erLESENer Februar 2020

Im Lesemonat Februar erlernte ich die Kunst der kriminellen Achtsamkeit, stellte meine Kindheit und die Kindheit meiner Tochter in Punkto Ernährung auf den Prüfstand und kam nach und nach dem Tod von Mattias auf die Spur.

Bücherwelten, so stimmungsaufhellend, wissenserweiternd und perspektivenverrückend…

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Achtsam morden von Karsten Dusse
Ein makaberer und zugleich humorvoller Thriller rund um das Thema Achtsamkeit. Herrlich erfrischend und mal ganz etwas Anderes aus dem Genre.

Die Macht der ersten 1000 Tage von Dr. med. Matthias Riedl
Welchen Einfluss Evolution und Eltern haben, wie die Mechanismen der Prägung und artgerechte Ernährung funktionieren erklärt der Autor interessant und gut verständlich. Eigentlich für mich ein 5-Sterne-Buch, aber manches hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

Nach Mattias von Peter Zantingh
Ein ungewöhnlicher Roman, der aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, wie es dazu kam, dass Mattias aus deren Leben verschwand und in welchem Kontakt sie zu ihm standen. Ein leises Buch, das nachwirkt.

Nach Mattias – Peter Zantingh

Erzählt werden in diesem Roman Geschichten von 9 Menschen, deren Leben durch Mattias Tod auf die ein oder andere Weise berührt werden. Es sind gut geschilderte Momentaufnahmen, in denen man als Leser die Situationen, aber auch die Charaktere dieser Menschen gleich bildlich vor Augen hat. Es ist ein Buch, in dem Aspekte und Konsequenzen behandelt werden, die das plötzliche Verschwinden eines Menschen auf das Leben derjenigen, die zurückbleiben, haben kann. Das sind zum Beispiel zwei Menschen, die sich begegnen, und die sich unter anderen Umständen niemals getroffen hätten. Es ist die angespannte Beziehung eines älteren Paares, die auf die Probe gestellt wird. Es sind Menschen, die ihre Leben neu bewerten müssen. Und es ist vor allem reiner Zufall.

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Dreh- und Angelpunkt dieses Buches ist jedoch Mattias, ein junger Mann in den Dreißigern, von dem man anfangs kaum mehr weiß, als dass er von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist. Indem man die Geschichten der anderen Menschen liest, die zunächst willkürlich ausgewählt zu sein scheinen, erschließt sich dem Leser nach und nach, was mit Mattias geschah und was für ein Mensch er war.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es ein Buch über Trauer ist. Jemand ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Aber es ist mehr als das. Denn dieser Roman handelt auch von dem Mut, den es braucht, positiv zu bleiben. Und von den Menschen, die mit ihrer Ohnmacht und Trauer umgehen müssen, während die Öffentlichkeit auf ihre ganz eigene Weise Anteil nimmt.

Beim Lesen dieses knapp 240 Seiten umfassenden Buches hätte ich mir manchmal gewünscht, dass der Autor mehr ausformuliert und ausführlicher geschrieben hätte. Tatsächlich ist dies jedoch eher meiner Ungeduld geschuldet, weil ich unbedingt mehr über Mattias und seine Todesursache erfahren wollte. Denn genaugenommen schafft es der Autor, sich mit seinem eher knapp gehaltenen Schreibstil dennoch bildhaft und gefühlvoll ausdrücken, um einen in die jeweilige Stimmung und Emotion hineinzuversetzen. So bleibt in diesem Roman auch durch nicht bis ins kleinste Ausformuliertes, das aber auch nicht als explizit Fehlendes oder Lückenhaftes empfunden wird, genug Raum für eigene Erinnerungen an gewisse Geschehnisse, die seinerzeit über die Medien verbreitet wurden und betroffen machten. Ungewöhnlich, aber lesenswert!

„Selbst Menschen, die nicht an Gott oder den Himmel glauben, hört man das manchmal sagen. Ich gehe zu ihm oder ihr. Dann sind wir wieder zusammen. Rational betrachtet, kann man das nicht denken, wenn man an der Existenz eines solchen Ortes zweifelt, aber wer ist schon rational, wenn der Tod nur eine Armlänge entfernt ist. Und was mich manchmal tröstet: Selbst wenn es keinen Himmel gibt, gibt es keinen besseren Weg, wieder nah beieinander zu sein, als sich im selben Winkel des Todes zu verstecken.“ (S. 32)

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Peter Zantingh
Nach Mattias
Original: Na Mattias, 2018
Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
Hardcover Leinen, 240 Seiten
ISBN: 978-3-257-07129-0
Preis: € (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Diogenes
Erschienen: 26. Februar 2020

Das Leseexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.