Fünf Viertelstunden bis zum Meer – Ernest van der Kwast

„Sie schwiegen und sahen sich an. Mit Blicken voller Hass und Unverständnis. Hätten sie mehr Augen gehabt, dann hätten sie sich auch mit Blicken voller Kummer und Bedauern angesehen. Aber was der Mensch tief in seinem Inneren fühlt, kommt selten an die Oberfläche.“ (S. 22)

Mike Altwicker hat in seinen Hier-und-Heute-Lesetipps vor einiger Zeit so von „Fünf Viertelstunden bis zum Meer“ geschwärmt, dass mich das Buch neugierig machte, obwohl es sich dabei offenkundig um eine Liebesgeschichte handelt. Zu Liebesromanen habe ich in den letzten Jahren nicht mehr gegriffen, da sie selten meinen Nerv treffen. Da ich allerdings bislang feststellen konnte, dass der mare Verlag mich schon oft mit besonderen Büchern begeistern konnte, habe ich es gewagt und dieses knapp 96 Seiten dünne Büchlein gelesen – ich wurde nicht enttäuscht.

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An dieser Stelle mag ich eigentlich nichts über die Geschichte erzählen, die der Klappentext dieses dünnen Buches beinahe vollständig verrät. Beim Lesen wusste ich also schon recht genau worum es bei dieser Geschichte geht und in welche Richtung sie sich entwickeln würde. Und doch habe ich mich über diesen Klappentext nicht geärgert, denn bei diesem Buch ist der Weg das Ziel. Schon mit der ersten Seite befindet man sich gleich mitten im Geschehen und blickt immer wieder auch in die Vergangenheit zurück. Die Beschreibungen sind bildhaft und verströmen mediterane Sinnlichkeit gewürzt mit italienischem Temperament.

„Dann wurde die Luft schmetterlingsleicht vor Süße. Aus den Knospen der beschnittenen Bäume wurden Blüten. Die Blüten waren teils vollkommen weiß, teils rosa mit weißen Streifen. Und der warme Wind von den Höhen blies Unruhe in alle Menschen.“ (S. 28)

Sie laden den Leser zum Schmökern und Abtauchen an. Und zum Träumen und Erinnern an die eigene erste großen Liebe, fernab von Enttäuschungen und weltlichem Realitätsabgleich. Ernest van der Kwast erzählt die Geschichte einer großen, unerfüllten Liebe, von kleinen Zufällen und großen Entscheidungen – zu der Zeit, als der Bikini erfunden wurde und sich allmählich seine Daseinsberechtigung eroberte. Über sechs Jahrzehnte sehnt sich Ezio nach seiner ersten großen Liebe Giovanna, bis endlich ein Brief von ihr eintrifft. Als Leser bleibt einem die Neugier auf den Ausgang dieser Geschichte bis zum Schluss erhalten. Überraschen kann das Ende letztlich zwar nicht, aber das muss es auch nicht. Vielmehr rundet es diese märchenhafte Liebesgeschichte gelungen ab, ohne ins Kitschige abzudriften.

Aber! Dieses Buch war eindeutig zu kurz, davon hätte ich gern mehr gelesen – was sicherlich für diesen Roman spricht 🙂

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Ernest van der Kwast
Fünf Viertelstunden bis zum Meer
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
Original: Giovannas Novel
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 96 Seiten
ISBN: 978-3-86648-205-0
Preis:  10,00 [D] inkl. MwSt.
Verlag: mare Verlag
Erschienen: 10.02.2015

Miroloi – Karen Köhler

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, weil ich die Leseproben der Bücher durchlas, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 geschafft hatten. Es gab zwar einige, die Lust aufs Weiterlesen machten, aber keine konnte mich auf Anhieb so packen, wie „Miroloi“ von Karen Köhler es tat.

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Denn hier schreibt, oder besser gesagt, singt die sechzehnjährige Erzählerin, der es versagt ist einen Namen zu haben, in 128 Strophen ihr Miroloi. In der griechisch-orthodoxen Kirche ist ein Miroloi als Totenlied bekannt, einem von Frauen gesungenen Klagelied, in dem das Leben des Verstorbenen noch einmal nach gesungen wird. Und während man sich noch fragt, was es mit diesem Totenlied eigentlich auf sich hat, erfährt man nach und nach aus der Ich-Perspektive und mit der besonderen Erzählstimme die Geschichte dieser jungen namenlosen Frau, der das Leben nicht gerade wohlgesonnen ist. Alles liest sich ungefiltert und authentisch. Ganz stimmig zeichnet sich hier das Bild eines Menschen, dem aufgrund seines Geschlechts Bildung und aufgrund des als Findelkind fehlenden Stammbaums Anerkennung und Akzeptanz versagt ist. Denn durch und durch frauenfeindlich und streng religiös geht es auf der fiktiven Mittelmeerinsel zu.

Karin Köhler hat mit diesem Buch einen Mikrokosmos geschaffen, um freizulegen, was die eigentlichen Mechanismen sind, die dazu beitragen, dass Frauen immer noch strukturell unterdrückt sind. Frauen wird in diesem Roman immer noch Bildung untersagt – sie dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Um nicht eine bestimmte Religion zu verunglimpfen, schuf die Autorin eine erdachte polytheistische Religion, deren heilige Schrift – die Khorabel – sich dem Willen der auf der Insel herrschenden Männer anzupassen scheint. Frauen haben kaum Rechte, aber viele Pflichten. Und wo die Bildung fern ist, herrschen außerdem zerstörerisch Aberglaube, Vorurteile und vor allem Dummheit. Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit.

Die Sprache ist so einfach, so naiv und unbedarft, wie die junge Frau, eine eher tragische Heldin, die hier erzählt. Aber wie sie das macht, ist besonders. Sie beschreibt, wie sie auf ihre Art die Dinge sieht, wie sie sie erlebt und was sie dabei fühlt.

„Ich sehe alles wie von sehr weit weg, höre alles durch eine dumpfe Schicht. Ich bin da, aber ich bin nicht da. Trauer ist ein Biest, das dich jederzeit anfallen kann. Mal würgt es dich und raubt dir den Atem, mal pustet es dir Wolken in den Kopf, mal reißt es dir die Gedärme raus, mal tropft es still durch deine Augen, mal liegt es bergschwer auf dir, saugt dir jedes Gefühl aus dem Leib und drückt dich zu Boden, dass du denkst, du kommst nie wieder vom Fleck.“ (S. 395)

Es kommt dabei zu intensiven Schilderungen, berührenden Wortneuschöpfungen und poetischen Umschreibungen, die das Lesen für mich zu etwas Besonderem machten. Gleichzeitig wächst mit fortschreitender Geschichte das ungute Gefühl, dass das alles nicht gut ausgehen kann. Das machte mich neugierig und sorgte neben der gefühlvollen Erzählperspektive dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte.

„Miroloi“ ist ein Roman, der berührt, weil er schmerzlich erkennen lässt,  dass es in manchen Ländern diese Zustände in ähnlicher Form immer noch gibt. Auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 war leider kein Platz für dieses Buch mehr frei, aber es konnte mich dennoch begeistern und gehört für mich zu den Highlights in diesem Jahr.

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Karen Köhler
Miroloi
Fester Einband, 464 Seiten
ISBN: 978-3-446-26171-6
Preis: € 24,00 [D], € 24,70 [A]
Verlag: Hanser
Erschienen:  19. August 2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Frisch auf dem Buchmarkt – Mai 2019

Beim Stöbern durch die Verlagsvorschauen habe ich für mich doch wieder so einiges entdecken können, das mich interessiert. Aber da ich mir fest vorgenommen habe in diesem Jahr verstärkt den Fokus auf die Bücher zu legen, die bereits den Weg in mein Bücherregal geschafft haben, versuche ich mich in Zurückhaltung zu üben. Mal schauen, welchem Buch ich letztlich dann doch nicht widerstehen kann (ich kenn‘ mich doch)

978-3-426-28214-4_Druck02.05.2019: Die stumme Patientin [Werbung] von Alex Michaelidis – Blutüberströmt hat man die Malerin Alicia Berenson neben ihrem geliebten Ehemann gefunden – dem sie fünf Mal in den Kopf geschossen hat. Seit sieben Jahren sitzt die Malerin nun in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Und schweigt. Kein Wort hat sie seit der Nacht des Mordes verloren, lediglich ein Bild gemalt: Es zeigt sie selbst als Alkestis, die in der griechischen Mythologie ihr Leben gibt, um ihren Mann vor dem Tod zu bewahren. Fasziniert von ihrem Fall, setzt der forensische Psychiater Theo Faber alles daran, Alicia zum Sprechen zu bringen. Doch will der Psychiater wirklich nur herausfinden, was in jener Nacht geschehen ist?

978-3-426-27760-7_Druck02.05.2019: Vom Glück des Wanderns [Werbung] von Albert Kitzler – Wandern ist die beliebteste Freizeitaktivität in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Deutschlands erfolgreichster Philosophie-Coach verknüpft diese Liebe zur Natur erstmals mit dem Trend-Thema Sinnsuche und Philosophie. Albert Kitzler verbindet in diesem Sachbuch die Sehnsucht nach Natur mit der Suche nach dem Sinn des Lebens ebenso unterhaltsam wie anregend. Er lädt ein zum Nachdenken über das Wandern und das Leben und erschließt dabei die stille Kraft, die beidem innewohnt – und natürlich kommen dabei jede Menge Philosophen aus allen Epochen der Geistesgeschichte zu Wort.

978-3-426-67578-6_Druck02.05.2019: Start your Bullet Journal [Werbung] von Lothar Seiwert und Silvia Sperling – Das neue Bullet Journal für Sinnsucher und Reisende. Dieses Reise-Bullet Journal soll Menschen auf ihrer Reise begleiten, ganz egal, ob 1 Monat, 3 Monate und ein ganzes Jahr, ob Kurz- oder Weltreise. Wichtiger Aspekt ist die Erfahrung der Ferne und der Fremde. Das Verlassen des Gewohnten, das Annehmen neuer Herausforderungen. Es geht ganz konkret um das Backpacking, Wandern, Travel, Unterwegssein, Hiking, Wandeln und sich dabei selbst suchen und begegnen. Das Reise-Bullet Journal soll ein einzigartiges, ganz persönliches Erinnerungsstück werden, das die Verwandlung auf einer Reise festhält.

978345327238520.05.2019: Cari Mora [Werbung] von Thomas Harris – ein neuer Thriller von dem Autor von „Das Schweigen der Lämmer“. Die Schreie einer Frau sind Musik in seinen Ohren. Er ist groß, blass, haarlos, und wie ein Reptil liebt er die Wärme. Menschen begegnen ihm mit Angst und Ekel. Er ist daran gewöhnt. Denn wenn sie das Monster in ihm erkennen, ist es meist zu spät. Bis der Killer sich Cari Mora aussucht. Die junge Frau hat keine Angst vor dem Grauen und wagt es, dem Dämon ins Auge zu blicken.

u1_978-3-7373-5638-122.05.2019: Dry [Werbung] von Neal & Jorod Shusterman – Kein Wasser. Vielleicht nie mehr. Niemand glaubte, dass es so weit kommen würde. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben. Neal und Jarrod Shusterman zeigen auf beängstigende Weise, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen wie du und ich von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen.

Auf welche Neuerscheinungen freut ihr euch im Mai?

Unsere Mütter . Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen – Silia Wiebe

Am Sonntag ist Muttertag und sofern man sich nicht einigelt und den Stromstecker zieht, um dem Internet und der täglich hereinflatternden Mailwerbung zu entgehen, kann man das auch unmöglich vergessen. Gefeiert werden soll die Mutter als Heldin des Alltags und wird dabei über alle Maßen in den Himmel gelobt, damit der werte Konsument, seines Zeichens Kind, großzügig seinen Geldbeutel öffnet um seine Wertschätzung zu demonstrieren. Natürlich geht es auch anders, aber tatsächlich widert mich der ganze kommerzielle Rummel ebenso an, wie die Heroisierung der Mutter als solches. Mütter sind auch nur Menschen, und als solche machen sie manches gut und manches auch mal nicht so gut, sie geben ihr Bestes oder behalten es für sich, erleben Verlustangst, Liebe, Wut, Trauer und Eifersucht. Und das alles so ganz fern von der schönen bunten Werbewelt, die einen gern vergessen lässt, dass es viele komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen gibt.

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Silia Wiebe, geboren 1977, lebt und arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie schreibt unter anderem für „Chrismon“, „Stern“ und „Brigitte“. Für ihr Buch „Unsere Mütter“ hat sie sich mit einigen Töchtern über ihr schwieriges Verhältnis zu ihren Müttern unterhalten und in der Ich-Perspektive niedergeschrieben. Die Geschichten sind nachvollziehbar und authentisch erzählt. Sie gehen nahe und berühren. Es geht um Wendepunkte, Lebensentwürfe, Rollenbilder, Verlust, Wiederfinden und manchmal auch ums sich öffnen und Verständnis füreinander haben. Doch selbst wenn die Beziehungen kompliziert sind, so sind sie doch auch von Liebe und Verbundenheit geprägt oder zumindest von der tiefsitzenden Sehnsucht danach.

Im letzten Kapitel erläutert die Diplom-Psychologin Stefanie Stahl schließlich in einem ausführlichen Gespräch, wie sich unsere frühe Mutterbindung auf unseren Alltag, unsere Beziehungen und unsere Einstellung zu uns selbst auswirkt. Sie gibt praktische Tipps, wie wir mit ausbleibenden Entschuldigungen, Übergriffigkeit und Desinteresse klarkommen und analysiert, warum manche Töchter noch als Erwachsene verzweifelt um die Liebe der Mutter kämpfen. In diesem Buch geht es nicht darum, die Mütter an den Pranger zu stellen, sondern es werden vielmehr die Lebenskonstellationen berücksichtigt, die als Ursache für manche Konflikte dienen können.

Als Tochter und selbst Mutter einer Tochter lese ich das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven. Manches erkenne ich wieder, erinnere mich und anderes möchte ich als Mutter gern vermeiden. Ein Buch, das zwar fernab von der heilen Muttertagswerbewelt ist, das aber dennoch aufzeigt dass auch komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen auf ihre ganz spezielle Art liebevoll sein, beziehungsweise werden können.

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Silia Wiebe
Unsere Mütter
Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen
gebunden mit Schutzumschlag,  239 Seiten
ISBN: 978-3-608-96332-8
Preis: 20,00 € (D), 20,60 € (A)
Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: 23.03.2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Totenfang – Simon Beckett

Gerade erst ist „Die ewigen Toten“, der 6. Teil aus der David-Hunter-Reihe von Simon Beckett erschienen und ich konnte natürlich nicht umhin, mir auch dieses Buch zuzulegen, obwohl ich das vorherige Buch mit dem Namen „Totenfang“ noch nicht gelesen hatte. Aber das sollte sich jetzt endlich ändern und bereits nach wenigen Seiten wusste ich wieder, warum ich die Thriller rund um den forensischen Antropologen David Hunter so sehr mag.

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Zum einen ist Dr. David Hunter kein oberschlauer Superheld, dem alles gelingt oder gar eine gestrandete Existenz, der man es kaum zutraut einen Fall zu lösen, sondern ein eher ruhiger sympathischer Protagonist der mit leiser Selbstironie und profundem Wissen den Leser in der Ich-Perspektive ganz nah an sich herankommen lässt. Dabei erfährt man viele Details, die bei der Begutachtung der Leichen Aufschluss darüber geben, was dem toten Menschen widerfahren ist oder zumindest Hinweise darauf geben, was geschehen sein könnte. Das ist stellenweise natürlich nicht gerade appetitlich, aber als Leserin habe ich bei diesen Thrillern nicht den Eindruck dass der Fokus auf den Ekel gelegt werden soll, sondern dass hier vielmehr die Gratwanderung zwischen dem einerseits widerwärtigen Verfall des menschlichen Körpers und der andererseits hochinteressanten Wissenschaft, die sich dahinter verbirgt, geschafft wird. Dabei wird das Ganze noch in einer spannenden Geschichte erzählt, die nicht actiongeladen durchs Buch hetzt, aber einen durch die packende Handlung und so manchen Cliffhanger am Kapitelende doch dazu bringt, immer weiterlesen zu wollen.

In „Totenfang“, dem fünften Fall von David Hunter, verschlägt es ihn in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Dort wird an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden, die bis zur Unkenntlichkeit von Krabben und Meeresinsekten verunstaltet wurde. Die Polizei geht davon aus, den seit über einem Monat vermissten 31-jährigen Leo Villiers, Spross der einflussreichsten Familie der Gegend, gefunden zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten, außerdem findet er tags darauf einen einzelnen Fuß im Wasser, der definitiv zu einer anderen Leiche gehört.

Simon Beckett konnte mich mit diesem Buch aufs Neue begeistern, weshalb ich es unbedingt Lesern empfehlen kann, die sich von der Thematik angesprochen fühlen und Lust auf einen spannenden Thriller haben. Da mir auch die anderen Bücher dieser Reihe gefallen haben, kann ich ebenfalls für „Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“ eine Empfehlung aussprechen. Aber ich denke, auch wenn man diese Bücher nicht gelesen hat, fehlen einem keine grundlegenden Vorabinformationen, um „Totenfang“ verstehen zu können. Ich selbst kann mich selten nach längeren Zeiträumen an Einzelheiten aus Büchern (oder Filmen) erinnern, sondern behalte nur einen Gesamteindruck im Gedächtnis. Meine Vergesslichkeit fand ich beim Lesen von „Totenfang“ zwar schade, aber nicht einschränkend. Es bestärkt mich eher in dem Vorhaben, die David-Hunter-Reihe in einigen Jahren vielleicht nochmal komplett für mich aufs Neue entdecken zu können – jedes Ding hat halt zwei Seiten 😉

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Simon Beckett
Totenfang
Original: The Restless Dead, Bantam Press, London
Übersetzung: Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn
Gebunden, 560 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5001-6 – € 19,95 [D]
Preis: 22,95 [D]
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 14.10.2016

erLESENer Januar

Im Lesemonat Januar dachte ich mit Altmann über das Leben nach, war mit meiner Erkrankung auf dem Prüfstand, schaute bei Fotos nochmal genauer hin, gruselte mich in Harmony Bay und war intolerant gegen Nanos oder vielleicht auch nicht 😉

Bücherwelten – vielfältig wie das Leben…

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Gebrauchsanweisung für das Leben von Andreas Altmann
Ein Buch, in dem ich die es mochte wenn Altmann übers Reisen erzählt, menschlich liegt mir der Autor jedoch eher nicht.

Ein gutes Leben und andere Probleme von Svenja Bunt / Sibylle Prins
Die Autorinnen geben in ihrem Buch als psychiatrie Erfahrene Tipps und Anregungen wie man trotz gesundheitlicher Probleme „ein gutes Leben“ führen kann. Empfehlenswert für psychiatrie Erfahrene!

Vom Alltäglichen zum Besonderen – Bilder auf den Punkt gebracht von Michael Jordan
Ein Buch für Fotografiebegeisterte, die anhand von unspektakulären Beispielen etwas über die Bildgestaltung und Bildbearbeitungsmöglichkeiten erfahren möchten.

Monster 1983 von Ivar Leon Menger
Ein gruseliges 1980er Jahre Hörspiel à la Stephen King, das mir auch aufgrund der vielen bekannten Synchronstimmen viel Spaß gemacht hat.

Nanos – Sie bestimmen was du denkst von Timo Leibig
Ein spannender aber insgesamt eher oberflächlichlicher Actionthriller bei dem die in den Lebensmitteln enthaltenen Nanos das Denken der deutschen Bevölkerung im Jahr 2028 manipulieren.

erLESENer Dezember

Im Lesemonat Dezember versuchte ich krampfhaft mit Peter seinen rosa Delfinvibrator loszuwerden und lernte dank Turtle, wie lebenswichtig Waffenreinigung sein kann.

Bücherwelten, so fremd und manchmal doch so nah…

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Qualityland von Marc-Uwe Kling
Manches brachte mich zum Lachen, aber gelegentlich blieb mir auch das Lachen im Halse stecken, weil die dystopische Satire in einem hoch digitalisierten Qualityland in gar nicht allzu ferner Zukunft spielt und man bei einigen Dingen tatsächlich das Gefühl hat, dass diese Zukunft sich bereits in der Gegenwart oder gefährlich nah an der Gegenwart bewegt. Als Hörbuch unbedingt empfehlenswert!

Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent
Die Geschichte über die zerstörerische und Grenzen überschreitende Vater-Tochter-Liebe ließ mich bis zum Schluss nicht los und wird mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Ein besonderes Buch, nicht leicht verdaulich, aber dennoch empfehlenswert!

Mein Ein und Alles – Gabriel Tallent

Als ich im Oktober durch die Literatursendung Buchzeit auf den Roman „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent aufmerksam wurde, war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt etwas über die zerstörerische und grenzen überschreitende Vater-Tochter-Liebe lesen wollte, weil es dort hieß, dass diese Geschichte nichts für schwache Nerven sei. Aber wie es manchmal mit Warnungen so ist, machen sie doch erst recht neugierig und so hielt ich schon bald das Buch in der Hand.

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Ich las es eher vorsichtig, immer auf das Schlimmste gefasst, las lange mit einer leisen Ahnung, von dem, was bei dem groben Umgang zwischen dem besitzergreifenden obsessiven Vater Martin und seiner 14jährigen, unter härtesten Bedingungen zu einer kampferprobten Waffennärrin und Überlebenskünstlerin erzogenen Tochter Julia sonst noch in dem weltabgeschiedenen Haus in den nordamerikanischen Wäldern vorgefallen sein mochte. Ich ertrug kaum die Härte und die selbst geschaffene Welt, in der diese beiden Menschen miteinander umgehen. Ihre Sprache empfand ich als unangenehm, obwohl genau diese dafür sorgt, dass die Atmosphäre einem den Magen umdreht, die Personen authentisch wirken lässt und verdeutlicht, warum die 14jährige, die sich selbst nur Turtle nennt, so denkt und handelt, wie sie es letztlich tut.

Auf ihren tagelangen Streifzügen durch die Natur sucht sie Zuflucht vor ihrem gewalttätigen Vater. Sie hält Augen und Ohren offen, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen – wie sie es von ihm lernte. Aber sie nimmt auch die Schönheit der sie dabei umgebenden Natur wahr und der Autor entführt den Leser damit auch sprachlich in eine völlig andere Welt voller schöner Naturbeschreibungen. Als Turtle jedoch Jakob bei einem ihrer Ausflüge näher kennen lernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt sie sich langsam aus den Klauen ihres Vaters zu lösen. Doch Martin kann und will seine Tochter, sein ‚Ein und Alles‘ nicht loslassen.

„Turtle hat immer gewusst, dass andere Menschen anders aufwachsen als sie. Aber sie hatte, denkt sie, keine Ahnung, wie anders.“ (S. 251)

Gabriel Tallent konnte mich mit „Mein Ein und Alles“ berühren. Er beschreibt Landschaften oder Turtles Routine der Waffenreinigung anschaulich und manchmal so ausführlich, dass es für mich persönlich auch ruhig etwas weniger hätte sein dürfen. Aber er beherrscht glücklicherweise meist auch die nötige Distanz, um Dinge vage zu beschreiben oder auch nur anzudeuten. Nichtsdestotrotz trafen mich diese Szenen und ich musste das Buch zwischenzeitlich aus der Hand legen. Aber die Geschichte ließ mich bis zum Schluss nicht los und wird mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Ein besonderes Buch, nicht leicht verdaulich, aber dennoch empfehlenswert!

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Gabriel Tallent
Mein Ein und Alles
Original: My Absolute Darling, Riverhead Books
Aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner
Hardcover mit Schutzumschlag, 480 Seiten
ISBN: 978-3-328-60028-2
€ 24,00 [D] | € 24,70 [A] CHF 33,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Penguin
Erschienen: 24. September 2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer November

Im Lesemonat November eierte ich mit Jasper durchs Leben, erlitt mit Timo eine schwere Kopfverletzung, reiste mit Jan Kammann durch die Welt, durchlebte und -liebte iranische Wurzeln und erlitt mit Lisbeth Salander dank ihres Vaters einen Kopfschuss.

Bücherwelten – manchmal gefährlich kopflastig…

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Spinner von Benedict Wells
Ein Protagonist an der Schwelle zwischen Pubertät und Erwachsenwerden. Tragikkomisch, aber auch berührend. Mein erstes Buch von Benedict Wells, von dem ich jetzt mehr lesen möchte.

Thalamus von Ursula Poznanski
Ein interessantes Thema in eine spannende Geschichte eingewoben. Ein unterhaltsames spannendes Jugendbuch.

Ein deutsches Klassenzimmer von Jan Kammann
Ein Lehrer investiert sein Sabbatjahr, um die Heimatländer seiner Schüler kennen zulernen. Das Buch öffnet Horizonte und hilft manches zu verstehen.

Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri
Ein Buch über Entwurzelung und Wurzeln, die ein Leben lang bleiben. Berührend, herzerwärmend und lesenswert!

Vergebung von Stieg Larsson
Ein gelungener Abschluss der Millenium-Trilogie. Empfehlenswert!

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober reiste ich mit dem Mountainbike von den Victoria-Fällen bis Kapstadt, erfuhr wie Tetje Mierendorf sich halbierte und konnte dank meiner Detox-Zimmerpflanzen tief durchatmen.

Bücherwelten – mitreißend informativ und manchmal auch nur ganz nett.

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Wüstenblues von Gerhard von Kapff 
Ein Buch, das mich derart mitreißen konnte, dass ich mich am liebsten gleich auf den Weg gemacht hätte, um der Spur des Autors von Sambia über Botswana und Namibia bis nach Kapstadt mit dem Moutainbike zu folgen. Ein echtes Highlight!

Halbfettzeit von Tetje Mierendorf 
Ich las gerne über seine Erfahrungen, konnte einiges nachvollziehen, fand anderes interessant und durchaus wert, darüber nachzudenken. Leider predigt er von dem besseren Leben als schlanker Mensch und wendet sich direkt an den Leser, dem er sagt, was er zu tun und zu lassen hat, was schnell nervig wird.

Saubere Luft mit Zimmerpflanzen von Ursula Kopp
Ein kompaktes Handbuch, in dem die wichtigsten Informationen zu den handelsüblichen ‚raumreinigenden‘ Zimmerpflanzen in gut verständlicher Form enthalten sind. Eher für Anfänger empfehlenswert.