografin, 45, kein Partner, keine Kinder, keine Eltern mehr, geht auf eine Expeditionskreuzfahrt von Grönland nach Alaska. Sie ist froh, dass ihr Beruf es ihr erlaubt, »dauernd nach vorn zu sehen«. Doch natürlich melden sich die nicht zu Ende gedachten Gedanken und offenen Fragen, irgendwo zwischen der Enge an Bord unter nicht ausnahmslos angenehmen Mitreisenden (wie Schriftsteller, die Buchclub-Schreibkurse geben, oder Influencer mit fragwürdigen Tischmanieren) und den kühlen Weiten der Arktis. Der Blick der Erzählerin auf die anderen, die Natur und sich selbst ist so hintergründig-witzig wie warmherzig-entlarvend. Als das Schiff vor der vereisten Bellotstraße kehrtmachen muss, mit neuem Kurs auf Neufundland, begreift sie nach und nach, dass der Trick manchmal gerade im Beinahe-Ankommen besteht, auf Reisen wie im Leben.

09.09.2020: Sterben im Sommer [Werbung] von Zsusza Bank: Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

14.09.2020: Alt genug, um glücklich zu sein . Wie unser Leben mit jedem Jahr besser wird [Werbung] von Florian Langenscheidt: Wie verändert sich die Liebe im Alter? Macht uns das Alter zu besseren Menschen? Stimmt es, dass wir Krisen mit zunehmenden Jahren besser bewältigen? Was können die Jungen von den Alten lernen? Und warum tut es auch im Alter gut, mal etwas Verrücktes zu wagen? In 24 Streifzügen durch Wissenschaft und Philosophie erkunden Bestsellerautor und Glücksforscher Florian Langenscheidt und André Schulz die wichtigsten Themen, die uns auf dem Weg ins Alter begleiten, und fördern manch Überraschendes zutage. Inspirierende Erkenntnisse, die dazu einladen, der zweiten Lebenshälfte mit einer guten Portion Optimismus zu begegnen – voller Freude auf das, was uns erwartet!

14.09.2020: Afropäisch . Eine Reise durch das schwarze Europa [Werbung] von Johny Pitts: »Und wo kommst du eigentlich her?« Viele schwarze Europäer kennen diese Frage, denn in den Köpfen mancher ist das noch immer ein Gegensatz – schwarz sein und Europäer sein. Dabei gibt es längst eine gelebte afropäische Kultur. Um sie zu erkunden, bereist Johny Pitts die Metropolen des Kontinents. In Paris folgt er den Spuren James Baldwins, in Berlin trifft er ghanaische Rastafarians, in Moskau besucht er die einstige Patrice-Lumumba-Universität. Nicht nur in französischen Banlieues und Favelas am Rande Lissabons wird deutlich, dass Europas multikulturelle Gegenwart nach wie vor von seiner kolonialen Vergangenheit gezeichnet ist. Rassismus und Armut sind Teil des Alltags vieler schwarzer Europäer. Meisterhaft verknüpft Pitts Reportage und literarischen Essay zu einem zeitgenössischen Porträt eines Weltteils auf der Suche nach seiner postkolonialen Identität. Pitts erzählt von afropäischen Schriftstellern wie Dumas dem Älteren und Puschkin, von Musikern, Aktivisten, Restaurantbesitzern oder einfachen Arbeitern. Er zeigt, wie sehr sie die Gesellschaften und die Kultur dieses Kontinents geprägt haben und prägen. Ein so einfühlsames wie aktuelles Buch, das den Blick auf Europa verändert.

18.09.2020: Der Fetzen [Werbung] von Philippe Lançon (jetzt als Taschenbuch): Der ergreifende Roman über den Anschlag auf Charlie Hebdo. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt Philippe Lançon an diesem Morgen im Januar im Konferenzraum der Redaktion von Charlie Hebdo, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Es folgen 17 Gesichtsoperationen und eine lange Zeit, in der sich Philippe Lançon sein Leben neu erkämpft. ›Der Fetzen‹ ist die literarische Aufarbeitung dieses Traumas und ein eindringliches Plädoyer für Meinungsfreiheit.

22.09.2020: Das Meer der Libellen [Werbung] von Yvonne Adhiambo Owuor: Auf der Insel Pate, vor der Küste Kenias, lebt die eigensinnige Ayaana mit ihrer Mutter Munira. Als ein Matrose namens Muhidin in ihr Leben tritt, findet Ayaana etwas, wonach sie sich immer gesehnt hat: einen Vater. Doch als Ayaana erwachsen wird, muss sie mit einschneidenden Ereignissen zurechtkommen, die nicht nur sie selbst, sondern auch das Leben auf Pate tiefgreifend verändern: Fremde mit zweifelhafter Vergangenheit tauchen auf, religiöse Extremisten suchen Zuflucht auf der Insel, China streckt seine Fühler nach Afrika aus und mit einem Tsunami fordert die Natur ihren Tribut. So beschließt Ayaana, in der Ferne ihr Glück zu suchen und ein Studium in China zu beginnen. Sie begibt sich auf eine gefährliche Schiffsreise, die letztlich vor allem eines ist – eine Reise zu sich selbst. Nach ihrem gefeierten Debütroman ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ legt Yvonne Adhiambo Owuor einen kraftvoll erzählten Roman über eine junge Frau vor, die darum kämpft, ihren Platz in der Welt zu finden – eine ergreifende Geschichte über Schicksal, Tod, Liebe und Verlust.

23.09.2020: Das Buch eines Sommers . Werde der du bist [Werbung] von Bas Kast: Im Sommer seines Lebens hat Nicolas einen Traum. Er will Schriftsteller werden wie sein Onkel. Dann kommt das Leben dazwischen und die Firma seines Vaters, Verantwortung, Termine und lauter Zwänge. Als sein Onkel stirbt, verliert Nicolas den einzigen Menschen, der an ihn geglaubt hat. Doch überraschend findet er am unwahrscheinlichsten Ort den Schlüssel, der ihm hilft, zu dem zu werden, der er wirklich ist.

23.09.2020: Schwarzrock [Werbung] von Brian Moore: Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr »Wilde« zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten.

28.09.2020: Die Erwählten . Tödliche Bestimmung [Werbung] von Veronica Roth: Mit ihrer dystopischen Trilogie »Die Bestimmung« hat Veronica Roth Bestseller-Geschichte geschrieben. Jetzt ist sie zurück, besser und stärker als jemals zuvor – mit ihrem ersten Fantasy-Roman für Erwachsene! Das Besondere: Der spektakuläre Urban-Fantasy-Zweiteiler beginnt, wo andere Romane enden – mit dem Sieg der Helden über den mächtigen dunklen Feind. Doch dieses Happy End ist nur vorübergehend. Zehn Jahre später stehen die Erwählten ihrem größten Gegner erneut gegenüber, und er treibt ein abgrundtief böses Spiel mit ihnen … Außergewöhnlich, neu und atemberaubend spannend kehrt Veronica Roth zurück zu ihren Wurzeln und einer urbanen Welt mit einer starken Heldin, die bereit ist, alles für ihre Freunde und ihre Liebe zu riskieren. »Nach der Bestseller-Jugendbuchreihe ›Die Bestimmung‹ legt Roth nun ihr fantastisches Erwachsenendebüt vor und betrachtet darin eine Gruppe junger Auserwählter, die die Welt retten müssen und unter dem Gewicht dieser Verantwortung und der damit einhergehenden psychischen und sozialen Belastung zu zerbrechen drohen.«Publishers Weekly (16. Januar 2020)

28.09.2020: Was dir bleibt [Werbung] von Jocelyne Saucier: Gladys ist 76 Jahre alt. Eines Tages besteigt sie ohne jede Ankündigung den Northlander-Zug, um spurlos aus ihrem kanadischen Dorf zu verschwinden. Die Nachbarn und Freundinnen sind besorgt, was mag sie dazu bewogen haben, ihr gut eingerichtetes Leben aufzugeben? Bald wird klar: Gladys reist über Tausende von Kilometern und in Dutzenden Zügen durch die Weiten Nordkanadas. Sie kehrt zurück an die Orte ihrer Kindheit und spricht auf ihrem Weg mit unzähligen Menschen. Doch was genau führt sie im Schilde, und vor allem: Aus welchem Grund hat sie ihre hilfsbedürftige Tochter Lisana zurückgelassen? Was verbindet uns miteinander? Wie viel Nähe gestehen wir den anderen zu, wo beginnt unsere eigene Freiheit? Was dir bleibt ist ein Roman von unbändiger Lebenskraft. Eine bewegende Geschichte, die durch die Wälder Kanadas führt und tief unter die Haut geht.

30.09.2020: Identität 1142 . 23 Quarantäne-Kurzkrimis [Werbung] herausgegeben von Sebastian Fitzek: Die Pandemie-Zwangspause nutzen und gemeinsam ein Buch schreiben! Sebastian Fitzek, Tausende Thriller-Fans und namhafte deutschsprachige Bestseller-AutorInnen unterstützen mit spannenden Kurzgeschichten den Buchhandel in Zeiten der Corona-Krise. Unter dem Motto #wirschreibenzuhause hat Bestseller-Autor Sebastian Fitzek Ende März 2020 seine Instagram-Follower zu einem interaktiven Schreibwettbewerb aufgerufen. 1142 begeisterte Fans machten sich an die Arbeit und sandten ihre Thriller-Storys ein, die sich um das Thema “Identität” drehen, um das Motiv “Rache” und um den Fund eines Handys mit bedrohlichen Bildern darauf – Nervenkitzel pur! Eine Jury aus AutorInnen, Agenten und VerlagsmitarbeiterInnen wählte die dreizehn packendsten Geschichten aus, die nun in der Thriller-Anthologie „Identität 1142“ erscheinen. Zusätzlich steuerten zehn der erfolgreichsten deutschsprachigen BestsellerautorInnen eigene spannende Kurzgeschichten bei: Wulf Dorn, Andreas Gruber, Romy Hausmann, Daniel Holbe, Vincent Kliesch, Charlotte Link, Ursula Poznanski, Frank Schätzing und Michael Tsokos – sowie natürlich Sebastian Fitzek selbst. Entstanden ist ein Charity-Projekt der ganz besonderen Art: Sämtliche Gewinne aus dem Verkauf der Kurzgeschichten-Anthologie kommen über das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels e.V. dem Buchhandel zugute!

Der Ernährungskompass – Bas Kast

Als ich vor kurzem Bas Kast in einer Talkshow über seinen vor einigen Jahren erschienenen Ernährungskompass sprechen hörte, fand ich das sehr sympathisch und informativ. Längst war mir sein Buch positiv aufgefallen und ich hatte bislang nur Gutes darüber gehört. Aber ich bin auch sehr interessiert am Thema Ernährung und halte mich für recht gut informiert. So habe ich nicht erwartet, dass ich anhand dieses Buches allzu viel Neues erfahren könnte. Doch gelegentlich brauche ich einfach einen sanften oder unsanften Stupser, der mich wieder auf die richtige Spur bringt, wenn ich schlechte Gewohnheiten zu sehr schleifen gelassen und allein Geschmacksknospen und ungesunde Gelüste meine Ernährung bestimmen gelassen habe.

Da kam mir dieses Buch genau recht. Denn Bas Kast hat wissenschaftliche Ergebnisse genauer unter die Lupe genommen und miteinander verglichen um daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Ergebnisse offenbaren, wie sich das Leben zum Besseren wenden kann, indem man seine Ernährung umstellt. Manche Krankheit kann im Frühstadium durch eine passende Ernährung, ergänzt um die richtigen Vitamine, gelindert, wenn nicht sogar verbessert werden. Das menschliche Altern kann zwar nicht aufgehalten, aber unter Umständen verlangsamt werden. Doch es sind nicht diese fast schon reißerischen Versprechen, die einen zur gesunden, beziehungsweise gesünderen Ernährung bekehren, sondern vielmehr finde ich die kleinen umsetzbaren Tipps so ansprechend, die eine für den menschlichen Organismus bessere Kartoffel- oder Reissorte empfehlen und auch nicht vor der Kochmethode halt machen. Ich habe vieles in dem Ernährungskompass markiert, von dem ich einiges zwar bereits wusste, es mir aber nochmal unmissverständlich und möglichst unvergesslich in Erinnerung rufen wollte. Anderes, ein geringerer Teil, war tatsächlich neu für mich.

Wohltuend empfand ich es, die Informationen anhand von Studien belegt zu wissen, da ich mit meinen mittlerweile fast 53 Lebenjahren bereits die ein oder andere Phase durchlebt habe, in der gewisse Ernährungsformen als das Non-Plus-Ultra galten und sich inzwischen als unhaltbar oder sogar grundverkehrt herausgestellt haben. Es lohnt sich, das eigene Wissen immer wieder zu überprüfen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Ich erinnere mich daran, dass ich vor einigen Jahren stark verunsichert war und aufgrund der zahlreichen kursierenden Ernährungsmythen gar nichts mehr glauben konnte und wollte. Ganz allmählich fand sich jedoch ein Weg durch diesen Dschungel unterschiedlicher Aussagen diverser Quellen, so dass ich denke zu wissen, wie gesunde Ernährung funktioniert. Bas Kast hat für mich mit seinem Ernährungskompass genau dieses mühsam zusammengesammelte Wissen bestätigt und noch um das ein oder andere ergänzt, ohne dabei zu dogmatisch zu werden. Eine Bestätigung, die sich gut anfühlt.

Aber zu wissen, wie es geht, heißt ja leider nicht zwingend, dass man das auch 1 : 1 so umsetzt – zumindest bei mir ist das so. Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

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Bas Kast
Der Ernährungskompass
Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-10319-7
Preis: € (D) 20,00
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 05.03.2018