erLESENer November

Im Lesemonat November war ich in Gilead unterwegs, wanderte mit vielen Japanerinnen nach Amerika aus, durchschlug einen echten Rothko mit meiner Faust, erfuhr, was im Bösland wirklich geschah und entjungferte mit Sascha Felix.

Bücherwelten – bieten Ablenkung, wenn man es gerade braucht…

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Die Zeuginnen von Margaret Atwood
Die ebenfalls großartige Fortsetzung von „Der Report der Magd“. Hervorragend!

Wovon wir träumten von Julie Otsuka
Ein intensives und berührendes Buch, das auf eine besondere Weise auf geschichtliche Ereignisse rund um die japanstämmigen Amerikaner blickt. Ein Buch, das nachwirkt und zum weiter informieren anregt. Empfehlenswert!

Duell von Joost Zwagerman
Es ist Ausflug in die Welt der Kunst und dabei voller Witz, Action, kluger Gedanken, interessanter Einblicke und einer gehörigen Portion Slapstick. Unterhaltsam!

Bösland von Bernhard Aichner
Ein relativ vorhersehbarer Thriller, der jedoch sehr gut als Hörbuch vertont ist und der von den gut ausgearbeiteten Charakteren lebt. Gar nicht schlecht!

Scherbenpark von Alina Bronsky
Ein gefühlvoller, aber nicht gefühlsduseliger Roman über eine starke siebzehnjährige Protagonistin, die in Deutschland in einem russischen Hochhaus-Ghetto aufwächst. Empfehlenswert!

Schachnovelle – Stefan Zweig

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In der 1942 erschienen Schachnovelle von Stefan Zweig trifft ein als Schachspieler mäßig begabter Ich-Erzähler auf dem Passagierdampfer von New York nach Buenos Aires auf den Schachweltmeister Mirko Czentovic, den ein selbstgefälliger Millionär gegen Honorar zu einer Simultanpartie herausfordert. Der primitive und zugleich arrogante Czentovic beherrscht fast automatisch die kalte Logik des königlichen Spiels und agiert in gewohnt souveräner Weise. Mitten in der für die Herausforderer hoffnungslos verfahrenen Partie, greift plötzlich beratend der österreichische Emigrant Dr. B. ein.

Fragte ich mich anfangs noch, ob meine Grundkenntnisse des Schachspiels für diese Novelle ausreichen würden, so zerstreuten sich meine Bedenken recht schnell und das Buch zog mich regelrecht in seinen Bann. Die Charaktere und Situationen sind so bildhaft und intensiv geschildert, dass man sich inmitten des Geschehens befindet. Ist die Geschichte zunächst noch in unterhaltsamem Stil erzählt, gewinnt sie in dem Gespräch zwischen dem Ich-Erzähler und Dr. B. an Tiefe, aber auch an Tragik. Stefan Zweig macht die Gefühlswelten der Personen nachvollziehbar und miterlebbar – beispielsweise die abgrundtiefe Verzweiflung des Dr. B., wenn er sich an den Terror seiner Inhaftierung im Nationalsozialismus erinnert oder die mitreißende Leidenschaft , beziehungsweise der Besessenheit fürs Schachspiel.

Ich bin bemüht an dieser Stelle nicht zu viel zu verraten, weil ich es so sehr genossen habe, mich unvoreingenommen auf die in meiner Ausgabe knapp 93 Seiten umfassende eindrucksvolle Novelle einzulassen. Dieses Leseerlebnis sollte sich unbedingt gönnen, wer die Schachnovelle noch nicht kennt.



Stefan Zweig
Schachnovelle [Werbung]
Taschenbuch, 112 Seiten
ISBN: 978-3-596-21522-5
Preis € (D) 5,95€ (A) 6,20
Verlag: Fischer