Schweige still – Michael Robotham

Von Michael Robotham las ich bislang nur seinen Thriller „Die Rivalin“ und war eigentlich auch neugierig auf seine inzwischen bereits 11 Teile umfassende Reihe rund um Joseph O’Loughlin und Vincent Ruiz. Einerseits ist es ja schön so eine umfangreiche Reihe für sich entdecken zu können, aber andererseits schreckt es mich immer auch ein wenig ab – und so fand ich bisher keinen Anfang. Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der Autor eine neue Reihe startet, wurde ich jedoch gleich hellhörig und weil das Setting für mich ansprechend klang, entschied ich mich den Psychothriller „Schweige still“ als Hörbuch zu entdecken.

Eine gute Wahl, wie ich im nachhinein feststellen kann, denn die beiden Sprecher Norman Matt und Anjorka Strechel machen ihre Arbeit großartig. Sie verleihen den Protagonisten einen unverwechselbaren Charakter und machen dieses Hörbuch zu einem lebendigen und spannenden Hörgenuss.

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Seine Kindheit birgt ein schweres Trauma, sein Leben hat er dem Kampf gegen das Verbrechen gewidmet: Der Psychologe Cyrus Haven berät die Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen. Während er einen brutalen Mordfall untersucht, lernt Cyrus Evie Cormac kennen, die er psychologisch betreuen soll. Evie ist eine junge Frau, von der man vermutet, dass sie entführt, festgehalten und sexuell missbraucht wurde. Doch obwohl sie seit sechs Jahren in der psychiatrischen Anstalt lebt, weiß man immer noch nicht wie sie tatsächlich heißt, wie alt sie ist und was seinerzeit mit ihr wirklich geschah. Bei Pflegefamilien hielt es Evie niemals lange aus und landete immer wieder in der psychiatrischen Einrichtung. Inzwischen ist sie zu einer hochintelligenten, aber unberechenbaren jungen Frau herangewachsen, die über ein untrügliches Gespür dafür verfügt, wenn jemand lügt. Als Cyrus‘ Ermittlungen sich zuspitzen, bringt sie damit nicht nur sich selbst in tödliche Gefahr.

Michael Robotham ist mit diesen beiden Protagonisten Charaktere mit Ecken und Kanten gelungen, die aber im großen und ganzen stimmig sind und neugierig darauf machen, sie besser kennen zu lernen. Tatsächlich machte das dieses Hörbuch auch aus, denn der Mordfall um die jugendliche Eiskunstläuferin Jodie ist relativ beliebig, als hätte man Ähnliches bereits schon mal irgendwo gelesen, gehört oder gesehen. Da es sich um den Einstieg in eine neue Reihe handelt, wird zwar der Mordfall aufgelöst, aber es werden nicht alle Geheimnisse der Protagonisten gelüftet. Dennoch erfährt man gerade so viel, dass einen das am Ende nicht völlig unbefriedigt zurücklässt.

Nun heißt es erstmal auf die Fortsetzung zu warten, die voraussichtlich im Dezember 2020 in Deutschland erscheinen soll. Der Autor hat bereits angekündigt, dass er darin mehr über Evies Vergangenheit enthüllen wird:  darüber, wie sie in den geheimen Raum in dem Haus kam, in dem ein Mann zu Tode gefoltert wurde, warum sie dort war, was sie mit ihm verband. Insgesamt ist dies ein Reihenauftakt der Lust auf mehr macht.

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Schweige still – Cyrus Haven 1
Michael Robotham
Sprecher: Norman Matt und Anjorka Strechel
Spieldauer: 12 Std. und 11 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 27.12.2019
Sprache: Deutsch
Anbieter: Der Hörverlag

Der Federmann – Max Bentow

Als ich kürzlich auf der Suche nach einem spannenden Hörbuch war, das mir die leidige Hausarbeit versüßen sollte, stieß ich eher zufällig auf „Der Federmann“, weil es bei Audible für ein halbes Guthaben im Angebot war. Von Max Bentow und seiner inzwischen bereits aus 7 Büchern bestehenden Reihe um den Berliner Kommissar Nils Trojan hatte ich schon öfter Positives gehört. Dementsprechend gespannt hörte ich mir die Hörprobe zu „Der Federmann“, dem Auftakt der Reihe, an. Sie hat mich gleich in ihren Bann gezogen, weil Axel Milberg dem Protagonisten mit seiner Stimme so atmosphärisch furchterregend einen unverwechselbaren Charakter verlieh, dass es mich einfach nur gruselte. Genau so etwas hatte ich gesucht und kaufte mir darum gleich das Hörbuch.

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„Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord – wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.“ (So weit der Klappentext.)

Und ja: Es ist widerlich und es bringt mich fast bis an die Grenze dessen, was ich lesen, beziehungsweise hören oder sehen kann. Denn der Täter bringt nicht nur Frauen mit langen blonden Haaren um, sondern er geht auch nicht gut mit Vögeln um. Vor allem letzteres bereitet mir hierbei die größeren Probleme, denn ersteres ist man ja bei Thrillern gewohnt und hegt diesbezüglich wohl auch eine gewisse Erwartungshaltung. Außerdem mache ich mir beim Hören unglaubliche Sorgen um die kleine Tochter einer der Ermordeten – fast mehr, als ich ertragen kann. Aber dennoch kann ich von dem Hörbuch nicht ablassen und muss es bis zum Schluss weiter hören.

So richtig gefallen will mir das Ende zwar nicht und auch das vorgelagerte Action-Gerangel hat für meinen Geschmack unnötige Überlänge, aber es war ein Vergnügen Axel Milberg dabei zuzuhören, wie er diesem Thriller nicht nur abgrundtief krankes Leben einhaucht. Und so konnte ich nicht umhin und habe bereits in das 2. Hörbuch der Reihe, „Die Puppenmacherin“, hineingehört – ebenfalls von Axel Milberg vertont – und werde es mir wohl demnächst ebenfalls zulegen, wenn mir mal wieder nach einem blutrünstigem Thriller zumute ist.

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Der Federmann – Kommissar Nils Trojan 1
Max Bentow
Sprecher: Axel Milberg
Spieldauer: 8 Std. und 28 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 6,47 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 25.07.2011
Sprache: Deutsch
Anbieter: Der Hörverlag

Der Abgrund in dir – Dennis Lehane

Ich hatte mal wieder richtig Lust auf einen Thriller, als ich auf „Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane aufmerksam wurde. Dieses Buch bezeichnet sich als eine Mischung aus psychologischem Thriller und einer Liebesgeschichte und der Klappentext klang für mich zwar interessant, aber leider auch nach einem Schema, wie es bereits aus vielen anderen Büchern bekannt ist:

„Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet ihr Mann dieses Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?“

30_Der Abgrund in dirEs muss wohl an dem Autor Dennis Lehane gelegen haben, dessen Bücher „Mystic River“ und „Shutter Island“ als Weltbestseller bereits erfolgreich verfilmt wurden, dass ich mich dennoch entschied in die Leseprobe hineinzuschauen. Und tatsächlich hat mich gleich der Anfang des Buches mitgenommen und auch der Rest der Leseprobe konnte mich überzeugen:

„An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann. Er stolperte mit einem seltsam wissenden Gesichtsausdruck rücklings, als ob er schon immer geahnt hätte, dass sie es tun würde.“

Zwar nimmt sich das Buch gleich im Anschluss zurück und stellt dem Leser ausführlich die Protagonistin Rachel Childs vor, aber ich mochte die ruhige und gefühlvolle Art in der dies geschieht. Man lernt Rachel als unglückliches Kind und als junge Frau auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater, als Katastrophenreporterin auf Haiti und schließlich als stark in ihrem Leben eingeschränkte Angstpatientin kennen. Facettenreiche Einblicke, die sich allmählich zu einem Bild der Protagonistin zusammensetzen, wobei ich mich jedoch immer auch fragte, wie und vor allem wann die eigentliche Geschichte denn wohl weiter gehen würde.

Doch gerade, als ich mich damit abgefunden hatte, dass es sich bei diesem Buch „nur“ um einen Roman, den ich nichtsdestotrotz sehr gerne las, anstatt des eigentlich erwarteten Thrillers handelt, nahm die Handlung enorm Fahrt auf. Das Buch splittet sich ab diesem Zeitpunkt in zwei Teile auf, die sich nicht mehr so recht zusammenbringen lassen. Ab sofort sind die komplexen Charaktere beinahe völlig vergessen und es geht nur noch darum, beim Lesen lebendige und lebensgefährliche, teils tödliche Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, die so rasant sind, dass kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Aber sie konnten mich auch mitreißen und dafür sorgen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte, auch weil ich unbedingt wissen musste, wie sich diese verworrene Geschichte auflöst. Dabei schießt Dennis Lehane meines Erachtens jedoch einige Male übers Ziel hinaus, indem er zu sehr konstruiert und es zu unglaubwürdigen, manchmal sogar absurden Entwicklungen kommen lässt. Erstaunlicherweise habe ich ihm das jedoch nicht einmal übel genommen, sondern fühlte mich trotz allem irgendwie gut unterhalten.

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Dennis Lehane
Der Abgrund in dir
Roman
Aus dem Amerikanischen von Steffen Jacobs und Peter Torberg
Hardcover Leinen, 528 Seiten
ISBN: 978-3-257-07039-2
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70 * unverb. Preisempfehlung 
Verlag: Diogenes
Erschienen:  29.08.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

umgeBUCHt Beiwerk: Ein bekannter unbekannter Autor

Sag kein Wort – Raphael Montes

Téo Avelar ist Einzelgänger und ein Medizinstudent, der sich im Seziersaal der Medizinischen Fakultät am wohlsten fühlt . Echte menschliche Gefühle bringt er nur für seine dortigen Studienobjekte auf – bis er Clarice begegnet, einem Partygirl aus gutem Hause. Vom ersten Moment an ist Téo überzeugt, dass Clarice die Frau seines Lebens ist. Er beginnt, sie zu verfolgen und zu beobachten, macht ihr Geschenke, ist geradezu besessen von ihr. Als Clarice ihn zur Rede stellt und unmissverständlich deutlich macht, dass sie nichts von ihm wissen will, schlägt Téo sie bewusstlos und entführt sie in ein entlegenes Hotel in den Bergen. Was nun folgt, sind aus Téos Sicht tatsächlich perfekte Tage. Dass er Clarice fesseln und knebeln muss, sobald er sie allein lässt, liegt schließlich nur daran, dass sie so widerspenstig und unvernünftig ist.

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So ruhig die Geschichte anfängt, so schnell nimmt sie an Fahrt auf. Allmählich bekommt man tiefere Einblicke in Téos Denkweise und weiß, dass die Art, wie er agiert und reagiert mit etwas Fürchterlichem enden muss. Distanzlos und schockierend beschreibt der Autor Menschliches und unmenschliches Handeln des Medizinkundigen, was schockierend ist, wobei jedoch nicht das Augenmerk auf blutrünstige Taten gelegt wird. Dieser Thriller lebt eher davon, dass der personale Erzähler den Leser tief in die Psyche des verklemmten, liebeskranken, realitätsfremden, aber nicht dummen Stalkers blicken lässt, der einem beinahe schon leid tun könnte, weil klar ist, dass er die so sehr von ihm ersehnte Gegenliebe von Clarice auf diese Art niemals gewinnen kann.

Der Schreibstil ist flüssig und auch wenn einem weder Téo noch Clarice sympathisch sind, so will man doch immer wissen, wie dieser Thriller weiter geht. Stellenweise wirkte die Handlung ein wenig konstruiert und unrealistisch. Dennoch fand ich das Buch spannend und fühlte mich gut unterhalten. Wer gerne einen Stalking-Thriller der etwas anderen Art lesen möchte, dem könnte „Sag kein Wort“ gefallen.

Der Autor Raphael Montes, geboren 1990 in Rio de Janeiro, ist Jurist und Autor. Sein Debütroman wurde u. a. für den Sao Paulo Literaturpreis nominiert, und in seiner Heimat wird Raphael Montes als ‚Stephen King Brasiliens‘ gefeiert. Mit seinem zweiten Spannungsroman ‚Sag kein Wort‘, der in siebzehn Ländern erscheint, sorgt Montes auch international für Furore.

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Raphael Montes
Sag kein Wort
Aus dem Portugiesischen von Kirsten Brandt
Original: Dias Perfeitos, Companhia das Letras, São Paulo 2014
Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8090-2678-5
Preis: € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Limes
Erschienen: 26.06.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.


testMit diesem Buch ging es für mich literarisch nach Brasilien. Das Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden kann man HIER.

Die Wahrheit – Melanie Raabe

Aus heiterem Himmel erhält Sarah die Nachricht, dass ihr vor 7 Jahren bei einer Geschäftsreise verschwundener Ehemann am Leben ist. Doch der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht ihr Ehemann. Er droht ihr, dass sie ihren Sohn und ihr scheinbar perfektes Leben verlieren werde, wenn sie ihn bloßstellt.

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Das Cover erzählt stimmungsvoll und optisch ansprechend von der Geschichte, die den Leser im Buch erwartet. Von einer Frau, die sich endlich entschließt von ihrer alten schmerzvollen Geschichte loszulassen und dies durch das Abschneiden ihres langen Haares und dem Wechsel zu einer modernen Kurzhaarfrisur unterstreicht. Tragisch, dass just zu diesem Zeitpunkt jemand auftaucht, der behauptet ihr Ehemann zu sein. Er weiß alles über sie und sie kennt ihn nicht.

Innerhalb von meist kurz gehaltenen Kapiteln wechseln sich die Ich-Perspektiven von Sarah und dem Mann ab, von dem schon recht früh für sie feststeht, dass er nicht ihr Mann ist. So tragen auch die Kapitel, in denen er aus seiner Sicht schildert, die Kapitelüberschrift „Der Fremde“. Daneben gibt es zwei Kapitel, deren Bezeichnung Jahreszahlen sind. Diese heben sich zum einen durch ein anderes Schriftbild vom restlichen Text ab und zum anderen wechselt die Erzählperspektive zur dritten Person.

In einer zunächst deprimierenden und den Verlust ihrer idealisierten Beziehung betrauernden Grundstimmung, lässt sich die zerbrechliche Hoffnung der Protagonistin nachvollziehen, in der sie endlich beschließt, dass ihr Leben weitergehen soll. Als Leser platzt man in diese Aufbruchstimmung hinein und freut sich mit Sarah. Umso schmerzlicher muss man dann miterleben, wie sich dieser vermeintliche Betrüger in ihr Leben drängt. Obwohl wir seine Gedanken in der Ich-Perspektive mitlesen dürfen, wissen wir ebenso wenig wie Sarah, was er genau im Schilde führt. Aber es steht fest, dass er strategisch seine Ziele verfolgt und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht auf Sarah einzuwirken. Nachdem diese ihre Schockstarre verloren hat, nimmt sie den Kampf auf und erfährt schließlich auch, warum dieser Fremde handelt, wie er handelt. Dabei machen es sich die Protagonisten gegenseitig nicht leicht und als Leser kann man das Buch kaum aus der Hand legen, weil einen dieser von Anfang an nervenaufreibende aufwühlende Psychothriller nicht mehr los lässt.

Geradezu detektivisch versucht man mitzurätseln, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, doch als sich schließlich alles auflöst, war das für mich zwar nicht vorhersehbar, aber dennoch aufgrund der Einfachheit enttäuschend. Mit einem Mal ist die komplette Spannung raus und man fragt sich, ob das nun der Ernst der Autorin sei. Aber nachfolgend wird noch das Wieso-Weshalb-Warum schlüssig aufgeklärt, was mich dann wiederum versöhnlich stimmen konnte, weil das alles schließlich in einem nachvollziehbaren Ende mündet.

Melanie Raabe ist mit „Die Wahrheit“ ein nervenaufreibender aufwühlender Psychothriller gelungen, den ich wirklich empfehlen kann.



Melanie Raabe
Die Wahrheit [Werbung]
Paperback, Klappenbroschur, 448 Seiten
ISBN: 978-3-442-75492-2
€ 16,00 [D] | € 16,50 [A] | CHF 21,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb
Erschienen: 29.08.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal recht herzlich bedanke.

Das tote Herz – Rainer Würth

„Das tote Herz“ von Rainer Würth ist insgesamt ein spannender Psychothriller in dem es auch schon mal blutig zugehen kann, der allerdings mit einigen Schwächen zu kämpfen hat.

Der erfolgreiche Architekt Kober erhält nach einem lebensgefährlichen Zusammenbruch ein Spenderherz und hat nachfolgend sonderbare Träume und Phantasien. Was er nicht weiß ist, dass ihm das Herz des sogenannten „Fotografen“ implantiert wurde – einem Frauenserienmörder, dessen letztes Opfer Solveig schwer verletzt den Autounfall überlebt hat und zu dem sich Kober nun stark hingezogen fühlt.

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Die Kapitel und auch die Schreibweise sind knapp gehalten. Der Autor schreibt oft in sehr kurzen Sätzen, die beinahe schon abgehackt wirken. Dadurch liest sich das Buch allerdings auch teilweise recht rasant und baut schon durch diese Stilmittel ein gutes Tempo auf. Stellenweise ist mir Satzbau und Sprache jedoch zu umgangsprachlich, so dass mich das im Lesefluss leider manchmal etwas gestört hat.

Es finden viele Perspektivwechsel statt, die sich jedoch gut nachvollziehen lassen. Da sind zum einen unterschiedliche Ich-Erzähler, die den Leser in die Rollen dieser Personen schlüpfen lassen und den sich langsam steigernden Wahn hautnah miterleben lassen. Außerdem ist ein allwissender Erzähler vertreten, der interessante Einblicke in Kopf und Denkweise des Polizeipsychologen gewährt. Leider wird jedoch in keiner Perspektive verraten, wie sich Kober und Solveig überhaupt kennen lernen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass in dem Buch ein Kapitel fehlt, weil die beiden plötzlich und unerwartet zusammen sind.

Außerdem scheint sich Kober übertrieben schnell von der Herztransplantation zu erholen und der Polizeipsychologe über gespenstische Intuition zu verfügen. Wenn auch bereits beim Lesen des Klappentextes feststand, dass es sich bei diesem Psychothriller um eine fiktive Geschichte handeln würde, hätte ich mir für das Zusammentreffen mancher Protagonisten etwas mehr Raffinesse und Glaubwürdigkeit gewünscht.



Rainer Würth
Das tote Herz [Werbung]
Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-442-48450-8
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Goldmann
Erschienen: 15.08.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal recht herzlich bedanke.