Couchsurfing im Iran – Stephan Orth

Nachdem ich schon von „Couchsurfing in Russland“ so begeistert war, hatte ich ähnlich hohe Erwartungen an „Couchsurfing im Iran“ und wurde nicht enttäuscht. 62 Tage verbringt Stephan Orth im Iran und wird dabei von 22 Gastgebern beherbergt. Dabei erlebt er Abenteuer, die kein Reiseveranstalter jemals in seinen Katalog schreiben würde. Als Couchsurfer tauscht er Hotel gegen Privatquartier und lernt das Land so von seiner ganz privaten Seite kennen. Denn hinter verschlossenen Türen und verhangenen Fenstern fällt nicht nur der Schleier, sondern es schwindet auch die Angst vor den Sittenwächtern.

Ob beim Rotwein-Besäufnis mit einem persischen Prinzen oder bei einem Wohnzimmer-Date mit versammelter Großfamilie, im stinkenden Schmugglerbus oder im rasenden Kleinwagen: Jede neue Begegnung fügt sich als Puzzleteil ein in das Gesamtbild eines Landes, dessen Realität komplett anders ist, als die Klischees vermuten lassen. Und schließlich werden noch zwei der letzten Geheimnisse aufgedeckt: wie die Einheimischen es anstellen, in einer Apotheke Wodka zu kaufen – und warum sie die unsägliche Popgruppe ‚Modern Talking‘ so lieben.

„Ich bin auf der Suche nach den kleinen und großen Freiheiten der Iraner. Ich will dem Land seine Geheimnisse entlocken und herausfinden, was hinter blinden Fenstern und verschlossenen Türen passiert. Meine Eintrittskarten dafür habe ich im Internet gelöst, auf Onlineportalen wie Couchsurfing, Hospitaly Club oder BeWelcome, wo Menschen Schlafplätze für Reisende anbieten. Schon mehr als 10.000 Mitglieder gibt es im Iran, Tendenz stark steigend. Und das, obwohl Ärger mit der Polizei droht, wenn man Ausländer beherbergt.“

(S. 17)

9000 Kilometer reist Stephan Orth als Couchsurfer durch den Iran und erlebt dabei irrwitzige Abenteuer – und ein Land, das so gar nicht zum Bild des Schurkenstaates passt. Er ist so überwältigt von Land und Leuten, dass seine Euphorie beim Lesen überspringt. Man ertappt sich plötzlich dabei, über eine Iran-Reise nachzudenken – und das als Frau. Aber er erzählt auch davon, dass es sich mit der Zeit auf das gesamte Denken überträgt, wenn in einem Land so strenge Regeln herrschen und er ständig überlegen musste, ob etwas, das er tat, falsch oder sogar gefährlich sein konnte.

Auch ist sich der Autor bewusst, dass seine Reise nicht repräsentativ ist und er beim Couchsurfing auf eine Gruppe trifft, die gebildet ist, gut Englisch kann und sehr modern und internetbegeistert ist. Eine Gruppe, die sich für Reisen und für das Leben im Westen interessiert und nach mehr Freiheiten strebt. Eine Gruppe, die eine bemerkenswerte Routine darin entwickelt hat, Gesetze zu brechen, obwohl drakonische Strafen drohen. Ihre soziale Revolution spielt sich hinter verschlossenen Türen und in der digitalen Welt ab, weil das Internet mehr Freiheiten erlaubt, als die Realität.

Um die beschriebenen Personen nicht zu gefährden, wurde ein Großteil der Namen geändert und auf Nachnamen verzichtet. Aber es gibt im Innenteil des Buches auch Farbbilder der Reise und von manchen Personen, sowie zahlreiche im Text enthaltene schwarzweiß Bilder, die anschaulich die Reiseerlebnisse untermalen.

Es macht Freude Stephan Orth bei seiner Reise zu begleiten und mit ihm festzustellen,

„…dass es dem Iran großen Spaß macht, Erwartungen zu verdrehen und zerknüllen und mit Schwung in einen riesigen Müllcontainer zu schmeißen, der mit ‚Vorurteile, öffentliche Wahrnehmung und Gottesstaat‘ beschriftet ist.“

(S. 199)

Ein mitreißend erzähltes Buch über die kleinen Freiheiten und großen Sehnsüchte der Iraner. Empfehlenswert!

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Stephan Orth
Couchsurfing im Iran – Meine Reise hinter verschlossene Türen
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3492310833
Preis: 11,00 € [D]
Verlag: Piper
Erschienen: 02.10.2017

Wanderlust mit Mister Parkinson – Pamela Spitz

„Meine Reisen in die Ferne und zu mir selbst“ heißt das Buch im Untertitel und hat mich wirklich neugierig gemacht, als ich in der Verlagsvorschau des KiWi-Verlags darauf aufmerksam wurde. Oft empfinde ich Erfahrungsberichte als bereichernd und Mut machend, selbst wenn ich nicht das Schicksal der betroffenen Person teile. Ich bewundere Menschen, die versuchen unter ziemlich widrigen Umständen ein halbwegs normales Leben zu führen. Also nahm ich nach dem Reinschnuppern in die Leseprobe gespannt dieses Buch zur Hand und war offen für die Erfahrungen der Autorin. Der Titel und auch die Kurzbeschreibung haben allerdings bei mir die Erwartung geweckt, dass die Autorin über ihre Erfahrungen mit Morbus Parkinson schreibt und in zweiter Linie über das Reisen. Tatsächlich ist es jedoch eher umgekehrt.

Pamela Spitz hatte sich 2016 gerade von ihrem Mann getrennt und war freiberuflich als Fotoredakteurin tätig, als sie im Alter von einundvierzig Jahren die Diagnose Morbus Parkinson erhielt. Sie wollte immer schon ‚dieses Schneller, Höher, Weiter und war süchtig nach immer neuen Herausforderungen und Abenteuern‘

„Noch mehr Party. Noch mehr oberflächliche Jungs- und Männergeschichten. Noch mehr Ablenkung. Jeden Tag und jeden Abend war ich unterwegs, machte zwar Sport, nahm aber auch Drogen, besuchte Musikfestivals, auf denen ich vorher noch nie gewesen war, begann eine Liaison mit einer Frau, hing ständig in Bars herum und wollte einfach weiterhin alles ausprobieren, was ich nicht kannte. Meine körperlichen Symptome waren noch relativ zurückhaltend und ich fühlte mich stark und gut. Ich genoss die Intensität des Augenblicks und hatte keine Lust, mir ernsthafte Gedanken über die Zukunft zu machen, mir von der Diagnose meinen Lebensstil verändern zu lassen.“

(S. 19)

Letzteres merkt man der Autorin über das ganze Buch hinweg dann auch an. Sie selbst geht davon aus, dass sie vielleicht noch zehn gute Jahre hat und lässt einen in dem Buch daran teilhaben, wie sie die ersten fünf Jahre davon verlebt. Mal zieht es sie raus aus der Stadt um allein auf Wanderungen zu gehen und Ruhe in der Natur zu finden, mal lernt sie Fremdsprachen wie Portugiesisch und Arabisch, nimmt Surfunterricht, übt sich im Kraulschwimmen, macht einen Tandem-Gleitschirmflug und lässt sich von zahlreichen Dingen begeistern, die sie alle noch lernen möchte. Dabei wirft sie immer auch ausgiebige Blicke zurück auf ihr von Kindheit an durch Reiselust geprägtes Leben und lässt auch den Einfluss von Familie und Freunden nicht unerwähnt. Insgesamt war mir das ab einem gewissen Punkt allerdings zu viel, weil ich den Eindruck hatte, dass es in diesem Buch nicht um ein Leben mit der Erkrankung Parkinson geht, sondern viel mehr um die Verdrängung der Krankheit und nicht zuletzt vor allem auch der ständigen Flucht davor, sich damit auseinandersetzen zu müssen.

„Denn eins wusste ich inzwischen: dass es ein wirklich langer und holpriger Weg ist, bis man einigermaßen ins Reine kommt mit sich, wenn man mit so einer Diagnose wie Parkinson konfrontiert ist. Und dass da jeder und jede einen ganz eigenen Rhythmus für hat.“

(S. 56)

Der Weg von Pamela Spitz mit der Krankheit umzugehen ist wohl einer von vielen und als sich ihr Mister Parkinson nicht mehr verleugnen lässt, versucht sie mit Schamanismus, Ayurveda, Naturheilmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Entgiftung und Entschlackung des Körpers und der Wiedererlangung der körperlichen Fitness ihren Mister P. zu besänftigen, auch wenn er sich leider nicht aufhalten lässt.

„Ich erzählte von meiner Bewältigungsstrategie, möglichst immer alles positiv zu sehen, von meinen guten Erfahrungen mit der Ernährungsumstellung und dass ich mich eigentlich so gesund wie noch nie fühlte, abgesehen von Parki.“

(S. 120)

Es bleibt ihr zu wünschen, dass das noch möglichst lange so für sie funktioniert und die Forschung in Zukunft vielleicht doch etwas findet, das den an Morbus Parkinson Erkrankten bahnbrechend weiterhilft.

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Pamela Spitz
Wanderlust mit Mister Parkinson: Meine Reisen in die Ferne und zu mir selbst
Broschiert, 288 Seiten
ISBN: 978-3462055108
Preis: 18,00 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 19.08.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Ein deutsches Klassenzimmer – Jan Kammann

Jan Kammann (geboren 1971) unterrichtet Englisch und Erdkunde in einer internationalen Vorbereitungsklasse in Hamburg. Er will mehr über die Herkunft seiner Schüler erfahren, die aus Kulturen und Lebenswelten kommen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Englischunterricht fordert er seine Klasse 10 d auf, ihm Reiseführer für ihre Heimatländer inklusive einem kleinen Sprachführer zu erstellen. Doch diese sind nicht nur als Übung für den Unterricht gedacht, sondern sie sollen ihm tatsächlich auch beim Kennenlernen von 14 Heimatländern seiner Schüler behilflich sein, die er während seines Sabbatjahrs 2016 bereist.

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Er erlebt den Alltag in Kuba, Nicaragua und Kolumbien, Südkorea, China, Russland, im Kosovo, in Albanien, Armenien, Iran und Ghana und erzählt in „Ein deutsches Klassenzimmer“ vom Lehrer sein heute und von der Welt, in der er selbst ein Jahr lang wieder zum Schüler wird. Da er sich teilweise bemüht auch ein wenig von der jeweiligen Landesprache zu lernen, bekommt er ein neues Verständnis von den Sprachproblemen, die seine Schüler in Deutschland zu überwinden haben. Auch lernt er durch die verschiedenen Länder besser die Eigenheiten und die Vergangenheit seiner Schüler zu verstehen.

Glücklicherweise reist er meist unkonventionell und trifft auf seinen Reisen mit vielen interessanten Menschen zusammen. Es macht Freude von diesen Begegnungen zu lesen und auch als Leser bekommt man einen kleinen Einblick in unterschiedliche Lebensweisen und Problematiken in den Ländern. Bei einem Kapitel fühlte ich mich zwar ein wenig wie auf der Schulbank eines trocken unterrichtenden Erdkunde-Lehrers, aber das blieb doch eher die Ausnahme. Schreibstil und Wortwahl sind ansonsten eher locker und unterhaltsam.

Ein ums andere Mal wurde es mir jedoch zu pathetisch, ja sogar unerträglich, wenn der Autor sein Wort direkt an das jeweilige Land „Ach, Iran….“ oder eine Stadt „Oh, Nowosibirsk…“ richtet, weil er sich dieses oder jenes wünscht. Glücklicherweise macht er es nach dem Kapitel über den Iran jedoch nicht mehr allzu häufig, da ich sonst das Buch vermutlich abgebrochen hätte. Auch fand ich teilweise die Vorurteile, die Jan Kammann im Gepäck hatte, erschreckend, war jedoch einigermaßen beruhigt, dass er diese durch seine Reisen abbauen konnte.

Beim Aufklappen des Buches findet man vorne eine skizzierte Weltkarte mit seinen Reisezielen und hinten einige Fotos von den Reiseführern der Schüler. In der Mitte des Buches ist ein 24 Seiten umfassender Bildteil mit zahlreichen Fotografien und Bildbeschreibungen – eine bereichernde Ergänzung des Buches, das einen Einblick in die Vielfalt in manchen deutschen Klassenzimmern gibt und von der Unterschiedlichkeit der Kulturen berichtet, die es kennen zulernen gilt, wenn man sie besser verstehen möchte. Ich denke, Jan Kammann hat sein Sabbatjahr auf die bestmögliche Weise investiert und könnte mir vorstellen, dass dies auch seinen Schülern zugute kommt.

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Jan Kammann
Ein deutsches Klassenzimmer
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-89029-500-8
€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen: 04.09.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Wüstenblues – Gerhard von Kapff

Gerhard von Kapff (Jahrgang 1964) ist Buchautor, Referent, Reisejournalist, Sportredakteur einer Tageszeitung in Süddeutschland und ist schon viel gewandert in seinem Leben – unter anderem über die Alpen von München nach Venedig. Mit dem Rad war er bisher weniger unterwegs. Doch als ihm ein Werbeflyer von einer dreiwöchigen 1.200 Kilometer langen Extremradtour in die Hände fällt, lässt ihn das nicht mehr los. Er fragt sich, ob er als normaler Familienvater, der noch nie auf einem Mountainbike saß, mit zwölf Rad-Verrückten diese Reise schaffen kann, die bei den Victoria Wasserfällen in Sambia beginnt, in Botswana ins Okavango-Delta führt, in Namibia zu den größten Sanddünen der Erde weiter geht und an der Spitze Südafrikas in Kapstadt endet.

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„Wie weit komme ich? Schaffe ich vielleicht die ganze Strecke?“ Das sind nur zwei der vielen Fragen, die von Kapff vor und während der Reise beschäftigen. Und auch die Reiseform mit dem Fahrrad ist etwas Besonderes. Die Umwelt wird intensiver wahrgenommen, was natürlich nicht ganz ungefährlich ist, da gerade auch in Botswana die unterschiedlichsten Tiere in freier Wildbahn leben und unter Umständen die manchmal auch nicht so komfortable Fahrbahn kreuzen, die man gerade befährt. Ein verantwortungsvoller erfahrener Guide ist da unverzichtbar.  Nebenher fragt man sich natürlich auch, warum der Autor diese unkomfortable Art des Reisens gewählt hat und ob er sich damit selbst etwas beweisen will. Er geht mit der Frage ganz offen um:

„…gerade jetzt stehen vielen Menschen um die 50 alle Möglichkeiten offen, noch einmal Gas zu geben, das Feuer neu anzufachen. Schon allein, um auszuloten, wie leistungsfähig und aufnahmebereit man noch ist, ob Strapazen wie die auf dieser Tour noch möglich sind.“ (S. 151/152)

Als 50jährige kann ich diese Gedankengänge gut nachvollziehen und der Autor weckt mit seinen Beschreibungen und den farbigen Abbildungen im Mittelteil des Buches tatsächlich auch in mir die Abenteuerlust, so dass ich mich am liebsten gleich nach dem Lesen auf den Weg machen möchte, um herauszufinden, ob auch ich solch eine Tour noch, beziehungsweise überhaupt, bewältigen könnte. Es ist wohl die Mischung dieser Reise, die mich vollends in ihren Bann gezogen hat. Sie ist herausfordernd, bringt die Teilnehmer an körperliche Grenzen, birgt einige Überraschungen, ist gut geplant und doch teilweise unkalkulierbar und glänzt von bezaubernder und atemberaubender Schönheit der Natur. Der Autor, der überaus sympatisch ist und sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt konnte mich mit seinen Beschreibungen derart begeistern, dass selbst meinem Partner auffiel, dass ich dieses Buch immer mit leuchtenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen las.

Ganz großes Bücherkino und ein echtes Jahreshighlight für mich!

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Gerhard von Kapff
Wüstenblues
Mit dem Mountainbike von den Victoria-Fällen bis Kapstadt
Gebunden mit Schutzumschlag, 210 Seiten,
ISBN: 978-3-667-10710-7
Preis: € (D) 22,90
Verlag: Delius Klasing
Erschienen:  12.09.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

#lesemittwoch

Ein Jahr, mein Motorrad und ich – Rainer Janneck

Bücher übers Motorradfahren sind für mich etwas ganz Besonderes, weil sie mich immer auch in die Zeit zurückversetzen, als ich noch selbst fuhr – eine Leidenschaft, die mich nie ganz losgelassen hat und die mich beim Lesen immer auch den Fahrtwind und die Schräglage in den Kurven spüren lässt. Als es in diesem Monat bei der Motto-Challenge 2018 darum ging, eine SuB-Leiche aus dem Bücherregal zu fischen, freute ich mich auf „Ein Jahr, mein Motorrad und ich“ von Rainer Janneck, das ich seit langem ‚aufspare‘ und für das nun endlich der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein schien.

24_Ein Jahr, mein Motorrad und ich

Der Klappentext verrät über dieses Buch:

„Dieses Buch handelt von der Leidenschaft, Motorrad zu fahren. Erzählt wird es von einem, der dem Virus Motorrad hoffnungslos verfallen ist. Rainer Janneck, Motorradfahrer und Romantiker, schreibt nicht über Weltreisen und Sensationen, sondern über Reisen um die Ecke. Reisen in Deutschland und Europa. Mit Blick auf den ersten Singvogel des Tages, feuchte Wiesen, duftende Wälder, ewige Berge, ostdeutsche Liebenswürdigkeit und bezaubernde Frauen.
Mit sehnsüchtigem Blick streift er im Winter durch die Hallen von Motorradmessen. Dann endlich die erste Tour im März ins Havelland. An Ostern locken ihn die Alleen Ostdeutschlands, danach die Seen Polens. Zu pikanten Szenen kommt es, weil Rainer Janneck seine Frau überredet, mit ihm in die Pyrenäen zu fahren. Die letzten frostigen Kilometer auf der Hausstrecke, dann verschwindet die Maschine unter der Abdeckplane. Doch nicht für lange. Denn bald heißt es wieder: Ein Jahr, mein Motorrad und ich.“

Für mich klang das gut und ich freute mich auf das, was der 1964 im Münsterland geborene Rainer Janneck über seine Motorradreisen zu berichten hatte. Er liebt es, allein mit dem Motorrad durch Europa und besonders die ostdeutschen Bundesländer zu reisen. Dabei gefällt er sich vor allem in der Rolle des einsamen Wolfes, der sich in cooler Lederkombi wie ein Held fühlt und sich rasend beweisen muss, dass er ein ganzer Mann ist, der sich die ganz große Freiheit erfährt. Das ist natürlich ein Satz, der komprimiert das umfasst, was beim lesen immer wieder hier und da zwischen den Zeilen hindurch scheint. Er möchte ein unkonventioneller Abenteurer sein und erfüllt doch so sehr das Klischee vom Motorradfahrer, dass es beinahe peinlich ist.

Die Sprache ist einfach, die Sätze sind sehr knapp gehalten und erinnern ein wenig an die kurzen Mitteilungen, die sich gelegentlich im Telegrammstil auf Postkarten wiederfinden. Dabei wollte kein Lesefluss entstehen, der einen bei den Reisen mitgenommen hätte. Nach gut der Hälfte des Buches wird der Schreibstil zwar besser, die Beschreibungen werden ausführlicher und die Sätze werden etwas länger, und man bekommt eine Ahnung davon, wie besonders schön es ist manche Orte mit dem Motorrad zu bereisen. Aber ich hätte mir hier etwas mehr Landschafts- oder Ortsbeschreibungen gewünscht, anstatt seine herablassenden Bemerkungen über Rentnerüberschuss oder ihm hinterherschauende Mütter zu lesen.

Gehofft hatte ich auf ein Buch, das den ein oder anderen Tipp enthält und Lust darauf macht, die Routen mit dem Motorrad nachzufahren. Leider bleibt das Lesen oberflächlich und die Eindrücke sind eher flüchtig. Ein Lesespaß wollte bei mir nicht so recht aufkommen, aber glücklicherweise wartet noch ein anderes Motorradreisebuch („Hautnah“) auf mich – vielleicht habe ich damit etwas mehr Glück.

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Rainer Janneck
Ein Jahr, mein Motorrad und ich
Taschenbuch, 124 Seiten
ISBN: 978-3933385314
D: 9,90 €
Verlag: Highlights Verlag
Erschienen:  Dezember 2007

umgeBUCHt Beiwerk: Überraschend gut

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📚 Überraschend gut 📚 fand ich "Neuschweinstein" und hatte schon mit Kuriosem gerechnet, wenn ein Deutscher mit zwölf Chinesen durch Europa reist. Aber dieses Buch hatte noch viel mehr zu bieten. Christoph Rehage spricht fließend Mandarin und hat bereits einige Jahre in China gelebt, als er sich einer chinesischen Reisegruppe anschließt, um mit ihr gemeinsam auf eine vierzehntägige Busreise durch Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich zu gehen. Dabei will er herausfinden, was die Chinesen wirklich über Europa und seine Bewohner denken. Wie leicht es sich doch als Europäer reist, wurde mir erst beim Lesen dieses Buches wieder einmal bewusst. Chinesische Reisewillige müssen kurios wirkende Klauseln in ihren Vertragsunterlagen unterschreiben und Kautionen zahlen oder Bürgschaften vor Reiseantritt hinterlegen, wenn sie denn überhaupt ausreisen dürfen. Auch erfährt man manches über die chinesische Mentalität und natürlich wird auch das ein oder andere Klischee bedient. Hingegen kommen aus chinesischer Sicht einige europäische Verhaltensweisen eigenartig daher. "Neuschweinstein" ist ein amüsanter Reisebericht, den ich gerne gelesen habe und jedem empfehlen kann, der gerne mal hinter die Kulissen der im Dauer-Selfie-Modus befindlichen chinesischen Reisegruppen schauen möchte. . . . #pagesofapril18 #christophrehage #neuschweinstein #malik #malikverlag #reise #china #chinesen #book #books #bookstagram #instabook #igreads #igbooks #booksofinstagram #readstagram #buch #bücher #bücherwurm #buchliebhaber #büchersucht #buchsucht #bookaholic #buchblogger #buchblog #lesen #lesenisttoll #lesenmachtglücklich

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Noch etwas mehr über das Buch erfahrt ihr in meiner Rezension.