Ein gutes Leben und andere Probleme – Svenja Bunt / Sibylle Prins

Als ich gefragt wurde, ob ich „Ein gutes Leben und andere Probleme“ rezensieren möchte, schaute ich eher zögerlich in die Leseprobe dieses Buches, das ein Ratgeber von Psychiatrieerfahrenen für Psychiatrieerfahrene sein soll. In den vergangenen 10 Jahren meiner Krankheitsgeschichte habe ich viel ausprobiert, einiges erfolgreich umgesetzt und verinnerlicht und bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem die Symptome meiner Erkrankung zur Ruhe gekommen sind oder ich gelernt habe mit ihnen umzugehen. Meine Lebensqualität ist enorm gestiegen, die Krankheit in den Hintergrund gerückt und mein Leben in den Vordergrund. Doch weil ich weiß, dass mein Leben aus vielen kleinen Stellschrauben besteht, deren Feinjustierung dafür verantwortlich sein kann, ob es mir gut oder schlecht geht, war ich neugierig, ob dieses Buch neue Impulse für mich bereithalten würde.

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Die Texte in dem Buch wurden etwa je zur Hälfte von Sibylle Prins und Svenja Bunt geschrieben. Sie behandeln Themen, die viele Psychiatrie-Erfahrene beschäftigen: Alltagsgestaltung, mit wenig Geld auskommen, Arbeit, Krisen, Genesung, Beziehung, Selbstbild, Sinnsuche. Sie gehen beim Schreiben von ihren eigenen Erfahrungen und von denen der Psychiatrie-Erfahrenen aus , die sie im Laufe ihres Lebens kennengelernt haben. Und das spürt man beim Lesen auch. Es fühlt sich ein wenig so an, als träfe man auf geschätzte Mitpatientinnen, die auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können und mit Herz und Verstand das Beste aus ihrem Leben zu machen bereit sind, auch wenn dies manchmal unbequem sein kann.

Beide Autorinnen haben Psychose-Erfahrung und ihr Blick auf psychische Erkrankungen ist davon geprägt, aber sie berücksichtigen auch andere psychische Erkrankungen, da es im Alltag tatsächlich viele ähnliche Probleme zu meistern gilt. Und in der Tat fühlte ich mich beim Lesen gleich verstanden und konnte mich in vielem wiederfinden. Auch kommen hier andere Betroffene in kurzen sehr authentischen Abschnitten zu Wort, die das Lesen dieses Buches zu etwas sehr persönlichem machen.

Die Autorinnen geben Anregungen, wie man trotz gesundheitlicher Probleme „ein gutes Leben“ führen kann. Wie kann ich mich so verhalten, dass es mir langfristig gut geht? Wie kann ich gut für mich sorgen? Oft stimmte ich beim Lesen innerlich zu, weil ich die Strategien, Verhaltens- und Denkweisen auch für mich in den vergangenen Jahren geändert habe und für mich als richtig empfinde. Die meisten Dinge brauchen Zeit. Sie müssen erst als Gewohnheiten verankert werden, und erst langsam verändert sich etwas im Körper, im Gehirn, in der Seele. Tief in meinem Inneren weiß ich das und doch frage ich mich, ob ich meine jetzige Lebensqualität vielleicht eher hätte erreichen können, wenn mir dieser Ratgeber vor 10 Jahren, gleich zu Beginn meiner Behandlung in die Hände gefallen wäre.

Doch wie viel Psychiatrie-Erfahrung für das Lesen und Verstehen des Buches notwendig ist, ist schwer auszumachen. Wichtig ist, dass die psychische Gesundheit so weit wiederhergestellt ist, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, sein Leben auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls ändern zu wollen. Da kann das Buch sicherlich neben der Behandlung eine wertvolle Ergänzung sein. Gerne hätte ich zu einigen Themen gleich im Buch mehr erfahren, aber stattdessen gibt es Links und Buchtipps zum Weiterlesen, wo auch für mich einiges Interessantes zu finden war. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Ratgeber bewusst knapp gehalten ist, um für seine psychiatrieerfahrenen Leser besser zugänglich zu sein, da sie oft auch gerade in den Zeiten, in denen sie fieberhaft nach Hilfe suchen, unter Konzentrationsstörungen leiden. Ich denke, hier wurde eine gute Lösung gefunden.

Dieser Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Er belehrt nicht und er verspricht auch keine Wunder. Aber er bietet Möglichkeiten, denn wenn im Laufe einer psychischen Erkrankung so mancher Lebenstraum begraben wird, gehen doch manchmal neue Türen auf, wenn man gut für sich sorgt. Dabei kann das Buch meines Erachtens nach helfen, weshalb ich es empfehle. Mein Leseexemplar werde ich übrigens an einen lieben Menschen weiter verschenken, für den ich mir nichts sehnlicher wünsche, als das ihm dieses Buch bei seinem Lebensweg ein hilfreicher Begleiter sein möge.

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Svenja Bunt / Sibylle Prins
Ein gutes Leben und andere Probleme
Ein Ratgeber von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene
Broschiert, 168 Seiten
ISBN: 978-3-86739-139-9
€ 17,00 [D] | € 17,50 [A] 
Verlag: BALANCE buch + medien verlag
Erschienen: 05. Oktober 2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.


umgeBUCHt Beiwerk: Unbekannte Bücher

Fettlogik überwinden – Nadja Hermann

Der Klappentext zu „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann meint:

„Warum scheitern Diäten? Wegen genetischer Veranlagung? Wegen eines kaputten Stoffwechsels? Oder wegen Schilddrüsenunterfunktionen? Nach Jahren erfolgloser Diäten und mit 150 Kilo auf der Waage stellt Dr. Nadja Hermann fest, dass das meiste, was sie über Diäten geglaubt hatte, Mythen sind. Ihr wird klar, dass es eigene Logiken gibt, die sie vom Abnehmen abhalten. Erst das Überbordwerfen all dieser »Fettlogiken« hilft der Autorin dabei, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Anderthalb Jahre später wiegt sie 65 kg. Mit Witz, Sachverstand und den neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft räumt sie mit den Diätlügen auf.“

45_Fettlogik überwindenDer Titel war mir immer zu reißerisch und sprach mich nicht an, was wohl der Hauptgrund war, warum mich dieses Buch nicht interessierte, obwohl es eine Thematik enthält, auf die ich normalerweise leicht anspringe, da ich (BMI 36), auch schon einiges gelesen und ausprobiert habe. Als ich jedoch kürzlich mitbekam, dass sich zwei liebe Menschen über dieses Buch unterhielten, wurde ich doch neugierig.

Erwartet hatte ich ein weiteres Buch, in dem jemand seine ultimative Abnehmmethode anpreist und erklärt, wie es geht. So etwas will ich wissen und das habe ich schließlich auch bekommen, aber genauer betrachtet geht es darum in diesem Buch nicht vorrangig. Die Autorin hat ihr Körpergewicht um mehr als die Hälfte reduziert und dabei ihr vermeintliches „Wissen“ über Übergewicht kritisch hinterfragt. Seit 2013 las sie jegliche Information, die ihr zu den Themen Übergewicht, Abnehmen, Diäten, Sport und Gesundheit in die Hände fiel, hauptsächlich wissenschaftliche Artikel über Stoffwechsel usw.. Sie hat ganz genau hingesehen, welche Abnehmmythen, vermeintliche Weisheiten und Aussagen ihr und Abnehmwilligen allgemein begegnen. Davon ist bei näherer Betrachtung vieles an den Haaren herbeigezogen und anderes dient oftmals in Form von Selbstbetrug dazu, sich in irgendeiner Form mit seinem Übergewicht abzufinden.

Und genau damit räumt die Autorin auf. Viele Behauptungen werden erklärt und anhand wissenschaftlicher Studien belegt oder widerlegt. Es wird nichts schön geredet und ein ums andere Mal fühlte ich meine jahrelang erlernte und mich wie ein Schutzwall umgebende Fettlogik im wahrsten Sinne des Wortes dahinschmelzen. Übrig bleibt die schmerzhafte Gewissheit, die mir mit diesem Buch unmissverständlich vor Augen geführt wurde: Übergewicht ist nicht gesund, auch wenn man sich nicht krank fühlt und sich mit den überzähligen Kilos arrangiert hat. Warum es krank macht, kann man ebenfalls nachlesen.

Natürlich habe ich bereits vor dem Lesen dieses Buches vieles gewusst, aber eben doch nicht alles und es hat mich berührt, wenn nicht gar tief getroffen, weil ich mich in vielen Punkten wiedererkennen konnte. Auch entsprechen die Erfahrungen und Ansichten der Autorin dem, was ich bereits für mich erkannt und erprobt hatte, aber leider irgendwann nicht mehr weiterverfolgt habe. Auch wenn mir die Vorgehensweise der Autorin zu extrem erschien, hat mir dieses Buch gut getan, weil viele Abnehmthemen angesprochen, auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und endlich mal auf den Punkt gebracht werden. Interessant ist auch der Blog von Nadja Hermann: Fettlogik überwinden. Eine Empfehlung nicht nur für Übergewichtige!

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Nadja Hermann
Fettlogik überwinden
Taschenbuch Broschur, 400 Seiten
ISBN-13 9783548376516
€ 9,99 [D] € 10,30 [A]
Verlag: Ullstein
Erschienen: 12.02.2016

Nur was ich mag – Sissi Kandziora

Auf ihrem YouTube Kanal TypischSissi startete Sissi Kandziora Anfang 2015 zusammen mit ihren Zuschauern das Projekt #NURWASICHMAG. Daraus entstand die Idee zu ihrem ersten Buch mit gleichnamigem Titel. Der Ratgeber beschäftigt sich damit, wie man seine Wohnung von unnötigem Ballast befreit und sich vor erneuten Fehlkäufen bewahrt.

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Aufmerksam geworden bin ich auf den Youtube Kanal etwa zu Beginn dieses Jahres. Sissis sympathische Art und die simple aber effektive Methode, einzelne Themenbereiche seines Lebensumfelds unter dem Aspekt „Was ich mag“ zu entrümpeln, hat mich gleich angesprochen. Auch wenn ich einige Bereiche bereits gut für mich geklärt hatte, gab es doch noch das ein oder andere für mich zu entdecken.

Das bewog mich letztlich auch dazu das Buch zu kaufen, in dem ich hilfreiche Tipps fand, die ich nach und nach umsetzen möchte. Das Taschenbuch ist ansprechend und modern gestaltet und auch Sissis Schreibweise ist in der bereits vom Youtube-Kanal bekannten lockeren ansprechenden Art.

Im Buch enthalten ist die aus 35 Teilen bestehende #NURWASICHMAG Challenge, zu der ergänzend wöchentlich Youtube-Videos auf Sissis Kanal erscheinen. Die ersten 4 Folgen sind zum jetzigen Zeitpunkt bereits online.

Beim Kapitel „Das kann sofort weg“, in dem eine Liste mit 100 Dingen aufgeführt ist, die auf der Stelle aussortiert werden können, fühlte ich mich ertappt. Dort war allerlei Zeugs aufgeführt, das auch ich aus unerfindlichen Gründen aufbewahrt habe.

Insgesamt geht es allerdings nicht darum, seine Sachen radikal auszumisten, wegzuwerfen, zu verkaufen oder zu spenden, sondern vielmehr darum, sich selbst und seine Bedürfnisse besser kennen zu lernen. Nur so können erneute Fehlkäufe weitestgehend vermieden werden.

Das Buch hat mir gut gefallen und doch denke ich, dass es auch sinnvoll ist, sich die Videos anzuschauen, da sich beides wunderbar ergänzt.


Sissi Kandziora
Nur was ich mag [Werbung]
Leben kann so einfach sein
Paperback, 180 Seiten
ISBN: 978-3-7431-9138-9
€ (D) 10,00
Verlag: Books on Demand
Erschienen: 03.05.2017

Wo bitte geht’s zum Meer? Was es wirklich heißt, eine Kreuzfahrt zu machen – Bettina Querfurth

Warum begeben sich Menschen in Scharen auf ein Schiff, das mehr Leute unterbringt, als eine Kleinstadt Einwohner hat? Weil es die bequemste und modernste Art zu reisen ist, findet die erfahrene Kreuzfahrt-Urlauberin Bettina Querfurth. Seit zwanzig Jahren unternimmt sie Kreuzfahrten und hat die unterschiedlichsten Routen und Schiffe ausprobiert.

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„Jeder Kreuzfahrtnovize muss sein persönliches Traumschiff aber erst einmal finden. Das ist gar nicht immer so einfach. Großes Schiff – kleines Schiff. Expeditionsfahrt, um Land und Leute kennenzulernen, oder ein schwimmendes Freizeitressort? Deutsch oder international? Mit Schlittschuhbahn und Surfsimulator oder lieber ohne? Das alles gilt es abzuwägen und noch vieles mehr.“ (S. 13)

Und dabei nimmt einen die Autorin an der Hand und führt in die kuriosen Sitten und Gebräuche, die den genauen Ablauf auf einem Schiff regeln ein. Sie greift dabei auf ihren großen Erfahrungsschatz zurück und erzählt auf humorvoll ironische Weise ihre besten Geschichten und Anekdoten über den Alltag an Bord. So behandelt sie auf unterhaltsame Weise in locker flockiger Schreibweise alle für den Kreuzfahrt-Neuling wichtigen Themen und fasst auch zum Ende jedes Kapitels die wichtigsten Tipps und Tricks kurz und knackig als sogenannte „Rettungsringe“ zusammen.

Als Kreuzfahrt-Fan weiß Bettina Querfurth zwar auch um die negativen Seiten dieser Art zu Reisen:

„All die ehrwürdigen Orte und berühmten UNESCO-Weltkulturerbestätten verlieren sicher ein bisschen von ihrem Charme bei diesem Massenbetrieb. Wenn wir den Superstars unter den Sehenswürdigkeiten einen Besuch abstatten, müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, dass sie nicht nur uns eine Audienz gewähren. Doch sei’s drum. […] Wir Kreuzfahrtreisenden sind daran wahrlich nicht alleine schuld. Den Louvre oder den Markusplatz wollen außer uns eben auch noch andere besuchen. Der Tourismuswahnsinn wird durch uns nur noch ein wenig zugespitzt.“ (S. 173)

Wer sich jedoch tiefer gehend und kritischer mit den Schattenseiten von Schiffsreisen auseinandersetzen möchte, der sollte lieber zu anderer Literatur greifen.

Dieses Buch hat mich als Nicht-Kreuzfahrerin auf kurzweilige Art gut unterhalten und ich kann es jedem empfehlen, der sich für das Thema „Kreuzfahrt“ generell interessiert, sich bisher aber noch nicht darüber informiert hat.



Bettina Querfurth
Wo bitte geht’s zum Meer? [Werbung]
Was es wirklich heißt, eine Kreuzfahrt zu machen
Klappenbroschur, 224 Seiten
ISBN: 978-3-453-28543-9
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Diana
Erschienen: 09.01.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Das Einmaleins der Achtsamkeit – Jessica Wilker

„Das Einmaleins der Achtsamkeit – Vom täglichen Umgang mit alltäglichen Gefühlen“ wurde von der Psychologin und Religionswissenschaftlerin Jessica Wilker geschrieben, umfasst 93 Seiten und wurde im Theseus Verlag veröffentlicht.

Darin soll mittels eines 7-Tage-Programms der achtsame Umgang mit Gefühlen geübt werden. An jedem Tag steht ein anderer Aspekt im Vordergrund, der zunächst beleuchtet und anschließend praktisch geübt werden und so zu einem besserem Verständnis für die eigenen Emotionen verhelfen soll.

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Anschaulich, humorvoll und gut verständlich brachte mich dieses Büchlein mit seinen kurzen Kapiteln dazu, achtsam innezuhalten und dabei meinen jeweiligen Gefühlszustand und die daraus resultierenden Verhaltensweisen zu betrachten. Da ich in diesem Bereich schon recht geübt bin und bereits vieles verinnerlicht habe, mochte ich nicht strikt nach Programm üben, sondern habe es für mich einfach in Kapitel unterteilt, von denen ich auch mehrere an einem Tag gelesen habe. Immer war dies jedoch eine kleine ganz besondere Pause vom Alltag, die zum nachdenken anregte und das Gelesene noch lange nachwirken ließ. Die Illustrationen in diesem Buch kommen allerdings ungelenk daher und lassen jeglichen Charme oder Zusammenhang zu dem Text vermissen, weshalb ich gut auf sie hätte verzichten können.

Dieses Buch lädt zum Innehalten und Nachdenken über die Gefühlswelt ein, der man mit Achtsamkeit begegnen sollte, wenn man sein eigenes und das Handeln anderer besser verstehen und willentlich reagieren möchte. Ein sehr anschauliches kleines Büchlein, das ich empfehlen kann.



Jessica Wilker
Das Einmaleins der Achtsamkeit – Vom täglichen Umgang mit alltäglichen Gefühlen [Werbung]
Taschenbuch, 92 Seiten
ISBN 978-3-89901-232-3
€ 5,95 | eBook € 3,99
Verlag Theseus
Erschienen: 13.08.2010