Die Germanistin – Patricia Duncker

Manchmal bin ich dankbar für meine Vergesslichkeit und freue mich darüber, wenn ich einfach ein Buch aus meinem Stapel ungelesener Bücher mehr oder weniger wahllos herausgreife, um mich überraschen zu lassen. Und ohne noch zu wissen, auf wessen Empfehlung hin ich mir das Buch kaufte und was mich seinerzeit daran so ansprach. Irgendwie hatte es auch „Die Germanistin“ von Patricia Duncker in meine engere Auswahl und schließlich sogar in mein Bücherregal geschafft. Ein eher zurückhaltendes, aber durchaus ansprechendes Buchcover und ein Titel, der mich vermuten ließ, dass es um Bücher und ums Lesen geht und vielleicht sogar dabei Sätze hervorbringt, die so bemerkenswert sind, dass sie in Erinnerung behalten werden wollen. Das habe ich in diesem Buch zwar auch entdecken können, es ist aber nicht der Grund dafür, dass es mich auf seine besondere Weise verwirren, aber auch ansprechen konnte.

Im Sommer 1993 ist der namenlose Ich-Erzähler Student in Cambridge und arbeitet an seiner Doktorarbeit über den französischen Romancier und politischen Quergeist Paul Michel. Daneben beginnt er eine Liebesbeziehung zu einer ungewöhnlichen jungen Frau, der Germanistin, die ihn vom ersten Moment an in eine andere, leidenschaftliche Welt verstrickt. Angetrieben von ihrer Willensstärke, reist er nach Paris um die noch unveröffentlichten Briefe Paul Michels an seinen Zeitgenossen Michel Foucault zu studieren und herauszufinden, wo er sich aufhält. Tatsächlich findet er den homosexuellen und unter Schizophrenie leidenden Schriftsteller dort in einer Nervenheilanstalt. Aufopfernd bemüht sich der Student um das Wohlergehen des angeblich wahnsinnigen Schriftstellers und kommt ihm allmählich näher.

Einen ganz eigenen Sog übt dieses Buch beim lesen auf mich aus. Und doch habe ich dabei das Gefühl, dass mir der Hintergrund fehlt, um diesen Roman in seiner Gänze erfassen zu können. Von Michel Foucault kenne ich bislang nur den Namen und weiß, dass er ein französischer Philosoph war. Ein kurzer Ausflug zu Wikipedia hilft mir dabei nicht so recht weiter und für mehr Recherche fehlt mir zu dem Zeitpunkt der Biss. Doch die Charaktere sind ungewöhnlich und die Geschichte vom Handeln und Leiden der Protagonisten gelegentlich so skurril, dass ich dem Buch dennoch bis zum Schluss folge. Ich beende den Roman mit dem Eindruck, das Wichtigste dennoch verstanden zu haben und enträtsle auch den tragischen Bezug der eher abstrakt wirkenden Abbildung auf dem Buchcover zu der Geschichte.

Am Ende habe ich den Eindruck einen besonderen Roman gelesen zu haben, der mich gleichzeitig auf eine meiner zahlreichen Bildungslücken aufmerksam gemacht hat. Eigentlich mag ich es ja, wenn Bücher mir die Tore zu anderen Welten und Wissensgebieten öffnen. Vielleicht wäre genau jetzt der beste Zeitpunkt, mich doch einmal mit Michel Foucault auseinanderzusetzen. Irgendwie habe ich Lust darauf und doch bin ich etwas zögerlich, weil erfahrungsgemäß mein laienhaftes Philosophieverständnis manchmal einfach nicht ausreicht, um die Lehren mancher Philosophen erfassen zu können.

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Patricia Duncker
Die Germanistin
Aus dem Englischen übersetzt von Karen Nölle-Fischer
Original: Hallucinating Foucault – Serpent’s Tail, London
Taschenbuch, 208 Seiten
ISBN: 978-3423126205
Preis: 5,99 € [D]
Verlag: dtv
Erschienen: 01.04.1999

Die potente Frau – Svenja Flaßpöhler

Aufmerksam wurde ich auf die promovierte Philosophin Svenja Flaßpöhler durch die Fernsehsendung „Buchzeit“ (3Sat), wo sie vor einiger Zeit als Literaturkritikerin Bücher beurteilte. Als sie im vergangenen Jahr ihr Buch „Die potente Frau“ selbst in anderen Büchersendungen vorstellte, war ich interessiert an ihren Ansichten über die #metoo Bewegung und konnte ihren Ausführungen dazu nur beipflichten. Dennoch dauerte es noch einige Zeit, bis ich zu dem Buch griff, denn allzu oft bin ich von dem, was einem unter dem Schlagwort „Feminismus“ begegnen kann eher abgeschreckt, wenn die Seiten einfach nur radikal vertauscht werden, anstatt sinnvolle Wege zu finden, die Frau und Mann zu ihrem Recht verhelfen.

12_Die potente Frau

„Der Hashtag-Feminismus behauptet, er befreie die Frau aus den Fängen des Patriarchats. In Wahrheit aber wiederholt er patriarchale Denkmuster: Die Frau ist schwach. Sie braucht Schutz. Das männliche Begehren ist allmächtig, das weibliche nicht existent. Mit ihrem Buch plädiert Svenja Flaßpöhler für eine neue Weiblichkeit. Erst wenn Frauen auch ihr Begehren als potente Größe begreifen, befreien sie sich aus der Opferrolle. Erst wenn sie Autonomie nicht nur einfordern, sondern auch den Mut haben, sie zu leben, sind sie wahrhaft selbstbestimmt.“

Das knapp 48 Seiten starke Büchlein bezeichnet sich als philosophische Streitschrift und ich muss gestehen, dass ich so etwas bislang noch nicht las. Der Text bietet viel Stoff zum Nachdenken und weiter lesen (Literaturhinweise befinden sich am Ende des Buches) und es gefällt mir, mich mit den hier angeschnittenen Themen zu beschäftigen. Aber streiten kann Frau Flaßpöhler mit mir nicht, da ich ihr in vielen Punkten zustimme. Einzig die titelgebende Bezeichnung der potenten Frau fühlt sich für mich sperrig an, da ich beim Lesen tatsächlich innerlich erst den Begriff „potent“ von der sexualisierten Bedeutung lösen und im Sinne von „stark, einflussreich und mächtig“ übersetzen muss – oder aber auch nicht, weil es eben doch auch zusammen gehört. Ein Buch zum mitdenken, durchdenken und sich eine eigene Meinung bilden.

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Svenja Flaßpöhler
Die potente Frau
Für eine neue Weiblichkeit
Hardcover, 48 Seiten
ISBN: 9783550050763
Preis: € 8,00 [D] ; € 8,30 [A]
Verlag: Ullstein
Erschienen: 02.05.2018

umgeBUCHt Beiwerk: Das perfekte Buch