Ist es nicht schön hier – Te-Ping Chen

Te-Ping Chen, geboren 1985 in Berkeley, Kalifornien,  ist eine amerikanische Journalistin und Autorin, die derzeit in Philadelphia lebt. Sie arbeitet für das Wall Street Journal und war zuvor für die Zeitung als Korrespondentin in Beijing und Hong Kong tätig. Sie schrieb dort über Politik, Gesellschaft und Menschenrechte. Texte von ihr erschienen im New Yorker, Granta, Tin House und The Atlantic. Ihre Debütgeschichtensammlung „Land of Big Numbers“ wurde in Barack Obamas Sommerleseliste 2021 aufgenommen. Und ich hatte Lust im Rahmen meiner BUCHweltreise einen Ausflug nach China zu machen und griff daher zu der deutschen Übersetzung.

Te-Ping Chen erzählt in zehn Storys vom Leben im Land der Superlative: China. Hellwach und mit genauem Blick für komische Momente zeichnet sie Figuren zwischen Tradition und Hypermoderne, die nach Halt und einem Zuhause suchen. Dabei berichtet sie von der Sehnsucht im staatlichen Gefüge Anerkennung zu erlangen, aber auch davon was passieren kann, wenn man sich nicht abfinden und ins System einfügen kann. Gegenstand der Erzählungen sind fantasievolle und manchmal auch leise Systemkritik, unüberwindbare Kulturunterschiede oder wie intensiv die Liebe und die Sehnsucht nach ihr sein kann, auch wenn sie nicht vor der im westlichen Sinne verstandenen Leidenschaft überkocht.

Strenge gesellschaftliche Konventionen und staatliche Vorgaben schwingen im Hintergrund immer mit und lassen den Drahtseilakt erahnen, in den die Protagonisten geraten, wenn sie von der Norm abweichen. Die Geschichten sind intensiv und auch wenn die Protagonisten einem nicht unbedingt nah kommen, so fiebert man doch meist mit ihnen mit, weil der Autorin gefühlvolle und bildhafte Beschreibungen gelingen, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren.

Auch wenn die Geschichten jeweils in sich abgeschlossen sind und zu ihren ganz eigenen Enden finden, hatte ich beim Lesen doch das Bedürfnis etwas Längeres von der Autorin zu lesen. In manchen Storys hätte ich mich gerne noch etwas länger aufgehalten, da ich den Schreibstil von Te-Ping Chen sehr mochte. Aber vielleicht hat die Autorin ja ein einsehen und verfasst nach ihrem beeindruckenden Debüt irgendwann auch einen Roman. Es würde mich freuen!

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Te-Ping Chen
Ist es nicht schön hier
Hardcover, 251 Seiten
ISBN: 978-3351050818
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: Aufbau Verlag
Erschienen: 16.08.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

I get a bird – Anne von Canal, Heikko Deutschmann

Briefromane mag ich gern, von Anne von Canal wollte ich immer mal etwas lesen und dass dieser Roman im mare Verlag erschienen ist, einem von mir hochgeschätzten Verlag, von dem mich bislang noch kein Buch enttäuschte, gab wohl den entscheidenden Ausschlag dafür, dass ich mich für dieses Buch interessierte. Kein Fehlgriff, denn ich habe bis zum Schluss immer wieder gern zu „I get a bird“ gegriffen, um die Protagonisten besser kennenzulernen und zu erfahren, was es mit ihrer Geschichte auf sich hat.

Eines Tages erhält Jana (Jahrgang 1971), eine als Fahrradkurier jobbende Zukunftsforscherin aus Freiburg, ein Paket von einem ihr unbekannten Mann. Der in einer Tagesklinik behandelte Busfahrer Johan (Jahrgang 1972) schickt ihr einen Kalender zurück, den sie vor drei Jahren in einer Telefonzelle in Neumünster vergessen hat. Es entspinnt sich eine immer intensiver werdende Korrespondenz zweier Fremder.

„Ich erzähle Ihnen von meinem Alltag, weil ich hoffe, dass es Sie aus dem Konzept bringt, von etwas zu lesen, das weder mit Ihnen noch mit diesem Päckchen zu tun hat. Ich will einen Raum schaffen für die fällige Entschuldigung. Einen tatsächlichen Raum. Ich möchte, dass Sie sie hören, sie wahrnehmen.“

(S. 13)

Während Johan der verlorene Kontakt zu seiner Tochter aus der Bahn geworfen hat, reißt sein Paket bei Jana ebenfalls alte Wunden auf. Bald finden die Schreibenden heraus, dass ihre Biografien nicht nur ungeahnte Parallelen haben, sondern auch eine ganz konkrete Überschneidung in der Vergangenheit. Allmählich werden ihre Gedanken klarer, sie reagieren immer mehr auf einander und lernen sich immer besser durch den Briefkontakt kennen.

„Alles, was ich erzähle, beinhaltet gleichzeitig auch alles, was ich nicht erzähle. Alles, was ich beschreibe, ist bereits eine Interpretation, selbst wenn ich eisern auf Kommentare verzichte. Egal, was und wie ich es am Ende formuliere – es ist doch meine Geschichte, meine Auswahl, meine Sicht. Subjektiv verzerrt.“

(S. 177)

Doch sie philosophieren nicht nur über die Begebenheiten in ihrem kleinen Mikrokosmos am Rande der Gesellschaft, sondern erreichen durch das Schreiben einander und finden wieder den Kontakt zu ihren eigenen Lebensgeschichten, die auch für den Leser dieses Briefromans nach und nach begreifbar werden.

Abgebildet werden 5 Monate Briefwechsel der Protagonisten, tatsächlich schrieben sich die beiden Autoren jedoch zwei Jahre lang für diesen Briefroman, ohne je etwas anderes abzusprechen als den Anfang. Alles Weitere überließen sie den Figuren und der Zeit. Entstanden ist ein wendungsreicher, gelegentlich humorvoller, vor allem aber berührender Briefwechsel.

Anne von Canal, geboren 1973, ist Autorin und Übersetzerin. Ihre schriftstellerische Arbeit wurde mit einem Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds und zahlreichen internationalen Aufenthaltsstipendien ausgezeichnet. Bei mare erschienen ihre Romane „Der Grund“ (2014) und „Whiteout“ (2017) sowie der Inselband „Mein Gotland“ (2020).

Heikko Deutschmann lebt als Schauspieler, Autor und Filmemacher in Berlin. Seiner Leidenschaft fürs Lesen und Vorlesen verdanken sich zahlreiche preisgekrönte Hörbücher. „I get a bird“ ist das erste Buch, das er unter eigenem Namen veröffentlicht.

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Anne von Canal, Heikko Deutschmann
I get a bird
Hardcover, 272 Seiten
ISBN: 978-3866486829
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: mare
Erschienen: 24.08.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag kostenlos für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Was fehlt dir – Sigrid Nunez

„Warum haben Sterbende nicht das Recht, ihr Leben zu beenden?“

(S. 122)

Nachdem ich im vergangenen Jahr „Der Freund“ von Sigrid Nunez begeistert gelesen hatte, stand für mich gleich fest, dass ich auch ihr neues Buch lesen würde, ohne dass ich im Vorfeld wissen musste, wovon es handeln würde. Und so nahm ich unvorbereitet „Was fehlt dir“ zur Hand und ließ mich auch dieses Mal wieder durch eine Sammlung von Gedanken, Abschweifungen, Geschichten und Zitatschnipsel leiten, die sich mal ganz nah an einem Thema befinden, manchmal aber auch nur indirekt damit in Verbindung gebracht werden können. Sie schreibt darüber, wie wir einander verbunden sind, in Glück und Trauer, Trost und Zuversicht – und wie Mitgefühl unsere Sicht aufs Leben verändern kann.

In der ersten Hälfte des Buches hatte ich zeitweilig das Gefühl in einer Essay-Sammlung gelandet zu sein, obwohl das Buch doch als Roman bezeichnet wird. Aber schließlich gelingt es der Autorin doch den eingangs gelegten roten Faden wieder aufzugreifen und die Geschichte der Ich-Erzählerin und ihrer krebskranken Freundin weiter zu spinnen. Weil für letztere der Tod trotz Chemotherapie unausweichlich ist, beschließt sie den Zeitpunkt ihres Todes mit Hilfe von Tabletten selbst bestimmen zu wollen und bittet die Ich-Erzählerin ihr in den letzten Wochen oder Monaten ihres Lebens zur Seite zu stehen.

„Ich spreche nicht von Hilfe beim Sterben, sagt sie. Ich weiß, was ich tun muss. Es ist nicht kompliziert. Kompliziert ist, was zwischen jetzt und dann passieren soll.“

(S. 84)

Ohne zu wissen, wann dieser Zeitpunkt sein wird, willigt die Ich-Erzählerin schließlich ein und begleitet ihre Freundin in ihrer letzten Phase bis zum Tod.

Wie bereits in „Der Freund“ gelingt es Sigrid Nunez auch in „Was fehlt dir“ in einem relativ handlungsarmen Text, den sie in einem eleganten Plauderton formuliert, starke und manchmal auch provozierende Bilder zu platzieren und dabei Themen wie das älter werden, selbstbestimmtes Sterben, Tod, Freundschaft, Liebe und Vergänglichkeit zu behandeln. Dabei wird sie nicht sentimental oder mitleidig, sondern wirft einen harten nüchternen Blick auf die Dinge und gönnt dem Leser dabei auch trotz trauriger Themen gelegentlich eine wohltuende Prise trockenen Humors.

„Nicht nur glaubt sie nicht an ein Leben nach dem Tod, sie ist auch fassungslos, dass so viele Menschen es tun.“

(S. 147)

Die Figuren in diesem Buch sind alle namenlos und man bleibt als Leser auf Distanz zu ihnen. Und doch entsteht anhand der durchaus realen Elemente und den Gedanken, denen man in diesem Buch auf anregende, manchmal auch berührende, Weise folgen kann, die Möglichkeit mit den Figuren aus angemessenem Abstand mitfühlen zu können. Zwar geraten die Nacherzählungen von Lektüreerlebnissen oder Filmen hin und wieder etwas zu ausführlich, aber die Denkanstöße, die Sigrid Nunez in diesem Buch liefert, entschädigen dafür allemal. Ein recht spezielles, aber doch gelungenes Buch.

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Sigrid Nunez
Was fehlt dir
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Original: What are you going through
Taschenbuch, 222 Seiten
ISBN: 978-3351038755
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Aufbau Verlag
Erschienen: 19.07.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Der Sprung – Simone Lappert

„…also wenn du mich fragst, so gesamthaft gesehen, ist das Nichtverrücktsein die eigentliche Anomalie.“

(S. 268)

Bereits 2019 erschien dieser Roman rund um die junge Frau, die auf dem Dach steht und sich weigert herunterzukommen. Da ich schon so viel Gutes über das Buch hörte, habe ich mich gefreut, dass es nun kürzlich auch als Taschenbuch erschienen ist. Denn ich hatte bereits versucht die Geschichte bei Spotify als Hörbuch zu erfahren, kam aber mit der Sprecherin Lotti Happle überhaupt nicht zurecht, da sie manche Worte falsch ausspricht und ihre Betonung für mein Empfinden nicht zu dem Text passt. So brach ich das Hörbuch nach relativ kurzer Zeit ab und griff stattdessen zu dem Taschenbuch. Ich hatte es zwar gehofft, war aber dennoch überrascht, denn selbst gelesen fand ich dieses Buch einfach großartig!

Natürlich geht es um die junge Frau auf dem Dach, von der man sich fragt, was mit ihr los ist und ob sie springen wird. Aber das ist längst nicht alles, denn die Autorin nimmt immer wieder auch den Blick weg von dieser Frau und stellt die Randfiguren des Ereignisses in den Vordergrund. Die Leute aus der Nachbarschaft, Schaulustige, Menschen, die dort in der Nähe arbeiten, aber auch Personen, die der Frau auf dem Dach deutlich näher stehen. Doch das erfährt man erst nach und nach. Anfangs ist man sich unsicher, wer aus der Geschichte überhaupt auf dem Dach steht.

Während man sich zu Beginn beim Lesen noch fragt, wie die Personen zusammenhängen und welche Rolle sie spielen, wird allmählich alles immer klarer. Es ist ein Sammelsurium von Figuren unterschiedlichen Alters und verschiedener Gesellschaftsschichten, die allesamt mit ihren eigenen Herausforderungen des Lebens beschäftigt sind. Aber alle verbindet etwas mit der jungen Frau auf dem Dach, sei es direkt oder indirekt. Der Sprung ist ein roter Faden, der sich durch zwei Tage im Leben all dieser Personen zieht und sie miteinander in diesem Roman vereint.

Interessante Figuren hat Simone Lappert geschaffen und es macht beim Lesen Freude zu entdecken, dass man in den jeweiligen Kapiteln nicht nur etwas über die aktuelle Person erfährt, sondern deren Geschichte auch zart und kapitelübergreifend mit den anderen verbunden ist. Die Autorin hat die unterschiedlichen Charaktere fein beobachtet und versteht sie treffend zu zeichnen. Sie kommen einem bekannt vor, ohne dass sie zu klischeehaft wären.

Das Ganze geht von entwaffnender Offenheit bis hin zu poetischen Beschreibungen, deren Sinnlichkeit beim Lesen nachfühlbar wird und einen dabei gefangen nimmt, ohne dass es gewollt wirkt. Das alles schafft eine Atmosphäre, deren Anspannung einen ebenso durchs Buch trägt, wie die Neugier darauf, wie die Geschichte ausgehen wird und welche Auswirkungen der Schmetterlings-Effekt in diesem Mikrokosmos noch hat.

Schließlich kommt dieser Roman zu einem runden und in sich stimmigen Abschluss und lässt mich mit dem Wunsch zurück, unbedingt mehr von Simone Lappert lesen zu wollen. Denn dieses Buch ist für mich ein echtes Highlight!

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Simone Lappert
Der Sprung
Taschenbuch, 336 Seiten
ISBN: 978-3257245790
Preis: 12,00 € [D]
Verlag: Diogenes
Erschienen: 28.07.2021

Das Taschenbuch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Totenfrau – Bernhard Aichner

In den vergangenen Monaten hatte ich nicht so richtig Lust auf Thriller, dafür habe ich in diesem Monat gleich drei angehört. Und ich würde sie mir alle drei sofort wieder anhören, anstatt sie zu lesen, weil die jeweiligen Hörbuchsprecher sie zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.

Aufmerksam wurde ich auf „Totenfrau“, weil ich über die Trilogie rund um die Bestatterin Brunhilde Blum Lobendes hörte und „Bösland“ von Bernhard Aichner bereits mochte. Deshalb griff ich gerne zu, als der erste Teil bei Audible als Bestandteil der Aktion 2 Hörbücher zum Preis von einem Guthaben angeboten wurde. Den Buchtrailer zum Buch kannte ich da noch nicht, möchte ihn euch aber nicht vorenthalten:

Wie bereits erwähnt, habe ich „Totenfrau“ nicht selbst gelesen, sondern mir als Hörbuch angehört und war begeistert. Es fesselt tatsächlich und hat mich nicht mehr losgelassen. Denn Christian Berkel schafft es den Charakteren wirkungsvoll Leben einzuhauchen und seine Stimme den entsprechenden Stimmungen anzupassen, so dass einen dieses Hörbuch gänzlich gefangen nimmt und sogar aus dem Alltag und seinen Tätigkeiten herauszureißen versteht.

Spannend, der Bestatterin Brunhilde Blum dabei zu folgen, wie sie dem Tod ihres Mannes auf den Grund geht. Sie ist liebevolle Mutter zweier Kinder, besticht durch ihr großes Herz, ihren schwarzen Humor und ihre Coolness. Blum fährt Motorrad, trinkt gerne und ist glücklich verheiratet. Blums Leben ist gut. Doch plötzlich gerät dieses Leben durch den Unfalltod ihres Mannes, eines Polizisten, aus den Fugen. Vor ihren Augen wird Mark überfahren. Fahrerflucht. Alles bricht auseinander. Blum trauert, will sich aber mit ihrem Schicksal nicht abfinden. Durch Zufall findet sie heraus, dass mehr hinter dem Unfall ihres Mannes steckt. Blum sucht Rache. Was ist passiert? Warum musste Mark sterben? Als sie die Antworten gefunden hat, schlägt sie zu. Erbarmungslos.

Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven – und auch nichts für schwache Mägen. Denn hier geht es nicht nur bis über die Schmerzgrenze brutal zu, sondern es werden auch Leichen ausgenommen und zersägt. Aber das Ganze verkommt nicht zum Selbstzweck. Es schockiert, passt aber in diesen ungewöhnlichen Thriller und zu seiner besonderen Protagonistin.

Der Schreibstil ist ungewöhnlich knapp und ich bin mir nicht sicher, ob er mir Freude gemacht hätte, wenn ich das Buch selbst gelesen hätte. Beim Vorlesen erzeugt das jedoch eine ganz besondere Stimmung und zieht einen regelrecht ins Hörbuch hinein. Alles mündet in einem Ende, das für mich so nicht vorhersehbar war und das Buch auch als Einzelband stehen lassen könnte. Aber es bleibt da doch noch ‚eine Kleinigkeit‘ ungeklärt und die Geschichte hat mich so weit gepackt, dass ich wissen möchte, wie es in „Totenhaus“, dem 2. Band der Trilogie weiter geht. Nur schade, dass Christian Berkel die beiden Folgebände nicht mehr eingesprochen hat – an Wolfram Koch muss ich mich dann erst noch gewöhnen.

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Bernhard Aichner
Totenfrau (Bestatterin Brunhilde Blum 1)
Ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Christian Berkel
Spieldauer: 8 Std. und 28 Min.
Erscheinungsdatum: 14.03.2014
Sprache: Deutsch
Anbieter: Der Hörverlag

Klopf an dein Herz – Amélie Nothomb

Für ein kurzes Buch von Amélie Nothomb ist ja immer Zeit. Umso mehr freute ich mich auf ihren gerade erst als Taschenbuch erschienenen Roman „Klopf an dein Herz“. Die knapp 150 Seiten sind schnell gelesen, aber lesetechnisch deshalb noch lange kein Fast Food.

Der Klappentext verrät: Diane hat es als Kind nicht leicht, denn ihre Mutter lehnt sie ab. Die Schwester hingegen ist Mutters Liebling. Trotzdem entwickelt sich Diane zu einer starken Persönlichkeit. Sie wird Kardiologin und kümmert sich um kranke Herzen, ganz im Sinne des Dichters Alfred de Musset, der sagte: ‚Klopf an dein Herz, denn da sitzt dein Genie.‘ Doch damit entfesselt sie zerstörerische Kräfte.

Im Mittelpunkt stehen einerseits Eifersucht, Neid und Verachtung, aber es ist auch ein Roman über die Liebe in ihren unterschiedlichen Ausprägungen: Die übersteigerte Selbstliebe bis hin zum Narzissmus, das Krankmachende der fehlenden, aber auch der überdosierten Mutterliebe, das herzerwärmende der Freundschaft bis hin zur Liebe an den Menschen allgemein. Was hier vielleicht ein wenig schmalzig klingen mag, versteht die Autorin auf ihre unvergleichlich lakonische, manchmal auch bösartige Art, unterhaltsam in Szene zu setzen.

Der Erzählton ist gelegentlich ein wenig märchenhaft und doch hat man beim Lesen den Eindruck, dass diese schöne, aber zuweilen auch recht traurige Geschichte durchaus der Realität entspringen könnte. Die Charaktere sind überwiegend sympathisch und selbst für die ungeliebten Personen entwickelt sich meist ein gewisses Verständnis, das dafür sorgt, dass man ihr Handeln zwar nicht gut heißt, es jedoch im Großen und Ganzen nachvollziehen kann.

Insgesamt ist Amélie Nothomb mit „Klopf an dein Herz“ trotz schwierigem Thema ein weiterer amüsanter Roman gelungen, der mit in die dunklen Bereiche der Psyche nimmt und den ich Fans der Autorin durchaus empfehlen kann.

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Amélie Nothomb
Klopf an dein Herz
Aus dem Französischen von Brigitte Große
Original: Frappe-toi le coeur, 2017 by Èditions Albin Michel, Paris
Taschenbuch, 160 Seiten
ISBN: 978-3257245868
Preis: 11,00 € [D]
Verlag: Diogenes
Erschienen: 23.06.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Aus schwarzem Wasser – Anne Freytag

Als ich dieses Buch zur Hand nahm, wusste ich nicht viel mehr, als dass es sich dabei um den ersten Thriller der beliebten Jugendbuchautorin Anne Freytag handelt. Da ich von der Autorin immer mal etwas lesen wollte und gerade Lust auf spannende Literatur hatte, ließ ich mich auf das Buch ein. Leider konnte es mich nicht überzeugen.

Nach einem schweren Autounfall erwacht Maja Kohlbeck unverletzt in einem Leichensack. Getrieben von der Warnung ihrer Mutter, niemandem zu vertrauen, flieht sie aus der Pathologie des Krankenhauses zu einem Freund. Während die Öffentlichkeit über den Unfall und den Verbleib von Majas Leiche spekuliert, sucht Maja selbst nach Antworten. Doch bevor Maja herausfinden kann, was mit ihrer Mutter passiert ist, ereignet sich plötzlich eine verheerende Naturkatastophe nach der anderen. Und Maja gerät mitten hinein in einen Strudel aus Lügen, Intrigen und Machtkämpfen, dessen Folgen fatale Ausmaße annehmen.

„Da fragen wir uns seit Menschengedenken, ob wir allein sind im Universum, und dann sind wir es vielleicht noch nicht mal auf der Erde.“

(S. 486)

Vielleicht hätte ich gar nicht erst zu dem Buch gegriffen, wenn ich gewusst hätte, dass es sich dabei um einen Polit-Thriller mit Fantasy/Science-Fiction-Elementen handelt. Das hatte ich nicht erwartet und hatte Probleme mit der Geschichte zurecht zu kommen, in der es ein menschenähnliches Volk im Wasser gibt, die sogenannten Marins, gegen die die Menschen im verborgenen einen Krieg führen. Dieses Völkchen bleibt eher undefiniert und ihre Welt im Dunkeln, was dazu führt, das beim Lesen der Eindruck entsteht, dass hier ein wichtiger Teil der Geschichte fehlt.

Und doch ist die Story so gestrickt, dass ich immer weiter gelesen habe, ohne dass mich das Ganze so richtig gepackt hätte. Es gibt viele Zeitsprünge und Perspektivwechsel, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Handlung ermöglichen, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass man den Charakteren, die flach bleiben und durchweg unsympathisch sind, nicht nah kommen kann. Man kann in diesem Thriller nicht abtauchen und mitfiebern, obwohl die kurzen Sätze und kurzen Kapitel einen regelrecht durchs Buch treiben.

Manches war mir auch einfach zu viel, wie beispielsweise die zahlreichen Sexszenen und die stellenweise inflationär aneinandergereihten Vergleiche. Auch die vielen schwarzen Seiten, die wohl zur Unterteilung des Buches dienen sollen, blähen das Buch nur unnötig auf. Insgesamt ist es doch eher schade um die Lesezeit.

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Anne Freytag
Aus schwarzem Wasser
Klappenbroschur, 608 Seiten
ISBN: 978-3423230193
Preis: 16,90 € [D]
Verlag: dtv bold
Erschienen: 21.08.2020

Die Mitternachtsbibliothek – Matt Haig

Wer hat noch nicht darüber nachgedacht, wie das Leben hätte verlaufen können, wenn man manche Entscheidungen anders gefällt hätte?

Ziemlich genial fand ich in dem Zusammenhang die Idee von Matt Haig, der seine Protagonistin Nora Seed das „Was wäre wenn…“ durchspielen lässt, indem er sie sich in einer riesigen Bibliothek wiederfinden lässt, nachdem sie verzweifelt beschlossen hatte, sich das Leben zu nehmen. Hier eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Denn jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss.

Was für eine geniale Prämisse, dachte ich, als ich diese kurze Zusammenfassung der Geschichte las. Und weil ich gerade ein Guthaben bei Audible [Werbung] übrig hatte, entschied ich mich für „Die Mitternachtsbibliothek“ als Hörbuch, das wunderbar von Annette Frier vorgetragen wird.

Und doch geht mir die 35jährige unter Depressionen leidende Protagonistin Nora Seed, die nach einem Selbstmordversuch in der Mitternachtbibliothek landet, recht schnell auf die Nerven. Es fehlt der Tiefgang um dem Leser das Wesen dieser Erkrankung nahe zu bringen, so dass hier eher der Eindruck entsteht, dass bei Nora gerade einiges schief läuft und sie darum weinerlich bereit ist ihr Leben einfach wegzuwerfen. Ein echter Augenrollmoment und umso erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass der Autor selbst bereits unter Depressionen litt.

Aber genaugenommen habe ich bei diesem Buch nicht erwartet das Krankheitsbild vernünftig beleuchtet zu sehen, sondern war vielmehr darauf gespannt, wie der Autor die Protagonistin unterschiedliche Lebenswege ausprobieren lässt – und davon gibt es einige. Manche werden ausführlich geschildert, wobei sich das Erzählschema wiederholt und irgendwann zu langweilen beginnt. Weder Leser noch die Protagonistin kommen so recht in der Geschichte weiter, so dass es fast eine Erlösung ist, als einige Lebenswege nur noch kurz zusammengefasst werden.

Als Leser sieht man die Konsequenzen der einzelnen Entscheidungen überdeutlich, da sie fast schon ein wenig plump daherkommen. Irgendwann fragt man sich, wohin Matt Haig einen mit diesen vielen kleinen meist sehr vorhersehbaren Geschichten eigentlich noch führen möchte. Die Charaktere bleiben eher flach und auch zu Nora will sich bei mir keine rechte Verbindung aufbauen. Und doch habe ich die Geschichte immer weiter gehört, nicht zuletzt weil der Erzählstil flüssig ist und das Hörbuch hervorragend von Annette Frier gelesen wurde. Übrig bleibt jedoch von diesem Buch nur ein flaues Ende, bei dem die Depressionen verschwinden, wenn man sich nur für das Leben entscheidet und die Gewissheit, dass die Grundidee dieses Romans besser ist, als ihre Umsetzung. Schade.

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Matt Haig
Die Mitternachtsbibliothek
Ungekürztes Hörbuch
Sprecherin: Annette Frier
Spieldauer: 8 Std. und 21 Min.
Erscheinungsdatum: 01.02.2021
Verlag: Argon Verlag

Triceratops – Stephan Roiss

Aufmerksam wurde ich auf „Triceratops“ von Stephan Roiss, weil das Buch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 stand. Die Leseprobe machte mich im vergangenen Jahr neugierig auf das Buch und so landete es schließlich auf meinem eReader. Und wie das manchmal so ist, drängelten sich zwischenzeitlich andere Bücher in den Vordergrund und ich vergaß gänzlich, worum es in dem Buch eigentlich geht. Als ich kürzlich beschloss es endlich zu lesen, ging ich daher völlig unbeeinflusst von Klappentext oder sonstigen Informationen an das Buch heran. Ich wusste lediglich, dass der Deutsche Buchpreis 2020 von einem anderen Buch gewonnen worden war.

Beim Lesen finde ich mich inmitten der Gedankenwelt eines Kindes in den 1980er Jahren wieder. Der Junge, der in dem kompletten Buch namenlos bleibt, beschreibt sein Erleben in der Wir-Perspektive. Aber auch anhand der Sprache merkt man als Leser schnell, dass mit diesem Jungen irgendetwas nicht stimmt. Die Erzählweise ist merkwürdig abgehackt und gefühllos. Dies zu lesen macht nicht unbedingt Freude und auch nicht die nicht lineare Erzählweise, die einen durch das Leben dieses eigenartigen Jungen springen lässt und allmählich in kurzen Kapiteln immer mehr von seinem Umfeld offenbart. Denn in einen Lesefluss gerät man dadurch nicht.

Aber dies ist auch keine Geschichte zum Zurücklehnen und Schmökern, denn der Junge wird in einer Familie mit psychischen Erkrankungen groß, die nicht die besten Voraussetzungen für ein gesundes Heranwachsen bietet. Das unglückliche Kind isst zu viel, wird übergewichtig, hat ständig Ekzeme und wird auch noch in der Schule gemobbt. Es hätte gerne die Hörner, den Nackenschild und den wehrhaften Panzer eines Triceratops, denn immer wieder kratzt er sich seine dünne verletzliche Haut auf, bis sie in blutigen Fetzen hängt.

Im zweiten Teil des Buches ändert sich glücklicherweise die Wahrnehmung des Jungen und damit auch die Sprache, die ab sofort etwas beschreibender wird. Die Grundstimmung bleibt jedoch bedrückend. Der inzwischen Jugendliche entwickelt sich und sucht nicht nur seinen Weg im Leben, sondern versucht auch mit seiner Wut fertigzuwerden. Ohne menschlichen Beistand oder die Fähigkeit zur Selbstreflexion probiert er einiges aus, gerät auf Abwege und muss mit ansehen, wie es mit seiner Familie immer weiter bergab geht.

So richtig nah komme ich diesem Protagonisten beim Lesen jedoch nicht und auch stilistisch konnte mich das Buch nicht fesseln. Aber dennoch war mein Interesse so weit geweckt, dass ich erfahren wollte, wie diese Geschichte endet und was sie mir eigentlich vermitteln möchte. Denn vieles wird in diesem Roman nur angedeutet und manches klischeehaft abgearbeitet. Letztlich ließ mich das Ende im wahrsten Sinne des Wortes gespalten und mit dem Eindruck zurück, dass man aus dieser Geschichte mehr hätte machen können.

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Stephan Roiss
Triceratops
Hardcover, 208 Seiten
ISBN: 978-3218012294
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Kremayr & Scheriau
Erschienen: 17.08.2020

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Mein Name ist Monster – Katie Hale

Allzu viel wusste ich nicht von dem Buch, als ich mich entschied es zu lesen. Es geht um eine zerstörte Welt, in der ein junges Mädchen irgendwie überlebt hat und auf ihrer Reise an die Küste Schottlands angespült wird, wo sie auf ein verwildertes Mädchen trifft. Für die beiden letzten Überlebenden ist es die Hoffnung auf einen Neuanfang und ich wollte mich von dieser postapocalyptischen Geschichte einfach ein wenig unterhalten lassen. Doch ich musste schon bald feststellen, dass wider Erwarten meine derzeitige Gemütsverfassung damit gar nicht gut zurecht kam. Zu sehr fühlte ich mich bei den Beschreibungen an die menschenleeren Städte der letzten Zeit und an die Angst vor dem, was das bei uns derzeit grassierende Virus COVID-19 außer den von Hamsterkäufern geleerten Regalen, der sozialen Isolation und den zahlreichen Todesfällen noch mit sich bringen würde, erinnert.

21_Mein Name ist Monster

„Ich muss immer wieder an die Menschen denken, die inmitten einer von der Krankheit verseuchten Stadt in ihren Vorstadthäusern unter Quarantäne gestellt worden waren, nicht wegen der anderen, sondern zu ihrem eigenen Schutz. Ich kann mir ihre ungläubige Freude vorstellen, als die Plakate aufgehängt wurden, und wie sie mit Feuereifer ihre Koffer packten und sich für die Evakuierung in die Schutzzentren bereit machten, in denen es saubere Luft und reichlich Essen geben würde. Und wie hoffnungsvoll sie waren, als sie mit ihren Familien dort ankamen – bevor alles zusammenbrach. Bevor die Ressourcen erschöpft waren und zwischen und selbst in den einzelnen Schutzzentren der Krieg weiterging. Bevor die Überbleibsel der Menschheit brannten, während ich im Saatgut-Tresor unter Stein, Schnee und Eis kauerte und überlebte.“ (S. 105)

Ausgelöst wurde die Krankheit durch Viren, die mit den abgeworfenen Bomben im Krieg zu den Menschen kamen. Es scheint, dass nur die junge Frau, die ihr Vater liebevoll neckend immer Monster genannt hatte und die andere aufgrund ihrer hervorragenden technischen Fähigkeiten boshaft ‚Mannweib für alles‘ nannten, als einzige überlebt. Das Alleinsein ist für sie nicht neu, da sie immer schon lieber ihr Wissen erweiterte und auf die Erfahrung und Abgeschiedenheit bedacht war, die sie für ihre Erfindungen brauchte.

„Die Isolation macht mir nichts aus. Die schönsten Augenblicke meiner Kindheit habe ich allein verbracht. Nur dann konnte ich die vielen Geräusche ausblenden, konnte meinen Verstand so weit beruhigen, dass ich mit Schaltkreisen und Motoren und Zahnrädern experimentieren, etwas erforschen, erschaffen konnte.“ (S. 98)

Als die fast schon autistisch wirkende Frau jedoch auf ein sprachloses verwildertes Mädchen trifft, ist sie doch froh, dass sie nicht mehr gezwungen ist, allein zu sein.

„Ich habe beschlossen, sie Monster zu nennen. Sie soll eine Kämpferin werden, sie soll überleben, und so wird mein Name mit ihr überleben. Er ist der Talisman, den ich bei mir getragen habe, der mit meinen Wasserflaschen und Socken und dem wenigen Essen um Platz wetteiferte, der sich als nützlich erwies, mich auf Distanz und am Leben erhielt. Jetzt wird er unser beider Talisman sein. Das Mädchen wird lernen zu überdauern.“ (S. 145)

Sie selbst lässt sich von dem Mädchen fortan ‚Mutter‘ nennen, hilft ihr, die Lücken in ihrer begrenzten Welt zu füllen und allem darin einen Namen zu geben. Doch Monster wird allmählich älter und merkt, dass ihre Sicht auf die Dinge, nicht unbedingt die gleiche ist, wie die des gefühlskalt erscheinenden Menschen, den sie Mutter nennt, eine Bezeichnung von der sie fühlt, dass sie viel mehr beinhaltet.

„Ich meine, dass Mutter die Sachen die sie sieht, nicht richtig versteht. Manchmal versteht sie alles so sehr nicht, dass ich glaube, sie will eine leere Welt haben.“ (S. 217)

Erzählt wird die Geschichte in zwei Teilen. Den ersten Teil erlebt man als Leser aus der Ich-Perspektive der jungen Frau, den zweiten Teil aus der Ich-Perspektive des verwilderten Mädchens. Beide Perspektiven laden ein, sich in die jeweilige Person hineinzuversetzen. Ich fand es beinahe erleichternd nach dem ersten Teil den Wechsel zu erleben, weil ich zwar die Gedankenwelt der jungen Frau interessant fand, mich jedoch die Gefühlskälte irgendwann abstieß. Zusammen mit dem apokalyptischen Szenario war das eine Welt, in die ich mich aufgrund der bildhaften Beschreibungen zwar gut hineinfühlen konnte, aber irgendwann nicht mehr wollte und immer widerwilliger weiter las.

Der zweite Teil geht nahtlos aus der Sicht des verwilderten Mädchens weiter, was man auch an der Ausdrucksweise merkt. Der Sprachschatz ist eigenartig und gänzlich aus dem der jungen eigenbrötlerischen Frau mit dem feindlichen Weltbild entnommen. Die Denkweise ist holprig und folgt ihren ganz eigenen logischen Gesetzen, die in ihr versumpfen und die sie nicht nach außen hin tragen und auf ihre Substanz und Korrektheit hin überprüfen kann. Da sich die Gedankengänge oft wiederholen, zeigt es zwar, was sie in der überwiegenden Zeit beschäftigt, aber mit der Zeit beginnt dies beim Lesen zu langweilen. Schließlich wählt sie einen Weg um aus ihrer geteilten Isolation zu entfliehen, was meines Erachtens die Geschichte jedoch in eine absurde Unglaubwürdigkeit abdriften lässt. Hier verfügt die kleine Wilde plötzlich über Kenntnisse, die aus dem Nichts kommen und die für den Leser nicht nachvollziehbar sind.

Sprachlich hat das Buch Potential und in die Charaktere kann man sich so gut hineinversetzen, dass man es nicht möchte. Fragte ich mich anfangs noch, ob mich dieser Roman einfach zu einem falschen Zeitpunkt erreicht hat, bin ich nach Beendigung des Buches jedoch insgesamt einfach nur enttäuscht von dem Ausgang der Geschichte. Schade.

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Katie Hale
Mein Name ist Monster
Aus dem Englischen von Eva Kemper
Original: My Name is Monster
gebunden, 384 Seiten
ISBN: 978-3-10-397469-0
Preis:  22,00 [D] inkl. MwSt.
Verlag: fischerverlage
Erschienen: 25.03.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.