Ein Jahr, mein Motorrad und ich – Rainer Janneck

Bücher übers Motorradfahren sind für mich etwas ganz Besonderes, weil sie mich immer auch in die Zeit zurückversetzen, als ich noch selbst fuhr – eine Leidenschaft, die mich nie ganz losgelassen hat und die mich beim Lesen immer auch den Fahrtwind und die Schräglage in den Kurven spüren lässt. Als es in diesem Monat bei der Motto-Challenge 2018 darum ging, eine SuB-Leiche aus dem Bücherregal zu fischen, freute ich mich auf „Ein Jahr, mein Motorrad und ich“ von Rainer Janneck, das ich seit langem ‚aufspare‘ und für das nun endlich der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein schien.

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Der Klappentext verrät über dieses Buch:

„Dieses Buch handelt von der Leidenschaft, Motorrad zu fahren. Erzählt wird es von einem, der dem Virus Motorrad hoffnungslos verfallen ist. Rainer Janneck, Motorradfahrer und Romantiker, schreibt nicht über Weltreisen und Sensationen, sondern über Reisen um die Ecke. Reisen in Deutschland und Europa. Mit Blick auf den ersten Singvogel des Tages, feuchte Wiesen, duftende Wälder, ewige Berge, ostdeutsche Liebenswürdigkeit und bezaubernde Frauen.
Mit sehnsüchtigem Blick streift er im Winter durch die Hallen von Motorradmessen. Dann endlich die erste Tour im März ins Havelland. An Ostern locken ihn die Alleen Ostdeutschlands, danach die Seen Polens. Zu pikanten Szenen kommt es, weil Rainer Janneck seine Frau überredet, mit ihm in die Pyrenäen zu fahren. Die letzten frostigen Kilometer auf der Hausstrecke, dann verschwindet die Maschine unter der Abdeckplane. Doch nicht für lange. Denn bald heißt es wieder: Ein Jahr, mein Motorrad und ich.“

Für mich klang das gut und ich freute mich auf das, was der 1964 im Münsterland geborene Rainer Janneck über seine Motorradreisen zu berichten hatte. Er liebt es, allein mit dem Motorrad durch Europa und besonders die ostdeutschen Bundesländer zu reisen. Dabei gefällt er sich vor allem in der Rolle des einsamen Wolfes, der sich in cooler Lederkombi wie ein Held fühlt und sich rasend beweisen muss, dass er ein ganzer Mann ist, der sich die ganz große Freiheit erfährt. Das ist natürlich ein Satz, der komprimiert das umfasst, was beim lesen immer wieder hier und da zwischen den Zeilen hindurch scheint. Er möchte ein unkonventioneller Abenteurer sein und erfüllt doch so sehr das Klischee vom Motorradfahrer, dass es beinahe peinlich ist.

Die Sprache ist einfach, die Sätze sind sehr knapp gehalten und erinnern ein wenig an die kurzen Mitteilungen, die sich gelegentlich im Telegrammstil auf Postkarten wiederfinden. Dabei wollte kein Lesefluss entstehen, der einen bei den Reisen mitgenommen hätte. Nach gut der Hälfte des Buches wird der Schreibstil zwar besser, die Beschreibungen werden ausführlicher und die Sätze werden etwas länger, und man bekommt eine Ahnung davon, wie besonders schön es ist manche Orte mit dem Motorrad zu bereisen. Aber ich hätte mir hier etwas mehr Landschafts- oder Ortsbeschreibungen gewünscht, anstatt seine herablassenden Bemerkungen über Rentnerüberschuss oder ihm hinterherschauende Mütter zu lesen.

Gehofft hatte ich auf ein Buch, das den ein oder anderen Tipp enthält und Lust darauf macht, die Routen mit dem Motorrad nachzufahren. Leider bleibt das Lesen oberflächlich und die Eindrücke sind eher flüchtig. Ein Lesespaß wollte bei mir nicht so recht aufkommen, aber glücklicherweise wartet noch ein anderes Motorradreisebuch („Hautnah“) auf mich – vielleicht habe ich damit etwas mehr Glück.

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Rainer Janneck
Ein Jahr, mein Motorrad und ich
Taschenbuch, 124 Seiten
ISBN: 978-3933385314
D: 9,90 €
Verlag: Highlights Verlag
Erschienen:  Dezember 2007

umgeBUCHt Beiwerk: Herzensbücher

Hinter dem Horizont rechts – Christopher Many

1997 brach der 1970 geborene Christopher Many zu seiner ersten Overlandreise auf und glaubte nicht, dass er mehr als ein, zwei Jahre unterwegs sein würde. Mittlerweile sind jedoch 19 Jahre vergangen und er treibt sich noch immer in der großen weiten Welt herum. Auch 2012 schwang sich Christopher Many auf seine Yamaha Ténéré, und machte sich mit viel Optimismus im Gepäck und seiner Partnerin Laura Pattara, die auf dieser Reise erst mittels „Learning by doing“ das Motorradfahren richtig erlernt hat, auf eine vierjährige Fahrt von Deutschland nach Australien. In „Hinter dem Horizont rechts“ erzählt er von diesem Abenteuer.

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Das Cover spiegelt gekonnt den Inhalt des Buches wider, indem es Christopher Many mitsamt vollgepacktem Motorrad bei einem übrig gebliebenen Schiffswrack im vertrockneten Teil des Aralsees zeigt – einem surreal wirkenden Bild, das vor dem Hintergrund einer der größten ökologischen Katastrophen dieser Welt, nachdenklich macht. So ist auch im Buch selbst immer wieder neben Abenteuerlust und Kuriosem, Raum zum Nachdenken und Hinterfragen von Umweltproblemen und politischen Themen. Die Einstellung des weltoffenen und unkomplizierten Autors wirkt hierbei jedoch überaus sympathisch und informativ und bleibt immer respektvoll.

Der Schreibstil ist erfrischend und natürlich, so dass sich dieser Reisebericht leicht und flüssig lesen lässt. 80 Farbfotos und 4 Karten lockern das Buch optisch auf und runden die geschilderten Erlebnisse perfekt ab. Kleine Anekdoten bringen zum Schmunzeln und immer wieder lassen die hautnah geschilderten Herausforderungen einen mitfiebern.

Überhaupt hatte ich beim Lesen des Buches den Eindruck, ich befände mich mit Christopher Many und seiner Gefährtin Laura auf Tour und er schildere mir gemütlich am Lagerfeuer seine zahlreichen Reiseerlebnisse. Und „zugehört“ habe ich ihm gerne, weil er ein Mensch ist, der viel zu erzählen hat und immer auch Vergleiche zu früheren Reisen und dem dabei erlebten zieht.

Zugegebenermaßen hatte ich befürchtet, dass rund 500 Seiten zu viel für einen Reisebericht sein könnten, bin aber nach Beendigung des Buches traurig darüber, dass diese Reise schon zuende sein soll. Obendrein gibt der Autor zum Ende des Buches zahlreiche Denkanstöße und Tipps, so dass ich mich am liebsten gleich auf den Weg machen möchte, um selbst als Overlander mitsamt eigenem Motorrad die Welt zu erkunden. Da ich mich jedoch nicht nur aus gesundheitlichen Gründen bremsen muss, werde ich zum Ausgleich das Vorgängerbuch „Hinter dem Horizont links“ lesen, in dem Christopher Many seine mit dem Land Rover zwischen 2002 und 2010 gemachte Reise beschreibt.



Christopher Many
Hinter dem Horizont rechts [Werbung]
Klappenbroschur, 520 Seiten
ISBN: 978-3-667-10563-9
€ 22,90 [D]
Verlag: Delius Klasing
Erschienen: 19.09.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal recht herzlich bedanke.